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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
erwiegen bis erwinseln (Bd. 3, Sp. 1063 bis 1068)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) erwiegen, erwigen, die wörter wägen, wegen, wiegen, wigen und ebenso erwägen, erwegen, erwiegen, erwigen geben ihrer form und bedeutung nach mehrfachen anstosz. setzt man ein starkes erwegen erwag perpendere an, so sollte das alte i nur im sg. praes. ind. und imp., nirgends im pl. und conj., noch im inf. und part. praet. vortreten. ausnahmsweise erscheint es aber auch hier:

hie solt von der religion
erwigen was lehrt Xenophon.
Fischart ehz. 23;

diese und andere meh hausnötige stück, so sie dem hauskönig gründlich zu erwigen fürkommen, spüret er alsbald seine unvermöglichkeit. Garg. 64a (und in allen ausgaben); wenn sie sich des tods erwigen. Milich schrapt. x 3b; wo überall zu stehen hätte erwegen. Anders beschaffen ist es um ein gleichfalls starkes, aber intransitives erwigen erwag, das den sinn von movere, concuti darbietet und aus dem das tr. erwegen, bewegen movere sich ableitet:

dem bütet man ein glas mit win
und lacht sin, das das hus erwag (schütterte).
Brant 72, 66,

wofür wir oben sp. 1039 erwagen, erwagte kennen lernten. man sehe die einfachen wiegen, wegen und hernach das part.

[Bd. 3, Sp. 1064]


erwogen. noch etwas anders war das mhd. erwigen confectus von erwîhen.
 
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erwiesenheit, f. probabilitas: diese meinung ist von erwiesenheit ziemlich entfernt. Wolfs briefe an Heyne 1797 s. 112. s. erweisen.
 
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erwilden, efferari, ferocire, silvescere, ags. âvildan, mhd. erwilden, würde goth. usvilþjan gelautet haben. mhd.

sîn wîn ist âne süeʒe,
erwildet ist sîn rëbe. MSH. 2, 387b;

der sin ist mir erwildet.
Helbl. 7, 260;

wan ër sô gar erwildet,
daʒ ër ze jungest wênic birt
und ër kein obeʒ tragende wirt,
daʒ edel unde nütze sî. tr. kr. 18588;

dër valke was erwildet.
Schmellers Laber s. 177, 29;

nhd. dis volk ist mit der zeit durch die rauhe gelegenheit des lands erwildet. Stumpf 2, 296a; also das die leut in bergen wonend darinn etwan also erwildeten, das sie die wilden thier übertreffen. Frank weltb. 18b; so gar erwilden und zu beern und löwen werden. kriegsb. des fr. 189; bisz die Jüden erwildet und grimmig zur wehr gegriffen. Reiszner Jer. 2, 122b; dasz sie aus unbillicher schmach zu erwilden pflegten. Tacius b. Fronsp. 3, 239b; dasz der schade alt were und gar erwildet. Paracelsus chir. schr. 111a; und so es solt verhalten werden mit gewalt, so hets der luft dermaszen erzündt und erwildet (hier also tr.), dasz es hinder sich lauft. 346b;

im augenblick ich gar erwildet.
H. Sachs I, 311b;

jederman ist zum krieg erwilt. III. 1, 251b;

erwilden, rauw und wild werden, degenerare in feritatem; mit sinnen und worten erwilden und ertouben, non consistere mente, lingua. Maaler 120a; kan ihme (dem weinstock) der häcker oder winzer so künstlich mit dem rebmesser schneiden, ihme zu wehren, dasz er mit ohnnützen ruten nicht erwilde, noch auf allen seiten zu geile sich ausbreite. aller weish. lustg. 168; wenn ein raune (wallach) draus gemacht ist, so horet er auf zu rinschen (wiehern) und zu erwilden (mutig zu sein). Comenius sprachenthür von Docemius 178; und erfolget leichtlich, das einer der dem wilde zu vil nachgesetzt, zuletzt selbst darüber erwildet. Butschky Patm. 833. heute ungebraucht.
 
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erwildern, dasselbe, heute verwildern. Rädlein 259a unterscheidet erwilden wild werden von erwildern wild machen. besser wäre die bedeutungen umzukehren.
 
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erwilderung, f. wie das folgende.
 
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erwildung, f. feritas, asperitas: das alsbald daraus ein greuliche verwirrung, scheuchen, abweichen und erwildung der frewdigen pferde entstunde. Stettler 1, 40.
 
