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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
eschröslein bis eselat (Bd. 3, Sp. 1143 bis 1148)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) eschröslein, n. sorbus torminalis und domestica: das sommerobs, quitten, eschröslein (sorba), pflaumen und deren gleichen soll man nach mitten des winters bisz in den halben hornung setzen. Herrs Columella 143b; die natur und wirkung haben die eschröslein gleich mit den speierlingen und nespeln. Lonicerus 67b; die beer (der myrte) seind langlecht, wie die sperbierlein oder eschrösle. aller weish. lustg. 739. vgl. äschenröslein 1, 583.
 
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eschschmalz, n. axungia thymalli. Henisch 935, 51. s äschschmalz 1, 586.
 
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eschtag, m. dies cinerum, s. DWB aschtag 1, 586.
 
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eschthor, n. porta campi, gekürzt estor. Habsburger urbar 143, 15. espansestor. Schm. 1, 119. ester vel valther (valtor), valva. Diefenbach 606a.
 
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eschweihe, m. nach Frisch 1, 232c nennen so die raschmacher einen der in ihr handwerk pfuscht. weihe kann den raubvogel meinen, aber esch?
 
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eschwinge, stupa, ahd. âsuinga, ehschwinge, das gröbst am flachs, wetterauisch die urschwinge.
 
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esel, m. asinus, ein durch fast alle europäischen sprachen gehendes und seiner doppelform wegen für ihre geschichte merkwürdiges wort. ein L der ableitung haben goth. asilus, ahd. esil, mhd. esel, alts. esil, nnl. ezel, ags. esol Cädm. 173, 25, tadelhaft eosol, northumbr. asal Matth. 21, 2; ir. gal. asal; lit. asilas, lett. ehselis; altsl. os'l'' = osilu, russ. osël'', poln. osieł, lausitz. wosoł und hesel, böhm. osel, serb. osao = osal; estn. esel.
N dagegen findet sich im lat. asinus, it. asino, sp. asno, prov. asne, fr. âne für asne, rhätorom. asen, esan, walach. asinu; gr. ὄνος für ὄσνος; ags. assen f., altn. asni; welsch. asyn, armor. azen.
abgeworfen ist der consonant im catal. ase, engl. ass (wol nach ags. assen), finn. aasi, der anlautende vocal überall kurz. auszer in dem durch ausfall des s verlängerten fr. âne, im gegensatz zu ὄνος, dessen ableitung von ὄσνος darum zweifelhaft erscheinen könnte, wie sonst pômum aus posmum, pône aus posne entspringt. dasz ahd. esil, mhd. esel umgelautetes a, keine brechung enthalten, bewähren die reime auf fesel. Diut. 3, 83. Martina 6, 90. MSH. 3, 28b und esele : âvesele. Albr. Tit. 5473. sl. o = goth. lit. a ist in der ordnung.
gleich dem gr. ὄνος dient das goth. asilus für beide geschlechter, die in der u declination überhaupt zusammenfallen, lat. aber wird asinus von asina, ahd. esil von esilin und esilinna, ags. esol von assen, altn. asni von asna unterschieden, das schwed. sna ist weiblich und geht auch auf das m., das dän. asen ist n.
skr. entspricht nichts, der esel heiszt khara, nach seiner rauhen stimme (Böhtling 2, 600), pers. char, wozu sich vielleicht sein eigenname Carchofas, Carcophas im Reinardus halten liesze. Benfey 1, 123 will unser wort aufs hebr. leiten, so dasz sich aus othin ein gr. ὀτνο, ὄτινο, daraus ὄσνος, ὄνος gebildet hätte und von den Griechen weiter westlich verbreitet worden wäre. dieser hebr. ausdruck bezeichnet eigentlich die eselin 4 Mos. 22, 23. 33. 2 kön. 4, 24, chamor den esel 1 Mos. 49, 14. 2 Mos. 13, 13, welchem das ungr. szamar auffallend gleicht. doch schiene seltsam, dasz allen übrigen völkern die as oder os form erst aus Griechenland zugeführt und nicht schon zuvor eigen

[Bd. 3, Sp. 1144]


gewesen sein sollte, man erwäge noch das türk. eschek, wotjak. eschak. mit recht vergleicht Graff 1, 478 das goth. asneis, ags. esne, ahd. asni, asneri servus mercenarius und handen asôn, manibus niti N. Boeth. 187, altn. asnaz servire modo asinario, s. DWB eseler, DWB eseln. die deutsche wurzel läge zu allernächst: und wer möchte umgekehrt diese wörter aus asinus herleiten?
an diese etymologien reihen sich andere betrachtungen.
1) der esel empfängt in der thierfabel, wo er nicht fehlen kann, manche treffende beinamen, z. b. langohr, skr. lambakarna, der geile, übermütige, skr. uddhata, mhd. der balde, Baldewîn, altfr. Baudouin, wovon noch baudet, asellus, maître Baudet. Lafontaine 5, 14; lastträger, wasserträger, holzträger, sackträger, bürdenträger (O. IV. 5, 9), altfr. Faisius = portefaix; distelfresser u. a. m.
2) ebenso gereicht esel zu unanstöszigen namen oder beinamen der menschen und geschlechter, man denke an Cn. Cornelius Scipio Asina, an P. Cornelius Scipio Asina, vgl. Macrobius sat. 1, 6; Asinius und Asino kommen gleichfalls vor. ein edles geschlecht in Baiern war beigenamt Frumesel, was zu sagen scheint der alte, erstgeborne esel (vgl. 2 Mos. 13, 13. 34, 20), wie bei Ulfilas frumabaur, bei O. IV. 13, 12 frumikîdi die erstgeburt bezeichnet, die ortsnamen Frumaholz, Frumapah mögen einen alten wald, bach ausdrücken: herr Weinmar, der Frumesel. MB. 5, 17 (a. 1277), Weinmarus Asinus. 5, 29 (a. 1286); ich Seifrid der Frumesel von Scherdinge. 5, 32 (a. 1290); in Püterichs ehrenbrief bei Haupt 6, 39:

Harzkircher die vil frumen
Frumesel als ich fürbasz singen wil.

in Österreich: dominus Ulricus Asinus de Gadem. urk. von Heiligenkreuz 1, 78 (a. 1230); Ulricus et Hadmarus fratres cognomento Esel. 1, 115 (a. 1247); ich Niclas der Esel von Pochvlies. 2, 3 (a. 1301); mit meins ohems insigel Thomans des Esels. 2, 220 (1353) und ohne zweifel noch oft. in Schwaben: Waltherus dictus Asinus de Dürreheim (a. 1256). Mone zeitschr. 8, 493; Achaz Esel, schultheisz zu Waldshut (a. 1398). 6, 473; Johan Esel von Bechtolsheim (um 1450). 3, 169; Eselsberg heiszt der sitz eines edeln geschlechts: ego Belreinus de Eselsberg claustrum apud Rechenshofen inchoavi (a. 1240). Stälin 2, 724; Wernerus de Eselesberc (a. 1194). wirtenb. urk. 2, 301; Keller hat ein mhd. gedicht herausgegeben, das mit den versen schlieszt:

unwîse wort und tumbe wërk
trîb ich Elblîn von Eselbërk,

wo jedoch der name mythisch zu fassen ist. Keller führt s. 9 die namen an: Rudolf der Esel von Eselspurg (1328), Hans der Esel (1343) Peter Esel der jünger (1386) Otto der Esel von Eselspurg (1412) Rudolf von Eselspurg der Esel (1540), im wappen und auf dem helm führte dies geschlecht einen ganzen gehenden esel. auch altböhm. Osel ein mannsname.
3) der esel erscheint dem alterthum, zumal in der bibel, als zahmes, weidendes thier, das gleich dem kamel, pferd, rind und schaf herden bildet und zum lasttragen wie reiten nützt, ohne allen nebensinn. propheten reiten auf eseln, Bileams (Balaams) eselin, im drange der noth, erhebt ihre stimme und redet. in der krippe des esels und rindes, dichtete man, habe der neugeborne gott gelegen. Luc. 2, 7. 16 steht nur von der krippe, auch O. I. 11, 57:

in krippha man nan legita, thar man thaʒ fihu nerita,

aber in Wernhers lied:

dô stuont ein esel und ein rint,
daʒ keiserlîche kint,
daʒ erkanten sie bêdiu,

und bei Walther von Rheinau:

für den esel und daʒ rint
leiten si daʒ kindelîn,
daʒ rint und daʒ eselîn,
erkanden ir schephære sâ.

