Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
erwinden bis erwittericht (Bd. 3, Sp. 1064 bis 1070)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) erwinden , ein früher sehr geläufiges wort, dessen entfaltung der von erwerben ähnelt. nemlich das einfache goth. vindan, ahd. wintan, ags. vindan, altn. vinda drückt, gleich unserm heutigen winden, aus torquere, vertere, woher die bedeutung des wendens, wandelns, umdrehens, umkehrens entspringt. bei Stieler fehlt das wort in allen seinen bedeutungen und Adelung thut die vierte ganz kurz ab.
1) das goth. usvindan hält noch ganz den sinn von plectere, flechten, winden fest, doch usvandjan wird schon zu abwenden, avertere, so wie gavandjan wenden, kehren, zurückkehren, reverti ist.
2) ahd. irwintan hat meistentheils die intransitivbedeutung von redire, reverti (Graff 1, 749), d. h. umkehren, umdrehen.

ër ës êr io nirwant. O. IV. 20, 25

heiszt aber er liesz nicht davon ab, unterliesz nicht, fehlte nicht, und iro leid irwindit an iro houbet. N. ps. 7, 17 ihr leid geht an ihr haupt, trift ihr haupt.
3) mhd. erwinden begegnet häufig, hat aber
a) nur selten die bedeutung von redire:

dër gebûre begund erwinden, reversus est. Reinh. 475;

daʒ dër sweiʒ niht erwinde, zurücktrete.
Bon. 48, 101;

doch die unter c angeführten imperative erwindet! lieszen sich auch erklären: redite! revertimini!
b) da der sich zurückwendende nur einen bestimmten punct erreicht hat, von welchem er nicht weiter schreitet, so drückt erwinden dieses räumliche ziel des vordringens und stehen bleibens oder endens aus:

sie sniten abe îr gewant,
daʒ iʒ an den knien erwant (al. wider want). kaiserchr. Maszm. 6764.

[Bd. 3, Sp. 1065]


Diemer 207, 2, dasz es nicht über die knie gieng, an den knien aufhörte;

unt dës lîbes ente,
dâ diu vërse erwinte. Diut. 3, 52,

wo die ferse aufhört, bis ans ende der ferse;

lînhosen, die ob ir enkeln
wol einer hende erwunden. Trist. 68, 3;

obene dâ diu brust erwant. 76, 25;

daʒ hâr im bî dër ërde erwant. Lanz. 469,

die mähne reichte dem pferd bis auf die erde, hörte erst da auf;

daʒ im daʒ swërt ze tal wuot,
unz ëʒ im an den zenen erwant. 2103,

drang ihm bis an die zähne;

wan ir daʒ sëlbe gewant
ob den enkeln erwant. 5860,

es reichte ihr nicht tiefer als bis an die fuszknöchel, hörte schon oberhalb der knöchel auf;

ich wolt im sicherlich die zende schinden,
daʒ mîn munt durch den sînen
ûf dem gebeine smatzend muost erwinden.
Hadamar 94.

dazu erwäge man die berührung der begriffe des gehens, endens und wendens.
c) hiernach ist auch in andern fällen erwinden soviel als aufhören, ablassen, zurückbleiben, ruhen:

done wolder niht erwinde,
ër ne quëme zu dem here. gr. Rud. 19, 13;

dër morgen niht erwinden wil. MS. 1, 90b;

daʒ fiur erwindet niht,
ê ëʒ ersuoch sîn zil.
Haupt 1, 125;

erwindet noch! haltet ein, lasset ab! Iw. 6152;

erwindet! Nib. 2119, 1;

unde wil du niht erwinden. 54, 1;

sît du niht wil erwinden. 64, 1;

nune wil ich niht erwinden. 107, 1;

dô ër niht wolde erwinden. 618, 1;

end ich erwinde, priusquam omitto. 801, 1;

ër sold erwinden niht. 1959, 1;

sâ ze hant als ëʒ geschiht,
sô ne mag ëʒ danne erwinden niht.
Ulr. Trist. 156;

dâ von gër ich bî dirre frist,
daʒ iuwer bëte erwinde. tr. kr. 21809;

und alliu sorge erwindet. Engelh. 54;

wil wîbes güete sus an mir erwinden. MS. 1, 26b;

blîb alhie unde erwint! pass. K. 247, 33;

daʒ wir niht erwinden (ruhen, ablassen)
unz wir in dâ vinden. 99, 23.


d) die sache steht im genitiv oder nach der praep. von:

dës solt du erwinden! fundgr. 2, 88, 46;

ich ne wils niht erwinden. Nib. 112, 1;

hei, wan wær sis erwunden. Tit. 155, 2,

hätte sie es unterlassen, gemieden;

daran gedenke, und erwint
dîner tumben beginnen. Flore 3774;

dô wolde ouch nicht erwinden
Megecius von deme gebëte. pass. K. 45, 76;

von den muste erwinden
alle ir pînliche nôt. 60, 24.

vgl. DWB erwenden 3.
e) meist mit der praep. an, für person und sache:

swære diu mîn hërze treit
ob diu an mir erwunde.
Hartm. erstes büchl. 1668;

an dînem muote niht erwint. Winsbeke 63, 7;

und erwint
lange an dirre verte niht. Silv. 783;

wære ich an den stunden
an der verte erwunden. Otto bart 712;

so sol ich doch erwinden
an alsô grôʒem meine. Engelh. 5517;

an in mac niht erwinden. pass. K. 261, 1;

dor an den vîenden niht erwant,
dô solt ër an den vriunden sîn erwunden. MSH. 2, 234a.


4) nhd. entsprechen in der früheren zeit noch groszentheils die bedeutungen.
a) räumliches erwinden = 3, b: da erwindet der Rhätier landmarch. Stumpf 5a;

der Römer gleich man nindert find,
ir rum an einem berg erwind,
der berg wirt Caucasus genant
und Scithia dasselbig lant.
Schwarzenberg 159, 1;

er (der mantel) sol kurz sin ... do sol er ufhören und erwinden. Keisersberg bilg. 46d; neme das rechte ohr und

[Bd. 3, Sp. 1066]


ziechs herab an den hals, das es erwindt beim wangen (bis zur wange reicht). Sebiz 153;

denn was nach der geburt den gliedern noch erwindet (mangelt),
das setzt zeit und natur, des schöpfers dienstmagd bei.
Lohenst. Hyac. 19.


b) aufhören, unterbleiben, unterlassen, ermangeln, fehlen = 3, c: darinne sol die gehorsam bei inen nicht erwinden. Chmels Maximil. s. 3 (a. 1493); dieweil auch in vorigen reformationen und ordnungen genugsam versehen, wie den gesprochen urtheilen execution beschehen soll, damit die ungehorsamen hohen und niedern stands zu gehorsam bracht (werden), und aber allein in dem erwindet, das den vor aufgerichten ordnungen vestiglich nachkommen, gelebt und darin niemands verschonet werd. deshalb die obgemelte commissarien sonder bevehl haben sollen, ob deshalb einig mangel wer, dermasz einsehens zu thun, dasz gesprochen urtheil fürderliche execution erlangen mögen. reichsabsch. von 1530 §. 36, wo neuere ausgaben fehlerhaft 'erwendet' lesen; darbei ichs dismal lasse erwinden (bleiben, beruhen, vgl. DWB bewenden). G. Nigrini Jesu und Jesuwider 1581. E 8;

fromm, bider und notfeste lüt,
die sich des ganz versehen nüt,
das der baw solt einsmals erwinden.
Berchtold rediv. 108;

denn ich je nicht erwinden wil, ich hab dann den schändlichen marschalk überwunden. Galmy 297.
c) oft mit der praep. an = 3, e, ermangeln, an einem liegen, durch einen liegen bleiben: an im erwindet nit das Ruland todt bleib. Fierabras g 4; aber darneben und damit sich die von Worms nit zu beclagen hetten, noch verhöre und handelung der billichkeit an mir erwünde, hab ich mich ... vorzkommen erbotten u. s. w. Franz von Sickingen warhaftiger bericht. 1515 B 2;

sonst wist ich bessers nit zu finden,
ich glaub an hülf wurds nit erwinden.
Berchtold rediv. 28;

