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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
subordinieren bis substanzlich (Bd. 20, Sp. 817 bis 822)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) subordinieren, vb., unterordnen, wahrscheinlich nach frz. subordonner gebildet, das auf mlat. subordinare zurückgeht, s. Gamillscheg 819b; untersetzen, unterordnen Wächtler comm. manual (1707) 301; 'res diversas sic inter se ordinare ac disponere, ut aliae aliis subiectae sint' S. J. Apinus gl. nov. (1728) 519; von dienstverhältnissen: diesen landescollegien sind subordiniert die kriegscommission, das civilamt C. F. Nicolai reise d. Deutschl. 1, 79; die stelle (war) ... so subordinirt, dasz sie nur für anfänger paszte Caroline briefe 1, 67 Waitz; häufiger in hinblick auf einen bestimmten geistigen zusammenhang in der kunst wie in philosophischer betrachtung: ich ... verstehe (in der oper) die poesie der musick zu subordinieren Göthe IV 8, 245; die absicht jeder rolle (ist) wiederum der absicht des ganzen subordiniert O. Ludwig ges. schr. 5, 263; der geschmack wird also immer eine subordinierte sache bleiben müssen, die höherer ursachen wegen aufgeopfert werden darf Herder 5, 650 S.; die besonderen begebenheiten (sind) ... der zeit nach subordinirt, dem begriff nach coordiniert A. Schopenhauer 1, 106 G.; seltener bei sachlicher anschauung: wir halten diesen bergzug ... für einen der mehr subordinirten stufenabfälle der nubischen terasse nach norden Ritter erdkde 1, 576. von personen mit dem begriff des mittelmäszigen: subordinirte talente der Bologneser schule Göthe III 12, 135 W.; Holtei vierzig jahre 1, 110; ein solcher subordinirter handlanger (ein mittelmäsziger schauspieler) erz. schr. 11, 83.
 
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subsidien, nur in pluralischer verwendung wie das zugrundeliegende lat. subsidia 'reservetruppen, hilfsmittel' 'diejenigen gelder, welche einem potentaten oder staat von dem andern zu unterhaltung des krieges ausgezahlt werden' J. R. Fäsch kriegs-, ingenieur-, seelex. (1726) 244a: (der abgesandte der Niederlande) that dem herrn reichscantzler

[Bd. 20, Sp. 818]


vertröstung auf einige subsidien B. Ph. v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 90;

... auch mit subsidien
kann Frankreich schon genug dem spanschen hofe dienen
Ramler fabellese (1783) 1, 71;

Fr. Meineke v. Boyen 2, 54. häufig componiert: subsidiengelder Wächtler comm. manual (1703) 301; J. R. Fäsch a. a. o.; B. Ph. v. Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 193; Uhland tagb. 178.
 
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subsistenz, f., eine seit dem 17. jh. bezeugte bildung nach lat. subsistentia, das als philos. begriff 'bestand, realität, substanz', s. Georges lat.-dt.8 2, 2880, bis in die scholastik gängig war und in der verdeutschung nur in philosophiegeschichtlichem zusammenhang begegnet, s. Eisler hwb. d. philos. (1922) 460. sonst in abweichenden bedeutungen, die sich auch nicht im mlat. belegt finden. 1) 'aufenthalt' Wächtler comm. manual (1703) 302, ausgehend von subsistieren 1 (s. u.): seine subsistentz an einem orte nehmen Wächtler a. a. o. 2) 'lebensunterhalt' in derselben gleichalt bezeugten bedeutung wie frz. subsistance, das wohl den ausgangspunkt bildet, vgl. die schreibung subsistence v. Fleming, Apinus s. u., im übrigen Seiler lehnw. 3, 71; 4, 268: fundament ihrer subsistentz Heider reichsvogt. (17. jh.) bei Gombert bem. u. ergänz. zu Weigands wb. 3, 6; von dem lebensunterhalt eines einzelnen: er bekömmt jährlich 100 thlr. zu seiner subsistenz Wächtler a. a. o.; wenn seine untergebenen in noth gerathen ..., so musz er (der kapitän) ihnen ... mit vorschusz seines eigenen geldes behilflich seyn und solches nicht auf einmahl wieder einfordern, sondern nach und nach ... ohne schaden der nöthigen subsistence v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 156; diese familie (muszte) durch den handel mit alten hosen und Hamburger lotteriezetteln ihre subsistenz erwerben Heine w. 3, 297 Elster; am gebräuchlichsten vom 'unterhalt der kriegsvölker, sowol im felde als den quartieren' Fäsch kriegs-, ingenieur-, seelex. (1726) 244a; dem feind die subsistence benehmen agros depopulando hostem commeatu privare Apinus gl. nov. (1728) 520; dasz ihn aber nunmehr der mangel der subsistenz nöthige ... nach Preuszen in die winterquartiere zu gehen Lessing 18, 409 L.-M. für den plural steht häufig subsistenzmittel: das land (kann) weder einer zahlreichen reisegesellschaft noch einem kriegsheere die gehörigen subsistenzmittel bieten Ritter erdk. 3, 878; ein erwerbsunfähiges weib, dem so zu sagen die quellen der subsistenzmittel abgeschnitten sind M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 401. —
 