einfach ist damit der aufenthalt unter unschuldigen hirten, die auch zur anbetung herbeieilten, ausgedrückt.
4) da aber sämtliche thiere dem menschen gegenüber für unvernünftig und dumm gelten, so wird mit thier und vieh selbst, besonders mit rind, ochs, schaf und esel geschmäht und gescholten; der esel heiszt nicht nur arm und gering, sondern auch dumm, faul, träge, plump, grob, frech und geil (ἀσελγής), weil diese eigenschaften an seiner natur hervortreten, er steht im gegensatz zu dem ihm sonst ähnlichen edeln und raschen rosse und wird verachtet, ὄνου ὑβριστότερος, ἀσελγέστερος lautet die schelte auf einen menschen, der ihm gleicht; quid nunc te, asine, literas doceam? non opus est verbis sed fustibus. Cic. Pis. 30;

[Bd. 3, Sp. 1145]


quae sunt dicta in stulto, caudex, stipes, asinus, plumbeus.
Ter. heautont. V. 1, 4;

neque homines magis asinos umquam vidi.
Plaut. pseud. I. 2, 4;

segnis ac stupidus torpet? asinum vivit? Boeth. consol. 4 pr. 3;

esil, wiʒun wir thaʒ, theist fihu filu dumbaʒ,
ni mîduh mih thërô wortô, ist huarilînaʒ harto.
O. IV. 5, 7,

nach Rhabanus Maurus: est enim animal hoc immundum et prae ceteris pene jumentis magis irrationabile et stultum et infirmum et ignobile et oneriferum magis; mhd.

waʒ hilfet, daʒ man trægen esel mit snëllem marke rennet? MSF. 20, 8;

dër esel kleine vorhte hât
zës lewen kreiʒe, swâ dër gât,
daʒ entuot ër niht durch kargen list,
wan daʒ ër alsô narreht ist.
Freidank 140, 15;

ûʒ eseln kan niht ros wërden. Renn. 17299;

doch spriche ich daʒ sie esel sint. Eckhart 281, 4. nhd.

wer hat euch esel her gebeten,
das ir mir hie habt so zertreten
die mein schonen rosen rot. Laurin ed. Schade 529;

und stech ich in dann nit da nider,
so sprecht, daʒ ich ein esel sei. Ring 5b, 25;

wan es ist nu der welte sit,
daʒ die esel und die narren
zeuhent beid an einem karren. 23b, 42;

ich torst euch auf die meuler schlahen,
das ir solch esel bede mugt sein. fastn. 68, 15;

so esel merks recht, ich lobs im also. 69, 12;

mich ant, das ir sölch esel seit. 335, 20;

ir narren, knebel, esel und trollen,
wie seit ir doch die grobsten knollen. 539, 16;

du bist ein esel von din fier anen (vier ahnen). 844, 23;

unnützer trunkner esel der du pist! Steinhöwel 86, 4 (asino fastidioso et ebriaco che tu dei essere. dec. 2, 5); und ich will geschwigen, wellich esel ich gesehen han erhöhet über die zederböm Libani. Wyle frau glück; aber ich kenn dich bei den langen oren, das du ein esel bist. Keisersberg s. d. m. 9b; und spricht zu im 'du nar, du gauch, du filz, du esel!' 37a; werden sie (die papisten) billich esel uber alle esel gescholten. Luther 5, 11a; Lasco ist ein grober esel und böser dialecticus. Alberus wider die Carlstader J i 7a; meinstu, grober gesel, esel wolt ich sagen. wider Jörg Witzel B 3b; der esel wil vers machen und kan nit quantitates syllabarum. B 8b; es gilt, capias tibi asine! Garg. 98b;

botz esel mein, sihe wolstu draben,
du mainst leicht ich hab dein vergessen,
halt, ich wird dir ain joppen messen.
Joh. Nasus Nasenesel. Ingolst. 1570, 16b;

kein esel, glock und weib sind sonder schläge gut.
'der musz ein esel sein, wer tobt auf frauenblut'.
Gryphius 2, 67;

