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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stutzen bis stützenlos (Bd. 20, Sp. 768 bis 782)
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[Bd. 20, Sp. 768]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stutzen, vb., tauschen, vielleicht zu 1stutzen 'stoszen', vgl. verstoszen 'verkaufen' (teil 12, 2, 1785); auch verstutzen, s. teil 12, 2, 1821, dagegen verstutzen 'verprassen' zu 1stutzen D 3. — vorzüglich im osten, s. Hennig preusz. wb. (1785) 269; Schemionek elbingsche ma. 39; Dähnert vorpomm. u. rüg. 472; jedoch auch westlicher: wüllt wie gassen gegen arften stutzen? Mensing schlesw.-holst. 4, 917; für Hamburg bezeugt: mit einem gegen getreide stutzen Adelung 4, 490; hierher: stutz heiszt bei den roszhändlern so viel, als pferd gegen pferd vertauschen und verwechseln Eggers neues lex. 2, 1060; am ältesten im südosten: es sei dann, das ein inwoner kaufen wold samkaufs einen last oder einen halben, dem mocht ein gast vorkaufen oder sust stutzen mit dem gast Olmützer stadtbuch bei Jelinek mhd. wb. 695; stutzen vom Joanni Rosenayer ein schwarz rosz pro 4 stück leibent zu 10 ellen haltend; kost das stück pro fl. 8 (1616) qu. zur gesch. d. stadt Kronstadt 5, 546;

im handel hat man das bemercket,
dasz stutzen selten vorteil bringt qu. a. d. 18. jh. bei
Frischbier 2, 387;

barattiren, stutzen, tauschen Spannutius (1720) 159; troquiren, wechseln, changiren, stutzen, waaren gegen waaren vertauschen Sperander (1727) 759b; stutzen, tauschen mit einem Kramer-Moerbeck (1768) 334a.
 
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stutzen, vb. , beschneiden, abschneiden. herkunft und form.
auf das deutsche beschränkt, erst seit dem 16. jh. bezeugt; dän. studse ist aus dem d. entlehnt, s. Falk-Torp et. wb. 1188. ableitung von 1stutzen, stutz, m., 'stumpf' oder intensivbildung zu isl. stúta beschneiden: altnord. stútr abgestutztes horn, mnd. stūt steisz, s. Fick 34, 495; mit nasal stunz 'stumpf, kurz' (sp. 549), engl. stunt, anord. stuttr; ags. styntan, anord. stytta 'stutzen', s. Walde-Pokorny 2, 618. — weniger wahrscheinlich umgestaltet aus nicht bezeugtem * stuckezen (Winterle in Paul u. Braunes btrg. 14, 459; zuletzt Jutz alem. ma. 94), das zu alem. stucken 'beschneiden, abschneiden' (sp. 233 ff.) gehören würde; für diese deutung spricht jedoch vielleicht, dasz stutzen in ältester zeit am reichsten im alem. bezeugt scheint. heute in hd. und nd. mundarten gleichlautend in der form stutzen bezeugt, doch wohl weithin aus der schriftsprache stammend, s. schweizerdeutsche gramm. 1, 151; 13, 106; Hunziker Aarg. 264; Fischer schwäb. 5, 1942; Meisinger Rappen. 188; Martin-Lienhart 2, 621; Follmann lothr. 511; luxemburg. ma. 433; Crecelius oberhess. 826; Bauer-Collitz waldeck. 101; Schmeller-Frommann 2, 801; Wenisch Nordwestböhmen 2, 89; Hügel Wiener dial. 160. nordfries. stusse entlehnt aus dän. studse, s. Jensen 594. unsicher stuttjen 'zustutzen, putzen' (s. u. 5) ten Doornkaat-K. 3, 359. — neben stutzen im 16. und 17. jh. gelegentlich auch stützen. bedeutung und gebrauch.
1) glieder vom körper abschneiden, verstümmeln.
a) in verschiedenen bereichen: die herrschaft hätte daher wohl ursach, um dieses falschen schwörens willen ihm die finger zu stutzen qu. v. 1603 bei Th. Knapp gesamm. beitr. zur rechts- u. wirtschafts-geschichte des bauernst. 269; sie haben die pfeile aus den wunden gerissen, und sich liegend damit gewehret, auch mit gestutzten armen die feinde angefallen Rheinstrom (1685) 1, 99; als von wütenden wolffen gefressen und abgezehrt, oder umb den balg gestutzt Guarinonius greuel d. verw. (1610) 827; man sollte dir die zunge stutzen Th. Mann königl. hoheit (1909) 300; die ohren abschneiden oder beschneiden: den Clausen mit dem strang zu richten und einem weib die ohren zu stutzen, dem nachrichter 10 fl. 44 cr. qu. a. d. 16. jh. in: schr. d. ver. f. gesch. d. Baar 10, 29; daselbst man die ehebrecher ... umb den kopf stutzen und lauffen läst Guarinonius greuel d. verw. (1610) 1130; ein fahrender arzt, der den leuten pillen verkauft gegen die pest, den hunden den wurm schneidet und die ohren stutzt Hauff s. w. 1, 145; ein pferd, dem schweif und mähne abgeschnitten, ein hund mit gestutzten ohren,

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... alles dieses sind dinge, von denen sich der gute geschmack abwendet Göthe gespräche 6, 106 Biedermann; die hatte ... ein paar ohren, wie ein gestutzt pferd Grimmelshausen 4, 654 Keller; ein gestutztes pferd, stutzohr Kramer 2 (1702) 199a. symbolisch im sinne von 'eines widerstand brechen, einen in seinem widerstandswillen treffen': gestützter wider montone senza corna Hulsius (1618) 2, 255a;

im vorbeigehn stutzt mir den alten berlinischen steinbock,
das verdrüszt ihn, so giebts etwas zu lachen fürs volk
Göthe 5, 217 W.;

du warst damals noch blutjung, voller ehrfurcht vor ergrauten erfahrungen, ... und schiedest mit gebrochenen flügeln, gestutztem kamme Gutzkow ges. w. 6, 341;

die ihr den wüstengeyern
zuerst gestutzt die klaun!
Geibel ges. w. (1888) 4, 247;

das sind die pfaffen, die euch gegen die obrigkeit aufwiegeln, man wird aber diesen coujons die krallen stutzen Pichler allerlei gesch. a. Tirol (1897) 2, 35.
b) den schwanz coupieren, dem pferde: ich stutzte endlich denen pferden die schwäntze in dem stall Zend. a Zendoris winternächte (1682) 395; darumb die nicht zu loben welche ohne sondere noth und ursach die pferdt heszlich stimlen und stutzen J. Fayser hippokomike (1623) 18; die renten ..., welche ... diese englischen wagen, diese spiegelfenster, diese gestutzten rosse und die augen der schönen damen im wagen bezahlen Gutzkow ges. w. 7, 79; dem hunde, s. Kehrein waidmannsspr. 289: solche hunde werden an ohren und schwantz nicht gestutzet v. Fleming jäger (1719) 172; übertragen im sinne von 'schimpflich behandeln, demütigen':

ja bei Roszbach seynd die Franzen
also düchtig ausgebutzt,
dasz sie wie die deubels tanzen,
denen man die schwänze stutzt
v. Ditfurt hist. volksl. d. preusz. heeres 36;

dem ka ma de schwanz net gnug stutzen Fischer schwäb. 5, 1942; es ist vollen gnug, dasz es unser l. mutter die h. kirch also verordnet hat: dann sie kan geschwäntzt hund stützen Fischart binenkorb (1588) 184a. im älter nhd. der gestutzte, stutzete hund als sinnbild des beschimpften, schimpflichen: wan man ir (der kriegsleute) nimer darf, so jagt mans ausz wie die stuzaten hund, last gescheft über sie ausgen wie über mörder und reuber Turmair 1, 216 akad.; Christus ... befalch seinen schuelern ... (sie) solten nit von ainem haus zu dem andern herumb sterzen wie die stutzeten hund, als das gmain sprichwort ist Turmair 4, 1, 804 Lexer; dann sie ihrem keim den hon thun wolten, dasz sie ihnen schäbige gemutzte und gestutzte hund solten für tribut aufferlegt haben Fischart Garg. 341 ndr.; er ist bekandt wie ein gestutzter hund Kramer 2 (1702) 1031c; mer als gestutzte hund 'in groszer anzahl', s. Schmeller-Frommann 2, 800; dann obwohl der secten jetzt mehr seyn, dann der stutzeden hund, die auch wider einander schreiben, schreyen, wüten und toben Joh. Nas warnungsengel (1588) 185;

vor zeiten unser nur vier warn,
nun seind jhr schier so viel jetzund,
als man find der stutzeten hund
Ayrer dramen 2637 Keller.