daran auch an uns in keinem gar nichts erwinden solle. churf. Johann bei Luther 3, 51b; als doch an uns nicht erwinden sol. 5, 108a; sollte an uns billigkeit nicht erwinden. 108b; als doch an uns in keinem, das mit gott und gewissen zu christlicher einigkeit dienstlich sein kan oder mag, erwinden sol. conf. aug. bei Luther 6, 362b; sol an mir nit erwinden. Livius, Mainz 1557 bl. 35; es solt an keinem gelt erwinden. Wickram rollw. 88; es erwindt an deinem guten willen nit. kl. weise reden 234a; wiewol ich nun, dasz an euch und ewer redlichkeit nichts hierin erwinden werde, nichts zweifelhaftiges spüre. Kirchhof mil. disc. 74; es erwindt nit an uns, nulla est in nobis mora; es sol weder in dem noch in anderen dingen an mir erwinden. Maaler 120a; nichts sol auch erwinden an mir, ich will euch allzeit früh und spat versorgen mit gutem vorrath. Fronsp. kriegsb. 3, 3a; solle an mir nichts erwinden noch unterlassen werden. Schweinichen 3, 192;

an im ist warlich nichts erwunden.
Schmelzl zug ins Ungerl. 8b;

wenn ich euch wol zu halten west,
solt es an mir je nichts erwinden.
Ayrer 358b;

und wenn es denn hieran alleine noch erwindet
und sich zu seinem heil kein ander mittel findet,
so wil mit frewden ich es geben für ihn hin.
Werders Ar. 9, 50;

könnt ihr bei Gibeon und gott versöhnung finden,
geht hin, ich schwer es soll an mir auch nichts erwinden.
Gryphius 1, 573;

wenn die sach nur an denen 5000 fl. erwindet, so will ich alles gar gern hergeben. Abele 5, 148; das urtheil hast du einmal gegeben und erwindet jetzo nur an deme, dasz auch dasselbe unverschont vollzogen werde. gerichtsh. 1, 10; dasz ich sein schreiben aber nicht beantwortet, hat an den vilfältigen geschäften, damit ich überheuft, erwunden (gelegen). Butschky kanzl. 70; es hat mir an mitteln erwunden (gefehlt). Schm. 4, 170.
d) lang in gebrauch blieb noch die redensart 'nichts erwinden, an nichts erwinden lassen', d. i. fehlen, ermangeln lassen: was wir denn dazu fördern köndten, wolten wir an uns auch nicht erwinden lassen. herzog Fridrich zu Sachsen bei Luther 1, 141a; wir wolten an allem dem unserthalb nichts erwinden lassen. bei Luther 5, 106a; darzu wir dann unsers teils bisher nichts erwinden lassen. statsp. Karl V. s. 409 (a. 1547); daran wolten wir an unser vermöglichheit nichtzit lassen erwinden. s. 413; aber an irem vleisz nichts erwinden lassen. s. 527 (a. 1554); ritterspil, daran er keinen kosten hat erwinden lassen. kl. weise reden 258b; denn fürwar solt ir mir glauben mein herr kein gut wird lassen erwinden. Galmy 31; so sollen

[Bd. 3, Sp. 1067]


wir doch an unserm fleisz nichts erwinden lassen. Uffenbach 2, 19; was ich aber mit schreiben, reisen thun mochte, liesz ich nicht erwinden (s. l.). Schweinichen 1, 284; und liesz also an meinem fleisz nichts erwinden. 2, 38; das sei weit von euch, dann fürwar solt ihr mir glauben, mein herr kein gut an euch wird lassen erwinden. buch d. liebe 46, 3; des Gargantuvalch vatter sahe wol, das sein schöner filius an ihm nichts liesz erwinden allen fleisz fürzuwenden und kein stund hinschleichen liesz, darin er nit ein lini zog. Garg. 143b; wil es an mir nicht erwinden lassen. herz. Jul. von Br. 346; dann er ja an seinem kundschaft sagen nichts an ihme erwinden lassen. Ayrer proc. 1, 15; dasz er niemals an seinem fleisz icht was lassen erwinden. das.;

