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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
esselen bis essenspeise (Bd. 3, Sp. 1160 bis 1168)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) esselen, acescere, fast saur oder essächtig sein. Maaler 121b; der wein esselt, vinum acet. Stieler 896. s. essichen.
 
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esseling, m. weiszfisch. Frisch 1, 233a.
 
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essen , edere, goth. itan, ahd. ëʒan, ëʒʒan, mhd. ëʒʒen, alts. ags. ëtan, engl. eat, nl. eten, fries. ita, ëta, schw. äta, dän. äde. neben ëʒan ahd. auch giëʒan, gëʒan, comedere, mhd. gëʒʒen, nhd. kein gessen; ags. geëtan. praet. und part. praet. machen eigne schwierigkeit.
fürs goth. praet. at, êtun ist der sg. ohne beleg und die anscheinende analogie von frêt, frêtun, altn. ât, âto könnte auf êt, êtun leiten, doch frêt entsprang vielmehr aus fraat, bestätigt also at. ags. ät, æton oder æt, æton? engl. eat, ate. altn. ât, âto, schw. t, te, dän. aad. durch solche production des sg. wird ein ablautsgesetz gekränkt. ahd. aʒ, âʒun, die kürze des sg. nach mhd. aʒ (: laʒ. Parz. 217, 11. 218, 16), âʒen, gleichwol steht geschrieben âʒ bei N. Boeth. 179, bei Grieshaber 2, 66. 113 und vrâʒ : unterlâʒ gereimt Servat. 2955; auch neben nl. at taucht aat auf. nhd. asz, aszen. das compositum ahd. giaʒ, giâʒun oder gaʒ, gâʒun, namentlich gewährt O. III. 6, 18 gâʒi und III. 6, 43. IV. 11, 1. V, 15, 1 gâʒun. mhd. gaʒ, gâʒen, gæʒe (wb. 1, 759b). nhd.

alsbald er nun das imbis gasz,
er wider auf seim pferdlin sasz.
Wickrams bilg. 36,

doch später kein gasz, gaszen. ags. geät, geæton.
dem part. praet. ist goth. zuzutrauen itan, ags. ëten, engl. eaten, altn. lautet es ëtinn m. etit n., schw. ätit, dän. ädt. ahd. belege sind unverzeichnet, ëʒʒan und gëʒʒan für giëʒʒan = ags. geëten höchst wahrscheinlich, wobei nur zweifelhaft bliebe, ob das anlautende g, gi blosz dem part. von ëʒan zutritt oder die composition durch das gesamte wort zieht. auf ungâʒêr incoenatus (Graff 1, 528) werde ich sogleich kommen. mhd. gelten zwei formen nebeneinander, gëʒʒen und gâʒ:

ich ne hete sîn inbiʒʒen,
ne hete si iʒ ê gëʒʒen. fundgr. 2, 20, 6;

nû habent si wol gëʒʒen
und sint dar nâch gesëʒʒen. Er. 8363;

dô si getrunken hêten und gëʒʒen überal. Nib. 1612, 1;

dër hunt hât lëder gëʒʒen.
Freidank 138, 17;

dô wolt ër aber gëʒʒen haben. pass. K. 276, 17;

hâstu daʒ obeʒ gâʒ? anegenge 18, 25;

dâ du ane hâst gâʒ den tôt. fundgr. 2, 20, 3;

ëʒn sî denne gar ein vrâʒ,
wëlt ir, si habent genuoc dâ gâʒ. Parz. 639, 2;

wëlt ir, si hânt dâ gâʒ genuoc. 815, 21;

ûf stuonden die dâ hêten gâʒ (: saʒ). Wh. 277, 11;

ê daʒ ich mit in het dâ gâʒ (: daʒ). frauendienst 336, 15;

het ich mit in niht gâʒ aldâ. 336, 19;

als sie wolte haben gâʒ (: saʒ). krone 13629;

als schier sie hâten gâʒ (: gesaʒ). 14804;

dô si alle wârn gesëʒʒen
und wol halbe hâten gâʒ (: vaʒ). 27804;

schiere hâte er gnuoc gâʒ. 28876;

dô daʒ gesinde het gâʒ (: baʒ). Wigam. 2664;

het ër âne zannen
sîn fleisch getragen dannen
unt gâʒ mit gemache. a. w. 3, 172;

nu dâ gâʒ was genuoc. Mai 219, 15;

daʒ lieʒen si wol âne haʒ,
wan si lützel hêten gâʒ. 219, 18;

den het dër ungetriwe frâʒ
in vil kurzer frist gâʒ. a. w. 3, 180;

ich bin gewësen zwelf wochen und ein jâr,
daʒ ich keiner menschen spîse nie hân gâʒ.
Oswalt 1781;

ich hân gâʒ, ich hân getrunken. Diemer 382, 22; daʒ diu welfer gâʒ habent die brosem. fundgr. 1, 104, 10; daʒ ër auf dem wëge hât geâʒ und getrunken. Grieshaber 1, 53; und sicher sonst noch öfter. die stellen für gâʒ weisen meist auf Baiern und Österreich, nur der dichter der genesis braucht gâʒ und gëʒʒen unmittelbar hinter einander, bei Hartmann, Gotfried, Conrad sind keine beispiele des participialen gâʒ neben haben, ein im mhd. wb. 1, 761 unbegreiflich angezognes

si âʒin gâs und quâmin. Athis C*, 164

[Bd. 3, Sp. 1161]


gehört vollends nicht hierher, denn gâs ist = gâhes, subito. geâʒ, gâʒ, oder nach vielen reimen gaʒ, gewinnt für unsre grammatik werth, ich sehe darin die erloschne form eines part. praet. activi, während gëʒʒen part. praet. passivi ist. beide gâʒ und gëʒʒen gleichen merkwürdig den sl. participien jed und jeden und Slaven grenzen an Ostdeutschland. zwar hat in den voranstehenden belegen gâʒ völlig die passivbedeutung von gëʒʒen und eins dieser wörter scheint entbehrlich, weshalb wir ihm auch später entsagt haben. allein der schwankende oder wechselnde, bald transitive bald intransitive sinn von essen mochte längst den der participien verwirren, man sagte ich hân gëʒʒen für intransitives edi, comedi, ich hân gâʒ den tôt für transitives edi mortem, während es im ersten fall ich hân gâʒ, im andern ich hân den tot gëʒʒen heiszen sollte. dasz gâʒ ursprünglich einen aussagt der gegessen hat, folgt unwidersprechlich aus seiner unabhängigen, adjectivischen verwendung, die auch verneinendes un vorschiebt und der wir eben bei Hartmann begegnen, welcher sich des hân gâʒ enthielt; es sind die redensarten, wo sich dies participium mit den wörtern sein, sitzen, ligen, fahren u. a. m. bindet:

dô ër vierzic tage was ungâʒ. anegenge 10, 24;

sô daʒ ër sîns gebëtes phlac
ungâʒ unz an den dritten tac. Greg. 2598;

sô muoʒ ër dâ ungâʒ ligen. 2699;

manegen tac ungâʒ ër gienc. Parz. 485, 29;

ungâʒ ûf dem gevilde
dolten si die hungers nôt. Wigal. 254, 19;

dô ich alsô trûric saʒ,
ungâʒ, gedankes sat. Flore 3185;

ër was ungâʒ, gedenke sat. 3026;

daʒ ër ungâʒ muose sîn
durch ein kleineʒ miuselîn.
Haupt 7, 360;

ër wær wol iemer ungâʒ
und von aller swære genësen. 8, 180;

nieman mac lërnen ungâʒ. Reinh. s. 337, 1248;

und lige hiut den driten tac ungâʒ und ungetrunken. Grieshaber 1, 86.
überein mit diesem ungetrunken kommt freilich ungëʒʒen:

ob ich nu hie ungëʒʒen sitze. Renner 16397;

ich bin hiut den dritten tac
zwâre ungëʒʒen. GA. 2, 571;

dër dô wære gesëʒʒen
drî tage ungëʒʒen. 3, 115;

als iwer geselle trinken sol,
sô sît ungëʒʒen, daʒ stêt wol.
Haupt 7, 176;

und muost du ungëʒʒen wësen. 7, 359;

noch was Jacob ungëʒʒen. passional H. 95, 57;

daʒ ein mîn vil lieber vrunt
ungëʒʒen von mir vure. 36, 94;

wande si binnen vier tagen
ungëʒʒen aldâ lâgen. 271, 60;

daʒ si hînt sîn ungëʒʒen. pass. K. 144, 79:

ich wil ungëʒʒen blîben. 226, 21;

lieʒ man in wësen ungëʒʒen. 275, 1;

von dem morgen dicke ër las
ungëʒʒen an die vesperzît. 508, 9.

ein ahd. beleg für ungâʒ incoenatus wurde vorhin angeführt und von ihm aus läszt sich folgern, dasz auch ahd. gâʒ und gëʒʒan neben einander galten. ob, ohne praefix, analoge participia ahd. âʒ und ëʒʒan, mhd. âʒ und ëʒʒen bestanden, ist nicht zu erweisen, an sich aber wahrscheinlich, demnach müste gleichfalls unâʒ oder unëʒʒen incoenatus ausdrücken, s. sp. 1163 aus Amgb. 22b.
erklärbar ist die schon früh auftauchende verdopplung des praefixes, gleich als sei die wurzel des verbums nicht ëʒʒen, sondern gëʒʒen und dieses mit den völlig unverwandten ergëʒʒen, vergëʒʒen, oblivisci in éine reihe zu stellen; ein goth. gaitan (wie fraitan, frëʒan) würde nichts verwirren, das ahd. giëʒan konnte zu gëʒan, giaʒ zu gaʒ werden und verführen, noch leichter mhd. gëʒʒen, giʒʒet, wobei man das ge in gleich, genug, glauben, geglaubt betrachte. bei Grieshaber 3, 53 lesen wir: daʒ du dës boumes hâst gegâʒ; 2, 66 warumbe ër den apfel hête gegâʒ.
nhd. bilden wir heute zu essen, asz ein part. gegessen, statt des organischen, noch bis ins 16 jh. allgemein gültigen gessen, geessen, wie Keisersberg, Luther, Hans Sachs, Fischart und alle ihre zeitgenossen richtig schrieben: und Adam sprach, das weib, das du mir geben hast z einer gesellin, die hat mir geben von dem holz und ich hab davon gessen. Keisersb. s. d. m. 12b; die schlang hat mich betrogen und ich han geessen. bibel 1483, 6b. 1 Mos. 3, 13; das dich niemand kenne bis man ganz gessen und getrunken hat. Ruth 3, 3; und da Boas gessen und getrunken hatte. 3, 7; die aber gessen hatten der waren

[Bd. 3, Sp. 1162]


bei fünf tausent man. Matth. 14, 21; wir haben fur dir gessen und getrunken. Luc. 13, 26; da sie das brot gessen hatten. Joh. 6, 23; davon wil ich, alsbald wir geessen, in den wald gehn. legende bei Luther 6, 501a; da man geessen hatte. 501b; ich hette nit ein bitzlin geessen. Plater 26; brosmen usz den kleken (ritzen) gesucht und geessen. 27; die hetten sie denn gedöttet und gessen. Hans Staden reise s. 129; das es so lang ungessen hieng uber dem fewr. s. 156; der eifer deines hauses hat mich gessen. Reiszner Jerus. 1, 48a; in Italien werden die delphin von niemand gessen. Forer 96a;

gessen ungetrunken ist gehunken,
getrunken ungessen ist zwischen zwein stülen niedergesessen. Garg. 52b;

