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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
traugeleit bis traulicht (Bd. 21, Sp. 1426 bis 1436)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) traugeleit, n.: vor dem tore des kirchhofs angelangt, stieg das ganze traugeleit ab E. Ziehen geschichten u. bilder (1874) 1, 267; vgl. trauleiter.
 
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traugern, m.: ich besorge, ein so unbesonnener traugern ... dörffte dem hofe mehr lust als ihm selbsten erwecken E. Francisci wol der ewigkeit (1717) 171; vgl. DWB trauen, vb., I B 3 b, sp. 1332.
 
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traugut, n., das anvertraute gut, fidei commissum: die sprachgemeinde lebt auf uraltem gauerbe und darf ihr traugut nicht verschulden Fr. L. Jahn werke (1884) 2, 17, vgl. DWB treugut.
 
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trauhalter, s. DWB treuhalter; trauhänder, s. treuhänder.
 
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trauhandlung, f., die kirchliche handlung der copulatio: an manchen orten ist das ringewechseln ein auszerwesentliches stück der trauhandlung und bestehet das ganze nur im jawort und handschlag allg. dt. bibl. (1787) 73, 83; die trauhandlung vollzog pastor Sommerfeld tägl. rundsch. 1905 nr. 478; und während der ganzen trauhandlung sah zu dem fenster ... ein langer mann herein Fouqué die jahreszeiten 1, 69 (Undine). —
 
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trauhimmel, m., der baldachin bei der jüdischen trauung: (der mann musz) mit ihr ... zusammenkunft halten unter dem trauhimmel und hernach im brautgemach M. Mendelssohn ges. schr. (1843) 6, 52; ihre freundinnen und verwandten ringsum sie her — der trauhimmel über ihr — jetzt spricht der prediger von den pflichten gegen den gatten M. Reich ausgew. w. (1894) 204. —
 
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traukutsche, f.: wir, meine frau und ich, wollten gerade in die traukutsche steigen, da kam als letzter hochzeitsgast mein bester freund herbeigeeilt tägl. rundsch. (1902) unterh.-beil. 1048b. —
 
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trauleiter, m., auf nd. boden für den brautführer: jetzt rasselten die mit grünen zweigen geschmückten wagen, welche das brautpaar, die brautjungfern, die trauleiter und die übrigen begleiter und begleiterinnen desselben nach dem nahen kirchdorf bringen sollten, vor die tür E. Ziehen geschichten u. bilder 1 (1874) 94; troleider 'der zur trau, zum schemel führt' Schütze holstein. 4, 282; Mensing 5, 166; vgl. 5trau, f., sp. 1285.
 
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traulich, adj. herkunft.
traulich ist kein altes wort, sondern kommt erst im letzten viertel des 18. jh. auf, und zwar in der poesie des hains: 1774 Hölty, s. unten 3 c; 1776 Bürger, s. 3 a; 1777 Fr. L. v. Stolberg, s. 1 b; 1779 Claudius s. 2 e; 1780 Boie,

[Bd. 21, Sp. 1427]


s. 2 b. das wort ist dann schnell, auch auszerhalb des hainbundes, beliebt geworden: 1781 in Thomsons vier jahreszeiten, s. unten 1 f, 1782 bei Blumauer, s. 2 c, 1784 Kretschmann, s. 2 e; 1785 Ratschky ged. 158, 1786 E. C. Reichard, 1789 J. J. Ihlee, s. 3 a, J. Fr. Schink Abdera 2, 146, U. Bräker, s. 2 d. dasz es in den 70 er jahren ganz neu war, geht auch daraus hervor, dasz manche dichter es später in verse aus dieser zeit hineincorrigiert haben, vgl. unten Voss 2 d und e; J. G. Jacobi 3 c; Kretschmann 2 e. abzutrennen ist ein früher (16. jh.) belegtes traulich in anderer bedeutung, das die md. form von treulich (s. d.) darstellt; jedoch ist das abgeleitete substantiv traulichkeit in einem zwar völlig isolierten, aber anscheinend ganz sicheren beleg des 17. jh. bezeugt (s. u. sp. 1435). entstanden ist traulich wahrscheinlich als analogiebildung: es stellt sich neben das vielfach gleichbedeutende traut wie das ältere vertraulich neben vertraut steht. bedeutung und gebrauch.
die mutmaszliche herkunft, von traut und vertraulich her, scheint sich auch in der bedeutung zu zeigen. traulich weist von anfang an zahlreiche bedeutungsnuancen auf, die diejenigen der genannten verwandten worte wiederholen, abwandeln und steigern. sehr stark spielt auch zutraulich herein. traulich konnte die bedeutungen von zutraulich und vertraulich wohl deshalb in sich vereinigen, weil das neue präfixlose wort der festen bedeutungsbestimmung, die eben diese präfixe den älteren worten gegeben hatten, entbehrte und es so beim hörer alle möglichkeiten der auffassung offenliesz. infolge dieser ahnungsreichen unschärfe schwingt bei traulich stärker als bei den componierten worten von anfang an ein gefühlsmoment mit, vgl. schon Maass-Eberhard synonymik (1818) 5, 97. traulich ist ein wort des gefühls, ja des gefühlscultus. die poesie der classiker um 1800 hat es in vollem umfange aufgenommen: Göthe zeigt es in reichster, aus eigenem gesteigerter entfaltung. im 19. jh. wird es schnell abgenutzt und ist heute ohne jede einschränkung wohl nur noch in der abgeschlossenheit traditionsgesättigter verssprache möglich, in der prosa gewinnt es leicht trivialen oder ironischen beiklang. in ungekünstelter umgangssprache hat es wohl nie seine stelle gehabt, vielleicht mit ausnahme der Schweiz, vgl. Pestalozzi unter 1 a und traulichkeit 1 a. ein traulich 'vertrauenswürdig von personen' bucht für das südlichste Schwaben Fischer nachtr. 1764.
die verschiedenen bedeutungen von traulich unterscheiden sich in der hauptsache danach, ob sie handlungen und handelnde personen (1) bezeichnen oder zustände und objecte (2). im ersten falle gilt traulich vom standpunkt der handelnden person aus und von ihren handlungen, es hat ein activisches element in sich, es bedeutet etwa 'zutraulich'. im zweiten falle bezeichnet traulich mehr passivisch die wirkung der zustände und objecte auf den betrachter oder passiv beteiligten, das nächste synonymon wäre 'anheimelnd'. beide gruppen, die activische und die passivische, flieszen zusammen in einer dritten (3), bei der traulich sowohl handlungen als auch deren wirkungen auf den betrachter und wechselweise auf die beteiligten bezeichnet.
1) 'zutraulich, voll vertrauen'.
a) der bedeutungsumfang reicht meist von einfachem 'zutraulich' bis zu stärkerem, ethisch getragenem 'voll vertrauen':

