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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
erweisz bis erwenden (Bd. 3, Sp. 1058 bis 1059)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) erweisz, f. pisum, erbeisz, erbse. ein geknöpflecht mus mit gersten und erweiszen. Keisersb. irr. schaf 26b; wilt du machen behemmische erweisz. von guter speise 21.
 
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erweiszen, albescere, gegensatz zu erschwarzen. mhd. erwîʒen:

ouch was erwîʒet im daʒ hâr. Gerh. 3740.


 
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erweiten, dilatare, amplificare, ahd. nur giwîtan. wie viel hab ich derer gesehen, welche krägen tragen, die vielmehr für karrenräder zu halten seind? und ob schon die sach mehrers nicht werth ist, thut es doch noth thüren und pfosten zu erweiten, sonst kommen sie nicht hinein. Philand. lugd. 5, 288;

suchst eine probe du, die deinen ruhm erweitet,
so ist die allerbest jetzund dir schon bereitet.
Werders Ar. 4, 57;

aber meint ihr, dasz der tod
solcher hochgesetzten leute
mindre eures glaubens noth
und die kirche mehr erweite?
Haugwitz Mar. Stuarda 4, 240;

wovon ein jeder der begehrt,
ins unermeszliche die aussicht zu erweiten,
bei Lavater den rechten grund erfährt.
Kl. Schmidt poet. br. 107;

wie du mit freiheit unbefangen schreitest,
das herz erhebst und jeden geist erweitest.
Göthe 2, 157;

eine krystallisation, die von der mitte ausgehend sich strahlig gegen die oberfläche erweitete. 30, 87; die handschuhe erweiten, weiten sich. vgl. ausweiten.
 
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erweitern, dasselbe, ahd. nur giwîtarôn. du wirst das land erweitert sehen. Es. 33, 17; deren (der Ubier) gegne von wegen irer redlichen glaubhaftigen treuw von den Römern nit wenig erweitert worden ist. Frank weltb. 27a; die aus keiner bösen meinung meinen guten namen dadurch zu erweitern bedacht gewesen sein. Opitz poet. 25;

und allgemeine freuden
erweitern gleichfalls mir den muth.
Hagedorn 3, 87;

er nahm sichtbar an umfang zu und seine kleider musten erweitert werden; der garten wurde nach allen seiten erweitert; unser verstand ist begierig, sich durch urtheilen zu erweitern. Kant 1, 404; protestantische katholiken, männer einer sich erweiternden denkungsart. 6, 280; ein mann von erweiterter denkungsart, wenn er sich über die subjectiven privatbedingungen des urtheils wegsetzen und aus einem allgemeinen standpuncte über sein eigenes urtheil reflectieren kann. 7, 153;

wenn phantasie sich sonst, mit kühnem flug,
und hofnungsvoll zum ewigen erweitert.
Göthe 12, 40;

nun klärt sichs auf, er kehrt in seine schranken
der völker schwall im ungemesznen land,
nun wirken grosze, gröszere gedanken,
erweitert grenze, thätig innren stand. 4, 64;

das jahrhundert musz uns zu hülfe kommen, die zeit an die stelle der vernunft treten und in einem erweiterten herzen der höhere vortheil den niedern verdrängen. 29, 158; die Römer erweiterten schon den weg, und nun ist er sehr bequem durchgeführt. 16, 221;

der trunk erweitert
nun bald das herz.
Bürger 10a;

das aber getraue ich mir zu behaupten und mein herz erweitert sich dabei. 136a; der blick erweitert sich, der geistige gesichtskreis;

jedem menschen für sein leben
ist ein masz von kraft gegeben,
das er nicht erweitern kann.
Rückert 233;

sein erweitertes herz. J. P. Hesp. 3, 137; erweiterte kenntnisse.

[Bd. 3, Sp. 1059]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) erweiterung, f. amplificatio: erweiterung des reichs; die arbeit ist aller erweiterung fähig. herzerweiterung.
 
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erweiterungsurtheil, n. synthetisches urtheil, wo das praedicat nicht im begriffe des subjects liegt. Kant 2, 42.
 
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erweitung, f. was erweiterung.
 
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erwelen, s. DWB erwählen.
 
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erwelken, flaccescere, marcescere, welken, verwelken, ahd. irwëlchên:

thar bluent thir io liliâ inti rôsâ,
suaʒo sie thir stinkint ioh elichôr nirwëlkênt.
O. V. 23, 274;

mhd. die bluomen man hiur schœne siht,
von dem kalten rîfe in geschiht,
daʒ si hangent val unde bleich
bêdiu erwëlket unde weich. warnung 2418;

nhd. dann nicht erwelken ihre bletter
oder abfallen von dem wetter.
Fischart anmanung zur kinderzucht 41.


 
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erwellen, fervefacere, erwallen lassen: nim feigen, weinper, erwelle sie in gutem wein. küchenmeisterei 3; ebenso das hun, die därme, die mandelmilch erwellen. 22. 64; und het die kuttelbletz und kuttelwürst in ein groszen kessel gethon, wolt si sieden und erwöllen, wie man dann thut. sch. und ernst 1546 blatt 47; käs und roggin brot gibt man eim (hirtenbuben) in ein körblin mit zu tragen am ruggen, znacht aber erwelte (gesottene) käsmilch, doch dessen alles zimlich gnug. Platers leben 13; nimb starken essig, erwelle den wol. Seuter 205.
 
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erwenden , avertere, erwinden, zurückgehen, aufhören machen, goth. usvandjan, ahd. irwentan, irwendan, praet. irwanta, ags. âvendan, mhd. erwenden, erwante, ein der alten sprache geläufiges, heute eingeschränktes wort. dies verlangt hier nähere darstellung.
1) mit dem acc. der sache, abwenden, aufhalten, zurückhalten, hindern:

daʒ aver scol wërden, daʒ ne mac nieman erwenten. fundgr. 2, 36, 43;

dâ ichʒ kan erwenden. Iw. 4345;

ob irʒ niht hætet erwant. 8000;

het ëʒ diu naht niht erwant. 7630;

op si die nôt erwante,
daʒ dienter vor unde nâch. Parz. 217, 4;

wie sie möhte erwenden
alsô gemeinen haʒ. Er. 3004;

ër vienc si gâhes an sich
und erwante den stich. 6156;

vil gërne hêt ërʒ erwant. Nib. 2187, 4;

den tac nieman erwenden kan. MS. 1, 90b;

kein dinc mac daʒ erwenden.
Haupt 6, 515;

an dem was nülich erwant
sîn lëben. ër lac nider tôt. pass. K. 242, 28;

daʒ an im ist gar erwant. 82, 69;

wie mac si denne sîniu leit
erwenden mit ir stiure? tr. kr. 2372.


2) mit acc. der sache und dat. der person:

sînen vriunden ër kleit,
daʒ ichʒ het im erwant.
Neidhart 62, 18;

wandeʒ sîn vreude wære,
heter uns die rede erwant. Iw. 241;

ër riht sich ûf unde saʒ
unde erwante dem lewen daʒ. 3958;

dër uns grôʒe freude erwande. Flore 6046.


3) mit acc. der person, abhalten:

ich mohte in nie erwenden. Er. 1139;

daʒ si in wolte erwenden. gute frau 491;

ich kan in niht erwenden.
Haupt 5, 274, 197;

dô wart ich von in zwein erwant. Engelh. 3922.


4) gewöhnlich mit acc. der person, gen. der sache, wie schon im eidschwur von 842 ob ih inan ës irwendan ne mag, wenn ich ihn nicht davon abhalten, abwenden kann.

ëʒ ensî danne, daʒ mich dër tôt ës erwende. Gudr. 240, 4;

dës hât mich Gîselher mit êren wol erwant. Nib. 321, 4;

wan in dër reise erwanden vil kûme Gunthers man. 852, 3;

dër grâve in dës erwande. gute frau 960;

dô het ër allergërnest
des kampfes in erwendet. tr. kr. 3559;

alles wërkes wær ër erwant. warnung 958.

hierzu noch ein seltnes nhd. beispiel:

daran ist gar kein zweifel,
dessen mag mich niemand erwenden.
Tieck 13, 186.


5) ein fehler ist, wenn in pass. K. 88, 69 erwante für das intr. erwant gesetzt wird.

[Bd. 3, Sp. 1060]



6) erwenden für verwenden, anwenden: übel erwandte, ungewisse und durch wucher oder andere wege abgedrungene güter. Luther 3, 93a. vgl. erwinden.

 

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1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: