Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
etzen bis eu (Bd. 3, Sp. 1188 bis 1189)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) etzen , verhält sich zu essen wie goth. atjan zu itan, bedeutet also essen machen, speisen, füttern, weiden, cibare, pascere, unter der neueren, schlechteren schreibung ätzen bereits 1, 596 vorgetragen.
1) von menschen: etzen und trenken, mit speise und trank versehen: auch solche thäter nicht beherbergen, behausen, etzen oder trenken, enthalten oder gedulden. landfr. von 1495, auch 1521. 7, 10; und wöllen, das ir den vorgemelten Martin Luther nicht hauset, höfet, etzet, trenket noch enthaltet. Luther 2, 430a; denn ein mensch lesset sich wiegen, tragen, etzen und trenken. 6, 66b; Maria hat seiner müssen warten und pflegen, in seugen, etzen, auswischen. tischr. 72a; lasz meine schwester Thamar komen, das sie mich etze. 2 Sam. 13, 5;

aus mutterleib nacket und hülflos
ganz durstig, ellend und blosz
verdorben werst in deim unflat,
wer alter dir zu hilf nit kummen
mit wischen, waschen, baden, zwagen,
mit seugen, etzen, legen, tragen.
H. Sachs I, 368b.


2) vom vieh: die pferde, rinder, schafe, gänse etzen, weiden, pascere. es heiszt aber auch das vieh etzt, weidet, friszt das gras, depascit herbam, und der hubner etzt die wiese, weidet sie mit dem vieh ab: item den lankhalm sol ein ieclicher hoifner etzen binnen dem banne. weisth. 3, 380 und in solchem sinn stehn häufig 'etzen und treten', 'treten und etzen' verbunden. weisth. 1, 164. 165. 3, 732. etzen geht auf futter und gras, treten auf den trat, d. h. das betreten des wiesengrundes mit weidendem vieh. also das die burger zu Ortenberg (in der Wetterau) dieselbig weide (auf dem Stutlipp) mit ihrem viehe brauchen und etzen sollen und mogen. gerichtsbuch von Ortenberg unter dem j. 1572; ich sol sie (die gans) warlich schön ätzen. Steinhöwel dec. 244, 12; der storch, der seinen vater etzet und treget. Mathesius 102b. vgl. DWB abetzen, DWB aufetzen.
3) wie etzen zu essen steht auch beizen zu beiszen und wir sahen sp. 1162, dasz essen eigentlich beiszen war. daraus flieszt also die bedeutung von mordere, rodere, beizen für etzen: so man dis pflaster dem viehe über die augengeschwär leget, reiniget es dieselbigen, doch soll mans gezimlich brauchen, dasz es nit zu viel etze. Tabernaem. 968; und wo sie (die durch das land ziehenden heerhaufen) darein seichen, da etzt es, besser als Hannibals siedender essig, straszen durch die berg, fürnemlich wann sie den kalten seich und die pferd die streng haben. Garg. 223b; ein hauptmanns fluch etzt durch neun harnisch. 244b;

denn je der Rhein on alle scheu
etzt durch sie (die berge) eine straszen frei. gl. schif 410.

namentlich drückt auch etzen einbrennen, emaillieren aus. Schmeller 1, 133, und die kupferstecher etzen mit scheidewasser:

ein ritter ihnen gleich indes begunt zu nahen,
an dem ein waffen sie geetzt mit golde sahen.
Werder Ar. 25, 72;

gar schöne bilder hat er auch dahin versetzet,
die waren wunderlich und künstlich ausgeetzet. 25, 83.


4) plaudern, atzen blaterare. Stieler 72:

ein elster dunkt sich stolz und klug,
wollt trinken aus eim schönen groszen wasserkrug,
sie satzt sich drauf, sie sang und pfif frisch drauf,
sie etzet sehr und trieb viel mancherlei geschwätz.
Hofmanns gesellsch. lieder no 172 (2 ausg. 371).

vgl. den namen atzel, geschwätzige elster.

[Bd. 3, Sp. 1189]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) etzler, m. edax, vorax:

eins mals ein metzler sasz und schlief
bei seinem fleisch. indem her lief
ein groszer hund, bald in eim ruck
erwüscht vom fleisch ein groszes stuck,
lief bald davon, da erwacht der metzler
und rief im nach 'hie, hie, du etzler,
lauf hin, jetzt bist sicher vor mir,
dasz ich nicht kan nachlaufen dir'.
Waldis 1, 47.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etzlich, s. etslich.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etzt, f. feuerstätte, esse oder trog? der kupferschlag, so in der etzt oder auf dem ambosz gesammlet wird, soll wider die faulung dienlich sein. Otho krankentrost 612. vgl das t in erzt, obst u. a. m.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etzung, f. pastus.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etzwas, s. DWB etswas.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etzwer, s. DWB etswer.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etzwerk, n. email:

was, Caesar hat doch seine macht
mit solchem etzwerk und buchstaben
auf seiner feind haut eingegraben,
als du gethan.
Weckherlin 365.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etzwie, s. etswie.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etzwiese, f. pascuum: auch weist man zu recht eine etzwiesen, die zu verreidelen. weisth. 3, 416. bei Büdingen führt noch eine wiese diesen namen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
eu , ein diphthong, dessen ursprung, beschaffenheit, aussprache und unterschied von ie, äu, ei zu prüfen ist.
1) nhd. eu entspringt wesentlich aus mhd. ahd. goth. iu und seine natur ist in der fünften ablautsreihe zu erkennen. seitdem aber brechung eintrat und i zu ë, u zu o wurde, wandelte sich in gleicher lage iu in io, mhd. in ie, neben welchem wir iu nur im imperativ sg., so wie in der 2 und 3 person praes. ind. geschützt finden. dem verhalt des ahd. io : iu, mhd. ie : iu entspricht also nhd. ie : eu, um hier beispiele nach dem imp. zu geben, in scheub steub schleuf treuf beug leug schmeug kreuch reuch fleuch zeuch beut seud fleusz geusz neusz scheusz schleusz verdreusz keus verleus. allein schon lange klingen diese eu alterthümlich, verschollen, höchstens dichterisch und lassen sich nun ebenfalls brechung in schieb stieb schlief u. s. w. gefallen, da die sprache doch gib nimm wirf u. s. w. behält. daraus erwächst uns offenbarer nachtheil.
2) wo sich auszerdem ie und eu zur seite stehen, wie in dieb deube, tief teufe, siech seuche, schiech scheuche, liecht leuchten, darf man auf verloren gegangne starke verba schlieszen; schwerer fällt der schlusz, wo das eu allein steht und die herleitung dunkel wird, wie in neu, treu, spreu, reue, euch, feucht, feuer, geheuer, scheuer, steuer, beule, eule, neun, freund, beunde, reuse, deuten, reuten.
3) die goth. flexion zeigt iu, zwar schon zu ju geworden, in den nom. pl. jus, sunjus, fôtjus, handjus, wovon ahd. keine spur, hingegen gewährt der dat. sg. suniu, fuoziu statt des goth. sunau, fôtau. gröszeren umfang hat der ahd. mhd. ausgang des nom. sg. f. und nom. acc. pl. n. einzelner pronomina und aller adjective diu, blindiu, guotiu, in merkwürdigem abstand von dem goth. blinda, gôda. reste davon laufen noch nhd. ins 14. 15 jh., Megenberg schreibt allerwärts sichareu 5, 7. edleu glider 9, 11. ein holeu ader 9, 18. siecheu augen 9, 30. kalteu ding 10, 11. grœʒereu herz 26, 29 u. s. w.

habt dank, junkfrau seligeu,
das mich got mit euch erfreu! fastn. 615, 26;

ganz wie mhd.