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erwimmern, ejulando impetrare: auch werdest du dir keine hofnung machen, jemals gnade zu seinen füszen zu erwimmern. Schiller 108b.
 
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erwinden , ein früher sehr geläufiges wort, dessen entfaltung der von erwerben ähnelt. nemlich das einfache goth. vindan, ahd. wintan, ags. vindan, altn. vinda drückt, gleich unserm heutigen winden, aus torquere, vertere, woher die bedeutung des wendens, wandelns, umdrehens, umkehrens entspringt. bei Stieler fehlt das wort in allen seinen bedeutungen und Adelung thut die vierte ganz kurz ab.
1) das goth. usvindan hält noch ganz den sinn von plectere, flechten, winden fest, doch usvandjan wird schon zu abwenden, avertere, so wie gavandjan wenden, kehren, zurückkehren, reverti ist.
2) ahd. irwintan hat meistentheils die intransitivbedeutung von redire, reverti (Graff 1, 749), d. h. umkehren, umdrehen.

ër ës êr io nirwant. O. IV. 20, 25

heiszt aber er liesz nicht davon ab, unterliesz nicht, fehlte nicht, und iro leid irwindit an iro houbet. N. ps. 7, 17 ihr leid geht an ihr haupt, trift ihr haupt.
3) mhd. erwinden begegnet häufig, hat aber
a) nur selten die bedeutung von redire:

dër gebûre begund erwinden, reversus est. Reinh. 475;

daʒ dër sweiʒ niht erwinde, zurücktrete.
Bon. 48, 101;

doch die unter c angeführten imperative erwindet! lieszen sich auch erklären: redite! revertimini!
b) da der sich zurückwendende nur einen bestimmten punct erreicht hat, von welchem er nicht weiter schreitet, so drückt erwinden dieses räumliche ziel des vordringens und stehen bleibens oder endens aus:

sie sniten abe îr gewant,
daʒ iʒ an den knien erwant (al. wider want). kaiserchr. Maszm. 6764.

[Bd. 3, Sp. 1065]


Diemer 207, 2, dasz es nicht über die knie gieng, an den knien aufhörte;

unt dës lîbes ente,
dâ diu vërse erwinte. Diut. 3, 52,

wo die ferse aufhört, bis ans ende der ferse;

lînhosen, die ob ir enkeln
wol einer hende erwunden. Trist. 68, 3;

obene dâ diu brust erwant. 76, 25;

daʒ hâr im bî dër ërde erwant. Lanz. 469,

die mähne reichte dem pferd bis auf die erde, hörte erst da auf;

daʒ im daʒ swërt ze tal wuot,
unz ëʒ im an den zenen erwant. 2103,

drang ihm bis an die zähne;

wan ir daʒ sëlbe gewant
ob den enkeln erwant. 5860,

es reichte ihr nicht tiefer als bis an die fuszknöchel, hörte schon oberhalb der knöchel auf;

ich wolt im sicherlich die zende schinden,
daʒ mîn munt durch den sînen
ûf dem gebeine smatzend muost erwinden.
Hadamar 94.

dazu erwäge man die berührung der begriffe des gehens, endens und wendens.
c) hiernach ist auch in andern fällen erwinden soviel als aufhören, ablassen, zurückbleiben, ruhen:

done wolder niht erwinde,
ër ne quëme zu dem here. gr. Rud. 19, 13;

dër morgen niht erwinden wil. MS. 1, 90b;

daʒ fiur erwindet niht,
ê ëʒ ersuoch sîn zil.
Haupt 1, 125;

erwindet noch! haltet ein, lasset ab! Iw. 6152;

erwindet! Nib. 2119, 1;

unde wil du niht erwinden. 54, 1;

sît du niht wil erwinden. 64, 1;

nune wil ich niht erwinden. 107, 1;

dô ër niht wolde erwinden. 618, 1;

end ich erwinde, priusquam omitto. 801, 1;

ër sold erwinden niht. 1959, 1;

sâ ze hant als ëʒ geschiht,
sô ne mag ëʒ danne erwinden niht.
Ulr. Trist. 156;

dâ von gër ich bî dirre frist,
daʒ iuwer bëte erwinde. tr. kr. 21809;

und alliu sorge erwindet. Engelh. 54;

wil wîbes güete sus an mir erwinden. MS. 1, 26b;

blîb alhie unde erwint! pass. K. 247, 33;

daʒ wir niht erwinden (ruhen, ablassen)
unz wir in dâ vinden. 99, 23.


d) die sache steht im genitiv oder nach der praep. von:

dës solt du erwinden! fundgr. 2, 88, 46;

ich ne wils niht erwinden. Nib. 112, 1;

hei, wan wær sis erwunden. Tit. 155, 2,

hätte sie es unterlassen, gemieden;

daran gedenke, und erwint
dîner tumben beginnen. Flore 3774;

dô wolde ouch nicht erwinden
Megecius von deme gebëte. pass. K. 45, 76;

von den muste erwinden
alle ir pînliche nôt. 60, 24.

vgl. DWB erwenden 3.
e) meist mit der praep. an, für person und sache:

swære diu mîn hërze treit
ob diu an mir erwunde.
Hartm. erstes büchl. 1668;

an dînem muote niht erwint. Winsbeke 63, 7;

und erwint
lange an dirre verte niht. Silv. 783;

wære ich an den stunden
an der verte erwunden. Otto bart 712;

so sol ich doch erwinden
an alsô grôʒem meine. Engelh. 5517;

an in mac niht erwinden. pass. K. 261, 1;

dor an den vîenden niht erwant,
dô solt ër an den vriunden sîn erwunden. MSH. 2, 234a.


4) nhd. entsprechen in der früheren zeit noch groszentheils die bedeutungen.
a) räumliches erwinden = 3, b: da erwindet der Rhätier landmarch. Stumpf 5a;

der Römer gleich man nindert find,
ir rum an einem berg erwind,
der berg wirt Caucasus genant
und Scithia dasselbig lant.
Schwarzenberg 159, 1;

er (der mantel) sol kurz sin ... do sol er ufhören und erwinden. Keisersberg bilg. 46d; neme das rechte ohr und

[Bd. 3, Sp. 1066]


ziechs herab an den hals, das es erwindt beim wangen (bis zur wange reicht). Sebiz 153;

denn was nach der geburt den gliedern noch erwindet (mangelt),
das setzt zeit und natur, des schöpfers dienstmagd bei.
Lohenst. Hyac. 19.


b) aufhören, unterbleiben, unterlassen, ermangeln, fehlen = 3, c: darinne sol die gehorsam bei inen nicht erwinden. Chmels Maximil. s. 3 (a. 1493); dieweil auch in vorigen reformationen und ordnungen genugsam versehen, wie den gesprochen urtheilen execution beschehen soll, damit die ungehorsamen hohen und niedern stands zu gehorsam bracht (werden), und aber allein in dem erwindet, das den vor aufgerichten ordnungen vestiglich nachkommen, gelebt und darin niemands verschonet werd. deshalb die obgemelte commissarien sonder bevehl haben sollen, ob deshalb einig mangel wer, dermasz einsehens zu thun, dasz gesprochen urtheil fürderliche execution erlangen mögen. reichsabsch. von 1530 §. 36, wo neuere ausgaben fehlerhaft 'erwendet' lesen; darbei ichs dismal lasse erwinden (bleiben, beruhen, vgl. DWB bewenden). G. Nigrini Jesu und Jesuwider 1581. E 8;

fromm, bider und notfeste lüt,
die sich des ganz versehen nüt,
das der baw solt einsmals erwinden.
Berchtold rediv. 108;

denn ich je nicht erwinden wil, ich hab dann den schändlichen marschalk überwunden. Galmy 297.
c) oft mit der praep. an = 3, e, ermangeln, an einem liegen, durch einen liegen bleiben: an im erwindet nit das Ruland todt bleib. Fierabras g 4; aber darneben und damit sich die von Worms nit zu beclagen hetten, noch verhöre und handelung der billichkeit an mir erwünde, hab ich mich ... vorzkommen erbotten u. s. w. Franz von Sickingen warhaftiger bericht. 1515 B 2;

sonst wist ich bessers nit zu finden,
ich glaub an hülf wurds nit erwinden.
Berchtold rediv. 28;

daran auch an uns in keinem gar nichts erwinden solle. churf. Johann bei Luther 3, 51b; als doch an uns nicht erwinden sol. 5, 108a; sollte an uns billigkeit nicht erwinden. 108b; als doch an uns in keinem, das mit gott und gewissen zu christlicher einigkeit dienstlich sein kan oder mag, erwinden sol. conf. aug. bei Luther 6, 362b; sol an mir nit erwinden. Livius, Mainz 1557 bl. 35; es solt an keinem gelt erwinden. Wickram rollw. 88; es erwindt an deinem guten willen nit. kl. weise reden 234a; wiewol ich nun, dasz an euch und ewer redlichkeit nichts hierin erwinden werde, nichts zweifelhaftiges spüre. Kirchhof mil. disc. 74; es erwindt nit an uns, nulla est in nobis mora; es sol weder in dem noch in anderen dingen an mir erwinden. Maaler 120a; nichts sol auch erwinden an mir, ich will euch allzeit früh und spat versorgen mit gutem vorrath. Fronsp. kriegsb. 3, 3a; solle an mir nichts erwinden noch unterlassen werden. Schweinichen 3, 192;

an im ist warlich nichts erwunden.
Schmelzl zug ins Ungerl. 8b;

wenn ich euch wol zu halten west,
solt es an mir je nichts erwinden.
Ayrer 358b;

und wenn es denn hieran alleine noch erwindet
und sich zu seinem heil kein ander mittel findet,
so wil mit frewden ich es geben für ihn hin.
Werders Ar. 9, 50;

könnt ihr bei Gibeon und gott versöhnung finden,
geht hin, ich schwer es soll an mir auch nichts erwinden.
Gryphius 1, 573;

wenn die sach nur an denen 5000 fl. erwindet, so will ich alles gar gern hergeben. Abele 5, 148; das urtheil hast du einmal gegeben und erwindet jetzo nur an deme, dasz auch dasselbe unverschont vollzogen werde. gerichtsh. 1, 10; dasz ich sein schreiben aber nicht beantwortet, hat an den vilfältigen geschäften, damit ich überheuft, erwunden (gelegen). Butschky kanzl. 70; es hat mir an mitteln erwunden (gefehlt). Schm. 4, 170.
d) lang in gebrauch blieb noch die redensart 'nichts erwinden, an nichts erwinden lassen', d. i. fehlen, ermangeln lassen: was wir denn dazu fördern köndten, wolten wir an uns auch nicht erwinden lassen. herzog Fridrich zu Sachsen bei Luther 1, 141a; wir wolten an allem dem unserthalb nichts erwinden lassen. bei Luther 5, 106a; darzu wir dann unsers teils bisher nichts erwinden lassen. statsp. Karl V. s. 409 (a. 1547); daran wolten wir an unser vermöglichheit nichtzit lassen erwinden. s. 413; aber an irem vleisz nichts erwinden lassen. s. 527 (a. 1554); ritterspil, daran er keinen kosten hat erwinden lassen. kl. weise reden 258b; denn fürwar solt ir mir glauben mein herr kein gut wird lassen erwinden. Galmy 31; so sollen

[Bd. 3, Sp. 1067]


wir doch an unserm fleisz nichts erwinden lassen. Uffenbach 2, 19; was ich aber mit schreiben, reisen thun mochte, liesz ich nicht erwinden (s. l.). Schweinichen 1, 284; und liesz also an meinem fleisz nichts erwinden. 2, 38; das sei weit von euch, dann fürwar solt ihr mir glauben, mein herr kein gut an euch wird lassen erwinden. buch d. liebe 46, 3; des Gargantuvalch vatter sahe wol, das sein schöner filius an ihm nichts liesz erwinden allen fleisz fürzuwenden und kein stund hinschleichen liesz, darin er nit ein lini zog. Garg. 143b; wil es an mir nicht erwinden lassen. herz. Jul. von Br. 346; dann er ja an seinem kundschaft sagen nichts an ihme erwinden lassen. Ayrer proc. 1, 15; dasz er niemals an seinem fleisz icht was lassen erwinden. das.;

damit sie auch geleicher maszen
an ihnen nichts erwinden lassen.
Spreng Il. 134b;

wil meins theils nichts lassen erwinden.
Ayrer 126a;

er hielt sich bei mir auf, wir lieszen nichts erwinden,
und kont er ohne müh sich in die sprache finden.
Opitz 2, 144;

sie rudern allesampt und lassen nichts erwinden,
in meinung, einen weg dem hafen zu zu finden. 3, 55;

wollte es an ihm nicht erwinden lassen. Argenis 2, 302;

lösch armen ihren durst, lasz nichts an dir erwinden!
du wirst in jener welt bei gott vergeltung finden.
Rompler 37;

lassen auch mit fressen, saufen, huren, buben, raszlen, spielen und mummereien mir zu ehren an sich nichts erwinden. Phil. lugd. 5, 268; und ungeachtet Grotius an klugheit in der kriegsanstalt, an tapferkeit in den schlachten nichts erwinden liesz, wurden doch alle seine anschläge krebsgängig. Lohenst. Arm. 1, 879; der feldherr liesz abermals an versorgung der verwundeten, an beschenkung der tapfern nichts erwinden. 2, 1227;

weisz nit, noch mags entrichten,
wo, wann, womit und wie
an meinem fleisz und pflichten
ichs liesz erwinden ie?
Spee trutzn. 59 (64);

wofern ich aber in einigerlei weg ihrer zaarischen majestät ohne beschwerung meines gewissens würde dienen können, würde ich an meinem äuszersten vermögen nichts erwinden lassen. Simpl. K. 795; wiewol der feind an sich nichts erwinden lassen. Chemnitz V. 1, 42b; wiewol die belagerte an sich ihm widerstand zu thun nichts erwinden lassen. IV. 2, 111a; so lässet es denn auch der herr Jesus an sich nicht erwinden und stellt sich mit der ruthe des creuzes ein. Scriver seelensch. 1, 802; worinnen ich dir angenehme dienste, rath, hülfe erzeigen kan, wil ich solches an mir im geringsten nicht erwinden lassen. Butschky kanzl. 253; an seinem fleisz in irgend einem stück niemahls etwas erwinden lassen. Hahn 3, vorr.; sie glaubten, sie müsten an sich nichts erwinden lassen, sondern auf die ausrüstung einer neuen flotte bedacht sein. Heilmans Thuc. 1031. dasz hin und wieder entwinden statt dieses erwinden begegnet, wurde sp. 660 angemerkt.
5) wie doch ein so lebendiges, eingewohntes wort in allen von 1—4 entfalteten verwendungen unsrer hd. sprache seit dem 18 jh. absterben konnte! wahrscheinlich hat Luther dazu mitgewirkt, der es nirgends gebraucht, denn in allen unter 4, c. d. aus ihm angezognen stellen gehört es andern, bei ihm eingeschalteten verfassern. irre ich nicht, so enthalten sich des ausdrucks auch schon Fleming, Günther, Gellert. Rädlein 259a, Steinbach 2, 1046 geben noch erwinden lassen, Heynatz antib. 1, 393 als kanzleimäszig, Stalder 2, 453 aus dem Berner oberland erwinden, nichts ausrichten. es lag mir an, bei einer für die sprachgeschichte merkwürdigen erscheinung die belege nicht zu sparen.
6) wol aber zeigt sich bei Luther und anderwärts sparsam erwinden im sinne von überwinden, erweisen: mit gerichte erklagt, erfolget oder mit urteil erwunden. weisth. 3, 568 (a. 1410), wo nicht zu lesen 'erwonnen', s. erwinnen; die seelen im fegfeuer sind nicht sicher irer seligkeit von allen zureden. es ist auch nicht erwunden mit schrift oder vernunft, das sie nicht mehr verdienen, noch die liebe gottes mehren. Luther 1, 431b; über das so hab ich in siben köpfen den Luther aus eignen worten überzeugt und die wandlung erwunden. Cocleus von der mess und priesterweihe. Lp. 1534. B 4;

han wir den rauchsten weg erwunden,
der weitest wird auch wol gefunden.
Fischart gl. sch. 489.


7) erwinden, trochlea elevare, aufwinden, in die höhe winden.
8) refl. sich erwinden, audere, sich unterwinden: erwinde dich nicht kampfs. buch der liebe 80, 1;

gebet, herr, die schuld dem brauche, wenn wir diener uns erwinden,
wir, die wir euch selbsten pflichtbar, euch noch dennoch anzubinden.
Logau 3, 229, 62;

[Bd. 3, Sp. 1068]



durch was thörichte gedanken
war ich dümmer als ein rind,
dasz ich was du gut gefunden
zu beklügeln mich erwunden?
Canitz 33 (175).


 
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erwinken, nutu assequi: er stand schon ferne, doch konnte man ihn noch erwinken; ich habe ihn nicht erwinken können. Stieler 2543.
 
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erwinnen , superare, laborando acquirere, ahd. arwinnan, ags. âvinnan.
1) wer im hof von Remich mit orkunden erwonnen (überwunden, überführt) oder ervolgt wird. weisth. 2, 246; und wurde einer also erfolgt und erwonnen. daselbst.
2) einer erwinne das gelt oder nicht. weisth. 3, 458; bitten das abe mit demut, das die andern mit heiligkeit erwonnen zu haben meinen. Luther 1, 33a; ir erwonnen getraid auf einen boden geschüttet. Kirchhof wendunm. 279a. oberd. erwinden, s. Heynatz ant. 1, 293.
 
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erwinseln, ejulando obtinere:

in martern sollst du als eine gabe
den tod von mir erwinseln.
Wieland 18, 267.

 

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