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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
erweichen bis erweis (Bd. 3, Sp. 1054 bis 1056)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) erweichen , emollire, mulcere, ahd. irweichan, mhd. erweichen, ags. âvâcian.
1) eigentlich, getrocknetes fleisch, früchte durch einlage in wasser, essig aufweichen; zucker in wasser erweichen, auflösen; eine geschwulst erweichen; den bauch erweichen und flüssig machen; den stlgang erweichen. Maaler 119c; der gerber erweicht die häute; einem die haut, den rücken durch schläge erweichen; mhd.

ie doch het ër ir diu gelide
harte wol gestreichet,
mit bengeln sô erweichet u. s. w. GA. 2, 267.


2) bildlich, das herz, den sinn, mut erweichen, einen erweichen: mhd.

mîn hërze lân erweichen. tr. kr. 21712;

swëlcher meide gemüete man schier erweichet
mit gâbe. Renner 12047;

damit ër wolde erweichen
iren valschaften sin. pass. H. 267, 5;

und als er in erweichet hete,
daʒ sîn zorn gelegen was.
Herb. 10096;

wê dir, dich dës nieman kan erweichen. MSH. 3, 353b.

nhd. ein solich hert herz laszt sich nit erweichen mit bitten. Keisersb. pred. 54b; darumb, das dein herz erweicht ist uber den worten die du gehöret hast. 2 kön. 22, 19; als Aimon sein kinder dermasz reden hort, sein herz ward im erweicht, began zu weinen. Aimon g 6b; das möcht im sein herz erweichen. x 1b; und da Reinhart seinen brder also reden hort, sein herz erweicht sich. x 6a;

ein man der frauen dienen wil,
der bedarf gesangs und seitenspil,
damit er hoch und nider reicht,
wann süesze stim frauen erweicht. fastn. 743, 16;

mit ihren bitten zuletzt den herzogen erweichten. Galmy 272;

wie kan ich immer dich, höchster got, erweichen?
Weckherlin 320;

erweichen und erzärtlen. Philand. 2, 108;

hat das gebet des gerechten
meinen richter erweicht? Messias 12, 580;

[Bd. 3, Sp. 1055]



aber laszt uns länger nicht
einander nur erweichen. hier brauchts that!
Lessing 2, 325;

der könig und die kaiserin,
des langen haders müde,
erweichten ihren harten sinn
und machten endlich friede.
Bürger 13a;

mein gefühl wird stets erweichter,
doch mein herz wird täglich leichter.
Göthe 1, 50;

laszt ihr lieben fraun und herrn
zum mitleid euch erweichen.
Gotter 1, 88;

am menschen ist mirs ein beliebter zug,
dasz, wenns geschick ihm eine wunde schlug,
wenn ein verdrusz die seele ihm erweicht,
der sinnenreiz viel freier ihn beschleicht.
Lenau Faust 44;

lasz uns seine knie umfassen, ihn erweichen! Kotzebue dram. sp. 3, 318; ein fester mund, den ein lächeln erweichen soll. J. P. Kamp. 64; darin wurde Victor, der mit einem steigenden und trinkenden herzen durch diese fliegenden ströme gieng, von ihnen gehoben und erweicht. Hesp. 1, 167.
3) erweichen, molliri: der hut erweichte vom regen; diese pflaumen wollen nicht erweichen; thon erweicht im wasser; mein herz möchte zu sehr erweichen. Weisze trauersp. 5, 298; indessen erweichte sein stolz bei einer geringen achtung, die ihm der prinz von Wallis bezeigte. Lichtenberg 5, 69.
 
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erweichen, n. emollitio: nur aus dem trauerspiele führt ein quergäszchen in das lustspiel, aber nicht aus dem heldengedicht, kurz der mensch kann nach dem erweichen, aber nicht nach dem erheben lachen. J. P. Hesp. 3, 3.
 
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erweicher, m. emollitor, delinitor. Maaler 119c;

lieblicher abend, erweicher der herzen.
Schubart ged. 2, 181.