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subsistieren, vb., nach lat. subsistere seit dem 17. jh. bezeugte bildung. 1) entsprechend der lat. bedeutung 'haltmachen' Georges lat.-dt.8 2, 2880 'sich auffhalten' Wächtler comm. manual (1703) 302; woselbst ... er in deliberation stand, ob er subsistiren oder weiterrücken wolte B. Ph. v. Chemnitz kgl. schwed. krieg 1 (1648) 89; er kann nicht mehr auf universitäten subsistiren, er will hier eine zeitlang subsistiren Wächtler a. a. o. 2) entsprechend subsistenz 2 'seinen unterhalt haben' Wächtler a. a. o.; Heinsius 4, 923a; unstreitig also (ist), dasz eine ... klasse von menschen sich blosz diesem gewerbe ergeben und davon allein subsistiren könnte G. Forster schr. (1843) 3, 103; mit dem gehalt ist hier garnicht zu subsistieren O. v. Bismarck an s. braut u. gattin 341. 3) in philos. verstande, entsprechend lat. substantia s. o.: (von den engeln unterscheidet Thomas von Aquino) die intellektuellen substanzen oder unkörperlichen subsistirenden formen, welche ... der körper bedürfen Dilthey einl. in d. geisteswiss. (1883) 1, 8.
 
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substantial, substantiell, adj., s. substanzial, substanziell.
 
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substantiv, n., die grammatische kategorie, die innerhalb des nomens neben der des adjectivs steht. diese scheidung des nomens in adjectivum und substantivum (sc. nomen) hat erst die mittelalterliche grammatik vollzogen, s. Jellinek gesch. d. nhd. gramm. 2, 79. das lat. adj. fand zwar schon von lat. grammatikern verwendung, aber nicht für den jetzt geläufigen begriff, vgl. Jellinek a. a. o. und

[Bd. 20, Sp. 819]


Georges lat.-dt.8 2, 2882. deutsche grammatiker seit Helwig versuchen eine übersetzung in selbständiges nennwort, vgl. Weigand-Hirt 2, 1004; zum technischen terminus wurde Gottscheds verdeutschung hauptwort, s. teil 4, 2, 639. mit dem 18. jh. findet sich auch eingedeutschtes substantiv, gegen die heutige regel auch in schwacher flexion: zwey zusammengestellte substantiven Gerstenberg hamb. ne. zeitg. 222 lit.-denkm.
 
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substanz, f. , geht auf lat. substantia zurück, das eine übersetzung von gr. ὑποκείμενον, ὑπόστασις, οὐσία ist, s. Eisler hwb. d. philos. (1922) 640; vgl.: homousios einer substantz Dasypodius (1536) 434c. für den in der theologie des mittelalters geläufigen philosophischen begriff finden sich an verdeutschungen seit dem ahd. wesan, wesen, vgl. Seiler lehnw. 2, 6 (s. auch unten synonymen gebrauch neben substanz), bei Frauenlob understende minneleich 15, 5; Marienleich 16, 2, vgl. DWB unterstand I 9, teil 11, 3, 1822, bei Eckehart understôz, underschôz, s. zs. f. d. ph. 16, 35, seit dem mhd. selpwesen, selb(st)wesen bis zu Leibniz, s. teil 10, 1, 503, seit dem 16. jh. bis zu Leibniz auch selb(st)stand, s. teil 10, 1, 492. das lat. wort begegnet als eingedeutscht seit dem ausgang des 13. jh. in verschiedenen formen: substantie Frauenlob (s. u.); im plural der gemischten declination substantien Chil. König process (1541) 63b; Th. Philaleta theosoph. wundersaal (1709) 29; substancie Herm. von Fritzlar bei Pfeiffer myst. 1, 181; Seuse (s. u.); Tauler pred. 21 Vetter; substanci Seuse (s. u.); substancze H. Folz meisterl. 25 Mayer; substancz (1466) bei Diefenbach nov. 353a; substanz (15. jh.) fastnachtsp. 1, 23 K. mhd. begegnet neben vorherrschend starker flexion gelegentlich schwache: von der substancjen (hs. des 15. jh.) in Wackernagel altdt. pred. 208.
1) im philosophischen sinne, der dem ursprunge des wortes und begriffes gemäsz auch im dt. am ältesten und am breitesten entwickelt ist, bedeutet substanz das den wechselnden phänomenen 'unterliegende', das als beharrlich, zugleich meist als träger der eigenschaften, als selbständig für sich seiendes gedacht wird, s. Eiser hwb. d. philos. (1922) 640.
a) im gefolge der aristotelischen auffassung wird substanz gefaszt als ein einzelnes, einer bestimmten erscheinung als wesentlich zugrunde liegendes; die mittelalterliche vorstellungsart veranschaulicht der vergleich, den die person der ewigen weisheit dem menschen vorlegt: so ich mich, das ewig gt, als gtlich und als minneklich entgússe, so gtet sich alles daz, da ich hine kume, da bi man min gegenwúrtikeit mag erkennen als die sunnen bi ir glaste, die man doch an ir substanci nút sehen mag Seuse dt. schr. 233 Bihlm.; zunächst, entsprechend der übernahme aus der scholastik, wird das wort vorwiegend in theologischen zusammenhängen gebraucht:

dri forme an einer substantie gotheit hilt
Frauenlob spr. 235, 12 Ettm.;

daz gtlich wesen ... ist ein slichú vernúnftigú substancie, die das tödemlich oge nit gesehen mag in im selb, wan siht in aber wol in siner getat Seuse dt. schr. 172 Bihlm.; gott ist ausz der substantz des vatters geboren vor der welt in ewikeit und ist mensch ausz der substantz der mtter in zeyt geboren der ewigen wiszheit betbüchlin (Basel 1518) 207b; di sele ist substancie, das ist wesen, gnade ein aneval (= accidens) des wesines paradisus anime 69 Strauch;

substantz der seel on element,
di gott inn unser cörpel sent
J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 152;

vom wesen eines menschen: armuot, gehorsam und keyschait sein die substantz aines yeden volkomens ordensman Berthold von Chiemsee tewtsche theolog. 365 Reithm.; daran will ich setzen minen lyb, leben und alles jhenig, so mir noch in all miner substanz bevor ist (1552) bei Fischer schwäb. 5, 1944; s. auch unter substänzer; das wort bezeichnet weiter wesen und umfang eines bestimmten begriffes: es seien im anfang zwo unterschiedene substantzen,

[Bd. 20, Sp. 820]


wesen oder naturen gewest, eine gut, die ander böse C. Spangenberg hist. d. Manicheer (1579) k 3b; die substanz des sittlichen O. Ludwig ges. schr. 5, 96; abgezogener in der philosophie des 18. jh.: daher Leibniz, indem er den substanzen der welt, nur wie sie der verstand allein denkt, eine gemeinschaft beilegte, eine gottheit zur vermittelung brauchte; ... wir können aber die möglichkeit der gemeinschaft der substanzen als erscheinungen uns gar wohl faszlich machen, wenn wir sie uns im raume, also in der äuszeren anschauung vorstellen Kant 3, 201 akad.
b) seit der popularisierung Spinozas versteht man unter substanz zunächst das allgemeine substrat alles seienden: das urseyn, das allgegenwärtige unwandelbare wirkliche, welches selbst keine eigenschaft seyn kann, sondern an dem alles andre nur eigenschaft ist, die es hat, dieses einzige unendliche wesen aller wesen nennt Spinoza gott oder die substanz F. H. Jacobi üb. d. lehre des Spinoza (1785) 128 f.; A. Schopenhauer 1, 38 G.; D. F. Strausz schr. 6, 76; in der materialistischen vorstellungsart ist substanz zu einem allgemeinen substrat alles körperlichen geworden, s. Lange gesch. d. materialism. 87; ohne beschränkung auf das körperliche wieder definiert Dilthey: substanz als das, was subject für alle prädicativischen bestimmungen, unterlage für alle zustände und thätigkeiten ist einl. in d. geisteswiss. 1, 189.
2) stoff, materie von einer eigentümlichen beschaffenheit, in populärem sprachgebrauch und in technisch-naturwissenschaftlichen zusammenhängen: substantz, matery substanza, materia Hulsius (1618) 244a; Mothes baulex. 4, 289: der harn erschinet ... in dem wesen oder siner substanz vast betrbet (1472) bei Fischer schwäb. 5, 1944; wan man aber das golt mitt dem feüwer zerlath, ghat im von seiner substantz ... gar nichts ab Seb. Münster cosmogr. (1550) 8; (es waren) viele heuszer in der statt in steinfelsen mit aller substanz gehauwen Kirchhof wendunmuth 2, 87 lit. ver.; die dritt gemein nessel ist inn der substantz vil kleiner Th. Bock kreutterb. (1587) 1b; in den modernen naturwissenschaften namentlich von einfachen unorganischen körpern, z. b. eine flüssige substanz, eine feste, harte, compacte substanz, vgl. Krünitz 177, 677: irdisch-salinische substanzen Göthe II 9, 134; die gewöhnlichen angaben über den schmelzpunkt sehr schwer schmelzbarer substanzen sind viel zu hoch A. Humboldt kosmos 1, 48; insbesondere von der speise: dann die substantz der speisz, ist sie dick oder schwer ..., so ist sie undäulich M. Herr schachtafeln d. gesundh. (1533) y 2a; Adelung 4, 493; auch der dichterische stoff: ihre (einer dichtung) poetischen substanzen (christliche und antike gestalten) heben einander auf Herder 3, 240 S.
3) das wesen, der kern, gehalt einer sache.
a) wesentlicher inhalt eines buches, briefes, einer rede: darum hetten sie alle briefe herzog Moritzen widerum zugeschickt und erpoeten sich, die substanz uns anzuzeigen (1542) polit. corresp. Moritz v. Sachsen 1, 291; des ewangeli text oder substantz Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 91 Reithm.; disz ware ungeverlich die substanz der ganzen rede, die er mit mir hett H. v. d. Planitz berichte (1521/23) 271 Wülcker-Virck; vgl. DWB substanzlich.
b) mit dem element des faszbaren, zunächst im geistigen: (Schleiermachers gedanken sind) meist nur modifizirungen, ... zurechtstellungen, wobei die substanz entweder fehlt oder anderweitig entlehnt werden musz Varnhagen van Ense tageb. 1, 121; wie spricht da (in einem politischen briefwechsel) jeder satz eine mit der politischen vereinigte geistige und moralische überlegenheit aus! da ist kein überflüssiges wort: alles ist mark und substanz Ranke w. 14 (1875) 326. in neuerer zeit auch gegenständlicher von der vitalen grundlage einer anschauung, eines menschen, einer gemeinschaft (vgl. auch 4): (die höfische welt) wünscht auch keine ausdrucksdichtung, erlaubt nur wenig von der menschlichen substanz des dichters H. Naumann höfische kultur 36: es ist die blutmäszige

[Bd. 20, Sp. 821]


substanz unserer nation, die sich in den jahrhunderten immer wieder bewährt hat A. Hitler in der dt. allg. ztg. 2. mai 1934 morgenausg. s. 2, sp. 4.
4) entsprechend der im lat. entwickelten, engeren bedeutung ist seit dem 16. jh. substanz bezeugt in dem sinne von 'reichtum, hab und gut' Roth dict. (1572) p 7a: der verthan sun ..., der sein substantzn wollust verzert Berthold von Chiemsee tewtsche theol. 221 Reithm.; uber disz alles war die gantze substantz des bischofflichen hoffs einkommens vast allesambt ... verschwendet H. Fabricius auszug bewerter hist. (1599) 234; (ein) spieler, welcher sein gantze substanz verspielt Äg. Albertinus hirnschleiffer (1664) 390; (der miszbrauch,) dadurch alle jahr zu wenigsten das zehende theil unserer substanz ... in Frankreich gehet Leibniz dt. schr. 1, 253. in diesem allgemeinen sinne veraltet; heute bedeutet substanz an geld und gut ein grundcapital, auf das sich die existenz eines einzelnen, einer gesellschaft, eines unternehmens aufbaut; daher die ausdrücke die substanz angreifen, aufbrauchen, von der substanz zehren, leben; übertragen auch von der gesundheit eines menschen gebraucht.
 
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substänzer, m.: ein teil (einer secte der augsburgischen confession) nennet man substäntzer, weil sie gleuben und leren, das die erbsünde die substantz, natur und wesen des menschen seye. das ander teil nennet man die accidentzer, weil sie dieselbige erbsünde für ein accidens ... halten C. Ulenberg erhebl. u. wichtige ursachen (1589) 248.
 
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substanzial, substanzialisch, adj., lat. substantialis entsprechende ableitungen im philosophischen sinne von substanz (1). im 16./17. jh. ist belegt substanzialisch: mathematica adepta hatt auch ein corpus, sichtig, aber nicht greifflich, substantialisch, aber ohn ein leib gleich wie die sonn in einem wasser Paracelsus op. (1616) 2, 402 Huser; (manna coeli) ist das materialische, substantialische verbum domini ebda 2, 525; Fischart Gargantua 23 ndr.; die speise des gesunden verkehrt sich in sein substantz ... (dem entspricht, dasz) die gute werck der gerechten seindt substantialisch und verdienen den himmel Albertinus Gusman (1615) 560. substanzial ist erst fürs 19. jh. bezeugt: diese betrachtung macht deutlich, dasz der wille in allen thierischen wesen das primäre und substantiale ist A. Schopenhauer 2, 237 G.; das substanziale, was dahinter (hinter den phänomenen) ist Dilthey einl. in d. geisteswiss. 1, 189. — dazu substanzialität, f., entsprechend substanz (1) in philosophischem sinne: die substanzialität der seele Lange gesch. d. materialism. 22; Windelband gesch. d. neueren philos. (1899) 1, 192. im anschlusz an substanz 3 b 'innerer gehalt, gewicht': das hauptwort bekommt auf solche weise (durch fortlassen des articels) immer weit mehr poetische substantialität und persönlichkeit Herder 5, 195 S.; (die orgel) gibt der subjectiven musik wucht und substantialität Fr. Th. Vischer ästhetik 3, 1047.
 
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substanziell, adj. das substanzial als lehnwort aus frz. substantiel entsprechende wort: substantiel Sperander (1727) 697b. im philosophischen sinne: das gewissen (ist) nichts substantielles allg. dt. bibl. 1, 1, 8; (die ausdehnung ist) in jedem dieser (vier) elemente der natur nach das erste, das eigentlich reale, das substanzielle, die natura naturans F. H. Jacobi üb. d. lehre des Spinoza (1785) 128; Lange gesch. d. materialism. 169. zu substanz 2: kräftig, nahrhaft Joh. Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 334: (von einem rebhuhn wird gesagt, es sei) älter, ausgewachsener, substantieller und stärker von geruch almanach f. leckermäuler (1804) 57. im anschlusz an substanz 3 b, vgl. substanzialität: um die stimme zu bilden, musz der mensch mehrere stimmen sich anbilden, dadurch wird sein organ substanzieller Novalis schriften 3, 94 M. gelegentlich sogar im sinne von 'robust': das Ries im schein der abendsonne ist ein bild, dessen reiz auch die substantiellere natur eines eingeborenen dorfbewohners zu ergreifen mag M. Meyr erz. aus d. Ries (1868) 1, 251.

[Bd. 20, Sp. 822]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) substanzlich, substenzlich, adj., die älteste im deutschen gebräuchliche ableitung von substanz seit dem 14. jh., bis ins 18. jh. üblich, in der umgelauteten form bis ins 16. jh. in philosophischer verwendung wie substanz 1 a: got ist ein substenzlich ein, der in ime selben bestet sunder zuval (= accidens) Hermann von Fritzlar in Pfeiffer dt. myst. 1, 124; (die seele) stirbt och nit mitt dem lib, wann sy lebt substentzlich (1472) bei Fischer schwäb. 5, 1944; Christus (wird) im abentmal substentzlich gessen Calvin instit. christ. relig. (1572) 469. in entsprechung zu substanz 2: in der wüste Syn umb die berge Sinai ist der taw so dicke und substantzlich, das man in mag fassen und behalten F. Fabri eigentl. beschreib. (1557) 144a. zu substanz 3 'dem wesentlichen inhalte nach': uff dass mengklicher sich darnach dest bass zuo richten wüsse, habent wir diss orts (in den kauf- und waghausordnungen), was in des waagmeisters buoch wytläuffiger begriffen, substanzlich auch anzühen wollen (1640) bei Staub-Tobler 7, 94; (bei der beratung ist,) was unsere gn. h. zue der enderung verursachet habe, kurz und substanzlich vorgetragen (1654) ebda; welches (papier) ... substanzlich enthielt, was er ihm vorgebracht hätte J. v. Breitenfels Swift (1763) 6, 45.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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