ër ist mein hërre und ich sein diu,
doch bin ich vil unwirdigiu. anegenge 30, 66;

entriwen, ich lieʒe ûf ein rat
binden mich, ich sündigiu,
erbe mich, vrouwe, ich bin dîn diu.
Haupt 8, 300;

die mhd. unterscheidung drî tres, driu tria wahren oberdeutsche volksmundarten bis auf heute, drei und dreu. in heuer und heute waltet das alte instrumentale hiu.
4) da aus goth. iu der ablaut au flieszt, im pl. aber wieder kurzes u vortritt, wie auch in der flexion sunus, sunaus, sunjus die drei laute wechseln, so ergibt sich die nahe verwandtschaft des au in vielen wörtern. ahd. mhd. wird dieses au bald zu ou, bald verdichtet zu ô. nhd. überall zu ô oder gar gekürztem o, nur in taugt haftete das au und in einer menge von ableitungen wie staub, erlaucht und den dunkeln laub, glaube, raub, taub, auch, kaufen, raufen, taufen, auge, pauke, baum, traum u. s. w., welche im umlaut äu annehmen: stäubchen, läublein, gläubig, käuflich, äugen, äuglein, bäume, träume, dies äu

[Bd. 3, Sp. 1190]


aber tritt der aussprache von eu ganz nahe, das auch in einzelnen, wie heu, freuen, streuen, leugnen, mhd. höuwe, fröuwen, ströuwen haftet. wenn Megenberg neben leute auch läute schreibt, so gleicht dieses dem goth. laudeis, jenes dem ahd. liutî.
5) endlich gab es ein ahd. mhd. û, dem wiederum der umlaut iu zu theil wurde, das aber nhd. in au mit dem umlaut äu übertrat: bau sau, faul gaul maul, kaum raum schaum daume, braun zaun laune, bauer dauer mauer sauer trauer, haube traube, auf hauf saufe, sauge, bauch schlauch strauche tauche, rauh, braut haut kraut traut laut, aus braus daus haus knauser laus maus saus, kauz. umgelautet gebäu säue fäule — mäuse käuze. man zieht äu dem eu (wie ä dem e) vor, um den umlaut sichtbarer zu machen. nur ausnahmsweise dauert eu daneben: seule, säule, eugen, äugen.
6) tadelhaft, zum theil aber schon alt sind verwechselungen des eu mit ei: heurat und heirat, eugen und ereignen, zeugen und zeigen, reuter und reiter, steusz und steisz; Garg. 68b steht leuchteret für leichteret, 190b feurt für feirt. aus dem bekannten namen Steinhöuwel, Steinhöwel wurde Steinheil.
7) goth. iu hatte die aussprache íu, mit dem ton auf i, nicht iú, und zu goth. biudan bildet schw. bjuda, dän. byde den gegensatz; wie hätte aus þius der gen. þivis, aus qius qivis, aus ganiujan ganivida hervorgehen können, wenn i nicht betont gewesen wäre? nur in der tonlosen flexion wandelte sich sunius in sunjus und doch bekommt der gen. wieder sunivê. gleich unzweifelhaft ist ahd. mhd. íu, aus welchen keine brechung ío, íe hätte entspringen können, wenn die aussprachewar; nicht anders zeugt das nhd. éu, das mit äu reimt, für den vollen diphthong. es ist darum falsch dem mhd. iu die ausspracheoder gar ü beizumessen, woraus gar kein übergang in nhd. eu möglich geworden wäre und selbst in der flexion sahen wir sündigiu : diu, seligeu : erfreu reimen. wenigstens scheint für die gothische und bairische mundart solch reines iu, eu gerecht und gedämpftes, gedrücktes ü verwerflich, wie die reuchlinische aussprache für den altgriechischen vocalismus. ob der alamannische dialect schon frühe, wie der heutige schweizerische, davon abgewichen sei, kann hier nicht untersucht werden. übrigens reimen nhd. alle arten des eu und äu aufeinander, heu : neu, läublein : träublein, da doch mhd. höuwe : niuwe, löubelîn : triubelîn unstatthaft wären.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 1 von 1
1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: