Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
es bis eschbach (Bd. 3, Sp. 1126 bis 1141)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) es , lat. ejus, goth. is, ahd. mhd. is, ës, nhd. es, ags. is, fries. is, gen. sg. des pronomens dritter person, hochdeutsch aber auf das neutrum eingeschränkt, in den übrigen dialecten, sowie im lat. sowol dem masc. als neutr. zuständig. oben sp. 681 wurde die vermutung ausgesprochen, der goth. gen. is möge früher einmal ijis gelautet und sich vom nom. sg. m. is, welchem er jetzt gleich ist, unterschieden haben. is und ijis würden dann dem lat. is und ejus begegnen und dasz das genitivische is schwerer wog als das nominativische könnte aus den übrigen goth. nominativen ains, blinds neben den genitiven ainis, blindis bestätigung empfangen, gleichviel welcher vocal vor dem s des nominativs gewichen sei.
Dies alles geht den uralten uns entrückten sprachstand an, hier scheint folgende bemerkung mehr zur stelle. die ahd. mundart hat von jeher, so lange wir sie rückwärts verfolgen können, den gebrauch des gen. is, ës verengt, wie namentlich aus dem unorganisch auf die unreflexive bedeutung ausgedehnten gebrauch des possessiven sîn hervorgeht, wo goth. alts. ags. richtiger der gen. is, his waltet. das reine, organische is des gen. sehen wir hochdeutsch blosz in aussterbenden spuren des neutralen gen. ës gehegt, während jenes nominativische is zu ër wurde. umgekehrt wandelte sich, nach dem lautverschiebungsgesetz, das ita des goth. nom. acc. sg. n. in ahd. mhd. ëʒ und parallellaufend nahmen nun auch die meisten übrigen pronomina und alle adjectiva die flexion -er für den nom. sg. m., -eʒ für das n. an. solange diesaufrecht blieb, war der schade gering und sämtliche es, des, eines, blindes sonderten sich in der aussprache von eʒ, daʒ, eineʒ, blindeʒ. als aber die nähe der laute s und ʒ unorganische schärfungen des letzteren in den ersteren herbeiführte, als man statt ʒ ein sz und s, dagegen statt s ein sz anhub zu schreiben, risz die verderblichste und ärgste störung ein. in unsrer pronominal und adjectivflexion ist immer ein zweifaches s enthalten, ein dem goth. des genitivs entsprechendes und ein das goth. t des nom. acc. sg. n. vertretendes ganz unterschiedenes. eine menge goth. s sind uns zu r geworden, eine menge goth. t zu s. die lautverschiebung hat im hochdeutschen sichtbares unheil gestiftet, vorzüglich unter den lingualen. wie rein und unverfänglich stehen in allen schwestersprachen s und t von einander ab, bei uns beginnen lauteres s und das aus th hervorgegangne ts in manigfacher stufe sich zu mengen; je nach anlaut, inlaut und auslaut erscheinen z und ʒ, heute z, sz und tz unterschieden, s wird mit ʒ gemischt, ss mit ʒʒ, die verwirrung nimmt immer zu. den unterschied zwischen ës und ëʒ, zwischen blindes und blindeʒ nicht zu wahren wäre mhd. noch ein grober fehler gewesen; allmälich liesz die abgestumpfte lautempfindung zu, s mit sz auszudrücken, umgekehrt sz in s zu verdünnen, inlautendes sz in ss zu wandeln, wie alles unter den betreffenden buchstaben im einzelnen dargethan werden soll. bei 'das' hält uraltes a (goth. þata, ahd. daʒ) den zusammenfall mit 'des' ab, doch alle neutralen nominative blindes, gutes lauten uns wie ihre genitive. zu abhilfe solcher mischungen und wenigstens theilweise zu herstellung des früheren zustandes gleiten vorgeschlagne besserungen, wo sie noch eintreten könnten, ab an verwöhnung oder gleichgültigkeit der sprechenden wie schreibenden und beiderlei pronominale es laufen unverstanden durcheinander. ihr unterschied läszt sich nicht verdeutlichen, ohne beispiele aus der gleichfalls erschütterten syntax zu holen, weil der lautverfall zugleich einem unverkennbaren trieb der jüngeren sprache begegnet, lebendige, leise genitive durch stärker auftretende, allgemeinere accusative zu verdrängen; in dem einen wie in dem andern zeigt sich wechselwirkung.
Grund des genitivischen es können substantiva, adjectiva und verba sein, für alle drei fälle verleihen ihm in derselben fügung daneben auftretende kennbar ausgeprägte genitive anderer pronomina, substantiva und adjectiva gewähr. aus jedem mhd. dës mag, auszer im gleich anzugebenden fall der einfachen abhängigkeit, sicher ein ës, aus jedem nhd. des oder dessen ein genitivisches es gefolgert werden. das s der verschwisterten sprachen ergibt einen grund für den gen., ihr t für den acc. dasz sich bei anlehnungen unsere beiden es, mit aphärese des vocals, in bloszes s kürzen bedarf kaum der erwähnung.
A) es bei substantiven. ein rechtes gebrechen unserer sprache ist es doch, der natürlichsten anwendung dieses genitivs verlustig zu gehen, wir können ihn nicht mehr von dem bloszen substantiv abhängen lassen. was lat. pater ejus, nomen ejus,

[Bd. 3, Sp. 1127]


goth. atta, fadar is, namô is, ags. his fäder, his nama, ja engl. its father, its name lautet, das wurde schon ahd. unlogisch mit dem possessiv sîn fatar, sîn namo, wie noch heute mit sein vater, sein name ausgedrückt, und ein ahd. ës fatar, ës namo wäre unerhört, ein heutiges es vater, es name vollends unverständlich. das musz in der that auffallen und läszt sich nur aus dem eignen weg, den unser pron. dritter person einschlug, begreifen; das franz. son père, son nom stehn auf demselben abweg. ausnahmsweise erscheint dies verschwundne ës mhd. durch ein ihm paralleles dës vertreten, z. b.

got sëlbe und dës kunst. Tit. 104, 2;

si gienc ouch dâ dër wirt saʒ
und dës wîp diu burcrâvin. Parz. 34, 9;

an dës hant spranc Elêne.
Neidh. 31, 39;

nhd. durch ein dessen: der mann und dessen frau; der könig und allerhöchst dessen gemahlin; das schlosz und dessen umgebung; der gebrauch des hier angemessensten es ist uns abgeschnitten (gramm. 4, 342). neben substantiven also gestattet einen solchen gen. die hochdeutsche sprache blosz dann, wenn das ihn regierende subst. einem verbum vergesellschaftet gleichsam das einfache verbum ersetzt, z. b. acht haben, dank haben ist so viel als achten, danken; es gehört nicht hierher zu erörtern, in wie fern der auch vom einfachen achten, danken abhängige gen. seinen grund mit dem durch acht und dank verursachten gemein habe. diese haftenden, ihr schon verdunkelten alten genitive strebt nun die spätere sprache auszerdem noch in accusativische (den umständen nach nominativische) es, deren echte gestalt ëʒ sie nicht mehr davon unterscheiden kann, zu wandeln. alles dies werden die wichtigsten beispiele klar machen.
1) ahd. gouma, cura, gouma nëman ës, curam habere ejus, gouma nâmi dûs, curam ejus habuisti. ohne zweifel galt auch, wofür keine belege da sind, goth. mik ist kara is, mir ist darum sorge; ni kar ist ina þizê lambê, diese lämmer kümmern ihn nicht. mhd.

einer ist hie heime
nimet sînes vater goume. fundgr. 63, 6;

dës nam man guote goume. Alex. 1199;

dës nam ich rëhte goume.
Hartm. 1 büchl. 706;

dâ wart dër edeln geste vil bœse goume genomen. Nib. 2019, 4;

goume tuon:

nu tuot is goume. fundgr. 53, 19;

wie die burgære
ir letze tâten goume. Parz. 205, 19.


