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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
subhastation bis submission (Bd. 20, Sp. 811 bis 816)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) subhastation, f., nach dem lat. subhastatio gebildet, vgl. Seiler lehnw. 4, 129; die deutsche entsprechung ist stangenrecht, s. teil 10, 2, 817. zuerst bei Wächtler commodes manual (1703) 301 verzeichnet: die subhastation ist ein öffentlicher verkauff verholffener grundstücken, darinnen diese dem meistbietenden gegen bezahlung des kaufgeldes zugeschlagen ... werden Th. Haym teutsch. jur. lex. (1738) 1190; Gaudy 8, 126; er kann es mit dem schulzengut zum verkauf treiben oder zur subhastation W. v. Polenz Grabenhäger 2, 69; mundartlich bekannt, entstellt zu sebaste Müller-Fraureuth 2, 587a, mit dem ton auf der ersten silbe Hertel Thüring. 240. —
 
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subhastieren, vb., nach lat. subhastare gebildet, s. Seiler lehnw. 4, 129: subhastiren öffentlich zum verkauff anschlagen Wächtler commodes manual (1703) 300; Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh.- u. satir. ged. (1727) 2, 270; dann mögen die gläubiger unsre höfe ... subhastiren lassen J. Möser sämtl. w. (1842) 3, 257; mundartlich entstellt in verseebastieren Müller-Fraureuth 1, 587a.
 
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subject, adj., nach lat. subiectus, vgl. frz. sujet, adj.; 'unterworffen, unterthan, z. e. einem subject seyn' Wächtler comm. manual (1703) 301; für das 17. jh. bei Fischer schwäb. 5, 1944 nachgewiesen.
 
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subject, n. das wort geht auf lat. subiectum zurück, das den philosophischen, grammatikalisch-logischen begriff von griech. ὑποκείμενον wiedergibt, s. Eisler hwb. d. philos. (1922) 636, woselbst über die bedeutung des scholastischen subiectum und die jüngere entwicklung gehandelt ist. das deutsche versuchte eine ähnliche lehnübersetzung wie das lateinische seit der mystik: Tauler überträgt das scholastische subiectum (= substantia) mit understant pred. 58 Vetter; auch die fruchtbringende gesellschaft schlägt diese verdeutschung vor, s. Campe wb. d. fremd. ausdr. 2, 626a; aber sie setzte sich so wenig durch wie undersacz, underseczung, underligunge, -legunge, underlege, glossierungen des lat. wortes im 15. jh., s. bei Diefenbach 560a, oder

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Eckeharts understôz, underschôz, s. zs. f. d. ph. 16, 35 f. geläufiger erscheint underwurf seit dem 14. jh., s. bei Pfeiffer myst. 2, 368; Diefenbach a. a. o.; Er. Francisci alleredelste veränd. (1671) 81; Mattheson d. vollk. capellmeister (1739) 9; s. auch teil 11, 3, 1913 unter unterwurf d. über gegenwurf die sonst für objectum übliche verdeutschung, in glossaren des 15. jh. bei Diefenbach 560a und bei Roth dict. (1572) p 6b, s. teil 4, 1, 2, 2303; Roth hat daneben noch einwurff für subject ebda.
die aufnahme des wortes bei Roth und die form subject erweisen die allgemeine eindeutschung im 16. jh.in der regel gilt die starke flexion; schwache findet sich bei Paracelsus und bei Butschky (s. u.). der ton liegt, nach jüngerem sprachbrauch wenigstens, in der bedeutung 6 auf der zweiten silbe, sonst vielfach auch auf der ersten, vgl. Weigand-Hirt 2, 1003.
1) in der bedeutung 'substanz, stoff' schlieszt sich subject am engsten an die aristotelisch-scholastische verwendung von subiectum an; bei Paracelsus als etwas, das andern einflüssen unterliegt: (wenn das alles beherrschende gestirn auf das corpus wirken soll,) so mag es nit sein ohne mittel; das mittel ... ist auch ein astrum und ligt in den, in den das ober wircket. ... jedoch aber so ist das gestirn in acht theil getheilt: eins ist gewaltig (das höchste gestirn), sechs seind subjecten (das sind die mittel: die gestirne des menschen, der tiere und der vier elemente), das acht ist auch gewaltig (das in der imagination des menschen wirkende) opera (1616) 2, 504 Huser; (den leib) zu bewahren, sind die räth, das ... dasselbig subject hindan genommen werde, in welchem die pestilentz ihren gewalt brauchet als des bluts zuviel hitzigkeit und alle krankheit, so im leib verborgen ligen ebda 1, 359. am längsten erhält sich diese bedeutung im sinne von 'material der künste' bis ins 18. jh.: ein jeder also, der etwas nachahmen will, musz vor allen dingen sich ein solches subject suchen, darinnen er etwas nachahmen könne. so suchet sich der bildhauer einen stein aus, aus dem er sein bild hauen kann, der maler suchet sich eine tafel J. E. Schlegel w. 3, 119; verse sind das subject der nachahmung bei einem poeten ebda 121; vgl.: indem der klang der einzige unterwurf (subjectum) der music bleibet Mattheson d. vollk. capellmeister (1739) 9. vereinzelt in concreter vorstellung als 'unterlage': obgleich vielerlei zierfarben in der welt zu finden, fügen sich doch nicht alle allemal auf einen jedweden unterwurf oder subject Er. Francisci alleredelste veränd. (1671) 81.
2) auf den 'gegenstand einer kunst' beschränkt erscheint subject im deutschen des 18. jh. in entsprechung zu antikmittelalterlichem subiectum, das in weiterem sinne 'object einer tätigkeit' überhaupt, z. b. einer wissenschaft, bedeuten kann. es hat sich in diesem sinne nicht lange gehalten und wurde in den bildenden künsten im 19. jh. durch frz. sujet verdrängt. in der malerei 'vorwurf eines bildes': gemälde zu liefern ohne subject, blos des künstlich angelegten und so wohl unterhaltnen gesichtspunkts, kompositionsgeistes, colorits ... wegen Herder 5, 205 S.; in der dichtung: der poet soll entweder zwölf ritter ohne einen Arthur oder einen Arthur ohne zwölf ritter zum subject genommen haben Gerstenberg schlesw. litbr. 4, 34 lit.-denkm.; es müszte, däucht mich, der politische held in eben dem grade kein subject für die bühne seyn Schiller 3, 6 G.; Forster sämtl. schr. 3, 42. als musiktechnischer terminus wie frz. sujet 'thema einer fuge' H. J. Moser musikal. wb. 118b; die partite ... fürs clavier, die corrente und gige für die violin, die sogenannten subjecte für die beingeige J. Mattheson d. vollk. capellmeister (1739) 204; Chomel 8, 1785.
3) subject im sinne von persönlicher träger bestimmter zustände, die der eigentliche gegenstand einer wissenschaftlichen betrachtung sind, schlieszt sich in besonderer weise der unter 2 genannten lateinischen bedeutung an; bes. in der medizin, vgl. frz. sujet 'körper, leiche, patient', s. Littré 2, 2, 2079a: in absicht auf den schmerz ist es also erwiesen, dasz er auf den tod des subjects abzielt Schiller 1, 174 G.; umstände, die bey der anwendung (medizinischer regeln)

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in betracht zu ziehen sind: die verschiedene constitution des subjects in absicht auf die einfachen bestandtheile und fasern Hufeland kunst d. menschl. leben zu verl. (1797) 324; Sömmerring menschl. körper 5, 30; dann auch in der historie: es bleibt eine lücke zwischen dem historischen subjekt und dem leser Schiller 4, 62 G.; man sah das subject sich verändern, gegen das gefehlt zu haben als hochverrath betrachtet wurde: bisher war es der könig gewesen, jetzt wurde es das ganze des parlamentarischen staates Ranke w.2 16, 25; K. L. v. Haller restauration 1, xlix.
4) im grammatikalisch-logischen sinn als grundwort eines satzes oder grundbegriff eines urteils. die grammatik braucht das ursprünglich logische kunstwort subiectum seit Schottel, häufiger aber erst seit der mitte des 18. jh., vgl. Jellinek gesch. d. nhd. gramm. 2, 469, seitdem auch als eingedeutscht nachweisbar: was ist denn hier unnatürliches? etwa dieses, dasz das subject hinter seinem zeitworte steht? Lessing 8, 49 L.-M.; diese auffassung in urtheilen mit subject und prädicat niederzulegen Lange gesch. d. materialism. 247.
5) seit Kant wird subject im psychologisch-erkenntnistheoretischen verstande gebraucht, im neueren sinne bedeutet es dann auch das erlebende, vorstellende, erkennende, fühlende, wollende wesen im gegensatz zu den objecten des erlebens, erkennens, handelns, s. Eisler hwb. d. philos. (1922) 636; im deutschen seit dem 18. jh.: die regeln des einverständnisses (über musik und sprache) liegen ... sowohl im material der kunst als im subject der diese künste genieszenden, immer nur menschlichen empfindung Herder 23, 75 S.; es ist etwas unbekanntes gesetzliches im object, welches dem unbekannten gesetzlichen im subject entspricht Göthe I 48, 204 W.; der schritt vom object zum denkenden subject Lange gesch. d. materialism. 14; mit den vollkommensten mustern selbst hat der dichter keinen andern zweck, als uns zu ergötzen. nichts thut dies, als was unser subject verbessert Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 382.
6) subject bezeichnet seit dem ende des 17. jh. eine person.
a) nach kanzleisprachlichem brauch eine solche, um deren tauglichkeit bes. für ein amt es sich handelt; vgl.: ein tüchtig subjectum zum amte erwehlen Wächtler commodes manual (1705) 301: aber solcher subjecten (,die einem hohen politischen amt gewachsen sind,) ... vile zu finden, wird man wohl des Diogenis latern anzünden Butschky Pathmos (1677) 530; der graf ... brauche einen secretair, der stark im teutschen staatsrechte sey und fertig französisch schreibe. der grosze mann ward höflich gebeten, ein taugliches subject vorzuschlagen Fr. M. Klinger 9, 63; die wahlen ... setzen ... voraus, dasz die capitel in guter ordnung und mit tüchtigen subjecten versehen seyen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 559; insbesondere von pfarramtscandidaten im 18. jh. in der Schweiz: wegen starken nachwerbens hat der cardinal über alle 3 vorgeschlagenen subjecte das los gezogen, und ist dasselbe auf mich (den künftigen pfarrer) gefallen (1740) bei Staub-Tobler 7, 94.
b) sodann von personen, die in einem abhängigkeitsverhältnis stehen wie diener, gehilfen, s. Chomel 8, 785: früher wurden die schreibergehülfen von ihren principalen ... subjecte genannt bei Staub-Tobler 7, 94; bes. ein gehilfe in einer apotheke Campe wb. z. erklär. u. verdeutschg. (1813) 572a: die herren apotheker ihre gehülfen subjecte nennen K. J. Weber Deutschland 1, 307; ich kann ein solches subject (einen kammerdiener) nicht mehr bezahlen Holtei erz. schr. 24, 54; ladendiener Lexer kärnt. 245; dass. veraltet J. Jacob Wiener dial. 188a.
c) ohne eine dieser beiden bezogenheiten in allgemeinerer, neutraler bedeutung irgendeine person: nun kenn ich ... herrn Schwalbe als ein fideles subject Körner 4, 52 H.; vgl.: eine person, davon man redet, also wann man sagt, das ist ein fein subjectum, so bedeutet es einen feinen menschen Sperander à la mode-spr. 693a. in diesem allgemeineren gebrauch entwickelt sich, zunächst neben negativ wertenden attributen, ein verächtlicher beigeschmack, der heute umgangssprachlich gewöhnlich auch dem bloszen

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nomen anhaftet: jedes schlechte subject, das nur einmal die bretter öffentlich betreten hat, ist ihm mit einer gewissen glorie umgeben Tieck schr. 4, 51; Göthe I 33, 264 W.; vgl.: ein schlechtes subjectum Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ 18; er ... fing bald an, den gänzlich verkommenen subjecten zugezählt zu werden A. v. Droste-Hülshoff 2, 264; verdächtige subjecte Storm 2, 53; in der lebenden schweizer. mundart nur mit verächtlichem beigeschmack Staub-Tobler 7, 94, auch im schwäb. meist verächtlich Fischer 5, 1944; Pansner schimpfwb. 68b.
 
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subjectiv, adj. , adv., auf das subject sich beziehend, in ihm begründet, geht auf lat. subiectivus, vielleicht über frz. subjectif zurück, vgl. Seiler lehnw. 3, 348. im deutschen seit dem 18. jh. in der bedeutung von subject 4 verwandt, s. Eisler hwb. d. philos. (1922) 638.
1) subjectiv ist das dem objectiven gegenüberstehende, durch seine organisation gleiche, allgemeine, überpersönliche wesen des menschen: hier (in der behandlung der tonlehre) steht das subjectiv-organische wieder voraus, das objectiv-physische, mathematische ihm entgegen Göthe IV 25, 188 W.; subjective wahrheit, eine solche, die blosz ihren grund in unserer vorstellungsart hat Hübner zeitungslex. (1824) 4, 478b; die klare subjective erkenntnis Lange gesch. d. materialism. 24; Windelband gesch. d. ne. philos. (1899) 1, 148. in rein logisch-erkenntnistheoretischem sinn versteht man unter subjectiv auch das transcendental-subjective wie raum und zeit, vgl. Eisler a. a. o.
2) als abhängigkeit von der beschaffenheit des psychologischen einzelsubjects kennzeichnet subjectiv das individuell-subjective als eine beschränktheit, zunächst hinsichtlich metaphysischer fragen: glaubenssachen, deren evidenz schlechterdings nur subjectiv sind G. Forster sämtl. schr. 5, 211; sie ... kündigen gleich in einer religionsgeschichte die schilderung subjectiver meinugen an Humboldt an Welcker 71; ich glaube an alles und an nichts, weil eben alles relativ und subjectiv im leben ist fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 308; im weiteren sinne bezeichnet subjectiv beschränktes individuelles vermögen im denken und erkennen überhaupt, das damit als eigenwillig, willkürlich erscheint: vermutungen, die nur auf subjectiven voraussetzungen beruhten, konnten keine gewähr ihrer richtigkeit leisten H. Brunn kl. schr. 2, 1; ein bibelvers darf (je nach dem zweck der predigt) in hundert subjectiven farben des ernstes und humors versetzt werden W. H. Riehl dt. arbeit 184; (die leidenschaften) dictierten ihm subjectiv den stoff Ludwig ges. schr. 5, 54.
3) auf der andern seite wird das subjective zum ausdruck des persönlichen im handeln: mit dem subjectiven, persönlichen momente wirkte ein ... nationales zusammen Ranke w. (1875) 15, 3; um die herausgabe dieser vorlesungen dem subjectiven anlasse nach zu erklären Solger vorles. üb. ästhetik 5, 16. seit Kant gilt es im engsten sinne von dem gefühl, vgl. Eisler a. a. o.; zunächst allgemein als das auf die ästhetische beschaffenheit eines gegenstandes gerichtete aufnehmende vermögen: dasjenige subjective aber an einer vorstellung, was gar kein erkenntnisstück werden kann, ist die mit ihr verbundene lust oder unlust Kant ges. schr. I 5, 189 akad.; das subjective innewerden des harmonischen spieles aller kräfte im dienste der höchsten ist dann seligkeit A. Stifter sämtl. w. 14, 7; dann von der aus diesem vermögen wirkenden kraft in der kunst: dilettantism ... wirkt bildend in solchen künsten, wo das subjective für sich allein schon viel bedeutet Göthe I 47, 301 W.; (der geist) der mehr subjectiv gefärbten lyrik H. Brunn kl. schr. 3, 106; die ähnlichkeit der subjectivsten und der objectivsten der künste (der musik und der mathematik) L. Boltzmann popul. schr. 73.
 
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subjectivität, f., eine substantivierung des adj. nach frz. subjectivité seit dem 18. jh., vgl. Seiler lehnw. 3, 348. zu subjectiv 1: (Plato) erkennt die subjectivität der sinneseindrücke vollständig an Dilthey einleit. in d. geisteswiss. 1, 233; Windelband gesch. d. ne. philos. (1899) 1, 148. zu subjectiv 2: wie denn bei dergleichen abwägungen

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der richterliche ausspruch fast jederzeit allein durch die subjectivität der aburtheilenden bestimmt wird Gaudy 21, 158; die auf die spitze getriebene subjectivität des achtzehnten jahrhunderts Immermann 18, 35 Boxb.; die subjectivität der weiber M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 3, 385. zu subjectiv 3: diese leerheit heiszt uns reine form, darstellung reiner objectivität ohne object und ja, ohne beimischung eines funkens subjectivität: denn diese subjectivität wäre vielleicht gar genie Herder 22, 102 S.
 
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sublim, adj., erhaben, auszerordentlich, köstlich, entlehnt im 18. jh. aus dem lat., zunächst in der verwendung von lat. sublimis zur kennzeichnung eines erhabenen sprachlichen stils: sublime rede dicendi genus sublime, grande et magnificum Apinus gloss. nov. (1728) 519; vgl. sublimität erhabenheit in worten Heinsius 4, 922a: zudeme so ist alles in dem sublimsten stil verfaszt J. J. Schwabe tintenfäszl (1745) 32; (dort) unternahm ich es ..., meine sublimen tropen in gutes derbes deutsch zu übersetzen Thümmel reise in d. mittern. prov. v. Frankr. (1791) 2, 240. sublim bezeichnet weiter die erhabene einstellung im geistigen überhaupt und das ihr in den erscheinungen entsprechende: ich habe hier beyläufig von Wilhelm vernommen, er sähe seine vorlesungen aus einem sehr sublimen standpunkt an Caroline briefw. 2, 4 Waitz; jene sublime einsicht in das nichts, die macht uns erst recht wahr fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 298; für die phantasie ist hier keine auszerordentliche nahrung, wenig sublimes, romantisches, poetisches G. Forster sämtl. schr. 3, 424. von geistigen fähigkeiten mit dem allgemeineren begriff des auszerordentlichen: sublimer verstand ingenium praestantissimum Apinus a. a. o.; wenn es bedeutend ist, sublim in irgend einer art zu sein, so ist es besonders im bösen Göthe I 45, 102 W.; so von personen: es gäbe keine beszre schule als der umgang dieses mannes (Metternich), der sublim, der einzig sei Varnhagen van Ense tageb. 1, 320; jedes (handels) haus hätte ihm freudig eine tochter gegeben, um mit diesem sublimen kopf sich näher zu verbinden W. Hauff sämtl. w. 2, 177. in der sprache der guten gesellschaft enthält das wort zuletzt nur noch den allgemeinen begriff des lobes, s. Seiler lehnw. 4, 224. umgangssprachlich gewann das wort auch den klang von 'köstlich' im sinne von 'erheiternd, belustigend': ich habe einen sublimen einfall! ... er ist himmlisch der einfall Schiller 14, 136 G.; du kennst wahrscheinlich nicht die köstliche geschichte von unserer alten, trefflichen gräfin? ... nun, so höre; sie ist sublim Holtei erz. schr. 7, 183; jetzt brach ein wieherndes gelächter aus: der Clemens ist sublim! ebda 25, 41; hierher die anmerkung zu sublime freundinnen in einer satirischen abhandlung: es sollte mir leid thun, wenn jemand dächte, dasz ich den ausdruck erhaben statt sublim nicht gewuszt hätte. mein freund, ... ich weisz ihn so gut wie du; aber du siehst vielleicht die delicatesse des wortes sublim nicht so gut wie ich Th. Abbt w. 4 (1780) 8.
 
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sublimat, n., nach dem part. prät. von neulat. sublimare 'durch destillieren erhöhen' im 16. jh. gebildet, s. Weigand-Hirt 2, 1004, bezeichnet allgemein 'was erhöcht, erhebt und reyner gemacht ist, das es dester mehr krafft habe' Roth dict. (1572) p 6b; 'chemisch das erzeugnisz jeder verflüchtigung in starrer, fester oder pulveriger gestalt J. Hübner zeitungslex. (1824) 4, 479a; Mothes baulex. 4, 281: kalialaun gibt im kölbchen wasser aus aber kein sublimat Oken naturgesch. 1, 284; in bildlicher verwendung: viel eher dürfte musik ein sublimat der sprache heiszen als die sprache ein niederschlag der musik J. Grimm kl. schr. 1, 296; E. T. A. Hoffmann 9, 105 G. insbesondere versteht man unter sublimat, vor allem in älterer medizinischer sprache, das quecksilberchlorid, s. Weigand-Hirt a. a. o.: sublimat oder mercurius sublimatus ist ein ... vermittelst der sublimation zu einem dichten und crystallinischen cörper gebrachtes quecksilber, ... von den chirurgis zur beitzung des wilden fleisches gebraucht' Chomel 8, 1785: wiewol sonst auch andere artzneyen vorhanden seind als wundtränck, wundpulfer, sublimaten Paracelsus chirurg. bücher (1618) 14 Huser;

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Wirsung artzneybuch (1588) reg.; Blancard arzneiwb. (1788) 3, 141a; aber auch noch in neuerer zeit ist das quecksilberchlorid unter dem namen sublimat bekannt (19. jh.) bei Sanders 3, 1264b.
 
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sublimieren, vb. vereinzelt spätmhd. im übertragenen sinne von lat. sublimare 'erhöhen':

hilff mir den tempel werden
durchwehen und baliern,
mit farben sublimiern
usz diner alchimy
H. v. Sachsenheim 234 lit. ver.;

mit farwen sublimirn derselbe in meister Altswert 130 lit. ver. seit dem 16. jh. aber entspricht es neulat. sublimare (s. unter sublimat) in der bedeutung 'in die höhe treiben, in der chemie die festen theile eines körpers durch das feuer in die höhe treiben' Adelung 4, 493; Roth dict. (1572) p 6b: biss der sulphur an dem boden bleibt und nicht mehr steigen oder sublimieren wil Thurneyszer alchym. (1583) 24; tartarische kranckheiten ... kommen von dem sublimieren und deren seind viel, ein sonders vom mercuri sublimieren Paracelsus op. (1616) 1, 478 Huser; Mathesius Sarepta (1562) 43b; Oken naturgesch. 1, 314. seit beginn des 18. jh. in übertragener verwendung, zunächst noch im vergleich:

... durch die sinnen in gedanken
die seele stetig frucht gebiert,
da (wie durchs feur im helm der geist sich sublimirt)
gewisse theilchen auch gemach des cörpers schranken
sich zu entziehn, sich zu entcörpern scheinen
Brockes ird. vergnügen (1739) 1, 335;

menschliche zustände, gefühle, ereignisse in ursprünglicher natürlichkeit (lassen) sich nicht in dieser art aufs theater bringen ..., sie müssen schon verarbeitet, zubereitet, sublimirt sein Göthe I 41, 1, 353 W.; die zu abstracten begriffen sublimirten ... vorstellungen Schopenhauer 3, 115 G.; mag hier und da das urtheil und der geschmack der einzelnen selbst feiner und sublimirter geworden sein Nietzsche w. (1895) 1, 318; in ähnlicher verwendung auch noch heute: sublimierte erotik, sublimierte gefühle u. ä.; auch: in den sublimirten kreisen der gesellschaft Immermann 1, 191 H.
 
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sublunarisch, adj., nach lat. sublunaris seit dem 17. jh. gebräuchlich, zunächst astrophysikalisch: (die elemente, die) diese gantze sublunarische oder unter den monden gelegene welt erfüllen J. B. Porta natürl. magie (1617) 45; F. Th. v. Schubert verm. schr. 2, 203. dann überhaupt irdisch, wirklich, vgl. J. Kinderling reinigk. d. dt. spr. 433: dieser karakter ist ein eigenes universum, das ich gern jenseits der sublunarischen welt ... einquartiert wissen möchte Schiller 2, 364 G.; (die liebe) erhebt uns über das sublunarische empor Heinse 3, 126 Sch.; doch itzt zurück aus unsern utopischen theorien in die wirkliche, sublunarische welt G. Forster sämtl. schr. 5, 201.
 
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submission, f. , eine bildung nach lat. submissio 'herablassung, unterordnung', möglicherweise unter einflusz von frz. soumission 'unterwerfung, unterwürfigkeit, ehrerbietung, lieferungsanerbieten', seit dem 17. jh. bezeugt, vgl. Seiler lehnw. 4, 129.
1) unterwürfigkeit, ehrerbietung: ewrer königl. majestät ich abermahl diesen andern theil meiner histori mit gebührender submission und reverentz presentire B. Ph. v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653), vorr. 7; ich beantwortete alle ihre fragen ... mit sittsamer bescheidenheit, keineswegs aber mit einer sclavischen submission J. G. Schnabel insel Felsenburg 13 lit.-denkm.; Gaudy 22, 118; jetzt veraltet.
2) vergebung öffentlich ausgebotener arbeiten auf grund eines eingereichten kostenanschlags, die seit dem 19. jh. übliche bedeutung, s. Sanders 3, 1264b; hwb. d. staatswiss. (1898) 6, 1172.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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