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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stützchen bis stutzen (Bd. 20, Sp. 743 bis 755)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stützchen, f., trinkgefäsz, demin. von 2stütze: item (praesentavit eis) 8 vasa argentea videlicet stütczichen et duo picaria et eciam unam carkam argenteam (1411) monum. hist. warmiensis 5, 469 Woelky.
 
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stutzdegen, m., kurzes, breites seitengewehr, zu 3stutzen truncare, s. Müller-Mothes ill. archäol. wb. 894a. —
 
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stutzechse, f., trachysaurus, zu 3stutzen truncare: eine durch die absonderliche bildung ihres schwanzes mehr als durch alle übrigen merkmale auffallende schuppenechse Brehm tierl. 7, 160 P.-L.
 
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stütze, f. , fulcrum. mnl. mnd. stutte, mhd. stütze. aus dem nd. entlehnt: dän. støtte, schwed. stötta, lett. stuta. herkunft und form.
1) stütze ist wahrscheinlich ableitung von stützen; die abhängigkeit von diesem vb. besteht von anfang an: stütze ist was stützt. das subst. ist seit dem 13. jh. bezeugt; (s. u. DWB A 1); das vb. in der composition seit dem 12. jh., das verbalabstractum stützung seit dem 12. jh. (sp. 807), das simplex stützen jedoch später als das subst. stütze; vgl. u. stützen (sp. 773). in den modernen mundarten zeigen stütze und stützen völlig gleiche verbreitung, s. sp. 773. — herleitung von stütze aus dem alten stutz, stutze, stutzen, m. 'truncus' (sp. 755) liegt nahe; stütze wäre dann ursprünglich 'ein oben abgeschlagener, stumpfer stamm, pfahl, klotz, auf dem etwas ruhen kann'; die gleiche entwicklung zeigt auch stud (sp. 256). auf diese möglichkeit deutet, dasz stütze mit masc. genus bezeugt ist (s. u. 2), sowie die bedeutung u. A 1. jedoch ist stutz, stutze 'stumpf' weithin auf das obd. beschränkt, während stütze 'fulcrum' schon in frühester zeit im nd. auftritt. vielleicht wurde das vom vb. stützen abgeleitete stütze, besonders das postverbale stutze, m. (s. u. 2), mit stutze 'stumpf' vermischt, eben auf grund der bedeutungsnähe beider wörter (s. o.).
2) neben dem fem. stütze ist seit alters die masc. form stutz, stutze, stutzen, auch stütz bezeugt. das masc. scheint auf das obd. beschränkt, z. b. bei Grimmelshausen, Seb. Franck, Turmair, Stainhöwel; doch auch bei Luther; in der neuzeit tritt das masc. immer mehr gegen das fem. zurück, erscheint jedoch gelegentlich im obd. noch im 19. jh., z. b. u. A 4 c. bedeutung und anwendung.
A. körper, bauteil, pfahl, der vermöge seiner körperlichen eigenschaften trägt und stützt.
1) 'pfahl, pfosten, pfeiler, säule'. in den ältesten zeugnissen fehlt der grundsinn der stützfunction oder bleibt zumindest unausgesprochen, s. auch 2 a (sp. 745). diese zeugnisse stellen entweder das wort der bedeutung 'truncus' (sp. 755) dar, gehören dann also gar nicht hierher, oder sie zeigen, dasz 'fulcrum' aus 'truncus' erwachsen ist (s. oben 1): ein dorf, darinnen eben ein metzger abstieg und sein pferd vor einem haus an einem armsdicken stützen bande, auf welchem ein immenstock ruhete; ... das pferd ... den stützen, woran es gebunden, unten am boden, da er zimlich faul und versporrt war, entzwey brach Grimmelshausen 3, 486 Keller; darumb

[Bd. 20, Sp. 744]


das man sie (die christen) mit reisach verprennet und umb ein halben plappart ein stutz kauffet, daran man sie bande S. Franck chronica zeytb. (1531) 133b; ir binden die christen an die galgen und stützen Hedio chron. germ. (1530) 284b; Bodilo ein geborner franck, der vormals ausz geheisz Hilderichs an ein stützen gebunden und gegeisselt war worden S. Franck Germ. chron. (1539) 336c. — redensartlich in gleicher bedeutung wie DWB auch keinen stumpen stehen lassen, mit stumpf und stiel vernichten (sp. 432 ff.), wahrscheinlich bildlich aus dem bereiche des hausbaus (u. 2), so dasz hier das fehlen der stützfunction secundär wäre: verbrenten die Ungern sant Florians closter ... liessen kain stutzen sten Turmair bair. chron. 2, 257 L.; und die fackel prennet als ser und vast, daz si die stat Troi bisz in den grund verprent, noch in dem gantzen künigreich ein stütz nicht liesse steen noch beleiben histori v. d. statt Troya (1499) 19b;

daz si (die fackel) Troye unz an den grunt
mit ir fiure brande,
noch in des riches lande
liez ein stütze niht bestan
Konrad v. Würzburg troj. krieg 5 Keller;

si wuosten in dem lande
an aller slahte urdrütze,
sie leibten einer stütze
nie vor keiner veste tor
Reinfried v. Braunschweig 15556 Bartsch;

und alles das so vorhin nit geschleitzt was, das verderpt man in grund, ... da bleib nit ein stütz uffrecht, es ward verbrennt Tschudi chron. helvet. (1734) 2, 429; er wolle das schloss nit auf geben, dieweil ein stutz daran stande qu. v. 1546 bei Fischer schwäb. 5, 1941; in besonderer nähe zu stutzen truncus, etwa 'kleiner balken': darzu nit ein stützen holtz kommen ist, sunder der fels ist des gantzen closters dach Seb. Münster cosmogr. 392. — regelmäszig als glossierung von columen, palus, pila: ein saul, stütz oder pfeyler columen Frisius dict. (1556) 253a; palus pfol, stecken, stossel vel stutzen, zam zune voc. v. 1515 bei Diefenbach 408b; pila schairpost, stutte teuth. 220 Clignett.
2) die eigentliche bedeutung des wortes, die function des stützens, findet ihre ausprägung gegenüber 1 im bereiche der architektur, wo stütze jeden bauteil bezeichnet, der eine last zu tragen hat, s. Schönermark-Stüber hochbaulex. 805.
a) meistens 'senkrecht stehender träger, pfeiler, auf dem das dach oder die decke des gebäudes im schwerpunkt ruht': die säule ist die allereinfachste ... form der stütze Schopenhauer 1, 288 Grisebach; die naturgemäsze organische gestalt für pfosten und stützen, die etwas tragen sollen, ist deshalb der baum Hegel w. 10, 2, 300; liesz sie mitteln in dem wyer ain wonung uff pföl und stuczen erbuwen Stainhöwel de clar. mulier. 108 lit. ver.; dorumb der kunig macht von den höltzern thinis stutzen des hauses des herren und des hausz der kunigin erste deutsche bibel 5, 287 (1. kön. 10, 12) lit. ver., so auch Luther in der niederschrift von 1523: stutzen ym hause des herrn, dann von ihm geändert in seulen, s. bibel 1, 167 W., und in der letzten originalausgabe pfeiler, s. bibel 2, 260 Bindseil, wie die anderen bibelübersetzungen des 16. jh.

lasz mich des tempels stützen zerbrechen,
verderbend sie alle, mich fürchterlich rächen
Körner 2, 141 Hempel;

damit jhr dieselbige mit newen vesten, pfeylern, seulen und stützen untersetzt Fischart binenkorb (1588) a 3b; dasz das undergestützte haus sich wider seine eigene stützen und pfeiler, von denen es seine auffenthalt hat, setzet und strebet Fischart Garg. 341 ndr.;

und auf die stützen alt ersten grunds, mit der zeit,
setzen sie meisterlich ein new und reich gebäwd
Tobias Hübner die andere woche (1622) 347;

mich dunkt, ich sehe vor augen einen Pachomium in der wüsten, welcher allda ... seine wohnung aufgeschlagen, so mehrist in vier krumen stützen ... bestehet Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 140; viele gefahr, welche die handwercksleute gehabt, ... da das gantze gewölbe fast mit unzehligen stützen unterbauet wurde Göthe 38, 205 W.; diese fehler sind wie flüchtige stützen eines gebäudes,

[Bd. 20, Sp. 745]


die man nicht wegnehmen darf, ohne vorher eine feste mauer unterzuziehen ebda 22, 160;

reisz ich zusammen dies verfluchte dach.
um! aus! ihr morschen stützen!
Fouqué held des nordens (1810) 3, 25;

die balken hätten auf stützen geruht, um die mauer nicht berühren zu müssen Herman Grimm Michelangelo (1890) 1, 279; in älteren zeugnissen ist häufig das innewohnen der stützfunction vorauszusetzen, ohne dasz diese ausdrücklich hervortritt, dann 1 nahe: soll pfähl oder stützen von weiden, felbingern oder wilgen hawen für die hagen zum halter, gelänt und schwibogen Sebiz feldbau (1579) 50; seulen ... das sind stützen, pfeiler oder sonsten auffgerichte denckmäle Harsdörfer d. teutsche secret. (1656) 1, K k k 8b; sein wir nit lange zeit ... der wald gewesen, darausz elle lender seulen, stender oder stützen, das ist hilff und sterck zu erhaltung irer gerechtigkeit, haben holen müssen? Kirchhof wendunmuth 1, 36 lit. ver.; was sie (die schiffbrücken) erfordern ... an ... höltzern, nageln, stricken, seilern, stützen, pfälen Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) n 6v.
b) weniger häufig 'strebe', die schräg gegen die mauern eines gebäudes steht und dieses halten hilft: stützen, die zu mehrerer haltung an eine mauer angebracht ... werden Vitruvius de architectura (1800) anh. 7 Rode; man musz dieser mauer eine stütze geben Castelli ital.-d. (1741) 1, 28b. wegen der gemeinsamen allgemeineren bedeutung des stützens meistens kaum von a abgehoben: so wor en buwen idher graven wil bi sinen nabure, dat mach he don uppen sinen, erst he sinen nabur nen scaden dho; mach sinen nabur dhur scade afkomen, dhen scal he bewaren mit stutten edher mit anderen dingen qu. v. 1303 bei Schiller - Lübben 4, 455; darumb dasz die stärcke eines einstigen stützens, dem bruch und einrisz ... nit allein helffen, und die mawr vor dem einfallen auffhalten kan N. Machiavelli kriegskunst (1623) 121; wenn ein haus zusammenfällt, ... da ist es thörig, dasselbe halten zu wollen mit steifen und stützen und untermaurung Alexis Roland 3, 94;

gebrechlich ist mein haus, bedarf gar sehr der stützen,
soll es mir ferner nützen
v. Droste-Hülshoff 3, 98 Schücking;

ebensowohl zu a gehörig: hat er die stützen mit fewer angesteckt, und die undersprissen mawr eins mals ernider geworffen Xylander Polybius (1574) 262; welltent si sich nit ufgeben, so welltent si di stud und stützen anstoszen, das si alle in der vesti muosden vervallen und verderben H. Fründ chron. 190 Kind; do leten si den torn houwen unde understutten unde vureden (anzünden) do die stutten, dat die torn neder veel Lappenberg gesch. des erzstiftes u. der stadt Bremen 126; man meynet dehn (turm zu Babel) mit stützen zu erhalten J. Böhme schr. (1620) 6, 169.
3) in über den hausbau hinausgehenden anwendungsbereichen ist der stützende körper von weniger eindeutiger art.
a) stütze, auf der etwas in seinem schwerpunkt ruht: denn dasz die körper schwer sind, und daher, wenn ihnen die stütze entzogen wird, fallen, muszte ihm doch zuvor durch erfahrung bekannt werden Kant 3, 28 akad.; da sie nn zeit daucht ... die stützen, damit sie den deckel undersetzt hetten, auszschlgen Montanus schwankb. 366 Bolte; habe ... die knüttel verlangt, sie ... als stützen unter den deckel (des kastens) gestellt Göthe I 24, 61 W.; am zwölfften tag aber hatten wir bald vergessen, das wir dem fisch stützen unter dasz maul setzten, damit ers nicht zuletzt zu schnapte Gabr. Rollenhagen indian. reysen 109; erstlich die gebeyn, gleich als ein fundament und stütz, darauff der leib gebauwen ist Ryff anatomi (1541) c 2a; es ist auch einer da (in der prozession) gangen mit einer hüpschen stüzen mit ainem hüpschen seidenthuech, wann man still hat gehabt, das der pfarrherr das sacramendt oder monstrantz darauf setze. die stüzen hat den der gehebt, der sie tragen hat qu. a. d. 16. jh. im Freiburger diöcesanarchiv 19, 143; die globul der zweyen

[Bd. 20, Sp. 746]


elementen mag nicht fallen, nicht darumb dass auf stützen lig, oder darumb das wunderbarlich hange ... sondern ... umb sie gehet das element aër Paracelsus op. (1616) 2, 109 Huser; die erde, das undenklich, unerforschlich, schwere gewicht, in dem mittel hanget, auf kein stützen stehet, und in sich selbsten, dasz sie beständig stehet, gegründet Conr. Dieterich weish. Sal. (1627) 2, 449. ähnlich, doch schon B nahe: aber diese mitle stett hab die erden nicht ohne alles gefähr oder zufälliger weisz bekommen, sonder disz sei jhr natürlicher, eigenthümblicher, und nothwendiger stütz Schweickhart graf v. Helfenstein Basilius magnus (1391) 8; —

nun entziehn sie den schiffen die stützen, und säubern die graben
und ihr heimverlangend geschrei erreichet den himmel
grafen zu Stolberg ges. w. 11, 49;

es wird ... ein langer ... streifen rinde ... abgelöst und ... auf niedrige stützen gestellt v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens 46;

denn bank an bank gedränget sitzen,
es brechen fast der bühne stützen,
herbey geströmt von fern und nah,
der Griechen völker wartend da
Schiller 11, 243 G.;

stützen, marmortheile, welche der bildhauer bis zur gänzlichen vollendung einer figur unter einem erhobenen arm, zwischen den gespreizten beinen etc. stehen lässt, um jene glieder zu stützen Bucher kunstgewerbe 390b; die tiere stützen sich ... auf die eingeschlagene faust ... wogegen die grosse ... zehe als wesentliche stütze des leibes dient Brehm tierl. 1, 46 P.-L.; da wir keine stöcke hatten, so muszte der abstieg fast durchweg sitzend zurück gelegt werden, wobei die rollen der glieder tauschten, die hände zu festen stützen und die füsse zu voraus tastenden fühlern wurden H. v. Barth Kalkalpen 205; guszgefäsz in gestalt eines primitiven vogels ... unten statt der füsze drei kleine stützen Furtwängler vasenbeschr. 15. im bergbau dem architektonischen bereich am nächsten:

so pflegt der bergmann, der im schachte steckt,
wo er sich bahn macht, stützen anzulegen
A. W. Schlegel Athenäum 2, 261;

daher es geschicht, das die stützen, die weich werden, zerfallendt, oder die undergebäuw, so verbrandt, der berg mit seinem grossen last in einander falle Ph. Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 91; — in gleicher juristischer anwendung wie schon mnd. (2 b, sp. 745): ein grundstück darf nicht in der weise vertieft werden, dasz der boden des nachbargrundstückes die erforderliche stütze verliert, es sei denn, dasz für eine genügende anderweitige befestigung gesorgt ist Ehmcke wb. d. bürgerl. gesetzb. 2, 995; der tollste vorschlag ging dahin, die ganze kirche mit erde zu füllen, um eine einstweilige feste stütze für das gewölbe zu gewinnen H. Grimm Michelangelo 1, 33.
b) stütze, die als lehne, halt, versteifung dient: di satler sollen von ihrer arbeyt, wie volgt, nhemen: ... ein gemeiner reidtsatel für 1 marg. ein satel mit zweien stuczen fur 2 marg (1521) acten der ständetage Preuszens 5, 686; darnach trafen sie einander mit iren schilten als hart, das keyser Carle des stegreyffs losz wardt, jedoch bleyb er auf den stützen sitzen Aymont v. Dordon (1535) s 2a; pflock in der hobelbank, gegen den das bearbeitete holz gelegt wird, s. Prechtl techn. encykl. 7, 477, vgl. dagegen die gleiche anwendung u. 1stutzen stumpf; in der botanik, auch mit stutz, stutzen 'stummel' (sp. 755) verwechselt: stützen nannte Linné alle diejenigen theile, die einer pflanze nützen, die sie aber auch meistens verlieren kann, ohne dadurch zu grunde zu gehen: ... die afterblätter, deckblätter, hüllen, blumenscheiden, den dorn, stachel, die ranke usw. Röhling Deutschlands flora (1823) 1, 87; ich habe deshalb von scheidenknospen und trieben nur da gesprochen, wo die doppelnadel (stütze) noch vorhanden war Ratzeburg waldverderbnis 1, 105; blattansätze, stützen, stipulae ... umhüllen und bedecken die blätter, wenn diese noch klein und zart sind Illiger thier- u. pflanzenreich (1800) 361. — korsettstange Amaranthes frauenzimmerlex. 224; steifer draht beim herstellen einer

[Bd. 20, Sp. 747]


haube ebda 745; zum brennen von gefässen mit schwierigen formen müssen ... stützen ... angewandt werden Muspratt chemie (1905) 1160; unter aufgabe der hauptbedeutung 'senkrecht stehend': ich bemerkte aber, dasz zwischen diesen beiden fingern eine art von stütze ... gelassen worden Winckelmann bei Justi 2, 322; wenn vom scheitel eines winkels ein kreisbogen zwischen den beiden schenkeln gezeichnet wird, und wenn von einem ende des kreisbogens auf den entgegengesetzten schenkel eine senkrechte linie gefället wird, so heisst diese die stütze (sinus) des winkels oder des bogens Bürja grössenlehre (1799) 79.
4) leichtere hölzer, stöcke, latten, pfähle als stützen.
a) im gartenbau.
α) pfahl, stock, an den eine ranke, pflanze oder ein dünner stamm gebunden wird, um ihn zu stützen. am ältesten zum stützen der reben: stütz, räbstäck Frisius dict. (1556) 1240a; rebstäck, pfal, stütz Calepinus undec. ling. (1598) 1379a;

die lantzen freuen sich, den reben
pfahl und stützen abzugeben
J. Chr. Günther ged. (1735) 947;

wenn die hopffenrebe, oder der weinstock an einen faulen pfahl geräth, so hält sie sich an denselben, und beginnet in die höhe zu klimmen, es währet aber so lange, bisz ein sturmwind entstehet, der wirfft sie mit samt ihrer stützen übern hauffen Chr. Scriver seelenschatz (1737) 1, 231b;

... ohne freund
seyd ihr der reb im garten zu vergleichen,
mit der kein pfahl als stütze sich vereint
J. D. Gries Ariostos rasender Roland (1804) 1, 262;

ein groszes hölzernes kruzifix, das einem jungen weinstock als stütze diente Heine 3, 240 Elster; dasz ein frauenzimmer ihren beschirmer nicht weniger zu lieben, als epheu seine stütze ... zu umarmen verbunden ist Lohenstein Armin. 2 (1689) 922b; selbst von der wurzel getrennt, lasse ich (der epheu) nicht von dem, was ich umarmte, und grüne und lebe klammernd an meine stütze Cl. Brentano ges. schr. 5, 219;

gleichwie man etwa sieht,
dasz sich ein schwacher baum durch stützen aufwärts zieht
B. Neukirch ged. (1744) 158;

an dieser hinfälligen stütze spinnt sich der zarte schöszling hinauf Schiller 6, 317 G.; ich habe die lang gewachsenen georginenstämme an stützen gebunden Stifter 4, 1, 208 Sauer;

ich war ein reis, dem seine stützen sanken
Heine 2, 61 Elster;

es sey die gröste statsthorheit, einen fallenden baum stützen: denn die stützen ... verfaulen Butschky Pathmos (1677) 410.
β) pfahl, der fruchtbehangene zweige von unten her tragen hilft:

oder sieht, wo ein baum schwer trägt,
dasz er ein stütz jm untersteckt
Fischart lob des landlustes 124 Kurz;

(im oktober musz man) die stützen und stangen, damit man die schwerträchtigen bäume unterstützen müssen, wieder ausziehen v. Hohberg georg. cur. 1, 134;

gedrücket von der last der früchte,
biegt sich der baum, so dasz man ihm auch stützen gab
v. Cronegk schr. 2 (1766) 366;

stellte die stützen zurecht, auf denen beladen die äste
ruhten des apfelbaums, wie des birnbaums lastende zweige
Göthe 50, 213 W.;

die fruchtbäume muszten stützen erhalten, damit sie unter ihrer last nicht zusammenbrachen Rich. Voss zwei menschen (1922) 210.
b) am oberen ende mit einer zinke versehener stab zum aufhängen und stützen von netzen und leinen. in der entsprechung von gabel, furca meistens 'gabel mit denen in der jagd das fangnetz aufgestellt wird': ein stütz mit zweyen zinggen furca Maaler (1561) 394a; stützen, gabeln, stöcke, damit man das garn auffspannet Bas.

[Bd. 20, Sp. 748]


Faber thesaurus (1587) 45a; stutzen, netzgabel ames Aler dict. (1727) 2, 1863b; stütz hamis qu. a. d. 15. jh. bei Fischer schwäb. 5, 1941; Reynhart vil der heyden mit eyner furcken oder stützen erschlug Aymont v. Dordon (1535) b 3b. in weiterem gebrauch als gerät des seilers, s. Jacobsson 4, 350; die (betten) binden sie zwischen zweien lättlein oder stützen an, und hencken sie under dem lufft auf, und schlaffen also darin N. Höniger (1579) 9. heute weit verbreitet: stange zum stützen der wäscheleine, s. Brendicke Berliner wortsch. 178; Martin-Lienhart elsäss. 2, 621.
c) stab, stock usw. der den menschen in aufrechter haltung stützt:

statt deiner geziemt mir
in der zitternden hand jetzt eine stütze, der stab
Herder 26, 110 S.;

und schnitt mir einen derben stecken aus einer hasel, mehr zur stütze als zur wehr Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 25; aber dennoch brach die stütze, als er sich an sie steifte, und der arme fiel in den bach A. G. Meiszner skizzen (1778) 1, 179; die keule ... dient ihm zur bequemen stütze Göthe 49, 129 W.; wo es schwierig ging, schwang er sich leicht hinüber, und mir reichte er den stutz zum anhalt und zur sicherung C. Baumgarten-Crusius reise aus dem herzen (1819) 1, 119; bey meiner bettstatt steht ein spanisches rohr — ich nenne es die stütze des lebens, weil es mir mein vater ... vermacht hat Bäuerle kom. theater 4, 11;

und neben ihr mit leichtem trippeln geht
die kleine zofe, ihres armes stütze
v. Droste-Hülshoff ges. w. 2, 223 Schücking.


B. übertragen: was die function des stützens (1stützen A 2) vermöge seiner stellung und inneren eigenschaft hat.
1) tragender pfeiler, säule, häufig sogar 'grundlage, fundament', auf dem architektonischen bereich (A 2) beruhend: diser artikel ist ein stütz, daruf der nächst darvon grundlich gebuwen ist Zwingli deutsche schr. 1 (1828) 195; (das amen) sich gründet, steiffet und stützet auf eine unbewegliche basin, stütze, seul und unterhalt Dannhawer catechismusmilch 6, 753; dann der teuffel hatt wol gefület den losen grundt des primats, das er in die lenge nicht besthen köndte, darumb hat er so manche stütze untersetzen wollen Nigrinus papist. inquis. (1582) 44; wie wüst jrret der, desz grundt mossig ist, der alle tag unterstützen musz, damit er sein erdichten grund erhalt: nemlich die stützen sind voller sophisterey und blandimenten Paracelsus op. (1616) 1, 33 Huser; A 1 nahe: es heiszen aber die buchstaben also, als stäbe und stützen des buches, darinn sie lang und kurtz, grosz und klein stehen B. Scheräus sprachenschule (1619) 232. im bilde des hausbaus: denn, wenn das gebäu eines reiches einfallen wolte, müste der erste der beste seine achsel unterschieben, und zu denen stützen nicht disz oder jenes holtz ausschüssen Lohenstein Armin. 1 (1689) 28b; die geometrie und arithmetik sind, so zu sagen, die stützen dieses grossen gebäudes Th. Abbt verm. w. 5, 90; ihren gemahl wird sie für den treusten freund und die vornehmste stütze ihres ganzen hauses halten L. A. Gottschedin br. 2, 257 v. Runkel; du solltest sein eine stütze für mein altes haus Fr. Reuter 3, 238 Seelmann. auch im weiteren bereich tritt das bildhafte immer wieder hervor: als Luther das principium der kirchenautorität umwarf, fielen die drei stützen des gerüsts, auf welchem die scholastiker disputiert haben, Aristoteles, concilien und kirchenväter Herder 20, 214 S.; die vernunft aber ist ... eine stütze des himmels Bettine Günderode 1 (1840) 42; sie (die welt) ruht demnach auf festen stützen Gottsched anmuth. gelehrs. (1751 ff.) 4, 114; ihre natur ist ewig, wie der verstand gottes, und die stützen meines daseyns (nicht meiner körperlichen erscheinung) sind so vest als die pfeiler des weltalls Herder 13, 16 S.; stütze der kirche, zunächst noch im bilde des architektonischen, dann ausschlieszlicher auf die function zielend: in allen dingen ein stütz und seyl unserer kirch was Hedio chron. germ. (1530) f 5a; ouch die sülen und stützen vil der vätern, als Augustinus

[Bd. 20, Sp. 749]


und Hieronymus, in jrem schryben wider einander sind Zwingli dt. schr. 1 (1828) 130; die bettelorden, sagt er, seyen die stützen der kirchen gewesen, aber jetzo seyen sie fast verfaulet Zinkgref apophth. (1628) 227; Gregorius der grosz genant, der vier leerer einer, und stütz der rhömischen kirchen S. Franck chronica zeytb. (1531) 284a; machen sie sich nur gefasst, mich für nichts geringeres, als für eine stütze unserer kirche ausgeschrieen zu hören Lessing 17, 343 L.-M.; in ähnlichem doppelsinn stütze des throns: umb ihn sind wolcken und dunckle, das recht und das billich sind stützen seines stls Züricher bibel (1531) f f 1; ohne sie (die gelehrsamkeit) stehen die throne gleichsam auf verfaulten stützen Ettner med. maulaffe 61; der himmel verleyhe euch gesundheit, dasz ihr eine stütze des königlichen throns lange zeit bleiben möget schauspiele d. engl. com. 79 Creizenach; diese 'stütze des thrones' war später minister und inhaber hoher und einfluszreicher ämter Bismarck ged. u. erinn. 1, 44 volksausg.; seit alters als abstracte functionsbezeichnung stütze des staates, des reiches:

wente he (der könig) is des rykes stutte,
so is dat wyslik unde nutte,
dat men der vrouwen neme ware
meister Stephan schachbuch (1889) 5566;

von Narsete und Belisario, den trewen helden und stützen des reichs S. Franck Germ. chron. (1538) 56; dasz nit ein stützen jhres reichs gemindert möchte werden Paracelsus op. (1616) 2, 616 Huser; so fielen achtung und zutrauen, die stützen dieses und jedes reichs, allmählich weg Novalis schr. 2, 27 Minor; dasz also ein potentat mehrmals so viel feinde und verächter, auch wohl verräther, als vermeinte stützen seines stats hat pedant. irrthum d. schulfuchses (1673) 147; sagt der presendent und kloppt ihm auf die schulter, 'sie sünd eine stütze des staats!' Fr. Reuter 4, 93 Seelmann; Preuszen, die mächtige stütze Deutschlands, ging hier zu grabe Karl Jul. Weber Deutschland (1828) 3, 205; meine herren, ich trinke noch besonders auf das wohl der starken stützen unsrer ostmark Viebig d. schlafende heer 1, 147; damit sind aber die wesentlichsten stützen einer sogenannten staatsautorität zerschlagen worden Adolf Hitler mein kampf (1933) 579. mit neubelebung des bildes: das regiment ist auf eine faule stütz gebawet, da ein ungeschickter regieret Friedrich Wilhelm sprichw. register (1577) g 1a; das gantze hochlöbliche haus zu Osterreich, welches gott in diesem abnemenden alter der welt zur stütze und grundfeste der bawfälligen römischen monarchi ... verordnet H. Rätel chron. d. herzogt. Schlesien (1607) 266; ich sorge dafür, dasz die fundamente bleiben und bin eine stütze von land und thron Fontane I 6, 84; die eigene macht Mithradats war vollständig zerschmettert und eine nach der andern brachen ihre noch übrigen stützen zusammen Mommsen röm. gesch.4 3, 60; in weitem bereich in fortschreitender abstraction: ein gelehrter, der ... so viele zu guten bürgern, zu gelehrten männern, und zu berühmten stützen des gemeinen wesens hat erziehen helfen Gottsched anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 717; dasz deine gegenwart ... die stützen der bürgerlichen wolfahrt befestigen möge Chr. Weise polit. redner (1677) 144; zeigen die ernsthaften wissenschaften, welche man im engern verstande die gelehrsamkeit nennet, von nichts als von dem elende und verderben der menschen, von der mühseligkeit ihres lebens, diese beweinenswürdigen stützen der gesellschaft Lessing 4, 388 L.-M.; eine ... zahl von völkern, die fast in demselben sinne wie die Arier selbst als stützen der indischen kultur gelten können Ratzel völkerkunde 2, 224;

turner, unsrer zukunft stützen, ...
schwenken fahnen, hüt und mützen
Hoffmann von Fallersleben ges. schr. 5, 170;

er nennte mich einen groszen, berühmten, gründlichgelehrten mann, eine stütze der wissenschaften, seinen mäcenaten Rabener s. w. 2, 102; in sachen des vortrags sah er Voltäre als die letzte stütze des geschmacks an, der unter Ludwig xiv. gewesen war Herder 17, 31 S.; religion und ihre stütze, die furcht vor der zukunft

[Bd. 20, Sp. 750]


Klinger 3, 13; dasz fürs erste die äuszere neutestamentliche stütze seiner christologie ... unrettbar unterlag D. Fr. Strauss schr. 6, 30; was soll ... aus der truppe werden, ... wenn ihre stützen, die länger dienenden unteroffiziere und feldwebel, wachtmeister abgehen? Wilhelm i. milit. schr. (1897) 2, 76.
die stütze im sinne von 'die wichtigste stütze, tragende säule', übertragen aus dem architektonischen bereich (A 2 a): ja ich, ich bin die rechte hand und die stütze dieses königreichs Ziegler asiat. Banise (1689) 136; ich, der ich die stütze der macht bin A. Olearius staat d. königr. Persien 5; man lasse daher dem pöbel seine irrthümer; man lasse sie ihm, weil sie ein grund seines glückes und die stütze des staates sind Lessing 2, 99 L.-M.; stolz auf das vaterland, dessen intellectuelle einheit die feste stütze jeder kraftäuszerung ist A. v. Humboldt kosmos 1, 40; der stolz und die stütze Preuszens, das heer C. O. Hoffmann revolution und contrerevolution (1849) 1, 32; die stütze und der grund aller speisen ist das brod v. Hohberg georg. cur. 3 (1715) 113a; die ... derjenigen gesundheit der seele entgegen steht, die der grund und die stütze der wahren tugend sind Ramler einl. in d. sch. wiss. (1758) 1, 389.
2) beistand, hilfe, halt, unterstützung, hauptsächlich auf dem bilde des gestützten baumes (A 4 a α) beruhend.
a) alt und am reichsten bezeugt vom menschen, der einem andern beisteht und hilft: der gut stützen an seinen freunden hat, der wol gefreundet ist Frisius dict. (1556) 591a; aber gut ist es, recht freund, so in nöten dein stütz und trost sind, haben S. Franck sprüchw. (1545) 1, 89a; selig ist die seel desz gottsförchtigen. auf wen verläst er sich? wer ist sein stützen? Albertinus hirnschleiffer (1664) 197; eine gute stütze an jemand haben Weismann lex. bipart. (1698) 367; wie späth kömmt der verstand! bey mir sollte er damals schon längst gekommen, und ich meines vaters beste stütze geworden seyn U. Bräker s. schr. (1789) 1, 169; dasz mutter und schwester, die an dem verstorbenen bruder eine treue stütze gehabt, sie auch an diesem finden können Göthe IV 30, 174 W.; ich esse alle tage bei den guten Roons, die dir eine rechte stütze sein werden Bismarck br. an s. braut 515; die frau vergosz ... aus besorgnisz, ihre letzte stütze zu verlieren, manche stille thränen Christoph v. Schmid ges. schr. 1, 223; so lehnte sich seine tugend selbst wieder an die freundschaft, als an eine schwesterliche stütze W. v. Humboldt ges. schr. 1, 293; stunnen de drei döchter üm ehres vaders lager herüm un weinten un klagten sachten vör sick hen un wullen de stütt hollen, de sei so lang hollen hadd Fr. Reuter 2, 160 Seelmann; wie ich alle meine schwindenden kräfte zusammenraffen muszte, um diesen verzweifelten stütze und stab zu sein Gutzkow ritter vom geiste (1850) 3, 398;

sey deines vaters stab, sey deiner bürger stütze
Gottsched deutsche schaubühne 4, 6;

wenn wir, in raschen muthigen momenten
auf unsern füszen stehen, strack und kühn
als eigner stütze froh uns selbst vertraun,
dann scheint uns welt und himmel zu gehören
Göthe 10, 264 W.;

kommt, sie mit ehrfurcht zu grüszen! zur stütze
reicht ihnen freundlich die helfende hand!
Schiller 6, 179 G.;

stütze des alters: erzeygen wir uns erstlich danckbar gegen unseren eltern, welchen wir an unser statt junge stützen jres alters schaffen Fischart ehzuchtbüchlein 191 Hauffen; kinder und kindes kinder sind stützen und stebe desz alters Petri d. Teutschen weish. (1604) 2, L l 6;

ich hab euch schuldlos vieles weh bereitet,
des alters stütze euch geraubt
Schiller 12, 568 G.;

er gibt dich widerum, o meines hauses zier,
o stütze meiner jahr, er gibt dich wieder mir!
A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 1012;

bildhaft, in stärkerer anlehnung an die eigentlichen anwendungen: dann dise sind der eltern schönster wintermeyen, leydvergesz und wendunmut, des vattern auffenthaltung,

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leytstäb, krucken und stützen, inn welchen sein alter wider plüsam wird Fischart Gargantua 97 ndr.; weiber und reben dürffen ... zu ihrem wohlstande einen ulmenbaum oder stütze Lohenstein Armin. 1 (1689) 313a;

und jetzt sinkt mir die letzte stütze nieder,
die meines glückes rebe aufrecht hielt
H. v. Kleist 3, 59 E. Schmidt;

as hei markte, dat de schauler nich schont sin wull, let hei em sinen willen und säd to sick as de gärtner: 'den lat man so stahn, de brukt kein stütt un keinen pahl' Fr. Reuter 2, 121 Seelmann.
b) im besonderen sinne von 'anhalt, halt, an den man sich hält, anklammert': dasz das fräuliche geschlecht von natur zaghaffter und furchtsamer, auch dannenhero fertiger ist, etwas als einen sichern stutz und stab zu ergreiffen Th. Undereyck der närrische atheist (1722) 317;

de heilig schrift is, richtig lesen,
hir unn jug einzigst stütt und staf
Fr. Reuter 7, 85 Seelmann;

lasz neben dem triebe edler güte, das verlangen nach dem wohlgefallen der guten immer auch mitwirken, immer eine stütze — wenn du willst, eine krücke menschlicher tugend seyn Lavater physiogn. fragm. 1, 168; geben sie mir einen anhalt ... ich breche zusammen. eine stütze. alles in mir bricht zusammen G. Hauptmann einsame menschen (1891) 128; tritt der glaube an das ewige hervor in unserer seele ... als die einzige stütze, an die wir uns noch halten können, nachdem wir alles andere aufgegeben Fichte 2, 292; concreter: sie fasste ... das halsband des hundes, um halt und stütze zu haben Fontane I 1, 978; an die stützen, die wir wanken fühlen, klammern wir uns doppelt fest v. Ebner-Eschenbach 1, 70; sie war gekommen, rat und beistand zu holen, und sah wieder eine stütze, einen lebensinhalt dahin sinken G. Keller ges. w. 5, 329;

freundlich dankt er; und beschwörts: dasz er nur auf gott gebauet,
auf das wesen, dem kein christ bis hieher umsonst getrauet.
eine solche stütze sänke unter einem arme nicht,
unter dem der menschen hülfe wie ein morsches rohr zerbricht
v. Schönaich Heinrich der vogler 80;

die dichtung einer oper hat den bestimmten zweck, dem musikalischen ausdruck eine entsprechende grundlage und stütze zu geben O. Jahn Mozart 3, 89. weniger bildhaft: um sie dem drohenden einflusz Frankreichs zu entziehen, und weil Teutschland nicht heil noch stütze bot Görres ges. schr. 2, 32; und ihm (dem kinde) im glauben und religion eine stütze bilden, dasz es nicht falle Bettine d. buch gehört d. könig 1 (1843) 53; an Karl wird sich der innere mangel an trost immer auf eine solche art offenbaren, weil er an nichts festhält, greift er fast blind nach allem, wo er stütze hoffen kann Wilhelm Grimm an Jacob br. (1881) 87; die see ging sehr hoch, und das schiff, welches nun in den segeln gar keine stütze mehr fand, taumelte wie betrunken Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 198; das echt weibliche bedürfnisz, in einem ihr wahrhaft ergebenen mann halt und stütze zu finden O. Jahn Mozart 4, 420; beides aber würde auch in dem geltenden buchstaben der kirchlichen lehre keine stütze finden Schleiermacher s. w. I 4, 57; (das) gereicht der meinung, dasz er hier nur als heros oder halbgott aufgeführt sey, noch mehr zur stütze Fouqué gefühle, bilder 1, 200; eine der gröszten stützen für die Kantische philosophie ist die gewisz wahre betrachtung, dasz Lichtenberg verm. schr. (1800) 2, 92. — älter bezeugt stutz, stütze halten 'beistand leisten, halt bieten': für allen dingen bewarb er sich umb reuter, damit er der Deutschen fahne möcht stutz halten G. Klee berühmter leute leben (1589) 1, 14; von welchem (abgott Stuven) man lieset, das jhn die heidnischen leute gegen der Werra ... auf dem Stuvenberg ... geehret haben, und bei jhm als bei dem, der, wenn es jrgend not gewinnen wollen, stuven und stützen halten köndte, rhat gesucht C. Spangenberg Bonifacius (1603) 30b.

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c) im besonderen sinne von 'rückhalt': jeder flecken, auch ganz abseits vom wege, wenn er ihn nur bezwingen kann, wird ihm (einem feldherrn) zu einer wichtigen stütze werden L. Boltzmann populäre schr. (1905) 26; eine starke stütze fanden die Franzosen noch an der parkmauer, welche sie mit grosser gewandtheit in kürzester zeit zur vertheidigung hergerichtet hatten Moltke ges. schr. u. denkw. 3, 360; wenn wir die deutsche frage dadurch noch mehr verwirren, dass wir ... den Frankfurter souveränitätsgelüsten ... die stütze unserer zustimmung leihen Bismarck reden 1, 91 Kohl; wenn der orden früher nicht selten eine stütze gegen die Litthauer an Polen gefunden hatte Ranke s. w. 25, 71; nicht so wohl aus wahrer zuneigung, als weil er eine stütze gegen seine nachbarn suchte M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 39; dieser adel ohne stütze in der regierung würde vergehen wie märzenschnee Lagarde deutsche schr. 37; um einer fremden willensgewalt gegenüber an den dingen eine stütze zu finden Immermann 18, 119 Hempel; dies system ... hat eine neue stütze in dem allgemeinen enthusiasmus der nation, in der energie des heeres ... gefunden Meinecke leben d. generalfeldm. v. Boyen 2, 6; das völlige verlöschen der neuen sterne ... schien dieser meinung eine festere stütze zu geben A. v. Humboldt kosmos 3, 269.
d) im allgemeineren sinne von 'hilfe, beistand, unterstützung': wehe dem glauben, dem man also mus stutzen und hülffe suchen und betteln Luther 18, 149 W.; darausz dem gemeinen wesen nicht ein geringe hülff und stutz erfolgt H. Lewenlkaw neuwe chron. türck. nation (1590) 73; wenn gott einen gottlosen herrn stürtzen wil, so hilfft keine hülff noch stützen, kein bund noch knopff Mathesius Sarèpta (1571) 84b; das er (der könig) gern hette der herschaft von Osterrich wyder gehept, das der eidgenossen was und das von inen bracht, wie er hette können, und das des die von Zürich ein guote stütz zuo einre syten warent H. Fründ chronik 95 Kind; hiemit (mit Werners tod) war den widerwertigen keyser Conrads ein gute stütz abgebrochen Stumpf Schwytzerchron. (1606) 327a; der dolmetscher ist eine stütze und hülfe für den fremden Jac. Grimm kl. schr. 5, 166; gedult ist ain stütz z aller tugent G. Mayr sprüchw. (1567) e 2 β; die meinung des fürsten steht nur auf einem fusz, hat sie aber anderer räth beyfall und stützen, so stehen sie desto steiffer Lehmann flor. polit. 2 (1662) 694; es ist jetzt recht schwer mit deinem vater auszukommen, und ich bedarf deiner freundlichen stütze mehr als je Spielhagen 2, 338; eine sprudelnde fülle von reliquienkästchen, heiligenbildchen, weihbrunnenkesselchen und anderen kleinen stützen der andacht und der auferbauung Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 152; ich weiss vor der hand nichts anders, als das lineal zu ergreifen, und zu sehen, wie weit ich mit dieser stütze in der baukunst und in der perspecktiv kommen kann Göthe IV 1, 178 W.; eine vernünftige gesetzgebung erhält gewiss keine geringe stüze dadurch, wenn das gesetz immer zugleich grund und beweis angiebt W. v. Humboldt ges. schr. 1, 23; die bewegung .... sieht in beiden religiösen bekenntnissen gleich wertvolle stützen für den bestand unseres volkes Adolf Hitler mein kampf (1933) 379; die zerbrechlichen philosophischen stützen desjenigen ..., was als ehrwürdige wahrheit galt Justi Winckelmann 1, 110; aber wo ist auch eine solche hilfe und stütze, wie der treffliche Diez; es ist nicht zu sagen, wie dieser treue, fromme, gott und menschen dienstbare mann tag und nacht für seine leidenden nebenmenschen arbeitet Cl. Brentano ges. schr. 9, 97.
e) hausstandsgehülfin, die der hausfrau in allem zur hand geht, jedoch nicht speciell die niederen arbeiten verrichtet; in den lit. zeugnissen doch meist stark an die eigentl. bedeutungen des wortes angelehnt: dabei keuchte sie so ausnehmend, dasz ich ihr den freundschaftlichen rath gab, sich doch eine jüngere stütze beizulegen, da sie in ihrem alter der ruhe bedürftig sei Heinr. Seidel vorstadtgesch. 110; des leibes wirtin, die hauptseele, und eine andere, die

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bei ihr als stütze und gesellschafterin in stellung ist Timm Kröger schuld (1898) 65; in fester wendung stütze der hausfrau: die ... stellungen als 'stütze der hausfrau' oder 'gesellschafterinnen' suchen, höchst unglückliche zwischenstellungen, die als mittelspersonen zwischen hausfrauen und dienstboten meist versagen gartenlaube 1915 beil. 710; auch ironisch gemeint. noch im eigentlichen sinne von 'hilfe, beistand' (d): besonders eine erwachsene tochter, die stütze seiner wirtschaft Musäus physiogn. reisen (1788) 2, 74; wäre diesem dürftigen und zusammensinkenden haushalte nicht eine stütze in der blonden Lisbeth erwachsen Immermann 1, 65 Hempel. kaum schon i. j. 1609 hierher:

viertzig fadem (garn) wol zu der stundt
binden sie (mägde) allweg in ein bundt,
welches sonsten die Mercksche stützen
pflegen zu nennen eine pfützen
A. Tharäus in schr. d. ver. f. d. gesch. Berlins nr. 33 s. 55b.


 
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stütze, f. , stutz, stutzen, m., stotz, m. (teil 10, 3, 583), stitz, f., volkstümliches gefäsz verschiedener grösze, ursprünglich aus holz, zu stutzen, stutz 'stumpf' (sp. 755), nach der form benannt wie stunze (sp. 550), s. M. Heyne hausalt. 2, 306. seit dem 14. jh. bezeugt, heute in den obd. und md. mundarten lebendig, s. schweizerdeutsche gramm. 13, 49; Fischer schwäb. 5, 1941; Schmeller-Frommann 2, 802; Jakob Wiener dial. 188; im md., oft neben dem gleichbedeutenden stunze, s. Wegeler Coblenz 76; Vilmar kurhess. 407; Bech beitr. zu Vilmar 24; Hertel Thür. 240; Reinwald henneberg. 159; 2, 123; Gerbet Vogtland passim; Müller-Fraureuth sächs. volksw. 113; Frischbier preusz. 2, 387.
1) meistens ein gröszeres trinkgefäsz: item 2 stützen depictae, item 1 ciffus de stanno et 1 stutz (1315) cod. diplom. austriaco-frisingensis 3, 124 Zahn; in diesem closter gab man ein brott und ein stutz trincken, wer do quam S. Grunau preusz. chron. 1, 422;

die (weiber) wurdend jm fyn tapffer schnützen,
sy henckend ouch gern s mul an stitzen!
H. R. Manuel 339 Bächtold;

2 stozzos cerevisie Kehr urk. buch d. hochstiftes Merseburg 1, 981; und alls sy aber denselben gefanngen alle tag zwo stutzen mit biers, auch zu eszen in den thurn gebracht v. Absberg 59 lit. ver.; meinen magen zu füllen ... thäte ich in der pfisterey bey einer guten stütze voll abgelegenen mertzenbier Grimmelshausen 3, 437 Keller; an statt des geldes bringen sie (die gastwirte) ihre grosse stützen und krüge mit bier v. Hohberg georg. cur. 3 (1715) 53b; sonntags geht alles nach Böhmen, eine halbe meile von hier, wo man sich ungenirt auf das gras setzt und bier aus hölzernen stützen trinkt Cl. Brentano ges. schr. 8, 104; bierstütze, s. teil 2, 1; geh her und schau, dasz ich e stutzen millich zu saufen krieg R. Waldmüller wanderstudien 2, 159;

man trinkt uz einem stutzen win der Teichner bei
Lexer 2, 1282;

ob ain wirt wein furtrüg in stüczen oder in kandeln, die sullen offen sein und das recht mass haben österr. weisth. 1, 324; stitzen, weingeschirr, capis, capedo Dentzler clavis (1716) 277a. ebenfalls edleres geschirr: item 4 m. und 4 scot lotigis sylbers zu 4 sylbyrynnen stoczhin dem groskomthur Marienburger tresslerb. 230 Joachim; unt vor dem fronaltar was ain tisch gemacht, do stundent uff 4 brünnent kertzen und zway wisze brot und zwo silbrin stitzen U. v. Richenthal chron. d. Constanzer conzils 125 lit. ver.
2) gefäsz zu allgemeinerem gebrauch, besonders wassergefäsz, daher meist gröszeren inhalts: was schafe, zuber, schuffen, stutzen und anders bei den maurern zulechsent oder die raiffe abspringen, das er soliche schafe und gefesze dann aufhebe und zu der stat puttner trag Tucher baumeisterb. 41 lit. ver.;

ler warn zimesseck und schmaltzkübel,
ausz der küchen waren auch dannen
küpffern stützen, kessel und pfannen
H. Sachs 21, 266 Götze;

[Bd. 20, Sp. 754]


wird er endlich, von fernen, zwoer butten oder grosser stützen gewahr, deren eine mit wasser, die andre mit oel gefüllet war Francisci lufftkreis (1680) 272;

er bad nit vor in allen pfützen,
und sauff ausz jeder schlammig stützen
Mathesius ausgew. w. 2, 297 Lösche;

der fisch aber sprung geschwind aus dem stutz heraus, und ritschte durchs feur C. F. Paullini philos. feierabend (1700) 312; sie hat erst wasser holen wollen, da steht der stutz Göthe I 12, 101 W.; den reif da, wo noch seine rinden hat und ungespalten ist, den mach ich auch nicht so um die stutzen herum O. Ludwig ges. schr. 2, 131; als wenn man das wasser mit stützen vom himmel heruntergieszen thäte Gust. Freytag bei Sanders dtsch. wb. 3, 1262c.
3) gefäsz mit bestimmtem rauminhalt, dann das masz selbst: stuz, ein im Saalfeldischen gewöhnliches kegelförmiges kohlenmaasz; acht stuze werden auf ein fuder gerechnet bergmännisches wb. (1778) 543; darvon so wurden die kohlen also teuer, das ein stutz kohlen vierundzwantzigk groschen und mehr galt uff dem marckte zu Erffurt H. Cammermeister chron. 208 Reiche; ein ohm (so viel als ein malter) hat 10 stützen Hebel 2, 262 Behaghel. noch als veraltetes flüssigkeitsmasz von 15 litern im badischen bekannt, s. Meyers lex. 19 (1909) 156.
 
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stütze, f.?, wahrscheinlich soviel wie pflugsterz, dann vielleicht aus dem bereits secundären stürze, sturz (sp. 691) umgebildet: (sie) hielten die stützen des pflugs schlims, dasz die erdschollen alle innwendig hinein fielen (beim pflügen) E. Werlichius Augspurg. chronica (1595) 29.
 
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stützel, m. , 'stütze, pfosten', seit dem spätahd. bezeugt. auch stötzel, stotzel (teil 10, 3, 585) und stutzel. nomen agentis zu stützen, nicht in deminut. sinne gebraucht; in anwendungsgleichheit neben stütze ähnlich wie studel neben dem etymologisch davon verschiedenen stud (s. sp. 257).
1) 'stütze, pfeiler, pfosten': stuzel pila ahd. gl. 4, 178, 51; item cuidam fabro lignario qui sub pontem portae Petri subposuit fulcimenta lignea (teutonice: stetczel) quellen zur gesch. d. stadt Kronstadt (1527) 44; welches (einfallen) dann leichtlich zu wegen zu bringen, wenn man die gemeldte stützel anzündet und verbrennet B. de Mendoza theorica et practica milit. (1619) 160; an den thalhalten der gräben mag man an beiden seiten des walls oder graben vil schrancken, mit stützeln mit langen stangen machen Fronsperger v. geschütz u. fewerwerck (1564) 37a; item, man soll auch gewarnet sein, dasz man allwegen zur schlagbrucken sehe, dasz niemandt kein stützel darunder setze Fronsperger kriegsb. 2, H h 4v; doch müssen unter dessen die wellen fest an die achs gemacht, auch die stützel und die füsse derselbigen fest und stet auf der erden stehen, damit sie nicht etwan durch die grosse last beweget und aufgehoben werden theatrum machinarum (1607) 1, 96; sie den stüczel, do mitt sie die decke des grabes unterseczet hetten auszschlugen und die decke niderfallen liesen Arigo dec. 89 Keller; dem sechsten (fehlt es) an dem grunde und stützeln, das ist an den beinen und schenckeln M. Christ. Irenaeus spiegel des ew. lebens (1582) k 4a. nebengesetzte stütze (vgl. sp. 747): gleich wie die gärtner den reben oder bäumen mit pfälen und stutzlen pflegen zu hilf zu kommen Amadis (1595) 24, 778;

man siht etwenne, daz ein frisch stützel
lange einen dornzaun uf heltet
Hugo v. Trimberg renner 1234 E.;

über das 17. jh. hinaus selten: stütze, stützel Kramer 2 (1702) 1032a; die unterstützungen (beim brennen von tonwaren) besitzen die form von unterlagsplatten, spannringen, steifen (stützel) für figuren und dergleichen mehr Kerl thonwaren (1907) 1423. heute noch mundartlich, s. Vilmar Kurhessen 401; Crecelius oberhess. 826; Hertel Thür. 240; Hentrich Eichsfeld 69; ostfränk., s. zs. f. d. ma. 3, 118; stüssel Jellinek Ravensberg. 151; Frederking Hahlen b. Minden 31; auch: stytels, n., Jensen nordfries. 594. — häufig im übertragenen sinne von stütze: wenn die seulen und stützel hinweg sind, so die kirch

[Bd. 20, Sp. 755]


und weltlich regiment getragen haben, so fellets über einen hauffen Luther 16, 6 W.; weil aber gott dasselbe unser liebes vaterland selbst, unter des bäpstischen throns last herfür gezogen, und hinweg gerissen hat, und du selbst diesem stützel, wo er bleibe, nochmahls nachfragest D. Kemnitius unförml. augenwimper (1630) 211; fried und einigkeit ist der stützel und seule, darauf glück und heil gegründet ist H. Decimator hochzeitpred. (1601) k 2b; hinfurder kan er nicht bessers thun, denn kom widder und bringe stroern stutzel, damit er solchen fall auffrichte Luther 23, 206 W.;

wenne manic man vil friunde hat,
die wile sin dinc im eben gat:
vellet aber sines gelückes stützel,
so vindet er der friunde lützel
Hugo v. Trimberg renner 18507 E.;

Chilon wurde gefragt, was reichthumb were, sagte, sie weren ... aller untugend stützel Lehman flor. polit. (1662) 3, 190.
2) 'pfahl, pfosten', ohne die bedeutung der stützfunction, den zeugnissen unter 1stütze A 1 entsprechend: stützel, daran man zauberin gebrent hat Hulsius-Ravellus (1616) 316a.
 
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stützelfusz, m., 'holzbein, lahmes bein', auch 'mensch mit solchem', zu stützlein 'stumpf', vgl. DWB stützel holzbein Crecelius oberhess. 826; stitzele, pl., beinchen Hönig Cöllner ma. 175; stetsl dicke beine Hentrich Eichsfeld 6. stützelfusz mundartlich, s. Vilmar Kurhessen 401; Schmidt westerwäld. 239; Fischer schwäb. 5, 1942:

und wer führt euch? ei, der mann
mit dem lahmen stützelfusz!
Cl. Brentano ges. schr. 7, 405.


 
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stutzeln, vb., stützeln, iterativum von 1stutzen. 'scheu werden', wie C:

etlich pferd stützeln theten
H. Sachs.

'umher laufen', wie D: sie verfüren bapst, bischof, keiser, kunig, fürsten, herren und die ganz welt mit irer gleisnerei. wann ir sie wol füllen und freuntlich tractieren, so verhalten sie euch die warheit, schlagen inen aber den hof ab und laszen inen verbieten, im ganzen bistumb zu stutzlen und terminieren Schade sat. u. pasqu. 3, 276.
 
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stützeln, vb., auch stutzeln, 'stützen', iterativum von 1stützen, vgl. auch stützel 'stütze'; in einigen maa., s. Crecelius oberhess. 826; Hertel Thür. 240; Hentrich Eichsfeld 69; Schröer Gottschee 220; stüsseln Frederking Hahlen b. Minden 31; seit dem 16. jh., über das 17. jh. kaum hinausreichend: stützeln, einen steipper unter oder an etwas setzen Hulsius-Ravellus (1616) 316a; ich halt, das nit fall, ich halt uff, ich stötzel Alberus u u 3b; einen baum, weinstock stützen o. stützeln Kramer 2 (1702) 1032a; gleich wie die gärtner den reben oder bäumen mit pfälen und stutzlen pflegen zu hilff zu kommen, also stutzlen und richten die gute lehrmeister die jungen knaben mit guter lehr und sitten Amadis (1595) 24, 778; denn er (Luther) stutzelt sich an rucke der cretter oder wescher, und braucht sophistische dücke Carlstadt erkl. des 10. cap. Cor. 1 (1525) b 2a; der propheten schrift sind eitel donnerschläge wider die falschen propheten und bischoffe, darumb stötzelt und erhelt des bapsts reich der grosze hauffe der papisten Luther tischr. 5, 537 W.;

brauchen der unsern wort und weis,
zu ferben die alten jrthumb,
zu stützeln das fallend bapsthumb
Nigrinus v. bruder Joh. Nasen esel c 4a;

modern im technischen sinne einer barrenübung: man erfand das stützeln, stützhüpfen, anmunden, kehre, wende, sitzwechsel, aufkippen aus dem stütz Fr. L. Jahn 2, 6 Euler.
 
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stutzen, m. , stutz, stutze, 'stumpf, stummel', auch, schon mhd., stotze (teil 10, 3, 582). in der gleichen bedeutung 'truncus' sind verwandt nhd. steisz, nl. stuit; altisl. stutr, s. Fick III4 495.
1) meistens zu selbständigen wörtern specieller bedeutung entwickelt: stutzen 'kurzes gewehr' (sp. 756); 'kurzer

[Bd. 20, Sp. 756]


strumpf', 'pulswärmer', 'muff' (sp. 757); stütze, stutz, stutzen 'gefäsz' (sp. 753); stotzen 'keule, dickes bein', alem., s. teil 10, 3, 584, auch bair.-österr.: stutze, m., stützen, pl. 'fusz, bein, schenkel' Schmeller-Frommann 2, 802; Schöpf tirol. 727. — unsicher, ob auch in der bedeutung 'stütze, pfahl', s. 1stütze (sp. 743).
2) auszerdem, alt und mundartlich, verstreut in mancherlei bedeutungen und anwendungen. besonders in den obd. maa. heimisch: 'baumstumpf' Lenz Handschuhsh. 69; Friedli Bärndütsch 2, 158; 'stumpf' Lexer kärnt. 245; Bacher Lusern 399; endlich ... erreichte er (beim klettern) einen stutz (des baumes), der so lang war wie sein arm und der sich in freie luft hinaus streckte W. Schmidtbonn d. kl. wunderbaum (1930) 44; der ander stain ist abgeschlagen ... von dem selbigen stutzen stehen noch drei ganze stain nach den neugereutern qu. v. 1647 in österr. weisth. 9, 362. 'ende': hierauf wirdt der hafern, die pfenninge und stutzweck (von welchen der eine stutz abgeschnitten und für den bey schultheisz und gericht am tisch sitzenden förster gestellet wird) geliffert Ach. Aug. v. Lersner chron. d. stadt Frankfurt a. Main (1734) 2, 639a. anders 'stummel', in der technik: stutzen, m., 'kurzes rohr; ansatzrohr zur abzweigung einer röhre', s. v. Alten handb. f. heer u. flotte 1, 469; Schumann Lübeck 55; der nach unten ... geneigte stutzen setzt sich in ... ein glasrohr fort Musspratt chemie (1900) 7, 656; die feuergase ... gelangen ... durch den stutzen in den schornstein Lueger lex. d. ges. techn. 5, 126. 'unteres ende', vgl. DWB stutzen 'strumpf' (sp. 758): der Berliner waldteufeljunge stand im nu gezeichnet vor mir. mit drei, vier handgriffen waren unten die stützen der beinkleider heraufgeschlagen, die ärmel des rocks verkürzt, ein hosenträger losgelassen Gutzkow die schöneren stunden (1869) 1, 308. im sinne von 'pflock', durch die form deutlich von stütze (A 3 b) geschieden: bankeisen ... sind die in die stutzenlöcher der hobelbank einzusetzenden stutzen Karmarsch-Heeren techn. wb.3 1, 290; ähnlich: es ist mir merkwürdig, wie eine stadt so lange unverändert gleichen charakter behalten kann, ich finde beinahe noch für jede kerbe den einpassenden stutz J. Görres an Achim v. Arnim in: neue Heidelb. jahrb. 10, 118. 'stummel', ebenfalls in gleicher anwendung neben stütze (A 2 b, sp. 745) des gleichen autors: Hartig beobachtete sie (insekten) auf stecklingskulturen, wo sie ... angezogen von den absterbenden stutzen über den ausschlägen, das eingehen vieler pflanzen veranlassen Ratzeburg waldverderbnis 2, 311; 'kurzer schwanz' Fischer schwäb. 5, 1941; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 764; 'pferd mit gestutztem schwanz' Loritza id. viennense 129; Sanders erg. wb. 541b; hierher obd. stutzen ein rätselhaftes tier: sie weisz nicht recht, ob es eine natter oder ein stutzen gewesen. der stutzen ... ist nur im höchsten gebirg zu hause ... er hat ein froschmaul und ist nur zwei fusz, höchstens drei, lang. sein schweif ist wie abgehackt, an der brust hat er zwei flossen wie ein fisch A. Meiszner am stein (1833) 51; dieser stutzen soll eine art drache sein mit 4 füszen, einem katzenkopf J. G. Kohl bei Sanders erg. wb. 541b; im bair. 'zweifüszige, armsdicke, stumpfschwanzige schlange, deren existenz von den gelehrten bezweifelt wird' Schmeller-Frommann 1, 274.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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