2) ahd. ahta, mhd. ahte, nhd. acht, cura, ratio, notitia: eines dinges acht haben, wissen, geben, nehmen, es in acht, obacht nehmen; mhd.

daʒ ich niht ahte wiʒʒen kan
mîner süntlîchen schulde. Greg. 2785;

wër kunde dës wiʒʒen aht. Gudr. 1444, 3;

done kunde niemen wiʒʒen wol dës volkes aht. Nib. 1316, 2;

nhd. ich wills acht haben; ihr sollt es gute obacht haben, darauf achten;

lert sölcher zeichen haben acht.
Schwarzenberg 157, 1;

wie nun der frosch ir (der maus) nit hat acht.
Alberus 17b;

wolt ich, das adel und landschaft des spiels ein acht hetten. Luther 6, 8a.
3) ahd. wara, cura, mhd. war, nhd. wahr, eines war nëmen, tuon: wara ne tuot ër gotes, deum non curat; ne tuont ës nieht wara, achten nicht darauf. nhd. ich nehme es, nehme dessen, der sache wahr. aber auch mit deutlichem acc. ich habe ihn nicht wahr genommen, er nahm das kind wahr.
4) ahd. wuntar, mirum: mih ist ës wuntar, ich wundere mich darüber;

sie was ës filu wuntar.
O. IV. 7, 6;

ni sî thih thës wuntar. I. 22, 13;

mhd. wunder mich dës hât. Nib. 901, 1;

dës hete michel wunder die recken küene und guot. 1521, 4;

die gar gelêrten leiebæren pfaffen,
die singent, dës mich wunder hât. MSH. 3, 55b;

si beide hât dës wunder. Bit. 4832;

vil wunder mich dës hât. 10330;

michel wunder si dës nam. Roth. 693. En. 248, 3;

den künec nam dës wunder. Nib. 81, 1;

mich nimet dës michel wunder. 153, 1;

daʒ ës den harpher wunder nam. Trist. 92, 21;

nhd. des er sich wunder nam. Steinhöwel dec. 175, 18; dessen nimmt mich wunder, es nimmt mich wunder, mich hats

[Bd. 3, Sp. 1128]


wunder, mich solls wunder nehmen, in welchen s, es die spätere sprache den gen. nicht mehr fühlend nominative erblickt, folglich auch das nimmt, hat mich wunder gestattet.
5) ahd. niot, alts. niud, gaudium, desiderium: mih ist ës niot, ich sehne mich danach, freue mich darauf; ahd.

thës ist sie iamer filu niot.
O. V. 22, 7;

thës thih mag wësan wola niot. V. 6, 14.

alts. mit dat. der person: was im thëro wordo niud. Hel. 41, 22. 47, 19.
6) nhd. lust, mut, wille: ich habe es lust, habe dessen lust; ich habs mut, bin dazu entschlossen. Schmeller 2, 654;

nim dirs ein mt.
Uhland 523.


7) ahd. firiwizzi, nhd. fürwitz, vorwitz, neugier:

thiô armilîchûn wizzî was thës thô firiwizzi.
O. III. 20, 41,

die armen geister (ingenia) waren darauf neugierig; in (den Nero) was furewizze allëro iro lido (seiner mutter glieder). N. mhd. bietet sich blosz mich ist firwitz ohne gen. dar.
8) ahd. hâlî secretum, negatio, occultatio begegnet nicht, ist nur aus dem mhd. hæle, nhd. hehl zu schlieszen. mhd. mich nimt ës hæle, ich hehle es, halte es geheim:

dër boteschaft nam in hâle.
Eilharts Trist. 5796;

dës nam in michel hâle. En. 158, 8;

ës nimet dich michel hâle. 281, 17;

dës nam si michel hâle. 287, 1;

nimts iuch niht hæl? (ists nicht euer geheimnis?) Parz. 467, 20;

dës nam in niht hæle (das hehlte er nicht). Tit. 158, 2.

gleichen sinn gibt ich hân ës hæle:

si het ës vaste hæle. Nib. 1311, 3;

hæle het er dës genuoc. Bit. 2188;

swër dës tiuvels wërc begât
und ës hælde niht enhât,
den hân ich für ein engel niht.
Freidank 70, 13.

nhd. ich habe es kein hehl; ich wills gar kein hehl haben; warum sollte ich es hehl haben? dessen hehl haben? aber auch schon das. Luther setzt nominativisches das: für einen fremden thu das nicht, das dich kein heel hat. Sir. 8, 21; ir wesen hat sie kein heel, und rümen ire sünde (vulg. agnitio vultus eorum respondebit eis). Es. 3, 9.
9) ahd. lougna, mhd. lougen, leugnung:

thës nist lougna nihein.
O. II. 3, 1. III. 20, 89;

mhd. daʒ dës niht haben lougen die Kriemhilde man. Nib. Holzm. 1890, 3.


10) mhd. zwîvel, nhd. zweifel:

dâ vliuʒet noch der brunne, dës ist zwîvel dëhein. 1013, 3;

nhd. dessen, darüber, daran ist kein zweifel; es, das ist kein zweifel.
11) mhd. ërnest, nhd. ernst, serium: mir ist ës ërnest, mir ist ernst damit;

ob ës iu âne valschen list
ërnest wirt oder ist. Iw. 7903.

nhd. es wird, das wird jetzt ernst.
12) nhd. ehre, ruhm, spott, hohn, jocus, risus, irrisio:

die gecken hettens fürwar kein er.
Uhland 506;

aber die Ulmer haben es ruhm,
das sie so steif gehalten.
Adrian mitth. 128;

ich habe es meinen spott, spotte darüber;

die übermüthler achteten das wenig,
und hattens ihren spott.
Musaeus kinderkl. 111;

so läuft er was er kann, die liebste zu erretten,
der riese het indes es aber seinen hohn.
Werders Ar. 11, 20.


13) macht, vollmacht, recht: ich habe es macht, macht dazu; ich habe es macht zu lassen und habe es macht wider zu nemen. Joh. 10, 18, vulg. nur potestatem habeo, goth. valdufni haba; ich habe es alles macht, es frommt aber nicht alles. 1 Cor. 6, 12. 10, 23, wo das erste alles mhd. alles, das andere alleʒ wäre; warum sollten sies nicht macht haben?; leute die es macht haben. Weise sittenl. 105; mein herr hat es gute macht (erlaubnis). Ettners unw. doct. 3; du hast es alle, volle macht, vollmacht;

o lieber sommer, ich gib dirs recht.
Uhland 29.


14) gewalt. ahd. sie ne habent iro gewalt. N. ps. 54, 24; mhd.

dër aller wunder hât gewalt. Parz. 43, 8;

swaʒ ich sorgen ie gewan,
dër hât si gar gewalt.
Neifen 3, 15.

[Bd. 3, Sp. 1129]



15) gewinn, schade: nhd.

lasz faren dahin!
sie habens kein gewinn.
Luther, ein feste burg;

lasz fahren, kind, sein herz dahin,
er hat es nimmermehr gewinn.
Bürger 13b,

keinen vortheil davon.
16) dank, gratia: mhd.

sô hân ichs doch vil hôhen dank.
Walther 62, 24;

ër wândes haben danc. Reinh. 277;

dër danne jage beste, dër sol dës haben dank. Nib. 874, 3.

nhd. habe dank! habs dank! (habe dank dafür); du sollst es schönen dank haben; ich weisz es dir dank, keinen dank; sie sollten mir es noch dank wissen. Lessing 2, 400; ists noch kein dank? (wird mir kein dank dafür? ist noch nicht zu danke?) Felsenb. 4, 248; gott sei es dank! Lessing in der eben angezognen stelle meinte wol schon den acc., wie sich aus folgender ergibt: wer wird ihm diese kleine üppigkeit nicht vielmehr dank wissen? 6, 478.
17) bescheid haben, wissen, thun, geben: du hast es jetzt bescheid, deinen bescheid, der sache bescheid; ich weisz es keinen bescheid, bin davon nicht unterrichtet; ich will dirs bescheid sagen, thun; hiermit nahm Eckhart ein glas wein und brachte es dem amtmann zu, welcher es bescheid that, wie auch die andern. unw. doct. 143. mit offenbarem acc. aber: trank ich meines herrn vaters gesundheit, welche mir der herr pfarrer und meine liebste bescheid thäten. ehe einesmannes 130; ich thue dir schon ein gläschen bescheid.
18) rath:

ahd. want ës rât thô ni was.
O. III. 21, 15;

mhd. mir ist, wirt ës rât:

iu ist dës nichein rât. En. 3989;

iedoch nis ës ander rât. bei
Ettm. 117, 12;

dës wirt danne guot rât. Iw. 944;

sô wurd ës dëste beʒʒer rât. 1643;

ob ës niht rât wære. 6910;

dës enwas niht rât. Nib. 32, 2. 613, 2;

dës was deheiner slahte rât. 53, 4;

dës wirt wol alles rât. 1689, 2;

daʒ wirs ûf der strâʒen haben guoten rât. 1219, 3.

nhd. es ist, wird kein rath; ich weisz es keinen rath, weisz mir in der sache weder zu rathen noch zu helfen; denn irer plage ist kein rat. Micha 1, 9;

hüte dich vor der that,
der lügen wird schon rat;

es (dazu) kann rath werden; des ist schon rath geworden.
18b) wort: er will es nicht wort haben, nicht eingestehen; es in abrede sein (1, 87), leugnen, vgl. lougna, unter 9. doch es in abrede stellen enthält den acc.
19) busz, ahd. puoʒ, mhd. buoʒ, gleicher bedeutung mit rath und hilfe, ehmals sehr verbreitet, heute erloschen, vgl. 2, 570.
ahd. thës warth imo sâr buoʒ. Ludwigsl. 6, dafür ward ihm schnell rath und hilfe; mhd.

dës im nimmer mêre
nie ne sal wërden buoʒ. En. 105, 31;

ës ne mac niht wërden buoʒ. 117, 13;

mir ist mîner swære buoʒ (meinem leid abgeholfen).
Walther 20, 1;

doch wart im sëlten kumbers buoʒ. Parz. 12, 24;

ir tuot mir site buoʒ. 315, 17;

als im dës dânâch wirdet buoʒ. Wh. 188, 28;

daʒ ir alle iuwer nôt,
die iu durch sînen übermuot
der grâve Aliers lange tuot
und noch ze tuonne willen hât,
dër wirt iu buoʒ und rât. Iw. 3407—13 nach der ersten ausg.,

denn in die zweite nimmt Lachm., der attraction 'alle — die' keine rechnung tragend, 3412 eine andre lesart auf;

zwischen gellen zwein wirt vil sëlten nîdes buoʒ. MS. 2, 144b;

dir wirt dër sorgen buoʒ. Barl. 18, 1;

ës wirt dir lîhte buoʒ. 17, 25.

nhd. kaum noch im 15. 16 jh.: sintmal man seiner krankheit möchte busz finden. Bocc. 1, 107b = Steinh. dec. 132, 29 (orig. 2, 8 in quanto pure alcun modo si trovava al suo scampo);

und wirt im sorgen nimmer busz.
Morsheim C 3b.


20) ahd. lapa, refectio, recreatio: mir ist ës laba, ich werde dadurch erquickt; ër tuot dir is laba, recreat te, ergetzt dich dafür. N. ps. 36, 5;

wanta ës nist laba furdir.
O. V. 19, 15.

[Bd. 3, Sp. 1130]



21) noth, ahd. mhd. nôt: mir ist, wirt, tuot, gêt ës nôt, opus est eo: ahd.

nu ist ës nôt.
O. IV. 30, 31;

thës was nôt. I. 3, 10;

ni sî thir ës nôt. I. 27, 7;

ni was imo ës nihein nôt. II. 4, 42;

harto wirdit iu thës nôt. IV. 26, 32;

thër hungar duit imo ës nôt. II. 4, 33;

ist is io doh nôt. Boeth. 201; dës ist nôt. 207; mhd.

und ruowet hînt, dës tuot iu nôt. Parz. 35, 11;

dës enwas niht nôt. Nib. 69, 2;

dës wære lützel nôt. 560, 2;

zornes was im nôt. 2152, 3;

zwâre, vrouwe, dës ist nôt. Iw. 1931;

dës in zem lîbe was nôt. 3343;

daʒ ërn sluoc, dës gie im nôt. 2050;

dës vreut si sich, dës gienc ir nôt. 5388;

dës gie in wærlîchen nôt. Nib. 71, 4;

dës gie dem helde nôt. 460, 1;

dës gêt mir wærlîche nôt. 864, 4;

dô gie ir trûrens nôt. 1722, 1;

dës gêt mir grôʒiu nôt. 2151, 3;

dës gât in michel nôt. 2175, 3.

nhd. eines aber ist not, ἑνὸς δέ ἐστιν χρεία. Luc. 10, 42; es ist nicht noth; gar keine noth ist es davon zu reden; es war nicht noth, dasz er kam; es thut noth, grosze noth, in welchen allen aber das heutige sprachgefühl accusative annimmt, wie man auch sagt: das ist, hat, thut noth, keine noth, statt dessen. unter eines Luc. 10, 42 meinte Luther, der vulg. gemäsz, wahrscheinlich unum, denn er schreibt wiederum apostelg. 4, 35. 28, 10 was im not war, nicht wes. solch ein mhd. ëʒ oder daʒ tuot mir nôt gibt Pfeiffers Boner in eilf (schon gramm. 4, 249 verzeichneten) stellen, die frage ist ob mit recht. den 'es' der hss. liesz sich nicht ansehen was gemeint sei, ës oder ëʒ, für des aber scheint 'daʒ' besserung des herausgebers. bedeuten musz die phrase: noth (nom.) thut mir dessen (dazu), und nicht noth (acc.) thut es mir, doch ein adjectivisches nôt, necessarium, wäre zulässig.
22) ahd. durft, nôtdurft, necessitas, goth. þaurfts:

thurftî sint ës harto.
O. I. 23, 57;

ës sint uns harto thurftî. V. 12, 55;

ës wârun in thô thurftî. IV. 5, 2;

zispëri eines ist nôtthurft, unum est necessarium (mithin gegen die vulgata). T. 63, 4. mhd.

ob mirs durft wâre. Alex. 3896 (Weism. 4093);

dës ist undurft (keine noth). anegenge 34, 29;

sô durft enwart mir râtes nie
noch hëlferîcher lêre. tr. kr. 17864;

dës dir kein durft wære. Leyser pred. 72, 32; ob des durft. stelle aus Frisch, schon wb. 2, 1730 angeführt.
23) alts. tharf, ags. þearf, necessitas, ahd. darba. Schmeller zu Heliand verzeichnet zehn stellen, in welchen mit is (est) oder was (erat) tharf der gen. verknüpft wird: was im âtes tharf. 36, 19; thës is tharf mikil. 133, 16; us is thînoro huldi tharf. 47, 24; nis thës tharf nigiean (eo non est opus). zumal gern der gen. pl.: was im is hëlpôno tharf. 35, 18. 92, 12; nu is im thînoro hëlpôno tharf. 64, 1; was im bôtôno tharf. 70, 8. 109, 1; us is thînaro lêrôno tharf. 116, 20. genitive neben ags. þearf erscheinen eben so häufig.
24) ursache, causa: ich habe es ursache, grund dazu; er hatte es alle ursache; ich bin oft eifersüchtig auf sie gewesen. 'du hasts auch ursache gehabt'. Göthe 14, 255; ich habe dessen gute ursache; er hat seines zurücktritts die scheinbarste ursache. eben so bei anlasz und schuld: ich bin es schuld, habe, trage es die schuld; mhd.

daʒ ist dës schult. MSH. 1, 65b.


25) ende. es, des geschwätzes ist, wird kein ende. ahd. ist unende sînero micheli. N. ps. 144, 3; tëro wâno ist unende. Arist. 238; iro neist nio solih unende. Boeth. 211; wirdet wunderônnes ende. 209.
26) zeit. mhd. ëʒ ist zît, fr. il est temps; ës ist zît, il en est temps, es ist zeit dazu, nhd. ich habe dessen zeit; jetzt ist zeit des handelns; mhd.

dô slâfennes zît wart. Iw. 383;

nu was ouch slâfennes zît. 5866;

[Bd. 3, Sp. 1131]



nu kom ein bote, dës was zît. Wigal. 23, 7;

nu ist ës zît, nu kêre zuo! Trist. 225, 11.

ähnlich bei jahr, monat, tag. mhd.

ës sint nu wol zëhen jâr. Iw. 260;

ës (s. l.) ist noch niht vol ein jâr.
Neidh. 42, 14.

nhd. aber auch: das sind nun zehn jahre, so dasz in es sind zehn jahre es der nom. wäre.
27) herr, meister: ich bin es herr, j'en suis le maitre; du bist es herr und meister; ahd.

al gizungilô thaʒ ist,
thû druhtîn ein ës alles bist.
O. I. 2, 23.


28) wicht. viele genitive hängen ab von goth. vaihts res, alts. ahd. mhd. wiht, zumal in dessen verbindung mit der negation, goth. ni vaihts, alts. ni wiht, wozwischen ahd. noch die partikel io (unquam) zu treten pflegt, iowiht, später ieht aliquid, niowiht, nieht, nihil, mhd. iht und niht: goth. ni vaiht ubilis, nihil mali; ni vaiht mis vulþris ist, vulg. nihil mea interest. Gal. 2, 6; ni vaiht aljis hugjiþ. 5, 10; jah eis ni vaihtai þis frôþun, vulg. nihil horum intellexerunt. Luc. 18, 34; ni vaiht is, nihil ejus, wofür nur kein beleg zur hand. alts. is (thës lithes) ni was farlêbid wiht huergin an themo hûse. Hel. 61, 11. ahd. ni wëssun ës nieht (wusten nichts davon). Diut. 2, 286a; sie ne tuont is aber nieht. N. ps. 18, 9;

ist iaman hiar in lante,
ës iawiht thoh firstantê.
O. I. 17, 24;

ni zawêta imo ës niawiht. II. 5, 12;

oba ir hiar findet iawiht thës. ad Salom. 7;

ist thar wiht sô sarphes
odo iawiht ouh sô gëlphes. I. 23, 25;

thar nist gallûn ana wiht,
ouh bitteres niawiht. I. 25, 27;

ni fand ih in iu wiht guates. V. 20, 206;

ni wâri dëse fon gote, ni mohti tuon thës iowiht, ni esset hic a deo, non poterat facere aliquid. T. 132, 19; ëno was iu iowiht thës wan, numquid aliquid defuit vobis? 166, 1; inti in themo tage mih iowiht ës ni frâget, et in illo die me non rogabitis quidquam. 174, 6. mhd.

wan man geloubt imes niht. Iw. 1730;

sît ichs niht haben sol. 7313;

dës ich niht geantworten kan. 2972;

dës si niht verlâgen. 3044;

daʒ ër sîner arbeit
iht (niht) âne lôn belîbe. a. Heinr. 21;

sine mugens niht erdenken. Parz. 1, 17;

frouwe, dës enweiʒ ich niht. 11, 23;

sîn geslehte im dës niht louc. 41, 12;

dune darft mir dienstes danken niht. 49, 11;

ich hân mirs sëlbe niht erdaht. 53, 26;

dës engërte se keinen wandel niht. 56, 27;

von sîner hant ës niht geschiht. 60, 14;

dër (quorum) ich genennen niht enkan. Nib. 10, 4;

jâ geniuʒet sis niht. 2312, 1;

dstu dës nicht, du bist entwicht.
Muscatpl. s. 118, 64.

überall ist hier das genitivische ës abstehend von dem accusativischen ëʒ und anderes bedeutend. wie beim verbum häufig ein partitiver gen. findet er sich auch hier beim subst., mit dem sinn davon, darüber, franz. en, während der acc. die ganze sache ausdrückt. 'ich tuon ës niht' heiszt ich thue nichts davon, goth. ni tauja vaiht is, fr. je n'en ferai rien; 'ich tuon ëʒ niht' dagegen, ich thue die sache nicht, ni tauja ita, je ne le fais pas. nhd. hat der schon durch vergröberung der laute unmöglich gewordne unterschied auch deshalb erlöschen müssen, weil unser 'nicht' in eine unlebendige negation übergegangen ist, welche anfangs nur dadurch verstärkt wurde. das s in unserm siehstus nicht, thustus nicht? ist barer acc., ohne partitive beimischung. man vgl. nicht und nichts.
B) es bei adjectiven. auch hier erscheint der, übrigens noch die regel bildende genitiv nicht anders als im geleit von einem verbum, meistens von sein, werden, bleiben. den acc. lassen doch einzelne, späte fälle gewahren. dem gen. entspricht auch der griechische, das latein hat dafür den abl.
1) frei. goth. frijana brahta mik vitôdis fravaurhtais jah dauþaus. Röm. 8, 2, bei Luther: hat mich frei gemacht von dem gesetz der sünden und des todes; ahd. tiu den man dës frîen duot, daʒ er niomannes scalh ne ist. N.; mhd.

hërre got, nu schaffe mich ir vrî. MS. 1, 98b;

[Bd. 3, Sp. 1132]



ich bin dës mærs noch vrî. Parz. 672, 23;

swem si missevellet, dër ist ougen vrî. MS. 1, 25a;

nhd. sie liesz sie der leibeigenschaft frei. Münster 774; sie hielten einen frei der ürten. Kirchhof wendunm. 344;

und mach mich alles kummers frei.
Gryphius;

als ich frei aller noth an meiner Mulden lag.
Fleming 190;

vergnügt und aller sorgen frei.
Canitz.

wir sagen heute ich bin frei davon, nicht mehr ich bin es frei, an dessen früherem bestand die andern angeführten genitive nicht zweifeln lassen.
2) ledig. mhd.

dër künec mîn bruoder mehte
dës itewîʒes unde mîn
mit êren lëdec und âne sîn. Trist. 39, 12;

daʒ Isôt dirre mære
lëdec und âne wære. 278, 18;

daʒ ër sîner aventiure
an sorge und an triure
lëdec und âne gesaʒ. 398, 19.

nhd. des leibes bist du ledig,
gott sei der seele gnädig.
Bürger 15b;

warum nicht auch: ich bins wieder ledig?
3) los. mhd.

swie tugende lôs ër sî. Trist. 292, 33;

nhd. du bist aller schuld los; ich bins los. im letzten sah die neuere sprache einen acc. = ich bin das los, wie sie auch sagt: ich bin das fieber glücklich wieder los; wir sind den kerl endlich los; ich wäre es (das briefchen) gern los. Lessing 1, 543; so bald ich das (geld) los bin! 1, 544.
4) verlustig. ich bin des geldes verlustig geworden; er ist, geht seines amtes verlustig; wir sinds nun verlustig.
5) quitt. nhd. so aber das weib dir nicht folgen will, so bistu dieses eides quit. 1 Mos. 24, 8; geben sie dir nicht, so bistu meines eides quit. 24, 41; kurz von der sache zu kommen, meiner freundschaft sind sie quitt. Lessing ...; wir sinds quitt. häufig auch ohne beigefügten gen.
6) bar. mhd.

si wurden abe mit den swërten
zehouwen schiere also gar,
daʒ si ir bêde wurden bar. Iw. 1028;

daʒ si der schilde wâren bar. 7142;

ir hërze was trucken gar
und beidiu ougen saffes bar. Wh. 69, 28;

dër walt ist niuwes loubes rîch,
dës machete in der winter bar. MS. 2, 233a;

nhd. des laubes, des geldes bar, aller hofnung bar.
7) blosz. mhd.

diu klôs was freuden lære,
darzuo aller schimpfe blôʒ. Parz. 437, 17;

nhd. des laubes, der kleider blosz stehn.
8) leer. mhd.

was iender boum dâ sô grôʒ
daʒ ër stuont, dër wart blôʒ
und loubes alsô lære,
als ër verbrennet wære. Iw. 661;

daʒ sîn voller zuber swære
wart aber waʒʒers lære. Wh. 190, 10;

nhd. der becher ist weines, der beutel geldes leer. üblicher leer von wein, geld.
9) voll. goth. banjô fulls, ulceribus plenus. Luc. 16, 20; fulls varþ daunais, voll vom geruch der salbe. Joh. 12, 3; mhd.

wan wir daʒ wiʒʒen wol,
daʒ du bist bitters eiters vol. Iw. 156;

ouch gienc der walt wildes vol. 3272;

nhd. der lag fur seiner thür voller schweren. Luc. 16, 20; die wiese steht voll wassers, aber auch voll wasser, voll von wasser; der beutel ist voll geldes, voll geld; die strasze ist voll volks, voll volk. solche zulässig gewordne flexionslose nomina können nicht für acc. gelten, da nie gesagt wird voll das wasser, noch weniger voll das, voll es. voll des, voll dessen ist gerecht;

ich bins voll zuversicht: am ende
der laufbahn wird das kleinod mir.
Klopstock 7, 294.


10) satt. ahd. sanges satêr, satur modis. N. Boeth. 179; mhd.

ine kum niemêr von dirre stat,
ine mache uns alle strîtes sat. Parz. 359, 12;

ër wurde gërne schatzes sat. Flore 4774;

dô ich alsô trûric saʒ,
ungâʒ, gedanke sat. 3185;

[Bd. 3, Sp. 1133]


nhd. ich bin des honigs übersatt; er wurde des spiels bald satt, des lebens satt; ich bins satt; ich hab es satt. accusativisch, ich bin das satt; wir sind den mann satt; sie war ihn schon lange satt; ich habe mich sie satt gesehen = an ihr s. g., ihrer s. g.
11) müde. ahd. wart dës wînis muodi. Diemer 122, 5, ward von dem weine trunken; denchennes muodiu. N. cap. 115, wie vorhin gedanke sat; mhd.

ës (ejus) wæren müede zwêne smide. Parz. 537, 27;

nhd. der könig und die kaiserin
des langen haders müde.
Bürger 13a.

doch des weines müde könnte uns bedeuten sowol müde, schläfrig davon als müde ihn zu trinken. accusativisch, nur in letzterm sinn, ich bin den wein müde, ich bins müde, bin das müde, ich sehe mich die sache müde, an der sache, ich sehe michs müde. bei Wieland: wie er mit der ganzen sammlung fertig war, fieng er wieder von vorn an, ohne es müde zu werden, 11, 24 weisz man nicht, welchen casus er meint.
12) überdrüssig, ahd. urdruʒi, noch im 16 jh. überdrüsz. ahd. urdruʒiu dises lîbes; verdruʒʒe wortenêr dërô friskingô bluotes. Graff 5, 249. nhd. entzeuch deinen fusz vom hause deines nehesten, er möcht dein überdrüssig und dir gram werden. spr. Sal. 25, 17; meine seele ist feind ewren newmonden und jarzeiten, ich bin derselbigen überdrüssig, ich bins müde zu leiden. Es. 1, 14; die es (ejus) bald überdrusz werden. Luther 6, 34a; das wir aller creaturen, sie sei so. edel als sie immer wölle, müde, satt und überdrusz werden. Agricola spr. no I. A 4a; des langen sitzens, gehens wurde er überdrüssig. accusativisch, das bin ich nun schon überdrüssig;

ein mensch der sich die welt nie überdrüssig sah.
Lichtwer 1, 18;

ihr werdet das eine sowol als das andere überdrüssig. Lessing 1, ...
13) sicher. mhd.

jâ ist ër niht gar ein heiden, dës sult ir sicher sîn. Nib. 1201, 5;

nhd. ich bin es sicher, bin dessen sicher.
14) gewis. mhd.

ob ir dës gewis sît.

nhd. ihr seid hier leibs und guts sicher und gewis; ein christ sol seines sinnes und glaubens gewis sein, oder je darnach streben, das ers gewis werde. Luther 6, 18b; ich liesz mir bleistift geben und papier und zeichnete das ganze bild so dämmernd warm, als es in meiner seele stand. sie hatten alle freude mit mir darüber, empfanden alles was ich gemacht hatte und da war ichs erst gewis. Göthe an Kestner in Göthe und Werther s. 114.
15) gewahr. mhd.

dô ich dîn hinden wart gewar.
Walther 101, 12;

daʒ ës ir kein wart gewar. Iw. 102;

daʒ ër ir niene wart gewar. 3472;

daʒ dës niemen wart gewar. 7806;

daʒ man des wuofes wart geware. Nib. 977, 3.

nhd. ich bin es gewahr; ich ward dessen gewahr; ward er gewar seines gelds. 1 Mos. 42, 27; ich ward gewar eines nerrischen jünglinges. spr. Sal. 7, 7; sie war meiner bald gewahr. Lohenst. Arm. 1, 489;

ich werde neuer lust gewahr.
Hagedorn 3, 130.

sehr oft mit dem acc., ich bin ihn schon gewahr; er wurde die sache gleich gewahr; allenthalben sah ich mich um, konnte ihn aber nirgends gewahr werden; ohne dasz sie es gewahr wurde (acc. oder gen.?). Wieland 2, 152.
16) ansichtig. wurde schon gramm. 4, 756. 757 behandelt und nachträge stehen wb. 1, 461. 462. hier zeigt sich, besonders bei trennung des sichtig von der partikel an, der acc. ziemlich frühe und scheint eben dadurch veranlaszt.
17) bereit. ich bin es bereit, dazu bereit. wb. 1, 1498.
18) beichtig, confitens (1, 1360 nachzuholen), ahd. pigihtîc: ih wirdu ës pigihtîc, ës alles pigihtîc; ih wirdu gote bigihtîc allërô mînëro suntônô; derô ih gihtîg pin worten. N. Boeth. 188. nhd. ich werde es beichtig.
19) geständig, eingeständig. der dieb ist seines verbrechens geständig; bist du der rede geständig; er war es eingeständig; will nichts geständig sein. aber auch mit acc.: ich bin ihm die schuld nicht geständig; er war das alles eingeständig. darum die heutigen es zweifelhaft.

[Bd. 3, Sp. 1134]



20) gedenk, eingedenk. wofern sie mein will ingedenk sein. Weise liebesalliance 35;

jener verschwundnen
sind die verbundnen
fröhlich gedenk.
Göthe 1, 120;

ich chromatischer prüfungen eingedenk. 31, 231; ich bleib es immer eingedenk. beispiel eines acc. oben sp. 185.
21) zufrieden, ein unorganisch aus zu friede, zu frieden entsprungnes adj., bei welchen meistens der gen. ich bin es zufrieden, des, dessen zufrieden steht; er war des titels z friden. Münster 1208; des waren die burger wol z friden. 1220; war dessen zufrieden. unw. doct. 935. man hört jedoch auch: ich bin das zufrieden, bin das alles zufrieden, bin diesen tausch zufrieden.
22) eins, einig, stets mit voranstehendem gen. wir sind des handels eins; des handels einig geworden; ich wurde des handels einig. Leipz. av. 2, 160; mit welchem ich des handels bald einig wurde. Felsenb. 1, 448; wir sinds lange schon einig; der wahl, des schlusses einig (oben sp. 208, 6); des kaufes, der sache eins.
23) froh, mhd. vrô, gemeit, geil:

dës was ër vrô. Reinh. 50;

dës bin ich vrô und gemeit. 317;

dës wart Isengrîn unvrô. 1453;

dës trôstes wurden si vrô. Iw. 4803;

dës wart dër künec Artus vrô. 7603;

diu wær vil lîhte eins schimphes vrô. Parz. 515, 6;

dër knappe dës roubes was gemeit. 132, 25;

diu frouwe was ir gastes geil. 33, 12;

ieslîcher was sîns ortes geil. 51, 29;

dër hërre in sîme muote was dës vil gemeit. Nib. 290, 1;

ahd. ër was thës aphules frou.
O. II. 6, 23;

joh fuar si sînes wortes frô thô heimortes. III. 11, 31;

nhd. ich bins herzlich froh; lebensfroh; des sind wir alle froh; der botschaft konnten sie nicht froh werden.
24) mächtig, gewaltig. mhd.

diu ist gar gewaltic mîn. MS. 1, 26a;

nhd. sie vergessen, dasz sie nur éines armes mächtig sind. Lessing 1, 520; ich will hoffen, dasz du deiner mächtig genug warest. 2, 137; bis ihr eurer glieder mächtig werdet. unw. doct. 367; ich bins wol mächtig; er war keines hellers mächtig.
25) habhaft. sie konnten seiner nicht wieder habhaft werden; ich bin es nun habhaft.
26) gewärtig, erwärtig. ich bin deines winks gewärtig; ich war mir eines so frühen befehls nicht gewärtig. Lessing 2, 121; wir sinds erwärtig (oben sp. 1046).
27) werth, goth. vairþs, ahd. wërd. nist meina vairþs. Matth. 10, 37; akran vairþata idreigôs. Luc. 3, 8; vairþs auk ist vaurstvja mizdôns seinaizôs. 10, 7. ahd. dës wërd ne sint. N. ps. 87, 12; wërt dës diskesideles. W. 3, 10; mhd.

doch ichs unwërt sî.
Karajan denkm. 48, 14;

dës was ër wërt und was im nôt. Iw. 6552;

dës sît ir weiʒgot wol wërt. 7564;

guot man ist guoter sîden wërt.
Walther 44, 10;

ëʒ was wol drîer marke wërt. 104, 11;

ëʒ was ouch niht anders wan gesteine unde golt,
unde ob man al die wëlte hæte versolt,
sîn wære minner niht einer marke wërt. Nib. 1063, 3;

nhd. wer tods werd ist. 5 Mos. 17, 6; denn sie sinds auch werd. weish. Sal. 1, 16; die geste warens nicht werd. Matth. 22, 8; denn ein erbeiter ist seiner speise werd. 10, 10; entweder bin ich ir oder sie sind meiner nicht werd gewesen. Tob. 3, 20; hat gethan, das der streiche werd ist. Luc. 12, 48; er ists werth, dasz man ihn liebe; aller ehren werth; seiner freundschaft werth. Lessing 1, 516; ist dieser tag keiner freudigen aufwallung werth? 2, 139; ist ers nicht werther noch, weil er nicht will? Klopst. 10, 20. mit acc., einen zweiten schusz wäre er ja wol noch werth gewesen. Lessing 2, 151; diesen casus pflegen wir bei angabe von geldwerth gern zu setzen: zweihundert pfennig werd brots. Joh. 6, 7; einen thaler werth; keinen heller werth; dieser ring ist seine funfzehnhundert thaler unter brüdern werth. Lessing 1, 533. aber auch sonst sind beide casus gleich anwendbar: es ist nicht der mühe oder die mühe werth. ihr seid euch werth, setzt Göthe 55, 22, wo auch stehn dürfte euer werth.
28) schuldig. ahd. ir bint imo is sculdig. N. ps. 134, 1; mit tëro nôte dës scazzes, tës ër sculdig was. Boeth. 21;

[Bd. 3, Sp. 1135]


thër ist sculdig duomes, thinges, hella fiures, reus erit judicio, concilio, gehennae ignis. T. 26, 1—4; sculdic ist tôdes, reus est mortis. 191, 3;

quad thës wâri wirdig, ioh harto filu sculdig.
O. IV. 19, 70.

nhd. des todes, der streiche schuldig; ich bins wol schuldig; wir wissen uns der that schuldig; der ist einer missethat schüldig. 3 Mos. 5, 1; der sol des bluts schüldig sein. 17, 4; denn er ist des tods schüldig. 4 Mos. 35, 31. wiederum bei geld der acc., was bin ich schuldig?; du bleibst noch éinen thaler schuldig; was ich von alters her schüldig gewest zu geben. 1 Macc. 10, 41; von wegen einer summa gelds, die er dem könig schüldig blieben ist. 13, 15; bis das er bezalet hat alles was er im schüldig war. Matth. 18, 34; ich schweig, das du dich mir selbs schüldig bist; einem mann, der in seinem leben keinen heller schuldig geblieben ist. Lessing 1, 512; ich wüste nicht, dasz er mir jemals etwas schuldig gewesen wäre. 1, 517; was können sie diesem mann mehr schuldig werden? 1, 556. der acc. geht auf die ganze phrase schuldig sein, werden, bleiben, der gen. auf das blosze schuldig, reus.
dies scheinen hauptbeispiele, den einflusz der verbalkraft legen adjectivisch verwandte participia noch offenbarer dar, wofür ein paar belege hinreichen: er ist die gräfin hier nicht vermuthend. Lessing 2, 139; ich bin es fest entschlossen; ob sie es denn auch bekant (geständig) wollen sein öffentlich fur irer oberkeit. Luther 6, 18b; auch ohne dasz man sichs bewust ist. Wieland 2, 7; ich bin es mir bewust;

und da hieng ich und wars mir mit grausen bewust.
Schiller 64a.

vgl. gramm. 4, 735.
C) es bei verben. da die fügung beider casus, des gen. wie des acc. zum verbum geläufiger ist, braucht nicht so weit in die syntax gegriffen zu werden, um die unterschiede zwischen ës und ëʒ erst an andern nominalformen zu erkennen oder zu bestätigen.
1) vorzugsweise wird auf den genitiv zu schlieszen sein, so bald ein intransitives verbum und in der vorstellung etwas partitives vorliegt, das sich auch durch davon umschreiben läszt, während transitivbegriffe den bestimmteren acc. nach sich ziehen: ich habe es (gen.) noch, bewahre davon, mir ist dessen übrig, dagegen ich habe es (acc.) noch, bewahre die ganze sache. unter es geben, nehmen, essen, trinken und vielen solchen verstehen wir heute nicht mehr die theilweise, nur die volle einwirkung, doch mag ein beigefügtes 'viel' oder 'wenig' den alten gen. heben: gib mirs, nimm dirs ein wenig. in es kosten, versuchen u. s. w., intransitiv gefaszt, könnte er fühlbarer haften.
2) ehmals hieng von walten der gen. ab (gramm. 4, 658. 659), wie er sich zu gewalt haben, gewaltig sein einstellt: ahd.

weltis thû thës liutes.
O. I. 2, 34;

mhd. daʒ ër rîches muotes wielt. Er. 313;

nu solt ich mit iu beiden
alrêrst vröude walten. Greg. 47;

die iwers râtes walten. 397;

hër lieʒ ës got walden. En. 200, 34;

daʒ ës unfuoge walde! Parz. 348, 30;

ich sol mîn lop behalten,
daʒ ës die wîsen walten. 509, 24;

ër lac und lieʒ ës walten
den dër hëlfe hât behalten. 568, 1.

in gleichem sinn fasse ich nhd. lasz es gott walten. Keisersb. bilg. 193d. Agricola sprichw. 415 und des walt got! Keisersb. gunkel ..., ja noch später:

des gröszern (schatzes) waltet
sein vater noch.
Lessing 2, 208.

allein derselbe Agricola, während er sprichw. 596 im text schreibt gott walt es! gibt die überschrift: das walt gott! meint also auch unter 'es' den acc. nicht anders Fischart Garg. 100a sogar mit doppeltem acc.: das walt sie der vatter! das walt sie der teufel!, so dasz unser heute oft vernommenes 'gott walts!' den gen. wie den acc. enthalten könnte und der sprachfehler: das walte gott! statt dessen walte gott! häufig und pathetisch begangen wird. bei Gryphius 1, 768: nu das walte der es walten kann! sind gleichfalls schon zwei accusative gemeint.
3) gleiche unsicherheit schwebt über glaube mirs! glaubt mirs! nach dem alten brauch wäre der gen. auszer zweifel: ahd.

giloubet thës mir!
O. IV. 19, 53;

giloubi mir thës wortes! V. 7, 4;

[Bd. 3, Sp. 1136]



mhd. ër sündet swër dës niht geloubet. MS. 1, 1a;

obe ir mirs geloubet.
Walther 74, 26;

geloubet dës. Wh. 359, 12;

dâ von was im, geloubet mirs,
nâch dër vil clâren dëste wirs. tr. kr. 15987.

doch auch schon ahd.

giloubu ih thaʒ giwisso.
O. III. 24, 23;

giloubent sie thaʒ kruzi. V. 6, 31.

auf einen unterschied intransitiven oder transitiven sinnes lassen sich diese fälle kaum zurückleiten. heute entschiedner acc.
4) ahd. danchôn mit gen.

thankës gote filu fram.
O. III. 20, 107;

joh thankônt ës mit worte Kriste themo wirte. II. 10, 8;

thaʒ thû uns ës muaʒis thankôn. II. 24, 38;

danchônt dës truhtene. N. ps. 29, 5;

thaʒ thir ës got githankô.
O. II. 20, 6;

mhd. ich dankes mîme heile, daʒ ich dem tievel entran. Nib. 1938, 4;

dune darft mir dienstes danken niht. Parz. 49, 11;

si muosens eime walde danken. Lanz. 6560;

dem sulns die miuse danken. Renner 22208;

nhd. ich dank euch gern eurer tat. fastn. 450, 1;

das schaf im dankt weiser lehr.
H. Sachs II. 4, 49d;

ei des musz dir der teufel danken. IV. 3, 23b;

dank dirs der teufel!;

folge meinem rath, du wirst mirs (dafür) danken. unw. doct. 370;

gute nacht! 'danks! angenehme ruh!'
Göthe 7, 6,

welches letzte es freilich auch accusativ sein dürfte, wie wir ihn nun allgemein zu danken setzen: das dank ich meinem schöpfer; das danke dir der teufel!

das hätte
ich unaussprechlich dir gedankt.
Schiller 298a;

ich hatte ihm alles, mein ganzes glück zu danken; ohnehin dankt niemand den aufwand und die mühe. Schiller an Göthe 240.
5) deutliche genitive geben sich kund in es denken, erdenken, gedenken, ersinnen, sich besinnen, erinnern, mahnen, vergessen, schweigen, geschweigen, gestehen, leugnen: mir gedenkts; es denkt mirs noch (wo das erste es nom., das andere gen.); noch so gedenkt es nie keinem mann. Keisersb. s. d. m. 2b;

man wird es noch gedenken.
Soltau 449;

sind sie sein diener? 'ja, so lang als mirs denkt'. Göthe 14, 83; mhd.

dër dës erdâhte. Parz. 566, 23;

nhd. wenn ich michs jetzt noch besinnen kann. Wieland 11, 221;

nun mans (mahne dessen)
die kaiserlichen bund.
Hildebrand volksl. 2, 10;

ich besinns mich nicht mehr (besinne mich darauf);

verwundrungsvoll,
dasz ich daran noch nicht gedacht, erinnrichs
mich jetzo schnell, dasz Nathan, da er weggieng,
der zählung bücher trug.
Klopstock 10, 42;

du kannst dichs wenigstens von deiner kindheit her erinnern. 11, 121; ich erinnre michs sehr wol, wie du in seine arme liefst, die vom schwur herunter sanken. 8, 130; ich vergasz des ganzen handels bald; ich geschweige dieser ärgerlichen sache; du schwiegst es lange (davon); ahd. sol ih is lougenen? N. Boeth. 22; mhd.

sone lougen ich dës niht. Iw. 4128;

dër mir dër rede gestê. 1034;

sô ins nieman gestât. 2476;

dër rede gestuont im Hagene. Nib. 1138, 4;

swës Irinc begunde, si woldens alle im gestân. 1968, 4,

denn einem gestên ist ihm beistehn, helfen, hernach auch bekennen, nhd. ich gesteh es gern;

denn, gesteh ich es nur, nicht ruft die neue gefahr mich.
Göthe 40, 270,

was heute accusativisch genommen wird. denn fast überall allmälich sind neben diese verba acc. eingedrungen: das gestehe ich dir, er hat den mord gestanden.
6) darben, bedürfen, entbehren, mangeln. das 'es' bei den subst. darba und durft rechtfertigt den schlusz auf die verba: ich darbe des brotes; ich bedarf es noch länger; ich entbehre

[Bd. 3, Sp. 1137]


es ungern. brauchen, indigere kommt vor mit gen. und acc. (2, 318), doch zu darben und mangeln hat sich später kein acc. gefügt, wol aber zu bedürfen und entbehren. jenem doppelten und verschiednen es in 'es denkt mirs' gleichen: es darfs aber wol, das der prophet disen tag so hoch rühmet. Luther 5, 68a; es brauchts nicht (ist unnöthig) dem leser zu berichten. Bodes Tr. Sh. 4, 73; es brauchts nicht eben just, dasz einer tapfer ist. Göthe 7, 69. mhd. deutlicher und reinlicher: ëʒ zerinnet, bristet mir ës.
7) genügen, genug, viel, zu viel sein, mhd. beviln: ahd.

sô ist uns alles ginuag.
O. IV. 15, 28;

ës ist zi zellenne ginuag. V. 1, 23;

sô filo is cnuocta. N. Cap. 14; irô ist filo. ps. 24, 11; ward irô filo. 106, 38; mhd.

jâ wære dës, wiʒʒe Krist,
dem künige Artûs ze vil. Iw. 4787;

ës ist genuoc. 259;

sîns heres mich bevilte. Parz. 214, 24;

dës sînen kampfgenôʒ bevilt. 719, 10;

swaʒ wîsen liuten wol behaget,
dës enlâ dich niht beviln. tr. kr. 15043.

nhd. gilt zwar noch dessen oder sein ist viel, zu viel, genug, aber häufiger das ist zu viel, das ist genug, das genügt, so dasz uns es in gleicher lage nom. erscheint. allerdings könnten hier wieder beide casus neben einander stattfinden und mhd. die volle rede lauten: ëʒ ist ës genuoc, daʒ ëʒ michs bevilt, ës geht dann auf die sache, ëʒ ist das pronomen vor dem unpersönlichen ausdruck, jedes dürfte ausfallen.
8) erbarmen, oben sp. 702. in gott erbarms ist gott acc., 'es' nom.; ebenso in wie möcht ir ein kälblein stechen, das die augen verdreht, erbarmts euch nicht? Garg. 241b euch acc., 'es' nom. dagegen in ich erbarme michs musz 'es' für den gen. gelten. dem dasz es einen stein in der erde erbarme steht gegenüber dasz sichs ein stein in der erden erbarmen möge. Ettners hebamme 839. hier kann leicht zweifel obwalten. bei Günther:

was gilts, nun wird dichs oft der frommen treu erbarmen

ist 'es' der zu wird gehörige nom. und wäre entbehrlich.
9) erwarten leidet beide casus neben sich: ich erwarte dein oder dich (sp. 1044. 1045), doch das einfache warten, wenn es expectare ausdrückt, nur den gen.: eh ihr es euch verseht, ist ein buch fertig. Wieland 1, 252; da er sichs am wenigsten versah. 3, 292; dasz er ihnen erscheinen wird eh sie sichs versehen. Göthe br. an Leipz. freunde s. 166.
10) wünschen, erwünschen hatten ehmals den gen., heute haben sie den acc.
11) sich überheben zieht den gen. vor, einen einer sache überheben: ich überhebe michs, bin es überhoben; du sollst es überhoben sein.
12) sich schämen, nothwendiger gen.: ich schäme michs; pfui, schäme dichs!; ich schäme mich sein; er schämte sich des bettelns.
13) sich überzeugen, einen überzeugen, überführen: aber ich will sie es redlich mit ihren eignen worten überzeugen. Luther 6, 22b; überzeuge dichs vorher!; ich bin es überzeugt. immer der gen.
14) einen eines dinges erwenden. sp. 1059.
15) wo sich heute ein davon, dazu, daraus, daran, darüber an die stelle des es schickt, haftet der gen. fester und weicht dem acc. nicht. ahd. unser suëster ist noh wênag unde ne hât noh dër spunne niet. waʒ tuo wirs nu, sô siu hîrâtes scal gegruoʒet wërdan? W. 73, 1, was thun wir nun damit, mit ihr? die andere hs. tuo wir iro; mhd.

ës wæren gehêret driu lant. Parz. 594, 7,

drei länder würden davon berühmt;

ës möhten starke velse wagen. Wh. 37, 4,

starke felsen würden davon beben;

ës möhten lewen welf genësen. 40, 5;

ës möhte biben dës meres wâc. 41, 7;

ës solt diu stat laster hân. 114, 9;

nhd. der staub wird über alles land Egipten gon, wan es werden (werden daraus) blattern in den menschen. Keisersb. s. d. m. 2b; wozu dients, das wir sein wort hören und an in gläuben? was sind wirs (wir dadurch) gebessert, so wir in angst und not zu im seufzen ei. Luthers tischr. 2, 87; klagt aber einer uber der treiber tyrannei, der musz ein aufrürer sein, dem hawet man die zeune umb, verbeut im wasser

[Bd. 3, Sp. 1138]


und weide und allen gemeinen gebrauch. das gönnen denn die bauren dem pfaffen wol, die treiber lachens (lachen darüber) in ir faust, den herren ist ir mütlein gekület. Milichius schrapteufel O 3a;

ich bin dir es verpflicht.
Erk liederhort 249.


16) die angeführten stellen erbringen, dasz bereits ahd. und mhd. die neigung da war, ës durch demonstratives dës zu geben und Wolframs 'dër künec und dës wîp' konnte das längst verschollene 'ës wîp' = alts. is wîf näher erreichen, als der gewöhnliche ausdruck 'sîn wîp'. wir sahen oben auch dem nom. ëʒ das demonstrative daʒ gleichgesetzt. sind ja doch altn. þat und þëss durchgehends an den platz des goth. ita und is getreten. um so sichrer dienten das und des = dessen den zweifel über nhd. es zu zerstreuen und in ihm bald mhd. ëʒ bald ës zu erkennen.
aus dieser innigen verwandtschaft zwischen es und das, es und des, aus vertretung der ersteren durch die letzteren begreift sich umgekehrt die gleich häufige vertretung unseres artikels durch das persönliche pronomen, wovon gramm. 4, 368. 369 ausführlicher geredet ist.
das mnl. dat wurde nnl. durch het gänzlich verdrängt (gramm. 4, 372). unserm sist wahr = es ist wahr (sp. 1105) und ins wasser = in das wasser liegen sichtbar verschiedene kürzungen zum grunde; dem sinne nach scheinen die mhd. eʒ hërze, eʒ buoch, eʒ beste = daʒ hërze, daʒ buoch, daʒ beste und schwächungen des a in e deʒ hërze, deʒ buoch, deʒ beste dazwischen gelegen, folglich keine ëʒ hërze, ëʒ buoch, ëʒ beste, obschon auch iʒ hërze u. s. w. geschrieben vorkommt. das nnl. het hart, het boek ist wirklich = ëʒ hërze, ëʒ buoch. man musz bei diesem vocalwechsel zwischen daʒ und ëʒ nicht vergessen, dasz neben goth. þata der gen. þis steht.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
es = eins, in der Schweiz, wie kes für keins: es chalb ein kalb, es kind ein kind (Stalder dialect. s. 90, wie mis chind, mein kind), daneben auch eis, keis. mhd. ëʒ, id wird gedehnt gesprochen ês, äs (Stalder s. 108). gerade umgedreht sollte für unum gedehntes, für id kurzes stehen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
es = sich. man nimmt eingeflickte, füllende, nichts sagende es und s an; genauer zugesehen haben alle flicklaute ihren wirklichen grund, sind nicht des klangs wegen erfunden, wie z. b. das eingeführte mühsame fr. a-t-il, a-t-elle nichts ist als at il, at elle, nemlich at aus habet herrührt, die schweizerische schreibung worde-n-ist, hah-n-ich für worden ist, hân ich unnütz irre führt. so wird sich auch das in volksliedern häufig neben pronomen und verbum eingeschaltete s oder es verständigen:

ei wer uns dieses liedlein sang?
ein freier reiter ist ers genannt. lb. 1582, 138;

der uns das liedlein neus gesang,
ein landsknecht ist ers je genant.
Uhland 495;

Albrecht von Rosenburg ist ers genant. 376;

meister Paul ist ers genant.
Soltau 134;

Gilgenschein ist ers genant. 152;

Cristoffel Zell ist ers genant. 344;

Fridrich Wilhalm seind sies genant.
Hildebrand 12.

mhd. begegnet der mediale ausdruck hieʒ sich für hieʒ (gramm. 4, 36), kam sich für kam, was sich genant für was genant:

dër hëre was sich Morolt genant.
Eilh. Trist. 292;

in einer stede sâ ze hant,
diu sich Troie was genant. Diut. 1, 405;

dër Bërner gegen ime kumen sach
einen ritter kleine,
dër was sich Bibunc genant. Dietr. u. ges.
Hagen 801.

was ist deutlicher, als dasz dieses sich zu s wurde? mhd. wird auch ein sich zu wörtern des redens gefügt: sprach sich (gramm. 4, 36) und wiederum lesen wir:

sprach es die jungfrau fein.
Uhland 861;

war es ein junger geselle;
kam es ein reicher grafe;

also wird:

ze Schwiz ist ers gesessen.
Uhland 405;

es reitets ein ritter durch haber und klee.
Ernst Meier 302;

wieder auf ein er sich zurückgehn, desgleichen:

es kann mich nichts schönres erfreuen,
als wenn es der sommer angeht.
Erks liederhort 27.

schwieriger scheint diese deutung für die erste und zweite person:

ich sitz und schau michs um,
als wenn ichs kaiser wäre.
Ditfurth fränk. volksl. 2, 247;

soldat bin ichs gewesen,
einen rock hab ichs getragen. 2, 217;

bis ichs endlich bei Leipzig
ganz schwer bin blessirt. das.;

[Bd. 3, Sp. 1139]



da bin ichs gelegen
auf leben und tod. das.;

kann suchen, wo ichs bleibe. das.;

jungfräwlein, wölt irs mit mir gan?
Uhland 146;

in Schwaben bin ichs erzogen. 237;

sinds ir der jung von Falkenstein? 296;

ach schätzchen, was hab ich erfahren,
dasz du es willst scheiden von mir?
Erk s. 28;

willst du es bei mir schlafen. 253;

doch wird man der gramm. 4, 319 angeregten allgemeinen beziehung des sich auf alle drei personen eingedenk sein. heiszt es wir setzen sich, wir freuen sich = uns, weil wir sich wieder scheiden musten = uns. Simpl. K. 587; so ist auch ein in Schwaben bin ich sich erzogen, dasz du sich = dich willst scheiden von mir, willst du sich = dich bei mir schlafen zulässig. nur bei Ernst Meier s. 407

ich bin es der jäger und du gehörst mein

nehme ich kein sich, sondern den nom. es an. unverkennbares sich liegt auch in folgenden stellen:

und wirt mir dann geschossen
ein schenkel von meinem leib,
so th ichs nacher kriechen,
es schadt mir nit ein meit.
Uhland 520;

ach schwesterlein! vater ist todt.
mein herz ist mir es betrübet,
wie ist mir der himmel so roth! volkslied in
Stillings jugend;

man löse auf: so thu ich mich nacher kriechen, mein herz ist sich mir betrübt. von sich blieb blos der anlaut s, woraus unverstand es machte, da ja auch angelchntes s offenbares es war. in der Schweiz sagt man si für sich. hin und wieder mag auch ein gen. es im spiel sein, z. b.

wenn ichs matt und müde bin.
Ditfurth 2, 221.

das in einem schlesischen liede schon bei Gryphius 1, 784 enthaltne sen:

dar ist sen in dem walde ein röslin roth,
das hat sen geschaffen der liebe gott,

gleicht dem einsen, einsi (sp. 291. 294) und ins (sp. 1104. 1105).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
es, in Baiern, Tirol, Österreich (nicht in der Schweiz noch in Schwaben) bis auf heute fortlebender nom. und acc. des alten dualis zweiter person, jetzt aber auch für den pl. dienend, geschrieben es, ees, ös, oder esz, ösz, mhd. ëʒ, ahd. wahrscheinlichoder îʒ und goth. jut, ags. git, altn. it, später þit, nordfries. jat, lit. judu. weitere vergleichungen und versuche über dieses merkwürdige wort, in dessen auslaut sichtbar die zweizahl enthalten ist, stehn GDS. cap. 39. der gen. enker, dat. enk wurden oben sp. 483. 487 angeführt. die nord. form þit erscheint auch hin und wieder im bairischen des, dös oder im niederhessischen de, und denselben eingriffen des demonstrativs begegneten wir vorhin bei das für es. mischungen des duals und plurals beider erster personen nachzuweisen würde hier zu weit führen. auch die verblaflexion der zweiten person des pl. berührt sich mit diesem es: es habts = ihr habt, dl. oder pl.; es vögerln, tragts mein grusz zu ihr = ihr vögel, tragt meinen grusz zu ihr; woher kömts es? woher kommt ihr?; gehts fort und holts! vgl. Höfer östr. wb. 1, 188.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
es, n. unio, monas, gleichviel mit as (1, 578), fehlerhaft geschrieben esz: es auf einem wurfel. vocab. 1482 h 2b; das es auf dem würfel, canis. Maaler 121c; das es im spiel, unio. Frischlin nomencl. 476; ses oder es, bischof oder bader. Henisch 934, 65; ses oder es, aut Caesar aut nihil. Stieler 388; gleichwie im bretspiel, so einer zwei es bedörfte, zwei ses darfür wirft, damit das spiel verspielet. narrensch. von Höniger 3b;

ich hab drei es, ich bin darvon.
H. Sachs III. 1, 219d;

wer rüttelt ein quatwer, es oder zinken,
so vil mal musz ers glas austrinken.
Schade sat. u. pasq. 1, 162;

nun wirt der wirfel han sechs ort,
das erst ort das sol sein ein es,
das wirt sich stellen uf die ses.
Gengenbach s. 375;

voll auf brettspiel oder das schön flüssen, es, daus, troi. Garg. 171b; zwei es oder zwei daus. Simpl. K. 254. mhd. galt esse:

dane viel daʒ esse noch daʒ tûs. Amis 2484,

wo doch eine hs. das es nach dem tus;

dâ sie ir freunde wësse,
den warf sie liht zwei esse.
Helbl. 1, 1122.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
es, f. siehe esse.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
esban siehe espan.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
esch, m. thymallus piscis, sonst auch DWB asch. Henisch 133, 30. Stieler 60; von seiner güte und köstlichkeit wegen ist das

[Bd. 3, Sp. 1140]


sprichwort kommen 'der esch ist ein rheingraf'. Forer 174b; ein esche fahet an gut zu sein im heumonat und ist im herbst am besten. Feurabend fischweidwerk 73a. s. eschling.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
esch, f. cinis. Alberus: in der eschen gebacken, cinere pistus. s. DWB asche und DWB eschen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
esch, n. und m. campus, arvum, seges, goth. atisk, ahd. eʒisc (Graff 1, 529) von der wurzel itan, ëʒʒan edere, weil man die saat oder frucht iszt, und in der edda heiszt das getraide æti; aus saat und seges ergab sich leicht die bedeutung des saatfeldes oder der flur. der zusammenziehung wegen wäre êsch zu schreiben und zu sprechen, wie mhd. êst aus ëʒ ist entspringt. mhd. zeigt noch der Schwsp. 173 Wackern. das volle wort: ër lât ouch sîn phërt wol trëten in den eʒesch mit den vordern vüeʒen, wo eine andre hs. esch hat, wie 172 s. 168 und gêt ein man in einen esch, welches die weisthümer überall geben: ouch sol nieman kein frömbdes vich haben, hat aber ieman frömbdes vich, klein oder grosz, der sol es weiden in der brach und nicht in dem esche. 1, 33; was auch egerden in den eschen gelegen sind und einer verbut im darauf nit zu faren. 1, 128; es sond auch unser eschen wol gezünt sin 1, 199; der meier von Haldingen soll machen in dem äsch ein haust hewes meinem herrn zu zehenden von dem äsch. 2, 571; auch sol man dem richter von drien eschen hünr geben. 3, 645; und sol er auch alle jar die esch (die fluren), darin er snidet, behüten ungevarlichen. ebenda. hieraus erhellt, dasz das oder der esch bezäuntes saatfeld war, dem egerde und brache entgegen stand, mitten darin konnten stücke von egerde und brachfeld liegen. um den esch reiten oder blosz esch reiten bezeichnet den jährlichen ritt um die flur. Schmid schwäb. wb. 123. weder Frisius, Maaler, noch Henisch kennen esch, Dasypodius 6a. 321b gab schon ager, esch oder bann, Schilter 65b asch, esch, eschen campestria loca, Frisch 1, 232c schreibt esch, ösch und Haltaus 1445 unter ösch bringt lesenswerthe stellen. man unterscheidet sommeresch und winter esch, gleichviel mit sommeresch ist auch haberesch, haberfeld. für esch begegnet einigemal die schreibung esz (aus eʒsch?): zu mittem merzen sond (unsere wisen) ingeschlagen werden, und also bis das embd darus kompt im esz ligen. weisth. 1, 130; ufgethan werden, nit lenger im esz ligen. daselbst (vgl. in egerten ligen sp. 34). nicht anders fasse ich im hochdeutschen Eulenspiegel cap. 25 die worte des herzogs: Ulnspiegel, bistu da, was thustu in dem esz hie? weistu nit das ich dir verboten hon min land? es meint auf der flur, auf dem feld, und Lappenbergs vermutung scheint müszig, vgl. DWB etzen, weiden.
nd. wohnt das wort hauptsächlich in Westfalen. Schuiren im teutonista hat esch gleichbedeutend mit velt und acker. Lodtmann mon. osnabr. s. 106 sagt: esch Westfalis congeriem agrorum serendo frumento destinatorum, et utplurimum diversos dominos habentium designat, in qua diversorum dominorum agri nulla sepe aliove munimento a se invicem separati. opponimus Westfali huic vocem kamp, agrum sationi destinatum, sed munimento manu facto separatum ab agris propinquis. in illo finita messe commune universitati civium aut rusticorum solet esse pascuum, non vero in hoc. hiernach vergliche sich esch als gemeinflur der mark, dem gemeinwald. da aber auch jene schweizerischen esche bezäunt sein konnten, wird kamp, wenigstens oft, mit esch eins sein, wie Strodtmann (1756) s. 46 bestätigt. Möser osnabr. gesch. 1, 20 (2 ausg.), 1, 17 (3 ausg.): esch ist ein gemeines feld, das mehrere zusammen bauen. hier erkennen die genossen über die land oder wannenwege, über die betreibung der stoppeln, über pflugart, über die befriedigung und alles was zum besten des esches ist. bisweilen ist auch der holzgraf zugleich im esche richter, entweder weil der esch aus der mark genommen und ihm das richtamt gelassen oder aber weil er als ein zufälliger genosse dazu erwählet ist. Stüve landgem. s. 215: ein theil der grundstücke liegt gesondert in geschlossenen kämpen, während andere in einem gemeinschaftlichen felde oder esche vermengt sind, wo denn auch auf diesen eine gemeinschaftliche hut und weide zu bestehen pflegt, welche auf den übrigen nicht vorhanden ist.
dem östlichen Niederdeutschland (Hannover, Holstein, Meklenburg, Pommern) scheint der ausdruck fremd (fehlt bei Schambach, Danneil, Schütze) und wenn ihn Niebuhr verwendet: übrigens war nicht blosz die esch (flur?) des alten ager romanus, wie alles eigenthum, gegen ein jedes ackergesetz gesichert, sondern auch die alte almende und was dazu gewonnen war, ehe es eine plebes gab. 2, 181, erinnerte er sich

[Bd. 3, Sp. 1141]


seiner wol aus Möser und wandelte das n. unrichtig in ein f. vgl. DWB eschheie, DWB eschpfat, DWB eschrose, espan.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
eschbach, m. an eschen hinflieszender bach, ein alter und häufiger ortsname. Förstemann 2, 109. s. DWB eschenbach.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 1 von 1
1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: