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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
erwürger bis erzahlen (Bd. 3, Sp. 1074 bis 1076)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) erwürger, m. eigentlich carnifex, dann aber occisor:

ach wie, im sturm gebrochen, die purpurblume dahin sinkt,
also werden von euch die geliebteren vor der erwürger
schwerte sinken. Messias ...


 
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erwürgung, f. strangulatio. Maaler 120a.
 
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erwüschen, s. erwischen, erwütschen: das volk wendet sich zur flucht, doch erwüschet einer das fenlin wider, reckts auf, da kert sich das volk widerum und wereten sich ritterlich. Henneberger preusz. landtafel 403.
 
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erwüten ,
1) furere, insanire, toll werden, mhd. erwüeten.

ich wünsch daʒ im erwüeten
sîn wint und ouch sîn vogelhunt. Ls. 2, 427.

nhd. so es (das thier) blut sieht, so erwütet es und ergrimpt. Keisersberg schif der penit. 13a;

ei das dir der wunnen den hals abbrech!
wirst du nicht gehn und mich bewegn,
so lasz ich dich auf den thurn legn
und lasz dich drauf der pfeben (peponum) hütn.
'ich lasz euch mit eurm thurn erwütn'.
Ayrer fastn. 25c;

es hilft in nicht, solt er erwütn. 63a.


2) refl. mhd.

nu schouwet an den wunderlîchen koppen,
wie ër sich wil erwüeten
alsam ein frëcher fül an einem zoume. Neidh. xxiii, 22;

dër müeʒe sich erwüeten
und iemer êweclîche ertoben! tr. kr. 3090.


 
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erwütschen, schweizerisch für erwüschen, erwischen bei Frisius, Maaler und andern, vgl. Stalder unter witschen, wütschen: bei der hand erwütschen, arripere manu; behalten das einer erwütscht oder ergriffen; die zang erwütschet, faszt den zan, comprehendit forfex dentem; ein weib in der mitte erwütschen, mediam mulierem complecti; ich wird dich bei dem bart erwütschen, te barba arripiam; im lauf erwütschen, cursu deprehendere; beim hals erwütscht sein, premi faucibus; bei einem weib erwütscht werden, deprehendi cum aliqua muliere.
 
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erz , n. metallum, aes, cuprum.
1) dem lat. aes, aeris (für aesis) entspricht goth. ais, aizis, ags. âr, âres, engl. ore, ores, ahd. mhd. êr, êres, wofür noch nhd. im 15 jh. er, eres begegnet (oben sp. 857). im altn. eyr weicht der diphthong ab, wenn man es mit aur arena, lutum und mit aurar numi, opes zu verbinden hat, doch schreibt Gislason eir, obschon zu eyr auch das schwed. ör stimmt, übergänge der reihe ai in au erfolgen öfter. in die verwandtschaft gezogen wurden êra (sp. 54), eis (sp. 359), eisen (sp. 364), wozu sich genug analogien darbieten, man sagte lat. alicujus aeris esse wie aestimationis esse. skr. berühren sich hêma aurum und hêman glacies (= χειμών), weil eisberge am gipfel von der sonne leuchten. das gemutmaszte eisan, ais, leuchten, glühen, brennen läszt sich an skr. vas leuchten oder an u, leuchten, brennen, lat. urere, ussi halten. den glänzenden metallen sind gleiche namen zugelegt, dem erz und eisen, wie rudus = aes, slav. ruda, aes, finn. rauta, lapp. route ferrum bestätigen; sollte sich nicht auch aurum = ausum, lit. auksas, fügen zu altn. eyr und aur, welches letztere glarea, glas, glänzenden kies oder sand bedeutet?
2) woher nun die weitere, einen linguallaut anhängende, der hochdeutschen mundart eigenthümliche wortform? ahd. aruz, aruzi, erezi, aerezi, metallum, ferrum, rudus, aes; die trad. juvavienses 132 haben: ad flatum ferri, quod aruzi dicitur, und Aruzapah, Arizpërc, Arizgrefti, Arizgruoba (Förstemann 2, 104. 105) sind lauter ortsnamen metallischen betriebs. mhd. gilt ërze (: hërze, kërze, smërze, gehërze s. l. Georg 3900), nhd. erz, zuweilen ärz, im 16. 17 jh. häufig auch erzt, ertzt (belege folgen nachher besonders) mit geschärfter lingualis. der teutonista schreibt ertze minera, ein nnl. erts wurde vielleicht aus dem hd. entlehnt. aruz, aruzi läszt sich nicht geradezu aus goth. ais, ahd. êr ableiten, selbst wenn man âruz, âruzi = aeruzi, êrezi und mhd. ërze

[Bd. 3, Sp. 1075]


gekürzt aus êrze (etwa wie hërre aus hêrre) annähme, übergang der bedeutungen rudus, glarea in die von aes begriffe sich. wie hätte êrezi auf gothisch zu lauten, aizati, aizuti? kaum. anklang des hebr. arez, erez terra, des zend. erezatam silber = skr. raǵata, lat. argentum liefe wol, da wir ahd. z hier in goth. t auflösen müssen, auf teuschung hinaus. kühn schiene es, mit abwurf des a, aruzi = rudus zu setzen, goth. aruti?, wodurch ihm êr = ais fremd würde, vgl. 4 am schlusz.
3) gehen wir statt dieser etymologien, die noch vielfacher läuterung bedürfen, auf die bedeutung des heutigen erz ein. es drückt das in berg und schacht ruhende, daraus gewinnbare metall insgemein aus, daher die zusammensetzungen bleierz, eisenerz, glaserz, golderz, kupfererz, zinnerz, was jenen übertritten des worts in die begriffe eisen, gold, kupfer, zinn zu statten kommt;

wurze dës waldes
und ërze dës goldes
und elliu abgründe
diu sint dir, hêrre, künde. MSF. 30, 28.

mhd. pflegte man die unbestimmtheit des ausdrucks durch adjective aufzuheben: blîîn ërz, guldîn ërz. zuweilen heiszt es eisenstein, glasstein, kupferstein, rothstein für eisenerz, glaserz, kupfererz, rotherz. in seinem natürlichen zustande erscheint das erz gediegen, aes solidum, wie es dicht und massiv aus dem erdboden kommt, ohne vorgängiges schmelzen verarbeitet und verprägt werden kann (vgl.bauererz); auch derbes erz, in nieren, nestern eingesprengt; das erz bricht derb, bricht tief. strenges, sprödes, unreines erz steht entgegen dem flüssigen. starkes, ergibiges, reiches erz, die lagerstätten sind reich, reichhaltig:

dâ ist guldîn ërze alse gras. feldbauer 42;

wir vinden starke ërze. 161;

vinde wir dâ ërze ganchaft. 389;

das lasz uns so gesegnet sein,
dasz (dasz das) erz an schuhen klebe. wunderhorn 1, 186;

eisen und erz sei an seinen schuhen. 5 Mos. 33, 25; das erz blutet (bluterz), ist braunroth. Hertwig 119a; das erz wächst alle tage; das erz verzehrt sich; erz weist auf erz. Mathesius 1562, 53a; wildes erz: wenn die erz wilde sein, so henget sich wildigkeit und unreinigkeit unten an das silber. 213a. in diesem allgemeinen sinn des metalls heiszt es auch bei Luther 5 Mos. 8, 9: ein land, des steine eisen sind, da du erz aus den bergen hawest (vulg. cujus lapides ferrum sunt, et de montibus ejus aeris metalla fodiuntur) und wir verstehen einzelne zusammensetzungen wie erzgebirge, erzgrube, erzgang, erzhütte, erzschicht u. a. m. von den erzen überhaupt, gerade wie lat. aes omne metallum, quod rude effoditur meint. hin und wieder setzen auch die dichter erz für metall (s. dieses) insgemein:

in rauhes erz sollst du die glieder schnüren,
mit stahl bedecken deine zarte brust.
Schiller 452a.


4) gleich alt und verbreitet ist aber, wie von aes und êr, die einschränkung des wortes erz auf das kupfer oder vielmehr die mischung des kupfers mit messing, welche wir auch bronze, in noch engerem sinne glockenspeise nennen, und die edleren metalle, gold wie silber, selbst das eisen bleiben dann davon ausgeschlossen. auf ähnliche weise verhält es sich mit dem gr. χαλκός. so also steht erz specifisch andern metallen gegenüber und zur seite: Zilla gebar den Thubalkain den meister in allerlei erz und eisenwerk (vulg. qui fuit malleator in cuncta opera aeris et ferri). 1 Mos. 4, 22; künstlich zu erbeiten am gold, silber, erz. 2 Mos. 31, 4; eisen und erz sei an seinen schuhen. 5 Mos. 33, 25; hundert tausent centner golds und tausent mal tausent centner silbers, dazu erz und eisen on zal. 1 chron. 23, 14; so sende mir nu einen weisen man zu erbeiten mit gold, silber, erz, eisen. 2 chron. 2, 7; den meistern an eisen und erz. 24, 12; ich wil gold an stat des erzes und silber an stat des eisens bringen. Es. 60, 19; alle ir erz, zin, eisen und blei ist im ofen zu silberschaum worden. Ez. 22, 18; wie man silber, erz, blei und zin zusamen thut im ofen. 22, 20; da wurden sie mit einander zermalmet, das eisen, erz, thon, silber und gold. Dan. 2, 35; gefesz von erz und von eisen. offenb. 18, 12. in diesem sinn sagen wir ein erzbild, eine bildseule von erz, in erz gegossen; ein denkmal setzen, das mehr ist als erz und marmor; erz gieszen oder schmelzen, aes conflare;

doch wehe, wenn in flammenbächen
dss glühnde erz sich selbst befreit.
Schiller 79b.

man merke, dasz die adjectivbildungen mhd. êrîn, nhd. ehern, gleich dem lat. aeneus, aereus, aheneus, nie von metall überhaupt, immer nur von bronze aussagen, wol aber bedeutet ërzîn, nhd. erzen allgemein metallicus, wonach ursprünglich êr aes, ërze metallum, rudus wäre.

[Bd. 3, Sp. 1076]



5) erz steht wie das lat. aes für geld: aes alienum, aere suo emit, zu verstehen aber ist kupfergeld, womit das alterthum gewöhnlich zahlte: ir solt nicht gold, noch silber noch erz in ewren gürteln haben, Matth. 10, 9, gr. μὴ κτήσησθε χρυσὸν μηδὲ χαλκόν, ahd. ni curet bisizen gold noh silabar noh scaz, ags. näbbe ge gold ne seolfer ne feoh. Ulfilas würde hier unbedenklich aiz gewähren, wie Marc. 6, 8. Niebuhr 1, 507 sagt: das erz im alten Italien. das erz, denn nur um nicht, wo es vermeidlich ist, etwas fremdlautendes zu sagen, nenne auch ich kupfergeld was bronze ist, kupfer durch einen zusatz von zinn oder zink gieszbar gemacht. auch altn. eyrir, pl. aurar, schw. dän. öre bedeuten uncia numerata.
6) erz für die eherne waffe, schwert oder sper:

nun aber erhob auch sein erz.
Bürger 210b,

wo auch Il. 3, 349 ὤρνυτο χαλκῷ, Voss aber: erhob die lanze. χαλκός drückt aber in vielen andern homerischen stellen schwert, lanze und schild aus. unsere alten dichter setzen weder êr noch ërz für das schwert, da sie nicht mehr an eherne denken. späteren drückt es auch messer aus:

die kräuter zwischen ein,
die ich mit erz abschnitt bei stillem mondenschein.
Gryphius 1, 59.


7) erz für das eherne instrument:

klirret becken, erz ertöne!
Göthe 40, 421.


 
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erz, dem gr. ἀρχι, lat. archi, unmittelbar aber dem it. arci entnommnes praefix, das die bedeutung steigert. eins von den allzuoft und schon frühe in unserer sprache obwaltenden zeichen des ungeschicks, wenn es auf unterscheidung ähnlich lautender wörter ankommt. einzelne zusammensetzungen mit erz lassen gar nicht erkennen was gemeint sei, das metall oder der steigernde vorsatz, z. b. erzdieb kann sowol fur aeris als trifur, erzkammer sowol cubiculum aerarium als archicamera meinen, soll erzgott den Zeus oder Vulcan ausdrücken? und wie leicht wäre der zweideutigkeit zu helfen gewesen, zwar nicht durch die dem ohr entfremdete mhd. aussprache ërz und erz, sondern dadurch, dasz man das archi in aussprache und schrift gegeben hätte arz, wie wir ja arzt für archiater sagen und sich auch wirklich arzepote bei Diemer 371, 12 vorfindet. Ulfilas hat arkaggilus. Böhmen und Polen gebrauchen arcy, Niederländer aarts (unterschieden von erts, metall), Schweden und Dänen erke. die ersten spuren unsers erz zeigt bereits das 13 jh. bei verdeutschung der fremden archidux, archangelus, archiepiscus, archipresbyter, z aber folgte aus dem unmittelbar vorgelegnen it. arci in arciduca, arcivescovo, arcipreta, während sp. und franz. archi blieb. in diesen sprachen allen, wie bei uns, wurden zahlreiche schmeichelnde und zumal scheltende ausdrücke mit dem praefix gebildet. bei der folgenden aufzählung fallen alle composita mit ërz und erz untereinander, die bildungen er-z sondert der sinn leicht von ihnen ab.
 
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erzader, f. aeris vena: erzader, doraus man golt oder silber sampnet. voc. 1482 h 4a; darz ist das ertrich inwendig begabet mit kostlichen erzadern. Cyrillus 61.
 
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erzagen ,
1) animum abjicere, desperare, verzagen: mhd.

daʒ ir sô lîhteclîche erzagent,
dës mügent ir iuch sêre schamen. tr. kr. 33288;

er wöl von hungers nôt erzagen. Ls. 3, 38.

nhd. denn durch sie erzagt der feind und die seinen erstarken in kühnheit und mannheit. Fronsp. 1, 174b.
2) tr. animum alicujus frangere, einen verzagt machen: pfui der schand, meins erachtens wurd er sein volk erzagen und werden im die Teutschen nit lang willig bleiben. Schertlins br. 177.
 
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erzählbar, narrabilis: die sache ist unerzählbar, nicht zu erzählen.
 
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erzahlen, reddere, zurückzahlen, wiederzahlen:

ob ich schon niemand etwas hab entwand,
doch musz ich es erzahlen und erstatten.
Lobwasser ps. 69.

Keisersberg hat es auch für das folgende erzählen: solt ich die bletlin der entschuldigung alle erzalen, mir wurd mauls gebresten. ir haben ir damit geng. s. d. m. 13a; dein lichnam leidet ietz frost, jetz hitz, dann hunger, dann turst und dergleichen tusenterleig, wer wolt das alsamen erzalen? Mariae himelfart 13a.

 

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