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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
erwerben bis erwerbschaft (Bd. 3, Sp. 1060 bis 1061)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) erwerben, acquirere, obtinere, consequi, parare, ahd. irhuërpan, mhd. erwërben, erwarp, erwurben, wofür nhd. bald erwurben, bald erwarben, folglich im condit. conj. schwankend erwürbe, erwörbe, erwärbe (wie verdürbe, verdörbe, verdärbe). die urbedeutung des einfachen worts goth. hvairban, hvarb, ahd. huërpan huarp, ags. hveorfan hvearf, altn. hvërfa hvarf ist vertere, volvere, rotare mit übergängen in verti, reverti, redire, gehen, wandeln, fortgehen (vgl.currere, wie cur, quare, goth. hvar, warum) und mit ähnlichen vorstellungen der abgeleiteten schwachen formen, goth. hvarbôn, ahd. huarpôn und huerpan huarpta, altn. hverfa hverfdi. neben ahd. arhuërpan arhuarp steht arhuerpan arhuarpta und beide drücken wiederum reverti aus; neben mhd. erwërben erwarp zeigt sich jedoch kein erwerben erwarpte (wie neben stërben starp, verdërben verdarp ein sterben starpte, verderben verdarpte), sondern blosz starkes erwërben und zwar nicht mehr mit dem sinn von reverti, vielmehr dem transitiven von consequi, obtinere, acquirere, welcher umtausch der begriffe wol so zu verstehen ist, dasz verti, versari, conversari in negotiari, tractare, parare, wandeln gleichsam in handeln, erhandeln übertrat; auf diese merkwürdigen wortverhältnisse soll unter dem einfachen werben noch näher eingegangen werden. das dän. erhverve ist sichtbar, wie form und bedeutung ausweist, unserm erwerben nachgebildet und der nordischen sprache entgegen.
Nun können belege des mhd. und nhd. wortes folgen. mhd.

Kiôt ûʒ Katelangen erwarp Schoysîânen. Tit. 14, 1;

Kiôt dës landes hêrre prîs het erworben. 16, 1;

mit gewalte nieman erwërben mac die maget. Nib. 58, 1;

sô erwërben wir die frouwen, swie ëʒ uns darnâch ergê. 338, 12;

ër hât den lop erworben. Iw. 15;

nhd. ein weib lidt marter übergrosz,
das si verpotten speis nit nosz,
darzu bei siben sün erwarb,
das ieder darümb vor ir starb.
Schwarzenberg 158, 2;

sprichst du, wer gibt mir die gnad gots? ich antwurt, du solt die erwerben von got durch ein andechtig gebet. Keisersberg s. d. m. 18b; sein lieb und huld zu erwerben. Aimon c 3a; und Esau nam seine weiber, söne und töchter und alle seelen seines hauses, seine habe und alles viehe mit allen gütern, so er im lande Canaan erworben hatte und zoch in ein land von seinem bruder Jacob. 1 Mos. 36, 6; bis das volk hindurch kome, das du erworben hast. 2 Mos. 15, 16; ist er aber arm und mit seiner hand nicht so viel erwirbt. 3 Mos. 14, 21; verschlang sie mit irem gesinde und alle irem gut, das sie erworben hatten. 5 Mos. 11, 6; hab ich mich gefrewet, das ich grosz gut hatte und meine hand allerlei erworben hatte? Hiob 31, 25; und bracht sie in seine heilige grenze, zu diesem berge, den seine rechte erworben hat. ps. 78, 54; wer wird denn hingehen und dir frieden erwerben? Jer. 15, 5; das dienet nicht gnade zu erwerben, sondern viel mehr zorn und ungnade. Judith 8, 10; da trat erzu der erste (knecht) und sprach, herr, dein pfund hat zehen pfund erworben (goth. frauja, skatts þeins gavaurhta taihun skattans). Luc. 19, 16; dieser hat erworben den acker umb den ungerechten lohn. apostelg. 1, 18; zu weiden die gemeine gottes, welche er durch sein eigen blut erworben hat. 20, 28; welche aber wol dienen, die erwerben inen selbs eine gute stufen (þai auk vaila andbahtjandans grid gôda sis fairvaurkjand). 1 Tim. 3, 13; man musz von dem himmel hülfliche hand flehendlich erwerben. Butschky kanzl. 677; er überwunde ihrer (der kriegshelden) viel und erwarb unterschiedliche siege. pers. baumg. 6, 13;

wenn wir auch nicht den sieg erwerben,
so hat dennoch das unglück seinen werth.
Hagedorn 1, 98;

ein feuriger galan, der schlechten dank erwarb. 2, 95;

eine, die mit blauen augen
mehr als männerwitz verband,
konnte zur Minerva taugen
und erwarb den götterstand. 3, 78;

[Bd. 3, Sp. 1061]



ein reicher greis, vom tode nicht mehr fern,
und ungeschickt mehr schätze zu erwerben,
ward krank und wollte doch nicht sterben.
Gellert 1, 272;

das glück der welt genutzt zu haben,
drum sei vergnügt, wenn du dir dies erwirbst. 1, 275;

der in Falaris durchglühtem stier verdärbe,
eh er in Frynens arm ein diadem erwärbe.
Wieland 9, 1;

der himmel kostet leiden hier,
ich leide froh, kann ich von dir
mir einen blick erwerben.
Lenz an Minna, im musenalm. 1778 s. 46;

das ansehen, welches sie sich überall erwurben. Mösers osn. gesch. th. 1. §. 6 nach der ersten und zweiten ausg. von 1768 und 1780, die dritte und vierte ändern in erwarben; ich erwerbe etwas, wenn ich mache, dasz etwas meine werde. Kant 5, 62;

das hat mir wol eh
Alhafi selbst gesagt, und voll entzücken
hinzugefügt, wie grosz, wie edel dieser
sein freund anwende, was so klug und emsig
er zu erwerben für zu klein nicht achte.
Lessing 2, 241;

ihre aufrichtigkeit erwirbt ihnen mein ganzes mitleid. Gotter 3, 38; kein geringer gewinn wäre es für die wahrheit, wenn bessere schriftsteller sich herablassen möchten, den schlechten die kunstgriffe abzusehen, wodurch sie sich den leser erwerben. Schiller 1107b; vertrauen will erworben sein;

wenn ungenützt sie dort im staub verdörbe,
in unserer gebietrin zimmern hie
an ihrem blick nicht schönern tod erwörbe.
Rückert ges. ged. 1, 205.

auszer diesen beispielen noch in vielen andern: geld, reichthümer erwerben; gunst, lob, preis, ruhm, namen, kenntnisse, verdienste erwerben u. s. w.
 
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erwerbfleisz, m. quaestus faciendi studium. Kant rechtslehre 1798 s. 124; je eifriger der erwerbfleisz die tage benutzt, desto ausschlieszlicher ist der abend den reizenden vergnügungen der schönen künste und des geselligen umgangs gewidmet. Novalis Ofterd. 1, 39.
 
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erwerbfleiszig, quaestus faciendi cupidus; gebildet wie gewerbfleiszig.
 
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erwerbgesegnet, quaestu felix:

eur gastliches, erwerbgesegnetes haus.
Platen 133b.


 
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erwerblich ,
1) quod acquiri potest, impetrabilis Maaler 119b: alles durch den krieg erwerbliche oder erhaltbare äuszere mein und dein. Kant rechtsl. 257.
2) was erwerbsam: ein hausvater soll nicht verthunlich, sondern erwerblich sein. Lehmann 1, 403.
 
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erwerblos, quaestu carens.
 
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erwerblustig, lucri cupidus.
 
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erwerbnis, n. quaestus: alle bisherigen besitzthümer und erwerbnisse. Göthe 6, 205; man hatte ein gefälliges erwerbnis an dem Engländer gemacht. Hegner molkenkur 3, 110; kenntnisse, die man auf diesem wege erlangt, sind nicht weniger geschenke des blinden zufalls, als so viele andere erwerbnisse menschlicher thätigkeit. Thümmel 3, 287.
 
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erwerbsam, quaestuosus: die dürre blosz erwerbsamer wissenschaften. Wolfs mus. der alterth. wiss. 1, viii.
 
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erwerbsamkeit, f.
 
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erwerbschaft, f. quaestus, erwerb, errungenschaft.

 

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