als du den Tacitus vor kurzer zeit vernichtet,
hat dir ein ander nicht, wie billich, beigepflichtet,
den (von dem) meinest du er sei ein esel als wie du.
Tscherning ged. frühling 351;

wäre dieser nicht ein esel gewesen, so wäre er nicht zu einem vieharzt gegangen. pers. rosenth. 7, 14;

man schläft, man dehnet sich, man trinkt und pflegt den bauch,
nach dieser faulen ruh sehnt sich der esel auch,
und das ist seine schmach.
Dusch verm. werke 459;

und damit schleudert er auf ihn
und traf die stirne gar,
da fiel der grosze esel hin
so lang und dick er war.
Claudius Goliath u. David str. 6;

willst du zeitlebens ein esel bleiben? Lessing 1, 227; warum war ich auch so ein alter esel und glaubte es? 1, 474; ja, Jobsen Zeckel, du bist wol ein dummer esel gewesen. Weisze kom. opern 2, 165; das sind schlechte menschen, unschlüssige bedächtige esel. Göthe 8, 113. 42, 146; das ist ein impertinenter esel. Lenz 1, 280; wie darf sich der esel das unterstehen? ebenda; er flegel! er esel! Fr. Müller 2, 45; und als ich anfangs ihm den (segen) versagte, weil er arm und ich ein esel war. Kotzebue dram. sp. 1, 296; 'und dann setzt er es (das kind) zum erben ein'. 'wenn er ein esel ist'. 2, 178; wird der esel sich bald fortpacken? 2, 193; der esel von wirth hat keine pferde. 3, 205; a e i o u, ein grober esel bist du!
5) eine menge althergebrachter redensarten geht auf fabeln und bräuche und ist oft von höhnischer gebärde begleitet.
a) einem den esel bohren, schon 2, 228 belegt. hier noch stellen:

als zögen uns die wände ein fratzengesicht!
himmel und erde scheint uns esel zu bohren.
Göthe 14, 75;

[Bd. 3, Sp. 1146]


aber es gehört etwas galle dazu, um dem volk die ehre anzuthun und ihnen esel zu bohren. Wieland bei Merk 1, 299.
b) einem den esel zeigen.

das weib zeigt im den esel, spricht
schaw mein man, rath wie vil sind der?
H. Sachs II. 4, 27a;

hat er dazu gespottet mein,
den esel oft gezeiget mir. IV. 3, 36a;

zeigten im den esel und die feigen. V, 396d.


c) einem den esel stechen, den zeige und kleinen finger gegen ihn ausstrecken, während die übrigen drei eingebogen werden, asininis auribus manu effictis illudere. Schmeller 1, 118.

redt nur geren schmeichlerei,
und sticht eim den esel darbei.
H. Sachs V. 327d.


d) einem den esel strecken:

ich musz sonst die zungen ausrecken
und auch den esel gen dir strecken. IV. 3, 69a.


e) einem den esel schnitzen:

war auch mit worten glat verschmitzt,
das er eim bald ein esel schnitzt. IV. 3, 64b.


f) den esel krönen: kein suddeler nicht ist, so er eine predigt gehöret oder ein deudsch capitel lesen kan, so machet er sich selbs zum doctor und krönet seinen esel (d. h. sich). Luther 5, 125b.
g) einen auf den esel setzen, bringen, erzürnen. Schmeller 1, 118:

ich wills auch auf den esel setzen,
mich rechen und an ir ergetzen.
H. Sachs V, 368a;

lasz dich nicht mit geringen dingen
.... auf einen esel bringen.
Ringwald l. warh. 117;

mit guten worten fein betrogen und recht auf den esel gesetzt. Luther tischr. 246a; den dollen fähnrich, welcher mein ärgster feind war, setzte ich gleich auf den esel. Simpl. K. 229; er hat mich in harnasch gejagt, und wer ich nit so wol gelert, er het mich auf den esel gesetzt. vier dialoge von H. Sachs herausg. von Köhler s. 23. man pflegte ungehorsame, widerspenstige zum schimpf auf den esel zu setzen, vgl. balt. studien xv. 1, 134.
h) sich auf den esel setzen, auf den esel kommen, aus einer geehrten stellung in eine niedere treten; er ist vom gaul auf den esel gekommen;

glaubt, dasz Mephiboseth kan auf den esel kommen,
der sein durchleuchtig haus zu rächen vorgenommen.
Gryphius 1, 597;

statt dessen setzt sich der mann auf seinen eignen esel. besteht auf seinem bodenlosen rechte. Wieland 20, 143; da es mit dem gesinge nicht fort wollte, da verlieszen sie die bank und setzten sich auf den bekannten schemel, den sie so gern für einen richterstuhl gehalten sähn. ob sie, wie abermal das sprichwort lautet, sich von dem pferde auf den esel gesetzt, lasse ich deswegen keineswegs an den ort gestellt sein, an den so manches gestellt wird, weil es klar am tage liegt, dasz sie sich von einem esel auf einen andern gesetzt haben. Klopstock 12, 262.
i) den esel reiten, eine beschimpfende strafe, schon frühe in den schulen und noch spät für soldaten hergebracht. Schm. 1, 148, auch ausgesprochen, um rasche zu mäszigen:

swër gæhe ist zallen zîten,
dër sol den esel rîten.
Freidank 116, 25;

wilt du ze gæhes muotes sîn
ân allen rât und unverswigen,
sô kumt dir gar daʒ sprichwort wol,
daʒ muotes alze gæher man
vil trægen esel rîten sol. Winsbeke 33, 10;

nhd. wer zu vil gäch ist zu zeiten,
der selb sol eitel esel reiten.
Agricola no 322;

wan gäher man sol esel reiten,
wie man das sagt vor langen zeiten.
H. Sachs IV. 3, 11c;

endlich zwang mich die noth, dasz ich etliche schöne karpfen aus dem graben zu mir auf den wall gaukelte, sobald es aber der obrist innen wurde, muste ich den esel darvor reiten. Simpl. K. 580. vgl. RA. 722.
k) den esel läuten: die hangenden beine vor und rückwärts bammeln lassen.
l) einen esel schenken:

wer auf dem hof ist der legst,
der allerfaulst und der tregst
mit stechen und mit andern sachen,
damit man schimpf und freud sol machen,
dem wil man ein järing esel schenken
und tausent silbrein schellen dran henken. fastn. 765, 17.


m) indes erblickt der herr den wüsten schand und heuchelgast, der dieses sein ehrenmahl zieret, wie der esel den

[Bd. 3, Sp. 1147]


rosmarkt, gleich gehet die musterung an. Otho 956; in welches (aufwarten) ich mich zu schicken wuste, wie ein esel ins schachspiel. Simpl. K. 137;

den solt die mess die sünd abfegen,
das sie bald fürn gen himel hoch,
wie ein esel ins meuseloch.
Waldis p. reich y 4b.


n) wenn es dem esel zu wol ist, dann geht er aufs eis und tanzt (geht er aufs eis tanzen); ein mensch kan allerlei leiden, on gute tage, wenn er zu viel futter hat, so gehet er eben wie der esel aufs eis und bricht ein bein für woltagen. Luther 4, 109b;

wann den esel das futter sticht,
tanzt er aufm eis, ein bein zerbricht. froschm. Ji 1b.


o) esel sackträger: darumb kein esel den andern, wie man spricht, darf einen sacktreger heiszen. Luther 4, 19;

dem kargen geht, wie dem esel geht,
der holz und wasser musz fronen,
wärmt sich nit mit, wäscht sich nit mit,
zuletzt musz er aus den bonen. Garg. 93a.

mhd. wirt dan der wagen für diu rinder gênde,
treit dan dër sak den esel zuo dër müln. MSH. 1, 197b.


p) esel distelfresser:

vert iemer esel reise,
deist der distel freise.
Freidank 140, 5;

doch lehr ich kein zu essen das,
dieweil es ist unsauber was,
und gehört für die affenmäuler
und eselische distelgailer. flöhatz, Scheible 878;

für ein esel gehören disteln. Joann. Nas warnungsengel 170. s. esellicht, eselsfurz.
q) esel in löwenhaut:

esel in lewen hiute. MSH. 2, 388a;

ist recht, das man hat wol geblaut
den esel mit des lawen haut.
Alberus contrafactur A 2b.


