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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ett bis etwa (Bd. 3, Sp. 1180 bis 1181)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ett, ette, pater. th. 1, 595.

dann was ist lieblichers zu hören,
als wann die kinder reden lehren (lernen)?
wanns heraus lispeln halb die red
und rufen abba, vatter, ett.
Fischart geistl. lieder 92;

sein ette hat mein ette kennt,
me ehne seinen ehne gnent.
Frischlinorum Susanna p. 303.


 
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etter, m. sepes, septum, alts. ëder, ags. ëdor, ahd. ëtar, mhd. ëter, noch heute in der Schweiz (Stalder 1, 115) und in Baiern (Schmeller 1, 128) etter, ein uraltes wort, wofür sich schon ein goth. idrs, wo nicht aidrs vermuten läszt, da auch finn. der zaun aita, estn. aid, aed, lapp. aidde heiszt. auf der andern seite klingt das ir. ithir an, a cornfield, also the soil of any ground, wobei man das ir. und welsche ith granum erwägen kann. es war natürlich, dasz die vorstellungen zaun und eingezäuntes feld oder grundstück, flur einander vertraten, wie gerade zûn, ags. tûn sepes im altn. tûn viridarium, oppidum ausdrücken. edor kann daher auch den eingefriedigten raum des ackers wie des hauses bedeuten:

lêddun ina wlanke man
ërlos under ëderôs, thar was eld mikil. Hel. 151, 1,

sie leiteten ihn unter die zäune, in den hof zur feuerstätte;

hêht þâ eorla hleo eahta mearas
fæted hleore on flet teon,
in under eoderas. Beov. 2068,

er hiesz die acht pferde in den vorhof (das fletze), unter die etter ziehen;

eorl vîsade in under edoras. Cœdm. 147, 25;

in under ëdoras. 150, 5,

welche beiden letzten stellen deutlich das haus, die wohnung selbst meinen.

ich hôrte grôʒen vogelsanc
in dem garten wünneclich
ûf einer linde lobelich,
diu stuont ob einem brunnen
und schirmde in vor der sunnen
und vor allem wëtere.
innerthalp dem ëtere
saʒ diu liebe vrouwe mîn.
Heinzelins minnelehre 1646,

hier ist der etter ein brunnengehege unter der linde im garten. item die winreben zu Wülflingen sollend also in gutem frid sein und ligen, als ein gut in nün ettern (in neun zäunen).

[Bd. 3, Sp. 1181]


weisth. 1, 139; wer ouch, das dehein man des vogtes ungnade verschuldet hette mit unzüchten, flühe der ze sant Märien in den ettern, so sol ime der vogt nit nachfolgen weder ze rosse noch ze fusze denne unz an den ettern, wand das gotzhus von alter also gefriget ist, das man da nieman vahen noch slahen sol. 1, 339. um das dorf, um die mark herum befand sich eine solche hegung, welche der dorfetter, dorfitter hiesz, weisth. 1, 752. 753, und wonach auch einzelne dörfer den namen führen, z. b. Itter, in Oberhessen. man sagte innerhalb, oder auszerhalb etters stehen. weisth. 1, 29. 121; binnen dem eder. 3, 797; den etter räumen, den eder ruimen. 3, 146; missethäter musten bis an den etter, vor den etter zugeliefert werden. 3, 644. 797.
etter und zaun wurden aber im alterthum weder aufgeschlagen noch gesteint, sondern immer aus ruthen und dörnern geflochten:

do grebt man schwefel, macht salpeter,
der zeunt, ein ander flicht das eter.
Thurneisser archidoxa bl. 11.

zu beachten sind die stellen, wo zwischen zaun und etter unterschieden wird. im bairischen volksrecht, cap. de sepe rupta heiszt es: si illam sepem irruperit vel dissipaverit, quam eʒʒisczûn vocant, cum uno solido componat et restitutione. superiorem vero virgam, quam ëtarcartea vocamus, quae sepis continet firmitatem, si eam injuste reciderit, simili modo cum solido componat, eo quod minime tunc sepis vitiata animalis sustinet impetum. die ëtarcartea d. i. ettergerte festigte hauptsächlich den getraidezaun (eʒʒisczûn), war also nur ein theil des zauns; weisth. 3, 889 ist die rede von einem neun etter, d. i. ruthen hohen zaun: item ein hune (henne) sal einen gank han, so fern als einer uf einem hause gritelig (gespreizt) sitzend mit einem ei wirft, thut sie aber schaden, so sol man machen einen zun ix edere hoch, flugt sie dan daruber, so hat man macht sie zu erschlagen. s. die vorhin aus 1, 139 angeführte stelle.
 
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ettergerte, f. virga sepis, ward eben angeführt.
 
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ettergrabe, m. heiszt z. b. ein grabe bei Gieszen, der von der Lahn an nach der Wieseck sich erstreckend die stadt auf der nördlichen und nordöstlichen seite umschlieszt.
 
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ettern, sepire: sollen die zeun mit zweien ätern geätert sein. weisth. 1, 263; und hat ein vogt nicht me rechtens in dem forst, dan das er einen wagen voller gerten zu einem geetterten zaun ... hawen möge. 1, 584. es gab also geetterte und ungeetterte zäune.
 
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etterruthe, f. wie ettergerte. Schmeller 1, 128. Stalder 1, 116.
 
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etterzaun, m. schon langob. iderzôn. Rothar 290.
 
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etterzehend, m., der bis an den etter oder für den etter entrichtet wurde.
 
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ettich, f. phthisis, s. DWB atzmann 1, 597. etkum 3, 1174.
 
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ettlein, n. paterculus, väterlein, väterchen:

und wolt niemant nach uns fregen,
so weist sie hin gen Erlestegen
oder hinuber zu dem tauben etlein,
da sol heint unser herberg sein. fastn. 96.

'zum tauben ette', scherzhafter name einer weit entlegnen herberge, so wie 'gen Erlenstegen'.
 
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etwa , aliquando, forte. bei dieser partikel ist vorsicht nöthig. ein scheinbar entsprechendes mhd. ëtewâ kommt kaum vor, nur ëteswâ, und würde gleich diesem alicubi, uspiam bedeuten, also, da mhd.ubi zu nhd. wo wird, etwo, etzwo lauten, welches auch hernach folgt. gewöhnlich ist nhd. etwa abgestumpftes etwan (s. dieses). doch hat es sich daneben auch im sinn von ëteswenne aliquando erhalten.
1) etwa, alicubi, mhd. ëteswâ: got ist nindert, dann das etwa ist, das ist in ein stat eingeschlossen. Frank chronik 368a. Dasyp. 322b. Frisch 1, 233c.
2) etwa, forte, vielleicht: umb etwa einer unlust willen, vulg. propter aliquam foeditatem. 5 Mos. 24, 1; kom und setze dich etwa hie oder da her, vulg. declina paulisper et sede hic. Ruth 4, 1; denn ich hab auch meinen knaben etwa hie oder da her bescheiden, pueris meis condixi in illum et illum locum. 1 Sam. 21, 2; jage im nach, das er nicht etwa fur sich feste stede finde, ne forte inveniat civitates munitas. 2 Sam. 20, 6; du hast etwa deinem bruder ein pfand genomen on ursach. Hiob 22, 6; wie kan er an dem allmechtigen lust haben und gott etwa anrufen. 27, 10; wird ja des finstern etwa ein ende. 28, 3; o hette ich flügel wie tauben, das ich flüge und etwa bliebe! ps. 55, 7, wo vielleicht etwo stehn sollte; s etwa 1; meinstu nicht, das etwa ein eisen sei? Jer. 15, 12; und

[Bd. 3, Sp. 1182]


die so im lande umbher gehn und etwa eines menschen bein sehen. Ez. 39, 15; und wenn sie etwa zu einem euszern vorhof zu dem volk herausgehen. 44, 19; die wechter in Ephraim hielten sich etwa an meinen got. Hosea 9, 8; als wenn ein zimmerman etwa einen bawm abhawet. weish. Sal. 13, 11; sahe auf alle straszen, da er her komen solt, ob sie in etwa ersehe. Tob. 10, 8; auf das du nicht etwa deinen fusz an einen stein stöszest, goth. ei hvan ni gastagqjais. Luc. 4, 10; auf das er nicht etwa dich fur den richter ziehe. 12, 58; so setze dich nicht oben an, das nicht etwa ein erlicher denn du von im geladen sei. 14, 8; auf das sie dich nicht etwa wider laden, goth. ibai auftô jah eis aftra haitaina þuk. 14, 12; wehneten die schifleute, sie kemen etwa an ein land. apostelg. 27, 27; so ein mensch etwa von einem fehl übereilet würde, goth. jabai gafahaidau manna in hvizai missadêdê. Gal. 6, 1; ist etwa ein tugent, ist etwa ein lob, dem denket nach, goth. jabai hvô gôdeinô, hvô hazeinô. diese stellen zeigen, dasz etwa gern den conjunctionen dasz, wenn und ob, so wie in fragen hinzutritt, um die unsicherheit des ausdrucks zu erhöhen, weshalb wir auch und etwa, oder etwa, nicht etwa häufig verbinden, so wie dem hier und da, dieser oder jener und ähnlichen disjunctionen ein etwa voraussenden. vielleicht etwa steht pleonastisch: derowegen habe von meinem überflusse vielleicht etwa euren mangel ergänzen und ersetzen wollen. Felsenb. 4, 181; bin ich etwa ein Schach Riar? Wieland 7, 60;

damit nicht ein andrer
etwa dieses und jenes von mir im stillen begangnen,
unbekannten verbrechens dereinst bezüchtiget werde.
Göthe 40, 67;

grosz ist er, ich aber bin klein, und könnt es mir diesmal
etwa mislingen, so hätten mir alle die listigen streiche
wenig geholfen. 40, 206.

alle schriftsteller von Luther bis auf heute flieszen über in beispielen für dieses etwa, das sich doch nur in der syntax vollständig erörtern läszt. nur sei noch angeführt, dasz wie für etwer, etwas, etwie, etwo bloszes wer, was, wie, wo gesetzt werden mag, auch für etwa bloszes wa begegnet:

und lassen sie sich wa nicht weisen,
so sollen sie alle teufel zerreiszen.
Göthe 57, 254.

die volkssprache macht aus etwa eppa, eppe.
3) etwa für etwan, mhd. ëteswenne, olim, aliquando: das er inen brechte ins land die gefesze des hauses des herrn, die etwa aus dem tempel weg genomen waren. Baruch 1, 8; Tryphon ein heubtman, der etwa des Alexandri freund gewesen war. 1 Macc. 11, 39; den bund so zwischen uns etwa gemacht ist, widerumb zu vernewern. 12, 3; abschrift des briefes, welchen Areus uns etwa gesand hatte. 12, 19; ich aber lebete etwa on gesetze, ἐγὼ δὲ ἔζων χωρὶς νόμου ποτέ, vulg. ego autem vivebam sine lege aliquando, goth. iþ ik simlê inu vitoþ libaida. Röm. 7, 9, auch simlê bedeutet einst, ehedem; es ist er Paulus Lindenauer, etwa prediger zu Zwickau, bei mir gewest. Luthers br. 3, 344; dr. Usingen, ein Augustiner mönch, der etwa mein präceptor war. Luthers tischr. 1, 27; etwa da ich las, die heiligen väter hätten gelebet von wurzeln, meinet ich, sie hätten die wurzeln von bäumen gessen. 3, 16; dr. Hiltner, syndicus zu Regenspurg und etwa pfalzgraf Philipsen rat und diener. Aventins leben vor seiner bair. chron. s. 2. ausg. von 1566 (die von 1580 hat etwan).
4) man merke 'etwa lange': wenn sie (die wolke) aber zween tage oder einen monden oder etwa lange (vulg. longiora tempora) auf der wonung bleib, so lagen die kinder Israel und zogen nicht, und wenn sie sich denn erhub, so zogen sie. 4 Mos. 9, 22. so bereits:

daʒ ouch hër konic Davît
hât vor hin lange zît
in sînem psaltersange
vor hin ëtwâ lange
geschriben unde geseit. erlösung 2929,

wozu man halte: hernâch ëtwan lange was. 1143.
5) etwa hin, aliquo. Diefenbach 23a. Dasyp. 322b, s. DWB etwo hin, etzwa, etzwo hin.

 

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