traulich kam die mutter herbei und küszte sie herzlich
Göthe 50, 264 W. (Herm. u. Dor.);

ich sagte ihm, dasz ... diese trauliche annäherung ... ein glänzendes und eindrückliches beispiel der toleranz abgeben würde C. F. Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 2, 240; der könig ... sendet die begleitung vorauf in das theater er will sich traulich unter die menge mischen, die ihm doppelt fröhlich zujauchzen wird Droysen gesch. Alexanders d. gr. (1833) 53; traulich und neugierig schauten sie ihn an ... der knabe Arnold hingegen ... schlug verschüchtert die augen nieder G. Keller ges. w. (1889) 8, 40; (das holde wesen), das so ganz frei und traulich dem

[Bd. 21, Sp. 1428]


königlichen mann ins auge sah Hölderlin 2, 12 Litzmann; sein munteres, trauliches wesen brachte ihn bald mit allen ... frauenzimmern ... in naive berührung Immermann 1, 206 Boxb.; von geselligem verhalten gesagt: er hat als ein ächt katholischer christ, ohne sein gewissen zu beschweren, mit einem rein protestantischen heiden sich recht traulich benommen Göthe IV 26, 43 W.; in der poesie Göthes klingt die bedeutung 'voller vertrauen' sonst meist stärker an:

wo find ich jenen gutgesinnten mann,
der mir die hand so traulich angeboten?
an ihn will ich mich schlieszen! 10, 378 W. (nat. tochter 2850);

so ist es also, wenn ein sehnend hoffen
dem höchsten wunsch sich traulich zugerungen 15, 6 W. (Faust 4705);

dir, der unberührbaren,
ist es nicht benommen,
dasz die leicht verführbaren
traulich zu dir kommen 15, 334 W. (Faust 12020).

so von gläubiger gewiszheit:

pflückt ihr pambeh, mögt ihr traulich sagen:
diese wird als docht das heilge (das feuer) tragen 6, 241 W.


prägnanter, dem heutigen 'offen' sich nähernd, in einer reihe älterer belege, ein gebrauch, der so ausgeprägt nach dem anfang des 19. jh. nicht mehr begegnet: ein sehr bescheidener, traulicher junger mann J. v. Müller sämtl. w. (1810) 5, 201; da ich die livree der wizlinge trug und ein traulicher, aller welt offener, sorgloser wüstling war Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 171; 'worum doch das nicht' erwiderte der trauliche landaman Pestalozzi 10 (1931), 134 krit. ausg.;

wir wollen traulich seyn, herr pronotar,
ich biet euch meine hand mit biedersinn
Z. Werner söhne des tals (1804) 2, 11;

freundlich ist der herzog und, wie mich dünkt, seit einigen wochen auch traulicher gegen mich als gegen manche andre A. v. Knigge Mildenburg (1797) 2, 40.
b) so ist traulich als ausdruck vorhandenen vertrauens der grusz und die ihn begleitenden gesten:

den landmann blickst du mit verachtung an
und schämst dich seiner traulichen begrüszung
Schiller 14, 308 Göd. (Tell);

nach Sevilla, nach Sevilla;
wo die letzten häuser stehen,
sich die nachbarn traulich grüszen, ...
dahin sehnt mein herz sich sehr
H. Laube ges. schr. (1875) 8, 12;

wenn er vorübersprengte, so durfte man gewisz sein, dasz er dort mit dem schwert in der hand herüber grüszte und traulich nickte W. Hauff sämtl. w. (1890) 1, 65;

fried und freude dem sänger zuvor, und traulichen handschlag!
Fr. L. v. Stolberg im dt. museum (1777) 222;

was soll des freundes traulicher handschlag mir?
Hölderlin 1, 90 Litzmann;

und traulich bieten wir die hände dir
Fouqué held. d. nord. (1810) 2, 23;

wenn er mir zumal vom pferd herunter seine hand bot, die meinige traulich schüttelte U. Bräker sämtl. schr. (1789) 1, 145; einige von ihnen geleiteten den magister bis zu seiner ... pfarrwohnung und schüttelten ihm dort traulich die hand G. Keller 6, 365; geblendet und errötend grüszte sie graf Heinrich nur mit einer stummen verbeugung; sein vater hingegen faszte sie traulich bei der hand und sagte: 'ei, was für eine königliche gestalt ist das kleine Luischen geworden' Langbein sämtl. schr. (1835) 31, 76.
c) traulich sind darüber hinaus überhaupt rede und antwort:

ihr seid gemeine männer nur, doch denkt
ihr nicht gemein, ihr scheint mirs wert vor andern,
dasz ich ein traulich wörtlein zu euch rede
Schiller 12, 303 Göd. (Wallenst. tod 1978);

verdiene ich denn kein trauliches wörtchen aus ihrem eigenen munde? Kotzebue sämtl. dram. w. (1828) 31, 151; zwei trauliche fragen gestatten sie wohl dem, der es

