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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stützholz bis stützkegel (Bd. 20, Sp. 792 bis 799)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stützholz, n., stützender bauteil, s. 1stütze A 2, von 1stützen: als ... durch verbrennen der stützhölzer ... die barbarkane (brustwehr) einstürzte, stürmte der angreifer v. Alten handb. f. heer u. flotte 2, 683; alsdann würden die stützhöltzer mit verbrennen G. Forberger warhafftige beschreibungen (1570) 345; stützbalck, stützholtz Kramer 2 (1702) 1032a.
 
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stutzhuhn, n., huhn mit kurzem schwanz, zu stutzen, stutz 'stumpf' (sp. 755), ebenso wie stützlein (sp. 800): ich bestelle von den neuen stutzhühnern, die sollen dir freude machen A. Pichler allerl. gesch. a. Tirol (1897) 1, 58. —
 
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stutzhund, m., hund ohne schwanz, zu 3stutzen truncare, stutz 'stumpf' (sp. 755): wenn die schulmeister darum verdammt sind, dasz sie die armen kleinen kinder und die unschuldigen schüler wippen, so ist er, meiner höchsten seel, itzt auf Ixions rad und wippt den stutzhund, der drinn braten wendet G. Regis Rabelais (1832) 1, 653.
 
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stutzhut, m., hut besonderer form, vgl. 3stutzen beschneiden oder stutz 'federbusch am hut' (sp. 739): ein ... mann von mitte dreiszig, dessen stutzhut und hechtgrauer rock mit grünen rabatten (des hirschfängers ganz zu schweigen) über seinen beruf keinen zweifel lassen konnte Fontane ges. w. I 6, 4; im alem. wohl anders: 'hoher hut', s. schweiz. id. 2, 1792; vielleicht zu stutzen beschneiden (s. o.): die stulp- oder stutz- (dreieckigen) hüte Prechtl technol. encycl. 7, 594.
 
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stutzicht, adj. , soviel wie stutzig, vorzüglich in dessen älteren bedeutungen.
1) stöszig, widerspenstig, wie stutzig A 1: ein stutzigter widder aries petulcus Zehner nomencl. (1645) 238; Hornbock machte es nicht anders, als die stutzigten böcke, fehlete es ihm aber an hörnern, so brauchte er an dessen statt die fäuste J. Kuhnau musical. quacksalber (1700) 165; hierher wohl auch: was sich in der herren angeklagten stutzigten schrifften befinden würde Moscherosch gesichte (1650) 1, 312. — störrisch, vom pferde, wie stutzig A 4, vielleicht auch wie B: stutzicht pferd equus pavidus Stieler stammbaum 2182; stutzig oder stutzicht pferd Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1919.
2) 'fest, stark, widerstandsfähig', wie stutzig A 3 oder von stutz 'pfahl' (sp. 743 u. 755): und die 4 starcken stutzechten füszlin, die do strack nidertrechtig sint und pfostelecht, der schwarz balck disz hündlins Keisersberg christenl. bilgersch. (1512) 145b.

[Bd. 20, Sp. 793]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stutzig, adj. , 'widerspenstig, jäh, kopfscheu', von 1stutzen, vb., in seinen verschiedenen bedeutungen, seit dem 15. jh. bezeugt. auch stotzig, s. teil 10, 3, 587; stützig besonders für die bedeutung A, bei jungen autoren oft geradezu mundartverhaftetes stützig 'widerspenstig' (A) gegenüber dem schriftsprachlich alleinigen stutzig 'zögernd' (B), vgl. u. A 2 und 4.
A. von stutzen 'stoszen' (sp. 758) und 'steil stehen, jäh sein' (sp. 767). 'stoszen' liegt ausgeprägt in 1 vor, 'jäh sein' in 6; in der masse der anwendungen (2 bis 4) scheint sich in der bedeutung 'widerspenstig' die grundbedeutung 'stöszig' mit 'jäh' zu vermischen, s. 5. in der bedeutung 'widerspenstig' deckt sich stutzig, stützig völlig mit stätig (teil 10, 2, 935), stöttig (teil 10, 3, 582), stetig, vgl. z. b.:

ein maultreiber, der drieb ein maul,
das war stetig, stützig und faul
H. Sachs 14, 134 K.-G.;

ob er (der ochse) stättig, forchtsam, wild ist ...; dann etliche werden davon nur noch vil stutziger, grimmiger und toller Sebiz feldbau (1579) 126. hierher, da stutzig im nd. sonst fehlt (s. u. DWB A 2): stüttig 'trotzig, tückisch' Schumann Lübeck 85; stütig als ein pferd écouteux (wie u. 4) Frisch nouv. dict. (1730) 543.
1) stöszig, stoszlustig, vom bock u. ä., wie 1stutzen A 1: aries petulcus ein stutziger wieder nomencl. lat.-germ. in usum schol. Hamb. (1634) 170; stöszig, stutzig petulcus thes. lat.-germ. (1687) 661; der junge bock ..., ob er gleich mutwillig und stutzig ist Comenius jan. ling. (1644) 54; man erkennt kein procesz wider ein stutzigen bock Lehmann flor. polit. (1662) 2, 722; und wird am jüngsten tag mit allen unreinen, stinckenden, stutzigen zothemmeln und böcken in das ewige hellische feuer geworffen werden S. Artomedes christl. auszlegung (1609) 1, 72; aber der stutzige bock beutelt mit dem kopf wie ein sonnenkoller v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 368;

jugend sprach, du bist als ein bock
aygensinnig, köppig und stützig,
mit all deinem fürnemen trützig
H. Sachs 4, 51 Keller;

sie haben auch die disputation in ander weg nicht wollen zulassen, und uns also mit einem hornichten und stützigen ranck und syllogismo angetastet und überfallen Luther werke (Jena 1555) 1, 145b.
2) widerspenstig, trotzig, hartnäckig, vom menschlichen charakter, ebenso auch aufstützig (teil 1, 756), wie 1stutzen trotzen (sp. 759). mundartlich im obd., s. Fischer schwäb. 5, 1943; Martin - Lienhart 2, 621; Ruckert unterfrk. 179; Schmeller-Frommann 2, 800; Schöpf tirol. 727. — stützig, widerspenstig, starrig, hartneckig obstinatus Schöpper syn. b 8a;

weil die juden sindt also trutzig,
hartmewlig, halsstarrig und stutzig
H. Sachs 11, 336 Keller;

so greulich hartköpffige stitzige leuth seynd sie, dasz sie gar niemand weder bändigen noch biegen kan Procopius patrociniate (1674) 757; sie (die hoffart) machet auch, dasz der mensch ... zum gehorsam unwillig, im votiren eigensinnig, stützig und unfolgig ist Albertinus Lucifers königreich 30 Liliencron; die ... waren einhellig so stützig, ... wolten gestrax uf iren köpfen ungewist stan Val. Anshelm Berner chron. 5, 279 Stierlin-Wyss; welcher schulmeister kan einen memmen hertzhafft machen, ... einen stutzigen gedultig Lehman flor. polit. (1662) 2, 785; und derhalben diese fromme schwester, diese stutzige und trutzige Xanthippe, vor andren weibern, ausgesucht E. Francisci luftkreis (1680) 285; die gesunde aber wurden auffsätzig und stutzig, gaben nichts mehr auf seine befehle M. Krämer leben u. tapffere thaten (1681) 22; jm gegentheil sollen sie (die dienstmägde) nicht seyn stutzig, trotzig, aufgeblasen v. Hohberg georg. cur. 3 (1715) 133a; vor dem andern verdrüst mich des geschichtz, daz ich nit ungeschickt noch stützig (protervus) gesehen wurd Terenz deutsch (1499) 76b; der ober feldherr ... befand stutzige, mutzige, trotzige, dikke, kurtze kerls J. G. Schottel horrendum bellum gramm. (1673) 62; bis in die

[Bd. 20, Sp. 794]


jüngste zeit lebendig, doch wohl meist in mundartlicher bindung: was wohl seinem Bertl über die leber gekrochen sein könne. sonst ein braver, williger mensch, jetzt auf einmal so stützig Rosegger schr. I 1, 180; die alten sein grad stützig und voll muggn; da bringst nix mehr drein und nix mehr draus Karl Schönherr frau Suitner (1916) 69;

von der kourage sprach es (das männchen) lang und breit,
und that sogar recht trutzig und recht stutzig
Heine 1, 17 E.;

der selbst die wildesten bezwingt,
wenn er die goldnen mährchen singt.
und wären knaben noch so trutzig,
und wären mädchen noch so stutzig,
sie müssen alle hinter drein
Göthe 1, 183 W.;


stutziger kopf, sinn u. dergl.: so ein verkündiger des wort gottes alles nach seinem stutzigen kopf richten wil, ... der wird mer zerbrechen, dann aufrichten Joh. Brentz pred. Salomo (1528) 113b; dergleichen dann erfahrner mann zu solchem groszen werck, sonderlich der newen ersten schatzung, bei solchen sttzigen und aufrührischen köpfen der juden erfordert sein wöllen H. Röslin Prodromus (1612) 106; ein stutziger kopf, stutziger sinn, stutzige weise Kramer 2 (1702) 1031a; das kann solch einem trotzigen, stutzigen schwabenkopf spanisch vorkommen H. Kurz sonnenwirt (1855) 165 Müller;

du hast newlich ein deiner freund
erzürnt durch dein stützigen grind
Wickram w. 4, 25 Bolte;

wölche haimsuchung si volbracht hat, nit ausz fürwitz als Dina, nit ausz ainen gehen stutzigen sin J. Öcolampadius sermon von dem vers im magnificat a 4a.
adverbielle anwendungen. mit jem. stutzig werden in streit geraten: in diesem jahr werden die von Erffurt und Mülhausen auch stützig mit dem landgrafen, aber keyser Ludwig wirckete zu beyden theilen einen friede Binhardus thüring. chron. (1613) 249; alsz darnach anno 1400 g. Niclasz gestorben, seint g. Heinrich und g. Albrecht mit jhrem bruder h. Gerhardten uber der erbtheilung stützig worden C. Spangenberg chron. (1614) 152; seindt mein knecht und ich mit einander stuczigk worden und zu den buchssen gegrieffen qu. v. 1561 bei Diefenbach-Wülcker 870. —

das weib soll jhrem mann nicht stützig widersprechen
sondern mit freundlichkeit tragen desz manns gebrechen
Moscherosch gesichte (1650) 2, 345;

des bildes hörner auch bedeuten,
das sich der neid gehn frommen leuten
entpöret und sich machet stutzig
H. Sachs 3, 334 Keller.


3) gelegentlich ohne den abschätzigen sinn von widerspenstig, vielmehr 'kräftig, standhaft, hartnäckig': wann ein starcker sturmwind sausset, so ist diser aichbaum so stützig, und widersetzt sich dem wind Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 34; ob der mensch ernst und stutzig oder sanftmütig und gelind Conr. Dieterich weish. Sal. (1627) 1, 816; (sie wählten ihn) von wegen seiner trutzlichen handlungen und dasz er ein aufrüss, anhärrig man was ... dan si auf sölchen männern z diser zeit sonders vil hieltend, um der stützigen und kriegischen loufen wellen, wellich ja stutzig und kriegisch praelaten erfordertend J. von Watt deutsche schr. 1, 402 Götzinger;

durch dein hilf wöln wir unsre feind
als mit hörnern zerstossen trutzig:
unt di widersetzig uns seint,
in deim namen zertretten stutzig
Schede psalmen 169 Jellinek.


4) vom pferde im sinne von 'störrisch'; im gegensatz zum vb. stutzen, wo der gleiche anwendungsbereich sich enger zur gruppe 'zögern' (sp. 762) stellt, erwächst hier die anwendung des adj. völlig aus 2 und 1 und ist von B einigermaszen entfernt: oder wo man zwei stutzige pferde zusammen einspannet, die böse und gebeissig sein, da gehet das fuhrwerck ubel von statten G. Edelmann hochzeitpred. (1580) g 5;

da bistu gwis nicht gewesn faul,
sonst stutzig wie ein ackergaul
Melchior Liebig geistl. trostb. (1586) b 1a;

[Bd. 20, Sp. 795]


dann wann eyn gaul entweder scheu und forchtsam, stützig oder sich nicht will zum fortel begeben und aufsitzen lassen Sebiz feldbau (1579) 149; ein stutzig pferd cavallo indomito Kramer 2 (1702) 1031a; vier pferd, prächtige apfelschimmel, aber stützig ist der eine Bäuerle kom. theater 3, 68; unsern lohnkutscher mitsamt seine stutzigen pferd soll der teufel holen Nestroy ges. w. 3, 103; dabei zieht sie die nasenflügel nach oben. wenn sie das tut, ist bei ihr nichts zu machen, so wenig wie bei einem stützigen pferd Hugo v. Hoffmannsthal Andreas (1932) 79; vielleicht an die in der neuzeit überwiegende bedeutung von B angelehnt: die scheuen und stutzigen (pferde) legen ... bald das eine ohr nieder, bald recken sie das andere in die höhe Lavater physiogn. fragm. 3, 74. — vereinzelt: equire stützig, läuffig sein nomencl. lat.-germ. in usum schol. Hamb. (1634) 174.
5) in der gleichen hauptbedeutung wie 2, jedoch mit herausstellung des sinnes 'jäh' im zeitlichen sinne, 'brüsk'; zu dem zusammenhang mit 6 und 7 vgl. besonders alem. gähstützig 'jähzornig; schroff, von der bergwand' Martin-Lienhart 2, 621. 'plötzlich', vgl. DWB stunz (sp. 550): und als die Gielen bei dem von Rohrschach keines guten bescheids einkommen mochtend, besunnend si sich (wie dann der edlingen rät stuntz und stützig sind), dem von Rohrschach sein haus Rosenburg onversechner dingen inzenemen J. v. Watt dtsche schr. 3, 443 Götzinger; alsz sie (drei) aber also in dem gesprech warend ... kamend inen 3 stutzig botschaft Knebel chron. v. Kaisheim 446 lit. ver.; von jähzorn und heftiger rede: was es für eine gottlose ... narrheit umb ... ungeziembten zorn, und sonderlich dem stutzigen jähzorn sey Conr. Dieterich Ecclesiastes (1642) 2, 96;

du hündischer sklave,
werth, dasz man deinen stützigen zorn
gedoppelt ahnde mit scharfem sporn,
und dein geschmeichel zehnfach strafe!
K. Beck lieder v. armen mann (1846) 123;

eine gähe, stützige oder ungestüme redreiche praeceps facundia Frisius (1556) 540a; stutzige antwort, worte nahezu im sinne von 2 'trotzig': unter desz ist marggraff Dietzman mit seinem gewaltigen wolgerüsten kriegszvolck gegen Doberlaw komen, da seine post sich wider zu jm gefunden, und was sie für stützige antwort von marggraff Hansen erlangt, angezeigt W. Krausz v. Guntzenhausen chron. (1555) g 2b; so will ich ain stutzige und unschweygige antwurt geben Luther 7, 863 W.; auf diese stutzige wort antwortet Lorentz gar glimpffig Boccalini polit. probierstein (1616) 43.
6) steil, jäh abfallend, vom berge, wie 1stutzen E; heute im alem., besonders in der form stotzig (teil 10, 3, 587): stutzig, stützig 'steil' schweizerdeutsche gramm. 14, 64; seit alters bezeugt: gäh, stickel, hoch, stützig praeceps Decimator thes. ling. (1615) index; stotzig, stutzig, jähe Rädlein (1711) 848b;