damit sie auch geleicher maszen
an ihnen nichts erwinden lassen.
Spreng Il. 134b;

wil meins theils nichts lassen erwinden.
Ayrer 126a;

er hielt sich bei mir auf, wir lieszen nichts erwinden,
und kont er ohne müh sich in die sprache finden.
Opitz 2, 144;

sie rudern allesampt und lassen nichts erwinden,
in meinung, einen weg dem hafen zu zu finden. 3, 55;

wollte es an ihm nicht erwinden lassen. Argenis 2, 302;

lösch armen ihren durst, lasz nichts an dir erwinden!
du wirst in jener welt bei gott vergeltung finden.
Rompler 37;

lassen auch mit fressen, saufen, huren, buben, raszlen, spielen und mummereien mir zu ehren an sich nichts erwinden. Phil. lugd. 5, 268; und ungeachtet Grotius an klugheit in der kriegsanstalt, an tapferkeit in den schlachten nichts erwinden liesz, wurden doch alle seine anschläge krebsgängig. Lohenst. Arm. 1, 879; der feldherr liesz abermals an versorgung der verwundeten, an beschenkung der tapfern nichts erwinden. 2, 1227;

weisz nit, noch mags entrichten,
wo, wann, womit und wie
an meinem fleisz und pflichten
ichs liesz erwinden ie?
Spee trutzn. 59 (64);

wofern ich aber in einigerlei weg ihrer zaarischen majestät ohne beschwerung meines gewissens würde dienen können, würde ich an meinem äuszersten vermögen nichts erwinden lassen. Simpl. K. 795; wiewol der feind an sich nichts erwinden lassen. Chemnitz V. 1, 42b; wiewol die belagerte an sich ihm widerstand zu thun nichts erwinden lassen. IV. 2, 111a; so lässet es denn auch der herr Jesus an sich nicht erwinden und stellt sich mit der ruthe des creuzes ein. Scriver seelensch. 1, 802; worinnen ich dir angenehme dienste, rath, hülfe erzeigen kan, wil ich solches an mir im geringsten nicht erwinden lassen. Butschky kanzl. 253; an seinem fleisz in irgend einem stück niemahls etwas erwinden lassen. Hahn 3, vorr.; sie glaubten, sie müsten an sich nichts erwinden lassen, sondern auf die ausrüstung einer neuen flotte bedacht sein. Heilmans Thuc. 1031. dasz hin und wieder entwinden statt dieses erwinden begegnet, wurde sp. 660 angemerkt.
5) wie doch ein so lebendiges, eingewohntes wort in allen von 1—4 entfalteten verwendungen unsrer hd. sprache seit dem 18 jh. absterben konnte! wahrscheinlich hat Luther dazu mitgewirkt, der es nirgends gebraucht, denn in allen unter 4, c. d. aus ihm angezognen stellen gehört es andern, bei ihm eingeschalteten verfassern. irre ich nicht, so enthalten sich des ausdrucks auch schon Fleming, Günther, Gellert. Rädlein 259a, Steinbach 2, 1046 geben noch erwinden lassen, Heynatz antib. 1, 393 als kanzleimäszig, Stalder 2, 453 aus dem Berner oberland erwinden, nichts ausrichten. es lag mir an, bei einer für die sprachgeschichte merkwürdigen erscheinung die belege nicht zu sparen.
6) wol aber zeigt sich bei Luther und anderwärts sparsam erwinden im sinne von überwinden, erweisen: mit gerichte erklagt, erfolget oder mit urteil erwunden. weisth. 3, 568 (a. 1410), wo nicht zu lesen 'erwonnen', s. erwinnen; die seelen im fegfeuer sind nicht sicher irer seligkeit von allen zureden. es ist auch nicht erwunden mit schrift oder vernunft, das sie nicht mehr verdienen, noch die liebe gottes mehren. Luther 1, 431b; über das so hab ich in siben köpfen den Luther aus eignen worten überzeugt und die wandlung erwunden. Cocleus von der mess und priesterweihe. Lp. 1534. B 4;

han wir den rauchsten weg erwunden,
der weitest wird auch wol gefunden.
Fischart gl. sch. 489.


7) erwinden, trochlea elevare, aufwinden, in die höhe winden.
8) refl. sich erwinden, audere, sich unterwinden: erwinde dich nicht kampfs. buch der liebe 80, 1;

gebet, herr, die schuld dem brauche, wenn wir diener uns erwinden,
wir, die wir euch selbsten pflichtbar, euch noch dennoch anzubinden.
Logau 3, 229, 62;

[Bd. 3, Sp. 1068]



durch was thörichte gedanken
war ich dümmer als ein rind,
dasz ich was du gut gefunden
zu beklügeln mich erwunden?
Canitz 33 (175).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwinken, nutu assequi: er stand schon ferne, doch konnte man ihn noch erwinken; ich habe ihn nicht erwinken können. Stieler 2543.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwinnen , superare, laborando acquirere, ahd. arwinnan, ags. âvinnan.
1) wer im hof von Remich mit orkunden erwonnen (überwunden, überführt) oder ervolgt wird. weisth. 2, 246; und wurde einer also erfolgt und erwonnen. daselbst.
2) einer erwinne das gelt oder nicht. weisth. 3, 458; bitten das abe mit demut, das die andern mit heiligkeit erwonnen zu haben meinen. Luther 1, 33a; ir erwonnen getraid auf einen boden geschüttet. Kirchhof wendunm. 279a. oberd. erwinden, s. Heynatz ant. 1, 293.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwinseln, ejulando obtinere:

in martern sollst du als eine gabe
den tod von mir erwinseln.
Wieland 18, 267.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwirken, efficere, impetrare, wirken, auswirken, bewirken, ags. âvyrcean, mhd. erwürken:

hate wunders vil erworht. Heinr. und Kunig. 645;

der schwiegervater muste seinen ganzen einflusz anwenden, um ihm eine art von statthalterschaft in einer entfernten provinz zu erwirken. Göthe 23, 139; wir fühlen den körperlichen achsel und fersenkitzel halbwillkürlich nur, wenn wir uns in einen fremden finger versetzen, indes der eigne nichts dergleichen erwirkt. J. P. aesth. 1, 163.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwirtschaften, administranda re familiari lucrari: viel oder wenig erwirtschaften; geld erwirtschaften; das erwirtschafte getreid. Wallensteins briefe s. 44 (a. 1627); viel ärmer gelebt und weniger erwirtschaftet. Freytag bilder 2, 214.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwischen, arripere, comprehendere, erhaschen, erfassen, schnell und heimlich ergreifen, fehlerhaft geschrieben erwüschen, mhd. erwischen, von sachen und personen, leiblich wie geistig, bei, an, auf, in etwas:

swenn ein giresch man nâch êre
dar an gedenket harte sêre,
ervindet ër einen listegen rât.
alsô ër in erwischet hât,
sô ist ër alsô vrô zehant,
sam ër erworven habe ein lant. w. gast 3227;

dër hât erwischt einn guoten rât. 3804;

daʒ vihe hât eines mannes zunge
erwischet und wænt sprëchen wol. 6447;

swenn ër den nît erwischet hât. 11953;

wër grôʒ guot und êre erwischet,
den dunket ër hab wol gevischet. Renner 7724;

wan diu wërlt hât den zoum
aller untugende erwischet. 22426;

hei waʒ ich dës erwische,
daʒ dâ heiʒet sîn. Helmbr. 1154;

denn ich hab eine (laus) erwischet
an disem pett so blosz. Hätzl. 25b;

nhd. erwisch ich in bei dem hare. fastn. 452, 26;

da erwischt er ein bei dem haar und rauft in. sch. u. ernst 1546, 8; da kam ein adler oder habich, was es denn was, der erwischt in (den hahn) und fürt in hinweg. Keisersberg Mariae himelf. 13c; wan der wolf das schaf bei der gurgel erwischet, so hat er gwunnen. also der teufel, wan er uns bei dem frasz erwischet, so hat er geng. s. d. m. 3b; wer da ringt mit eim und in erwischt bei der gurgel, der hat die sach wol halb gewunnen. 9b; und sie erwischt in bei seinem kleid und sprach, schlaf bei mir. 1 Mos. 39, 12; und erwischt in und küsset in unverschampt. spr. Sal. 7, 13; und wo er in erwischet, so reiszet er in (goth. jah þishvaruh þei ina gafahiþ, gavairpiþ ina). Marc. 9, 18; bald erwischt er codicem, las und stiesz an, da er aufs wort acquisivit (erworben) kam. Luther 1, 130a; es hat mich der teufel etliche mahl erwischet, da ich an dis heubtstück nicht gedacht. 5, 138a;

das bäwrlin säumpt sich auch nit lang,
erwischt gar bald ein lange stang.
Alberus 47;

ein stücke fleisch erwischt ein hund
und trugs hinweg in seinem mund.
Waldis 1, 4;

erwischt gar bald ein zaunstecken. 1, 7;

so bald sie einen hand erwischt,
so musz er pfeifen was sie wellen.
Wickrams bilger bl. 28;

erwischet aus des reichen taschen ein guldin kettlin. rollwagen 28b; sobald die platten aufgesetzet, erwischet ein jeder einen kramatsvogel. Kirchhof wendunm. 213b; bot sie ihr hand

[Bd. 3, Sp. 1069]


zwischen dem gitter hinaus und erwischet die seine. Amadis 165; und hierumb stieg er ab und erwischt in bei dem hals. 285; bin damit aufgestanden, hab ein glas erwischt und erstlich der mutter, danach der jungfrauen eins zugebracht. Thurneisser ausschr. 3, 12; erwischt der kerkermeister ein liecht. Mathesius 1562, 303b; zu zeiten soll auch ein hecht einer magd den fusz erwischt haben. Forer 175b; auf solche red warf er seine weite kleidung von ihm, erwischt die sporbierenstang am kreuz. Garg. 204b; jeder der nur drei oder vier ausländische wörter, die er zum öftern nicht versteht, erwischt hat. Opitz poeterei 30;

es kränkt mich, wann ein mensch sein übeles beginnen,
auf dem er wird erwischt, noch hält für recht und wol. 1, 178;

was freundschaft, lange gunst, was statt sucht und versprechen
dem Michael verknüpft, hat seine noth zu brechen
den bloszen dolch erwischt.
Gryphius 1, 74;

der tod hat ihn (den fischer), wie er die fische,
nunmehr in seinem garn erwischt.
Logau 3, 239, 118;

einen trostspruch aus der schrift hatte Rasa ihr erwischet,
dasz man dort mit Abraham, Isaac, Jacob ewig tischet. 3, 245, 149;

jagten nach den bösen rotten
und erwischten sie beim haar.
Soltau 521 (a. 1692);

so brich dich doch herfür, die oberstell erwisch!
Scherfer 24;

dasz ich diesen (ins wasser gefallenen) erwischen und herausziehen wolte. pers. rosenth. 1, 37; eine mutter, wenn sie entweder auf der gasse oder auch in ihrem hause streit und wunder vernimmt, erwischt sie ihre kinder bei der hand, bringt sie in die kammer, dasz sie das unglück nicht betrete. H. Müller erquickst. 436;

dasz endlich dich das glück erwischet bei der hand.
Canitz 56;

der ist nicht klug, der vieles wagt,
geringen vortheil zu erwischen.
dies heiszet, wie August gesagt,
mit einem güldnen angel fischen.
Hagedorn 1, 100;

er wollte mich anführen und ich habe ihn erwischt. Winkelmann 2, 59;

ich werde wallen
und lasz ihn (den mantel) fallen,
wer ihn erwischet,
der ist erfrischet.
Göthe 4, 374;

wenn er sich zu weit verliert, erwischt ihr ihn vielleicht. 8, 94. 42, 120; wendet fleisz an, dasz ihr ihn erwischt. 8, 148; dieselbe kunst die mich lehrt bei gewissen gelegenheiten das lächerliche zu vermeiden, lehrt mich bei andern es glücklich zu erwischen. 36, 83; ich habe euch schon genug schwitzen und keuchen gemacht, eh ihr mich erwischtet. ...; es war eine zeit da ich Saulus war, gottlob, dasz ich Paulus geworden bin. gewis, ich war sehr erwischt (betroffen, ergriffen), da ich nicht mehr leugnen konnte. 56, 212;