[Bd. 21, Sp. 1429]


redlich meint und dies auch künftig zu beweisen lust hat K. A. Böttiger an Grillparzer, im jb. d. Grillparzerges. 1, 189;

als er emporkam wieder vom tiefen meer der gedanken,
fragt ihn traulich ein freund: bringest du uns ein geschenk?
Herder 26, 372 Suphan;

ein paar gleichgültige worte, die ich an sie richtete, und die trauliche weise, in der sie antwortete J. Venedey Irland (1844) 2, 4; 'um ihnen indes', fuhr er traulicher fort, 'auch die kleinste bedenklichkeit zu ersparen' Thümmel reise (1791) 3, 288; und nun gar ein verstorbener, der so traulich mit ihnen zu plaudern wuszte Immermann 1, 14 Boxb.; in besonderem sinne, 'aufdringlich vertrauen heischend': er (Pius IV.) ergieszt sich dann in tausend traulichen versicherungen, wie er die bösen von herzen hasse, von natur die gerechtigkeit liebe Ranke sämtl. w. 37, 208.
d) von körperlicher annäherung als ausdruck des zutrauens: auf der madonna della sedia ist es ... ein heldenknabe, im fröhlichen gefühl der stärke, und doch so traulich an die mutter angeschmiegt Fr. Schlegel sämtl. w. (1846) 6, 36; Bettine Göthes briefw. m. e. kinde (1835) 3, 53; die trauliche anschmiegung ihrer ideen an die meinigen Cl. Brentano Godwi (1801) 1, 21; eine hand, die sich traulich mit der unsern zusammenschlieszt Göthe 18, 382 W.; sie legt traulich ... haupt und hände ihm auf knie und schoosz R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 6, 37;

lasz dich traulich umschlingen
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 353;

der obrist, plötzlich von allem unmut, von allem zorn verlassen, ... setzte sich traulich hin dicht neben das liebe süsze kind E. T. A. Hoffmann 8, 109 Grisebach; die vergangenheit trat freundlich auf mich zu und setzte sich traulich an meine seite Tieck schriften (1828) 8, 26; der fingerhut wohnte traulich zwischen dem gewonnenen spielgelde und scheuerte sich freundschaftlich an den thalern G. Keller ges. w. (1889) 5, 30.
e) traulich heiszen tiere, die zutraulich sind und sich ans haus halten: so wie es hausherrn gibt, die auch der traulichen schwalbe keinen winkel im gesimse ihrer scheunen gönnen (1788) grafen zu Stolberg ges. w. 3, 240; die trauliche grasmücke Cl. Brentano ges. schriften 5, 20; zuletzt wird es (das rotkehlchen) ganz traulich Thomsons vier jahreszeiten (1781) 294;

im häuschen so reinlich, so niedlich und klein,
nist't traulich das friedliche täubchen sich ein
S. Mereau gedichte 1 (1800), 82;

heisz ist der tag;
die sonne prallt von meiner zelle wand.
ein traulich vöglein flattert ein und aus
A. v. Droste-Hülshoff werke (1879) 3, 77 (geistl. jahr);

(die hunde) umschnoberten traulich ihm lippen und kinn
Bürger 82 Bohtz (1788);

die seite seines weichen felles gegen meine hand krümmend und stemmend, hob er (der kater) sofort sein traulich spinnen an Stifter sämtl. w. 1 (1901) 12; tiere ..., die euch jetzt fliehen ..., kamen damals so traulich zu mir maler Müller werke (1811) 1, 23.
2) 'anheimelnd'.
a) traulich in diesem sinne geht vor allem auf die nähe im gegensatz zur ferne: die volkssage ... ist traulich, der mythus steht in unabsehbarer ferne J. Grimm kl. schr. 7, 543; die natur schien ihm nur deswegen so unbegreiflich, weil sie das nächste und traulichste mit einer solchen verschwendung von mannichfachen ausdrücken um den menschen her türmte Novalis schriften 4, 128 Minor; so auch, doch umfassender:

wie soll ich dem, den ich so lang begleitet,
nun etwas traulichs in die ferne sagen
Göthe I 4, 18 W. (an Lord Byron);

es scheint wirklich zeit zu werden, dasz der zwischen uns so lange wunderbar genug niederhängende schleier endlich falle und eine herzlich anerkennende gegenwart uns für die zukunft traulich vereinige IV 33, 42 (an Nicolovius).