auch sichst du umb den bühel els
zu ring umb den stutzigen fels
H. Sachs 3, 84 Keller;

die wolcken sind in seiner (des berges) mit,
mit glatten schroffen gspitzet zu,
ein velsen auf der andern flu,
stützig und gech, unwegsam gahr,
voll wilder thieren und gefahr
J. R. Rebmann naturae magnalia (1620) 187;

der hoch rauch Eyger sonderlich
stützig mit felsen zeiget sich gespr. zw. bergen (1606) 201;

diese berge sind so wunderlich prutzig und stutzig, und strecken ordentlich vasen in die luft, dasz sie ganz sonderbar anzusehen sind. aufwärts spitzen sie sich in kegel zu Görres ges. br. 2, 176.
7) 'jäh, brüsk endigend, abschneidend, ohne übergang', vielleicht unter teilweiser einwirkung von 3stutzen 'truncare', erst jung: oben die giebel stumpf und stutzig abgebrochen Görres ges. br. 1, 302; wenn ein stockwerk gar zu stutzig angeschlossen ist Jacobsson techn. wb. 7, 493a; von menschlicher haltung 'abrupt', dann 2 näher stehend,

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vgl. auch 5 (gegen ende): ich hatte die stutzige art meines schnellen stillschweigens selbst empfunden S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 2, 133; ähnlich: wenn wir beisammen sind, lass ich mirs ja gern gefallen, dasz du steif und stutzig, verdrieszlichst und kalt bist zuweilen Lenau bei Castle Lenau u. d. fam. Löwenthal (1906) 402. dagegen wohl direkt von stutzen 'beschneiden', im sinne von 'kleinlich, verschnitten, unvollkommen': die form stutzig, schäbig, hungrig, kahl, matt, so dasz der elendste bettler in einem volke, dasz noch tracht hat, dem reichsten unter uns einen pfennig schenken möchte zu einem besseren kleide Fr. Th. Vischer ästhetik (1847) 2, 294; vielleicht hierher, oder ob 'trotzig, keck' (o. 2):

stellt euch einmal die engel vor
in hüten lächerlich putzig,
wie jetzt sie sind bei euch im flor,
im nacken sitzend stutzig
J. Kerner 6, 67 Pissin.


B. 'zögernd', von stutzen 'zögern' (sp. 760). für die mundarten gelegentlich verzeichnet, doch wohl meistens auf schriftsprachlichem einflusz beruhend, s. Fischer Samland 115; Crecelius oberhess. 826; Sartorius Würzburg 121; luxemburg. ma. 433; Fischer schwäb. 5, 1943; Hunziger Aarg. 264; vgl. aber das vereinzelte stutz werden irre werden Fischer schwäb. 5, 1943.
1) älter nhd. vielleicht gelegentlich noch in loser continuität zu A, in einer bedeutungsentwicklung von 'widerspenstig' (A 2) zu 'störrisch', später 'kopfscheu': des ein ... prediger ... nicht gerathen kan, will er anders viel und bleibende früchte bringen, und seine zuhörer nicht stützig und aufflessig machen Mathesius Sarepta (1571) 233a; nach dem ... viel zweyfel und anderung in der heyligen christlichen kirchen seind furgefallen, darob vil leut so stutzig und yrrig werden, das sie nicht wissen, wesz sie sich yn den dingen halten sollen O. Clemen reformat.-flugschr. 4, 251.
2) für die ältere sprache charakteristisch ist eine besondere nuance der grundbedeutung 'zögernd', im sinne von 'schwankend, verwirrt': dieses machte nun Spitigneum stützig, das er nicht wuste, was er thun solte M. Boregk behmische chron. (1587) 89; ob nun zwar ... Marbod ... stutzig ward: ob er tieffer ins land gehen solte Lohenstein Armin. (1689) 2, 827b; diese gedancken machten ihn in seinem vorhaben sehr stützig Bastel v. d. Sohle junker Harnisch (1648) 25; also auch das gemüdt und verstendtnus, die von dem wein zerrüttet, würd leichtfertig, stützig und strauchelt J. V. Deyger paedonomia (1547) e 8b; zletst laszt sie (das gedächtnis) das gemüt so liederlich etwann also blosz, das ainer gleich etwan in allen dingen stutzig wirdt Stephanus Vigilius de rebus memorandis (1541) 15a; er will ihr nachdencken stutzig machen Zinzendorf der teutsche Socrates (1732) vorwort; dieses machte mich von neuen stutzig und ... zerstreuet in meinen gedanken Leipziger aventurier (1756) 1, 193.
3) stark concrete anwendungen im älter nhd., die der modernen sprache fehlen, vgl. besonders stutzen stocken, stehen bleiben (sp. 761). etwas stutzig machen 'etwas zum stocken, stillstand bringen': dan sonst disz ganze werk wurde stutzig gemacht werden und gleich als were nichts gehandelt (1549) Friedensburg kurmärk. ständeakten 1, 480; die wochenmärckte, handel und wandel (sollten) durch auflegung einiger schatzung nicht stutzig gemachet ... werden v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 56; einmalig im sinne von 'langsam': gar freudig giengen die Spanier zu beiden seiten daran, doch gegen den raum der geworffenen mawr etwas stutziger, wie ihnen befohlen war G. Klee berühmter leute leben (1589) 1, 229.
4) 'aufmerksam, bedenklich, befremdet, misztrauisch, erstaunt', besonders in jüngerer zeit zu reicher fülle entfaltet. die moderne bedeutung ist kaum aus A (vgl. DWB B 1) fortentwickelt, sondern beruht auf neuer ableitung aus stutzen 'zögern'.
a) schon seit dem 16. jh. gut bezeugt: man lesset auch des keysers edict auszkommen, damit man d. Luther ein forcht und schrecken einjeche, und jn stützig machete

[Bd. 20, Sp. 797]


Mathesius ausgew. w. 3, 55 Lösche; das ist das grosse ergernis, welchs gar viel leut stutzig und uns abfellig machet, ja auch die propheten ... hat fur den kopf gestoszen Luther 32, 499 W.; und hat diese sache des bisthumbs den rahtschlegen von der könig. hülffe einen solchen stosz gegeben, das, obwol gemeiniglich die von den landen schon zur hülffe willig, die städte klein und gros auch darüber in rahtschlegen waren, dennoch dadurch gar stutzig worden M. C. Schütz hist. rer. Pruss. (1592) B b 4f; also gieng es Christo, sie wolten yhm nicht glauben geben, ob sie wol stützig wurden uber seiner weissheyt J. Agricola 750 teutsche sprichw. (1534) p 3; ob nun wohl die stände über solchen auch unverhofften begehren ziemlich stutzig worden acta publica 5, 8 Palm; der ... stutzige, zweiffelhaffte, ... vielwiszende dolmetscher Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 388; so machte es doch den Phraates stutzig, als er Armenier wider sich fechten sahe Lohenstein Armin. (1689) 1, 235b;

hört, was sie selbst gethan,
von mitleid bald erweicht, bald fremd und stutzig an
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 255;

einem schreck ähnlich ist das auffallende, was stutzig (noch nicht bestürzt) macht Kant I 7, 255 akad.;

das brennt zu früh, das macht die nachbarn stutzig
Körner 3, 244 Hempel;

ein knabe und ein mädchen, die einander gejagt hatten und stutzig stillstanden, da sie mich erblickten Eichendorf incognito 90 Weichberge; der amtmann war eine zeitlang stutzig Auerbach schr. 9, 92; Flamm (stutzig dumm): was, mutter? du muszt dich deutlich ausdrücken G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 106. vom pferde, von A 4 ('störrisch') deutlich geschieden:

es wieherte vor lust; als es in seinem traben
auf einmal stutzig wird
Zachariä poet. schr. 1, 9;

zweideutig: sie haben ... die mögliche gefahr des eigenen durchgehens ihrer rosse muthvoll überstanden! sie haben vor einer hexe, die alle pferde stutzig machte, hochherzigen muth bewiesen Gutzkow ritter vom geiste 1, 315. — selten mit unpersönlichem beziehungswort: du zckest die achseln, und mich düncket dein muth dürffte dir beinahe, wo nicht gar entfallen, doch ziemlich stutzig werden Chr. Thomasius auszübung der vernunftlehre (1691) 15; mein kopf wird leicht stutzig: was er nicht im ersten anlauf lernt, das lernt er noch weniger wenn er angestrengt wird J. J. Chr. Bode Montaigne (1793) 3, 188; die vernunft in ihren dreisten anmaszungen stutzig machen Kant I 4, 341 akad.; wenn sie nicht bey dem ersten grenzpfahl, der ihren verstand stutzig macht, ... umkehrten C. G. v. Brinckmann filosof. ansichten (1806) 17; ihr sehet, dasz alles, was euch so fürchterlich vorkommt, nur eine kleinigkeit ist, und nur ins auge schlägt und das ohr stutzig macht Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 621. — häufig stutzig blicken: (er) hebt den beutel langsam von der erde, indem er ihm stutzig nachblickt Schiller 3, 99 G.; seinem gaste, der das zerstörte gebäude einigermaszen stutzig anblickte Immermann 1, 89 Hempel;

verdienste, welche zwar ein jeder stutzig sieht,
doch um die ähnlichkeit sich oft umsonst bemüht
Schwabe belustigungen 2, 295;

ihr blick wanderte stutzig und forschend zwischen seinem antlitz und dem noch vor ihr liegenden lichtbildchen hin und wieder Storm (1899) 1, 229; was sieht er nicht für abentheuerlichkeiten bei einem ersten stutzigen anblick? Herder 4, 358 S.; dessen huschende augen ... aufzuckten und dann für eine kurze weile, begierig und stutzig zugleich, feststanden E. G. Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 166.
b) adverbialverbindungen von besonderer häufigkeit und festigkeit, schon im 16. jh., s. auch DWB a.
stutzig werden: wurde er stutzig und blieb mitten im zimmer stehen cavalier im irrgarten (1738) 22; durch sein zeugnis würden ... mitläufer stutzig und begännen nachzudenken Hans Grimm volk ohne raum (1926) 2, 670;

[Bd. 20, Sp. 798]


dasz ich erst durch einzelne bezugnahmen im texte stutzig wurde, mir das dazu gehörige couvert aus dem papierkorb suchte Bismarck ged. u. erinn. 2, 313 volksausg.; es braucht einer nur sich auf einen neuen weg begeben, so werden schon viele faule herumlungerer stutzig und wittern irgendeinen lohnenden bissen Adolf Hitler mein kampf (1933) 574.
stutzig werden über etwas: weil nun darüber alsbald viele stutzig wurden G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) 2, 338a; über seine sonderbare gestalt muszte jeder stutzig werden Göthe 22, 34 W.; darüber ward ich stutzig und hielt mit meinen zustimmungen zurück G. Keller ges. w. 2, 52; alle sind aufmerksam geworden und stutzig über ihr verstörtes wesen v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 189.
jem. stutzig machen: jedoch sol dieses den wohlsätzenden in seiner fürgenommenen arbeit nicht stutzig machen Zesen verm. Helicon (1656) 1, b 2a; einen stutzig machen scrupulum injicere Stieler stammbaum 2182; drey oder viermahl war ich schon so glücklich gewesen in ihrer gesellschafft zu seyn, als ich ziemlich stutzig gemacht wurde die vernünft. tadlerinnen 2, 69; freilich macht es stutzig, zu hören, dasz ein ding ganz und gar aus verhältnissen bestehen solle Kant 3, 229 akad.; ihre einwendungen machten mich anfangs stutzig Göthe 22, 310 W.; dieser entscheidende umstand machte die gegner des prinzen stutzig Schiller 9, 318 G.; vorzüglich die augen eines solchen ruhig gewordenen individuums pflegen stutzig zu machen; es ist etwas drin, was auch dem ... gleichgültigen betrachter auffällt W. Raabe Horacker (1876) 151.
in dem ausdruck stutzig werden in etwas, jem. stutzig machen in etwas tritt die grundbedeutung 'innehaltend, zögernd' besonders deutlich hervor: aber ich bemerkte dagegen sehr deutlich, daz ... die ruchlosigkeit in ihrem sonst frechen gange stutzig ward Schwabe belustigungen 2, 149; dieses hat mich auch in meinem aberglauben besonders stutzig gemacht Solger nachgel. schr. (1826) 1, 197 Tieck-Raumer.
 
