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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
esseschwein bis essichbrauer (Bd. 3, Sp. 1169 bis 1170)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) esseschwein, n. ein schwein, das schon geschlachtet ist oder gleich geschlachtet und verzehrt werden kann, im gegensatz zum mastschwein und speckschwein: verehret einen geschlachteten ochsen und ein esseschwein. Schweinichen 2, 144; giengen auf solchem taufen mir auf ein guter ochse, zwei esseschwein, fünf kälber u. s. w. 2, 182; ein spickschwein, ein esseschwein. 2, 312.
 
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essich, m. acetum, goth. akeits m. oder akeit n.? ags. eced, alts. ecid, it. aceto, böhm. poln. ocet, serb. slov. otzat, ungr. etzet, ahd. eʒîh, eʒʒich, mhd. eʒʒich, bei Megenberg 353, 30 eʒʒeich, so auch bei Diefenbach 9b, nhd. essich und fehlerhaft geschrieben essig, da dem wort wie fittich, eppich, lattich, teppich ch gebührt, nnl. edik, gekürzt eek, schw. ettika f. dän. eddike, finn. est. etikas, lett. ettikis, gr. ὄξος, russ. uksus, lit. uksosas, wotjak. uksus. den k laut halten acetum, akeit, eced, ecid; er wurde zischend in aceto, ocet, otzat; in eʒîh für akeit scheinen lingual und guttural die stelle zu wechseln, so dasz aus einem nie vorkommenden echîʒ eʒîh entsprang, das hernach in edik, eddike, ettika, etikas zurückgieng. für sich stehen, obgleich nahverwandt, ὄξος, uksus, uksosas. sichtbar aufgedeckt liegt die wurzel von acetum in acere, acescere, von ὄξος in ὀξύς, wegen der beiszenden schärfe und säure. man wäre versucht, ohne annahme eines lautwechsels, bei eʒih gleichfalls an ëʒan beiszen zu denken, zumal in esselen acescere der ableitende gutturallaut mangelt.
die betrachtung aller dieser wortformen ist merkwürdig und noch nicht abzuschlieszen. Deutsche wie Slaven müssen doch von jeher einen so unentbehrlichen ausdruck besessen haben, es verhält sich damit wie mit wein und bier. festigte zu irgend einer zeit

[Bd. 3, Sp. 1170]


der handel und verkehr mit Römern und Griechen hier und da die namen acetum und ὄξος, oder war das ahd. eʒîh davon unabhängig? für weinessich und essich überhaupt führte sich it. vinagro, sp. vinagre, fr. vinaigre, engl. vinegar ein, wobei die Engländer nicht weiter an wine dachten, die Iren bei fionngeur aber an fionn. isländisch entspricht nichts jenem ettika, eddike, man sagt ölvînan.
ahd. mir was pitter, daʒ ih daʒ ne fant, daʒ ih suohta, unde iro alti was mir eʒʒich. N. ps. 68, 22 (bei Luther 69, 22 sie geben mir gallen zu essen und essig zu trinken in meinem groszen durst); mhd.

im was dër pfëffer tiure,
daʒ salz und dër eʒʒich. Iw. 3339;

dër truhsæʒe dër truoc
den eʒʒich in den ougen (sah sauer). Trist. 282, 25;

für dër süeʒen wunne mëte
dër sorgen eʒʒich trinken. Engelh. 2117;

nhd. dein part wirt dir mit sichlen abgeschorn,
und wirt dir dein antlütz mit essich gewaschen. fastn. 297, 18;

wie rouch den ougen ist nit guot,
wie essich ouch den zenen duot.
Brant 97, 6;

da hiesz sie ir ein schal und scharpfen essig darin bringen und nam ein berlin von dem or herab, das was fast köstlich und grosz und legt es in den essig, da verzart der essig das berlin. Keisersb. s. d. m. 6a; der sol sich weins und starks getrenks enthalten, weinessig oder starks getranks essig sol er auch nicht trinken. 4 Mos. 6, 3; isz des brots und tunke deinen bissen in den essig. Ruth 3, 14; wie der essig den zenen und der rauch den augen thut, so thut der faule denen, die ihn senden. spr. Sal. 10, 26; wer eim bösen herzen lieder singet, das ist wie ein zurissen kleid im winter, und essig auf der kreiten. 25, 20; man kann aus essich keinen wein machen; aus dem besten wein wird der sauerste essich; der wein zickt auf essich, acescere incipit, hat einen zick oder stich auf essich, acetosus, das auf essich zicket. Dasyp. 2c, das auf essich sich zicket. 322a, sonst auch der wein zickt an, ist anzickend, vgl. 1, 526 und Schm. 4, 223; süszer wein gibt sauren essich; es kann kein essich werden, eh es in den krug kommt; er hat essich im herzen, acetum in pectore habet, sapit;

bringt essig, helft sie kühlen,
bringt balsam! sie beginnt die frische luft zu fühlen.
Gryphius 1, 164;

des unmuths nebel ist verflogen,
der essig meines bluts versüszt.
Thümmel 2, 4;

sonsten hiesz es, böse frauen
können guten essig brauen,
sei statt böse du nur scharf.
Rückert 230;

war der essig nicht scharf und balsamisch das nuszöl? Luise 1, 77.

essich auf einen schelm angewandt: mein herr hatte einen ausgestochenen essig und durchtriebenen funken zum page neben mir. Simpl. K. 159. s. bieressich, tausendessich, weinessich.
 
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essich, m. name eines pferdes. Garg. 134a, vielleicht vom scharfen trab?
 
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essichaal, m. vibrio, anguille du vinaigre, ein infusionsthierchen, das sich im essich findet.
 
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essichälchen, n. dasselbe.
 
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essichbaum, m. rhus coriaria.
 
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essichbecher, m. peziza acetabulum, eine schwammart von der gestalt eines bechers.
 
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essichbeize, f. man legete also den hasen in eine scharfe essigbeize. Leipz. avant. 1, 54.
 
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essichblatt, n. oxalis, sonst sauerklee, guckeslauch. Bock kräuterb. 414.
 
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essichbrate, m. assum aceto maceratum, sauerbrate.
 
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essichbrauer, m. coctor aceti.

 

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