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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sturzsprung bis stuszen (Bd. 20, Sp. 723 bis 726)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturzsprung, m.: denn ob sie (die sau) gleich daselbst mit dem geflügel in der schnellkeit schier wetten dörfte, thut sie doch keinen sturtzsprung oder gähen fall J. W. Valvasor die ehre des hertzogth. Crain (1689) 1, 158. —
 
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stürzstatt, f., ort wo das angeschossene wild zusammenbricht, s. Behlen forstl. lex. 5, 733; Schwan 2, 744. —
 
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sturztrog, m., stürztrog, gefäsz, in dem erze zum rösten in den hochofen geschüttet werden (stürzen I A 4 a), s. Jacobsson 4, 349: stürtztrog ist ein molde Junghans gräublein ertz (1680) f 1a.
 
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stürzung, f. , nd. auch storting, act des stürzens, in gleichen bedeutungen und anwendungen wie 1sturz I, bis ins 18. jh. lebendig, gelegentlich auch später.
A. activ, wie stürzen I.
1) 'ausschüttung, umschüttung', wie stürzen I A 4. ausschüttung, auf eine erbmasse bezogen: eine nunne, de professie hevet gedaen, der envolget neine stortinge van erfliken gude na doder hand bei Schiller-Lübben 4, 417; im sinne von 'entrichtung': stürtzung des neundten und zehnten qu. a. d. j. 1674 in zs. f. deutsche wortf. 13, 114. kassenrevision (stürzen sp. 702): doch musz ich noch den Kühnschen quartalextract abwarten, der sich wegen

[Bd. 20, Sp. 724]


stürzung der Jenaischen casse etwas verspäten wird Göthe IV 28, 270 W.; im handel 'umladung, umschüttung' von waren: sofern nichts anderes ausbedungen ist, sind alle gehandelten saatpartien hier zu stürzen. ausgenommen von der verpflichtung der stürzung sind grassaaten Hamburger usancen von 1927 in W. Skalka handelsgebr. der Hamb. getreidebörse (1931) 700; wer ... läszt nicht dasjenige, was bei einer stürzung in England als schadhaft von dem gewicht der tonne abgezogen wird, für gute ware verkaufen? Möser sämtl. w. (1842) 1, 98. alt im sinne von 'blutvergieszen' (stürzen I A 4 b): zu schrecklichem kriege und sturtzung so viel christlichen blutes M. C. Schütz hist. rer. pruss. t 4a; es kann heut oder morgen leicht geschehen, dasz er umb der stürtzung meines unschuldigen bluts beym kopf genommen werde A. Olearius persian. baumgarten (1696) 58; so wohl auch, kaum zu 2: ene grote stortinge (caedes) is ghescheen bynnen Mensze bei Schiller-Lübben 4, 417; wohl hierauf beruhend für 'marterl', eigentlich 'ort wo eine mordtat geschah': hier dede Johann Wulf grote poenitentz umme, und leth de stortinge tho Uthbremen setten by dem stege, dar de daht geschehen was (17./18. jh.) in brem. wb. 4, 1051; vgl. auch das für das westfäl. bezeugte stürting 'beinhaus', s. Otte archäol. wb. 240. — studentisch, wie stürzen I A 4 c: der student ... der zur stürzung von rappierjungen veranlaszt wurde qu. a. d. 19. jh. in wende u. schau (1930) 152.
2) am häufigsten 'niederwerfen, in die tiefe befördern', wie stürzen I B: dann du solst wissen, dasz bey stürtzung der geister aus dem himmel nicht alle zugleich ... in die hölle verstoszen worden sind Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 255; meist übertragen 'beseitigung aus der macht': sturzung des babsts zu seinem vorigen stand ist nit muglich polit. korresp. Moritz v. Sachsens 1, 514; als die maaszregeln, die ihr zu stürzung eines tyrannischen königs nahmt, so glücklich von statten gingen Lessing 6, 88 L.-M.; die zerstörungen der Afghanen bei ihrer stürzung der Sefidenherrschaft Ritter erdk. 8, 294; item wird auch um 12 uhr ein betstund gehalten, da man gott bittet um stürzung des Türken und seines beginnens qu. z. gesch. d. stadt Kronstadt 6, 182; freylich war dergestalten der Samson zu betaueren, aber noch mehr die weltkündige stadt Constantinopel, und kan und soll ob dero schmertzlicher stürtzung sich billich ein jedes bestürtzen Abr. a s. Clara auf auf ihr christen 1, 20 Wiener ndr.; dasz die tribunen ihr beständiges augenmerk auf die vergröszerung ihrer gewalt, und auf die stürzung aller der vorrechte hatten, die den geschlechtern vom anfange der republik an zugehörten A. v. Haller tageb. (1787) 2, 48; dasz zu besorgen, sie ein grosze ursach zu stürtzung des gemachten friedens anspinnen solten J. Heppe gesch. d. ersten schwed.-poln. krieges 460. — wie stürzen III 1: die eigenwillige stürtzung in die gefahr wäre diszmal die ursache eines so schädlichen fehlers gewest Lohenstein Armin. (1689) 1, 198a.
B. passiv, wie stürzen II.
1) im sinne von 'jäher fall': dieser flusz ... fällt mit einer grossen stürtzung von oben herab in eine abscheuliche tiefe J. de Acosta America (1605) 81; (durch die flut) reiniget sich das meer, und solches nicht allein äuszerlich durch die vorangemelte natürliche und gewaltsame bewegungen, sondern auch innerlich und selber die erde durch die innerliche unterirdische durchflüsse und stürtzungen E. G. Happel relationes curiosae (1685) 2, 476a; eine goldene tabatiere, die ihm einsmahls bey stürtzung mit dem pferde schadhaft geworden war Schnabel cavalier im irrgarten (1738) 161; ob ihr eines gewaltsamen todes sterben sollet, als durchs schwerdt, feuer, wasser, jählinge fälle und stürtzungen Joh. Qvirsfeld geistl. myrrhengarten (1717) 808; in dem euer hochvergaffte gedanken so richtig, dasz sie sich ohne fall und endliche stürtzung nicht erniedrigen Harsdörfer gesprächspiele (1641) 5, 183. — nicht immer eindeutig von A 2 geschieden: herentgegen ist das haab und gut ohne

[Bd. 20, Sp. 725]


tugend ein lauterer fallstrick, eine lautere stürtzung sendschreiben der Teresa an Jesu 345; indem ist keine art des glückes dem unbestande mehr unterworfen, als die gekrönte glückseligkeit, wo eine gählinge erhöhung vorhanden, auf welche gemeiniglich eine gähe stürtzung erfolget Ziegler asiat. Banise (1689) 432. zweideutig auch in der häufigen glossierung von praecipitatio, s. Frisius (1556) 1034b; Dentzler clavis 281; precipitium Diefenbach 452a.
2) technisch von dem über die deiche sich stürzenden hohen wasser, s. Benzler deichbaulex. 2, 218; auch in der compos. kapstörting 'wassersturz über die deichkappe', s. Lüpkes seemannsspr. 11.
3) 'abweichung der speichen von der senkrechten stellung zur wagenachse', ds. wie 1sturz I A 3 d, s. Karmarsch-Heeren 3, 645: die stürzung der achsschenkel hat den zweck ... das schlottern der räder einzuschränken v. Alten hdb. für heer u. fl. 1, 88.
 
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sturzwäsche, f., abwaschen, besonders der schafe, unter einem von oben kommenden wasserstrahl, s. Prechtl techn. encykl. 19, 15: bei der sturzwäsche wird die reinigende kraft des wassers durch die gewalt, mit der es auf die thiere herabstürzt, erhöht J. N. v. Schwerz prakt. ackerbau 850.
 
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sturzwasser, n., heftig strömendes wasser, vom gebirgsflusz und wolkenbruch: ein paar tiefe, trocken liegende furchen der sturzwässer hatte ich dabei zu kreuzen H. v. Barth Kalkalpen 61; wie eine forelle vom sturzwasser eines wolkenbruchs stromab geschwemmt wird Wilh. Jensen pfeifer v. Dusenbach (1883) 21; wer setzte einen damm, der den anfall des sturzwassers brach, und ableitete? Sonnenfels ges. schr. (1783) 2, 259.
 
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sturzweg, m., steiler weg: via praerupta, praeceps, declivis Stieler 2455; und wenn nur die müden glieder durch das auge fragen lieszen, ob denn das ende dieses sturzweges noch nicht da sei G. H. Schubert reise d. d. südl. Frankr. 2, 115. — auch 'weg, auf dem man leicht stürzt':

am besten ist, wenns übel steht:
dasz man den sturtzweg einher geht
M. Haganäus unterw. z. weltl. reg. (1599) 290;

(der) ging im andern satze mit samt dem pferde den stürzeweg Bucholtz Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 96.
 
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sturzwelle, f., heftig hereinbrechende welle, brecher: ein paar sturzwellen überschwemmten das ganze deck und ich flüchtete in das boot Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 237; sturzwellen brachen sich gegen das vordertheil Gaudy 5, 89; häufig in übertragungen: die wendische invasion habe nur den charakter einer sturzwelle gehabt Fontane I 1, 100; in der überreichen medizinischen literatur, die tag für tag durch wahre sturzwellen von neuerscheinungen bereichert wird reichsmedizinalanz. (1909) 331; dasz alles, was in meinem innern vorging, auch hinaus auf seine redegewandte zunge kam. und jeder ... muszte die sturzwellen seiner gedanken über sich ergehen lassen Herm. Wette Krauskopf 1 (1909) 99.
 
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sturzwind, m., jäh einfallender wind: eine rhuestadt für die fische, wo sie bey rauchem wetter vor sturzwinden halten qu. v. 1790 bei Fischer schwäb. 5, 1938.
 
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stusz, m. , unsinn, narrheit, aus späthebr. šetūth, f., ds., modern ausgesprochen štus, s. Lokotsch et. wb. der europ. wörter orient. urspr. 152. — seit mitte des 18. jh., mundartlich am reichsten im westl. nd. und md., besonders rheinfränk.
1) die grundbedeutung in mancherlei abwandlungen, z. b. 'spasz', 'albernheit', 'dummer streich', besonders mundartlich, s. Martin Waldeck 273; Frederking Hahlen b. Minden 31; Spiess Henneberg 248; Vilmar Kurhessen 407; Schmidt westerwäld. 245. auch weit über dieses gebiet hinaus, teilweise durch schriftsprachliche vermittlung, s. Fischer schwäb. 5, 1939; Martin-Lienhart 2, 618; Meisinger Rappenauer ma. 188; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 586; Meyer richt. Berliner 175; Jacob Wiener dial. 188; auch die gaunersprache konnte die verbreitung

[Bd. 20, Sp. 726]


fördern, s. v. Grolmann spitzbubenspr. 70; Seiler kultur im spiegel d. lehnw. 4, 495. literarisch selten, teilweise wohl auf unmittelbarer kenntnis jüdischer kreise oder rabbinischen schrifttums beruhend: dasz ich alle theologie, die in dieser oeconomie, darinnen ich lebe, nicht von Jesu ins fleischen kommen und leiden und sterben ihren ursprung hat, vor stusz halten müsse A. G. Spangenberg apologetische schluszschr. (1752) 2, 27; ich hatte schon angst, er würde dem pastor in die rede fallen. ein stusz war das aber auch, nicht zu glauben G. Hauptmann einsame menschen (1891) 7; wo in der welt ... kannst du einen solideren stusz wiederfinden, als hier im glücklichen Amerika? E. Dedekind in Bolin br. an L. Feuerbach 2, 243; der geistige theil der unterhaltung bestand in eis und sehr splendidem kalten souper, der materielle in der vierhändigen polonaise von Beethoven, dem marsch aus dem sommernachtstraum, der ebenso nothwendig zu jeder gesellschaft, in der wir vorhanden sind, gehört, als thee und kuchen, und einem Servaisschen stusz S. Hensel familie Mendelssohn 3, 110. zur glossierung jüdischer rede:

die wunden der menschhait werden osser vernarben
blosz durch celeuren! der stusz, der is grausz! Berliner krakehler (1848) 9, 4;

auweih geschrie, herr barohn, was soll mer desz, was mache se vor än dumme stusz C. Friedrich vierzig jahre 1, 55. — vereinzelt im plur., wohl auf dem fem. genus des hebr. wortes beruhend: stusse 'thorheiten, närrische dinge' Kindleben stud. lex. (1781) 202;

jez wil mer doch dran sinn an so gelehrde stüsse,
un si e dokter sinn ...
jez saane si: ischs wohr?
Arnold pfingstmontag (1816) 106.


2) auf die person übertragen 'narr', s. Kehrein Nassau 1, 400; Schmidt westerwäld. 245; Martin-Lienhart 2, 618; einen zum stusz haben zum narren haben Crecelius oberhess. 825; hierher wohl auch stusse, stuss 'stupider, unbehobelter mensch' ten Doornkaat-K. 3, 357, norw. stusse, m., 'narr' Torp nynorsk et. ordbok 735.
3) 'rappel; fixe idee', s. Sartorius Würzburg 121: ar hat n stuss Ruckert unterfrk. 178; ähnlich 'üble laune': gel, du bis wieder emol im stuss? Martin-Lienhart 2, 618; auch 'unbedachtsamkeit', ebda.
4) 'zank, streitigkeit', durch vermischung von alt bezeugtem stosz 'zank' (teil 10, 3, 463) mit dem jungen stusz 'unsinn, unsinnige angelegenheit'; im alem., s. Fischer schwäb. 5, 1938; Ch. Schmidt Straszburg 107: erschreckt nicht, zunftmeister, ich komme nicht im bösen. wir haben einen stusz mit einander gehabt, das ist ja wieder gut Mörike (1897) 2, 182; ja was, so hab ichs nicht gemeint, sagte der bäcker: natürlich, stusz gibts überall, auch in der stillsten haushaltung Hermann Kurz sonnenwirth (1855) 95. dagegen, wegen des alters, direkt zu stosz, vielleicht ablautend: ain verrichtbrief umb die stüss umb Biten mli (mühle) ze Herbrechtingen spätere hand in e. urk. v. 1318, in württemb. gesch. qu. 9, 107.
 
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stuszen, vb., stoszen, s. 1stutzen.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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