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stützigkeit, f.
1) 'eigensinn', von stutzig A: ferner brauchet Leviathan in seinem gejaidt die eigensinnigkeit oder stützigkeit Albertinus Lucifers königreich 53 Liliencron; dann er wolt ... weder in seinem hohen alter allererst ein andere (sprache) ... von wort zu wort lernen, zwar nicht ausz stützigkeit ... sondern zu verwahrung seiner authorität J. Fickler St. Hosius (1591) 296; und dieweil sie nochmaln auf ihrer stutzigkeit beharrete, erinnerten sich etliche von den anwesenden, dasz man ihr unter den achseln, und am heimlichen orte, das haar nicht weggenommen hätte Widmann Fausts leben 712 Keller; ich meine, ihr gläubt, dasz solche stutzigkeit in meinem gemüte aus meinem willen und wohlgefallen herrühre E. Francisci weh der ewigkeit (1686) 330; aber wenn er seinem vater nur ein biszl nachgerathet, und der Annerl ihr sohn ist er auch, so hat er eine stützigkeit, dasz du ihm mit deinen ackergäulen keinen dorn aus dem finger ziehst A. Silberstein dorfschwalben (1881) 133. vom pferde:

das haar (der pferde), so Zaino sonst der welsche farb gantz heist,
bey uns der stützigkeit unfehlbars zeichen weist
v. Hohberg georg. cur. 2 (1682) 130;

ein pferd starck abstrapezziren und schwitzend machen zur strafe seiner stutzigkeit Kramer 2 (1702) 201b.
2) vereinzelt 'beharrlichkeit, ausdauer', vgl. stutzig A 3: seinen eisernen fleisz und eine grosze stützigkeit qu. a. d. 19. jh. bei Sanders erg.-wb. 1885; ich erfreue mich der konsequenz, ja einer gewissen stützigkeit in allen dingen ebda.
3) vereinzelt im sinne von 'streitigkeit', vgl. DWB stutzen trotzen (sp. 759): haben mier meine ... untertannen beschwernuszweisz angebracht dasz wegen zwischen ihnen schwebender stüzigkeiten in der gemein grosze unordnungen einschleichen (1737) österr. weisth. 6, 393.
 
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stutzkäfer, m., hister, käfer mit kurzen flügeldecken, zu 1stutzen stumpf, 3stutzen truncare, s. allgem.

[Bd. 20, Sp. 799]


deutsche bibl. 77, 148; Brehm tierl. 9, 70 P.-L.: er (der triel) erhascht so, auszer den larven, auch eine grosze menge vollkommner insekten aus den gattungen der dung-, mist-, koth-, pillen-, stutz-, lauf- und maikäfer Naumann naturgesch. d. vögel 7, 113.
 
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stutzkappe, f., in die höhe stehender hut schweiz. id. 3, 396; vgl. DWB stutzhut. —
 
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stutzkäpplein, n., anscheinend eine kleinere kopfbedeckung, vgl. DWB stutzperücke: der hatte ein kleines grünes altes röcklein an, und ein grünes stutzkäpplein und einen groszen grünen hut darüber Götz v. Berlichingen lebensbeschr. (1886) 14 Bieling.
 
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stützkegel, m., bandhaken zum aufhängen von fensterflügeln, s. Hoyer-Kreuter 1, 750.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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