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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
etlichgrosz bis etswas (Bd. 3, Sp. 1177 bis 1179)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) etlichgrosz, aliquantus. voc. 1482 h 3b. vgl. ahd. ëddesmichil.
 
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etlichmal, aliquoties: gott hat ein wort geredt, das hab ich etlichmal gehört. ps. 62, 12; etlichmal, aliquotfariam. Maaler 121c;

hab ich nicht etlichmal erwählet
bei nacht ein naszbetautes gras?
Neumark lustw. 75.


 
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etlichtägig, einige tage anhaltend, gebildet wie eintägig, mehrtägig: allein ich trauete dem landfrieden so sehr eben nicht, weil mir das immerwehrende gegitzschere und beständige ohrenbläsereien verdächtig vorkamen und endlich wurde ich nach einer etlichtägigen unpassionierten aufführung durch ein schlüsselloch gewahr, dasz mein lieber bruder bei angezündeten wachskerzen vor einen kleinen altar niederkniete. Felsenb. 4, 176.
 
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etmen, spirare, halare, athmen, edmen (sp. 31), wie schon die kaiserchronik verschiedentlich ætemen, Megenberg 33, 33 ætempt, und ein späteres meisterlied sogar etnen schreibt: was musz, nachdem es gleich geformirt, lenger in glüender hitz ligen und etmen, dann das glas? Thurneisser prob. der harnen 15;

der per lief auf in (den sich todt stellenden) sere
und det in gschwind umbkere,
wal get in hin und here,
ob er noch leben het.
er etnet zu seim munde
ob er noch athem funde,
do er keines empfunde,
liesz er in an der stet. meisterl. fol. 23 no 36.

noch jetzt in Leipzig er ettente sehr.

[Bd. 3, Sp. 1178]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) etsch, spöttischer von schadenfreude oder rache eingegebner ausruf, bereits 1, 595 unter ätsch aufgeführt. zuerst erscheint diese, in den wörterbüchern übergangne interjection bei Filidor d. i. Schwieger, Wittekinden K 3a (a. 1666):

etsch, wenn du mich ietzt kenntst!
wie würd es mir doch gehen?

Voss 2, 101 in der bleicherin, wo es heiszt:

nun, jüngferchen, weisz ichs,

stand vorher: etsch, jungfer, nun weisz ichs; etsch, hab ich doch auch einen ring! etsch, du hast schläge gekriegt! etsch! ihr könnt mir nichts beweisen. Kotzebue dram. sp. 2, 331; etsch! das ist ja pure mistjauche. Haltrich märchen 281; etsch, schaberübchen! s. das folgende.
 
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etsch, f. Athesis, it. Adige m., ahd. Etisa f. aus einer stelle des Paul Olearius de fide concub. 101, 21: alter privatus ad Athesim se parat, vulgariter 'uf die Etsch' will Zarnke s. 250 unwahrscheinlich jenes etsch machen, ausetschen ableiten. vgl. vielmehr autsch 1, 1045.
 
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etschland, n. regio athesina. Maaler 121c schreibt: die Etsch ein flusz im Ätschland.
 
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etschwein, m. vinum athesinum, wie er um Botzen wächst.
 
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etslich und verderbt etzlich, mhd. ëteslîch, ëtslîch, ahd. ëtislîh, ëteslîh, ëdeslîh, ëddeslîh, ëthaslîh (Graff 1, 146), unter welchen ëddeslîh die älteste form und der partikel ëddo zunächst steht. ëddo aber ist das goth. aiþþau, scheint also schon verdünnung eines älteren, nirgend aufzuweisenden eiddô, dessen diphthong nicht nur im goth. ai, sondern auch im lat. au von aut und autem hinlänglichen grund findet. wir gerathen hier in eine der ältesten und dunkelsten conjunctionen. offenbar liegen goth.und das in aiþþau, eiddô steckende aiþ, aid den lat. partikeln it, wie es in iterum enthalten ist, aut und autem verwandt und die lautverschiebung stimmt nur in diesem fall, denn die übrigen ahd. formen verwischen wieder alle spur des gesetzes. möglich aber ist auch, dasz das ahd. ëtas, ëtes und ëtalîh unmittelbar aufzurück geht und nicht aus aiþ gekürzt wurde. wie nun die vorstellungen aut und forte in einander greifen, dies zu untersuchen gehört noch nicht hierher, sondern erst unter die conjunction oder, hier ist blosz gelegen an der bildung ëddes, ëdes, ëtes, die sich mit lîh und wie wir nachher sehen werden, mit den fragwörtern was, wer, wie und wo verbindet, kein entsprechendes goth. aiþþis ist in den bruchstücken überliefert, wäre gleichwol denkbar und könnte den bekannten allis, raihtis, halis zur seite stehen, ja mit rücksicht auf aiþþau sogar aiþþaus (analog dem filaus) lauten. in den frühsten ahd. glossen erscheint wirklich ein allein auftretendes ëthas tandem (Hattemer 1, 212a), wo es nicht mit dem vorausgehenden wanne demum zu verbinden ist, wie auch hernach ethashuanne tantundem folgt. dies praefix ëtes oder ëta, welchem vielleicht gleiches alter einzuräumen ist, hat nun deutlich in den wörtern ëteslîh, ëtalîh, ëteshuër, ëtahuër, ëteshuaʒ, ëtahuaʒ u. s. w., die kraft des lat. ali in aliquis, aliquid, aliquot u. s. w. d. h. es kommt dadurch in die vorstellung etwas unsicheres, wie wir es auch durch irgend ausdrücken, der etsliche, etliche ist irgend einer, etswas, etwas irgend was hier mag schon vorläufig daran erinnert werden, dasz selbst in den disjunctionen aut, ëddo, ëdo, odo, oder ein anklang von alius und alter ist, da durch aut die einheit, durch alter die einzahl überschritten und aufgehoben erscheint.
Diese höher schwebenden fragen bei seite gesetzt, reizt es zu forschen, welche mhd. dichter ëtslîch, ëteslîch statt ëtelîch, so wie die nachfolgenden ëteswâ, ëteswaʒ u. s. w. statt ëtwâ, ëtwaʒ gebrauchen oder welche beide nebeneinander anwenden. willkür der schreiber hatte doch hier viel freie hand:

ëtslîcher was ein rubîn. Parz. 85, 4;

ouch heten die este und ëtslich dorn
ir hemde zerfüeret. 257, 9;

ëtslîcher riet ir brœder lîp,
daʒ si diu wërc volbrâhte. 518, 26;

vor ungedolt ër sich sô want,
daʒ brast ëtslîch sîn wunden bant. 587, 24;

ëtslîch frouwe wart gehurt. 777, 11;

ëtslîch man daʒ prîste. Wh. 4, 22;

ëtslîche wolten daʒ bewarn. 182, 8;

ëtslîche nâmen sînen solt. 184, 21;

entsliuʒ ûf daʒ tor,
ich erzürne ëteslîchen noch hiute davor. Nib. 457, 2;

ganzer tage drî und ëteslîche naht. MSF. 126, 21;

doch sæhe ich an ir ëteslîchem gërne ein schanden mâl.
Walther 30, 23;

[Bd. 3, Sp. 1179]



waʒ ob ir ëteslîcher ûf lieb gedinge mir gelîchem kumber hât. MS. 1, 154b;

ëtslîchen den list oder den rât. Trist. 385, 19;

nu bæte ich gërne, möhtëʒ sîn,
ëtslîcher hëlfe dich. Barl. 124, 25;

ze ëtslîcher stunde. Gerhart 2994;

ouch fuoren zuo dem rîche
dës mâles ëteslîche. tr. kr. 25028;

unde ëteslîchen grâven. Helmbr. 415.

die stellen lehren, dasz das ahd. ëddeslîh, ëteslîh auch zur mhd. zeit fortbestand. man könnte ëteslîch dem bairischen, ëtelîch dem schwäbischen dialect beilegen wollen, doch sehen wir selbst Wolfram zwischen beiden bildungen schwanken und bei Megenberg findet sich zwar etswie, überaus oft etleich, nur selten etslich, z. b. 28, 32; umgekehrt mangelt ëtslich weder in Gotfrieds, Conrads noch Rudolfs dichtungen, wie es auch späterhin elsäszische und schwäbische urkunden gewähren.
man begreift leicht, wie etslich zuletzt nhd. in die schlechte schreibung ezlich und etzlich übergieng, da in unserm anlautenden und zuweilen auch auslautenden z der ts laut enthalten ist und z. b. für seltsam häufig seltzam, für gotes kotz, potz gesetzt wurde. Rothes thür. chr. hat fast immer etzlich.

der sagten etzlich grausam mer.
Schwarzenberg 104, 1;

vor etzlichen jaren.
Rebhun klag des armen mannes s. 3.

indessen gerieth die form bald in abnahme. Dasypodius, Maaler, Denzler stellen nur etlich auf, kein etzlich, Henisch 951, 18 und Stieler 884 geben noch etzlich an, Frisch 1, 234 mit richtigem bezug auf eddeslîh, bei Adelung ist es nichts als gemeine, oberdeutsche mundart. belege für etzlich liefern die chroniken von Königshoven, Anshelm, Wurstisen u. a. m. der Schweidnitzer stadtschreiber Jacob Garthener in seinem bericht von den unruhen in den j. 1520 —1524 sagt s. 394: sulch vorhoren vorzugk sich 'einen etzlichen tag', d. i. einen oder etlichen tag, etliche tage, fast wie sich Chemnitz (vorhin sp. 1177) ausdrückt. das etzlich mochte also in Schlesien haften, unter den dichtern des 17 jh. hängt ihm Opitz besonders an, obschon er auch etlich gebraucht:

hilf gott! hat denn der krieg nicht volk genug gefressen
von etzlich jahren her? 2, 34;

von etzlich tausend jahren. 2, 105;

etzliche vernichten die poeterei gar mit einander, etzliche, und diese die klügsten, gestehen u. s. w. (a. 1622) 2, 247; nicht weit von ihnen lagen etzliche lauten, geigen. 2, 265; und bestetigen mich in dieser meinung etzliche Holländer. prosod. germ. p. 54; etzliche sein der meinung. Hofmannswaldau vorr. und oft. so steht auch im erzschrein der fruchtbr. ges. s. 129 für etzlicher zeit (a. 1638); s. 45 etzliche andere. in Riemers reime dich s. 2 etzliche unnütze, doch lustige fälle; s. 5 ein schlechtes löhnchen, nemlich das lob etzlicher wenige; s. 12 etzliche mengen unter die wahrheit ganz ungeschehene dinge; etzliche nennen sich unverschämte historienschreiber u. s. w. und ebenso oft in seinem pol. stockf. (1681): etzliche liebesblicke einzuernten. s. 90; etzliche blicke. s. 123; etzliche mal gesuchet. s. 133; wisset ihr nicht, dasz Cupido zweierlei pfeile führet, etzliche womit er zwinget und verwundet, etzliche aber, womit er rächet und strafet. s. 144; bisz auf etzliche augenblick. s. 146; etzliche unter denen medicis. s. 335. Stieler 884 stellt etzlich neben etlich. aus dem 18. 19 jh. läszt sich wenig oder nichts anführen, wenn gleich das wort im leben und in büchern hin und wieder vortritt; es hat dann zuweilen einen gesuchten oder scherzhaften nachdruck.
 
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etswa, hier und da, irgendwo, mhd. ëteswâ, ahd. ëddeshuâr, ëteshuâr:

wâ wære dër? 'ëteswâ'. Iw. 1806;

daʒ ër wære ëtswâ,
daʒ man noch wîp enwëste wâ. 3217;

die hëlme wurden ëteswâ
vil sêre verschrôten. 7228;

diu ëtswâ unschulde enkalt. Wh. 152, 30;

sô was ouh dër truhsæʒe dâ
ëteswenne und ëteswâ. Trist. 226, 2;

dër trache dër wær ëtswâ dâ. 226, 11;

den tac geruowen ëteswâ. 228, 34;

wofür sich nhd. im 15. 16 jh. etzwa, etzwo darbieten kann, z. b. Diefenbach 22b; etswo hin, aliquo. fastn. 253, 23; vgl. DWB etwa.
 
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etswas, mhd. ëteswaʒ, aliquid, gen. ëteswës:

mir wehset ëteswaʒ hier an,
daʒ minne meinet unde man. Trist. 28, 27;

ze hove wielten ëteswës. tr. kr. 1066;

[Bd. 3, Sp. 1180]



hërre, gëbt mir ëteswaʒ.
Helbl. 2, 1312;

ich waisz das
und noch mer etzwas,
das das hoffolk nit enkan. fastn. 397, 5;

die ungesêlten haiʒ ich, die ëtswaʒ ain menschleich gestalt habent an dem leib. Megenberg 486, 22; den pat Alexander Macedo, daʒ ër im ëtswaʒ schrib von irm lëben. 491, 36; in den urkunden öfter etzwas, unterm volk auch etschas, ötschas, etsches. Frommann 3, 399. 4, 322. s. DWB etwas.

 

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