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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
etwer bis etzlich (Bd. 3, Sp. 1187 bis 1189)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) etwer, aliquis, nonnullus: mhd. wb. 3, 567b; etwer oder iemand, ullus, aliquis, etlicher mensch. vocab. 1482 h 3a; Jhesus sprach, mich hat etwer gerürt, wann ich hab erkennt, das die kraft von mir ist ausgegangen. bibel 1483, 500a = Luc. 8, 46, vulg. tetigit me aliquis, goth. taitôk mis sums, Luther es hat mich iemand angerüret; meinten es were etwer, der das der nachperschaft mer zu leide thet. Steinhöwel dec. 85, 22; die welt musz etwer (für etwen) haben, darauf sie glaffe (? gaffe) und den sie für gott achte. Frank chron. 296b. heute auszer gebrauch. s. DWB etswer, DWB etzwer.
 
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etwerlei, welcherlei: etwerlei betrug. Melissus ps. N 1a; mit etwerlei. y 2a.
 
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etwie, der ahd. instrumental ëtawiu, quodammodo, einigermaszen, mit dem unbestimmten sinn von ziemlich, vgl. DWB ze etewiu (Graff 4, 1192), nicht allein stehend, sondern mit den adj. oder adv. manig, vil, lang, dicke u. a. m. verbunden: bilgerîn ettewie vile gingent von thiuscheme lande zuo sante Jacobe. predigtmärlein 22, 29; der ritter und der herren giengent ettewie vil zuo des küniges bruoder. 25, 20; also kom er in eine stat, diu hieʒ Sichem, in der was er etwie lange. Grieshaber 2, 61;

nicht éin mal, ettwie dicke. Diocl. 8377,

nicht einmal, sondern ziemlich oft; ouch andere ettewie viel erbere lute. weisth. 1, 699; und da Hans Snider uf die vesti gefürt wurde und etwie manigen tag gevangen lege. Schreiber Freib. urk. 2, 64; und da daʒ etwie lang gestuond, daʒ sü ein kint hatte und daʒ ander truog. 2, 65; etwie lang, aliquantisper, aliquantum diu. voc. 1482 h 3b; etlichmal oft, etwie oft, aliquotiens. ebenda. für etwie wird auch etwe, d. i. etwê geschrieben: das man wandi, dastu das alles hetest oder etwe vil. bihtebuch s. 40; auch sind meine wismader zu dem newen weg gen Hall werts etwevil genomen. Chmel Maximil. s. 412; ettwemanig jare inne gehabt und genossen. Mone zeitschr. 3, 179; so dan daselbs zu Bruchsel ettwemanig jare gescheen ist. 3, 180; dadurch sich der gang des wassers ettwevast gen Nuszdorf bewegt. notizenblatt 6, 596; wir haben nu ettwe oft begert. 6, 597. wahrscheinlich steckt in ettenâher (Kelle spec. 158) ein etwê nâher, ëtwiu nâhôr, ein wenig näher. diese gefüge und beholfene partikel geht der späteren sprache ab. siehe DWB etswie.
 
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etwo, alicubi, irgendwo, mhd. ëteswâ, aus mhd.ubi entspringt nhd. wo: bei diesen allen habe ich wonung gesucht, das ich etwo stat fünde. Sir. 24, 10; und ob etwo gebrechen und feil an ir ist. Luther 6, 356b; wenn etwo kram were, der schamrot feil hette, dürft ich den lüden ein par gülden schenken. 8, 75a; wo aber etwo solche not fürfiele. 8, 196b; nu musz ja derselbige haufe etwo einen raum haben. 8, 197a;

so er etwo nur stolpert.
Melissus ps. P 6b;

wir müssen mehr kaufen bleiweisz,
und auch etwo zwei loth spongrün.
Ayrer fastn. 7a;

[Bd. 3, Sp. 1188]



villeicht ich etwo rat möcht finden.
Rebhun Susanna A 4;

wo ich sie teglich nicht solt sehen
und etwo nahend umb sie gehen. B 2;

wenn gar allein sie etwo were. B 2,

die zweite ausgabe liest etwa, wie umgedreht sonst etwo für etwa gesetzt wird, z. b. item es sein sunst andere mer entleibung, die etwo (Gobler nonnunquam) aus unstreflichen ursachen beschehen. Carolina 150, vgl. DWB wa und DWB wo. heute mit abgeworfnem et:

ich kenne wo ein festes schlosz.
Novalis 1, 154.


 
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etwohin, alicunde. voc. 1482 h 3b.
 
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etz, f. pascuum, weideplatz, auch geschrieben ötz. Schmeller 1, 133.
 
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etzarzt, m. medicus causticus, qui sanat rodendo: damit ir nit vergleicht werden den etzarzten, die da meinen, wann sie das stück fleisch hinweg nemen, so sei auch hinweg genommen die krankheit. Paracelsus chir. schr. 225b.
 
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etzematte, f. pascuum, weidematte. weisth. 1, 334. s. etzwiese.
 
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etzen , verhält sich zu essen wie goth. atjan zu itan, bedeutet also essen machen, speisen, füttern, weiden, cibare, pascere, unter der neueren, schlechteren schreibung ätzen bereits 1, 596 vorgetragen.
1) von menschen: etzen und trenken, mit speise und trank versehen: auch solche thäter nicht beherbergen, behausen, etzen oder trenken, enthalten oder gedulden. landfr. von 1495, auch 1521. 7, 10; und wöllen, das ir den vorgemelten Martin Luther nicht hauset, höfet, etzet, trenket noch enthaltet. Luther 2, 430a; denn ein mensch lesset sich wiegen, tragen, etzen und trenken. 6, 66b; Maria hat seiner müssen warten und pflegen, in seugen, etzen, auswischen. tischr. 72a; lasz meine schwester Thamar komen, das sie mich etze. 2 Sam. 13, 5;

aus mutterleib nacket und hülflos
ganz durstig, ellend und blosz
verdorben werst in deim unflat,
wer alter dir zu hilf nit kummen
mit wischen, waschen, baden, zwagen,
mit seugen, etzen, legen, tragen.
H. Sachs I, 368b.


2) vom vieh: die pferde, rinder, schafe, gänse etzen, weiden, pascere. es heiszt aber auch das vieh etzt, weidet, friszt das gras, depascit herbam, und der hubner etzt die wiese, weidet sie mit dem vieh ab: item den lankhalm sol ein ieclicher hoifner etzen binnen dem banne. weisth. 3, 380 und in solchem sinn stehn häufig 'etzen und treten', 'treten und etzen' verbunden. weisth. 1, 164. 165. 3, 732. etzen geht auf futter und gras, treten auf den trat, d. h. das betreten des wiesengrundes mit weidendem vieh. also das die burger zu Ortenberg (in der Wetterau) dieselbig weide (auf dem Stutlipp) mit ihrem viehe brauchen und etzen sollen und mogen. gerichtsbuch von Ortenberg unter dem j. 1572; ich sol sie (die gans) warlich schön ätzen. Steinhöwel dec. 244, 12; der storch, der seinen vater etzet und treget. Mathesius 102b. vgl. DWB abetzen, DWB aufetzen.
3) wie etzen zu essen steht auch beizen zu beiszen und wir sahen sp. 1162, dasz essen eigentlich beiszen war. daraus flieszt also die bedeutung von mordere, rodere, beizen für etzen: so man dis pflaster dem viehe über die augengeschwär leget, reiniget es dieselbigen, doch soll mans gezimlich brauchen, dasz es nit zu viel etze. Tabernaem. 968; und wo sie (die durch das land ziehenden heerhaufen) darein seichen, da etzt es, besser als Hannibals siedender essig, straszen durch die berg, fürnemlich wann sie den kalten seich und die pferd die streng haben. Garg. 223b; ein hauptmanns fluch etzt durch neun harnisch. 244b;

denn je der Rhein on alle scheu
etzt durch sie (die berge) eine straszen frei. gl. schif 410.

namentlich drückt auch etzen einbrennen, emaillieren aus. Schmeller 1, 133, und die kupferstecher etzen mit scheidewasser:

ein ritter ihnen gleich indes begunt zu nahen,
an dem ein waffen sie geetzt mit golde sahen.
Werder Ar. 25, 72;

gar schöne bilder hat er auch dahin versetzet,
die waren wunderlich und künstlich ausgeetzet. 25, 83.


4) plaudern, atzen blaterare. Stieler 72:

ein elster dunkt sich stolz und klug,
wollt trinken aus eim schönen groszen wasserkrug,
sie satzt sich drauf, sie sang und pfif frisch drauf,
sie etzet sehr und trieb viel mancherlei geschwätz.
Hofmanns gesellsch. lieder no 172 (2 ausg. 371).

vgl. den namen atzel, geschwätzige elster.

[Bd. 3, Sp. 1189]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) etzler, m. edax, vorax:

eins mals ein metzler sasz und schlief
bei seinem fleisch. indem her lief
ein groszer hund, bald in eim ruck
erwüscht vom fleisch ein groszes stuck,
lief bald davon, da erwacht der metzler
und rief im nach 'hie, hie, du etzler,
lauf hin, jetzt bist sicher vor mir,
dasz ich nicht kan nachlaufen dir'.
Waldis 1, 47.


 
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etzlich, s. etslich.

 

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