warumb wolt man sonst gessen haben? 84b, wo ungessen zugleich jenes mhd. ungëʒʒen, ungâʒ (ohne gegessen zu haben) belegt. manche schreiben, wie schon die stellen zeigen, auch ohne syncope geessen, z. b. Helber B 6b. H. Sachs III. 1, 120c, welches ganz einerlei mit gessen ist, kaum einer schreibt gegessen. dennoch mögen, nach vorausgang des mhd. gegâʒ auch ein paar gegessen früher vorkommen, Bocc. 1, 32b. 33a (Frankf. 1580) liest man hinter einander: das eine brot gegessen hatte, das ander brot auch gessen, da man nun gessen hatte; bei Steinhöwel 46. 47 steht alle dreimal gessen. im 17 jh. nimmt die schlechte form gegessen überhand, hin und wieder haftet gessen: ungeachtet wir hier köstlicher gessen haben. Lohenst. Arm. 1, 585; vogelnester, die für die niedlichste speise gessen werden. 1, 642; gleichsam als wenn man in einem capucinerconvent gessen hätte. Simpl. K. 165; der gift gessen hat. Hohberg 3, 178b. 217a. 246a. im 18 jh. drang gegessen durch, von Stieler 894 war noch aufgestellt worden: gegessen und gessen, von Frisch 1, 233 blosz: ich hab gegessen, bei Gottsched und Adelung erscheint gegessen allein richtig, Gellert setzt

arm hat er sich noch satt gegessen. 1, 79;

du hast zu mittage blähende sachen gegessen. 3, 226, er würde sich hüten gessen zu gebrauchen. doch hat man es späterhin für den naiven, traulichen ausdruck wieder zugelassen: schenk mir was, ich habe kein brot gessen gestern und heut. Göthe 8, 19 = 42, 22; wenn ihr gessen und trunken habt, seid ihr wie neu geboren. 42, 12 (8, 12 gegessen und getrunken); aber wir, wenn wir gessen und trunken haben. 42, 13 (8, 12 gegessen, getrunken);

ich habe gestern auch éine erlegt,
am feuer sie gezeitigt
und gessen mit meinen brüdern. 33, 256;

für drei jahr trauben gessen. Göthe bei Merk 1, 184; und als er gessen und getrunken hatte. Fr. Müller 1, 124; es beiszt mir scharf in die nase, als hätt ich meerrettig gessen. 1, 292; die leute haben gessen und schlafen. Klingers theat. 2, 272. gessen und trunken stehen einander gar nicht, nur scheinbar parallel, wol aber gessen und getrunken. so kann sich die sprache verwöhnen.
das andere part. gasz kennt sie in der schrift gar nicht mehr, unterm volk in Hessen und am Main, wahrscheinlich sonst noch, ist genug zu hören 'ich han gasz'. Schmeller 2, 73 unter gâsz gegessen weist auf essen und asz 1, 116. 119, wo man auch ich han gasz, ich habe gegessen angemerkt findet.
grosz ist die urverwandtschaft zu unserm essen: skr. ad, gr. ἔδειν, lat. edere, comedere = gessen, sp. comer, wofür it. mangiare, fr. manger = manducare aus mandere, ir. gal. ith, welsch it, lit. ěsti, lett. ehst, preusz. ist, altsl. iasti, russ. iest', poln. ieść, böhm. jisti, in der ersten pers. des praes. lit. edmi, sl. iesm', iam' für iadmi, böhm. jim für jedm.
Nach dieser einem so althergebrachten wort gebührenden darlegung seiner form kann auf die bedeutungen eingegangen werden.
1) urbedeutung des essens scheint beiszen und kauen, wie poln. ieść, serb. jesti ausdrücklich besagen. enbeiszen (sp. 446), ags. onbîtan ist anbeiszen und essen, unser entstelltes imbs mahlzeit. der rost iszt das eisen, edit ferrum, beiszt, nagt daran. man erwäge manducare, mangiare, manger, die den begrif masticare, mâcher ermäszigen. eine bestätigung liegt in zahn, ahd. zand, ags. tôð, goth. tunþus, lat. dens dentis, welsch dant, ir. deat, lit. dantis, skr. danta, welche sämtlich schon in frühster zeit des anlautenden vocals verlustig giengen, der nur in ὀδούς, ὀδόντος haftete. die ὀδόντες sind aber edentes, nicht sowol essende, als beiszende, malende, malmende, denn essend wäre auch zunge und gaume. man sagte gleichbedeutig ein buch essen, beiszen, schlingen (s. hernach unter 10) und auch eisen essen, beiszen, fressen, kauen, nagen sind synonym.

[Bd. 3, Sp. 1163]



2) der Gothe setzt gewöhnlich matjan für φαγεῖν, ἐσθίειν, τρώγειν, βιβρώσκειν, selten itan für ἐσθίειν. wäre nicht unmittelbar zusammenhang zwischen mandere und matjan? der goth. vocal ist kurz und keine spur von verengung des worts, wie sie auch mats cibus, ahd. maʒ, altn. matr abweisen. nur scheint die buchstäblich rechtfertige herleitung von matjan aus mitan dem sinne zu widerstreben, es müste denn im kauen ein messen, vermessen liegen. gleich matjan jah drigkan, manducare et bibere, ἐσθίειν καὶ πίνειν Matth. 11, 18. 19, êtun jah drugkun Luc. 17, 27. 28 stehen essen und trinken gern beisammen: mhd.

si trunken sêre und âʒen. tr. kr. 16316;

nhd. mit im aʒ und tranc. Grieshaber 1, 53; liebe seele, isz, trink und habe guten mut. Luc. 12, 19; so er denn gisset und trinket mesziglich. Keisersb. bilger 18b; isset oder trinkt. 18b; pfuch, alles das er isset und trinket, das lügt er. s. d. m. 25b; ir werdet essen und trinken mit mir an meinem tisch. Reiszner Jerus. 1, 16a; und zahllose mal anderwärts,

der kein verdienst besasz,
als dasz er vornehm trank und asz.
Gellert 1, 182;

er sasz in angst dabei und asz und trank nicht mehr.
Lichtwer 144.

zu essen und zu trinken geben:

heiʒt uns drâte ze ëʒʒen gëben.
Helbl. 1, 1221.

man sagte sonst: ab der hand essen, vesci ex manu. Maaler 121b, heute aus der hand; den verliebten schmeckte es so wol, dasz sie einander das confect aus dem mäulchen aszen. pol. maulaffe 17.
3) das goth. fraitan ist κατεσθίειν, aufessen, verzehren, schlingen, ein etwas härterer ausdruck als itan: frêt devoravit. Luc. 15, 30; fuglôs frêtun þata fraiv, volucres comederunt illud semen. 8, 5. auch unser heutiges sprachgefühl legt essen den menschen bei, fressen den thieren: ein unvernünftig thier friszt kaum das ander, solte dann ein mensch den andern fressen? Hans Staden reise 154, welche thierische grausamkeit wir dann mit dem ausdruck menschenfresser bezeichnen. doch ahd. manëʒo, ambro und Keisersberg s. d. m. 29a drückt sich so aus: kein thier isset das ander, kein sperber, falk isset den anderen, on allein ein wülpin, die isset ein (= einen) wolf, so sie hungerig ist. hier schiene frisset zutreffender:

ein mensch sol ëʒʒen, ein wolf frëʒʒen,
und sol sîns lîbes pfrüende mëʒʒen. Renn. 9568,

seine nahrung, speise schlingen, welches mëʒʒen sich für die ableitung von matjan brauchen liesze;

wolf, nu friʒ daʒ lamp! MS. 2, 171a;

ze hant ër daʒ lamp vraʒ. a. w. 3, 170;

sô diu katze vriʒʒet vil,
zehant sô hevet sî ir spil. Iw. 823;

dës hete ër (der slange) gërne vrëʒʒen
den riter edel unde starc. tr. kr. 9792;

niun vogele die dër slange vraʒ. 24202;

nhd. der sperling pickt und friszt die körner, der finke friszt mir aus der hand, der käfer friszt das laub, die raupe den kohl. doch Fleming 487:

zu zählen, wie viel bienen essen
von Hyblens süszem klee.

wenn Otfried von den mit brot und fischen gespeisten leuten sagt:

sô sie thar thô gâʒun thie in themo grase sâʒun. III. 6, 43;

ioh ward thërô âleibô, thërô fisgô ioh thërô leibô,
ni frâʒun sie iʒ allaʒ, sibun korbî ubar thaʒ. 56,

so meint hier frâʒun verzehrten. nicht selten steht aber ëʒʒen von thieren, zumal den hausthieren pferd und hund (die man auch anredet):

ich wæn dîn ors dicke gaʒ
ze Munsalvæsche baʒ dan hie. Parz. 485, 14;

æʒe ëʒ höi, ëʒ wær ein fremdeʒ pfert.
Walther 82, 19;

darzuo diu ros ungeëʒʒen lât. Amgb. 22b;

dër hunt eniʒʒet höuwes niht.
Freidank 138, 11;

dër hunt hât lëder gëʒʒen. 138, 17;

wie man auch huntâʒ für hundekost sagte. fraw, ich bit dich, hüte ein wenig, das der hund die speis nicht esse, die ich uf den tisch stelle. Steinhöwels Aesop 1555. 16. die bibel 1483, 169a. 1 kön. 21, 23 setzt: die hund werden essen Jezabel in dem acker Jezrahel, wo Luther: die hunde sollen Isebel fressen an der mauren Jesreel. sie lieszen die ros essen. buch d. l. 217, 4; darnach gab er seim ros zu essen. ebenda; und sol man dem pferde strawen bis an den buch und ein kripf und rauf in dem stall machen, esze dan er (der vogt)

[Bd. 3, Sp. 1164]


und das pferd gern, do luge, wo er es neme (d. h. stroh, krippe und raufe hat das pferd im stall, fürs futter sorge der vogt). weisth. 1, 743. Seuter und Uffenbach in ihren arzneibüchern gebrauchen immer essen für fressen von den pferden, z. b. wenn das pferd den wolfszan hat, mag es nit wol essen. Seuter 341. im kindermärchen wird der traulichen hausschlange zugerufen: 'ding, isz auch brocken!', andere erzählen 'frisz auch' (myth. s. 560), jenes aber ist passender. thiere, die untereinander redend aufgeführt werden, läszt man ebenfalls 'essen' sagen, so die maus:

nu iʒ an, trût gespîl!
Bon. 15, 20;

iʒ vaste, wir sîn wol behuot
vor hunden und vor katzen. 15, 24,

weil es natürlich ist, in der fabel den thieren auch die menschlichen ausdrücke zu gestatten, wie überall im Reineke fuchs geschieht. auch die verwünschungen merke man:

daʒ dich æʒen die maden!
Helbl. 1, 1212;

sô ëʒʒen si die wilden krân!
Keller erz. 196;

die wurme ëʒʒent uns daʒ hërze.
Diemer 219, 10.

des Boethius

vultur, dum satur est modis,
non traxit Tityi jecur

verdeutscht N. 179 unde sanges satêr ne âʒ tër gîr inin diu Tityo dia lëbera. dër wolta mit Latona slâfen. daʒ rah Apollo mit tiu daʒ imo dër gîr dia lëbera âʒe unde also filo ër geâʒe, daʒ si also filo gewuohse.
4) die verba essen und trinken stehen intransitiv, wenn ihnen kein acc. folgt, transitiv wenn ein solcher von ihnen abhängt. sie, sowie alle ihnen gleichbedeutigen sind vorzugsweise geeignet, den partitivbegrif des genitivs von dem auf den ganzen gegenstand gerichteten accusativ zu unterscheiden (gramm. 4, 649) und neben diesem zeigt dann das verbum transitive, neben jenem intransitive bedeutung. des brotes essen, manger du pain heiszt ein stück davon, das brot essen, manger le pain, das ganze aufessen, doch unsre heutige, die genitivfügungen einengende sprache zieht ein unarticuliertes brot essen dem früheren brotes essen vor, was näher zu entwickeln nicht hierher gehört. beispiele des partitiven genitivs: ahd. aphules, opaʒes ëʒan, ags. ofätes ëtan, onbîtan; mhd.

