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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sturzacker bis sturzbüttchen (Bd. 20, Sp. 692 bis 693)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturzacker, m., der nach einbringen der ernte gewendete, nur roh umgepflügte (wie stürzen I A 3 d) acker, besonders in der herbstlichen und winterlichen landschaft, s. Zincke öc. lex. (1744) 2849; Jacobsson 4, 348; seit dem 16. jh. bezeugt: indem wir nun bei einer guten halben stund gegen denen stortzäckern ritten Jan Rebhu weltkucker 72; auf dem ackerfelde predigen neben den ausgrünenden wintersaaten die schwarzen winterstoppeln und sturzäcker vergänglichkeit und tod B. Goltz jugendleben 1, 309; ein hartes, aber trockenes und gegen wind und wetter geschütztes lager, meine herren, ist eine unglaubliche wohlthat gegen ein biwak auf dem schnee oder auf einem nassen sturzacker Moltke ges. schr. u. denkw. 7, 71; quer über den verschneiten sturzacker hin auf die grosze strasze zuschreiten Fontane I 1, 251; von fernher war jetzt ein rollen gekommen, ein dröhnen über holprigen sturzacker Viebig d. schlafende heer 1, 130; und rollte eine solche menge runzeln auf seiner stirn zusammen, dasz diese ordentlich das aussehen eines sturzackers bekam Gaudy s. w. 2, 147; gern im bereiche der jagd: ist keine steingrube alda, so suche sie (die hasen) umb die schölligen oder sturzacker haushaltung in vorw. 216 Ermisch-Wuttke; die alten (hasen) sitzen in sturtzäckern v. Fleming jäger (1719) 367; im spätherbste suchen sie ... sturzäcker auf Brehm thierleben 5, 542.
 
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sturzbach, m., über felsen und berge mit starkem gefälle herabstürzender bach: rausch-, sturz- oder staubbach Mothes baulex. 1, 213; rechts und links behielt ich schroffe felsen und finstern wald, und ein paar sturzbäche lieszen sich rauschend neben mir vernehmen Chr. Fr. Schulz reise e. Livländers (1795) 4, 227;

denn schneller springt vom fels herab
der sturzbach wie zum grusz
und steht, als weisze säule zitternd
sehnsüchtig da
Nietzsche 8, 327;

als sei sein gemüt von dem unband des vorlenzes hingerissen, der den schnee zu sturzbach und lawine treibt Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 245; auf der mühle beim sturzbach werd ich euch erwarten H. v. Kleist 2, 250 Schmidt; häufig im vergleich:

thränen überströmten plötzlich
wie ein sturzbach seine wangen
Heine 1, 361 Elster;

hatte statt der sandbüchse das tintenfasz ergriffen und den reichlichen inhalt ... in einem schwarzen sturzbach auf den schosz ihres gelbseidenen kleides geschüttet Spielhagen 2, 277; wenn sie ... einmal hineinkam (ins sprechen), konnte sie auch nicht wieder aufhören; das kollerte und rauschte ... wie ein sturzbach Auerbach schr. 1, 196; sie wuszten manchen anzuwärmen, um dann plötzlich ihren spott wie einen eiskalten sturzbach über ihn zu gieszen Rosegger schr. (1895) I 7, 365; Chabot de Brion ... kam ihm so plötzlich und so heftig wie ein sturzbach über den hals Laube ges. schr. 2, 137.
 
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sturzbad, n., eine art douchebad, s. Mothes 4, 288; Lueger 1, 676: zudem glaub ich nicht recht an seine liebe zu der Sorrentinerin, weshalb mir solche stellen wie die, wo er nach einem sturzbad ruft, um sich abzukühlen, ... sehr gemacht vorkommen v. Lepel vierzig jahre 252 v. Arnim; wenn ich ein sogenannter schwärmer wäre, ... so könnte sich das bald geben nach einigen kalten tropf- und sturzbädern K. Munding V. A. Huber (1894) 30;

kübelweis stürzt es herunter!
Jason ward gewisz auf Kolchis
nicht durchnäszt von solchem sturzbad
Heine 2, 402 Elster;

zu lange musz man sich solchen eindrücken nicht hingeben, sondern sie nur schnell und kräftig auf das gemüth einwirken lassen, wie sturzbäder auf den körper Pückler briefw. u. tageb. 2, 294. meistens übertragen: auf diesen enthusiasmus gosz eine oper und obenein eine Glucksche, mythologische, ein abkühlendes sturzbad Gutzkow

[Bd. 20, Sp. 693]


ges. w. (1872) 1, 162; überschüttete ihn mit einem kalten stürzbade der wunderbarsten geschichten A. v. Arnim 8, 45 Grimm; ein sturzbad von bürgerblut durch des erbfeindes aderlasserheere Fr. L. Jahn 2, 750 Euler; da ihm gerichtliche freisprechung versagt blieb, so überschüttete er ... die preuszische willkür mit einem sturzbade sittlicher entrüstung Treitschke deutsche gesch. im 19. jh. 3, 437; Kleist hat sich daher andere aufgaben gestellt; er wuszte, und mogte es mit schmerz an sich selbst erfahren haben, dasz der vernichtungsprocesz des lebens keine wasserflut, sondern ein sturzbad ist Hebbel werke 9, 58 Werner.
 
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sturzbalken, m., quer über pfosten gelegter balken, s. Mothes 1, 230; Karmarsch-Heeren 8, 656, ebenso 'oberschwelle der tür', ds. wie 1sturz III C: die tür war schmal und der sturzbalken so niedrig Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 216. —
 
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sturzbaum, m., purzelbaum, zur worterklärung vgl. s. v. burzelbaum (teil 2, 554): da sie dann tausendterlei seltzame sprünge, sturtzbäume, und andere händel ... machen P. della Valle reisebeschr. (1674) 1, 127; wie aber, wann einer (dachdecker) bey so liederlicher arbeit einen sturtzbaum über das dach herab thut? Abr. a s. Clara etwas f. alle (1711) 2, 184; einen sturtzbaum thun mit dem pferde Kramer 2 (1702) 1029b; sturtz, sturtzbaum, burtzelbaum Rädlein 1 (1711) 859b; kobold, ... ein stürzbaum, purzelbaum Kinderling reinigkeit (1795) 135; s. Schmeller-Frommann 2, 787. mundartlich auch sturzelbaum, s. Fischer schwäb. 5, 1937; Autenrieth pfälz. 137; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 586. —
 
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stürzbaum, m., ziel, barrière beim pferderennen, s. Ludwig teutsch-engl. (1716) 1916; Schrader dt.-frz. (1781) 2, 1335. —
 
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sturzbaumen, -bäumen, vb., purzelbäume schieszen: einen sturtz, sturtzbaum thun, sturtzbaumen Rädlein 1 (1711) 859b; das eichhörnchen sprang aus der tasche, sturzbäumte eine weile auf dem boden Jos. Rank aus dem Böhmerwald 247; Jann Panser thut ein sturtzbaumen, die baurn beyde thun auch sturtzbaumen, sie stehen wider auff Jac. Ayrer dramen 2615. —
 
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sturzbett, n., bei brücken-, stau- und deichbauten eine befestigung des fluszbodens, um diesen gegen den angriff des stürzenden wassers zu schützen, s. Benzler wasserbaulex. 2, 218; Lueger 7, 584.
 
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sturzblech, n., eine art sehr dicken bleches, ds. wie 1sturz III D: sturzbleche sind sehr starcke bleche, deren etwan 8 bisz 16 stücke einen halben centner wägen Hertwig bergbuch (1734) 389b; s. auch Karmarsch-Heeren 8, 656; Hoyer-Kreuter 1, 750; seit dem 15. jh. bezeugt: item kuffer, bly, zyn, blech, stail, yseren, sturtzblech Stein akten zur gesch. d. st. Köln 2, 93; iser, stal, storteblek bei Schiller-Lübben 4, 416; stürczplech zu schlossen ein zentner umb sechtzehen pfundt, und dopei ein pfunt stahels Endres Tucher baumeisterb. 98 lit. ver.; item gebunt sturz oder sturzblech, do zwey blech oder zwen stürz aneinander sint gebunden oder sust, do sol man derselben blech, do zwey aneinander sind, 30 sturtz für ein schock rechnen Eheberg Strassburg (qu. a. d. 15. jh.) 1, 282; item pro 7 sturczplech factori horologiorum ad Segeswar flor 1. asp. 6. (1521) qu. zur gesch. d. stadt Kronstadt 1, 321; die rohr von sturzblech qu. a. d. 17. jh. bei Fischer schwäb. 5, 1936; 16 fässchen sturzblech qu. a. d. j. 1741 bei Staub-Tobler 5, 7; schlechte bracteaten in der noth aus sturzblech geschlagen Brentano ges. schr. 5, 358. als gerät benutzt: nim baldrion krut un wurtzel und dörr das off eim sturtzblech über kolen Gersdorff wundarzney (1517) 61.
 
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sturzbogen, m., in der architektur 'gewölbte oberschwelle', wie 1sturz III C: einen bogen ... kann man ... nicht als sturz ansehen, doch spricht man wohl von einem sturzbogen Schönermark-Stüber hochbaulex. 805; der gerade sturz wird entweder aus einem steinstück hergestellt, ... oder als scheitrechter sturzbogen gewölbt Karmarsch-Heeren techn. wb. 8, 656. —
 
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sturzbüttchen, n., gefäsz mit deckel: stürtzbüdgen, capedo, excipulus, capula, capeduncula Aler (1727) 2, 1862b; er leis zu Weinssberch dis mail die laiskessel und sturzbutger

[Bd. 20, Sp. 694]


vol weins holen Const. Hohlbaum Cölner denkwürd. a. d. 16. jh. 1, 122. —

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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