 
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erweicherin, f. emollitrix:

du bist des frosts erweicherin.
Weckherlin 761.


 
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erweichlich, was erweichbar.
 
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erweichung, f. emollitio, mitigatio: ich schämte mich der erweichung. J. P. biogr. bel. 1, 26.
 
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erweichungsmittel, n. lenimen, malagma.
 
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erweiden ,
1) pascere: die augen erweiden.
2) sich erweiden, pasci, delectari:

man musz sich prächtig kleiden,
dasz aller augen sich in reichem schmuck erweiden.
Rompler 18.


 
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erweifen, glomerare fila. Stieler 2451, der auch victum quaerere glomerando ansetzt.
 
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erweinen , plorare, flere, ahd. irweinôn, mhd. erweinen.
1) intr. thränen vergieszen: ahd.

thiu wîb thërô lantliutô
thiu irweinôtun thô lûto.
O. IV. 26, 5;

dô ër dia burg ana gesah, dô irweinôta ër, videns civitatem flevit. N. ps. 73, 1; mhd.

Nachor erweinde sêre
nâch Josaphâtes lêre. Barl. 279, 31;

nhd. erweinen, explorare, fast weinen und schreien. Maaler 119a.
2) tr. mhd. movere alicui fletum, einen weinen machen:

swie blîde ër pflëge dër zühte und swie schœne sî sîn lîp,
ër möhte wol erweinen vil wætlîchiu wîp. Nib. 394, 18;

erweinde in, machte ihn weinen. Gerh. 6652.


3) tr. lacrimis obtinere, expetere: mhd.

solt ich erweinen guot, daʒ wære ein grôʒ unbilde,
daʒ ist ein arme kunst, dâ man dër hërren guot erweinet. MSH. 3, 59a;

nhd. was er (der knabe Gargantua) sah, begert er, was er begert, das erweint er. Garg. 129b;

ach wenn ich nur vergebung erweine, so will ich hingehn,
ihn vor allen menschen bekennen. Messias 6, 586;

also flehte der mann, den der erde sünder in worten
kennen, verleugnen im thun, er erweinte der märtyrer krone. 6, 606;

ich werde den säumenden tod doch
endlich erweinen. 11, 1461;

die erweinte vergebung. 14, 414;

wenn die erweinete
fast zu selige stunde kommt,
die dem liebenden sagt, dasz er geliebet wird.
Klopstock 1, 103;

weinst du Laura? thräne sei verneinet
die des alters straflosz mir erweinet!
weg versiege, thräne, sünderin!
Schiller 4b;

aber wenn er nun kommt mit der larve des heuchlers, euer mitleid erweint. 105b; er konnte weder den mantel erweinen,

[Bd. 3, Sp. 1056]


noch die treulose Hilda erringen. kindermärchen, Erfurt 1787 s. 37.
4) refl. sich erweinen, sich ausweinen, sich satt weinen, satiari lacrimis: mhd.

ich hân ouch kûme stunde gnuoc
dar zuo, daʒ ich erweine mich
und dîne vart vil klegelich
betrûre in mîme herzen. tr. kr. 29061;

weinen kann er und erweint sich sehr viel. Klinger 1, 49.
 
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erweis, m. demonstratio, gebildet wie ausweis, beweis, nachweis: gründe, die zu einem erweis wenig oder nichts taugen. Günther vorr. 7; wenn nur bei der löblichen bescheidenheit und vorsicht des ungenannten nicht so viel zuversicht auf seinen erweis ... zum grunde läge. Lessing 10, 208;

die kennt er besser
als der erweis, der von folgen triefet.
Klopstock 1, 113;

und wenn ich sie zum erweise ihrer anmerkungen veranlaszte, so konnte kein erweis wahrer und richtiger sein, oder mehr zur sache gehören als der ihrige. 11, 13.

 

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1) erwandern
 ... erwandern , invenire, experiri, wie erfahren sp. 789. 790: