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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stutz bis stutzbart (Bd. 20, Sp. 739 bis 741)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stutz, m. , 'federbusch'; im sinne von 'steil aufrecht stehendes', zu 1stutzen stoszen, besonders 'steil hinan stehen' (E); vgl. das gleichbedeutende älter bezeugte stutzfeder.
1) 'emporstehender federbusch' als zier der kopfbedeckung; häufig in compositis: federstutz, s. teil 3, 1409; haarstutz, helmstutz, reiherstutz, ritterstutz, s. Sanders 3, 1262c; erg. wb. 541b; seit dem 18. jh. bezeugt: es musten solche ankömmlinge einen accessschmaus geben, und durfften das erste jahr keinen degen, kein band, keine stütze am

[Bd. 20, Sp. 740]


hute tragen, sondern waren verbunden, als die allerärgsten schulfüchse einher zu gehen H. Jude gelehrter criticus (1704) 1, 187;

und dessen grünen hut ein stuz von federn ziert
v. König ged. (1745) 45;

als sie ihren Johannes im soldatenrock und einem chacot mit hohem rothen stutze zugleich mit am tische sitzen sah Leop. Schefer ausgew. w. 7, 50;

und führt beidhändig einen hieb zum grauen,
sodass der helmschmuck gleich zur erde springt,
und oberdach und stutz sind ganz zerhauen
J. D. Gries Bojardos verliebter Roland 4, 339;


2) wohl hierher, weit älter und vereinzelt, im sinne von 'schopf':

als wenn beim tag usz fliegen will
ein eyl: wie bald sie erblicket
der vögel stutz,
dan ist ir nutz
nit besser dann zu fliehen lieder der Heindelberger hs. Pal. 343, s. 216 Kopp,

oder ob 'trotz', wie 1stutz 3?
 
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stutz, m., 'kurze, runde perücke', ds. wie stutzperücke, zu 3stutzen 'beschneiden', kaum in zusammenhang mit 4stutz 'federbusch'. zur bedeutung vgl. Kindleben studentenlex. 185 ndr.; Krünitz 177, 572; mundartlich auch 'zopf', s. Schambach Göttingen u. Grubenhagen 217; Rovenhagen Aachener ma. 144. — erst jung bezeugt: auf dem kopfe trug er einen kurzen stutz, oder wenns galt, eine wohlgepuderte troddelperücke J. J. Engel schr. 12, 3;

in funfzig locken, grosz und klein,
war heut sein stutz gebogen,
wo liebesgötter aus und ein,
wie bienenschwärme, flogen
A. F. E. Langbein gedichte (1800) 1, 218;

vertausche deine sackparücke,
und wirf den stutz, wohin du wilt,
denn beyde haben kein geschicke,
vor einen den man doctor schilt.
deszwegen folge meinem rath,
und nimm ein werck, das knothen hat
Chr. Fr. Henrici ernst-scherzh. ged. 3, 489.


hierher vielleicht 'kopfbedeckung', s. Kluge studentenspr. 129b: lassen sie das blonde herrchen sich verantworten, das, mit einem stutzen, dessen bunte flecken drey schwarze schleifen verschönern, und einer autormine einhertritt Sonnenfels ges. schr. 1, 132, von 'perücke' schwer zu scheiden; vgl. jedoch dreistutzer 'dreimaster' Sanders 1262c.
 
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stutz, m., 'schnitt, form', von 3stutzen 'beschneiden': die form der stiefeln ist meist reutermäszig, so wie der stutz der hüte, die jedoch mehr rund getragen werden Laukhard leben u. schicks. 2, 124; fasmaniten (sind) ungarische studenten von zwanzig bis dreiszig jahren, in blauer mönchstracht mit dreieckten hüten von einerlei stutz Zschokke ausgew. nov. (1843) 8, 263.
 
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stutz, m., 'tausch', von 2stutzen 'tauschen': kommen die herrn aus der Hermanstadt heim und hat herr Daniel Fronius sonderlichen einen gueten stutz gehalten mit der frau bürgermeisteren urk. v. 1615 in qu. zur gesch. der stadt Kronstadt 5, 531.
 
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stütz, m., in der turnerei soviel wie 'aufstützen', junge ableitung von stützen: der stütz, das tragen des schwebenden leibes durch gestreckte oder gebogene arme, beim gemischten auch mit beihülfe der füsze oder eines anderen körperteiles Fr. L. Jahn deutsche turnkunst (1847) 73; kehrschwung in den stütz oder stand zwischen den holmen ebda 304; auch im compos.: liegestütz ebda 304.
 
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stütz, m., soviel wie 1stütze, aus dem vb. stützen neugebildet:

ihr baut verbrechende an maass und grenze:
'was hoch ist kann auch höher!' doch kein fund (fundament)
kein stütz und flick mehr dient ... es wankt der bau
St. George der stern des bundes (1914) 25.


 
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stütz, m., auch stutz, 'steisz, hintern', analogische verhochdeutschung des nd. stǖt, stūt, nhd. steisz entsprechend, s. auch Teuchert laut- u. flex.-lehre der neumärk. ma. § 189. auf nd. gebiet, s. Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 926; Mi mecklenburg. 89; Danneil altmärk. 216; Dähnert

[Bd. 20, Sp. 741]


pommersch. u. rüg. 470; Schambach Göttingen u. Grubenhagen 217; auch stītz, s. Teuchert neumärk. 221; Brendicke Berliner wortsch. 178; Damköhler Nordharz 180; Hertel Thür. 235. gelegentlich bei nd. autoren: do sprach der herre: als min knecht Ysaias gegangen hat nact und barvuz, daz wirt ein zeichen und ein wundir drier jare uf Egyptum und uf Ethiopien, alsus wirt der konig von Assirien triben Egypten gevencnisse und Ethiopien obirvart, den jungen und den alden. di nacte und di ungeschuete mit blozen stutzen, Egypto zu smacheit Claus Cranc proph. übers. 27 Ziesemer; etliche weisze federn sitzen, wie an etlichen der vorigen (vögel), beim stütz E. Francisci die alleredelste veränderung (1671) 147; dat füer, wat sick Pomuchel for sinen eigenen stüz ... anbött hadd Fr. Reuter 3, 81 Seelmann.
 
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stutzärmel, m., kurz abgeschnittener ärmel an kleidungsstücken, s. Jacobsson technol. wb. 4, 350a. im obd., s. schweiz. id. 1, 460: halsrand und stutzärmeln wurden mit einfachen halbrunden zacken und buckerln verzirt J. Schramck böhmerwaldbauer (1915) 18.
 
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stützbalken, m., träger, meist im gebäude, von 1stützen, vb.: stützbalck, stützholtz, stützpfost Kramer 2 (1702) 1032a; die schaukel besteht aus einem strick, der an zwei stützbalken des hauses befestigt wird K. Bücher arbeit u. rhythmus4 (1909) 327; da zeigte es sich, dasz auch die leitern zerstört und die stützbalken derselben zerhackt waren Rosegger schr. II 1, 235; so ein stützbalken war der gedanke an meine heimreise — wie der fort war, wars auch aus M. Hartmann ges. w. (1874) 4, 397; thron und altar ... muszten dem staat die stützbalken halten W. Schäfer dreizehn bücher d. deutschen seele (1925) 457.
 
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stützband, n., kurzes schiefstehendes holz, das eine säule und dergleichen mit einem daraufruhenden balken verbindet, s. Lueger lex. der ges. techn. 1, 693; Helfft wb. d. landbaukunst 359: trag- oder stützbänder Zincke allg. öcon. lex. (1744) 209; wenn aber ein boden soll auf den balcken geleget werden, der eine grosze last ... tragen soll, ... so müssen schon doppelte träger übergeleget ... werden, und weil man auf diesem boden die höltzer zum einhängen, nemlich die stützbänder ... und spannriegel ... nicht gerne leiden möchte L. Chr. Sturm vollst. anweis. (1718) 48.
 
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stutzbart, m., kurz geschnittener schnurrbart, von 3stutzen beschneiden: ein stutzbart barba rotunda nomencl. lat.-germ. (1634) 194; meist modisch: als vor einigen jahren in Teutschland unter denen officirern auch einigen hohen generalspersonen die schwartzen stutzbärte aufkamen, da wolte hernach jederman einen solchen eisenfresserbart haben J. Marperger haar- u. federhandel (1727) 130;

ein mann wie sie, mein herr, der so viel klugheit hegt,
und mitten im gesicht den schönsten stutzbart trägt samml. v. schausp. (Wien 1764-69) 5, 28;

mein schatz musz sein wie die andern:
braun und ein stutzbart auf ungrischen schnitt
und ein fröhliches herze zum wandern
Eichendorff s. w. 2, 433 Kosch-Sauer;

da ich nur ... bei mir nichts als meinen stutz- und schnurrbart von militärischem an mir hatte L. E. Grimm erinnerungen a. m. leben 303; jene elegante welt der duftenden haarlocken, der modischen stutzbärte und manschetten Mommsen röm. gesch.4 3, 164;

vier monarchen sieht man hier majestätisch ausgeputzet,
deren grauer knäbelbart und gespaltner stutzbart stutzet
L. A. V. Gottschedinn lockenraub (1744) 19;

wegen des modischen bereiches auch auf stutzer bezogen: stutzbart barba da bravazzo Kramer 2 (1702) 1031c; selten auch 'nach oben gebürsteter, gedrehter schnurrbart': stutzbart barba erecta Stieler stammb. 768; stutzbart whisters turned up Ludwig teutsch-engl. 1918. als parsprototo 'wer einen stutzbart trägt': der türkische kaiser Selimus liesz sich den bart abschneiden, weil seinen vater die räte daran umbgezogen, er vergasz jedoch sich die nase abschneiden zu lassen und wurde nun daran umbgeführt, wie andern stutzbarten auch geschicht Lehman floril. polit. (1662) 2, 790; wir wollen ihr (der regentin) mehr sicherheit verschaffen, als ihre stutzbärte (wachsoldaten)

[Bd. 20, Sp. 742]


Göthe I 8, 203 W.vereinzelt stutzenbart, wohl in anlehnung an stutzen 'stumpf, stummel' (sp. 755):

stutzenbart. ...
und was würdig hat umwallt
deine weisen lippen,
dient dem haus- und ehehalt
leichter vogelsippen
G. Keller ges. w. 10 (1897) 124.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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