im Böhmerwald erwischt ihn hauptmann Mohrbrand.
Schiller 359a;

wenn ich einen wirklichen, wahren freund erwischen könnte. Tieck 15, 353; hätt er nicht ein trennmesser meiner Philippine erwischt. J. P. uns. loge 3, 51; darauf holte er sich beim bücherverleiher vieles, was er von guten werken erwischen konnte. flegelj. 4, 103; dasz mich darüber der satanische candidat erwischte. 4, 118; so viele personalien von helden, als er erwischen kann. Tit. 1, 65.
Zumal lebendig wird der ausdruck, wenn eine sache subject ist:

dô begonde daʒ garn erwischen
mit den buchen den sac. pass. K. 363, 76;

wenn ein fewr auskompt und erwischt die dornen. 2 Mos. 22, 6 (ausg. von 1534, ergreift 1545); der wind das schif erwischet. b. d. liebe 249, 4; das kannenlied (der deckel) hat mir schier die nas erwischt. Garg. 93a; das fieber hat ihn erwischt; der regen erwischte mich noch auf dem rückweg; ein dorn erwischte (packte) meinen rock. vgl. wischen, abwischen, aufwischen, auswischen, entwischen, verwischen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwittern ,
1) odorari, praesagire, augurari, wittern, erspähen, ausspüren:

die heid mit bluemlîn was durchgittert,
ieglichʒ ûf sîme stenglîn zittert,
dës meigen wint sie schôn erwittert (durchweht). Hätzl. 37a;

er hat seine gedanken erwittert, ad opinionem ejus penetravit. Stieler 2492; wol her, du toller höllenhund, erwittere (labe) dich nur wol an meinem madensack, zerstümmle und zerstücke, senge und verbrenne ihn. Otho 311;

[Bd. 3, Sp. 1070]


doch hin und her, durch flur und wald,
und her und hin, durch wald und flur,
verfolgen und erwittern bald
die raschen hunde seine (des wildes) spur.
Bürger 70b;

ich trachte mir
ein weibchen zu erwittern.
Stolberg 5, 231;

doch den dieb recht zu erwittern
rief der schulz mit angst und zittern
den ergrimmten wächter an.
Joh. Fr. Kinds gedichte;

wo sich ein erz erwittern liesz in adern.
Rückert 167 (ges. ged. 1, 171);

vgl. witterung.
2) die ältere sprache gebrauchte es abstract für ermitteln, ausmachen, finden: erwittern, achten, conjicere. voc. 1482 h 3b; im Köschinger ehhaftding von 1527 wiederholt sich die formel: erwittert und zu urtl und recht erkannt, erwittert und zu recht erkannt. weisth. 3, 632.
3) eigenthümlich ist ein bezug des worts auf das auge: mhd.

wër hæte willeclichen dâ
gestriten und gevohten,
dâ sich nâch wunsche mohten
oug und hërze erwittern ( : erzittern). tr. kr. 34091;

got vater hât sîn meisterschaft
an dir, Maria, wol behaft,
ër gab dir schœne, kunst und kraft,
die streich ër ûʒ sînes hërzen saft
mit scharpfen benseln ungezittert,
dîn schœn sîn götlich oug erwittert. MSH. 3, 468z;

nhd. ich alters allein müszig sasz
in einem lustgarten, und was
mein augen in der grün erwittern,
hört zu der vögel gsang und kittern.
H. Sachs I, 419d,

gleichsam das auge erlaben, erheitern, erholen, ausruhen. s. DWB erwitterung.
4) darmit nit der neid zwischen unserm und seinem geschlecht widder erwitteret wurde. Wirsung Cal. k 4. angefacht, genährt, unterhalten? denn kaum ist erwitert, erweitert gemeint.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwitterer, m. augur, homo sagax. Stieler 2492.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwitterin, f. femina sollers, divinans. daselbst.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
erwittericht, sollers.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 1 von 1
1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: