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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sud bis sud (Bd. 20, Sp. 912 bis 918)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sud, m. (und f.), das sieden; siedendes, gesottenes. nomen actionis zu sieden. grundform *sudi- in ags. syde 'decoction', mnd. sode (wenn gleich söde) sud, sieden, soviel man auf einmal kocht, siedet'. das von Fick 4 443, Falk - Torp 940, Holthausen aengl. etym. wb. 339 angeführte ahd. sut ist nicht zu belegen. mhd. nur vereinzelt nachzuweisen: sut 'das gekochte' (12. jh.), suot (d. i. sut) 'das wallen' (14. jh.) s. u. 2 c und 1 e; häufiger erst seit dem frühnhd. des 15. jh., vgl. sudt 'bullitus' Diefenbach gloss. 84b sowie unter 1 b. seit dem 19. jh. ist sud auszer in poetischer und fachsprachlicher anwendung in der schriftsprache ungebräuchlich geworden. mundartlich hauptsächlich obd. erhalten: Staub-Tobler schweiz. id. 7, 324; Fischer schwäb. 5, 1949; Martin-Lienhart elsäss. 2, 328a; Hügel Wien. 161; Bacher Lusern 400 u. a. md. und nd. nur vereinzelt verzeichnet: Müller-Fraureuth obers.-erzgeb. 2, 587; süət Woeste-N. westf. 261b; sûd Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 253a. — als fem. erscheint das wort nur sporadisch, aber sowohl in älterer wie in jüngerer zeit; vgl.: von der ersten sudt Fischart Gargantua 254 ndr.; unter wehrender sud v. Lori samml. d. baier. bergrechts 391c; die sud verdampfet H. Heine 1, 444 E.; tolle sud ebda; einer sud J. Blau Böhmerw. hausind. 1, 113. Schmeller-Fr. 2, 229 weist zweifelnd auf den fem. gebrauch neben dem masc. hin. vgl. auch unten sude, süde, f.; ein neutrum süd, s. unter 3. — neben überwiegendem sud steht gelegentlich süd: im gemainen süd (1423) v. Lori bergrecht 25; für ein ieden kesselsüd (1450) österr. weist. 11, 390; ein einem süde Butschky kanzelley (1659) 382; süet, m. Woeste-N. westf. 261b; vgl. noch zss. wie südschaff E. Tucher baumeisterbuch 107 lit. ver. neben sudschaff ebda 303; südofen neben sudöfen, s. unten 4. — plural selten, zumeist süde Kramer 2 (1702) 807b; häufiger in der wendung süde thun, s. u. 1 c; süt Bacher Lusern 400; entrundet siedt, side Fischer schwäb. 5, 1949; daneben etliche sud J. N. Seiz trost der armen (1713) 371; sude Mozin wb. d. frz. spr.4 (1846) 793b und 13 suden J. Blau Böhmerwäld. hausindustrie 1, 113.
neben dem schwundstufigen masc. i-stamm *sudi- steht wie üblich ein a-stufiger masc. a-stamm *sauda- in sod u. s. w. (s. teil 10, 1, 1394) und ein neutr. schwundstufiges compositum in ags. gesod 'coctio', ahd. kisod ds., nhd. gesod (teil 4, 1, 2, 4126) und mit präfixverlust an. sod 'suppe', afries. soth 'brühe'. ahd. salzsuti 'salina, salsugo' (gen. pl. salzsutino gl. 1, 418, 10 u. ö.) beruht wohl als i-(n)-abstractum auf einem nicht belegten sudjan = ahd. *sutten, vgl. bair. sütten 'sieden' Schmeller-Fr. 2, 340; übersüttig ebda, s. auch unten sutte, sütte, f., süttig 'siedendheisz' und die weiterbildung suttern 'im kochen überwallen'. —

[Bd. 20, Sp. 913]


unverwandt sind ags. gesyd 'volutabrum' (von Holthausen falsch etymologisierend mit 'kochplatz' übersetzt), nl. sudde, sodde 'morast', nd. sudde 'sumpf', hd. sutte 'lache, pfütze', sieh dieses wort sowie s. v. 1sudel, m. bedeutung und gebrauch.
1) das sieden, kochen als tätigkeit und vorgang im ganzen, sowie das aufwallen beim sieden, auch als zustand, in dem ein körper siedet; vgl. bullitus sudt (15. jh.) Diefenbach gl. 84b; sud, sod, sot bollo, sbollo; M. Kramer teutsch-italiän. dict. 2 (1702) 807b; sud oder sod ... das sieden, das aufwallen Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1923; sud coctura, bullitus Steinbach 2 (1734) 597; bouillonement nouv. dict. allem. franc. (1762) 884; sud aufkochung Hederich teutschlat. lex. (1777) 2, 2925; Adelung 4, 496.
a) in allgemeiner anwendung: wann dieser stein in ein siedend wasser gelegt werde, so hre der sud alsbald auf Albertus Magnus v. d. geheimnissen d. weiber (1678) 261; dasz wir ... 6 grosze wasserkannen ... auf einmahl nachgieszen können, ohne dasz das wallen des sudes aufgehöret D. J. Chr. Lehmann heitz- und siedemaschine (1719) e 2b;

tolle sud! der deckel springt
H. Heine 1, 444 Elster;

in der küche, apotheke bei der zubereitung von speisen, arzneien u. dgl., vgl. DWB sud 'heiszt das aufwallen, welches das feuer bei flieszenden dingen verursacht, wenn man sie kochen läszt' Amaranthes (1773) 3416: welche (datteln) den sud nit dulden mögen von wegen jrer zartigkeyt W. H. Ryff confectbuch u. haussapoteck (1548) 138b; so nam er alsdan die morgensup ein ... feiszte hennensüpplin ... matzisprülin von der ersten sut Fischart Garg. 252 ndr.; die fünfften speisen seyn die jenigen, so einen stärkern zusatz ohne einige oder ohne sondere kochung haben ... so man in essig oder saltz einmachen ... oder in rauch auffselchen thut, wie vielerley fleisch und fisch, die hernach mit einem oder offt keinem sud gefertigt werden, als etwa die Sachsen den rohen speck Guarinonius grewel (1610) 537; lasset milch kochen mit bonmel oder gebrochtem wissbrot, und wann der sud vollendet ist arzneibuch 1710 bei Staub-Tobler 5, 562.
b) in dieser bedeutung und anwendung alt und fest bei der meist in gröszeren mengen vorgenommenen siedung von bier, seife, salz, metallen und dgl. infolgedessen von jeher häufig in der sprache der gewerke; heute schriftsprachlich fast nur noch als mehr oder weniger technischer fachausdruck üblich, nachdem das wort in allgemeiner anwendung seit dem ende des 18. jh. ungewöhnlich geworden ist: item hat er (der hofmeister) nit ain gedingten knecht, der da seut, so muesz er (beim krautsieden) ain pestellen, und sein von iedem süd 2 D des hofmaisters und der dritt D ist des kesselknecht (1450) österr. weist. 11, 390; auch z jeder sommer- und winterzeit dem pier sein gebürliche sud und kielung geben bair. lanndtordnung (1553) 88b; so offt ein sud im brauhause geschiehet und das bier gevaszt ist v. Hohberg georg. cur. auct. 3 (1715) 1, 55b; bei stärkeren bieren ... dauert der sud ... 3-4 stunden Karmarsch-Heeren (1876) 1, 485; wir sprechen auch, das der ... brobst ... vnd sein nachkommen bröbst nun hinfür zu ewigen zeiten bey dem salzsieden zum Schellnberg jr sudt anheben vnd ausleschen mügen (1458) v. Lori baier. bergrecht 52; auch sullen sie in gemainen süd und sonst in dem jahr, wan man mit säubern nicht genöttigts ze schaffen hat, eisenwerch und clasterwerch würchen lassen (1423) ebda 25; wann ein pfann unter wehrender sud rinnet (1614) ebda 391; (sie) sahen schürfen, weschen ... salpetersud, alaunsud, kupferwasserscheid Fischart Garg. 295 ndr.; sod, sud 'die siedung einer mit einem salzigen körper geschwängert oder angefüllten lauge als der vitriol-, alaun-, salpeter-, kochsalzlauge, aschenlauge. coctio lixivii' bergmännisches wb. (1778) 506; (der salpeter) musz dreymal abgesotten oder geläutert und gebrochen werden ... der erste sud giebt den rohen salpeter, der zweyte den glänzenden ... v. Eggers neues kriegslex. (1757) 2, 1064; so bereits 1529: salpeter der vor eynmal

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geleuttert ist, in dem anderen sudte z leuttern büchsenmeysterey c 1a; daher als feste technische bezeichnung salpeter vom ersten sud oder roher salpeter J. G. Hoyer allg. wb. d. artill. (1804) 2, 2, 12; Liebig hdb. d. chemie (1843) 354; Karmarsch-Heeren3 8, 167; salpeter vom zweiten sude, ... salpeter vom dritten sude Prechtl 12, 232; das sieden (des vitriols) zerfällt in zwei perioden, den vorsud und den garsud. durch den vorsud (rohsud oder läutersud) wird die lauge bis zu 18 oder 20 procent gehalt abgedampft Prechtl techn. 5, 33; ebenso: sod, sud der seife 'so wird die ganze verrichtung des siedens der reife genannt' Jacobsson 4, 181b; Muspratt chemie (1900) 7, 1433; war die aus dem ersten sude kommende seifenmasse ... nicht genügend rein ... so musz die seife erst gereinigt werden Karmarsch-Heeren3 8, 167; dann wird er (zuckersaft) von dem letzten sud in hölzerne kühlbottiche geleitet, wo er schon anfängt zu körnen Schedel waarenlex. (1834) 2, 738. zur fachsprachlichen verwendung des worts vgl. noch: sud '(färber) die wolle zur annehmung einiger farben vorbereiten' Jacobsson 1, 58, vgl. DWB ansud; sud 'das kochen gewisser wollener zeuge, wenn sie vom stuhle kommen' encyclop. lex. (1803) 9, 98; zum versilbern durch sud kann eine kochende lösung von weinstein, kochsalz und ⅙ chlorsilber dienen ebda 7, 1659. in der glasschmelze: das durchschnittliche ergebnisz einer sud war 1, 66 zentner J. Blau Böhmerwäld. hausind. 1, 113.
c) vom zustand des siedens (vgl. Voigtel wb. 3, 384a; Martin-Lienhart elsäss. 2, 328a) meist in präpositionaler fügung: dieses musz zusammen abgekocht, und dann abgeseiht, hernach wieder gewrmet, und wann es nahe beim sut ist, ber den tabak gegossen werden J. Balde die truckene trunkenheit (1568) 173; das wasser ist noch im sude aqua adhuc igne effervescit Steinbach dt. wb. (1734) 2, 597; dasz ein ei weich zu kochen, so lang im sud gelassen werden musz, bis man 3 ave Maria gebetet E. Weigel zeitspiegel (1664) 5; also schnell ist diese matery erhertt worden und als ein corpus gefallen, das auch sein anzeigen ist, mit seinen bucklen und formen, dasz er in allem sudt gestanden ist und auffbleen und im selbigen erkaltet Paracelsus opera (1616) 2, 101; ... damit der kessel in stettem sudt ... bleibt L. Ercker beschr. aller min. ertzt (1580) 128a; aber diese linde unnd langsahme kochung erfordert eine längere zeit, als diejenige welche stetig in vollen sud geschicht Glauber libellus dialogorum (1663) 72; in einem sud sieden lassen Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 807b; das wasser siedet in einem sude fort 'ununterbrochen' Adelung 4, 496; den thee soll man im sude trinken, d. i. während er noch siedet Steinbach (1734) 2, 597; so auch: aus dem sude essen, trinken Kramer 2 (1702) 807b; Adelung; aus dem sud kommen aufhören zu sieden Kramer (1719) 2, 210; e grumbeer uss em sudd nemme Ch. Schmidt Straszburger ma. 107b; schwäb. grumbira ... jetz sind se sein leibessa vom sud weg J. Nefflen d. orgelmacher (1845) 262; d suppn kummt grad vom sud Hügel Wiener dial. 161.
d) z. t. in fester verbaler verbindung: ingleichen in was für zeit es (das fasz voll wasser) geheitzet und zum sude gebracht, wie lange es unverändert im sude erhalten und was für eine quantität wasser auch würcklich eingesotten würde J. Chr. Lehmann zweymahlige auffweiszung einer heitz- und siedemaschine (1719) s. a 2b; e 3a; sie bemühen sich, dasz derselbige (reis) eben auf den mittag in sud gebracht werden möge Chr. Arnold offne thür (1663) 377; das wasser in sud bringen Kramer (1719) 2, 210; Fr. Nicolai österr. id. (1781) 135; einen topf, das wasser zum sude bringen Adelung 4, 496; Braun orthogr.-gr. wb. (1793) 251a. vorwiegend der älteren sprache gehört die wendung an einen sud tun lassen 'aufkochen lassen'; s. auch die belege bei Fischer schwäb. 5, 1949: thue kleine rosinlin darzu und sovil weins, als man bedarff, lass ein sud thn Seutter hippiatria 52; den khl einen sud thun lassen Kramer d. neue dict. (1678) 1032a; setze es (sauerkraut) zum feuer, damit es einen sud thue Amaranthes (1715) 19, 125; man musz den syrup wieder

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sieden ... es darf aber täglich zweymal nur einen einigen sud thun v. Hohberg georg. 1 (1682) 218a; nim granatäpffelschelffen ... vnd geläutert honig ... lasz in einem viertheilen roten weins ein guten sudt thun Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 150; Seuter roszarznei (1599) 51; v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 233; vgl.: ə sud mochn 'sieden lassen' Blumer nordwest.-böhm. 79. so auch pluralisch, wobei sich gelegentlich die nebenvorstellung des beim sieden aufsprudelnden wassers einschiebt: lass ein drey siedt thuen medicin. quelle von 1571 bei Fischer schwäb. 5, 1949; nimm lebendigen schwefel ... stosze dieses zu pulver, welches man mit 8 maasz flieszwasser etliche sud thun lasse J. Nic. Seiz trost d. armen (1713) 371; das wasser etc. ein par süde thun lassen Kramer 2 (1702) 807b; Amaranthes (1773) 1733; Adelung 4, 496; də patátn (kartoffeln) machən nō zwia süt Bacher Lusern 400. mundartlich vgl. noch: də patátn gäbm an ən sut (brodeln) ebda; s wassr hat gəheft ən sut (ist aufgewallt) ebda; den süet drüawer gn lten ('gusz siedenden wassers beim gemüse kochen') Woeste-N. westfäl. 261b; vgl. DWB den söde woröver gahn laten 'etwas nur aufsieden lassen' Richey id. Hamburgense (1755) 277; Schütze holst. 4, 154. auf den siedevorgang als ganzes bezogen: einem jeden burger ist erlaubt drey sde zu thun a ciascun habitante è permesso di far trè cotte (brassate) di birra Kramer 2 (1702) 807b, d. i. jeder bürger darf im jahre 3 mal brauen, auf jeden bürger kommen jährlich 3 süde, vgl. Campe, Heinsius, s. auch Adelung; er (glasschmelzer) machte 1862 ... 13 suden ... zu deren jeder er drei bis 4 tage brauchte Blau Böhmerwald. hausindustr. 1, 113.
e) übertragen und bildlich; vom aufbrausen einer woge, eines sees, vom wallen des feuers:

der marner sach einen suot
verre dort her walgen
Heinrich von Neustadt Apoll. 1288 Strobl,

dafür einen duz 1283 Singer;

leicht konnte der geist ja
zornig im grund aufwühlen die wasser und über die ufer
treiben in sud und dampf den gewaltigen see
Mörike 1, 252 Göschen;

sie (feuerquelle) siedet auf vom tiefsten schlund ...
wallt wieder auf in glut und sud
Göthe I 15, 56 W. (Faust 5925);

vom aufwallen des blutes, vgl. DWB sieden 2 a: davon (vom zorn) das geblütte erhizt, als in einem süde üm das herze aufgetriben in di euszerliche glider ausgeteilet wird Butschky kanzlei (1659) 382; von innerer erregung, vgl. DWB sod 3: im sud sein von hitzigen jünglingen und jungfrauen (a. d. j. 1659) bei Staub-Tobler 7, 324;

Tehemtens herz geriet in sud,
er brüllte, wie ein löwe tut
Rückert Firdosi (1890) 1, 367 Bayer.

'aufregung' Fischer schwäb. 5, 1949; den sud haun 'schlechter laune, verstimmt sein' ebda. von chaotischen zuständen:

hört an
wie gott der herr die welt begann ...
noch immer braust es. gift und schaum
durchströmt die zeit, verschlämmt den raum;
soviel es dessen sich entlud,
steht es noch immerfort in sud
Thümmel reise i. d. mitt. prov. (1791) 5, 95;

es ist nicht zu verkennen, dasz ... man den hexenkessel, in dem man mit gewalt diese zeit wieder jung kochen will ... bei lustigem feuer ... fleiszig im brodelnden, qualmenden sud erhält Görres ges. schrift. 4, 171; was in jener periode sich besonders geltend machte und die gärung bis zur kochenden sud steigerte, waren die polnischen und rheinbayrischen vorgänge H. Heine 7, 83 E.
f) gelegentlich vom schmerzhaften, brennenden gefühl in der brust und im hals, vgl. das üblichere sod 4 u. sodbrennen: sud, 'm., wann es einem umb das hertz seud und essigt, mal de coeur' Hulsius (1616) 316a; dolor cordis seu gulae Stör (1663) 472; Schottel 1416; der sud plaget mich j'ay mal de coeur, qui m'afflige Hulsius (1616) 316a, laboro dolore gulae Stör 472; sud in dem halsz des menschen Duez dict. germ.-gall.-lat. (1664) 505a; der geruch,

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so man das fleisch brattet, in sich gezogen, benimpt den st und brinnen des magens W. Ryff thierbuch Alberti magni (1545) f 1a.
2) in den siedevorgang wird der siedende körper mit einbezogen.
a) als mengen- und maszbezeichnung, 'sud, soviel als von einer sache auf einmal gesotten wird' Adelung 4, 496, besonders handwerklich und technisch, s. bergmänn. wb. (1778) 543; F. Richter berg- u. hüttenlexikon (1805) 2, 482. vgl. in gleicher bedeutung sod 7, gusz II 2: ein sud (gebräu) bier Kramer hoch-niderteutsch (1719) 210; 'ein gebräude in einigen gegenden' Adelung 4, 496; Anton Oberlausitzer wörter st. 13, 12; Martin-Lienhart elsäss. 2, 328a; Staub-Tobler 7, 324; ein sud meht Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 807b; ein sud seife Kramer a. a. o.; Mozin wb. d. frz. spr. (1856)3 4, 793; vgl. auch söd zuckermasse, die auf einmal gekocht wird C. Schumann Lübeck 61; sud 'was man auf einmal an butter oder fett einschmilzt'; in Zürich ebenso vom hafer, der gesotten und gedörrt wurde, ehe man ihn zur mühle brachte Staub-Tobler 7, 324, was beim metzger auf einmal gesotten wird ebda; ein sud fische ein gericht fische Adelung.
b) sud ist der siedende körper selbst, die flüssigkeit im zustande des siedens:

gott sei dank! die sud verdampfet
in dem kessel, der allmählich
ganz verstummt
H. Heine 1, 444 Elster;

eine bäuerin ... hatte einen kessel mit anke, welche sie auslassen wollte über dem feuer hangen. der kessel war gerade halb voll sud Grimm deutsche sagen3 1, 228; den zerstörenden dämpfen des sudes (d. i. zuckermasse) ausgesetzt Westermanns jahrbuch 3 (1858) 634a. für den strom siedend heiszen blutes, ital. bollore vermiglio:

so gingen wir am rothen sud von hinnen,
aus dem die rotte der gesottnen schrie
Streckfusz Dantes hölle (1824) 130.

von metallischen körpern und dgl. in flüssigem, siedendem zustand: so schütt der stern ein sudt herausser in den lufft, derselbig auswurff facht an zu donnern Paracelsus opera (1616) 2, 104 Huser; ich habe oft in den bergwerken, wo das silber geschmolzen wird, mit sehnsucht geharrt bis der glänzende sud hervordringt; man nennt es den silberblick Brentano ges. schr. 8, 123;

dein stab ...
ich tauch ihn rasch in sud und glut
Göthe I 15, 49 (Faust 5741);

ich könnte eher in den trichter
des berges steigen, wo ein dichter,
ein schwefelblauer brodem deckt
roth lavakochen, nicht versteckt
jedoch den sud im abgrundskessel
Immermann 13, 248 Boxberger.

technisch: sud 'die siedende entweder roh oder raffinierte lauge' F. Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 482; sud 'mit gewissen dingen versetztes wasser, worin zeuge von dem färber gekocht werden, damit sie nachher die farbe besser annehmen' encyclopäd. lexik. (1803) 9, 98.
c) die gesottene flüssigkeit als ergebnis des siedens die brühe, lauge, der absud; in dieser bedeutung erscheint der erste beleg für das wort: sut 'das gekochte' in einem arzneibuch des 12. jh., handschriftlich, bei Lexer mhd. hwb. 2, 1328; in zusammenhängender bezeugung seit dem ende des 16. jh.: den bauch zu erwaichen muss man nüchtern die erst prüh oder den ersten sud von kl oder von mangolt oder von pappeln ... trinken Sebiz feldbau (1579) 81; die ... erbsen in reichlichem wasser abzusieden, den sud ... weg zu gieszen C. F. v. Rumohr geist der kochkunst (1822) 124; geistiges getränk ... palmsaft oder gegorner sud von reis J. H. Voss antisymbolik (1824) 1, 56; 'brühe, suppe':

doch speisen magst du wohl?
vom spiesze bring ich den braten.
versuchtest du gern den sud?
für dich sott ich ihn gar
(Siegfried ... schmeiszt ihm topf und braten aus der hand)
R. Wagner ges. schr. u. dicht. 6, 89;

'aufgusz': die schönere (hälfte der gemeinde) sasz ... beim thee ... ein sud aus schlüsselblumen-, holder- und schleeblüte

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Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 1, 367; als 'heilkräftiger zaubertrank':

zwar man raunt von wilden weibern,
die mit sud und segensprüchen
rettung bringen kranken leibern
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 201;

du (eine hexenartige alte) willst mir die Marie Ev verschaffen ... ? ... koch deinen sud für andere! P. Dörfler d. notwender (1934) 102. bildlich: fast zu viele fermente in dem episch-tragischen sude (unseres buches) W. Raabe Horacker (1876) 154. in den mundarten vgl. noch: sud 'gesottene masse, brühe' Staub-Tobler schweiz. id. 7, 324; sud 'gesottene milch' Müller-Fraureuth obersächs.-erzgeb. 2, 587b; sut 'einbrenne' Stauf v. d. March nordmähr. ma. 90.
technisch: lixivium sud Trochus voc. (1517) bei Diefenbach 334c; sud 'heiszt bey verschiedenen anstalten z. b. in den zuckersiedereyen, potaschensiedereyen und bei den färbern das product, welches durch das sieden gewonnen wird' J. H. Fr. Meinecke technologisches hwb. (1818) 269; sud, sod 'die vitriollauge, welche genugsam gesotten ist' bergmänn. wb. (1778) 543; Jacobsson (1784) 4, 351; sud für metalle 'lösungen von metallsalzen zum überziehen von metallgegenständen zwecks schutz', ... goldsud, silbersud, nickelsud ... Lueger (1894) 7, 585; (man verwendet zur wollfärbung) 6 proc. ... aluminium oder 10 proc. alaun, sodasz die beizflotte (der sud) ... 0,2 proc. aluminiumsulfat enthält Muspratt chemie (1891) 3, 21; der sud (tanninextract) wird in bottichen geklärt v. Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas2 489.
3) von der anwendung 2 c ausgehend erscheint sud in besonderer, abgelegenerer bedeutung; so als 'schmutzige flüssigkeit, lache': dann holte sie den kleinen purzel aus der ecke, welcher dort jämmerlich im sude lag ... wusch und strählte ihn und zog ihm ein reines hemd und röcklein an G. Freytag ges. w. 11, 234, vgl. den gebrauch von in seinem sode seyn 'in unsauberkeit liegen' Anton Oberlausitzer wörter st. 4, 11 sowie brühe 5 ende. — sud, m., 'abfall von getreideähren' (die abgesotten als viehfutter verwandt werden) Fischer schwäb. 5, 1949; (der hirte) darf in die scheune gehen, mitdreschen und von je 2 stück (garben) ein viertel nehmen, musz aber sud und stroh liegen lassen fränkisches gemeinderecht in den württemberg. vierteljahrsheft. 9 (1886) 227. vgl. süd, n., häcksel, klein geschnittenes stroh, spreu Ruckert unterfränk. ma. 179, sowie dieselbe bedeutung von sude, süde, f., unten sp. 928, gesud, gesüd teil 4, 1, 2, 4289, und besonders gesod, gesöd ebda 4127.
4) zusammensetzungen mit sud- erscheinen seit dem 14. jh. (s. u.), durchweg in der form sud-, nur vereinzelt süd-. zur allgemeinen anwendung von sud 1 a gehörig sind nur wenige, doch alte bildungen literarisch greifbar; bildungen ohne quellenangabe sieh an alphabetischer stelle. sudei: sudeyer gesottene eier Krünitz 177, 734; -fleisch (15. jh.); -quall (1610); sud-, südschaff (15. jh.), die gröszere anzahl der bezeugten bildungen ist herausgewachsen aus der anwendung 1 b und entstammt der sprache der gewerke und deren fortsetzung in der heutigen chemie und technik, mehr oder weniger als feste fachausdrücke, z. b. sudarbeit in der seifensiederei Karmarsch-Heeren3 8, 16; -aufnahme: unvermutete sudaufnahmen, bei denen die menge ... und die stärke (der extractgehalt) ... genau bestimmt wird (als steueramtliche kontrolle für die biersteuer) hwb. d. staatswiss.2 2, 835; -buch (1614); -feuerdörre, ein raum der salzsiederei Unger-Khull 600a; vgl. Muspratt chemie 6 (1898) 663; -flotte; -gefälle (1354); -geld; -haus; -holz; -hütte anlage zur ausbeutung eines kalisalzlagers Karmarsch - Heeren 1 (1876) 32; -kammerer (1376); -kessel; -machen, vb. (1580); -methode Muspratt chem. 4 (1893) 1973; südofen allg. dt. bibl. 73, 43; sudöfen Meineke technol. wb. (1818) 269; -ordnung (s. d.); -pfanne; -prozesz das versieden von flüssigkeiten Karmarsch-Heeren3 1, 34; -saline, auf der aufgelöstes salz versotten wird v. Scheuchenstuel 50; -salz; -tag im salinenbetrieb Muspratt chem. 6 (1898) 759; -versilberung versilberung durch sieden, s. oben 1 b, ebda 3 (1891) 984; -werk; -würdig.

[Bd. 20, Sp. 918]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sud, m., pflanzenname, strandwegerich, plantago maritima 'im may und junius als kohl gegessen' Schütze holstein. (1800) 4, 221; Pritzel-Jessen 293; sud, suden juncago (d. i. triglochin) maritima Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 584. vgl. nordfries. sydde, plur. fem. (blätter gern als salat gegessen 'suden') P. Jensen Wiedingharde 595; dort auch syddegjas 'sudengras', hengstesydde 'pferdesuden' triglochin maritima ebda 596. auch di sür, plur. süren 'meerstrandwegerich, sudden' Mungard Sölring 214; suren, plur., blätter vom strandwegerich Mensing 5, 888; dazu auch sudenbieter 'sudenbeiszer' spottname für die Holligleute ebda 5, 931. sude, suder, sudder 'dickes und fettes grasgewächs' Outzen fries. 346, auch sodder ebda; Pritzel - Jessen 293, vgl. suyde 'fris. plantago marina' Kilian (1605) 541b; schwed. sutt, dän. sut, sudder Jenssen-Tusch nord. plantenavne (1867) 174; triglochin nl. zoutgras Heukel wb. d. ndl. volksn. v. planten (1907) 258. hierher auch suddick, n., 'ein auf dem schlick aufwachsendes kraut' Benzler deichbau (1792) 2, 219; suddek (Wesermündung) züddek (Oldenburg) aster tripolium Pritzel-Jessen 50; brem.-ns. 4, 1087. alle zu sudde 'sumpf, lache' gehörig, sieh dazu s. v. 1sudel, m.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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