c) die flügel stutzen 'beschneiden, um das fortfliegen zu verhindern': den hünern die flügel stutzen Kramer 2 (1702) 1031c; ists nicht etwa schwerer, den vogel in die falle zu locken, als ihm in der falle die flügel zu stutzen? Klinger 1, 120;

die flügel zwar, spricht er, die schaffen keinen nutzen,
doch die kann man ja binden oder stutzen
Schiller 11, 19 G.;

wünscht man nicht oft die flügel der zeit zu stutzen? maler Müller 2, 157. meistens im weiteren sinne 'in seiner freiheit einengen': diesem unheil nun zeitlich vorzubauen, und diesem gefährlichen raubvogel die schwingfedern zu stutzen, befande er das zulänglichste mittel M. Krämer leben u. tapffere thaten (1681) 158; dann waren Frankreich und die deutschen mittelstaaten gar treffliche

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und bereite genossen, um dem so gefährlich emporsteigenden preuszischen aar die flügel zu stutzen Meinecke leben d. genfeldm. v. Boyen 2, 8. häufig auf den menschen bezogen, 'hemmen, zaum anlegen': man hat ihm die federn zimlich gestutzt Kramer 2 (1702) 1031c;

wer einem freunde traut, der kan bey hof nicht nutzen,
man würd ihm gar zu bald die tumme flügel stutzen
Lindenborn Diogenes (1742) 2, 804;

und du, wer bist du, dasz du es wagst,
mich so vertraulich zu dutzen?
warte, du bürschchen, ich werde dir schon
die kecken flügel stutzen
Heine 2, 465 Elster;

gesellen, welchen ... keine polizei die flügel gestutzt hatte E. M. Arndt s. w. 1, 109 R.-M.; zu geschweigen, dasz sie (die strenge der prüfungen) der freiheit des sich aufschwingenden menschen die flügel stutzt Jac. Grimm kl. schr. 1, 7. in weitem anwendungsbereich, im allgemeinen sinne von 'entkräften':

gesetze sol man schützen,
doch kan man ihnen auch die flügel billich stützen
v. Hohberg der habspurgische Ottobert (1664) F za;

die nessel, ... so man selbige fest antastet ... alsdann nimbt man ihr die couragi, und stutzt ihr die flügel Abr. a s. Clara etwas f. alle 1, 340; ihrem unerträglichen hochmuth die flügel zu stutzen Holtei erz. schr. 23, 47;

mit einem worte, so viele vergebliche müh
das gute mädchen sich macht, um seiner fantasie
die flügel zu stutzen
Wieland sämtl. w. (1794) 5, 130.


d) übertragen im sinne von beschneiden 'beeinträchtigen, vermindern', auf dem concreten 'verstümmeln' beruhend, meist auf abstracte objecte bezogen: also verhofften sie nun mehr gelegenheit und mittel überkommen zu haben; wodurch sie der cron Schweden progresse stutzen, ihrer macht ein ziel stecken ... könten v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 5;

die (königin) vaterland und reich durch faust und recht geschützt,
den strom der tyranney mit stahl und muth gestützt
Gryphius trauersp. 153 Palm;

der gestutzten und verwürten sinn, der müssigen junckerlen Guarinonius greuel d. verw. (1610) 275; das himmelreich ist ein reich ... derer, die auf vielerlei weisz gestutzt und gestimblet werden Joach. Meichel creutz schuel (1630) 29; du ... lahme, gestutzte und gestimpelte creatur Guarinonius greuel d. verw. (1610) 44; wird diese so verschnörkelte und gestutzte verfassung zur wahrheit, so ist sie der gröszte sieg der revolution Varnhagen v. Ense tageb. 7, 12; aber wie fleiszig hatte der staat des siebzehnten und achtzehnten jahrhunderts daran gearbeitet, sie (die überlieferungen) zu stutzen und zu beschneiden Meinecke leben d. genfeldm. v. Boyen 1, 288; zwar die verse sind einander sehr ähnlich, die der herr Zernitz gemacht hat: einer verdreht, der andere gestutzt v. Schönaich ganze aesthetik (1754) 195; der herausgeber konnte alles aus dem munde des sängers in seine feder übergehen lassen, ohne in wort und metrum etwas zu ändern oder zu stutzen Jac. Grimm kl. schr. 4, 199; das umflattern der phantasie, der eigenen wie der fremden belästigt ihn; er stutzt sie Börne ges. schr. 8, 122. — im sinne von 'hingeben, opfern': so stutzestu von deiner guten, schönen, angebornen rosenfarb und guten ausswendigen gestalt so viel, als viel du von diesem geblüt dir entziehen last Guarinonius greuel d. verw. (1610) 1055.
e) übertragen im besonderen sinne von 'menschen in ihren ansprüchen und kräften beschneiden', so wie in b: die besten fechter tragen gemeiniglich die meinste stösz darvon, die gröste schnarcher und trutzer werden gemeiniglich am ersten und meinsten gestutzet und gebutzet Conr. Dieterich Ecclesiastes (1642) 2, 535; viel edle gemüther zu finden seynd, die lieber die unterthanen schutzen als stutzen Abr. a s. Clara etwas f. alle 1, 478;

wem mag jener nutzen,
der sich selbst thut stutzen?
und an ihm selbst treulosz wirdt?
Guarinonius greuel d. verw. (1610) 801;

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i will eam sein starsinn scho stutzen! A. Hartmann volksschausp. 228, 253; unser herr, selbst ein mann gewissenhafter und unausgesetzter arbeit, würde den gendarmen sauber gestutzt haben Rosegger schr. I 1, 237; ein verblüfftes, verknechtetes, gestutzt und gestummtes volk hat keinen redner, richter, ritter und rächer Fr. L. Jahn w. 2, 701 Euler.
2) äste, zweige und dergleichen vom baum schneiden, beschneiden, lichten: stutzet und säubert die bäwm von aller überflüssigkeit Sebiz feldbau (1579) 50; wer ... pirchen macht, ist der paan von 1 stamm 1 pfund ... was aber einer stutzt, ist der paan 6 x r österr. weisth. 4, 3, 156; erstlich suchet man unter dem weinholtz, welches das beste, stärckste und längste ende an alten knoten ist, ... stutzet das beste von seinen grämpen aus oder ab v. Hohberg georg. cur. 3 (1715) 265b; ein held kam und hieb sie (die ceder) nieder, und stuzte ihre äste, sich zur lanze wider die riesen Göthe 37, 296 W.; bäume hoch oder niedrig ziehen, propfen oder stutzen, wie es ihm einfällt Zimmermann üb. d. einsamkeit 4, 150; in dem blumengarten buchsbäume stutzen und vergleichen v. Hohberg georg. cur. 1 (1682) 116;

wenn er die hecken stutzt mit der unermeszlichen schere
Mörike 1, 77 Göschen;

bildlich:

wo menschen zu verjüngen sind,
wenn man sie stutzt wie hecken
Rückert 3, 51;

war Thiennettens stammbaum längst gestutzt, entblättert, wurmstichig und voll bohrkäfer Jean Paul 3, 110 Hempel;

meinem vater musz ichs danken,
der nunmehr im grabe ruht,
dasz er nie die kühnen ranken
stutzte meinem jugendmuth
Rückert 2, 35.


3) ein ende abschneiden, entfernen, von verschiedenartigen objecten: ob er die fahne stutzen oder lang lassen solle Immermann 3, 26 Hempel; im garten liegt sein herz unter einer gestuzten marmorsäule begraben Börne ges. schr. 5, 159; in der filzbearbeitung: vor der anwendung der beitze wird der balg gestutzt (gespitzt), d. h. das haar mit einer gewöhnlichen scheere an den spitzen beschnitten Prechtl technol. encycl. 7, 587; auch Karmarsch-Heeren3 4, 436.
das part. prät. pass. gestutzt (s. teil 4, 1, 4271) häufig im sinne von 'kurz, gekürzt': ein litzel kleiner gröszer als der pfeiler zu sanct Marx bei Langres und der gestutzt Judenthurn zu Prag Fischart Garg. 228 ndr.; e stutzets dingel von einem kleinen kind Schmeller-Frommann 2, 801; im getreidehandel z. b. von hafer, von dessen körnern die spitzen abgeschnitten sind, um ihn zur saat untauglich zu machen: gestutzt clipped Wieger blitzcode (1929) 229; blumenblätter rundlich, ganz einwärts gerollt; läppchen fast viereckig, gestutzt Metzger pflanzenkunde (1841) 658; von der stumpfnase:

dein augen glantz wol trutzet
den edelsten rubin
und deine nasz gestutzet
sticht alle bracken hin
Voigtländer oden u. lieder (1642) 108;

ein breites, gestutztes gesicht und eine kurze regelmäszige nase, grosze blaue augen E. M. Arndt s. w. 1, 131 R.-M.
von gemäsz der mode kurz geschnittenen kleidungsstücken: was sol man sagen von den gestützten und geschwantzten, auszgezupfften, gestickten kleidungen theatrum diabolorum (1569) 451b; die kurtz, gefaltend, gestutzt predigkantzschauben Guarinonius greuel d. verw. (1610) 153; (Wilhelm hatte) die ärmel seines schlafrocks nach orientalischem costüme kurz stutzen lassen Göthe 21, 87 W.; es war dies aber ein feines blaues wamms um die lenden gefaltet und gestutzet, und roth und weiszes beinkleid Cl. Brentano ges. schr. 4, 5; von frauenstiefeln, in e. qu. v. 1616 bei Fischer schwäb. 5, 1942. anders: baiernherzog Adelger, dem von kaiser Severus zum schimpfe kleid und haar gestutzt wird Gervinus gesch. d. deutschen dicht. (1853) 1, 185.

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einen hut stutzen ihn nach der mode zurechtschneiden: alle arten uniformhüte für militär und civil werden nach der neuseten façon gestutzt und facioniert Berliner intelligenzblatt jahrg. 1846, 300b; ists wunder, dasz sich unsre redner geflissentlich bemühen, den gemeinsten hut nach der mode zu stutzen v. Hippel lebensläufe 4, 535; ja, sie schneidert und näht und stutzt hauben und hüte Gutzkow ritter v. geist 2, 79; in der modernen umgangssprache in erweitertem sinn (s. u. 5): einen hut zurecht stutzen ihn beschneiden, garnieren, verschönern, verändern; anders, vgl. DWB stutzen steil stellen (sp. 767): den hut stutzen ihn steifen und ihm neuen glanz geben Frischbier preusz. 2, 387; einen hut stutzen, aufstutzen retrousser Chr. Fr. Schwan nouv. dict. (1783) 2, 745a. — wohl schon alt, dem eigentlichen sinne 'ein ende abschneiden' näher:

den andren ich verpewt
plab hüet zottet und stützet
pey rot nestel ein düetzet
Hans Sachs 22, 467 Götze;

sah Licidas von weitem Thyrsis stehn
mit ungestutztem hut und ungekämmten hahr,
ob es gleich feyertag und schönes wetter war
Brockes bei
Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 119.


4) bart und kopfhaare beschneiden: was auf das jtzige bart stutzen und scheren folgen werde, wird die zeit geben M. Christoph. Irenaeus abdruck e. schreckl. zornzeichens (1564) c 3b; je älter einer wird, je mehr er seinen bart stutzen und stimlen lasset Moscherosch gesichte (1650) 2, 76; und fiengen die burger erstmals an, das haar auf dem haupt kurtz abzuscheren und kolben zu machen, und da sie zuvor die bärte kurtz gestutzt getragen, jetzunder lang wachsen zulassen Wolfg. Hartmann Augsp. chron. (1595) 263;

bärte stutzen, kleider kürtzen,
thet die Ammoniter ins verderb stürtzen
Petri d. Teutschen weiszh. (1604 f.) 2, k 4r;

ihre sprache, die fahrzeuge, ... die art, den bart zu stutzen J. G. Forster s. schr. 2, 147; mit grauem backenbart, englisch gestutzt und geschnitten Fontane I 4, 422; wenigstens liesz sich der pfalzgraf sein kopfhaar und seinen bart ... zierlich stutzen A. v. Arnim 9, 48 Grimm; mit seinem schwarzbraunen haar und zierlich gestutztem knebelbart Fouqué zauberring (1812) 1, 19; sie stutzen sich also die haare, zwicken sich den bart J. G. Forster s. schr. 1, 376; die lange nicht gestutzten haare hingen über seine eingefallenen wangen Storm w. (1899) 5, 204; ihr blühendes gesicht inmitten rund gestutzter aschblonder haare H. Mann mutter Maria (1927) 29;

wie sie sich stellen mochten:
der zopf war nicht gestutzt.
des franzmanns hände faszten
beim zopf sie, dem verhaszten
Rückert 1, 218;

häufig mit überwiegen der allgemeineren bedeutung 'schön machen, putzen':

für ihn sie noch ihr härlein stutzt,
sich, wenn sie ganz allein ist, putzt
J. M. R. Lenz gedichte 151 Weinhold;

gar zu lang war mein rock, zu grob das tuch und die farbe
gar zu gemein, und die haare nicht recht gestutzt und gekräuselt
Göthe 50, 205 W.;

so müszt ihr auch, wollt ihr rulieren,
und in gesellschaft euch produziren,
so müszt ihr werden wie unser einer,
geputzt, gestutzt, glatt, s gilt sonst keiner 16, 109;

sie lassen sich putzen,
die bärthe fein stutzen
Voigtländer oden u. lieder (1642) 30.


5) übertragen und verallgemeinert 'zurecht machen, passend machen, verschönern', eigentlich 'dieses durch beschneiden zu wege bringen', vgl. die verallgemeinerungen von die haare stutzen (o. 4) und den hut stutzen (o. 3): endlich so können sie auch hierländische stücke mit unterstecken. aber diese müssen vorher nach ihren dasigen sitten gestutzt werden Sonnenfels ges. schr. 3, 113; sie (die irrtümler) stutzen eine ganz absonderliche irrlehre Fr. L. Jahn 2, 521 Euler; die wirklichkeit ist ihnen nicht schön genug, wahrheit zu nackt, sie müssen erst stutzen und putzen ebda 1, 256; sollte er, wie zu vermuthen steht,

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ein freund der chrie seyn, so must du dich bequemen, so gut als möglich darnach zu stutzen, in der unterschrift den ganzen titel wiederholen und keines seiner ämter vergessen, sonst möchte alles vergebens seyn portraits (1779) 87; dem eigentlichen sinne näher (s. 3): wie ein alter rock, man flickt, stützt und stickt wol dran, aber es weret eine weile Mathesius Syrach (1586) 91a; anders: diese basreliefs sind nicht selbständige werke, sie sind architektonischen zwecken, einem allgemeinen effect untergeordnet. die figuren sind gestutzt in bezug auf dorische ordnung Göthe IV 29, 106 W. stutzen zu etwas 'zurechtstutzen': (die natur) kocht sich schminke aus den gebeinen ihrer eigenen kinder und stutzt die verwesung zu blendenden flittern Schiller 2, 349 G.; stutzte aus truppenmangel tausend zigeuner in der eile zu soldaten Cl. Brentano ges. schr. 4, 237.

he ward nu von allen kanten von bekannten un verwandten,
von de kläuksten guwernanten un von saeben olle tanten
adelig heruterputzt un taum smucken junker stutzt
Fr. Reuter 1, 151 Seelmann;

ebenso im compositum zustutzen: der vater war es zufrieden, weil er dachte, der junge wird doch ein wenig zugestutzt kinder- u. hausm. (1901) 9; auch dies mal hatte ich mich ... durch einige geborgte kleidungsstücke und durch die art die haare zu kämmen, wo nicht entstellt, doch wenigstens so wunderlich zugestutzt Göthe 27, 348 W.; ähnlich: stutzet nur immer eure jugend zu, diese reise zu thun Winckelmann sämtl. werke 11, 337; vgl. weiter teil 16, 858; ebenso in verschiedenen anderen compos.: aufstutzen, s. teil 1, 755; herausstutzen, s. teil 4, 2, 1084.
 
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stützen, vb. , fulcire. mnl. mnd. stutten, spätahd. unterstuzet 'suffultus' (ahd. gl. 3, 260, 5), mhd. understützen. aus dem nd. entlehnt: dän. støtte, schwed. stötta, lett. stutêt.
intensivbildung zu dem gleichbedeutenden altnord. styðja, ahd. studen (sp. 259), das von altnord. stuð, ags. stuþu, deutsch stud abgeleitet ist, s. Fick 3, 495. über das verhältnis des vb. zu stütze vgl. jedoch sp. 743. — mundartlich am breitesten im nd. (stütten) bezeugt, s. Mi mecklenb. 89a; Mensing schlesw.-holst. 4, 926; Woeste westfäl. 261; ten Doornkaat-K. ostfries. 3, 359; Jensen nordfries. 594; obd. (stützen) nur für das alem. bezeugt, s. Fischer schwäb. 5, 1943; Martin-Lienhart 2, 621; schweizerdeutsche gramm. 4, 52; 7, 183; 14, 40.
A. von auszen her stützen unter- oder beisetzen, etwas tragen, halten, unterstützen; in der absoluten form etwas, jemanden stützen; von unterstützen heute durch gröszere intensität unterschieden, daher besonders in höherer sprache bevorzugt.
1) concret.
a) von unten her tragen; stützen untersetzen: also voort weren dar wol 40 myt bicken, de underhouwen (zerhauen) den torn by der enen syde unde stutteden (so zu lesen statt stuckeden) dat werck unde vureden (anzünden) dat Lappenberg Brem. gesch. qu. 146; in gleicher anwendung understutten 127; in breitester anwendung im hausbau 'durch pfeiler, säulen, träger tragen, tragen helfen':

viel bawen sol man schewen.
heuser sol man stützen, geld söl man nützen
Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, V v 8v;

ein baufallig haus wieder stützen und bessern Corvinus fons. lat. (1646) 320;

der aus dem überflusz, den er mit recht besitzt
der armen blösse deckt, und ihre häuser stützt
Hagedorn poet. w. (1769) 1, 26;

es ist nicht genug, dasz man zeigt, das haus sei baufällig und unbewohnbar: denn es könnte doch immer noch gestützt und nothdürftig eingerichtet werden Göthe II 2, 80 W.;

ein alt baufällig haus kann man durch pfeiler stützen,
durch balkenwerk, das wird noch eine zeitlang nützen
Rückert weish. d. brahm. (1841) 4, 125;

kein bauer erhob die hand, um eine hütte zu stützen, die über seinem kopfe zusammenzustürzen drohte Moltke

[Bd. 20, Sp. 774]


ges. schr. u. denkw. 2, 152; warum lässet sich aber kein schöner mensch überreden, ... dasz seine seele in einem schwachen gefährlichen und gestützten hüttlein wohne Zinzendorf Socrates (1726) 128; einmal wollte die höhle gar einfallen, und da hatten sie viele mühe, sie zu stützen Chrph. v. Schmid ges. schr. 1, 47; meistens auf das dach oder gewölbe bezogen: welche (treppe) zu einer mit sechs korinthischen säulen gestützten halle führet Nicolai reise d. Deutschl. 3, 40;

ihr seyd die pfeiler, so die schöne wohnung stützen
Rachel satyr. ged. 140 ndr.;

Atlas, der ... in den himmel reiche, und eine seiner stützenden säulen sey Ritter erdkunde 1, 1003;

da rasselte aus donnernden geschützen
der todeswürfel und manch junger held
beugt fromm sein haupt, das weltsturmdach zu stützen
Cl. Brentano 2, 63;

Tarkemisch wurde auf einen schild erhoben, den die edlen unter den Mongalen mit ihren köpfen stützten A. v. Haller Usong (1771) 331; im gleichen anwendungsbereich auch auf die mauern bezogen, dann nicht mit senkrechten säulen usw., sondern mit schräg stehenden streben (stütze II A 2 b) halten, also wie b: eine mauer stützen Kramer 2 (1702) 1032a;

in Pohlen herrscht ein sächsischer August,
der Zions mauern oft gestützet
Gottsched gedichte 1 (1751) 304;

nach einer seite hin war die giebelwand bedeutend ausgewichen und durch einen balken gestützt worden Immermann 1, 51 Hempel; ebenso: strebe, ein stützendes holz, welches einem seitlichen druck einer construction zu widerstehen hat Karmarsch-Heeren3 8, 594. — auf dem architektonischen bereich beruhen bildhafte anwendungen: durch solche kleinigkeiten wird der schönheit und dem ansehen der sprache so wenig geholfen, als man ein gebäude mit schwefelhölzchen stützet Gerstenberg recensionen 148 Fischer;

stützt ihren tempel schon der beifall aller welt,
die wahrheit stützt den bau, den eitler wahn erhält
A. v. Haller gedichte (1882) 65;

dasz er ohne den besitz aller staatsbürgerlichen rechte das ganz ungeheure gebäude nicht mehr länger zu stützen vermag Adolf Hitler mein kampf (1933) 343; dasz eitelkeit ... kein gebäude stützen könne, sagt das wort selbst Herder 23, 43 S.;

tugend musz der pfeiler seyn,
der die neigung stützt und träget
Gottsched gedichte (1751) 1, 206;

dasz blosz schadhafte zu bessern, zu stützen und neu zu übertünchen, schien ja ein so verdienstvolles werk Fr. v. Schlegel s. w. 4, 227; kaum ein einziger gedanke ... der eine brücke von ihrer welt zu der seinen hätte stützen können E. G. Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 384. — auch auszerhalb des hausbaus 'von unter her unterstützen, tragen': die gerade linie. horizontal und vertical trägt sie, und stützt aufs gewisseste Herder 22, 41 S.;

zogen sie wieder mit seilen das schwarze schiff ans gestade
hoch hinauf auf den sand, und stellens auf stützende pfähle
grafen zu Stolberg ges. w. 11, 30;

die vorderbeine sind auffallend klein und zierlich; sie werden zum stützen und fortbewegen des körpers fast garnicht benutzt, sondern dienen wesentlich als hände Nehring tundren u. steppen 72; äpfel, birnen und pflaumen beugten unter ihrer last die dicksten baumäste nieder, dasz man stützen muszte Holtei erz. schr. 10, 76;

bald stützt er (der gärtner) einen baum der von der frucht gebeuget
vor last zubrechen will, und sich zur erden neiget
Opitz Teutsche poemata 27 ndr.


den kopf mit der hand stützen: und stützete sie ihr haupt mit ihrem linken arm A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 751;

stützt den gesenkten kopf mit seiner flachen hand
v. König gedichte (1745) 41;

und der neuentthronte kaiser stützte
seine stirne mit der tapfern hand
Platen werke 1, 3 Hempel;

[Bd. 20, Sp. 775]


dagegen kann der verkürzte ausdruck den kopf stützen ebensowohl, wie in B 2, auf den kopf auf die hand stützen (B 4) beruhen:

hier stützt ein armes weib ihr schwartzumfloortes haupt,
denn sie beweint den mann, den ihr sein pulver raubt
Hagedorn vers. einiger ged. 49 Sauer;

er stützt das haupt, es in die rechte neigend
Geibel ges. w. (1888) 1, 9;

de bur, de nickt, hei stütt de back
Fr. Reuter 5, 24 Seelmann;

in anderer anschauung, die die anderen formen voraussetzt (vgl. auch B 2, sp. 779): wann nicht der arme mahler in dem hause auf einem steine gesessen, und die sorgenseule unter den kopff gestützt hätte Chr. Weise erznarren 34 ndr.; Raphael stützte die hand unter sein kinn A. v. Arnim 9, 307 Grimm; und stützet sich die hand unter G. Stephanie s. lustsp. (1771) 113.
b) von der seite her halten, eine stütze setzen, gegen die sich ein körper lehnt; besonders im gartenbau: stand er doch unermüdlich im sonnenbrand, die jungen bäume richtend, die schwachen stützend Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 245; es sey die gröste statstohrheit, einen fallenden baum stützen Butschky Pathmos (1677) 410;

der himmel wird sie (die poeten) doch beschützen,
dieweil sie seine kinder sind,
und ihren lorber also stützen,
dasz ihm kein sturm was angewinnt
Triller poet. betracht. 1 (1750) 360;

