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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stutzer bis stutzerl (Bd. 20, Sp. 788 bis 789)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stutzer, m.?, 'stütze', alt und vereinzelt, vgl. das gleichbedeutende stützel, das nom. agentis von stützen ist: stutzer sustentaculum parietis md. voc. d. 15. jh. bei Diefenbach 434b; vorzüglich nd.: stutters tibicines, anterides, erismae Duffläus et. teut. ling. (1605) 540; saul, setzholtz, stutter Schottel 1433.
 
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stutzer, m., belagerungskanone zum zerstören der mauern, von stutzen stoszen (s. sp. 759): stutzer, mauerstutzer, gantze carthaune Fäsch kriegslex. (1735) 879a; auch Jacobsson technol. wb. 4 (1784) 350b; vgl.: stutzer offensans, cespitans, arietans Stieler stammbaum (1691) 2182.
 
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stützer, m., person, die stützt, unterstützt: derweile fühlte sich Kariomer kräftig empor gerichtet, und hörte von bekannter stimme die frage: 'wie stehts, herzog? ist das eignes oder feindesblut?' 'nur feindesblut!' rief Kariomer, sich zusammenraffend; aber, wie ward ihm, als er in seinem stützer den Atahult erkannte Fouqué altsächs. bildersaal 2, 467; öfter übertragen, wie stützen A 2, s. Sanders erg.-wb. 541c; verzeichnet schon bei Stieler: adjutor, patronus 2232; in compos.: regierungsstützer, thronstützer Sanders erg.-wb. 541c.
 
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stutzerchen, n., kleiner geck: denn waren die schlingel nicht riesen? ein anders wäre es, wenn sie aus artigen, küssenswehrten stutzerchen, wie unsern leibgarden, bestanden hätte v. Schönaich ganze ästhetik in e. nuss (1754) 200;

kommt auch kein stutzerchen vertraut dir liebzukosen
mit gar zu freier hand dem busen gar zu nah?
J. G. Scheffner ged. nach d. leben (1786) 79;

da müssen alles gelschneblichte stutzergen seyn Chr. Weise d. drei ärgsten erzn. 161 ndr.;

nett wie ein klosterkandidat,
das kleid mit göldnen tressen
verbrämt, war Phöbus in der that
ein stutzerchen zum fressen
J. F. Ratschky ged. (1785) 183;

ha! ha! die fangen schon feuer! es wäre, morbleu! von uns nicht sehr galant den faden stutzerchen da die ehre des sieges zu lassen Wieland s. w. (1853) 36, 293; mein eidam, das stutzerchen, soll mir aus dem hause, sammt meiner närrischen eifersüchtigen tochter Lessing 3, 344 L.-M.
 
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stutzerei, f., stutzerhaftes verhalten, unternehmen: welche ungerathene söhnlein, damit sie jrgend ein stuck gelts aufbringen und zu jhrer burschalschmäusen, stutzereyen und jungfrauen spesa anwenden möchten, jhre einige und äuszerste zuflucht bey dergleichen kauff- und handelsleuten suchen Moscherosch gesichte (1650) 1, 671;

mein stutzerey die geht nicht an,
sie wil zu groszen verlag han,
die stifte sind mir auch nicht ebn,
ich seh wol, man kan nicht von lebn,
sie wolln mir nicht renten so viel
M. Rinckhart christl. ritter 40 ndr.;

es ist doch je ein elende stutzerey, nach den sporen fragen, wann man kein pferd hat Moscherosch gesichte (1650) 2, 739; die stutzerey lieben, der stutzerey nachhängen Kramer 2 (1702) 1031b; der (soldatengeist) sich aber freilich nicht mit knapper montur, puder, pomade, glanzwichse und anderer militarischen stutzerei verträgt Mensel verm. nachr. (1816) 103; wenn sie (die frauen) an männern und jünglingen die geckerei und stutzerei und alle armselige nichtigkeit und ziererei unerbittlich verdammen E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 171.

[Bd. 20, Sp. 789]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stutzerhaft, adj., geckenhaft: (er) erschien stets in ... stutzerhafter kleidung v. Roon denkwürdigk. 1, 259; Cäsar zeichnete sich ... durch einen vorzüglich stutzerhaften anzug aus K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 3, 340; gekleidet war er halb stutzerhaft-elegant, halb abgeschabt-armselich Holtei erz. schr. 10, 219; zärtlich erzogenen und fast weibisch stutzerhaften knaben Mommsen röm. gesch.4 3, 17; das militär fällt gut ins auge, wenn es auch zu stutzer- und junkerhaft auftritt Gutzkow ges. w. 7, 53; er ... hatte durchaus nichts gecken- oder stutzerhaftes, vielmehr etwas gehaltenes C. Pichler denkwürdigkeiten 1, 79. —
 
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stutzerhaftigkeit, f.: ich genas von meiner krankheit, und war zugleich von aller stutzerhaftigkeit für mein ganzes übriges leben geheilt fürst Pückler tutti frutti (1834) 5, 174; noch in späteren jahren ... blieb ihm eine gewisse stutzerhaftigkeit im äuszeren auftreten Mommsen röm. gesch.4 3, 448.
 
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stutzerin, f., eitles, putzsüchtiges frauenzimmer, coquette: Ada ist die erste seidenstickerin, näherin, stutzerin und aufmutzerin gewesen, eine mutter aller pracht und hoffart Hartm. Creidius nuptalia 2 (1657) 27; ein prächtiges und stoltzes weib, eine rechte stutzerin Dannhawer catechismusmilch 3, 330; das schlafzimmer hätte mit dem einer stutzerin um den rang streiten können K. Spindler vogelhändlerin von Imst (1841) 2, 315; die schwärtzlichste schuchlein der groszen stutzerinnen, wenn sie von den gleissenden leder rauschen, was thun sie anders, denn dasz sie die jünglinge locken? J. M. Meyfart das hellische Sodoma (1640) 2, 114; zu der letzten klasse zähle ich alle stutzer und stutzerinnen, petits maitres und coquetten E. Tophan briefe von Edinburg (1777) 260; stutzer und stutzerinnen, die eine rohe unform der mode flugs mitmachen Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 2, 287; die waden endlich ... stecken vom knie bis an die knöchel in den 'höslen', worunter man eine art von wollenen strümpfen versteht, welche bei den stutzerinnen ... einen dicken, geschwollenen kreis um das glied bilden Steub drei sommer in Tirol 1, 361.
 
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stutzerisch, adj., geckenhaft, auf elegante kleidung wert legend: unsere stutzerischen hofjungfern mit jhren newen seltzamen und frembden trachten, so die müssige lüsternheit erfunden Bastel v. d. Sohle junker Harnisch (1648) 126; wenn ein mädchen das nichtswürdige gauckeln eines stutzerischen marcktschreyers nur einigemahle angehört hat v. Hippel über die ehe (1774) 136; treten die beyden wohlausgeputzt auf, ... besehen sich bald hinten bald forne, gefallen sich selbsten wohl, gehen stutzerisch und trutzig auf und nieder Schoch com. v. studentenleben (1657) j 5v;

die vier auf alamodisch sich haben kleiden lan
ohn mäntel auf gut stutzerisch, damit tretens auf den plan
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg (1862) 415;

den hut auf stutzerisch tragen Kramer 2 (1702) 1104a; sein anzug stutzerisch, seine sprache affektirt, seine seele kalt W. L. Wekhrlin paragrafen (1791) 1, 49; am tische saszen zwei schmächtige bürschchen, ... waren stutzerisch angezogen J. Gotthelf ges. schr. (1855 f.) 11, 457; darneben dünckte ich mich keine sau zu seyn, sondern hielt mich recht stutzerisch, alle tage war mirs Martinsabend oder fasznacht, und weil ich mich dergestalt hielte wie ein gemachter herr Grimmelshausen Simpl. 348 ndr.
 
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stutzerkugel, f., von stutzer 'kurzes gewehr' (sp. 787): als endlich käsgemeinde gehalten wurde, um einen beschlusz über den platz zu fassen, da kriegten fische sprache, hielten reden, die wie stutzerkugeln durch dreizöllige laden gegangen wären J. Gotthelf ges. schr. (1855 f.) 20, 48.
 
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stutzerl, n. , 'kleines, kurzes', obd. in verschiedenen sachbezeichnungen. zu gleichbedeutendem 2stutzer, m., 1stutzen, m.; 3stutzen, vb., truncare.
1) pulswärmer, d. h. um die finger gekürzte handschuhe, wie 3stutzen (sp. 757), im österreich. stützerl, s. Hügel Wiener dial. 160; Kretschmer deutsche wortgeogr. 379; in diesem sinne, doch nicht ganz deutlich: der jungfrau

[Bd. 20, Sp. 790]


Sändel schickt er ein stuck silberne bändel, der Mitzerl ein baar sammete stützerl J. V. Neiner tändlmarckt (1734) 214; und da leg ich a paar stützerln danebn und a halb dutzend blaue schnupftücheln Anzengruber ges. w. 10, 269. hierher (vgl. 3stutzen, m., 1, 2stutzer 4) stützerlein 'muff': er verehrte der fürstlichen jungen frau bei ihrem einzuge einen mantel mit hermelin gefuttert, ... ein stützerlein von feinem marder qu. v. 1610 bei Hoffmann monatschr. f. Schlesien (1829) 143.
2) 'kurzes gewehr', wie 2stutzen (sp. 756): das war ... schlimmer als ein küglein aus einem stutzerl E. M. Arndt s. w. 1, 150 R.-M.;

i lasz mein stutzerl krachn,
das herz in leib tuat lachn;
wia lustig is s in wald,
wos hirscherl zsammafallt unsere lieder (1912) 134;

schwagrin du derfst dich jo nit grimma,
wann glei der jager Franzl kimmt,
mei stutzerl mag er mir ja nit nehma,
mei stutzerl ist ihm jo viel zu gschwind
A. Schlossar volkslieder aus Steiermark (1679) 165.


3) liebkosende bezeichnung eines kleinen kindes, besonders eines mädchens, vgl. DWB stützlein 1; im bair.-österreich., s. Zaupser 75; Loritza id. vienn. 129; Nicolai österreich. id. 134: dasz man der zarten kindheit zum sauffen gelegenheit und anlasz giebet; ... da versammlen sich schon die eltern mit ihren kindern in das wirthshaus, man gewöhnet das kleine stutzerl zu den weinsutzerl J. V. Neiner tändlmarckt (1734) 167.
4) stutzerli 'kurze tabakspfeife' Friedli bärndütsch 1, 476.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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