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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
subaltern bis subjectiv (Bd. 20, Sp. 809 bis 814)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) subaltern, adj. , eine entlehnung des 17. jh. aus frz. subalterne, das seit dem 15. jh. als bildung aus spätlat. subalternus bezeugt ist, vgl. Seiler lehnwort 4, 134 und Gamillscheg 819a.
1) in eigentlicher bedeutung gilt das wort zunächst allgemeiner von einer art abhängigkeit überhaupt: sie (die stadtbewohner) wiesen sie (die Franzosen) zu den bundtgenossen desz adels als zu ihrem subalternen magistrat, dasz sie mit denen verhandelten wegen entsetzung (der belagerten stadt) E. v. Meteren beschr. d. ndl. kriegs (1614) 1, 124b; (Friedrich der grosze) wäre ... von dieser krone (der französischen) abhängig und subaltern erschienen Ranke sämtl. w. 30, 118. gewöhnlich specieller vom militärischen und beamtenmäszigen dienstverhältnis, vgl. DWB subaltern, m. ähnlich wie zuweilen untergeordnet gilt das wort zuletzt wesentlich von den untersten stufen der dienstverhältnisse: Winckelmann scheint seinen subalternen bibliotheksdienst ... zur einsammlung weniger und gediegener ... kenntnisse genutzt zu haben Göthe I 46, 93 W.; alle subalternen stellen der beamten und officiere

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werden alle 3 jahre gewechselt Ritter erdkde 4, 642; subaltern heiszen danach wie im frz. die bedientenrollen auf der bühne, vgl. dict. de l'académie franç.7 2, 786b und subaltern, m.: Du Bos merket dabey auch sehr richtig an, dasz das unglück dieser subalternen bösewichter keinen eindruck auf uns mache (es handelt sich um bediente) Lessing 10, 135 L.-M.; selten abstracter ohne unmittelbare vorstellung eines abhängigkeitsverhältnisses: es ist etwas altes, dasz man die arbeit für etwas gemeines, wenigstens für etwas sehr subalternes hält Seume im freimütigen 1803 nr. 142.
2) die übertragene bedeutung findet sich in anlehnung an das französische, das dieses wort zur bezeichnung geistiger mittelmäszigkeit und beschränktheit (s. u. DWB a) oder bedientenhafter haltungsweisen (s. u.b) seit dem 18. jh. verwendet, s. Littré 2, 2, 2054 f.
a) zuerst bei Lessing: (der könig von Polen war) ein subalterner held, der sich in die krone vergafft hatte (im gegensatz zu Karl XII., einem wahren helden) sämtl. schr. 17, 45 L.-M.; Georg Wilhelm, ohne kühnheit, ohne thatkraft, mit seinem subalternen sinn für das nächste und kleinste Prutz preusz. gesch. 1, 335; ein ... vom besten willen beseelter, aber etwas subalterner geschäftsmann Fr. Meineke v. Boyen 1, 383; häufig von Göthe in hinblick auf künstlerische auffassung und production gebraucht, weniger mit dem gewöhnlichen, abschätzigen beiklang, als im sinne von 'zweitrangig': Antonio Labacco ... scheint einer von den subalternen naturen gewesen zu seyn, die noch immer auf einen sehr hohen grad der kunst gelangen, wenn die meister vortrefflich sind IV 10, 331 W.; subalterne neigung zu den zierrathen I 44, 317 W.; (die) arbeit einer subalternen, obgleich nicht gering zu schätzenden kunstart (des holzschnitts) I 47, 46 W.; (majoliken) sind denn doch immer subalterne kunstwerke IV 27, 176 W. in anknüpfung an die bedientenrollen der bühne findet sich sehr verbreitet die wendung eine subalterne rolle spielen, des sinnes 'eine untergeordnete, nebensächliche, unbedeutende rolle spielen', vgl. s. v. rolle teil 8, 1138 f. und s. v. spielen teil 10, 1, 2366: (Palissot im briefwechsel mit Voltaire,) der ... eine sehr beschränkte, rechthaberische, subalterne rolle spielt Göthe I 45, 193 W.; Schiller 16, 218 G.; v. Knigge roman m. lebens (1781) 4, 57; die prosa ... spielt eine subalterne, temporelle rolle Novalis schr. 3, 10 M.; eine sehr subalterne kunstrichterrolle (spielen) Ayrenhoff w. 5, 234; der pompeianische statthalter spielte neben ihm eine subalterne rolle Mommsen röm. gesch.4 3, 431.
b) 'mit bedientenhafter, lakaienmäsziger, niedriger gesinnung': der hang zum vergnügen, welcher ... die ruhmbegierde und die ambition bey ihm nur zu subalternen leidenschaften machte Wieland Agathon (1766) 1, 382; vgl.subalterne reizungen ebda 169; (Mercur ist) subaltern an dienst und charakter Herder 17, 356 S.; eine subalterne natur mit der scheu einer solchen vor allen reicher beanlagten und höher strebenden geistern Prutz preusz. gesch. 3, 303.
3) in zusammensetzungen im eigentlichen sinne von den unteren rängen: -beamte, m. : Grützinger stammte aus der familie eines subalternbeamten W. v. Polenz Grabenhäger 1, 232; Bismarck erinn. 2, 190; -offizier, m. , in der armee bis 1918 geltende officielle bezeichnung der leutnants und oberleutnants: (es wurde mir erlaubt,) einer gewissen anzahl staabs- und subalternoffiziers öffentliche vorlesungen über geschichte und ästhetik zu halten Schubart leben u. gesinn. 1, 138; auf schiffen ... steht dem kommandanten die wahl des adjutanten unter den subalternoffizieren frei v. Alten hdb. 1, 140.
 
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subaltern, m., daneben in frz. form subalterne bei Fäsch kriegs-, ingenieur-, seelex. (1735) 879b und Holtei erz. schr. 1, 94, entspricht der französischen substantivierung des genannten adjectivs, dessen eigentliche bedeutung (1) es besitzt, vgl. subalternen heisen bey der militz diejenigen, so unter einem andern stehen, als die capitains und lieutenants etc. unter dem obristen, die unterofficiers unter dem capitain und dergleichen Sperander à la mode-spr. (1727) 691b: was seine (des corporals) subalternen wissen

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und thun sollen, musz er ... verstehen ... und seinen untergebenen in allen stücken mit gutem beispiel vorgehen Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 148; (die richter) stehen sehr oft unter der vormundschaft ... ihrer subalternen Rabener w. 3, 101; das detail des kleindienstes mag man den subalternen überlassen, aber zum verantwortungsreichen regieren fehlen haltung und selbstbewusztsein, die allein der stand verleiht W. v. Polenz Grabenhäger 2, 93. die bedientenrollen des theaters: die götter (werden) zu den oberschauspielern der epopöe ..., die menschen sind die subalternen (les acteurs subalternes) und nehmen die bühne fast beständig ein Ramler einl. in d. schönen wiss. 2 (1758) 57; der übertragene gebrauch scheint bei dem substantiv zu fehlen, bildliche verwendung ist vereinzelt:

ein mann von geist und subaltern
von einem groszen ordensstern
v. Gökingk ged. (1780) 1, 41;

es giebt eine periode im leben, in der der mensch plötzlich alt und reif wird. bei manchen menschen bleibt diese periode freilich ganz aus, sie bleiben immer nur subalternen in der groszen armee Tieck schr. 7, 280.
 
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subel, sübel, f.: subeln, schusteräle, pfriemen subulae B. Faber thes. (1587) 1109b; in obd. glossaren des 15. und 16. jh. bei Diefenbach gl. 562c; nov. 353b: (die juden) durchstachen ihn (den knaben) mit subeln, phrimen, olen (16. jh.) bei Menken script. Saxonici 2, 1610; saubel Vilmar 339. das wort ist eine entlehnung aus lat. subula, das gleicher bildungsart ist wie wurzelverwandtes mhd. siuwel, nhd. suhle, säule, s. teil 8, 1903; von diesem ist es auf nd. boden nicht zu unterscheiden: lippisch subbel, suwwel, süwwel Frommann zeitschr. 6, 487; sübbel Strodtmann id. Osnabr. 235.
 
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suber, m. nach lat. suber, n., korkbaum: dann diese ding seind dem menschen nutz, mit den bletteren alz der maulbeerbaum, mit der frucht alsz die reben, mit dem holtz als der suber und eichbaum H. Frölich offenbarung der natur (1591) 121; Sanders fremdwb.2 2, 526a.
 
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subhastation, f., nach dem lat. subhastatio gebildet, vgl. Seiler lehnw. 4, 129; die deutsche entsprechung ist stangenrecht, s. teil 10, 2, 817. zuerst bei Wächtler commodes manual (1703) 301 verzeichnet: die subhastation ist ein öffentlicher verkauff verholffener grundstücken, darinnen diese dem meistbietenden gegen bezahlung des kaufgeldes zugeschlagen ... werden Th. Haym teutsch. jur. lex. (1738) 1190; Gaudy 8, 126; er kann es mit dem schulzengut zum verkauf treiben oder zur subhastation W. v. Polenz Grabenhäger 2, 69; mundartlich bekannt, entstellt zu sebaste Müller-Fraureuth 2, 587a, mit dem ton auf der ersten silbe Hertel Thüring. 240. —
 
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subhastieren, vb., nach lat. subhastare gebildet, s. Seiler lehnw. 4, 129: subhastiren öffentlich zum verkauff anschlagen Wächtler commodes manual (1703) 300; Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh.- u. satir. ged. (1727) 2, 270; dann mögen die gläubiger unsre höfe ... subhastiren lassen J. Möser sämtl. w. (1842) 3, 257; mundartlich entstellt in verseebastieren Müller-Fraureuth 1, 587a.
 
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subject, adj., nach lat. subiectus, vgl. frz. sujet, adj.; 'unterworffen, unterthan, z. e. einem subject seyn' Wächtler comm. manual (1703) 301; für das 17. jh. bei Fischer schwäb. 5, 1944 nachgewiesen.
 
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subject, n. das wort geht auf lat. subiectum zurück, das den philosophischen, grammatikalisch-logischen begriff von griech. ὑποκείμενον wiedergibt, s. Eisler hwb. d. philos. (1922) 636, woselbst über die bedeutung des scholastischen subiectum und die jüngere entwicklung gehandelt ist. das deutsche versuchte eine ähnliche lehnübersetzung wie das lateinische seit der mystik: Tauler überträgt das scholastische subiectum (= substantia) mit understant pred. 58 Vetter; auch die fruchtbringende gesellschaft schlägt diese verdeutschung vor, s. Campe wb. d. fremd. ausdr. 2, 626a; aber sie setzte sich so wenig durch wie undersacz, underseczung, underligunge, -legunge, underlege, glossierungen des lat. wortes im 15. jh., s. bei Diefenbach 560a, oder

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Eckeharts understôz, underschôz, s. zs. f. d. ph. 16, 35 f. geläufiger erscheint underwurf seit dem 14. jh., s. bei Pfeiffer myst. 2, 368; Diefenbach a. a. o.; Er. Francisci alleredelste veränd. (1671) 81; Mattheson d. vollk. capellmeister (1739) 9; s. auch teil 11, 3, 1913 unter unterwurf d. über gegenwurf die sonst für objectum übliche verdeutschung, in glossaren des 15. jh. bei Diefenbach 560a und bei Roth dict. (1572) p 6b, s. teil 4, 1, 2, 2303; Roth hat daneben noch einwurff für subject ebda.
die aufnahme des wortes bei Roth und die form subject erweisen die allgemeine eindeutschung im 16. jh.in der regel gilt die starke flexion; schwache findet sich bei Paracelsus und bei Butschky (s. u.). der ton liegt, nach jüngerem sprachbrauch wenigstens, in der bedeutung 6 auf der zweiten silbe, sonst vielfach auch auf der ersten, vgl. Weigand-Hirt 2, 1003.
1) in der bedeutung 'substanz, stoff' schlieszt sich subject am engsten an die aristotelisch-scholastische verwendung von subiectum an; bei Paracelsus als etwas, das andern einflüssen unterliegt: (wenn das alles beherrschende gestirn auf das corpus wirken soll,) so mag es nit sein ohne mittel; das mittel ... ist auch ein astrum und ligt in den, in den das ober wircket. ... jedoch aber so ist das gestirn in acht theil getheilt: eins ist gewaltig (das höchste gestirn), sechs seind subjecten (das sind die mittel: die gestirne des menschen, der tiere und der vier elemente), das acht ist auch gewaltig (das in der imagination des menschen wirkende) opera (1616) 2, 504 Huser; (den leib) zu bewahren, sind die räth, das ... dasselbig subject hindan genommen werde, in welchem die pestilentz ihren gewalt brauchet als des bluts zuviel hitzigkeit und alle krankheit, so im leib verborgen ligen ebda 1, 359. am längsten erhält sich diese bedeutung im sinne von 'material der künste' bis ins 18. jh.: ein jeder also, der etwas nachahmen will, musz vor allen dingen sich ein solches subject suchen, darinnen er etwas nachahmen könne. so suchet sich der bildhauer einen stein aus, aus dem er sein bild hauen kann, der maler suchet sich eine tafel J. E. Schlegel w. 3, 119; verse sind das subject der nachahmung bei einem poeten ebda 121; vgl.: indem der klang der einzige unterwurf (subjectum) der music bleibet Mattheson d. vollk. capellmeister (1739) 9. vereinzelt in concreter vorstellung als 'unterlage': obgleich vielerlei zierfarben in der welt zu finden, fügen sich doch nicht alle allemal auf einen jedweden unterwurf oder subject Er. Francisci alleredelste veränd. (1671) 81.
2) auf den 'gegenstand einer kunst' beschränkt erscheint subject im deutschen des 18. jh. in entsprechung zu antikmittelalterlichem subiectum, das in weiterem sinne 'object einer tätigkeit' überhaupt, z. b. einer wissenschaft, bedeuten kann. es hat sich in diesem sinne nicht lange gehalten und wurde in den bildenden künsten im 19. jh. durch frz. sujet verdrängt. in der malerei 'vorwurf eines bildes': gemälde zu liefern ohne subject, blos des künstlich angelegten und so wohl unterhaltnen gesichtspunkts, kompositionsgeistes, colorits ... wegen Herder 5, 205 S.; in der dichtung: der poet soll entweder zwölf ritter ohne einen Arthur oder einen Arthur ohne zwölf ritter zum subject genommen haben Gerstenberg schlesw. litbr. 4, 34 lit.-denkm.; es müszte, däucht mich, der politische held in eben dem grade kein subject für die bühne seyn Schiller 3, 6 G.; Forster sämtl. schr. 3, 42. als musiktechnischer terminus wie frz. sujet 'thema einer fuge' H. J. Moser musikal. wb. 118b; die partite ... fürs clavier, die corrente und gige für die violin, die sogenannten subjecte für die beingeige J. Mattheson d. vollk. capellmeister (1739) 204; Chomel 8, 1785.
3) subject im sinne von persönlicher träger bestimmter zustände, die der eigentliche gegenstand einer wissenschaftlichen betrachtung sind, schlieszt sich in besonderer weise der unter 2 genannten lateinischen bedeutung an; bes. in der medizin, vgl. frz. sujet 'körper, leiche, patient', s. Littré 2, 2, 2079a: in absicht auf den schmerz ist es also erwiesen, dasz er auf den tod des subjects abzielt Schiller 1, 174 G.; umstände, die bey der anwendung (medizinischer regeln)

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in betracht zu ziehen sind: die verschiedene constitution des subjects in absicht auf die einfachen bestandtheile und fasern Hufeland kunst d. menschl. leben zu verl. (1797) 324; Sömmerring menschl. körper 5, 30; dann auch in der historie: es bleibt eine lücke zwischen dem historischen subjekt und dem leser Schiller 4, 62 G.; man sah das subject sich verändern, gegen das gefehlt zu haben als hochverrath betrachtet wurde: bisher war es der könig gewesen, jetzt wurde es das ganze des parlamentarischen staates Ranke w.2 16, 25; K. L. v. Haller restauration 1, xlix.
4) im grammatikalisch-logischen sinn als grundwort eines satzes oder grundbegriff eines urteils. die grammatik braucht das ursprünglich logische kunstwort subiectum seit Schottel, häufiger aber erst seit der mitte des 18. jh., vgl. Jellinek gesch. d. nhd. gramm. 2, 469, seitdem auch als eingedeutscht nachweisbar: was ist denn hier unnatürliches? etwa dieses, dasz das subject hinter seinem zeitworte steht? Lessing 8, 49 L.-M.; diese auffassung in urtheilen mit subject und prädicat niederzulegen Lange gesch. d. materialism. 247.
5) seit Kant wird subject im psychologisch-erkenntnistheoretischen verstande gebraucht, im neueren sinne bedeutet es dann auch das erlebende, vorstellende, erkennende, fühlende, wollende wesen im gegensatz zu den objecten des erlebens, erkennens, handelns, s. Eisler hwb. d. philos. (1922) 636; im deutschen seit dem 18. jh.: die regeln des einverständnisses (über musik und sprache) liegen ... sowohl im material der kunst als im subject der diese künste genieszenden, immer nur menschlichen empfindung Herder 23, 75 S.; es ist etwas unbekanntes gesetzliches im object, welches dem unbekannten gesetzlichen im subject entspricht Göthe I 48, 204 W.; der schritt vom object zum denkenden subject Lange gesch. d. materialism. 14; mit den vollkommensten mustern selbst hat der dichter keinen andern zweck, als uns zu ergötzen. nichts thut dies, als was unser subject verbessert Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 382.
6) subject bezeichnet seit dem ende des 17. jh. eine person.
a) nach kanzleisprachlichem brauch eine solche, um deren tauglichkeit bes. für ein amt es sich handelt; vgl.: ein tüchtig subjectum zum amte erwehlen Wächtler commodes manual (1705) 301: aber solcher subjecten (,die einem hohen politischen amt gewachsen sind,) ... vile zu finden, wird man wohl des Diogenis latern anzünden Butschky Pathmos (1677) 530; der graf ... brauche einen secretair, der stark im teutschen staatsrechte sey und fertig französisch schreibe. der grosze mann ward höflich gebeten, ein taugliches subject vorzuschlagen Fr. M. Klinger 9, 63; die wahlen ... setzen ... voraus, dasz die capitel in guter ordnung und mit tüchtigen subjecten versehen seyen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 559; insbesondere von pfarramtscandidaten im 18. jh. in der Schweiz: wegen starken nachwerbens hat der cardinal über alle 3 vorgeschlagenen subjecte das los gezogen, und ist dasselbe auf mich (den künftigen pfarrer) gefallen (1740) bei Staub-Tobler 7, 94.
b) sodann von personen, die in einem abhängigkeitsverhältnis stehen wie diener, gehilfen, s. Chomel 8, 785: früher wurden die schreibergehülfen von ihren principalen ... subjecte genannt bei Staub-Tobler 7, 94; bes. ein gehilfe in einer apotheke Campe wb. z. erklär. u. verdeutschg. (1813) 572a: die herren apotheker ihre gehülfen subjecte nennen K. J. Weber Deutschland 1, 307; ich kann ein solches subject (einen kammerdiener) nicht mehr bezahlen Holtei erz. schr. 24, 54; ladendiener Lexer kärnt. 245; dass. veraltet J. Jacob Wiener dial. 188a.
c) ohne eine dieser beiden bezogenheiten in allgemeinerer, neutraler bedeutung irgendeine person: nun kenn ich ... herrn Schwalbe als ein fideles subject Körner 4, 52 H.; vgl.: eine person, davon man redet, also wann man sagt, das ist ein fein subjectum, so bedeutet es einen feinen menschen Sperander à la mode-spr. 693a. in diesem allgemeineren gebrauch entwickelt sich, zunächst neben negativ wertenden attributen, ein verächtlicher beigeschmack, der heute umgangssprachlich gewöhnlich auch dem bloszen

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nomen anhaftet: jedes schlechte subject, das nur einmal die bretter öffentlich betreten hat, ist ihm mit einer gewissen glorie umgeben Tieck schr. 4, 51; Göthe I 33, 264 W.; vgl.: ein schlechtes subjectum Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ 18; er ... fing bald an, den gänzlich verkommenen subjecten zugezählt zu werden A. v. Droste-Hülshoff 2, 264; verdächtige subjecte Storm 2, 53; in der lebenden schweizer. mundart nur mit verächtlichem beigeschmack Staub-Tobler 7, 94, auch im schwäb. meist verächtlich Fischer 5, 1944; Pansner schimpfwb. 68b.
 
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subjectiv, adj. , adv., auf das subject sich beziehend, in ihm begründet, geht auf lat. subiectivus, vielleicht über frz. subjectif zurück, vgl. Seiler lehnw. 3, 348. im deutschen seit dem 18. jh. in der bedeutung von subject 4 verwandt, s. Eisler hwb. d. philos. (1922) 638.
1) subjectiv ist das dem objectiven gegenüberstehende, durch seine organisation gleiche, allgemeine, überpersönliche wesen des menschen: hier (in der behandlung der tonlehre) steht das subjectiv-organische wieder voraus, das objectiv-physische, mathematische ihm entgegen Göthe IV 25, 188 W.; subjective wahrheit, eine solche, die blosz ihren grund in unserer vorstellungsart hat Hübner zeitungslex. (1824) 4, 478b; die klare subjective erkenntnis Lange gesch. d. materialism. 24; Windelband gesch. d. ne. philos. (1899) 1, 148. in rein logisch-erkenntnistheoretischem sinn versteht man unter subjectiv auch das transcendental-subjective wie raum und zeit, vgl. Eisler a. a. o.
2) als abhängigkeit von der beschaffenheit des psychologischen einzelsubjects kennzeichnet subjectiv das individuell-subjective als eine beschränktheit, zunächst hinsichtlich metaphysischer fragen: glaubenssachen, deren evidenz schlechterdings nur subjectiv sind G. Forster sämtl. schr. 5, 211; sie ... kündigen gleich in einer religionsgeschichte die schilderung subjectiver meinugen an Humboldt an Welcker 71; ich glaube an alles und an nichts, weil eben alles relativ und subjectiv im leben ist fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 308; im weiteren sinne bezeichnet subjectiv beschränktes individuelles vermögen im denken und erkennen überhaupt, das damit als eigenwillig, willkürlich erscheint: vermutungen, die nur auf subjectiven voraussetzungen beruhten, konnten keine gewähr ihrer richtigkeit leisten H. Brunn kl. schr. 2, 1; ein bibelvers darf (je nach dem zweck der predigt) in hundert subjectiven farben des ernstes und humors versetzt werden W. H. Riehl dt. arbeit 184; (die leidenschaften) dictierten ihm subjectiv den stoff Ludwig ges. schr. 5, 54.
3) auf der andern seite wird das subjective zum ausdruck des persönlichen im handeln: mit dem subjectiven, persönlichen momente wirkte ein ... nationales zusammen Ranke w. (1875) 15, 3; um die herausgabe dieser vorlesungen dem subjectiven anlasse nach zu erklären Solger vorles. üb. ästhetik 5, 16. seit Kant gilt es im engsten sinne von dem gefühl, vgl. Eisler a. a. o.; zunächst allgemein als das auf die ästhetische beschaffenheit eines gegenstandes gerichtete aufnehmende vermögen: dasjenige subjective aber an einer vorstellung, was gar kein erkenntnisstück werden kann, ist die mit ihr verbundene lust oder unlust Kant ges. schr. I 5, 189 akad.; das subjective innewerden des harmonischen spieles aller kräfte im dienste der höchsten ist dann seligkeit A. Stifter sämtl. w. 14, 7; dann von der aus diesem vermögen wirkenden kraft in der kunst: dilettantism ... wirkt bildend in solchen künsten, wo das subjective für sich allein schon viel bedeutet Göthe I 47, 301 W.; (der geist) der mehr subjectiv gefärbten lyrik H. Brunn kl. schr. 3, 106; die ähnlichkeit der subjectivsten und der objectivsten der künste (der musik und der mathematik) L. Boltzmann popul. schr. 73.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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