ê ich nû der spîse wolde lëben,
diu kinde wirt von êrste gegëben,
eins wilden wolves æʒe ich ê.
Freidank 23, 9;

si sprach 'ir sult mîn ëʒʒen niht'. Parz. 131, 24;

dar zuo iʒ du dër apfel und der kriechen. MS. 2, 101a;

dër brûtgoum vant in dër hant
ein palmrîs mit sîner vruht,
dar abe in lieblîcher zuht
ër mit dër brût dës apfels aʒ. pass. H. 247, 83;

dër rab dër botschaft gar vergaʒ,
dô ër ein âs vant, dës er aʒ. Renn. 2563;

nhd. du wilt der ersten tracht nit essen, du hoffest es werd eine bessere hernach komen, deren wiltu essen. Keisersb. siben scheiden 6; wenn ir ins land komet, darein ich euch bringen werde, das ir esset des brots im lande, solt ir dem herrn ein hebe geben. 4 Mos. 15, 19; wenn du gleich mich hie heltest, so esse ich doch deiner speise nicht. richt. 13, 16; wenns essens zeit ist, so mache dich hie herzu, und isz des brots und tunke deinen bissen in den essig. Ruth 2, 14; so sol iederman seines weinstocks und seins feigenbawms essen und seines brunnes trinken. 2 kön. 18, 31; esset ihr der frucht, so werdet ihr sterben. buch d. liebe 291, 4;

der meins brots asz.
Melissus ps. S 1a;

mein nächster freund,
der meines brots iszt.
Opitz ps. 41.


5) statt dieses gen. reiszt bald die praep. von ein: du solt essen von allerlei bewmen im garten. 1 Mos. 2, 16; und also brach sie ein feig von dem baum und asze davon und gab sie Adam z verschen. Keisersb. s. d. m. 12b; so oft ir von diesem brot esset und von diesem kelch trinket. 1 Cor. 11, 26; und er wölte von keinem mehr essen. Hans Staden reise 138; ich bin nit her kommen, das ich von dir essen wölle. 141; leben daran wol und lassen in wol sein, essen fast von milch, fladen und süszem ding. Frank weltb. 147b; ich mochte nicht davon essen; er asz von dem obst und liesz alles andere stehn;

ihr spürtet ihn aus und hättet um alles
gern von der waare gegessen.
Göthe 40, 9;

leider hab ich zu viel von einer speise gegessen. 40, 23.


6) der acc. findet sich sehr häufig, wo essen in allgemeinem sinn genommen ist oder verzehren, aufessen bedeutet: brot, fleisch,

[Bd. 3, Sp. 1165]


suppe, gemüse, obst, honig, früchte, kirschen, nüsse essen; ich will etwas essen; ich gebe dir gleich zu essen, du bekommst wenig zu essen; es hat zwölfe geschlagen. essen wir bald was?;

bleib ich hier, was sollen wir essen?
Göthe 40, 38;

esset ihr mäuse so gern? ebenda;

wes brot ich esse, des lied ich singe; das trockne brot essen; er hat nicht einmal das liebe brot zu essen; das gnadenbrot bei einem essen; mehr können als brot essen;

iszt was er kan verdewen.
Opitz Zlatna 409;

an eines tisch essen; an fremder leute tisch essen; ich bereit uch als mir min vatter bereit hat, das ir essend uf minem tisch. Keisersb. bilger 199a; aus éiner schüssel essen; gut gesessen ist halb gegessen; hat der jüngling den imbisz mit dem andern hofgesind gessen. buch d. liebe 233, 4; das mahl essen. Bocc. 1, 27b = Steinhöwel 4, 18; eine mahlzeit essen. Weise erzn. 93. 114; zu mittag, zu abend, zu nacht essen. mit der hand, mit dem löffel, mit messer und gabelessen.
7) man sagte es essen, den tod, das fieber, die krankheit an etwas, an einer speise essen:

si sprach 'nu iʒ den grimmen tôt!
Stricker H. 11, 62;

er hets an vischen gessen. Appenzeller krieg 193;

er hats an eim haiszen prei gessen. fastn. 683, 16;

voraus ein (krankheit), die heiszt darmvol,
die hat er gegessen an eim eichen kol,
noch eine, die ich auch wol waisz,
die hat er gessen an eim prei haisz. 684, 21. 26;

die krankheit, die in hat besessen,
die hat er an eim seusack gessen. 697, 5;

sonst isset man
gar bald das leidig fieber dran.
Alberus 61b;

wie wol Adam und Eva den tod darvon geessen haben. Reuchlin augensp. 8b. 10b; wehe dem menschen, der ungeduldig sie ertrotzend, an dem sauren genusz sich den tod iszt. Göthe 57, 63; zu einem gastmahle laden, wo sie dann die wahl haben, den tod entweder an unsern dolchen zu essen oder in gutem cyprier bescheid zu thun. Schiller 164b; wüste der mensch, dasz er an diesem apfel den tod essen sollte. 209b. ähnlich ist: ach, weint ich nur auch vor lauter freude! aber ich esse mein bitteres stück schmerz mit dazu. J. P. Tit. 4, 146; das leid, der kummer, die sorge essen, fressen, verzehren mich:

die sorge frasz sein herz.
Lichtwer 144;

altn. sorg ëtr hiarta. Sœm. 25b;

alles einessen, in sich essen, fressen, verschlucken müssen (oben sp. 168. 235), man vergleiche noch fundgr. 2, 70:

er scol alles leides irgëʒʒen,
dës er sich nu lange hât frëʒʒen.

vom spielen sagt Konrad von Haslau (Haupt 8, 560):

ëʒ prüevet aller schande hort,
manslaht unde bœsiu wort,
grisgrammen, sich sëlben ëʒʒen,

d. i. zornig, mürrisch werden.

vor zorne ër sich sëlber aʒ. GA. 3, 66;

und wann nid (f.) kiflet, nagt langzit,
so iszt sie sich, sunst anders nit.
Brant 53, 24.


8) essen mit adjectiven verbunden,
a) satt essen (saturari): jah gairnida saþ itan haurnê, ἐπεθύμει γεμίσαι τὴν κοιλίαν αὐτοῦ ἀπὸ τῶν κερατίων. Luc. 15, 16; jah gairnida saþ itan drauhsnô, χορτασθῆναι ἀπὸ τῶν ψιχίων. 16, 21;

arm bin ich zwar, doch ess ich satt.
Bürger 37a.


b) das fleisch roh, gesotten, gebraten essen:

den krëbʒ wolt ich ê ëʒʒen rô.
Walther 76, 9;

den teller, die schüssel leer essen (wie das glas leer trinken); den bauch, wanst, kropf voll essen (vgl. Parz. 132, 2 einen guoten kropf ër aʒ); ëʒʒen in den grans. Helmbr. 455.
c) sich satt essen (saturare se), sich nicht satt essen; wir aszen uns an dem braten satt; asz mich an einer abgesottenen groszen fohr (forelle) gesund. Schweinichen 2, 185; hatte sich an einer gänseleber krank gegessen; sich dick, sich dick satt, sich rundherum satt essen;

sie aszen sich an gänsen dick.
Lichtwer;

man bilde sich einmal ein junges mädchen ein,
das sich von fetter milch die backen rund gegessen.
Rost schäfererz. 57.


9) in der letzten stelle ist sich dativ, in den vorausgehenden acc. einen dat. fügt zu essen auch Logau, 1, 140, 3:

[Bd. 3, Sp. 1166]


mein tisch der darf mich nicht um übersatz verklagen,
der gurgel ess ich nicht, ich esse nur dem magen.


10) man sagte: ein mal essen ist göttlich, wer zwiret iszt der ist ein mensch, wer drü mal iszt der ist ein vich, wer vier mal iszt der ist ein teufel, und wer fünf mal iszt der ist des tüfels mter genant. Keisersberg s. d. m. 5b. dem ziemlich, züchtig essen gegenüber steht unzüchtig, geitig, gierig: ein mensch der da zimlich isset, wenn er an dem morgen erwachet und abgetouwet hat, so begegnent im die ding so clar und lauter und in einer solicher feiner ordenung, das er ein ganzen tag sunst nicht finden möchte. 7a; also asz Esau geitiglichen ein schüssel mit linsen aus, darumb ward er beraubt des segens von gott, dan er het tötlich gesündet, da er also geitiglichen und giriklichen het gessen. 5a. ich esse gern, edere cupio, pruriunt mihi dentes: die Juden, da sie in der wüste waren und waren des himelbrots maszleidig, sie hetten gern fleisch gessen und sprachen 'uns unwillt ab der speis'. 4b; also hat er ein schleckerhaftige speis vor im ston, die er gern isset, so hungert in darnach, das er wolt das er mee essen möcht und ist im leid, das er niht mer mag. oder ist sollicher speis nicht geng da, die er geren isset, so hungert in, das nit noch mer da ist, das er den sack fülle. 10a. 'es gern essen' steht sodann überhaupt für 'gern haben': 'sehe da, was mir gefehlet hat, diser baum sol mir für ein leitstab und spiesz dienen', risz in derwegen flugs leichtfertig aus wie ein anderer Christoffel, behieb im die äst und machts wie irs gern eszt. Garg. 232b. so meint auch essen sich einer andern uneszbaren sache gierig bemächtigen und ein buch essen hiesz es gierig lesen, wie wir heute sagen es verschlingen:

und dunkt sich strifecht und gelert,
so er die bcher hat umb kert
und hat den psalter gessen schier
bisz an den vers beatus vir.
Brant 57, 5

(vgl. DWB entschlafen 1 sp. 601);

ein gelêrter heiʒt ein buochbîʒ. Ls. 3, 328,

einer der bücher iszt oder in sich schlingt.
10b) ermahnung zu essen: iʒ vaste und scham dich niht. meister Eckhart 625, 36, vgl. sch. u. ernst 1555, 316: der bruder sasz nider und asz allerlei trachten die man darsetzt on scham. vgl. iʒ an, iʒ vaste sp. 1164 unter 3.
11) wie vom essich beiszen gilt vom gährenden wein essen, was eine hübsche stelle bei Keisersberg lehrt: darumb mstu dir selber einen starken gewalt und getrang an thn, wie man dem gten win tht, der do sol kreftig luter und stark werden, den tht man in ein stark wol gebunden vasz, das wol verschlagen ist und lot im kein liblöchlin, und so wird er heisz in im selber und vocht an im vasz z iesen und südet und tht vigentlichen (feindlich). so thnd sich die tugen (dauben) uf und wil usz dem vasz, so bindet man die vasz mit groszen strengen und seilen und ist angst und not das er im vasz blib. so gesitzt dan der win und isset und verieset in im selber und das werden denn die besten win. bilger 87c.
12) eisen essen ist was eisen beiszen und geht schon auf iarn bîta der wütigen Berserker zurück:

ër ist geheiʒen Ungenant
und dünket sich sô ræʒe,
ër springet an froun Geppen hant:
hei waʒ er îsens æʒe.
Neidhart 215,

vgl. eisenbeiszer, eisenfresser, eisenkauer. apfel essen 1, 533. einen vor liebe essen, weil küssen und essen mit dem munde geschieht, vgl. DWB aufessen und DWB freszlieb. des Terenz worte Eunuch. V. 8, 56

at ego pro isto, Phaedria et tu Chaerea,
hunc comedendum et ebibendum vobis propino,

lauten in der verdeutschung von 1499, 83b du Phadria und du Cherea, so wil ich üch darum den zu essen zu trinken und zu verspotten schenken. bittere mandeln essen, vorwürfe, schmach, leid erdulden:

lasz die wetter unterdessen
über unsrer unschuld stehn,
must du bittre mandeln essen
und vorietzt auf dornen gehn.
Günther 256;

wer nicht kommt, hat gegessen = wer nicht kommen oder dabei sein will, der bleibe weg; nun konnte essen wer brot mitbrachte, nach der alten sitte brot zum mahl, das wesentlich aus fleisch und brühe bestand, wie bei den heidnischen opfern, gleich dem messer mitzubringen; ich isz mein theil ungeschlagen. Garg. 94b, brauche mich nicht zum essen treiben zu lassen;