r) esel singend, geigend, ὄνος πρὸς λύραν, esel der hanat oder schreiet oder gigaget, asinus rudens. Maaler 121a;

wâ dër esel klenket gîgendœne. MSH. 3, 452a;

ein man mac sich wol sëlbe touben
dër einen esel wil herpfen lêren. Renn. 23548;

esels stimme und gouches sanc
erkenn ich ân ir beider danc.
Freid. 140, 10;

vor freuden hub er an zu schrein
mit seiner eslischen schelmein.
H. Sachs I, 487c;

das past wie der esel zum lautenschlagen; wenn solche unfletige geister von göttlichen dingen reden, so gemanet michs eben, als keme ein esel uber ein harpfen und wolt uns was sonderlichs machen. Alberus wider die Carlstader Q 1b.
s) esel in der schule:

swër den wolf rëhte lêren sol
und den esel ze tanze gân. Reinhart s. 341, 1355;

einen esel diu buoch lêren. Amis 184.


t) grauer esel. man sagt 'der esel kommt durch', wenn das haar beginnt zu grauen, s. DWB grauchen, grauesel. der blaue esel scheint blaue beule, beulenschlag, beulenwurf: das du dich an keinen blowen esel kerest, wirft man dir stein der widerwertigen wort entgegen. Keisersberg bilger 145a; was bedeutet der krumme esel in einem spiel? heute sols braf im kalten bade gehn, wann wir erstlich 'des krumben esels gesprungen'. ped. schulfuchs 18.
u) esel langohr. der esel reckt die ohren herfür. Frank weltb. 39b;

swër esel niht erkennet,
der sëhe in bî den ôren.
Helbl. 1, 250;

'herr nachbar mit dem langen ohr!'
'ich, gähnt das träge thier und reckt die ohren empor,
nicht dasz ich besser mich als andre leute mache,
doch groszen dank dem, der mich esel werden hiesz!'
Wieland.


6) da der esel mit groszem zeugungsgliede begabt ist, dem Priap heilig war und geopfert wurde, begreift sich die verblümte verwendung von esel für priapus:

da puolt ich umb unser müllnerein
und redt mit ir gar hübschlich und schan (schön),
das sie mir meine esel solt einthan
und liesz mir die kotzen vor der thür hangen;
do warn ir zwen pfaffen nachgangen,
die hetten groszer esel dan ich,
do versagt sie mir und verschmecht mich. fastn. 345, 27;

mein esel wart sich unden regen,
den kunt ich mit zuchten nit niderlegen. 356, 16;

und hast deim esel fuoter geben. 357, 5;

ich leih dir mein esel auch auf ir waid. 732, 31;

nempt ein der ein starken esel hat,
wan auf eur wisen vil futers stat. 749, 25;

[Bd. 3, Sp. 1148]



darümb ir eim esel genunc habt zu gebn
aus eurem rauhen futerkreben. 749, 27.


7) esel heiszt auch ein holzgestell zum tragen, lat. equuleus, pluteus, fr. chevalet, support, z. b. chevalet de peintre, das gestell für sträflinge s. 5 g. vgl. DWB bock 2, 204.
8) esel, oniscus asellus, s. DWB kelleresel.
s.badesel, DWB halbesel, DWB hausesel, hofesel, mahlesel, maulesel, mülesel, palmesel, plackesel, saumesel, tragesel, waldesel.
 
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esel, asinalis:

in dem tal ze Crausen
ein dorf, hieʒ Lappenhausen,
was gelegen wunnecleich
an holz und wasser überreich.
dar in vil esler pauren
saʒen ane trauren. Ring 2a, 5;

nicht den edeln und hofleuten geleiche, die aller ubel unzucht und bosheit vol sin und edel wirdig person geheiszen wellen sein, die man billicher esel dan edel heiszen möcht. Steinhöwel dec. 48, 17, im orig. 1, 8 sono più tosto da dire asini; ists esel oder edel? Fischarts spielverz. im Garg. no 545. vgl. DWB eselsleben und DWB eseling.
 
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eselart, f. mos asininus. s. DWB eselsart.
 
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eselartig, asino similis.
 
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eselat, f. quantum portatur ab asino, eseltracht: zwo eselat mit kriesen (kirschen). weisth. 1, 423.

 

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