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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sturz bis sturzbaumen (Bd. 20, Sp. 690 bis 693)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturz, m. , truncus, auch sturze, m., stürze, f., daneben storz, starz (s. teil 10, 3, 444), gleichen stammes wie sturzel. mundartlich, besonders im südwesten, in der bedeutung 'strunk, stumpf', s. Stalder schweiz. 2, 401; Friedli Bärnd. 1, 64; schweizerd. gramm. 15, 82; Bacher Lusern 396; Martin-Lienhart 2, 615; Follmann lothr. 511; Schön Saarbrück. 206; Kehrein Nassau 1, 394; Crecelius oberhess. 824; Anton Oberlaus. 13, 8; Schmeller cimbr. 176; Kramer Bistr. 127.
1) schriftsprachlich selten als 'baumstumpf', auch baumsturz Göthe I 49, 1, 371 W.: Emilie sitzt auf dem sturz eines abgehauenen baumes Chr. F. Weisze kinderfreund 11, 125; die einsiedeley ... besteht aus alten sturzen C. C. L. Hirschfeld gartenkunst (1779) 3, 106;

wer ist der andre der sich nieder
an einen sturz des alten baumes lehnt
Göthe I 2, 143 W.;

bald rechts bald links vom steine hier, vom sturze da die räder wegzulenken Göthe 8, 220 W. (Egmont). ähnlich vom stumpf einer säule:

lehnt der befreundete seher des alten ja selbst an der säule
sturz wehmüthig, und tritt ernst auf zertrümmert gebälk
A. W. Schlegel Athenäum (1798) 2, 183;

(auf einer alten münze) Felicitas Publica, auf einen sturz von einer säule mit dem rechten arm sich lehnend Lessing 15, 275 L.-M.; schon älter bezeugt: sturz, sturtzen, stürtzel Harsdörfer poet. trichter (1647) 2, 174.
2) sonst, älter und mundartlich, in verschiedenen speciellen anwendungen: woselbst dem armen sünder die eine hand abgehauen und an den sturtz eine aufgeschnittene henne wegen hemmung des verblutens angesteckt wurde Ettner unwürd. doctor (1697) 948; wann man einen zur staupen schlägt, und wann die ruten abgeschlagen sind, jhm die sturtzen in rücken stösset Corvinus fons lat. (1646) 672; stürze 'beym wasserbau, das untere ende des busches, woselbst er gehauen' Benzler deichbau (1792) 2, 217; er stach ihn mit dem sturtz der feder in ein ohr qu. a. d. 17. jh. bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 585; 'ende der zaunlatten': wo nun der zaungarten köpfe oder stürzen hinweisen, auch auf welcher seiten die nagel an einer scheidewand oder bleichen stadtrechte von Eisenach usw. 149 Strenze; niemant soll die stürzen an zaun auf den andern, noch in gemaine wege kern österr. weisth. 2, 248. das untere ende des getreidehalmes, stoppel, auch das untere schnittende der ganzen korngarbe, s. Schambach Götting. 213; Block Eilsdorf 95; Deiter Hastenbeck

[Bd. 20, Sp. 691]


nachtr. 63; Schmidt westerwäld. 245; Kehrein Nassau 1, 399; Tschinkel Gottschee 317: und in die scheune ... eine schicht auf die ander gealtert, dasz die ähren allweges mitten inne altern, und die stürtzen aufwärts an die wände kommen schles. wirtsch.-buch (1712) 161; dabei kamen die ähren aufwärts, die stürze nach unten J. Blau Böhmerw. hausind. 1, 395; ähnlich: stürzen auf den wiesen silicimenta Stieler 2122; denn wenn nur ein wenig die stürtzen herausz gestochen, hat man uns haar und bart alszbald geschoren Fr. Seidel türk. gefängnusz (1629) f 4a; hierher wohl im sinne von 'bis auf den stumpf':

dan uf di letzt zum sturtz nidergefelt
wird mans im schnips als wisengras abmeen,
unt waern hinfaln wi grunes kraut am feld
Schede psalmen 136 ndr.


3) in der kunstgeschichtlichen terminologie zu beginn des 19. jh. im sinne von 'torso einer statue', in moderner sprache nicht erhalten: wer sollte glauben, dasz man noch zu unseren zeiten aus dem sturze einer statue, von welcher der kopf vorhanden ist, zwo andere figuren gemachet? Winckelmann werke 3, xiv Fernow, statt dessen trunk xiii; wie an dem wunderbar schönen sturze aines Herkules im Belvedere, oder dem sogenannten torso des Michel Angelo geschehen sein würde Winckelmann sämtl. w. 2, 214 Eiselein; besonders ... fesselte uns (in dem museum) der sturz eines Jupiters, dessen abgusz ich schon aus Tischbeins werkstatt kannte Göthe I 31, 186 W.; zu marmornen köpfen und extremitäten fügte man (im altertum) porphyrne gewänder, so wie man bunte kalksinter zum sturze der brustbilder nahm Göthe II 1, 341 W.; die schlange, die am sturz liegt, ist nichts als ein nebenwerk, Apollos bekanntes sinnbild Herder w. 8, 455; ein lehrreiches beispiel gibt die Pallas, deren ganzer sturz, erhabene haltung und grandiose draperie durchaus nicht mit dem gleichfalls antiken ... schon weniger strengen kopf übereinstimmt C. A. Böttiger kl. schr. (1837) 2, 28.
 
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sturz, m. , aus dem gleichbedeutenden, allein echten sterz 'schwanz' (s. d.) umgebildet, auch stürze, f.
1) sturz, m., in der jägersprache 'schwanz von tieren', s. Behlen forst- u. jagdk. 5, 733.
a) schwanz der raubvögel, s. Kehrein waidmannspr. 289: der sturz der heerschnepfe ist zwölffederig und spitz zugerundet v. Train waidmanns pract. 219 Thüngen.
b) der kurze schwanz des hirsches, auch ende: bey dem rothwildpret heiszets (der schwanz): die blume, der sturz C. v. Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 205; auch Nemnich wb. d. naturgesch. 583; im unterschied zu a mindestens teilweise auf 2sturz 'stummel' beruhend, so sicher zu diesem: da stunden wohl zweihundert solche thiere, welche ... gespaltene füsse, wie ein hirsch und rennthier, ohne schwanz, nur einn sturz hatten Joh. Dietz 143 Consentius.
c) schon älter bezeugt in anderer anwendung:

zeuch dich fein ausz, das hat wol fg, ...
dasz man seh, wo das fnlin hangt,
wo dir (Grobianus) der sturtz zum gsesz nausz brangt,
Scheit Grobianus 1591 ndr.


2) handhabe, hinteres ende am pfluge, aus eigentlichem sterz, sterze umgebildet, s. DWB pflugsterz, teil 7, 1784, wo auch pflugstürze: stürtze eines pflugs oder sterze la stiva dell aratro Rädlein 1 (1711) 859b; so Jacobsson 7, 466b; die handhaben, womit der pflug vom führer gehalten und gelenket wird, heiszen die stürzen oder sterzen, auch wohl schwänze A. Thaer beschr. d. ackergeräthe (1803) 1, 3; ähnlich: ersterer (arbeiter) führt in der rechten hand den sturz oder die handhabe (des sturzkarrens beim erdfahren) Benzler deichbaulex. (1792) 1, 285.
 
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sturz, m., 'dicker, steifer brei', auch erdbirnsturz 'kartoffelbrei', mundartlich, s. Anton Oberlaus. 13, 12; Sanders 3, 1260b; aus gleichbedeutendem sterz, s. auch störz (teil 10, 3, 444) umgebildet, wohl unter der vorstellung, dasz der zubereitete brei auf einen teller gestürzt (stürzen I A 4 a) wird.

[Bd. 20, Sp. 692]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturzachse, f., bergmännisch, 'in der fördertonne angebrachter bolzen, um welchen sich die tonne beim ausstürzen dreht' Veith bergwb. 482.
 
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sturzacker, m., der nach einbringen der ernte gewendete, nur roh umgepflügte (wie stürzen I A 3 d) acker, besonders in der herbstlichen und winterlichen landschaft, s. Zincke öc. lex. (1744) 2849; Jacobsson 4, 348; seit dem 16. jh. bezeugt: indem wir nun bei einer guten halben stund gegen denen stortzäckern ritten Jan Rebhu weltkucker 72; auf dem ackerfelde predigen neben den ausgrünenden wintersaaten die schwarzen winterstoppeln und sturzäcker vergänglichkeit und tod B. Goltz jugendleben 1, 309; ein hartes, aber trockenes und gegen wind und wetter geschütztes lager, meine herren, ist eine unglaubliche wohlthat gegen ein biwak auf dem schnee oder auf einem nassen sturzacker Moltke ges. schr. u. denkw. 7, 71; quer über den verschneiten sturzacker hin auf die grosze strasze zuschreiten Fontane I 1, 251; von fernher war jetzt ein rollen gekommen, ein dröhnen über holprigen sturzacker Viebig d. schlafende heer 1, 130; und rollte eine solche menge runzeln auf seiner stirn zusammen, dasz diese ordentlich das aussehen eines sturzackers bekam Gaudy s. w. 2, 147; gern im bereiche der jagd: ist keine steingrube alda, so suche sie (die hasen) umb die schölligen oder sturzacker haushaltung in vorw. 216 Ermisch-Wuttke; die alten (hasen) sitzen in sturtzäckern v. Fleming jäger (1719) 367; im spätherbste suchen sie ... sturzäcker auf Brehm thierleben 5, 542.
 
