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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tätzeln bis taubbeere (Bd. 21, Sp. 161 bis 165)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tätzeln, verb. ein kinderspiel, wo man wechselweise mit den ersten zwei fingern auf die nämlichen zwei finger des andern schlägt. Stalder 1, 271, vgl. W. Grimm kl. schriften 1, 376.
 
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tätzelspiel, n., kärnt. tátzelspiel, ein spiel für zwei kinder: das eine nimmt ein los in eine hand, schwingt dann die hände herum und reicht sie dem andern kinde mit der frage hin 'wintel wantel, wölla (welches) hantel?' das andere antwortet erratend 'titz tatz, das do hats'. Lexer 54.
 
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tatzen, verb. mit den tatzen schlagen Rädlein 868a; betatzen, mit tatzen versehen:

die gestalt der wahren sphinx
weicht nicht ab von der des weibes;
faselei ist jener zusatz
des betatzten löwenleibes.
H. Heine 18, 322.


 
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tätzen, verb., schweiz. wenn man auf dem eise läuft, eins das andere einholt und mit seinen schuhen an die schuhe des andern anschlägt (tätzt), figürlich einem so antworten, dasz er nichts mehr darauf zu sagen weisz. Stalder 1, 271.
 
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tatzenschlag, m.: die werthen gelehrten von der Berliner akademie gleichen in dem bericht (über die fälschung der handschriften von Arborea) ganz dem bergleuen des Homer, welcher einem schlechten köter im vorbeigehen ruhig den vernichtenden tatzenschlag versetzt, und dann edlerem wild nachjagt. Freytag ges. werke 16, 389.

[Bd. 21, Sp. 162]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tatzfusz, m. tatze als fusz, bärenfusz; eine person mit einem breiten, plumpen fusze Campe, vgl. schweiz. idiot. 1, 1094; davon tatzfüszig 'der dicke füsze hat wie ein bär' Rädlein 868a.
 
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tätzlein, n. , demin. zu tatze, vgl. DWB tätzchen.
1) zu tatze 1 und 2 (meist ohne verächtlichen nebensinn): und so er fragen würd, was will mein ketzlin, so antwurt, carnem in carnarium meum, ein fleischlin in mein tätzlin. Bebel facet. (1558) D 7b;

da ist nichts über geblieben
von der ganzen gans, als ein tätzlein,
das kriegen dort hinten die kätzlein.
Rückert 1, 423;

mer haben die Schweizerknaben
der landsknecht basz gedacht,
wie sie krumme dätzlein haben (s. DWB krumm II, 1, b, α).
Uhland volksl. 475;

wer den andern hat verletzt, lang dem andern das detzlin. Fischart Garg. 94b; bair.-östr. tátzel pfote, kinderhand Schm.2 1, 634. Lexer kärnt. wb. 54.
2) was handtätzlein Stieler 2260. Schm. a. a. o. Stalder 1, 271 (auch käppchen an einem weiberhandschuhe, das man zurücklegen oder worein man alle fünf finger schieben kann).
3) zu tatze 4 Stalder a. a. o.
 
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tau, s. DWB thau.
 
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tau, n., im 16. jh. aufgenommen aus nd. tau seil, schiffsseil, funiculus Trochus Q 4b, funis Schottel 1429. Bobrik 686b (auch eiserne taue oder kettentaue Schedel waarenlex. 2, 575a); mnd. touwe tow tou (= mhd. zouwe in gezouwe, von ziehen), jegliches gerät, besonders schiffsgerät, speciell tau (nnl. touw) Schiller-Lübben 4, 595b; altn. taug strick, seil, dän. toug; den oberd. mundarten ist das wort fremd geblieben: getheertes tau Jacobsson 4, 378a; taue des groszen mastes u. s. w. 379a; da ist weder tackel noch tau am rechten orte. Wieland Lucian 2, 414;

er theilt die wogen,
bis er das zugeworfne tau ergriff.
Uhland 2, 271;

es hängt mein schiff an seinen starken tauen
in einer bucht.
Platen 3, 298;

ich kappe jetzt das tau (ankertau),
wir stoszen ab.
Tieck Ant. u. Cleop. 2, 7;

bildlich:

das heilge tau des glaubens ist zerrissen,
das diese welt an ihren gott gebunden.
Lenau 2, 225.


 
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taub, adj. goth. daubs, ahd. toub doub, mhd. toup toub; altn. douf, mnd. dôf, altn. daufr, ags. deáf aus derselben wurzel wie tob (toben) und dumm. vgl. gramm. 2, 19. Schade2 947b. Kluge4 351b. Feist nr. 118.
taub drückt im allgemeinen ein stumpfsein oder abgestorbensein der sinne oder eines sinnes aus, worauf die verschiedenen, nicht immer genau auseinanderzuhaltenden bedeutungen zurückzuführen sind.
1) nicht hören könnend, gehörlos; im engeren sinne nicht hörend oder nicht hören und verstehen wollend (verstockt), surdus, surdaster Dief. 568c; in den oberd. mundarten ist das wort in dieser bedeutung nicht üblich, sie gebrauchen dafür thör, thöricht, thörisch (vgl. 3), s. Schm.2 1, 579. Lexer kärnt. wb. 65. vgl. DWB dumm 5.
Zunächst nachweisbar ist im goth. Marc. 8, 17 (und nur an dieser stelle kommt das wort vor, während sonst für die begriffe taub und stumm das adj. bauþs gebraucht wird) die engere bedeutung von verstockt, verblendet (griech. πεπωρωμένος, lat. caecatus): unte daubata habaiþ hairtô iʒvar (plint cod. Tepl., verblendet bibel von 1487, verstarret Luther); ahd. thû toubo inti stummo geist (surde et mute spiritus). Tatian 92, 6; thô brâhtun zi imo touban inti stumman (surdum et mutum). 86, 1;

blinte joh ouh doube ...
ouh thara zi imo quâmun.
Otfrid 3, 9, 7;

mhd. wær wir alle blint oder toup. Parz. 290, 20;

nhd. so doch taub und stum sein seint natürlich bei einander. Keisersb. pred. 58b; er hat die tauben gemacht hören. post. 3, 73b; der dem touben sein oren uffthet. 74b; du solt dem touben nicht fluchen. 3 Mos. 19, 14; du sprachloser und tauber (ungehörender cod. Tepl.) geist. Marc. 9, 25; die tauben macht er hörend. 7, 37; las erfur treten die tauben (die gottes wort nicht hören wollen), die doch ohren haben. Jes. 43, 8; aber er sagt hiemit dem dauben ain merlin, wie man spricht. Zimm. chron.2 3, 141, 16; taub gebohren sein. Butschky Patm. 698 (481);

so lud vor einen tauben richter
ein tauber einen tauben vor.
Hagedorn 2, 144;

der ton (einer säge), welcher auch den taubsten erwecken kann. Immermann Münchh. 2, 80;

[Bd. 21, Sp. 163]


(er wird) alle hart verstockten tauben
seines lieben worts berauben.
Ringwald l. w. 335;

taube ohren (taub an den ohren), die nicht hören, oder die nicht hören und verstehen wollen: mhd.

diu touben ôren er entslôʒ.
Diemer ged. des 11. u. 12. jh. 325, 6;

den stummen unde den tôren mit den touben ôren
... pin ich pildende. Milstätter exod. 129, 29;

si darbent alle der gesiht
und sint ouch an den ôren toub.
Konrad Silv. 2196;

nhd. die oren taub von sausen.
Gryphius trauersp. 292 P.;

die zeisige haben
das ohr mir taub gezwitschert.
Klopstock od., krit. ausg. 2, 4;

leute, die, taub an dem zweiten ohre, alles nur mit halbem hörten. J. Paul flegelj. 1, 32;

der höchste, wenn er schlägt, hat oft ein taubes ohr,
doch iederzeit ein herz, das unsre streiche fühlet.
Günther 814;

das ohr der majestät ist selten taub:
nur unsere stimme meist zu schwach bis dahinauf zu reichen.
Göthe 10, 60;

vergebens such ich ihn zurück zu halten,
sein ohr ist taub, er hört nur seinen schmerz.
Schiller 13, 452 (Turandot 4, 3);

tauben ohren predigen, singen, s. DWB ohr III, 1, d; einem tauben ein lied singen, eine vergebliche arbeit thun Eyering 2, 48. 193. Übertragen auf dinge und abstractionen:

soll ich mein liebes-klagen
nur tauben lüften sagen?
Stoppe ged. 2, 48;

ach! wem vertrau ich diesen jammer?
der freien luft, der tauben kammer?
Günther 1177;

schon hab ichs (meinen jammer) tauben felsenwänden zugewinselt, aber ein holer wiederhall äffte meine klagen nur nach. Schiller 2, 167 (räuber, schausp. 2, 5);

zum tauben himmel fleht ihr glühend ange sicht. 6, 366;

murren wider ein taubes ohngefähr, wider einen blinden zufall. Lessing 1, 400;

so legt die taube noth ein doppelt laster
mit ehrner hand mir auf.
Göthe 9, 71 (Iphig. 1707 Weim.);

sinnlich und verstockt,
ins gegenwärtige verschlossen, fühlt
der mensch das nächste wohl, das nächste weh,
und liebe selbst ist in der ferne taub. 9, 317 (nat. tochter 1469 Weim.);

oft sind mir selbst die züge der liebsten freundschaft todte buchstaben, wenn mein herz blind und taub ist. br. 343 (2, 274) Weim.;

die mit taubem herzen ihn fragen.
Schiller 11, 189;

mit dem dativ der person:

Agrippina. lasz mein flehn, die thränen dich
bewegen, sei nicht taub der hülfsbedürft'gen.
Tieck 3, 341.

Das, worauf man nicht hört und achtet, steht im dativ oder ist präpositional gefügt: mhd.

er was maneger rede toup,
die man rette wider in,
sô sêre betruobet was sîn sin. Eraclius 3028 Graef;

nhd. er wird dem beifall taub, den das gewissen giebt.
Hagedorn 1, 45;

taub dem sanften falle des baches.
Klopstock Mess. 17, 379;

(er war) taub seinem strafgericht.
Wieland der neue Amadis 3, 19;

sei ihrer bitte taub!
Gotter 2, 180;

ob sie, jeder bitte taub,
freveln soll an ihrem volke.
Platen 1, 142;

dem frieden taub, berennt mit scharfem stahl
er die entschloszne brust Mercutios.
Schlegel Romeo u. Julia 3, 1;

unerbittlich, wie sie (die kerkerwände) stehen
taub und stumm bei allem flehen.
Göthe 10, 567 H.;

dann wirft der für alles flehen
taube tod auf uns die faust.
Brockes 9, 570;

nur in Plutons grausen landen
hätten mit der brust von erz,
taub für lust und taub für schmerz,
unholdinnen widerstanden.
Bürger 73b;

er ist ein mensch, er kann nicht taub für menschheit sein.
Gotter 2, 432;

wäre dein ohr nicht für die wahrheit taub. Göthe 39, 343;

ein jeder schlägt und wird geschlagen,
und für's commando bleibt man taub. 41, 12 (Faust 4814 Weim.);

(er ist) für unser bitten taub.
Platen 1, 144;

der gegen alles flehentliche bitten taub gewesen ist. Mendelssohn an Lessing 13, 16; wenn auch euer herz gegen

[Bd. 21, Sp. 164]


alle edle empfindungen taub wäre. Klinger 4, 27; (du zwingst mich,) dasz ich taub gegen alles schicksal werde. Göthe 8, 289; taub gegen die wiederholten befehle des kaisers, blieb Wallenstein müszig in Böhmen stehen. Schiller 8, 264; taub zu schon mhd.: ist, daʒ biʒ her ûwer ôrn toub wârn zû gotis stimme. Schönbach altd. pred. 1, 296, 11; zû allen disen dingen weset toub. 32, 15; nhd.

mein sinn, zur freude taub, von unglück dumm getroffen.
Haller 180 Hirzel;

er war zu unsrer bitte taub.
Lessing 2, 196 (Nathan 1, 1);

doch unser schalk vor freude
war taub zu ihrem leide.
Bürger (1778) 142.


