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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stürzen bis sturzflug (Bd. 20, Sp. 717 bis 720)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stürzen, vb. , in den gleichen bedeutungen wie sterzen (s. d.). das von anfang an nicht häufige sterzen schwindet im laufe der nhd. entwicklung noch mehr; diese seltenheit des wortes führte zu verschiedenen vermischungen mit dem allgemein gebräuchlichen 1stürzen; die mischung wurde gestützt durch die lautliche nähe zwischen sterzen und 1stürzen, besonders in den mundartlichen entsprechungen von 1stürzen (sp. 698), sowie durch die ähnlichkeit in der bedeutung der beiden verwandten wörter.
1) aufrichten, steil emporrecken: er wiehert und spitzt die ohren und stürzt den schwanz doch immer noch, wenn er eine trompete hört A. G. Meiszner Adolph der kühne (1792) 1, 17; das pferd stürzt die ohren Schmeller-Fr. bair. 2, 787; in fester anwendung: messer, schwerter u. s. w. stürzen 'zücken', im älter nhd. öfter neben sterzen beim gleichen autor: Esaw geet drutzig ausz, stürtzt die wehr H. Sachs 1, 100 Keller, späterer druck stertzt; solten sie ihm noch nicht feind sein, solten sie nicht rach uber es schreien und fluchen, fewer schüren, degen stürzen und buchsen wüschen, dasz sie ihm wider den garaus mächten G. Nigrinus papist. inquisition c 1b; weltweise leut, sonderlich was ein wenig nach der hofsuppen reucht, das degelin stürtzen kan, wollen wie Ahas allen geistlichen kirchengewalt in ihren henden haben S. Artomedes christl. auslegung (1609) 1, 97; öster bei Luther, s. Franke schriftspr. Luthers 3, 150: so sage mir: wer ist hie der erst, der das messer stürtzt und zückt? 30, 3, 456 W.; dagegen störzen 460; sterzen 10, 3, 6; auch storzen: solches adels und junckern ist Deutschland ytzt vol, die yn den bierheusern pestilentzen und veytstansen und nur das messer stortzen konnen widder arme, elende, wehrlose leute 19, 605. hierher störzmesser 'raufbold', der das messer zückt, s. teil 10, 3, 448. — auch intransitiv im sinne von 'steif stehen':

ein schwert sie auf der seiten tragn,
das mus da stürtzend stahn (ca. 1600) hasenjacht a 4b.

ähnlich, in der grundbedeutung 'steif hinstellen', die arme in die seite stürzen 'in die hüften stemmen': zu derselben sagte Clawert kein wort, sondern stürtzet beide hende in die seiten B. Krüger Clawerts werckl. hist. 47 ndr.; die arm sollen sie in die seiten stürtzen, keinen menschen weichen, niemand grüszen Joh. Sommer ethographia mundi (1614) 1, c 1a;

wenn ich mich also nach dir umb sich,
kanstu nicht züchtig neigen dich,
die arm stürtzen vnd wacker sehen?
J. Ayrer 1957 lit. ver.;

anders dagegen die ärmel stürzen (sp. 701). — hierher auch: gestürtzte, starrende und unverwanckte augen rigentes oculi Frisius (1556) 1163a; im wortspiel:

und listig stürzen sie (die gottlosen) herumb
die blick, uns in das grab zu stürzen
Weckherlin ged. 38 lit. ver.


2) stutzen, beschneiden, vgl. die rosse sterzen (am schwanz) Seuter bei Fischer schwäb. 5, 1741: hat runde augen gehabt, ein zugespitzte und unter sich gebogne

[Bd. 20, Sp. 718]


nasen, ein fast viereckicht angesicht, gleich mit einem breiten gestürtzten bart M. Christ. Irenäus von seltsamer wiedergeburten (1584) t 1a; mundartlich sturzen 'einem baum die kronen abhauen, einem vogel die flugfedern oder den schwanz stutzen' Martin-Lienhart 2, 616.
3) den pflug stürzen ihn zum pflügen bereitstellen, indem man ihn am sterz (vgl. 3sturz 2) umwendet: einen gestürtzten pflug oder desselben schar in einer hand (sinnbild des monat mai) Harsdörfer gesprächsp. 8, 115.
4) 'vagabondieren, müszig umher streichen', heute im schles. und bair.-österreich., den beiden hauptverbreitungsgebieten des gleichbedeutenden sterzen (s. d.), störzen, 1storzen (s. teil 10, 3, 447). im älter nhd.:

du schelm, du laufst im land herumb ...
stürtzt du doch auch im landt herummen
Ayrer 407 lit. ver.;

wie es ihm seithero ergangen, wo er bishero in der welt herum gestürzt, wo sein vatterland wäre Grimmelshausen 3, 65 Keller; schämst du dich nicht, das land als eine bettlerin zu durchstürzen Jucundissimus (1680) 23; in der verbindung stürzen gehen: komst du späht anheim, so saget si (dein weib), du gehest stürzen Butschky hd. kanzelley (1659) 571; in Österreich specieller stürzen gehen die schule schwänzen, s. Hügel Wiener dial. 160: ja, sag mal, ist denn heut kein schul? am end gehst du stürzen, und ich halt da mit Anzengruber 2, 163; in gleichem sinne: ein- oder zweimal hatte ich die schule gestürzt, weil es mir nicht möglich war, die barfüszlein von vaters erdgrund loszubringen Rosegger III 5, 219; vgl. in gleicher bedeutung stürza dreha Sartorius Würzburg. 183; auch einfach stürzen müszig herumgehen, s. Loritza vienn. 129; Lexer kärnt. 245; in Schlesien besonders von der magd, die den dienst verläszt, im sinne von 'fortziehen', vgl. mitt. d. schles. ges. f. volksk. 24, 83: die magt stürtzt ancilla alio commigrat Steinbach (1734) 2, 762.
 
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stürzende, n., zu 2sturz 2, im wasserbau das untere ende der bei faschinen benutzten reisigbündel, s. Benzler wasserbaulex. 2, 217; Beil techn. wb. 1, 589; in der landwirtschaft das untere schnittende des halms oder der garbe, s. Schambach Göttingen 213; Flemes Kalenberg nachtr. 107: man macht kleine bunde ... und stellt die bunde auf das sturzende, das etwas auseinander gezogen wird, auf J. N. v. Schwerz prakt. ackerbau 450. —
 
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sturzente, f., bezeichnung der anas boscas, zu 3sturz 'schwanz', s. Suolahti 426, ebenso auch sterzende, s. d.; seit dem 18. jh., s. Rädlein 847b; Brehm tierl. 6, 635.
 
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stürzer, m., nomen agentis von 1stürzen.
1) im bergbau der arbeiter, der die fördergefäsze entleert, zu stürzen I A 4 a, s. Veith 483; Hertwig bergbuch (1734) 389; H. Pröhle Harzbilder 90; Unger-Khull steir. 588: uthgift. int erste vor kalen unde unkost den storteren 36 mr. 7 (a. 1478) hans. gesch.-qu. n. f. 2, 246; die die sahl in grossen trock oder kan, darein 24 züber gehen, ausstürtzen, heist man stürtzer Mathesius Sarepta (1578) 125b; so hat man auch schichtmeister, marchscheider ... nachzehler, stürtzer und dergleichen ämter noch mehr v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 82;

das auge kann sich überall
an schachten und an taggebäuden (weiden)
... hier laufen stürzer uf der halle,
ein jeder grüszet mich, und ruft mir zu: glück auf!
S. H. Zäunemannin poet. rosen (1738) 568;

die stürzer fangen schon an aus meiner krippen kohlen in die körbe zu werfen Rosegger wildlinge (1906) 275; vier störtzern, welche die eimer, darinne die haspler die sole aus den brunnen gewunden, in den dazu gemachten kahn oder trog umbstürtzen Hondorff saltzwerk (1670) 10.
2) steuerbeamter, der die bestandaufnahme von waren zum zweck der versteuerung vornimmt: damit ... ein ordentlicher und urkundlicher sturz aller unserer auf kasten und zu kellern gegenwärtigen früchten und wein durch redliche und geübte stürzer, welche zuvor mit gewohnlichen aydtspflichten insonderheit darzu verbunden ... fürgenommen ... werden solle Reyscher samml. württemb. ges. (1593) 16, 1, 93, vgl. sturzmeister.

[Bd. 20, Sp. 719]



3) vereinzelt von stürzen I B, im sinne von 'umstürzer, vernichter': des bapstes stürtzer Luther tischr. (1576) 242b; stürzer gemeiner wohlfahrt Stieler (1691) 2231; dieser schützer der gläubigen und stürzer der ungläubigen Abr. a s. Clara 2, 53 Strigl; und nun das strömende lob! lob auf den kämpfer der wahrheit, den erleuchter Deutschlands, den stürzer der götzen Herder 5, 404 S.;

aber siehe, du bist kein dränger, kein stürmer und stürzer,
sondern gewährst deinen wesen formen und lange geschichte
G. Frenssen Bismarck 35.


4) im gleichen sinne wie 3 in älterer zeit von geschützen, weil sie die mauern umstürzen, s. Ziegler geschützinschr. 8: in die zweite art gehöret ... die halbe carthaun so stürtzer ... genennet worden J. Th. de Bry archelei (1614) 8.
 
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stürzer, m., landstreicher, von 2stürzen, auch landstürzer, s. teil 6, 143; Stieler 2231, neben häufigerem sterzer, störzer, storzer, s. teil 10, 3, 447: wiewol one das die inwohner mehr denn zu viel von armen leuten, auch sonsten von allerlei streichern und stürtzern beschweret werden M. Sommer keiser Karls warmbad (1592) c 7a;

o ihr kriegsleut, wie wirds uns gahn?
doch gehts die frommen gar nicht an,
allein die stürtzer und streiner
die gehören zu uns hereiner
Ayrer 2973 Keller;

die hausirer, stürtzer und winckelcrämer Egerländ. stadtb. v. 1626 bei Nagl dtsche ma. 1, 171, ebda auch stortzer 140; noch mundartlich, s. Neubauer Egerländ. 100; Schmeller-Fr. 2, 785.
 
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sturzfahre, f., umbrechen des ackers, zu stürzen I A 3 d: die zeit zu den dungfuhren ist knapp zugemessen; die sturz-, wend- und saatfahre kehren fast auf die woche wieder Franz Ziegler ges. nov. u. br. 1, 31.
 
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sturzfall, m., auch stürzfall, 'absturz, fall', bildung des 17. jh., bis ins 18. jh. bezeugt: der ort ... dermaszen ... thalhängig sey, dasz weder menschen noch dem wild ohne sturzfall demselben zu nähern möglich falle S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 257; da furchte ich mich aber vor einem jählingen sturzfall noch weit mehr L. Buchenschwanz Dante (1767) 124; so geschehen auch viel stürtzfälle unter dem vieh qu. a. d. 17. jh. bei Müller-Fraureuth 2, 585; einem starcken flusse, der keinen damm leidet, musz man den strom zertheilen, damit man ihme den anlauf benehme, mit welchem er in seinem laufe dem sturtzfall zueilt J. W. v. Stubenberg Samson (1657) 26; mit muthwilliger verstockung den sturtzfall zeitlichen verderbens ... zu erwarten v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 93; und könte man am besten ihre ehre und des marggrafen leben retten, wenn man diesen unter einer unbekannten zuschrift warnte, und von seinem unvermeidlichen stürtzfall zurückrief A. Bohse Ariadnens staats- u. liebesgesch. (1705) 390.
 
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sturzfasz, n., auch stürzfasz, gefäsz im haushalt, in das speisen u. s. w. hineingestürzt (sp. I A 4 a) werden: 'durchlöchertes küchengefäsz, in welches man die gekochten speisen aufstürzt, um das wasser ablaufen zu lassen' brem. wb. 4, 1053; s. auch Beil techn. wb. 1, 589; alt bezeugt: storczefasse qu. v. 1470 in Frankf. amtsurk. 348 Bücher; hatte einen treibel und lies den in den kessel oder in den haven oder in das sturzvas deutsche bibel bei Jelinek mhd. wb. 695; stortzfasz fusorium Diefenbach 254b, neben gieszfasz; stortvat excipulum Kilian (1605) 535.
 
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sturzfell, n., wohl eine zu dünne und darum zusammengefaltete haut, zu stürzen I A 3: die satler, riemer, bchpinter und all handwerckszleut, so sich der sturtzfell gebrauchen bair. landtsordn. (1553) 141b.
 
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sturzfels, m., jäh abfallender fels: so liegt viel daran, dasz der ehemann als ein verständiger schiffmann zwischen denen schroffechten sturtzfelsen ... sein haus- und lebensschifflein also ... wisse zu regieren v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 94; so ist doch die lezte herberg, so sich an dieser strasze befindet, eben so gefährlich, als die halsbrecherische stürzfelsen des andern weges

[Bd. 20, Sp. 720]


H. Lindenborn Diogenes (1742) 2, 771; mitten im rauhen gebirg glänzt der anmuthige scheinknabe, von sturzfelsen umgeben Göthe 24, 355 W.; nicht weit von dem felsenthor abwärts fanden wir in höchst romantischer einweihung zwischen diesen sturzfelsen und von jungen buchen und tannen umschattet eine kapelle A. Ruge aus früherer zeit (1862) 2, 135.
 
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sturzflug, m., das fallenlassen der flugmaschine in eine geringere höhe, unter abstellung des motors: denn kaum hatte ich einmal einen (feindlichen flieger) einigermaszen, sofort wurde ich von zwei bis drei anderen gleichzeitig angegriffen, so dasz ich durch einen kühnen sturzflug ausweichen muszte Immelmann meine kampfflüge (1916) 79; vier minuten später stand meine maschine aus zweitausend meter höhe im sturzflug kommend wohlbehalten auf dem platz G. Plüschow flieger v. Tsingtau (1916) 67.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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