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suckeln bis suckeler (Bd. 20, Sp. 909 bis 911)
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[Bd. 20, Sp. 909]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) suckeln, sückeln (auch suggeln, süggeln), vb., deminutiv- und iterativbildung zu saugen, weiterbildung von sucken, sücken, aber viel verbreiteter, gemeinbesitz fast aller dt. mundarten, in denen es z. t. sogar das mutterwort saugen verdrängt; schrift- und literatursprache haben sich gegen das (ursprünglich in der kindersphäre heimische) wort ablehnend verhalten; wo es gelegentlich erscheint, wirkt es als idiotismus. immerhin verzeichnen es seit Campe eine reihe der dt. wbb. aufgekommen scheint die bildung in frühnhd. zeit (s. unten den Wolkenstein-beleg); doch sind ältere belege aus dem angeführten grunde selten.
1) 'anhaltend in kleinen zügen saugen, schlürfen, lutschen', trans. und intrans., im obd. (Schweiz, Elsasz, Schwaben, Bayern, Tirol, auch Unterfranken und Würzburg) ebenso wie im md. (Lothringen, Luxemburg, Rheinland, Baden, Nassau, Hessen, Henneberg, Thüringen, Erzgebirge) und im nd. (Westfalen, Göttingen, Nordharz, Posen, Ostpreuszen), auch in auslandsdeutschen dialekten (Siebenbürgen, Pennsylvania) geläufig.
a) intrans., von säuglingen bzw. jungtieren, 'an der mutterbrust (am euter) saugen', vgl. z. b. Staub-Tobler 7, 521 und 523; Meisinger Rappenau 157; Kehrein Nassau 1, 400; Vilmar Kurhessen 407; Damköhler Nordharz 190; in geistlicher metaphorik: so lange sie ihren gott noch über den sternen suchen und als ungehorsame banckerte nur immer an der hure (verkörperung des irrglaubens, vgl. apokal. 17) suckeln Edelmann Moses mit aufged. angesichte (1740) 3, 48; 'am schnuller saugen' Ruckert unterfränk. 179; weiterhin 'an den fingern lutschen', von kindern, Fischer schwäb. 5, 1949; Frischbier preusz. 2, 387; auch mit ausgesprochenem bestimmungswort: an der letzten bank (im schulzimmer) nüggelet und süggelet eins am finger schweiz. quelle bei Staub-Tobler 7, 521; hä es am dümken (daumen) am suckelen Leithäuser Barmen 154; danach auch an einem apfel, einem eingetauchten weck u. s. w. suckeln, vgl. Martin-Lienhart elsäss. 2, 346; Follmann lothr. 511; Ruckert unterfränk. 179; der geistliche geht voraus, die chorbuben lachen, der eine suggelt an einer orange L. E. Grimm erinn. 264 Stoll. schlieszlich an der pfeife suckeln:

der düwel greff di büss sich jeng,
schlôg öm et rûr di spetze zäng
un suckelt an der pîfen gau,
as wi e ferken an der sau
W. v. Waldbrühl spillkäfer (in rhfr. ma.) in Frommanns dt. maa. 2, 550;

daher suckeln gelegentlich auch prägnant für 'rauchen' Frischbier preusz. 2, 387.
b) trans., zucker suckeln 'im munde zergehen lassen' Staub-Tobler 7, 521; Follmann lothr. 511; Vilmar Kurhessen 407; der barbir suckelt (saugt aus) die wunde J. G. Estor teutsche rechtsgelahrtheit 3 (1767), 1420, vor allem wein (auch vom wein) u. s. w. suckeln 'bedächtig genieszend schlürfen' Staub-Tobler 7, 521 und 523; Christa Trier 208; will diesz mit verstand trinken, spitzen, suckeln, tröpfchen für tröpfchen maler Müller (1811) 1, 171; vgl. schon früh in verwandter function aussuckeln:

ich hab mein zeit verkuppelt
zu Prichsen in dem kraiss,
vil parell (fäszchen) auss gesuggelt,
das ich den lauff wol waiss
O. v. Wolkenstein 112, 31 Schatz.

daraus entwickelt sich im schweizerischen für absolut gebrauchtes sugglen, süggelen die prägnante bedeutung 'übermäszig zechen, saufen': er süggelet gern Staub-Tobler 7, 521; vgl. auch 7, 523. auch einsuckeln kommt gelegentlich vor: kleine mädgen ..., die nit schlafen können und am fenster stehen, mondenkühlung einzusuckeln Göthe 39, 243 W. (Urfaust).
c) in manchen mundarten ist suckeln weit gebräuchlicher als saugen (vgl. z. b. Vilmar Kurhessen 407) oder alleinherrschend geworden (vgl. etwa Liesenberg Stiege 102) und füllt dann den ganzen bedeutungs- und anwendungsbereich von saugen aus.

[Bd. 20, Sp. 910]



2) übertragen, 'schmarotzen, sich aufdrängen': suckle play the parasite Lambert Pennsylv.-Germ. 151; suck(e)len sich anschmiegen, anschmeicheln; nachlaufen, in lästiger weise nicht von einem weggehen Fischer schwäb. 5, 1949; vgl. auch ene aussuggele jem. ausnützen Schön Saarbrücken 2 206.
3) seltener factitiv, 'säugen' Schmeller-Bergmann cimbr. 176; 'aus der saugflasche saugen lassen, aufziehen' Fischer schwäb. 5, 1949.
4) im obdt. dialektgebiet (Schweiz, Schwaben, Bayern, Ostfranken) heimisch ist die sonderbedeutung 'unreinlich sein, unreinlichkeit verursachen'. die brücke zum grundsinn 1 bildet wohl die bedeutung 'unordentlich essen' Staub-Tobler 7, 520; dann 'sich beschmutzen, vernässen; sich mit wasser besudeln' Fischer schwäb. 5, 1949; weiterhin 'mit flüssigkeiten unordnung machen' Staub-Tobler a. a. o.; 'im wasser rühren, sudeln' Sartorius Würzburg 121; vgl. auch Ruckert unterfränk. 179; 'kleckse machen im schreiben' Schmeller-Fr. bayer. 2, 223; schlieszlich allg. 'unrein, schmutzig sein' ebda; ähnlich Fischer a. a. o. (doch kann auch an denominative ableitung von 1suckel, sückel 'ferkel, sau, schwein' in übertragenem sinne gedacht werden, vgl. DWB sauen; sauerei, ferkelei, schweinerei machen). ableitungen: suckelei, f., 'saugerei' Leithäuser Barmen 154. — suckelig, adj. , 'unreinlich', zu 1suckeln 4 Fischer schwäb. 5, 1949. — vgl. ferner suckler, sückler, m., sp. 912. zusammensetzungen, ebenfalls nur der mundart und umgangssprache angehörig: suckelbüchse, f., frankfurtisch, 'ist ein hölzernes, gläsernes, blechernes, silbernes gefäsz, das vorne eine warze in der gestalt einer zize hat, welche man den unmündigen kindern in den mund stecket, und sie daraus milch, aniswasser, oder einen andern saft trinken läszt' Popowitsch vers. e. vereinigung d. maa. v. Teutschland (1780) 241; vgl. auch Askenasy 71 (suggelbichs). — -flasche, f. , 'saugflasche der kleinen kinder' Fr. Hofmann ndhess. 236. — -glas, n. , frankfurtisch, das gleiche wie suckelbüchse. — -kind, n. , 'säugling' Stalder schweiz. 2, 418; Fr. Hofmann ndhess. 236; Hertel Thür. 240; Hentrich Eichsfeld 43; Liesenberg Stiege 216. — -schwein, n. , 'saugendes ferkel' Hertel Thür. 240; Liesenberg Stiege 216. — -tee, m. , 'flores Lamii albi' Arends volkstüml. namen d. arzneimittel11 258. — -tierchen, n. , kosewort für kinder Leithäuser Barmen 154.
 
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suckeln, sückeln, vb., 'kränkeln', deminutiv- und iterativbildung zu nd. suken 'krank sein', nebenform zu siecheln (s. teil 10, 1, 846), seucheln (s. ebda 698), sücheln (s. d.) bzw. nd. sükeln, westnd. gelegentlich bezeugt im geograph. zusammenhang mit ndl. sukkelen 'kränkeln': suckelen languere v. d. Schueren Teuthonista 386 Verdam; sukkeln 'man braucht dasselbe wort auch mit den Holländern von einem, der immer kränklich ist' vers. e. brem.-ndsächs. wb. 4 (1770) 1090; sukkeln siecheln, kränkeln Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 363; ähnlich sükeln, sükkeln ebda 362. — vielleicht schlieszt sich hier auch ein sonst isoliertes ostpreusz. suckeln 'darben, not leiden' (Frischbier 2, 387) als übertragene gebrauchsweise an: vor euern (der lehrer) petitionen bekam Mühler respekt, ging fort und läszt uns weiter suckeln lehrerztg. f. d. prov. Preuszen (1872) 76. — ableitung: suckelei, f., 'kränkelei' Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 362 (sükelê, sükkelê) und 363 (sukkelê, sukkelerê).
 
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suckeln, vb., im westl. nd. die stelle von schuckeln (s. teil 9, 1830) oder zuckeln (s. d.) vertretend, in der bedeutung 'hin und her schwanken, wackeln; im fahren oder reiten geschüttelt werden; ohne schenkelschlusz reiten (im sattel hüpfen); langsam fahren oder gehen, bummeln, träge sein'. ältere belege: Richey id. Hamburg. (1743) 300; Strodtmann Osnabrück (1756) 235; brem.-ndsächs. wb. 4 (1770) 1090; vgl. für das ndl. Plantijn thes. theut. ling. (1573) E e 4a; Kilian (1605) 541. neuere zeugnisse: Köppen Dortmund 57 (süeckeln); Mensing schlesw.-holst. 4, 928; Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 363. über das lautliche

[Bd. 20, Sp. 911]


verhältnis zu schuckeln und zuckeln vgl. Teuchert zs. f. dt. maa. 1910, 24 f.; doch dürfte das anlautende s- nicht überall notbehelfsmäszige schreibung für ts-, sondern z. t. echte lautentwicklung sein, beeinfluszt durch holländ. sukkelen 'zaudern, trödeln', das als eins gilt mit sukkelen 'kränkeln'. — hierzu: suckelei, f., 'hinkendes, gebrechliches, langsames, träges gegehe' Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 363. —
 
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suckeler, m., 'zauderer' brem.-ndsächs. wb. 4 (1770) 1090, vgl. mnl. suckeler chanceleur, titubator Plantijn thes. theut. ling. (1573) E e 4a; Kilian (1605) 541. — hierzu und zu den zusammensetzungen (wie suckeltrab, m., z. b. Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 363) s. auch die entsprechenden sch- und z-formen.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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