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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sturzwasser bis stutbuch (Bd. 20, Sp. 725 bis 727)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturzwasser, n., heftig strömendes wasser, vom gebirgsflusz und wolkenbruch: ein paar tiefe, trocken liegende furchen der sturzwässer hatte ich dabei zu kreuzen H. v. Barth Kalkalpen 61; wie eine forelle vom sturzwasser eines wolkenbruchs stromab geschwemmt wird Wilh. Jensen pfeifer v. Dusenbach (1883) 21; wer setzte einen damm, der den anfall des sturzwassers brach, und ableitete? Sonnenfels ges. schr. (1783) 2, 259.
 
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sturzweg, m., steiler weg: via praerupta, praeceps, declivis Stieler 2455; und wenn nur die müden glieder durch das auge fragen lieszen, ob denn das ende dieses sturzweges noch nicht da sei G. H. Schubert reise d. d. südl. Frankr. 2, 115. — auch 'weg, auf dem man leicht stürzt':

am besten ist, wenns übel steht:
dasz man den sturtzweg einher geht
M. Haganäus unterw. z. weltl. reg. (1599) 290;

(der) ging im andern satze mit samt dem pferde den stürzeweg Bucholtz Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 96.
 
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sturzwelle, f., heftig hereinbrechende welle, brecher: ein paar sturzwellen überschwemmten das ganze deck und ich flüchtete in das boot Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 237; sturzwellen brachen sich gegen das vordertheil Gaudy 5, 89; häufig in übertragungen: die wendische invasion habe nur den charakter einer sturzwelle gehabt Fontane I 1, 100; in der überreichen medizinischen literatur, die tag für tag durch wahre sturzwellen von neuerscheinungen bereichert wird reichsmedizinalanz. (1909) 331; dasz alles, was in meinem innern vorging, auch hinaus auf seine redegewandte zunge kam. und jeder ... muszte die sturzwellen seiner gedanken über sich ergehen lassen Herm. Wette Krauskopf 1 (1909) 99.
 
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sturzwind, m., jäh einfallender wind: eine rhuestadt für die fische, wo sie bey rauchem wetter vor sturzwinden halten qu. v. 1790 bei Fischer schwäb. 5, 1938.
 
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stusz, m. , unsinn, narrheit, aus späthebr. šetūth, f., ds., modern ausgesprochen štus, s. Lokotsch et. wb. der europ. wörter orient. urspr. 152. — seit mitte des 18. jh., mundartlich am reichsten im westl. nd. und md., besonders rheinfränk.
1) die grundbedeutung in mancherlei abwandlungen, z. b. 'spasz', 'albernheit', 'dummer streich', besonders mundartlich, s. Martin Waldeck 273; Frederking Hahlen b. Minden 31; Spiess Henneberg 248; Vilmar Kurhessen 407; Schmidt westerwäld. 245. auch weit über dieses gebiet hinaus, teilweise durch schriftsprachliche vermittlung, s. Fischer schwäb. 5, 1939; Martin-Lienhart 2, 618; Meisinger Rappenauer ma. 188; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 586; Meyer richt. Berliner 175; Jacob Wiener dial. 188; auch die gaunersprache konnte die verbreitung

[Bd. 20, Sp. 726]


fördern, s. v. Grolmann spitzbubenspr. 70; Seiler kultur im spiegel d. lehnw. 4, 495. literarisch selten, teilweise wohl auf unmittelbarer kenntnis jüdischer kreise oder rabbinischen schrifttums beruhend: dasz ich alle theologie, die in dieser oeconomie, darinnen ich lebe, nicht von Jesu ins fleischen kommen und leiden und sterben ihren ursprung hat, vor stusz halten müsse A. G. Spangenberg apologetische schluszschr. (1752) 2, 27; ich hatte schon angst, er würde dem pastor in die rede fallen. ein stusz war das aber auch, nicht zu glauben G. Hauptmann einsame menschen (1891) 7; wo in der welt ... kannst du einen solideren stusz wiederfinden, als hier im glücklichen Amerika? E. Dedekind in Bolin br. an L. Feuerbach 2, 243; der geistige theil der unterhaltung bestand in eis und sehr splendidem kalten souper, der materielle in der vierhändigen polonaise von Beethoven, dem marsch aus dem sommernachtstraum, der ebenso nothwendig zu jeder gesellschaft, in der wir vorhanden sind, gehört, als thee und kuchen, und einem Servaisschen stusz S. Hensel familie Mendelssohn 3, 110. zur glossierung jüdischer rede:

die wunden der menschhait werden osser vernarben
blosz durch celeuren! der stusz, der is grausz! Berliner krakehler (1848) 9, 4;

auweih geschrie, herr barohn, was soll mer desz, was mache se vor än dumme stusz C. Friedrich vierzig jahre 1, 55. — vereinzelt im plur., wohl auf dem fem. genus des hebr. wortes beruhend: stusse 'thorheiten, närrische dinge' Kindleben stud. lex. (1781) 202;

jez wil mer doch dran sinn an so gelehrde stüsse,
un si e dokter sinn ...
jez saane si: ischs wohr?
Arnold pfingstmontag (1816) 106.


2) auf die person übertragen 'narr', s. Kehrein Nassau 1, 400; Schmidt westerwäld. 245; Martin-Lienhart 2, 618; einen zum stusz haben zum narren haben Crecelius oberhess. 825; hierher wohl auch stusse, stuss 'stupider, unbehobelter mensch' ten Doornkaat-K. 3, 357, norw. stusse, m., 'narr' Torp nynorsk et. ordbok 735.
3) 'rappel; fixe idee', s. Sartorius Würzburg 121: ar hat n stuss Ruckert unterfrk. 178; ähnlich 'üble laune': gel, du bis wieder emol im stuss? Martin-Lienhart 2, 618; auch 'unbedachtsamkeit', ebda.
4) 'zank, streitigkeit', durch vermischung von alt bezeugtem stosz 'zank' (teil 10, 3, 463) mit dem jungen stusz 'unsinn, unsinnige angelegenheit'; im alem., s. Fischer schwäb. 5, 1938; Ch. Schmidt Straszburg 107: erschreckt nicht, zunftmeister, ich komme nicht im bösen. wir haben einen stusz mit einander gehabt, das ist ja wieder gut Mörike (1897) 2, 182; ja was, so hab ichs nicht gemeint, sagte der bäcker: natürlich, stusz gibts überall, auch in der stillsten haushaltung Hermann Kurz sonnenwirth (1855) 95. dagegen, wegen des alters, direkt zu stosz, vielleicht ablautend: ain verrichtbrief umb die stüss umb Biten mli (mühle) ze Herbrechtingen spätere hand in e. urk. v. 1318, in württemb. gesch. qu. 9, 107.
 
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stuszen, vb., stoszen, s. 1stutzen.
 
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stüszig, adj., widerspenstig:

also wurd jhrer sie gar eylends uberdrüssig,
und solches macht auch sie in jhrem sinne stüssig:
auf dasz sie sich nun nicht an den noch jenen hieng
als wolte für die zween sie brauchen ihren ring
Dietr. v. d. Werder ras. Roland (1636) 12, 35.

dagegen wohl 'närrisch': wär der habich siech in dem kopf und stüssig, so sol man in in die naslöcher giessen epffensaft Mynsinger von den falken, pferden u. hunden 52 Hassler.vielleicht im ablaut zu stöszig (teil 10, 3, 556). vgl. aber schweiz.: stüszig 'stier, voll tiefen unwillens' Stalder 2, 417, stüszen 'unwillen 'unwillen zeigen' ebda, nl. stuiten stoszen; und elsäss.: stussig 'närrisch, übel gelaunt' Martin-Lienhart 2, 618, das wohl zu stusz (s. o.) und vielleicht zu sich stussen 'sich necken' Kehrein Nassau 1, 400 gehört.
 
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stut, f., gestüt, s. DWB stute.
 
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stut- in compos. soviel wie 'gestüts-', s. auch stuten-.
 
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stüt, m., 'steisz, schwanzende des vogels', in den nd. mundarten hd. steisz entsprechend, s. teil 10, 2, 2164, vgl.

[Bd. 20, Sp. 727]


auch 3stütz: vier stüte und keinen, keinen kopf! ... da strecken sich unter jedem stüt zwei plattfüszchen heraus, während sich in der mitte vier beschnäbelte köpfe auseinanderlösen H. Sohnrey im grünen klee (1905) 95. — demin. stütchen, ähnlich wie 4stutz 'federbusch' (sp. 739): darnach hat sie auch ein newe kleidung und tracht ordiniert, nemblich ein lange kleidung, und die in der mitten zugegürtet, daran einen kurtzen krummen und breiten zäbel, einen dicken und gefrungnen hut, da oben ein kleiner stütgen herausz kicket, damit es etwas einem hut gleichet M. Quad memorabilia mundi (1601) 102.
 
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stutbuch, n., zuchtstammbuch für pferde, herdbuch; aus dem gleichbedeutenden engl. studbook, denn die zugrunde liegende bedeutung 'gestüt' liegt in der neuzeit nur für engl. stud, nicht für deutsch stut vor (s. u.stute): das älteste stutbuch ist das general stud-book in England für vollblut v. Alten hdb. f. heer u. flotte 4, 226.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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