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sturzbach, m., über felsen und berge mit starkem gefälle herabstürzender bach: rausch-, sturz- oder staubbach Mothes baulex. 1, 213; rechts und links behielt ich schroffe felsen und finstern wald, und ein paar sturzbäche lieszen sich rauschend neben mir vernehmen Chr. Fr. Schulz reise e. Livländers (1795) 4, 227;

denn schneller springt vom fels herab
der sturzbach wie zum grusz
und steht, als weisze säule zitternd
sehnsüchtig da
Nietzsche 8, 327;

als sei sein gemüt von dem unband des vorlenzes hingerissen, der den schnee zu sturzbach und lawine treibt Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 245; auf der mühle beim sturzbach werd ich euch erwarten H. v. Kleist 2, 250 Schmidt; häufig im vergleich:

thränen überströmten plötzlich
wie ein sturzbach seine wangen
Heine 1, 361 Elster;

hatte statt der sandbüchse das tintenfasz ergriffen und den reichlichen inhalt ... in einem schwarzen sturzbach auf den schosz ihres gelbseidenen kleides geschüttet Spielhagen 2, 277; wenn sie ... einmal hineinkam (ins sprechen), konnte sie auch nicht wieder aufhören; das kollerte und rauschte ... wie ein sturzbach Auerbach schr. 1, 196; sie wuszten manchen anzuwärmen, um dann plötzlich ihren spott wie einen eiskalten sturzbach über ihn zu gieszen Rosegger schr. (1895) I 7, 365; Chabot de Brion ... kam ihm so plötzlich und so heftig wie ein sturzbach über den hals Laube ges. schr. 2, 137.
 
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sturzbad, n., eine art douchebad, s. Mothes 4, 288; Lueger 1, 676: zudem glaub ich nicht recht an seine liebe zu der Sorrentinerin, weshalb mir solche stellen wie die, wo er nach einem sturzbad ruft, um sich abzukühlen, ... sehr gemacht vorkommen v. Lepel vierzig jahre 252 v. Arnim; wenn ich ein sogenannter schwärmer wäre, ... so könnte sich das bald geben nach einigen kalten tropf- und sturzbädern K. Munding V. A. Huber (1894) 30;

kübelweis stürzt es herunter!
Jason ward gewisz auf Kolchis
nicht durchnäszt von solchem sturzbad
Heine 2, 402 Elster;

zu lange musz man sich solchen eindrücken nicht hingeben, sondern sie nur schnell und kräftig auf das gemüth einwirken lassen, wie sturzbäder auf den körper Pückler briefw. u. tageb. 2, 294. meistens übertragen: auf diesen enthusiasmus gosz eine oper und obenein eine Glucksche, mythologische, ein abkühlendes sturzbad Gutzkow

[Bd. 20, Sp. 693]


ges. w. (1872) 1, 162; überschüttete ihn mit einem kalten stürzbade der wunderbarsten geschichten A. v. Arnim 8, 45 Grimm; ein sturzbad von bürgerblut durch des erbfeindes aderlasserheere Fr. L. Jahn 2, 750 Euler; da ihm gerichtliche freisprechung versagt blieb, so überschüttete er ... die preuszische willkür mit einem sturzbade sittlicher entrüstung Treitschke deutsche gesch. im 19. jh. 3, 437; Kleist hat sich daher andere aufgaben gestellt; er wuszte, und mogte es mit schmerz an sich selbst erfahren haben, dasz der vernichtungsprocesz des lebens keine wasserflut, sondern ein sturzbad ist Hebbel werke 9, 58 Werner.
 
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sturzbalken, m., quer über pfosten gelegter balken, s. Mothes 1, 230; Karmarsch-Heeren 8, 656, ebenso 'oberschwelle der tür', ds. wie 1sturz III C: die tür war schmal und der sturzbalken so niedrig Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 216. —
 
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sturzbaum, m., purzelbaum, zur worterklärung vgl. s. v. burzelbaum (teil 2, 554): da sie dann tausendterlei seltzame sprünge, sturtzbäume, und andere händel ... machen P. della Valle reisebeschr. (1674) 1, 127; wie aber, wann einer (dachdecker) bey so liederlicher arbeit einen sturtzbaum über das dach herab thut? Abr. a s. Clara etwas f. alle (1711) 2, 184; einen sturtzbaum thun mit dem pferde Kramer 2 (1702) 1029b; sturtz, sturtzbaum, burtzelbaum Rädlein 1 (1711) 859b; kobold, ... ein stürzbaum, purzelbaum Kinderling reinigkeit (1795) 135; s. Schmeller-Frommann 2, 787. mundartlich auch sturzelbaum, s. Fischer schwäb. 5, 1937; Autenrieth pfälz. 137; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 586. —
 
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stürzbaum, m., ziel, barrière beim pferderennen, s. Ludwig teutsch-engl. (1716) 1916; Schrader dt.-frz. (1781) 2, 1335. —
 
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sturzbaumen, -bäumen, vb., purzelbäume schieszen: einen sturtz, sturtzbaum thun, sturtzbaumen Rädlein 1 (1711) 859b; das eichhörnchen sprang aus der tasche, sturzbäumte eine weile auf dem boden Jos. Rank aus dem Böhmerwald 247; Jann Panser thut ein sturtzbaumen, die baurn beyde thun auch sturtzbaumen, sie stehen wider auff Jac. Ayrer dramen 2615. —

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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