2) ohne gefühl und empfindung, betäubt, dumpf, vgl. DWB dumm 2: mhd.

dan hân ich getrunken und geʒʒen,
biʒ ich mîn selbes hân vergeʒʒen.
waʒ bringest du aber wider?
toubeʒ houbet und müede glider. Renner 9637;

nhd. es ist mir wieder so taub vorm sinn, so gar dumpf. Klinger theater 2, 270; tauber fusz u. dergl., der eingeschlafen ist; bair. matt, still, niedergeschlagen (zunächst vom vieh) Schm.2 1, 579.
3) nichts empfindend oder denkend, stumpfsinnig, närrisch, dumm, absonus Dief. 5b, vgl. DWB dumm 1: mhd.

ir wunne macht mich touben, daʒ mir sinne brist.
Hadloub 30, 13 Bartsch;

des wâren sîne sinne toup.
Konrad tr. krieg 21333;

er lieʒ alsam ein toubeʒ huon
daʒ waʒʒer vallen von der hant. Engelh. 1978;

swer des niht merket, derst toub und unfruot.
Lichtenstein 408, 5;

tôrscher touber esel.
U. v. Langenstein Mart. 150, 74;

frühnhd. taube narren. Meisterlin 87, 16; der kaiser lacht des tauben mans. 27, 28; wortspielend:

und wer er nicht vil tauber gewesen
als alle dauben, die wir essen.
Fischart 2, 276, 32 Kurz.

taub an: mhd.

er ist an allen sinnen toup. buch der rügen 795;

sô was ich an den witzen toup. Parz. 475, 6;

die wilden junges muotes
an der bescheidenheite sint
sô toup und alsô rehte blint,
daʒ guotiu rede und edel sanc
si dunket leider alze kranc.
Konrad tr. krieg 144.

mundartlich schwer begreifend, dumm, einfältig (vgl. thöricht, thörisch) Schm.2 1, 579. Spiesz henneb. idiot. 252.
4) adj. und adv., unsinnig, närrisch, toll, tobend, wütend, zornig, amens, insanus Maaler 399a. Stalder 1, 291. Schm. a. a. o., vgl. dumm 4:

von seinem (des teufels) gewalt so wert ir taub.
Kummer Erlauer spiele 5, 403;

ir machtend mich sunst toub im houpt.
N. Manuel Elsli v. 210;

singen und lesen tag und nacht
hat mich und ander schier toub gemacht. todtentanz 30;

man bindt ein touben nun (nur) darumb,
das nit gröszer schad von im kumb. rychstag 859;

der ist in einer krankheit taub (wahnsinnig) worden. Paracelsus 1, 650a; in tauber weisz, furiose Maaler 399b; einen taub machen, aliquem in furorem agere Aler 1874b; also das sie den burgenmeister schier taub machten. Wickram rollw. 50, 22 Kurz; da er so daub und tobend rüffet. Fischart Garg. 106b;

noch schreien sie so daub und doll. Domin. 3843;

ein douber (toller) hundt. S. Brant 95, 51; ein gans, von einem tobenden hund gebissen, wird nit taub. Heuslin Gesners vogelbuch 56b (wird nicht tobend Horst 129); und das jung füllen zuletzt anfängt, wild und taub hinten auszuschlagen. Toggenburg 79;

schau an ... des tauben (wilden) meeres wogen.
Gryphius trauersp. 714 P.;

der natur
unbänd'ge taube kräfte (später tobende elemente).
Göthe 11, 258,

doch kann diesz beispiel auch zu 1 (übertragen) gehören.
5) tobend und dadurch betäubend:

hört man so wildes knallen
und taubes donnern nicht.
Tscherning (1642) 138;

tauber lärm erfüllet weit
des himmels raum.
E. v. Kleist 2, 70;

ein tauber schmerz sasz in meinem herzen und dehnte sich immer weiter und weiter aus, als wenn er das herz und die brust zersprengen wollte. Tieck 7, 295.

[Bd. 21, Sp. 165]



6) was nicht oder worin nichts empfunden oder wahrgenommen wird: abgestumpft, abgestorben, verdorben, inhaltlos, gehaltlos, unfruchtbar, leer, hohl, öde, wertlos, nichtig. vgl. DWB dumm 8.
a) von sachen: mhd.

dane sihe ich ie nimêre
niwan ein toup (ödes) gevilde
und wüeste unde wilde. Trist. 2505;

sô wirt von ir (nachtigall) daʒ toube
gevilde lûte erschellet.
Konrad troj. krieg 198;

die tôten von den orsen risen
als ab den boumen gelweʒ loup,
daʒ dürre ist worden unde toup. 12526;

swâ ê lac vil toup diu heide. minnes. 1, 112b;

(es) vert durch manigen touben walt. 3, 49a;

dâ wâren toube wînreben. passional 184, 61;

miltou grüeneʒ loup machet toup.
Frauenlob frauenleich 13, 3;

er sach an ainem halm ... süben clainiu und toubiu äher (dürre ehren 1 Mos. 41, 23). Grieshaber pred. 1, 98; toubes holz weisth. 4, 106 (15. jahrh.), vgl. DWB taubholz; nhd. Zacheus stig auf einen touben (unfruchtbaren, wilden) feigbaum. Keisersberg pred. 142a; davon das korn .. taub und leichte ward. V. Rudolph zeitbüchlein (Erfurt 1586) Q 3b; wie die ledigen hülsen oder taube nüsse (s. DWB nusz I, 1). Luther 6, 53a; so achtete ich hochachtung oder geringschätzung ... meiner zeitgenossen nicht eine taube nusz. Wieland Mercks briefs. 1, 161;

gleichwol galt
es (das spiel) keine taube nusz.
Lessing 2, 258 (Nathan 2, 8);

ein menschenfeindlicher vater erzeugt sich gewiss eine taube hülse in seinem sohn. Thümmel reise 1 (1791), 75; sie lesen jetzt nur dürftig nach, und sammeln taube früchte. Sturz 1, 97; taube eier, taubes korn, taube ähre, tauber hafer gerste u. s. w. Stieler 2261 f. Rädlein 868b. Frisch 2, 363b, taube blüthen J. Paul 40, 95 (bisweilen verkümmern staubfäden, griffel und samen und dann sind es taube blüthen, flores neutri. Oken 3, 713); sich die tauben haare ausraufen. 5, 12; taube nessel, die nicht brennt, s. DWB nessel 2; bergmännisch taubes gebirge, taubes erz u. s. w., das keine nutzbaren mineralien enthält, unhaltig ist Veith 488 f.: und zeug es (das kupfererz) in einem sichertrog zu schlich, das sich das taube und leichte gebürg (gestein) vom reinen schlich und kupfererz abscheide. Erker 95b; solche taube oder leere arten (kobalt u. a.) Mathesius Sar. 25b; ein gottlose stadt ... die ist ein haufen tauber schlacken. 101b; der quarz des flötzes ist durchaus taub. Göthe 51, 109; taubes gestein 114. 27, 27; wir haben so tief in das wesen der dinge geforscht, dasz wir endlich auf tauben sand gerathen sind. Sturz 1, 199;

dieser öde (genetiv) tauber flugsand.
Immermann schriften 4, 385;

die erze ... sich verstecken
in tauben kiesz.
Rückert 1, 167.

von klang, farbe, glanz: taube stimm, vox rauca Aler 1874a; taubes wetterleuchten (ohne donner) J. Paul Tit. 2, 240; er schaute noch immer mit tauben (glanzlosen, matten) augen nach der höhe. flegelj. 1, 78; nicht diesen finstern tauben blick der muthlosigkeit. Lenz 1, 221; öd, einsam, taub ists droben über den sternen. Schiller 2, 181 (räub., schausp. 5, 1).
b) von abstractionen: mhd.

zur werlde nam er urloub,
wande ime was ir liebe toub (erloschen, abgestorben). passional 143, 59 Hahn;

des wart der cristnen vroude toub.
Jeroschin 3944;

wand al ir trûren was nû toub. 8151;

nhd. bisz der tolle schandenwinkel (die erde),
drinnen blinder willen herrscht und ein tauber eigendünkel,
fühlt den letzten donnerschlag.
Logau 1, 8, 61 v. 22;

es seind lauter taube händel und blaue endten. Aler 1874b; die unfruchtbarkeit der tauben gegenwart. J. Paul flegelj. 1, 144;

ich halt zwar, das ein solcher glaub
ist nur ein laut, gantz öd und taub
wie eine nusz, welch der wurm gestochen.
Waldis Es. 4, 46, 42.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
taubbeere, f., auch taubenbeere, die blaue heidelbeere (eine lieblingsspeise der wildtauben) Schm.2 1, 580, taubenbeere Nemnich 2, 1176; meklenb. daubenbeer, preisselbeere Pritzel-Jessen 424a.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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