geht ... um eine ranke zu stützen Bettine Brentanos frühlingskr. (1844) 286; hier und da stak noch ... ein stock, der ehmals eine blume gestützt hatte M. Hartmann erz. meiner freunde (1860) 52; einen weinstock stützen Kramer 2 (1702) 1032a; und besunder ist zu mercken, das ein newer stock ist zu stützen oder zu bestecken mit roren oder schwachen stecken Petr. de Crescentiis ackerbaw (1518) 42a; ebenfalls im weinbau: dann wölcher steckenmann die stecken nit gleich z gleichem stützten und solchs die steckenschower erfunden, söllen si es rüegen (16. jh.) oberrhein. stadtr. II 2, 231 Geier; in der botanik: fulcrans stützend, was einen andern theil trägt, oft auch nur an dessen grunde steht Bischoff wb. d. botan. (1839) 84; die blütenwirtel sind zahlreich, viel kürzer als die sie stützenden blätter Schlechtendal flora v. Deutschl. (1880) 18, 309; eine vorbereitung kann man es nemlich wohl nennen, wenn vor der fruchtbildung allerlei theile auftreten, die in gewisser beziehung zum samen stehen, d. h. denselben stützen, schützen, ernähren Ratzeburg standortgewächse (1859) 21. — den körper des menschen aufrecht halten:

jener abgelebte mann,
der mit seinem knotenstabe
kaum den leib noch stützen kann
Schubart s. ged. (1825) 1, 190;

der vater harret an der thüre,
er sieht sie kommen bleich und matt,
und eilt dasz er sie stützend führe
Lenau s. w. 473 Barthel;

da er sogar ganz umfallen wollte und rückwärts gesunken wäre, wenn ihn die herren nicht gehalten und gestützt hätten G. Keller ges. w. 6, 88; um den leib durch stützende kissen aufrecht gehalten Cl. Brentano ges. schr. 4, 318. bildhaft auf den inneren halt übertragen:

mir ist es wol bekannt, mich stützet gottes hand
Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 744;

wer so wie ich ... nur zu oft den stützenden stab, den sichern weg verloren hat, der würde einem mit sich zerfallenen gegenüber ebenso oft in verlegenheit gerathen Holtei erz. schr. 2, 9.
2) abstract 'helfen, unterstützen'; vor der allgemeinheit dieser abstracten bedeutung tritt der im concreten bereich geltende unterschied von zwei formen des stützens (1 a und b) in den hintergrund.auf die person bezogen:

wer ämsig ist, ...
trägt in der jugend ein, was ihn im alter stützt
Zesen Helikon. rosentahl (1669) 62;

wer stützt uns, wenn wir uns in unserm jammer
nicht auf einander stützen?
Göthe 9, 418 W.;

[Bd. 20, Sp. 776]


wer nicht alles hingiebt ... um den freund zu stützen, gehört nicht zu der gattung geschöpfe, die freundschaft empfinden Bettine Günderode (1840) 1, 86; irgend etwas ... was uns in einer unions- oder hegemoniepolitik stützen und helfen könnte Bismarck ged. u. erinn. 2, 20 volksausg.; ein solcher mensch wird ... von allen freundlichen verhältnissen, die ihn tragen und stützen könnten, hinweggezogen H. Steffens was ich erlebte 1, 339. von thron und reich:

... von fünf söhnen ist des Ossmans thron gestützt
Lohenstein Ibrahim sult. u. a. ged. 13;

kaisers alten landen
sind zwei geschlechter nur entstanden,
sie stützen würdig seinen thron
Göthe 15, 1, 15 W.;

fürst Herrmann tilget Rom, macht unser joch zunichte,
stützt Deutschland und erwirbt der freyheit güldne früchte
Lohenstein Arminius 1 (1689) 66a;

da must ein held das reich, das schon erkrachte, stützen
Gryphius trauersp. 36 Palm;

die einen strebten nach eigner überzeugung das königthum zu stärken und zu stützen Bismarck ged. u. erinn. 1, 78 volksausg.; ich meine, man sollte sie (die regierung) in aller weise stärken und stützen Moltke ges. schr. u. denkw. 7, 126. in secundärer verbildlichung:

die ungeheure zahl der arme, die dich schützen,
sind säulen deines stuhls, die deine herrschafft stützen
Pietsch geb. schr. (1740) 7 Bock;

wie wol wird er des regimentes last,
die er schon längst mit angefasst,
als eine vierte säule stützen
Brockes bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 79;

das recht, das unsres fürsten haus
als starker pfeiler stützt,
und das im lande ein und aus
der armuth hütten schützt
Uhland ged. 1, 69 Schmidt-Hartmann.

in stärkerer abstractheit und wachsender mannigfaltigkeit der anwendung; schon im mnd. im modernen sinn von 'unterstützen': doch hebbe we umme vruntscop willen dat ghestuttet, dat (1395) H. Sudendorf braunschweig.-lüneburg. urk. buch 8, 25; seit dem 17. jh. in breiter fülle:

heldentugenden, die ganzen völkern nützen;
doch auch zur friedenszeit der bürger wohlfahrt stützen
Gottsched gedichte 1 (1751) 387;

ruhm und würde musz sich legen,
stützet feder nicht den degen
Logau 386 Eitner;

ei wer wolte nicht belieben
euch und eure druckerei,
weil durch sie viel wiz beklieben,
weil sie land und leuten nüzet,
und die freyen lehren stüzet?
Knittel poet. sinnenfr. absonderl. buch (1677) 8;

die unschuld schützend mit dem schwert,
die warheit stützend mit dem wehrt
der lehr und feder
Weckherlin ged. 2, 261 lit. ver.;

so musz man mit muth dieses streben stützen Stifter 14, 142 Sauer; dasz es zu einer zeit wieder aufgelegt wird, da sein zweck, meine vorlesungen zu stützen, wegfällt Dahlmann in briefw. zw. Jac. u. Wilh. Grimm, Dahlm. u. Gerv. 1, 277 Ippel; die masse manuskript (d. briefwechsels) macht einen tüchtigen schluszstein, meine und Schillers werke zusammenzuhalten und zu stützen Göthe IV 42, 22 W.; Mozart gab derselben (stimme) nur den stützenden halt des horntones O. Jahn Mozart 376; indem die (vocalverbindungen) ... die geschlossene qualität (des u) zu stützen scheinen Jutz alem. ma. (1931) 87. — eine meinung, ansicht usw. stützen: seine meinung mit guten beweiszgründen stützen Kramer 2 (1702) 1032a; wenn er es gewagt hätte, seine vorgetragenen ansichten durch meinen namen zu stützen Göthe gespräche 4, 337 Biedermann; eben diese innige korrespondenz der beiden naturen stüzt auch die ganze lehre der physiognomik Schiller 1, 169 G.; während Overbeck die deutung Gerhards zu stützen sucht H. Brunn kl. schr. 3, 80; ein bloszer notbehelf, ... um das einmal angenommene system von etrurischer kunst und kunstwerken zu stützen Göthe 46, 72 W.; modern banktechnisch wirtschaftsinstitute, besonders

[Bd. 20, Sp. 777]


banken, durch kreditgewährung vor dem bankerott schützen: tatsächlich entschlosz sich die reichsbank denn auch in jener kritischen woche, jeden wechsel unbesehen von der Darmstädter bank hereinzunehmen, um dieses institut zu stützen und den zusammenbruch zu vermeiden, der die finanzkatastrophe in Deutschland herbeigeführt hätte Ferd. Fried in: die tat 1931, 372; der kanadische weizenpool geriet bedrohlich ins wanken und muszte gestützt werden 1930, 580; hieraus wieder in den allgemeineren abstracten sinn des wortes gewendet: wäre in der historischen nacht vom 20. zum 21. juni Hoovers botschaft ausgeblieben, so hätte der absturz ein trümmerfeld hinterlassen, vor dem jeder aufbauwillen verzagen muszte. ... Hoover hat als präsident der Vereinigten Staaten das in dieser stunde notwendige getan: er glaubt das stürzende zu stützen und wird das kommende damit schützen Ferd. Fried in: die tat 1931, 249. — selten in objectloser stellung:

so mögen warlich die wol schwitzen,
die im gericht noch höher sitzen
und nicht viel stützen oder schützen
Fischart Eulenspiegel 424 Hauffen;

wo die natur nicht mehr zum leben hinreichend seyn will, musz die kunst freilich flicken und stützen, kleistern und quacksalben, so gut sie kann Wieland 29 (1857) 157; im bereich des hausbaus (1 a): behilft man sich lieber in einem baufälligen hause, und stützt und flickt so lange daran als es gehen will ebda 23, 138. — auf der grenze zu B, vgl. u. 7:

und was verspricht sich schon, du theures friedensbild,
von dir das römsche reich, das sich durch dich gestützet?
v. Besser schr. 1, 23 König;

wollen in tausend teufel herab, blasphemant deum et wenden und keren gott dar hin, das er sich mit gwalt stutz Luther 27, 88 W.
B. 'auf stützen ruhen; etwas ruhen lassen, auf stützen setzen'; später als A, erst im 17. jh. bezeugt; in den gleichen verhältnissen concreter und abstracter anwendung wie unter A.
1) am ältesten in der form sich stützen auf etwas 'auf etwas fuszen, ruhen', mit dem accusativ des äuszeren objectes, vgl. ohne äuszeres object im compositum sich aufstützen (teil 1, 756): (er) stützte sich auf einen knotigen stab Göthe 22, 34 W.; einen groszen hebel in der hand, darauf sich dieses alt wacklende gebäw stützete, dasz es nicht zu hauf fiele Moscherosch gesichte (1650) 1, 262;

und du, mein sohn einig allein,
solst mir gleich wie ein stab jetzt sein,
auf den ich mich steurn und stützn thet
Ayrer dramen 581 Keller;

die verschwender ... sich nach und nach auf den bettelstab stützen Harsdörfer gesprächsp. 4, 390; dasz das volksleben sich in allen verhältnissen fest auf den stab des glaubens an die segnungen der religion stütze Bismarck polit. reden 1, 158 Kohl;

du stellst dich hin vor meinen sessel, jüngling,
dich trotzig stützend auf dein leuchtend schwerdt
Fouqué held d. nordens (1810) 1, 138;

indem er sich auf sie stützte, kam er die treppe langsam herauf Göthe 13, 15 W.; herr Herrmann wollte bey dieser gelegenheit den herrn v. G. mit witz unter den arm greifen, auf den herr v. G. sich gestützt hatte v. Hippel lebensläufe 2, 20; edle dame, sagt ich, stützt euch auf meinen arm Bauernfeld ges. schr. 5, 136;

lernt nun: wie schwankend sitzen
die, derer armen sich auf frembden achseln stützen
Lohenstein Agrippina (1724) 78;

ich stützte mich auf ihn, wie ich
auf deine treue schulter jetzt mich stütze
Schiller 12, 289 G.;

stütz her, so so auf meine schulter maler Müller (1811) 3, 237; führen die paare ein bärenmäsziges wiegen und schwenken aus, bei welchem der körper ohne vorwärtsbewegung, abwechselnd sich auf den linken und rechten fusz stützt F. M. Böhme gesch. d. tanzes 194; das geländer,

[Bd. 20, Sp. 778]


worauf sie sich stützte, war etwas niedrig Hölderlin 2, 110 Litzmann;

ich stütze mich auf mauern, morsch, zerfallend
v. Droste-Hülshoff 2, 97 Schücking;

und ich stützte mich auf den sarg meines entschlafenen freundes, bis mich meine geliebte zu einem erquickenden spaziergang lockte Lavater verm. schr. 2, 424; der alte graf ... stützte sich nur auf einen marmortisch Fontane I 4, 11; wo der blaue himmelsbogen sich müde auf die fernen gebirge stützt O. Ludwig ges. schr. 2, 448; die eine hand stützte sich auf ein felsstück Storm (1899) 1, 263; übertragen und abstract: die groszen seynd wie ein rohr, worauf man sich nicht sicherlich stützen kann Kramer 2 (1702) 1032b; treuen sinn zu bewahren für diejenigen, auf die unser lebenswohl, unsere lebensfreuden sich gründeten und stützten Göthe IV 31, 215 W.; es ist aber solches amen ein grundfestes, wohlgegründetes, gewisses, ja himmelfestes wort, wo sich gründet, steiffet und stürtzet (sic!) auf eine unbewegliche basin, stütze, seul und unterhalt Dannhawer catechismusmilch 6, 753;

du bist der unsichtbare grund
drauf unser erden kreisz sich stützet
Dietr. v. d. Werder buszpsalmen (1632) b 4b;

den letzten satz für später angehängt zu halten, stützt sich auf keinen einzigen grund Jac. Grimm kl. schr. 5, 208;

was sich auf vergänglich ding stützet, das verfällt und bricht
Logau 263 Eitner;

er stützt sich nicht stur auf die privilegierte stellung des adels und des offiziers Meinecke leben d. genfeldm. v. Boyen 1, 29;

unerträglich bleibt es dem gebietenden,
wenn kühn sich stützend auf ein früheres verdienst
ein alter diener widersetzlichkeiten wagt
Göthe 12, 302 W.;

er weisz, Wurm, wie sehr sich mein ansehen auf den einflusz der lady stützt Schiller 3, 375 G.; worin diese weltanschauung besteht, auf welche beweise sie sich stützt D. Fr. Strausz schr. 6, 7; (die bewegung) stützte sich wenigstens auf ein protestantisches dogma W. H. Riehl d. deutsche arbeit 307; das fabelhafte unsrer familiengeschichte, das sich nur auf überlieferungen stützt Klinger 1, 398; die handhabung der verwaltung durch ... beamte, die sich auf fremde autorität stützten Moltke ges. schr. u. denkw. 2, 163; der sich auf beschuldigungen stützt, die nichts weniger als erwiesen sind Lessing 17, 156 L.-M.; wir würden uns auf elemente stützen, die wir nicht beherrschen Bismarck ged. u. erinn. 2, 20 volksausg.; im parlamentsleben: sich auf die mehrheit stützen; oft mit unbestimmtem object:

laszt einmal, stolze krieger! sehen,
worauf sich eure tugend stützt?
Gottsched vers. e. crit. dichtk. (1751) 308;

dasz ich mich in der ganzen darstellung auf nichts stütze, was Pach auf der folter bekannt hat Ranke 3, 33;

und worauf stützt sich deine sicherheit?
H. v. Kleist 3, 75 E. Schmidt.


2) etwas auf etwas stützen, im sinne von 'ruhen lassen, bauen, fest aufsetzen, stellen', beruhend auf den beiden älteren formen: etwas stützen (A) und sich auf etwas stützen (B 1); in fülle erst seit ende des 18. jh. bezeugt, vorher isoliert: sehet dar ... den stab, auf welchen unser und alle reiche gestützt werden müssen Lohenstein Armin. 1 (1689) 112a; meistens in abstracten anwendungen: der liebende mann hat sein ganzes daseyn auf das herz eines weibes gestüzt; wankt und bricht nun diese säule unter ihm, dann stürzt er in den leeren raum Börne ges. schr. 4, 65; aufrichtung eines regiments, das seine selbständigkeit auf ergiebige finanzen und stehende truppen stützt Häusser deutsche gesch. 1, 4; man sollte von niemanden, auch von keiner königin, etwas nachtheiliges sagen, wenn man dieses nachtheilige nicht auf gewisse gründe stützen könnte Heinse s. w. 9, 205 Schüdd.; Eccards ansicht ist neulich von Mone ... auf eine reihe neuer, wie mir vorkommt, sämtlich unhaltbarer gründe gestützt worden Jac. Grimm Reinh. Fuchs vorr. 252; der

[Bd. 20, Sp. 779]


einen anspruch auf das allgemein herrschende ... gefühl rechtlicher nothwendigkeit hätte stützen wollen Jhering geist d. röm. rechts II 1, 37; dasz unter allen umständen die thatsache, worauf die bescholtenheit gestützt wird, entweder gerichtlich constatirt oder notorisch sein musz Mommsen röm. staatsr. 1, 398; da sie diese antworten auf gesetze zu stützen vermochte Stoeckhardt chem. feldpr. 1, 7; leider konnte ich seine behauptung nicht widerlegen, die er auf die öffentlichen blätter stüzte Pfeffel pros. vers. 9, 154; da ... mein pasz ... unvisiert geblieben war, worauf der beamte seine weigerung stützte fürst Pückler briefw. u. tageb. 2, 4; concret: ihren mann, der, einen fusz auf den balken stützend ... den leuten zuhörte Viebig d. schlaf. heer (1904) 1, 35; stützt den krummen fusz auf einen stuhl und hinkt heraus G. Stephanie s. singsp. (1792) 231;

er stützte seine rechte
auf seines schwerdtes knauf
Chamisso (1836) 3, 297;

dann der graf nach langem zögern,
auf den tisch gestützt die hände:
F. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 120;

'den gebeugten arm auf etwas aufsetzen, meistens um dem kopfe einen halt zu geben', s. auch A 1 a (sp. 774—75) und B 4 (sp. 780): de den arm up den disch stütt un de hand äwer de ogen leggt hadd Fr. Reuter 3, 227 Seelmann;

auf dem schemel sitzt die kleine,
stützt den arm auf meinen schosz!
Heine 1, 152 Elster;

freunde des verstorbnen sitzen im trauerhause, den kopf zwischen die hände, die arme aufs knie gestützt Herder 5, 197 S.; der mann, der seinen ellbogen auf seinen eigenen tisch stützt Möser 1, 233;

ihr brüder, laszt das wilde brausen;
bleibet in ruh mit gestütztem arme
Herder 26, 240 S.;

er sitzt sehr wohlerzogen,
gestützt den ellenbogen
in guter ruh
vor einem hellen gläschen wein
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 3, 100.


3) in mehr oder weniger starker erstarrung gestützt auf, sowohl 1 wie 2 entsprechend, seit dem 19. jh.; in concreten anwendungen noch verbal: sie stand mit dem rücken gegen den brennenden baum, die hand auf die tischplatte gestützt Storm 1 (1899) 181; mit den ellbogen auf das bauchig geschweifte möbel gestützt, stand röschen übergelehnt und betrachtete den kopf G. Keller ges. w. 3, 181; Ferdinand auf seinen degen gestützt Schiller 3, 400 G.; auf meinen arm gestützt, machte er sich mit mir auf den weg Pfeffel pros. vers. 5, 108; kutscher und bedienter halfen ihr heraus, und gestützt auf den letzten suchte sie weiter zu kommen Göthe I 25, 208 W.;

preszt die faust auf eure wunde,
kämpft noch fort, gestützt aufs knie
G. Kinkel gedichte (1868) 2, 132;

abstract und erstarrt in reicher fülle der anwendung: gestützt auf die eigene, durch das gutachten der kronsyndici bestärkte rechtliche überzeugung, ist ... der könig entschlossen Bismarck polit. reden 3, 7 Kohl; gestützt auf die empfehlung meiner freunde Rhode prakt. handb. d. handelscorresp. (1861) 704; durchaus zuverlässig, auf die ausführlichen und sorgfältigen mittheilungen der witwe gestützt ist die sammlung im fünften heft O. Jahn Mozart 3, 346; gestützt auf diesen ersten praesumtiven verdacht und geleitet von den prinzipien einer richtigen diagnose sind die untersuchenden alsdann in ihrem geschäfte weiter fortgeschritten Cl. Brentano 5, 356; dasz die siege Frankreichs die ziehung weitrer consequenzen des vaticanums in Deutschland, gestützt auf allianz mit dem katholischen Oestreich, erleichtern würde Bismarck ged. u. erinn. 2, 104 volksausg.; sie überreichten dem könige ein decret ..., welches seine rückkehr fordert, gestützt auf ein früheres decret Dahlmann gesch. d. franz. revol. 378; eine solche politik läszt sich nur durchführen gestützt auf ein starkes und kriegsbereites heer Moltke

[Bd. 20, Sp. 780]


ges. schr. u. denkw. 7, 93; die römische flotte, gestützt auf Sinope und die häfen der Krim Mommsen röm. gesch. 2, 277;

wenn ein empörer sich
erhübe, und, auf lug und trug gestützt,
im pöbel anhang fände
Hebbel w. 3, 69 Werner;

dasz in einer volksversammlung ein Demosthenes zum schweigen gebracht werden kann, wenn nur fünfzig idioten, gestützt auf ihr mundwerk und ihre fäuste, ihn nicht sprechen lassen wollen Adolf Hitler mein kampf (1933) 399; du hast ... einzig auf das gestützt, was du ... bist und wissen kannst, mannhaft widerstanden D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 17; seltener attributiv: und entwickelte dabei seine auf kostbare erfahrungen gestützten ansichten Holtei erz. schr. 3, 13; alle auf analogien gestützten schlüsse sind unzureichend A. v. Humboldt ansichten d. natur (1826) 2, 162.
4) den kopf auf die hand, seltener in die hand stützen, und ähnliche wendungen bilden einen festen kreis der anwendung, s. auch DWB A 1 a (sp. 774 und B 2 (sp. 779): er stützte den kopf auf die hand und hörte seiner muhme schweigend zu Hauff 1, 39;

er stützt den kopff auf beyde hände
Henrici ernst- u. scherzh. ged. 1 (1727) 180;

(das mädchen) stützte den braunen arm auf den ellbogen, das haupt auf die hand Stifter 5, 1, 281 Sauer;

jezo stüz ich träumer
auf den arm das haupt
J. H. Voss s. ged. (1802) 5, 143;

der tisch ist marmelsteinern,
worauf sein haupt er stützt
Rückert 1, 109;

sie stand ... den kopf in der linken auf einen pult gestützt W. Heinse Ardinghello (1792) 110; sein kinn auf den knauf des degens stützend, schrie er Fontane I 1, 19; Agnes sasz wie ein kamerad zwischen uns, einen arm auf den tisch und die wange auf die hand gestützt G. Keller ges. w. 2, 233; der gleiche sinn in allgemeinerem ausdruck: sich auf seinen ellebogen stützen Kramer 2 (1702) 1032a; wie oft denke ich mir sie, in der stille für sich sitzend, auf ihren ellenbogen gestützt Göthe 11, 133 W.;

wir fanden sie sitzen an ihrem bett,
thät sich auf ihr händlein stützen 2, 187;

stützen in: ich setzte mich ans clavier ... und stützte den kopf in die hand J. M. Miller briefw. dreier akad. freunde 1, 152; Wenzel sasz, den kopf in die hände gestützt, und wagte nicht aufzublicken G. Keller ges. w. 5, 51; er hatte die stirn in die linke gestützt D. v. Liliencron zehn nov. (1904) 114; sie stützte schweigend das kinn in ihre hand Storm 1, 45.
5) vereinzelt statt der richtungs- mit der ruhepräposition verbunden, besonders der ausdruck gestützt auf:

Nathos blieb gestützt auf seinem speere
K. v. Günderode ges. dicht. 18 Götz;

dort stand der rothe meister,
der gestützt auf seinem richtbeil
mit schwermüthger miene sprach
Heine 1, 399 Elster;

sich auf den knien stützen oder erhalten Hulsius (1618) 2, 383a; hände auf den knieen gestützt Fr. L. Jahn 2, 54 Euler;

sondern der jahre hundert und fünfe habe ich vollendet,
auf dem stabe nie stützend die zitternde hand
E. M. Arndt 6, 127 R.-M.;

erwarteten ihn seine schwiegersöhne und kinder, auf deren arme gestützt er in die versammlung trat H. P. Sturz schr. 1 (1779) 127; ich fand ihn, den kopf auf der linken hand gestützt Börne ges. schr. 3, 208; (er) stützt sich mit der andern hand auf ihrem bett Lenz ges. schr. 1, 29 Tieck.
6) stützen an etwas, auch anstützen im unterschied zu stützen auf (1-5) mehr im sinne von 'sich anlehnen', entsprechend A 1 b; in geringerer verbreitung, jedoch alt: sich an einen baum legen, oder an einen baum stützen oder leinen Frisius dict. (1556) 1064a; und risz sich an seinen speer gestützt vollends empor Fouqué altsächs. bilders. 2, 204; den kopf auf den arm gelehnt stützt er sich an

[Bd. 20, Sp. 781]


die mauer Iffland theatr. w. 1, 70; kenntnisse des geistes, güte des herzens ... an euch stützte meine seele sich Laroche frl. v. Sternheim (1771) 2, 294; die welt bedarf einer bessern doctrin, ... an welche sich alle gutgesinnte stützen könnten K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. 1, 30;

zitternd falten wir die hände
ineinander, halb vertaubt,
stützen wir noch haupt an haupt
und erwarten so das ende
J. M. R. Lenz gedichte 110 Weinhold;

haben sich (die hunde) hinterm riegel aufgerichtet,
die vorderpfoten an die stäbe stützend
Liliencron 9, 180;

und nach seiner angenommenen vorigen weisze stützet er den hindern an den pfeiler Kirchhof wendunmuth 2, 119 lit. ver.; 8 nahe: sogleich muszte ich den kleinen finger meiner rechten hand ausstrecken, sie stützte den ihrigen dagegen Göthe 25, 1, 158 W.
7) in absoluter stellung, formal A gleich, jedoch durch das innere object hierher gehörig: ich musz mich stützen, ich bin dem umsinken nahe Deinhardstein ges. dram. w. 3, 116; ein vergoldeter engel, welcher ... mit der einen hand sich stützte, die andere aber sanft ausstreckte Stifter 5, 1, 149 Sauer; dieser körper ruht sich nicht aus, er ruht; er stützt sich nicht, er ist gestützt Georg Forster bei Sanders 3, 1263; zur rast dient ihr (der lebenskraft) auch schon jedes stützen, anlehnen, sitzen, liegen Schopenhauer 5, 179 Grisebach; ähnlich:

durch zweene prinzen stützt sich Köthens fürstenhaus
es schmückt sich durch drey prinzessinnen
Gottsched gedichte (1751) 1, 86.


8) verschiedentlich in bedeutungen und anwendungen ohne den sinn eines eigentlichen lastens und ruhenlassens etwa 'legen, setzen, hintun'. im alem.: ištütse holz in den ofen schieben schweizerdeutsche gramm. 7, 183; aštitse ein trinkgefäsz an den mund setzen ebda 4, 52; 17, 53; mæije štitse dem gemeindevorsteher bei seiner wahl einen baum als ehrung vors haus stellen 11, 41; üfštitse einem etwas andichten 17, 53; stützen etwas auf den boden werfen, z. b. eine bürde Stalder schweiz. id. 417, oder ob stürzen (s. sp. 697)? vgl. auch:

ein steiger stützt die last der wohlerlangten würde
auf eigne schultern hin, und hat den staat zur bürde
A. v. Haller schweiz. ged. (1753) 107.

im alem. seit dem 16. jh. die augen stützen 'auf etwas richten', kaum mit schwund des r (sp. 697) aus 2stürzen zu sterzen 'richten' (sp. 717): die augen auf ein ding stellen oder stützen, weyt aufsperren, das ist eigentlich und wol ansähen intendere oculos Frisius dict. (1556) 907a; die augen stützen intendere oculos Aler dict. (1727) 2, 1863a; bald hebt der mensch sich über die gestirne herauf; bald stüzt er, wie ein insect, seine augen auf die erde Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 2; sie stützte die augen empor Sal. Gesner bei Sanders 3, 1264a. — die hände in die hüfte stützen, vgl. ähnlich die arme in die seite stürzen (sp. 717): der phantast ... stützte die hände in beyde seiten und sagte Grimmelshausen 3, 359 Keller; wenn ihr nur ... den rechten arm in die hüfte stützt und das maul ganz voll nehmt Eichendorf s. w. 4, 362 Kosch-Sauer; schob er sein sammtkäppchen über den kahlen vorderkopf zurück, stützte die hände gegen die hüfte und sagte sogleich, ohne sich lange zu besinnen G. Keller ges. w. 3, 53; dagegen anders (o. B 1): die linke hand stützt sich auf die hüfte Göthe 48, 145 W.
 
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stützen, vb., seemännisch, 'die durch das ruder eingeleitete drehbewegung des schiffes zum stillstand bringen; kurs halten', jung entlehnt aus engl. steady 'das schiff auf kurs halten', steer steady ds., s. Murray 9, 1, 883, und volksetymologisch aufgefaszt als ein echtes stützen, da gegen das widerstand leistende ruder gestemmt, gedrückt, gestützt wird: ich wollte den kurs auf Krautsand feuerschiff nehmen und liesz etwas backbordruder geben und dann stützen qu. v. 1908 bei Kluge seemannsspr. 769; vielleicht hätte ich, wenn ich etwas früher die lage des ewers erkannt hätte, unseren dampfer etwas früher stützen

[Bd. 20, Sp. 782]


können ebda; im sinne der volksetymologischen vorstellung besonders das ruder stützen: der kommandant graf v. Monts selbst hat erklärt: nachdem er, um den gegenseglern auszuweichen, mit seinem schiffe so weit nach steuerbord ausgebogen, dasz sich das bugspriet klar vor dem heck des kauffahrteischiffes gezeigt, habe er das ruder stützen wollen nationalzeitung 1880 nr. 63 sp. 9. auch als kommando, dem engl. adv. steady entsprechend: nach ausführung der wendung 'backbord' hatte der officier zwar richtig kommandiert 'ruder stütz', d. h. die entgegengesetzte drehung 1878 nr. 583 sp. 2; es ist vielmehr, ohnerachtet er 'stutz' oder 'recht so!' kommandierte, ... das ruder dem ersten kommando gemäsz immer weiter backbord gelegt (worden) 1880 nr. 63 sp. 8.
 
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stützen s. 1stürzen.
 
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stützenbirne, f., birnensorte, besonders zum zerschneiden und dörren geeignet; obd., s. Fischer schwäb. 5, 1943; Metzger pflanzenkunde 758. auch stotzbirne, stotzenbirne, s. teil 10, 3, 585; schweiz. id. 4, 1497.
 
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stützendruck, m., druck einer last, eines bauteiles auf seiner basis, stütze: bei durchgehenden ... kragträgerbrücken wird es notwendig, die endpfeiler als ankermauerwerk auszubilden, wenn bei belastung der mittelöffnung in den endauflagern ein negativer stützendruck ... eintreten kann Lueger lex. d. ges. techn. 1, 351; diese stützendrücke mit dem zugehörigen reibungcoefficienten multiplicirt Karmarsch-Heeren3 7, 350.
 
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stutzenglas s. DWB stutzglas.
 
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stutzenierer, m. herumziehender bettelmönch, aus stationierer (teil 10, 2, 944) umgebildet, wohl nach stutzen 'eitel und müssig umhergehen' (sp. 765): es kommen auch die mentiris, die stutzenierer zum vicario, kaufen von ihm ein admisz, ein zulaszbrief, der kostet oft xl gulden. da wirt ihnen zugelaszen, dasz sie mögen im ganzen bistumb frei die bauren bescheiszen satiren u. pasqu. 3, 279 Schade.
 
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stutzenloch, n., loch in der hobelbank, in dem der bankhaken (1stutzen, m., sp. 756) sitzt, s. Karmarsch-Heeren3 1, 290; auch stützenloch, s. Prechtl techn. encykl. 7, 477.
 
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stützenlos, adj., auch stützelos, stützlos, ohne stütze, halt, schutzlos: man solle mehrere stützenlose rankenpflanzen um einen stamm pflanzen Schopenhauer 3, 261 Griseb.; stützlos als botanischer terminus, s. Illiger thier- u. pflanzenreich 334; wenn etwas in ihm reift, was er sich noch nicht ... eingesteht, würde ja sein haus ... stützenlos Auerbach schr. 8, 101; meistens übertragen (stütze B): die landtägliche regierung, stützenlos, unsicher, furchtsam, nahm ... ihr ende Zschokke ausg. schr. 1, 200: ist bei den monogamischen (völkern) die zahl der verehelichten frauen beschränkt und bleibt eine unzahl stützeloser weiber übrig Schopenhauer 5, 657 Grisebach; und sollte meine bange, geängstigte mädchenseele nun fort und fort ... hilf- und stützelos in nacht und sturm auf- und niedertaumeln? Marlitt heidepr. (1911) 36; so stand er schutz- und stützelos vor den geistgewaltigen E. G. Kolbenheyer Montsalvasch (1912) 214; den langen weg vom elternhause bis zum grabe verödet zu sehen, und ihn stützlos gehen zu müssen Fr. v. Heyden br. e. flüchtlings (1838) 2, 43;

dann weinen knaben nicht um einen scheuumschlichnen greis,
und wandern rathlos, stützlos ohn ihn auf der erde
L. Schefer ausgew. w. (1845) 1, 17.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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