[Bd. 3, Sp. 1167]


im essen bist du schnell, im gehen bist du faul,
isz mit den füszen, freund, und nimm zum gehn das maul.
Lessing 1, 23.

frühstücken jentare heiszt bei Keisersberg frü essen. s. d. m. 6b, an dem morgen frü ein suppen essen. 4a. die niederdeutsche sprache hat für eten ein trauliches diminutivum eteken. Tewesken kinderb. a 5b, dem nichts hochdeutsches entspricht.
13) die alte sprache war manigfalter in wörtern für essen, die den begrif nach vielen seiten abschatteten, mehrere einfache verba lassen ihn heute entweder gar nicht oder nur eingeschränkt blicken. des goth. matjan wurde vorhin gedacht. so galt nëman, capere für essen und weiden, wie wir noch sagen etwas nehmen, in sich, zu sich nehmen; nioʒan, goth. niutan, nieszen, genieszen; brauchen, ags. brûcan war frui, vesci (2, 315); entbîʒen, ags. onbîtan (3, 494); naschen geht auf leckerheit, nagen ist rodere: dër die halben bir nuoc. GA. 1, 214. speisen, ein noch nicht aufgehelltes wort, setzen wir vom essen vornehmer leute. schlingen und schlucken bedeutet hastiges essen, kauen langsames, gemächliches: der mewet die speis vorhin (ruminat, kaut wieder) ee er sie isset wie ein ochs, der die speis nach dem essen mewet und douwet. Keisersberg s. d. m. 7a. wir sagen in sich füllen, in sich schwingen, in sich bringen, hinunter bringen, asz über alle macht, soviel er nur hinunter bringen konnte. irrg. d. l. 191. aʒ in sîne hût. cod. pal. 361, 40d; aʒ in sînen munt. tr. kr. 24187; in den mund werfen, schieben, zu munde weisen, führen; dem munde bieten; einreiben; einschieben; einpacken; zu faden schlagen; räumen, aufräumen; zeliden, zerstücken, zeliden noch ëʒʒen. Karajan denkm. 82, 1, vgl. DWB stück und frühstücken; ein lützel brôtes tœten. Renner 5256; schnabelieren, krustelieren u. a. m. von den meisten wird an ihrer stelle näher gehandelt. Adelung führt landschaftliche, hauptsächlich niederdeutsche wörter für langsam, gierig, viel, wenig, unreinlich essen an. bausen, schlemmen und demmen geht auf übermasz und ausschweifung, doch zumeist in trank:

ich isz nit wenic und trink dest mer. fastn. 562, 15;

lautet heute:

ich esse nicht wenig, der trunk erhält mich.

s. DWB esch = eʒʒisc, fressen, gessen, abessen, anessen, aufessen, ausessen, einessen, mitessen, asz, äszig, atz, ätzen, etzen.
 
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essen, n. cibus, prandium.
1) cibus, speise, tracht, gericht: ein gutes, schlechtes, schmackhaftes, gesundes, köstliches, leckeres essen;

dîn ëʒʒen ist vil kleine.
Helbl. 1, 966;

dîn ëʒʒen wirt wol bereit. 1, 1025;

daʒ ëʒʒen mir gar widerstêt. 1, 1039.

mach mir ein essen, wie ichs gern habe und bring mirs erein, das ich esse. 1 Mos. 27, 4; und gab also das essen mit brot, wie sie es gemacht hatte in Jacobs hand ires sons. 27, 17; und der könig gieng weg in seine burg und bleib ungessen und liesz kein essen fur sich bringen, kund auch nicht schlafen. Daniel 6, 18; wie der hausknecht ein essen krebs auftruge. Kirchhof wendunm. 187b; die essen, welche von der Arsace tisch waren aufgehebt worden, disz waren köstliche essen. buch d. l. 211, 3; éin essen oder zwei bereiten. sch. u. ernst 1555, 318;

schau, ob du kommest an
ein essen fisch zu han.
Ayrer faszn. 54b;

doch nimmt ein kluger koch die mittelmasz in acht,
dasz durch zu vil gewürz sein essen nicht verderben.
Rompler 153;

und opfern kuchen und andere essen. pers. rosenth. 6, 3; richtet etliche essen zu. pers. rosenth. 3, 1; hiermit wurde dem boten von der frauen ein stück essen und ein trunk bier zu geben anbefohlen. unw. doct. 143;

sie singt und trägt das essen singend auf.
Gellert 1, 63;

indem er dies noch sprach, trat Fiekgen selbst herein,
und trug ein essen auf. 1, 202;

arm hatt er sich noch satt gegessen,
reich hungert er bei halbem essen. 1, 79;

bald als er essen sah und roch,
befragt er sich 'wie, leb ich noch?'
und zog ein messer aus der scheiden.
Hagedorn 3, 33;

ein mäuschen, sprach er, ist mein essen.
Lichtwer 68;

das essen
steht auf dem tisch.
Schiller 592b;

es soll euch mein weibchen
gut und mit ehren empfangen, ein schmackhaft essen bereiten.
Göthe 40, 40;

ein bräutigam gehört schon zu den seltnen essen.
Körner 3, 333.


2) prandium, coena, mahlzeit, gastmahl: ein essen anstellen, zum essen einladen;

[Bd. 3, Sp. 1168]


es ist heut fastnacht, und ein essen wird
gegeben auf dem schlosz.
Schiller 398a.

s. DWB abendessen, DWB mittagessen, DWB morgenessen, nachtessen, meisteressen.
3) man sagte sonst vor essens, nach essens, mit ausgelasznem nomen 'zeit', wovon die genitive abhängen, wie in vor mittags, nach mittags, über nachts, unter tags, schw. i aftons, i morgens:

nach essens spielleut einher bracht.
Waldis 4, 4 bl. 213b;

nach essens so tanzet man wider.
Ayrer 230b;

vor essens, nach essens. Gersdorf 21; das ich von meinem gn. h. zu dem morgenessen erfordert und nach essens verhört worden bin. Schertlins br. 60; vor essens wird kein tanz. irrg. der liebe 399. andere belege sind gramm. 4, 262 angeführt. unterm essen, zwischen dem essen, während dem essen, bei dem essen, nach dem essen.
 
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essen, n. blattern der kinder im mund, entweder weil sie um sich fressen oder die man wol essenden, zehrenden würmern beilegte: weiszgalgenwurzwasser mit honig vermischt und den mund damit gewaschen heilt fast seer die feule und das essen des munds. Barth. Vagter arzneibuch 1532. f 14; tormentillwasser ist sehr dienlich den jungen kindern, die das essen im mund haben, denn es heilet die blöterlein, so sie oft damit gewäschen werden. Tabernaemontanus s. 452; wenn die jungen kinder das essen im munde haben, soll man den mund mit ackeleienwasser auswaschen. s. 100.
 
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essenbitter, m. qui invitat ad coenam: tragen die hering an der stangen inn bach für erdfortische (erfurtische) essenbitter. Garg. 51a. s. leichenbitter.
 
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essend, eigentlich edens, dann aber wie andere part. praes. mit der passivbedeutung edendus, edulis, eszbar: ein mel und etwas essents ding. Katzmair 105; so iemand durch recht hungers not, die er, sein weib oder kinder leiden, etwas von essenden dingen zu stelen geursacht würde. Carolina 166; wo aber iemand bei tag essend frücht nem und damit durch wegtragen derselben nit groszen geverlichen schaden thet. 167; ob solchs essend viech darauf gangen wer. 213; das man von essunder war kein maut schuldig sei ... und gelaub nicht, das die essund war mautfrei sei. Chmel Maximil. s. 369; essende wahr. Werth. ded. 1, 261; nun war ihm mit essender waare mehr gedienet als mit gelde. pol. stockf. 21; dasz alle dörfer und heuser auf dem land mit wein und anderer essend speis vollsteckten. Aventin 1, 63; essende speis. Keisersb. schif der pen. 106a; sunst taug kein ander zu essenden dingen. küchenm. a 8; auch das diese beide die almosen an essender speise und vorrat, welche verderblich, teglich unter die armen austeilen. Luther 2, 264a; was sie für essende speis bedürfen. Frey garteng. 53; proviand ist allerlei essende speis und trank. Kirchhof mil. disc. 134; essende und trinkende speis zu holen. Fronsperg 1, 109b; also das etliche essent kraft (nahrungsstof) im kraut ist, etlich in wurzen, etlich in samen. Paracelsus 46b; so borgte auch essende waare niemand mehr. Schweinichen 1, 238; dasz sie an essenden wahren die leute zu übersetzen pflegen. pers. rosenth. 2, 1. doch der im deutschen recht herkömmliche ausdruck 'essendes pfand' bezeichnet nicht eszbar, sondern essend, fressend und gilt von verpfändetem vieh. weisth. 1, 32. 228. 2, 475. ebenso: ob solchs essend viech darauf gangen wer. Carolina 213; essende wahr als pferd oder vich. Frankf. reform. I, 12. 9.
 
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essenfasz, n. mensorium. voc. 1482 h 2b. Diefenbach 356b.
 
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essenkehrer, m. caminorum purgator: die höchsten staatsmänner gehen wie hohe geistliche in ihren schwarzen gallakleidern als höhere essenkehrer durch die straszen und besteigen zum abkehren und abkratzen den staat mit staupbesen und galgenleiter. J. P. nachdämm. 80.
 
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essenslust, f. edendi desiderium, unbequemer als appetit, woraus sich appetitlich bilden läszt:

als sie nun die essenslust
gestillt.
Wieland 18, 26;

das kochen gibt mir essenslust.
Göthe 45, 94;

denn weil er selbst nicht mehr die essenslust kan büszen,
gibt er sein eigen fleisch den würmern zu genieszen.
Logau 1, 7, 14.

s. DWB eszlust.
 
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essenspeise, f. cibus: ich ewer essenspeise komme (ich den ihr essen wollt). Hans Stade 125 (vgl.essekost); nach den Friedberger hochzeit und kindtaufordnungen von 1619. 1634. 1643. 1663 sollen kinder und gesinde von der hochzeit wegbleiben und darf niemand essenspeis heimschicken; weil des pfeffers vil zu den essenspeisen gebraucht wird. aller weish. lustg. 717; umb die zeit, wann die sonne am hitzigsten brennet, würde

[Bd. 3, Sp. 1169]


man viel mehr trank als essenspeise begeren. 758; allerlei essenspeis kaufen. weibergeheimnus Albert. magn. Frankf. 1569 s. 200; redet von essenspeis, hausrat und andern nothwendigen sachen. Simpl. K. 78; ich dachte nicht so viel umb essenspeis. 99; als ich wieder heim kame, befand ich, dasz mein feurzeug und ganzer hausrat sampt allem vorrat an meinen armseligen essenspeisen, die ich den sommer hindurch in meinem garten erzogen und auf künftigen winter vorm maul erspart hatte, mit einander fort war. ebenda; nam von essenspeis, was ich fand und tragen mochte. 263; sintemalen ich vom mährischen landmann beides essenspeis und alte kleider erbettelte. Springinsfeld cap. 14. für die bedeutung des wortes speise zu beachten, dasz man für nöthig hielt essen (wie vorhin essende und nachher essenthafte, essige) beizufügen.

 

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1) erwandern
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