[Bd. 21, Sp. 1430]



b) traulich ist das altgewohnte, das heimische und angestammte: bis auf den heutigen tag wohnt daher der marschbauer, nach uralt traulicher sitte, mit seinem gesamten vieh unter einem dache H. Allmers marschenbuch 221; nur der alte, trauliche taktmäszige schlag der dreschflegel hat neuestens in unseren dörfern dem sausen und pfeifen der dampfmaschine weichen müssen Wimmer gesch. d. deutsch. bodens (1905) 204; die sprache der platten hat so etwas trauliches und gemütliches K. J. Weber Deutschland (1828) 3, 755;

gelandet bald an Holsteins küste,
die heimisch zwar und traulich winket
H. Chr. Boie (1780) bei
Weinhold Boie 334;

von der lieben traulichen väterburg?
Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 113;

es schauen vom wappenschilde
die löwen so traulich mich an
Chamisso werke (1836) 3, 75;

die damals so traulichen straszen ihrer vaterstadt sah sie belebt von ... kindergestalten Storm werke (1899) 1, 225; so auch: das herz, welches weniger seine ewigkeit zu retten wünscht als die traulichen erinnerungen an seine irdische jugend C. G. v. Brinckmann filos. ansicht. (1806) 87; schriftzüge des traulichsten andenkens zu erhalten Göthe IV 37, 18 W. (an Auguste v. Stolberg).
c) traulich sind örtlichkeiten, die infolge ihrer kleinheit oder abgelegenheit das gefühl anheimelnder enge und nähe hervorrufen: ein trauliches tal, ein stiller see gibt den hintergrund zu einer gruppe heiliger personen Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 2, 480; links öffnete sich das Zillerthal, das sich heimlich und traulich in die berge hineinschleicht H. Laube ges. schr. (1875) 8, 209;

hinten an, bebuscht und traulich,
steigt der felsen in die höhe
Göthe 6, 20 W.;

säh ich ihn wandeln im traulichen wald
Blumauer ged. (1782) 27;

die trauliche amtssäge im Gleirschtal gab mir ... wieder freundliches obdach H. v. Barth Kalkalpen 513; (wir) hätten uns hier in den traulichen fischerhütten (auf den Rheininseln) vielleicht mehr als billig angesiedelt, hätten uns nicht die entsetzlichen Rheinschnaken nach einigen stunden wieder weggetrieben Göthe 28, 29 W.; in den traulichen bogengängen lustwandelte das empfindsame paar Musäus volksmärchen 1, 10 Hempel; überall an passenden stellen sind lauschige sitze oder trauliche lauben angebracht H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 224; trauliche gärten mit laubigen schatten O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 235; vögel hatten daselbst ihre traulichsten nester angebracht Gutzkow ritter v. geiste (1850) 2, 18; eine buche, welche sich gleich über dem boden in drei stämme teilte und zwischen denselben einen traulichen sitz darbot G. Keller ges. w. 6, 66.
d) traulich ist ganz besonders das zimmer. kleinheit und abgelegenheit werden auch hier gern hervorgehoben: ihre kleine, ländliche wohnstube war freilich nur sehr einfach, allein sehr heiter und traulich Chph. v. Schmid ges. schr. 3, 218; das wohnzimmer der familie Frey. nicht grosz, traulich, dunkle, unmoderne möbel G. Hirschfeld die mütter (1896) 96 (scenerie);

dort gegen westen, traulich unterm dach,
liegt froh und abgeschieden das gemach
G. Keller ges. w. (1889) 9, 156;

die zierlichen zimmer
reihn um den einsamen hof heimlich und traulich sich her
Schiller 11, 193 Göd. (Pompeji u. Herkul.);

mein stübchen ist jetzt so traulich, so ganz für sie (anrede) geordnet A. v. Droste-Hülshoff briefe an L. Schücking (1893) 129. traulich erscheint das zimmer besonders beim rückblick auf eine vergangene zeit: das einst so trauliche zimmer des guten oheims Storm werke (1899) 1, 166; ähnlich: es war ein heiterer frühlingstag, als ich ... mich noch einmal in meinem traulichen zimmer umsah und dann es verliesz Doro Caro novellen (1795) 37, oder in abendlicher beleuchtung (vgl. e):

ich war zu ende und die zeit verflogen,
schon dunkelte das trauliche gemach
Arent-Conradi-Henckell mod. dichtercharakt. (1885) 294;

[Bd. 21, Sp. 1431]


die geschlossenen vorhänge gaben den zimmern ein trauliches aussehen G. Freytag ges. w. (1886) 7, 149;

wachst du noch oben, mein kind, bei der lamp im traulichen stüblein
J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 2, 129 (noch nicht im erstdruck in Vossens musenalmanach 1778, 14);

die finsternis verhüllt die welt, doch hell
winkt ihm ein licht ins trauliche gemach
Hebbel werke 1, 153 Werner;

bald prasselte das feuer von zugelegtem holze noch höher auf, erhellte traulich den finstern raum und spendete wohlthätige wärme L. Steub bilder aus Griechenland (1841) 2, 28.
e) traulich ist die dämmerung, der abend, die nacht, weil sie die umwelt enger und näher erscheinen lassen:

wie ist die welt so stille
und in der dämmrung hülle
so traulich und so hold!
M. Claudius sämtl. w. 4, 91 (1779)

(zur stimmungsmäszigen verwandtschaft mit d vgl. die fortsetzung: als eine stille kammer);

komm, dunkelheit, mich traulich zu umnachten
K. v. Günderode bei
Bettine die Günderode (1840) 1, 410;

ich hasse die menschen, die mit ihrer nachgemachten kleinen sonne in jede trauliche dämmerung hineinleuchten Tieck schriften (1828) 6, 51; die armut ... verklärt ihr dunkles dasein mit einem traulichen dämmerschein humoristischer poesie W. H. Riehl die deutsche arbeit (1861) 118. das moment erhöhter geselligkeit spielt im übrigen sehr oft mit herein (vgl. unten 3 d):

wann uns trauliche nacht bei dem dirceïschen
päan und dem gesang brittischer barden fand
J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 3, 17 (noch nicht im erstdruck im Göttinger musenalmanach 1774, 99);

auch selig war im mondenscheine
die traulich holde sommernacht
mit deinen freunden bald im haine,
bald in der gartenlaube
in himmlischem gespräch durchwacht
Kretschmann sämtl. w. (1784) 2, 136 (noch nicht im erstdruck von 1770);

wir saszen ja so manchen traulichen abend beisammen K. Meisl theatr. quodlib. (1820) 4, 156; in einer traulichen abendstunde sagte sie daher zu ihr Tieck schriften (1828) 4, 307; nun kommen die traulichen winterabende, da wollen wir zusammen lesen und brav recensiren Göthe gespräche 8, 287 Biedermann; in enger berührung mit c: im traulichen dunkel der grotte meine seele mit der deinen ... verschmelzen fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 95.
f) mond und sterne erhöhen den anheimelnden charakter des abends und der nacht; auch sie sind traulich: sein alter, sanfter freund (der mond) blickte vom dunklen nachthimmel traulich über die schlafende erde G. Freytag ges. w. (1886) 13, 138;

traulich glänzte hier des vollmonds schimmer
Jung-Stilling sämtl. schr. (1835) 2, 418;

die sterne, die funkeln so traulich
Körner werke 2, 75 Hempel;

oft sahst du der sterne trauliches licht.
dort wohnet der herrgott, der lässet uns nicht
Hebbel werke 7, 67 Werner.


g) traulich ist alles, was uns anheimelt, wenn wir es mit den sinnen wahrnehmen: die stimme der schönen Trude klang so süsz und traulich Storm werke (1899) 2, 242; ihr vortrag dabei hatte das herzliche, edle trauliche nicht Schiller briefe 1, 11 J.; das allegro eines traulichen gesellschaftsliedes J. G. Bremser mediz. paröm. (1806) 19; stark nach 3 hin:

o wie traulich ist erklungen
unser landsmannschaftlich du
Rückert werke (1867) 1, 605;

(der kleine flusz), der bald traulich murmelnd durch die strasze rieselt, bald heftiger rauscht J. Fr. Zöllner briefe über Schlesien 2 (1793) 168; mit 1 d sich berührend:

feine wollene decken mit purpursäumen, ein lager
zu bereiten, das uns traulich und weichlich empfängt
Göthe 1, 270 W. (Alexis u. Dora).

[Bd. 21, Sp. 1432]



3) traulich dient schlieszlich zur kennzeichnung eines zustandes und einer stimmung, die man recht eigentlich als 'gesellig' bezeichnen kann und die überall dort entstehen, wo mehrere teilnehmer sich traulich zueinander verhalten (wie 1) und dadurch traulich aufeinander und in ihrer gesamtheit auf dritte wirken (wie 2). das zusammenwirken der beiden für den bedeutungsgehalt von traulich charakteristischen componenten — 'zutraulich' und 'anheimelnd' — macht das kennzeichen dieser dritten gruppe aus. berührungen und überschneidungen mit den beiden andern verstehen sich dadurch von selbst.
a) voran stehen eine reihe von meist älteren belegen, die traulich in einem uns heute verlorenen sinne gleichbedeutend mit 'vertraulich' und 'vertraut', mit 'intim' und z. t. 'discret' zeigen: sonst hatte ich während meines aufenthalts in der Pfalz eine menge bekanntschaften mit mädchen errichtet, wovon einige sehr traulich waren Laukhard leben u. schicksale (1791) 2, 13; S ... hatte mit einer schönen frau im traulichsten verhältnis gestanden Holtei vierzig jahre (1843) 1, 80; ohne den erotischen einschlag: eine trauliche mitteilung fand noch gar nicht zwischen uns statt Steffens was ich erlebte (1840) 1, 296;

zu prüfen ob ich noch etwas wüszte,
wie mirs Lavater, vor alter zeit,
traulich überliefert
Göthe 2, 268 W.;

hierher wohl auch: jedes mitglied verpflichtete sich in der vierzehntägigen versammlung ein gedicht oder eine erzählung vorzulesen, welches denn auch traulich und regelmäszig geschah 41, 2, 48 W.; eindeutig beim briefwechsel: ich schrieb ... an den prinzen L., welcher damals in traulichem briefwechsel mit mir stand C. F. Bahrdt leben (1790) 3, 203; zu 2 g hin neigend:

das blättchen im apfel sasz heimlich und tief,
drauf stand gar traulich geschrieben ein brief
Bürger 33 Bohtz (1776).


b) traulich im sinne geselliger wechselwirkung ist besonders das gespräch:

trauliches gespräch würzte die einfache kost
J. J. Ihlee ged. (1789) 151;

er fand seine mutter in traulichem gespräch mit der alten, gutmütigen frau des schlosses Novalis schriften 4, 104 Minor; da würde ... Shakespeare mit Cervantes trauliche gespräche wechseln Fr. Schlegel im Athenäum 3, 126; am ofen saszen die alten, mit den besuchenden nachbarn ... trauliche gespräche führend Göthe 25, 125 W.; wir saszen in traulichem gespräche vor der flamme Holtei erz. schr. 2, 40; ich hoffe, sie (anrede) und ihre frau gemahlin wohl und munter zu finden, wobei ich mich dann ... auf manches trauliche gespräch freue fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 3, 121. auch mit andern, ähnlichen hauptworten, durch die z. t. das bedeutungselement des geselligen oder vertrauten noch stärker zum ausdruck kommt:

das trauliche, gutlaunige geschwätz
beim abendstern in einer sommerlaube
Wieland werke (1795) 9, 135;

ähnlich Holtei erz. schr. 1, 121; und bald saszen die liebenden ohnweit der hecke und des hauses in traulichem geplauder M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 38; rüstig klomm er die sprossen entlang und rief halblaut den namen der älteren base, worauf das fenster leise aufging und ein trauliches geflüster begann G. Keller ges. w. 1, 298; Peter ... brach ihr trauliches zwiegespräch ab Holtei erz. schr. 21, 182; stark an die bedeutung 'intim, discret' anklingend: schwerlich wird von so traulichen zwiesprachen ein ehrenmann etwas gehört haben J. H. Voss antisymbol. (1824) 2, 317.
ähnlich vom mahl:

rund um das gastliche tuch, des traulichen mahles genieszend
Kosegarten Jucunde (1843) 165;

denn solch ein traulich mahl am stillen herd
hat mich seit langer zeit nicht mehr gelabt
Uhland ged. (1898) 1, 128;

[Bd. 21, Sp. 1433]


als es später zur tafel ging, welche zu einem mehr traulichen als prunkenden mahle gerüstet war G. Keller ges. w. 2, 226; mit starkem anklang an 1 'zutraulich':

traulich auf ein schmal gericht
seid ihr eingeladen
J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 5, 21;

wie sie traulich beim frühstück saszen Alexis Roland v. Berlin (1840) 3, 61; gewichtiger, 'voller vertrauen':

sie wechseln von nun an
wie der freund mit dem freund traulich die becher des mahls
Schiller 11, 73 Göd. (deutsche treue).


c) von jedem beisammensein, besonders der liebenden: da wandelte ich traulich mit ihnen (anrede), hand in hand, unter den blumen ihres Sanssouci Gleim briefw. 1, 175 Körte; traulich wanderte er mit ihr zurück A. v. Arnim 8, 152 Grimm; man rückte traulich zusammen wie die hinterbliebenen im verwaisten hause Treitschke dtsche gesch. (1897) 1, 296; wir sitzen hier traulich und warm beisammen E. T. A. Hoffmann 14, 189 Grisebach; nun saszen wir alte kriegs- und garnisonskameraden wieder traulich und froh neben ... einander Göthe 33, 16 W.; noch saszen wir so in traulicher stille beisammen Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 121;

mein liebchen, wir saszen beisammen,
traulich im leichten kahn
Heine 1, 81 Elster;

und geh nun nimmer an jenen unglücksort,
wo einst wir traulich saszen
Herder 25, 592 Suphan;

metaphorisch:

traulich stehen sie nun, die holden paare, beisammen (die samengefäsze der blüte)
Göthe 3, 86 W.;

an der schmalen grünen bergstufe liegen die braunen holzhäuschen traulich beisammen H. v. Barth Kalkalpen 195; da schweben die wolken traulich nebeneinander Chr. A. Fischer Genf (1796) 2; sie werden mit demut erkennen, dasz der mensch sich hier unten mit seiner heimat recht inniglich und traulich zusammenleben und zusammenleiben musz E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 148; die neigung der Deutschen zu einem traulichen familienleben Ranke sämtl. w. (1867) 2, 10; aber wie donner vom hellen himmel scholl in unsre trauliche gesellschaft die nachricht Schubart briefe bei D. Fr. Strausz 9, 188; anders, äuszerlicher: es ist angenehm, in dem büchlein (einem namenbuch) so viele namen bedeutender persönlichkeiten gleichsam in traulicher gesellschaft beisammen zu finden Ranke sämtl. w. 25, 194; mit ironischem beiklang: erzengel und engel, nicht zuletzt die ansehnliche schar der teufel leben in unserem volke traulich gesellt zu weiszen frauen und dem wilden jäger G. Freytag ges. w. (1886) 14, 51; nach 1 d: zwei jünglingsfreunde, an einander traulich gelehnt Göthe 49, 1, 310 W.;

zwei flammen gottes führen sie,
einander traulich umschlingend
Schubart sämtl. ged. (1825) 2, 197;

sie umarmten sich still traulich A. v. Arnim 1, 113 Grimm;

wenn hirt und schäferin
am herde traulich spielen
J. G. Jacobi sämtl. w. (1807) 1, 16 (anders noch in der ausgabe von 1770);

wir hatten's so heimlich, so still und bequem,
und koseten traulich von diesem und dem
Bürger 58 Bohtz (1779);

auf dem rotbeblumten klee
könnten wir so traulich kosen
v. Salis ged. (1793) 26;

so ruht traumkönig beim liebchen fein
in traulichem küssen und kosen
Geibel werke (1888) 1, 89;

selig preis ich dich dann, flötende nachtigall
weil dein weibchen mit dir wohnet in einem nest,
ihrem singenden gatten
tausend trauliche küsse gibt
Hölty ged. 102 Halm (1774).


d) im einzelnen auch von art und anlasz, ort und zeit des beisammenseins: das trauliche treiben am winterlichen

[Bd. 21, Sp. 1434]


herde Treitschke hist. u. pol. aufs. (1886) 1, 5 (vgl. 2 d); der herd, die opferstätte traulicher geselligkeit O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 175; und oft wiederholten sie sich auf ihren traulichen spaziergängen das feierliche gelübde Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 173; ist es erlaubt, so zerstreut zu sein? gute gesellschaft zu fliehen, seinen freunden die lust traulicher stunden zu verderben? Göthe 17, 119 W.: in traulichen stunden erzählt er Tieck 1, 61 Minor; im schosz seiner familie gab es einen traulichen abend, wo Engländer, Franzosen und Deutsche ihre vorurteile auf dem altar der häuslichkeit niederlegten Gutzkow briefe aus Paris (1842) 1, 180;

... nach solcher brüderlichkeit, so traulichen festen
Klopstock oden 2, 91 M.-P.;

ihr sitzt vielleicht mit traulichem behagen
um einen deutschen krug herum
Schiller 1, 353 Göd.


e) ziemlich inhaltsleer als gräcisierendes episches beiwort:

und so sasz das trauliche paar
Göthe 50, 191 W. (Herm. u. Dor.);

dort nach bewirtendem mahl, als wohlerprobeter gastfreund,
würd ich des frommen Homers traulicher reisegenoss
J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 3, 135;

die musen flüchteten nach Italien, und mit ihnen auch Polyhymnia, Uranias trauliche schwester Schubart ästhet. d. tonkunst 35.
4) wegen seines complexen, gefühlsbestimmten gehalts ist traulich, z. t. in adverbieller function, als erstes glied in zusammenrückungen mit andern adjectiven häufig. zu 1 'zutraulich': traulich-froh:

unserm meister geh! verpfände
dich, o büchlein, traulich-froh
Göthe 7, 258 W.;

von hier nach 3 'gesellig' reicht traulich-friedlich: (ich) erholte mich vom ärger vergangener nacht im traulich-friedlichen verkehr mit den lieben freunden Holtei erz. schr. 38, 223. an 2 grenzt traulich-heimisch: wo so wenig ... reichtum der charaktere, dürfen die situationen nicht so rasch wechseln, denn wenigstens in einem von beiden will zuschauer wie leser traulichheimisch werden O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 381. zu 2 'anheimelnd' und dementsprechend vorzugsweise von örtlichkeiten gesagt: traulich-still:

ihr traulich-stillen täler lebet wohl!
Schiller 13, 187 Göd. (jungfr.);

traulich-ernst: wer Tegel kennt, der wird sich unwillkürlich im lesen an jene traulich-ernste begräbnisstätte zu füszen der hoffnung ... versetzt fühlen W. Scherer kl. schr. 1, 203; traulich-klein:

bis an ein gäszchen, schmal und traulich-klein
Heine 2, 14 Elster;

traulich-heimlich: das plateau des schloszplatzes ... hatte etwas traulich-heimliches H. Laube ges. schr. (1875) 2, 23; anders nur traulich-angenehm: und ich meinte jetzt, es sei doch eigentlich recht traulich-angenehm, wenn das schiff hin und her schaukelt Heine 3, 30 Elster. hierher auch traulich-süsz:

und doch irrt noch mein gang so gerne
um jene traulichsüsze ferne,
wo Höltys saiten, rein und voll,
der dichtkunst silberlaut entquoll
H. Chr. Lindenmeyer ged. (1803) 156.

zu 3 stellt sich traulich-gesellig: als sie ihrerseits alles tat, das traulich-gesellige verhältnis zu erhalten Immermann 6, 180 Boxb.; nur durch das hauptwort hierher gewiesen traulichstill (s. oben zu 2): oder wars der plötzliche übergang aus dem traulichstillen zusammensein mit dem träumenden schneider in die auszergewöhnlich lebhaften gassen W. Raabe Abu Telfan (1870) 70.
 
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traulichkeit, f.
das zum adj. traulich gebildete abstracte substantivum geht in seiner bedeutungsentfaltung, ohne irgendeinen spürbaren zeitlichen abstand, genau mit dem grundwort zusammen,

[Bd. 21, Sp. 1435]


doch beachte einen merkwürdig isolierten, aber anscheinend eindeutigen beleg bei Simon Dach unter 3 a.
1) traulichkeit dient zum ausdruck eines zutraulichen verhaltens.
a) wie beim adj. (s. traulich 1 a) in besondrer prägnanz eine gutmütige offenheit bezeichnend, die zugleich als landeseigentümlichkeit gerühmt wird: und noch neulich ... drückte sich ein mann von bedeutung, der mich sonst liebt, mit schweizerischer traulichkeit hierüber so aus Pestalozzi 13 (1932) 186 krit. ausg.; eltern und kinder (in einem französ. gasthof) schieden von mir mit händedrücken, welche den deutschen und schweizerischen an inniger traulichkeit gar nichts nachgaben Matthisson schr. 6, 322; unser edles land, ... gekränzt mit den einzig grünen wiesen, auf denen so liebe traulichkeit und einfacher sinn wohnt Tieck schr. (1828) 4, 16 (vgl. 3); deutschheit und traulichkeit leiden unter dem neuen ton, so viel vorteile er auf der andern seite hat G. Fr. Rebmann briefe über Jena (1793) 91 (vgl. b).
b) sonst einfach ungezwungenes verhalten im umgang mit menschen: seine miene, seine sprache ... alles war voll eines edlen ernstes, und flöszte, ohne der traulichkeit zu schaden, ehrfurcht ein C. F. Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 61; wie du ... mit der würd eines feldherrn die traulichkeit eines freundes verbandest A. G. Meissner Alcibiades (1781) 4, 42; so wie sie bekannter ward mit jemand, der sie nicht gleich zurückschreckte noch ihr misztrauen einflöszte, gab sie sich ihrer heitern, süszen traulichkeit hin wie ein fröhliches kind E. Höfer auf deutscher erde (1860) 1, 227 (süsze tr. s. im übrigen unter 3 b).
c) traulichkeit in diesem sinne kommt besonders beim grusz und jeder art begegnung zum ausdruck (vgl. traulich 1 b):

und von den alten, treuen geistern unten
mit elterlicher traulichkeit begrüszt,
erforschten sie manch edlen schatzes kammer
Fouqué held d. nordens (1810) 1, widmung a 1b;

dann ging er unter die truppen und grüszte sie mit gefälliger traulichkeit Heinse 3, 362 Schüddekopf; der landgraf erfaszte mit biedrer traulichkeit die hand seines vasallen Musäus volksm. (1826) 5, 13;

da nahte sich
mit kühner traulichkeit mir eine krähe
Pfeffel poet. vers. (1812) 8, 86 (vgl. traulich 1 e);

selten pejorativ: die günstlinge und kreaturen des mächtigen juden traten ihm mit jener lästigen traulichkeit ... entgegen, wie etwa diebe und falsche spieler einem neuen genossen ihrer schlechtigkeit beweisen W. Hauff sämtl. w. (1890) 5, 246.
2) traulichkeit bezeichnet den anheimelnden charakter von gegenständen und örtlichkeiten: die traulichkeit in den bildern van Eycks ist bezaubernd Gutzkow ges. w. (1872) 11, 384; diese stadt (Genua) ist alt ohne altertümlichkeit, eng ohne traulichkeit und häszlich über alle maszen Heine 3, 283 Elster (vgl. traulich 2 c); Pauline hatte sich freilich mehr traulichkeit gewünscht in ihrer stube, die auszer bett, schrank, tisch und stühlen nichts enthielt W. v. Polenz Büttnerbauer 3, 286; die (von petroleumlampen) gelblich beleuchtete traulichkeit der mannschaftsstuben J. Roth Radetzkymarsch (1932) 107 (vgl. traulich 2 d); nach 3 hinüberreichend: ihm selbst verging die zeit unter rüstiger arbeit und in häuslicher traulichkeit und beschaulichkeit Rosegger schriften (1895) I 1, 154; lieblichkeit, und wenn man so sagen darf, freundschaftliche traulichkeit, ist der grundton dieses herrlichen instruments (des waldhorns) Schubart ästh. d. tonkunst 314.
3) traulichkeit bezeichnet einen geselligen zustand wechselseitigen vertrauens.
a) besonders bei ausmalung guter freundschaft:

wie wir nun so lange zeit
immer sind gefunden worden
in der treuen freundschaft orden
und in rechter trauligkeit
S. Dach 839 lit. ver.;

[Bd. 21, Sp. 1436]


schwer gings von Ulm, denn in dieser stadt herrscht eine traulichkeit, die so ganz an den brudersinn der Christusjünger grenzt Schubart briefe bei D. F. Strausz werke 9, 245; zwischen den abenden, in stillbrüderlicher traulichkeit verlebt, leuchteten die stunden in frau Minnetrostens wohnung hell und farbig herauf Fouqué zauberring (1812) 2, 115; in herzlicher traulichkeit erzählten wir zwei waisen einander unsere schicksale J. Gotthelf ges. schr. (1855) 1, 180 (vgl. 1 a); so endigt sich der zwist der freunde in wärmerer traulichkeit Heinse 3, 425 Schüddekopf.
b) das besondere beiwort für traulichkeit als zustand ist süsz: eine süsze traulichkeit war unter alle gekommen Hölderlin 2, 25 Litzmann;

aus den himmeln steigt die liebe nieder,
männermut und hoher sinn gedeiht,
und du bringst die göttertage wieder,
kind der einfalt, süsze traulichkeit! 1, 126 Litzm.;

da kam die mutter wieder und hiesz auch den vater kommen, und da war die süsze traulichkeit wieder davon J. Gotthelf geld und geist (1890) 124;

du sprichst von zeiten süszer traulichkeit
Fouqué held d. nordens (1810) 2, 20 (vgl. c).


c) noch häufiger erscheint in gefühlvollem rückblick die alte traulichkeit (vgl. traulich 2 b): alte bekannte, von denen ich mich vergessen glaubte, näherten sich wieder, als wäre die alte traulichkeit nie gestört worden U. Hegner ges. schr. (1828) 5, 10; die alte traulichkeit stellte sich ganz wieder her F. H. Jacobi werke (1812) 5, 452; man ist scheinbar in alter traulichkeit beisammen D. Fr. Strausz ges. w. (1876) 11, 116; zu seiner gröszten befremdung habe ihn dieser mit alter freundlichkeit und traulichkeit empfangen (zu 1 a) K. L. Woltmann memoiren (1815) 1, 135; mit ähnlichen adjectiven: die vorige traulichkeit, der alte friede kommen zurück W. v. Humboldt ges. schr. (1903) 1, 298; im dicksten regen wandelte ihr alter blauer mantel, wenn es schon dämmerte, scheuen schrittes wie ein gespenst um die stätte früherer traulichkeit O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 207.
4) der plural traulichkeiten bedeutet, etwas spielerisch, soviel wie liebesbeweise, zärtlichkeiten (vgl. traulich 3 c schlusz und vertraulichkeiten teil 12, 1, 1964):

schön ist sie; um unsre traulichkeiten
schwebt ein zedern- und zypressendach
Tiedge werke (1823) 4, 121;

durch die kleinen traulichkeiten maszte er sich schon halb und halb ein recht an Heinse 5, 199 Schüddekopf;

vor der welt nach alter weise
nenne mich Biondette noch,
Aelia Lälia Crispis heisze
mich in traulichkeiten doch
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 416.


 
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traulicht, n., in westdeutschen maa. für irrlicht, literarisch nicht belegt. der erste bestandteil des wortes ist etymologisch dunkel. wahrscheinlich *drugilicht > drûlicht wie Sigevrit > Sîvrit, also eigentlich 'truglicht', vgl. Kehrein Nassau 411 und rhein. wb. 1, 1523. drauliht, tröhliht Follmann lothr. 100; traulicht luxemb. 441; Gangler Luxemb. 454; druwelicht, drüllicht Pfister nachtr. (1886) 57. — siehe truglicht.

 

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1) traulicht
 ... traulicht , n. , in westdeutschen maa. für irrlicht,