Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
etschwein bis ettergrabe (Bd. 3, Sp. 1178 bis 1181)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) etschwein, m. vinum athesinum, wie er um Botzen wächst.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etslich und verderbt etzlich, mhd. ëteslîch, ëtslîch, ahd. ëtislîh, ëteslîh, ëdeslîh, ëddeslîh, ëthaslîh (Graff 1, 146), unter welchen ëddeslîh die älteste form und der partikel ëddo zunächst steht. ëddo aber ist das goth. aiþþau, scheint also schon verdünnung eines älteren, nirgend aufzuweisenden eiddô, dessen diphthong nicht nur im goth. ai, sondern auch im lat. au von aut und autem hinlänglichen grund findet. wir gerathen hier in eine der ältesten und dunkelsten conjunctionen. offenbar liegen goth.und das in aiþþau, eiddô steckende aiþ, aid den lat. partikeln it, wie es in iterum enthalten ist, aut und autem verwandt und die lautverschiebung stimmt nur in diesem fall, denn die übrigen ahd. formen verwischen wieder alle spur des gesetzes. möglich aber ist auch, dasz das ahd. ëtas, ëtes und ëtalîh unmittelbar aufzurück geht und nicht aus aiþ gekürzt wurde. wie nun die vorstellungen aut und forte in einander greifen, dies zu untersuchen gehört noch nicht hierher, sondern erst unter die conjunction oder, hier ist blosz gelegen an der bildung ëddes, ëdes, ëtes, die sich mit lîh und wie wir nachher sehen werden, mit den fragwörtern was, wer, wie und wo verbindet, kein entsprechendes goth. aiþþis ist in den bruchstücken überliefert, wäre gleichwol denkbar und könnte den bekannten allis, raihtis, halis zur seite stehen, ja mit rücksicht auf aiþþau sogar aiþþaus (analog dem filaus) lauten. in den frühsten ahd. glossen erscheint wirklich ein allein auftretendes ëthas tandem (Hattemer 1, 212a), wo es nicht mit dem vorausgehenden wanne demum zu verbinden ist, wie auch hernach ethashuanne tantundem folgt. dies praefix ëtes oder ëta, welchem vielleicht gleiches alter einzuräumen ist, hat nun deutlich in den wörtern ëteslîh, ëtalîh, ëteshuër, ëtahuër, ëteshuaʒ, ëtahuaʒ u. s. w., die kraft des lat. ali in aliquis, aliquid, aliquot u. s. w. d. h. es kommt dadurch in die vorstellung etwas unsicheres, wie wir es auch durch irgend ausdrücken, der etsliche, etliche ist irgend einer, etswas, etwas irgend was hier mag schon vorläufig daran erinnert werden, dasz selbst in den disjunctionen aut, ëddo, ëdo, odo, oder ein anklang von alius und alter ist, da durch aut die einheit, durch alter die einzahl überschritten und aufgehoben erscheint.
Diese höher schwebenden fragen bei seite gesetzt, reizt es zu forschen, welche mhd. dichter ëtslîch, ëteslîch statt ëtelîch, so wie die nachfolgenden ëteswâ, ëteswaʒ u. s. w. statt ëtwâ, ëtwaʒ gebrauchen oder welche beide nebeneinander anwenden. willkür der schreiber hatte doch hier viel freie hand:

ëtslîcher was ein rubîn. Parz. 85, 4;

ouch heten die este und ëtslich dorn
ir hemde zerfüeret. 257, 9;

ëtslîcher riet ir brœder lîp,
daʒ si diu wërc volbrâhte. 518, 26;

vor ungedolt ër sich sô want,
daʒ brast ëtslîch sîn wunden bant. 587, 24;

ëtslîch frouwe wart gehurt. 777, 11;

ëtslîch man daʒ prîste. Wh. 4, 22;

ëtslîche wolten daʒ bewarn. 182, 8;

ëtslîche nâmen sînen solt. 184, 21;

entsliuʒ ûf daʒ tor,
ich erzürne ëteslîchen noch hiute davor. Nib. 457, 2;

ganzer tage drî und ëteslîche naht. MSF. 126, 21;

doch sæhe ich an ir ëteslîchem gërne ein schanden mâl.
Walther 30, 23;

[Bd. 3, Sp. 1179]



waʒ ob ir ëteslîcher ûf lieb gedinge mir gelîchem kumber hât. MS. 1, 154b;

ëtslîchen den list oder den rât. Trist. 385, 19;

nu bæte ich gërne, möhtëʒ sîn,
ëtslîcher hëlfe dich. Barl. 124, 25;

ze ëtslîcher stunde. Gerhart 2994;

ouch fuoren zuo dem rîche
dës mâles ëteslîche. tr. kr. 25028;

unde ëteslîchen grâven. Helmbr. 415.

die stellen lehren, dasz das ahd. ëddeslîh, ëteslîh auch zur mhd. zeit fortbestand. man könnte ëteslîch dem bairischen, ëtelîch dem schwäbischen dialect beilegen wollen, doch sehen wir selbst Wolfram zwischen beiden bildungen schwanken und bei Megenberg findet sich zwar etswie, überaus oft etleich, nur selten etslich, z. b. 28, 32; umgekehrt mangelt ëtslich weder in Gotfrieds, Conrads noch Rudolfs dichtungen, wie es auch späterhin elsäszische und schwäbische urkunden gewähren.
man begreift leicht, wie etslich zuletzt nhd. in die schlechte schreibung ezlich und etzlich übergieng, da in unserm anlautenden und zuweilen auch auslautenden z der ts laut enthalten ist und z. b. für seltsam häufig seltzam, für gotes kotz, potz gesetzt wurde. Rothes thür. chr. hat fast immer etzlich.

der sagten etzlich grausam mer.
Schwarzenberg 104, 1;

vor etzlichen jaren.
Rebhun klag des armen mannes s. 3.

indessen gerieth die form bald in abnahme. Dasypodius, Maaler, Denzler stellen nur etlich auf, kein etzlich, Henisch 951, 18 und Stieler 884 geben noch etzlich an, Frisch 1, 234 mit richtigem bezug auf eddeslîh, bei Adelung ist es nichts als gemeine, oberdeutsche mundart. belege für etzlich liefern die chroniken von Königshoven, Anshelm, Wurstisen u. a. m. der Schweidnitzer stadtschreiber Jacob Garthener in seinem bericht von den unruhen in den j. 1520 —1524 sagt s. 394: sulch vorhoren vorzugk sich 'einen etzlichen tag', d. i. einen oder etlichen tag, etliche tage, fast wie sich Chemnitz (vorhin sp. 1177) ausdrückt. das etzlich mochte also in Schlesien haften, unter den dichtern des 17 jh. hängt ihm Opitz besonders an, obschon er auch etlich gebraucht:

hilf gott! hat denn der krieg nicht volk genug gefressen
von etzlich jahren her? 2, 34;

von etzlich tausend jahren. 2, 105;

etzliche vernichten die poeterei gar mit einander, etzliche, und diese die klügsten, gestehen u. s. w. (a. 1622) 2, 247; nicht weit von ihnen lagen etzliche lauten, geigen. 2, 265; und bestetigen mich in dieser meinung etzliche Holländer. prosod. germ. p. 54; etzliche sein der meinung. Hofmannswaldau vorr. und oft. so steht auch im erzschrein der fruchtbr. ges. s. 129 für etzlicher zeit (a. 1638); s. 45 etzliche andere. in Riemers reime dich s. 2 etzliche unnütze, doch lustige fälle; s. 5 ein schlechtes löhnchen, nemlich das lob etzlicher wenige; s. 12 etzliche mengen unter die wahrheit ganz ungeschehene dinge; etzliche nennen sich unverschämte historienschreiber u. s. w. und ebenso oft in seinem pol. stockf. (1681): etzliche liebesblicke einzuernten. s. 90; etzliche blicke. s. 123; etzliche mal gesuchet. s. 133; wisset ihr nicht, dasz Cupido zweierlei pfeile führet, etzliche womit er zwinget und verwundet, etzliche aber, womit er rächet und strafet. s. 144; bisz auf etzliche augenblick. s. 146; etzliche unter denen medicis. s. 335. Stieler 884 stellt etzlich neben etlich. aus dem 18. 19 jh. läszt sich wenig oder nichts anführen, wenn gleich das wort im leben und in büchern hin und wieder vortritt; es hat dann zuweilen einen gesuchten oder scherzhaften nachdruck.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etswa, hier und da, irgendwo, mhd. ëteswâ, ahd. ëddeshuâr, ëteshuâr:

wâ wære dër? 'ëteswâ'. Iw. 1806;

daʒ ër wære ëtswâ,
daʒ man noch wîp enwëste wâ. 3217;

die hëlme wurden ëteswâ
vil sêre verschrôten. 7228;

diu ëtswâ unschulde enkalt. Wh. 152, 30;

sô was ouh dër truhsæʒe dâ
ëteswenne und ëteswâ. Trist. 226, 2;

dër trache dër wær ëtswâ dâ. 226, 11;

den tac geruowen ëteswâ. 228, 34;

wofür sich nhd. im 15. 16 jh. etzwa, etzwo darbieten kann, z. b. Diefenbach 22b; etswo hin, aliquo. fastn. 253, 23; vgl. DWB etwa.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etswas, mhd. ëteswaʒ, aliquid, gen. ëteswës:

mir wehset ëteswaʒ hier an,
daʒ minne meinet unde man. Trist. 28, 27;

ze hove wielten ëteswës. tr. kr. 1066;

[Bd. 3, Sp. 1180]



hërre, gëbt mir ëteswaʒ.
Helbl. 2, 1312;

ich waisz das
und noch mer etzwas,
das das hoffolk nit enkan. fastn. 397, 5;

die ungesêlten haiʒ ich, die ëtswaʒ ain menschleich gestalt habent an dem leib. Megenberg 486, 22; den pat Alexander Macedo, daʒ ër im ëtswaʒ schrib von irm lëben. 491, 36; in den urkunden öfter etzwas, unterm volk auch etschas, ötschas, etsches. Frommann 3, 399. 4, 322. s. DWB etwas.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etswenne, aliquando:

dër sô lange rüeft in einen touben walt,
ëʒ antwurt ime dar ûʒ ëteswenne. MSF. 127, 14;

die vil gërne mîner hant
ëtswenne durch mîn gâbe nigen. Wh. 131, 19;

irte iuch ëtswenne deʒ guot
michel harter danne dër muot. Iw. 2905;

ëteswenne und ëteswâ. Trist. 226, 2;

ër sprach ir ëteswenne zuo
lieplîche sunder lougen. tr. kr. 15904;

dës wolte im ëteswenne
zerspalten sîn daʒ hërze. 16082.

nhd. etzwan. Schannat client. fuld. p. 356. in Rothes thür. chron. etzwan und etzwanne. vgl. DWB etwan.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etswer, aliquis, mhd. ëteswër, gen. ëteswës, acc. ëteswën:

sô müeʒt ir ëtswën kiesen. Iw. 1826;

heiʒet ëteswën komen. 2604;

ir het vunden ëteswën. 4518.

nhd. etzwer, z. b. Schöpflin Als. dipl. 747; in der volkssprache etscher. Frommann 3, 399. s. DWB etwer.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etswie, quodam modo.

ëtswie ernert ich den lîp. Iw. 2835;

si dâhten sâ, daʒ Marke
ëtswie wære komen dar. Trist. 443, 15;

in etswie vil tagen. Megenberg 8, 13; so daʒ geschiht etswie vil. 24, 22. 32, 6. 35, 27. 433, 32; später etzwie: vor etzwie langen ziten. Schreiber Freib. urk. 2, 60; und do wir daʒ ettzwie dick vor unserm rate mit inen rettent. daselbst. unterm volk etschwie. Frommann 4, 322. s. etwie.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ett, ette, pater. th. 1, 595.

dann was ist lieblichers zu hören,
als wann die kinder reden lehren (lernen)?
wanns heraus lispeln halb die red
und rufen abba, vatter, ett.
Fischart geistl. lieder 92;

sein ette hat mein ette kennt,
me ehne seinen ehne gnent.
Frischlinorum Susanna p. 303.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
etter, m. sepes, septum, alts. ëder, ags. ëdor, ahd. ëtar, mhd. ëter, noch heute in der Schweiz (Stalder 1, 115) und in Baiern (Schmeller 1, 128) etter, ein uraltes wort, wofür sich schon ein goth. idrs, wo nicht aidrs vermuten läszt, da auch finn. der zaun aita, estn. aid, aed, lapp. aidde heiszt. auf der andern seite klingt das ir. ithir an, a cornfield, also the soil of any ground, wobei man das ir. und welsche ith granum erwägen kann. es war natürlich, dasz die vorstellungen zaun und eingezäuntes feld oder grundstück, flur einander vertraten, wie gerade zûn, ags. tûn sepes im altn. tûn viridarium, oppidum ausdrücken. edor kann daher auch den eingefriedigten raum des ackers wie des hauses bedeuten:

lêddun ina wlanke man
ërlos under ëderôs, thar was eld mikil. Hel. 151, 1,

sie leiteten ihn unter die zäune, in den hof zur feuerstätte;

hêht þâ eorla hleo eahta mearas
fæted hleore on flet teon,
in under eoderas. Beov. 2068,

er hiesz die acht pferde in den vorhof (das fletze), unter die etter ziehen;

eorl vîsade in under edoras. Cœdm. 147, 25;

in under ëdoras. 150, 5,

welche beiden letzten stellen deutlich das haus, die wohnung selbst meinen.

ich hôrte grôʒen vogelsanc
in dem garten wünneclich
ûf einer linde lobelich,
diu stuont ob einem brunnen
und schirmde in vor der sunnen
und vor allem wëtere.
innerthalp dem ëtere
saʒ diu liebe vrouwe mîn.
Heinzelins minnelehre 1646,

hier ist der etter ein brunnengehege unter der linde im garten. item die winreben zu Wülflingen sollend also in gutem frid sein und ligen, als ein gut in nün ettern (in neun zäunen).

[Bd. 3, Sp. 1181]


weisth. 1, 139; wer ouch, das dehein man des vogtes ungnade verschuldet hette mit unzüchten, flühe der ze sant Märien in den ettern, so sol ime der vogt nit nachfolgen weder ze rosse noch ze fusze denne unz an den ettern, wand das gotzhus von alter also gefriget ist, das man da nieman vahen noch slahen sol. 1, 339. um das dorf, um die mark herum befand sich eine solche hegung, welche der dorfetter, dorfitter hiesz, weisth. 1, 752. 753, und wonach auch einzelne dörfer den namen führen, z. b. Itter, in Oberhessen. man sagte innerhalb, oder auszerhalb etters stehen. weisth. 1, 29. 121; binnen dem eder. 3, 797; den etter räumen, den eder ruimen. 3, 146; missethäter musten bis an den etter, vor den etter zugeliefert werden. 3, 644. 797.
etter und zaun wurden aber im alterthum weder aufgeschlagen noch gesteint, sondern immer aus ruthen und dörnern geflochten:

do grebt man schwefel, macht salpeter,
der zeunt, ein ander flicht das eter.
Thurneisser archidoxa bl. 11.

zu beachten sind die stellen, wo zwischen zaun und etter unterschieden wird. im bairischen volksrecht, cap. de sepe rupta heiszt es: si illam sepem irruperit vel dissipaverit, quam eʒʒisczûn vocant, cum uno solido componat et restitutione. superiorem vero virgam, quam ëtarcartea vocamus, quae sepis continet firmitatem, si eam injuste reciderit, simili modo cum solido componat, eo quod minime tunc sepis vitiata animalis sustinet impetum. die ëtarcartea d. i. ettergerte festigte hauptsächlich den getraidezaun (eʒʒisczûn), war also nur ein theil des zauns; weisth. 3, 889 ist die rede von einem neun etter, d. i. ruthen hohen zaun: item ein hune (henne) sal einen gank han, so fern als einer uf einem hause gritelig (gespreizt) sitzend mit einem ei wirft, thut sie aber schaden, so sol man machen einen zun ix edere hoch, flugt sie dan daruber, so hat man macht sie zu erschlagen. s. die vorhin aus 1, 139 angeführte stelle.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ettergerte, f. virga sepis, ward eben angeführt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ettergrabe, m. heiszt z. b. ein grabe bei Gieszen, der von der Lahn an nach der Wieseck sich erstreckend die stadt auf der nördlichen und nordöstlichen seite umschlieszt.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 1 von 1
1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: