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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stürstange bis sturzbaum (Bd. 20, Sp. 679 bis 693)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stürstange, f., ein schiffereigerät, ds. wie störstange, von 2stüren: sturstange pertica di marinari Rädlein (1711) 859; stürstang contus Nürnb. wb. (1713) 116.
 
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sturz, m. , auch stürze, f., von stürzen, vb., in verschiedener function und verschiedenem verhältnis zum verbum, mehrere voneinander unabhängige bildungen.
I. vorgang, tätigkeit des stürzens.
A. 'fall', vom intransitiven verbum abgeleitet; charakteristisch die seit alters bevorzugten wendungen einen sturz nehmen, leiden, gewinnen, s. 2, und deren moderne entsprechung einen sturz tun, s. 1.
1) eigentlich, 'fall von körpern': sturz casus ahd. gl. 1, 70, 7; under dih sturzent die liute. war wirt der sturz? Notker 2, 169 Piper; wie stürzen II A 1:

so menger (Grieche) stürtze müste pflegen Göttweiger Trojanerkrieg 19063 Koppitz;

si sturmten die stat frölichen,
des nam menger ein sturz Schweizer volksl. 2, 54 Tobler;

durch einen sturz mit dem pferde gequetscht und sonst beschädigt, retirirte er mit den alliirten Göthe IV 23, 380 W.;

zwing nicht
dein treues rosz gewissem sturz entgegen
Fouqué held des nordens (1810) 2, 134;

nam brudir Friederich den sturz
so hart von eime pferde
mit valle uf di erde,
daz er davon bleib tot
Nic. v. Jeroschin 550 Strehlke;

der wackere mann starb an den folgen eines unglücklichen sturzes vom pferde Göthe I 22, 350 W.; tante Lorel war durch einen fall oder sturz in ihrer frühen kindheit gelähmt Holtei vierzig jahre 1, 14. ähnlich im sinne von 'umfall': durch den sturz des wagens ist er ... beschädigt worden Göthe IV 22, 173 W. 'absturz, fall', von oben nach unten: was erzählt man ... von den gefährlichkeiten seiner gemsenjagd in höchstem gebirg, wo er zuweilen wohl den jäger, der ihm beigegeben war, selber vor dem sturz errettet hat Ranke sämtl. w. (1867) 1, 235; eigentlich ist auch hier keine gefahr des sturzes, sondern nur die lawinen ... sind gefährlich Göthe I 19, 291 W.; der sturz des nachtwandlers, den ein warnender zuruf auf gäher dachspitze schwindelnd packt Schiller 2, 346 G.;

[Bd. 20, Sp. 680]


ein sturz vom gipfel dieser zeit
in tiefen einer ewigkeit
Schubart ged. (1825) 1, 241;

der adjutant ... ist infolge eines sturzes aus dem wagen plötzlich gestorben Moltke ges. schr. u. denkw. 4, 259. ebenso vom einfachen 'fall': wenn ... sein schönes schwert unversehens vom nagel herabfiel, im sturze aus der scheide gleitend jahreszeiten 1, 52 Fouqué. 'zusammensturz, einsturz, umstürzen': unmerklich wird er (der ein gebäude stürzen will) es untergraben, damit es bei dem sturz so aussehe, als hätte die zeit es gestürzt Hippel kreuz- u. querzüge 2, 358; ein dritter thurm war stark beschädigt, so dasz eine untergrabung ihn leicht zum sturz bringen muszte Droysen Alexander d. gr. 131; sollen wir arme menschen drum zappeln und zittern, den einfall und sturz des himmels befürchtend, weil wir die stützen nicht greifen noch sehen, die ihn halten? L. Aurbacher volksbüchl. 54; da kracht eine eiche ... und zerschlägt im sturz das götterbild der Venus B. Auerbach 2, 86. in fester wendung einen sturz tun: er sehe nur das ihn der schwindel nicht ankomme, er dörfte einen gefährlichen sturz thun Dannhawer catechismusmilch 4, 460; einen sturtz thun mit einem pferd Kramer 2 (1702) 1029c; er hatte einen unglücklichen sturz mit dem pferde gethan Schiller 6, 291 G.
isoliert als femininum für die fallsucht, mnd.:

narr, dat dij de vallen störtn rör
Joh. Stricerius de dudesche schlömer (1584) e 2b;

ebenso de rasen störten e 2a.
2) uneigentlich von schädlichen ereignissen, die als 'fall' aufgefaszt werden.
a) vereinzelt im sinne von 'schaden, stosz': in diesem jahr verdorben die bienen ... die schaf litten ein grossen sturtz Binhardus thüring. chron. (1613) 237;

damit sein gut und all sein hab
von tag zu tag nam immer ab,
und gwan das gütlin bald den sturtz,
das alle nesteln wurden kurtz
B. Waldis Esopus 1, 397 Kurz;

worauf denn die edle und damals volckreiche stadt Athen ... den ersten sturtz ausgestanden, und eine gewaltige menge volcks verlohren Er. Francisci luftkreis (1680) 1059. 'anfall, stosz': wenn sie diesen ersten sturz (shock) verwinden konnte, so hätte man vielleicht keine bessere art ergreifen können, sie aus der fühllosigkeit ... zu erwecken qu. a. d. j. 1755 in zs. f. d. wortf. 12, 198; unsere sprache muszte vier harte stürze ausstehn Joh. K. Wetzel über sprache, wissensch. (1781) 12. im obersächs.: das war aber ein sturz 'empfindlicher verlust' Müller-Fraureuth 2, 585; im sinne von 'krankheitsanfall': einen rechten sturz durchmachen Fischer schwäb. 5, 1935; er hat wieder einmal einen bösen sturz gehabt Spiesz henneberg. 248; dir sey, mein verehrter freund, hiedurch vermeldet, dasz ich ... einen bösen katarrhalischen sturz auszustehen hatte, von dem ich mich aber ... schnell genug erhole Göthe IV 29, 278 W. hierher, wenn nicht zu I B 6, im sinne von 'zusammenstosz, streit': mit dem werd i no en sturz ausstaun müsse Fischer schwäb. 5, 1935; mit herrn Crisenius habe heute den letzten sturtz gehabt, und seit der zeit wenig oder gar keine verdrieszlichkeiten gehabt Zinzendorf tagebuch (1760) zs. f. brüdergesch. II 2, 95.
b) in alter zeit im sinne von 'unglücksfall':

und geht hinnan, frech, dürr und kurtz,
bisz er zuletzt leydt eynen sturtz
an ehren, gut oder an leyb
H. Sachs 3, 412 Keller;

ehe die Calvinisten den grossen sturtz und schlappe litten A. Taurer feigenbaum (1593) b 8b; das sie eyn grossen sturtz und fall nehmen Luther 10, 2, 323 W.;

wenn abers glück gewint den sturtz,
zuhandt wirdt alle freundtschafft kurtz
B. Waldis Esopus 2, 197 Kurz;

die statt wird mssen undergehn
und leyden einen grossen sturtz
Spreng Ilias (1610) 84a;

[Bd. 20, Sp. 681]



das menschlich leben nimpt ein sturtz
H. Sachs 1, 458 Keller;

die des bittren todes sturtz
von uppekait nun hand genomen,
der wirt vergessen Göttweiger Trojanerkrieg 3568 Koppitz;

waz ube diser sturz (mutabilitas sc. fortunae) tih tuot mit rehte dingen des pezeren? Notker 1, 62 Piper.
c) in jüngerer sprache im abstracten sinne von 'fall', 'niederfall': wie grosz die zahl der absätze sein müsse, in denen der sturz des helden geschieht, darüber ist keine vorschrift zu geben G. Freytag 14, 118;

denn dieser königliche, wenn er fällt,
wird eine welt im sturze mit sich reiszen
Schiller 12, 197 G.;

dieser plötzliche sturz, von der höhe eines heiteren und fast ungetrübten glücks, in die tiefe eines unabsehbaren und gänzlich hülflosen elends, war mehr als das arme weib ertragen konnte H. v. Kleist 3, 401 Schm.; veränderung und wechsel, vernichtung und leben, sturz und erheben, sind die räder an dem wagen des schicksals Klinger 4, 3;

in harren und krieg,
in sturz und sieg
bewuszt und grosz!
Göthe I 4, 131 W.;

jähe erhebung und zug bis an die pforte des siegs,
sturz unter drückendes joch bergen in sich einen sinn
Stefan George das neue reich 43;

von einem helden,
der geritten nach Damaskus,
wird er sturz und sieg dir melden
F. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 306;

das stück wurde fast ausgepfiffen und nur mit der gröszten anstrengung vermochten die freunde des dichters es von gänzlichem sturze zu retten Börne 13, 42. 'zusammenbruch, entmachtung':

und Hermann, der Cherusker, endlich,
zu dem wir, als dem letzten pfeiler uns,
im allgemeinen sturz Germanias, geflüchtet,
ihr seht es, freunde, wie er uns verhöhnt
H. v. Kleist 2, 323 Schmidt;

an diesen erinnerungen hängt unser dasein, aus ihnen ist sturz und wiederherstellung des reichs hervorgegangen Immermann 6, 165 Hempel; das pfaffenreich nähert sich seinem sturz und untergang auf allen seiten Winckelmann bei Justi 2, 14; wer arbeitsmoral dem volke ... predigen will, der greift nicht in die culturgeschichte und zeichnet in groszen zügen ... wie blüthe und sturz der völker hervorwuchs aus der nationalen arbeit W. H. Riehl d. deutsche arbeit 71; ein solches wechselhaus besteht gewöhnlich aus ... mehreren capitalisten, von welchen einige zu den reichsten des landes gehören; daher denn der sturz eines solchen hauses wegen dieser verbindungen einen ausgebreiteten einflusz in England hat Archenholz England u. Italien I 1, 257; indessen er über den grössten theil der herrscher sich scherzhaft äuszerte, deren untergang zusammt dem sturz ihrer thronen er voraussah Göthe 41, 1, 14 W.; eine herausforderung, welche ... demnächst den sturz der ganzen parthei nur beschleunigt J. G. Forster sämtl. schr. 5, 196; der sturz der Sachsen muszte auch den ihrigen (der Slaven) nach sich ziehen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 400. heute am geläufigsten vom verlust der regierungsgewalt, meistens als fall des machthabers aufgefaszt: ungezähmte üppigkeit ist freilich im grunde tyrannei ... und ist der sturz mancher könige gewesen Bürger 307b Bohtz; seitdem, besonders aber nach dem sturz Ludwig Philipps, ... bildete sich hier in Frankreich die meinung Heine 1, 486 Elster; einige flüsterten heimlich, er habe sich von einem sehr hohen gegner Armonis ... gebrauchen lassen, desselben sturz herbeizuführen Holtei erz. schr. 6, 51; dasz Arnim ... durch seine haltung gegen Thiers dessen sturz mit allen üblen politischen folgen hauptsächlich mit verschuldet habe Bismarck ged. u. erinn. 2, 194 volksausg.; und da würde er wohl in den sturz des minsters mit verwickelt werden? Schiller 14, 264 G.; auch auf regierung und system bezogen:

[Bd. 20, Sp. 682]


der unfehlbare weg zum sturze der regierung Varnhagen v. Ense tageb. 1, 1; zuerst ist dies geschehen bei der quästur wahrscheinlich nach dem sturz des decemvirats Mommsen röm. staatsrecht 1, 182; der sturz der oligarchie Mommsen röm. gesch. 3, 5; vgl. weiter u. 6.
3) in fest begrenzten anwendungen dinglich.
a) vom jähen fall des gewässers im gebirge, zunächst stärker auf den vorgang des fallens zielend: sturz der Reusz in groszen partien Göthe I 34, 1, 396 W.;

du stille quelle,
du bist so kühlend, bist so rein, so helle;
noch ist dir nicht dein kühnster sturz gelungen
Körner 2, 97 Hempel;

die ragenden bergeshäupter,
den fallenden sturz gestäubter
wasser
Rückert 12, 47;

ragen klippen
dem sturz entgegen,
schäumt er unmuthig
stufenweise
zum abgrund
Göthe I 2, 56 W.;

haine glänzen, es donnern die stürze des Anio, es stäuben
kaskatellen
Waiblinger ged. aus Italien 2, 47 Grisebach;

der wassersturz, das felsenriff durchbrausend,
ihn schau ich an mit wachsendem entzücken.
von sturz zu sturzen wälzt er jetzt in tausend,
dann abertausend strömen sich ergieszend,
hoch in die lüfte schaum an schäume sausend
Göthe I 15, 7 W.

ähnlich auch:

dann ... des regens jäher schlag
niederrauscht von trauf und dach,
dasz der sturz ins kübel prasselt
Voss ged. (1825) 163;

jeder stosz beförderte den sturz der thränen Schubart br. 1, 154 Strausz. 'platzregen', s. Gangler Luxemburg 441; Follmann lothr. 511.
b) dann auch, auf a beruhend, im localen sinne von 'wasserfall': zwei schöne burgen erheben sich neben dem sturz und die schneebedeckten Alpen bilden den duftigen hintergrund Moltke ges. schr. u. denkw. 5, 7;

und so mag vergebens lauschen,
wer dem sturze (des Niagara) näher geht
Lenau sämtl. w. 84 Barthel;

ohne umlaut: es ist wegen der groszen verschiedenheiten des abschusses aller gegenden des festen landes sehr zu erwarten, dasz die ströme ... steile sturze und wasserfälle haben Kant (1867) 6, 89 Hartenstein;

in Hesperien selbst erklang dir die laute der wehmuth,
dir an des Anio sturz, und am bandusischen quell
Fr. v. Matthisson schr. (1825) 1, 213;

wahrscheinlich sind auch die felsen in der mitte des sturzes kalk Göthe I 34, 1, 359 W.
c) 'abfall des berges, steile bergwand', ähnlich wie b, zu stürzen II B 4 b: nicht auf dem breiten rücken eines mit heiligen eichen oder buchen umschatteten berges, am jhen sturz ... nein, im engen felsthal J. G. Forster sämtl. schr. 3, 6; der weg führt an schwindelerregenden abgründen vorüber ... kaum eine handbreite scheidet das radgleise vom sturz Gaudy sämtl. w. 5, 21; er hat sich sein bett in berg und gestein auf eigene gefahr eingegraben, hat sich mit schründen, stürzen, trümmern und steilen freiheitstrotzig umwallt Kürnberger nov. (1861) 1, 59;

über ihm durch sturz und steile
flieht der gemsen scheue eile
Rückert 3, 17.


dagegen stürze, f., in gleicher oder ähnlicher bedeutung schon im 17. jh., vgl. zur form u. II 5: aber an einem groszen ort findt sich eine stürtze (praecipitium) als wie gleichsam ein abschnitt J. W. Valvasor die ehre des herz. Crain (1689) 1, 523; stürtze, abstürtze, ein hoch und jäher ort Kramer hoch-niderteutsch (1719) 2, 209c; gäher, abhängiger ort, gähe stürtze Pomey indiculus (1720) 445; vereinzelt auch als m.: derer (der steine) gar langsamer grundfall und gekrach ihm gnugsam zu verstehen gaben, dasz selbiger abschusz oder sturtz (praecipitium)

[Bd. 20, Sp. 683]


gewaltig tieff sein müsste J. W. Valvasor ehre des hertzogthums Crain (1689) 1, 492.
d) technische bezeichnungen mit der grundbedeutung 'abfall'; wie stürzen III 3: 'das stürzen eines ganges im bergwerk' Veith bergwb. 482; die abweichung der speichen von der senkrechten stellung zur wagenachse, s. Hoyer allg. wb. der artillerie 2, 74; Karmarsch-Heeren techn. wb. 3, 645; 'aufgemauertes ufer' Kehrein Nassau 1, 399; 'abgeschrägter giebel' luxemburg. ma. 433.
4) 'jähe, heftige bewegung', eigentlich auf der passiven bedeutung 'fall' beruhend: als müsse eine göttliche gewalt wie mit fluthen ihn überströmt haben, ... in übergewaltigem raschen sturz seine sinne überfluthend Bettine Günderode 1 (1840) 415; er ... läuft dem sturz seiner gedanken nach bis in die dunkelheit W. Schäfer lebenstag (1917) 172; das herz, das nicht in stoffartiger unfreiheit vom sturze der empfindung fortgerissen wird Fr. Th. Vischer ästhetik 3, 798;

plötzlich in sausendem sturz graunvoll von dem felsengebirg
nahn die Harpyn her
J. H. Voss antisymb. 258;

ein sturz auf sie (die feinde), so sind sie fort,
... wir sehn mit lust den leeren ort,
und traben hinter her
Gleim sämtl. w. (1811) 4, 125;

und wo eh wir sie nun erfassen,
in den sturz, in die flucht sie hinein!
ja in ungeheuren massen
stürzen wir schon hinterdrein
Göthe 16, 374 W.

vom stürmen und brechen der wogen, 3 a nahe:

es erhob zur nachtzeit sich der empörten fluthen sturz
Droysen Äschylus 65;

einsam durchwandelt ich jezo das schiff; da trennte der wogen
sturz von den seiten den kiel
J. H. Voss Odyssee 231 Bernays;

ein seltsam geformter fels, von dem ein hohes kreuz trost- und friedensreich in den sturz und streit der empörten wogen hinabschaut Eichendorff sämtl. w. (1864) 2, 4; vom heranstürmen und einbrechen der ereignisse: wir möchten gern den ungeheuren sturz der ereignisse begleiten Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 1 (1853) 342; so lange uns also die Griechen nicht geraubt, und da sie bisher dem sturz der zeiten ... entronnen sind Herder 17, 156 S.;

wo ihre (der kultur) spur
verschlungen
vom sturz der zeit, harrt unsres anbaus nur
Rückert ges. poet. w. 1, 261.


5) adverbialausdrücke im sinne von 'plötzlich, jäh, im augenblick', teilweise 4 nahe. schon seit dem 16. jh. im sturz: in der fury, im sturtz, tumultuariamente Kramer 1 (1700) 737a;

(das tier) zog aus der erden also bald
ein dürren baum, gar bund gestalt,
daran hieng eine blancke wurtz,
damit traff es mich im sturtz
Rollenhagen froschmeus. (1595) l 1b;

traun! das leben ist zu kurz
hier im erdenthale,
um einander, wie im sturz,
und mit einem male,
rekta auf den leib zu gehn
C. A. Overbeck verm. ged. (1794) 72;

ich hätte euch gern ein tüchlein gestickt, aber wer bringt das so im sturz fertig! A. Fitger die hexe (1880) 55. ähnlich, jedoch auf 1 unmittelbar beruhend, im sinne von 'mit einem schlage': alda wurden sie bequemlich ... zu boden gedruckt, dasz nicht allein die fendlein, sondern auch die darzu gehörten, hauffenweisz in einem sturtz dahin fielen G. Klee berümter leut leben (1589) 1, 356. seit dem 17. jh. auch auf den sturz: auf den sturz, im sturz subito, repente, tumultuose Stieler (1691) 2230; im sturtz, auf den sturtz precipitosamente, tumultuariamente Kramer 2 (1702) 1029c; er thut alles im sturtz, oder auf den sturtz Ludwig teutsch-engl. (1716) 1916; doch mein anschlag kann auf einen sturz nicht ausgeführt werden; sondern es gehört zeit dazu v. Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 528. heute im nd. zu hause, vielleicht secundär gegenüber auf den, einen stutz (s. d.): op n sturz im augenblick

[Bd. 20, Sp. 684]


Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 915; und ich in n düstern auf den sturz meinen rock nich finnen kann Fr. Reuter 3, 218 Seelmann; ich weisz auf den sturz nur eine hilfe ebda 2, 81. — ähnlich, aber auf verschiedenen bedeutungen von sturz beruhend: vorwärtstretend lag er eines sturzes in ihren armen, die sich mit maszloser heftigkeit um ihn schlossen Stifter sämtl. w. 3, 251 Sauer; ein glas mit einem sturze austrinken Campe 4, 740.
6) von der grundlage des intransitiven verbums gelöst.
a) der sturz des machthabers und machtsystems, ursprünglich passivisch als 'fall' aufgefaszt (2 c), wird secundär an das transitive verbum angeschlossen, und der den sturz betreibende wird zum träger der handlung: mit den also bereiteten waffen ... ging Gracchus an sein hauptwerk, an den sturz der regierenden aristokratie Mommsen röm. gesch. (1874) 2, 112;

zum sturz des christenthums
bewaffnet sie der reiz mordbrennerischen ruhms
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 60;

die persischen groszen, die sich zum sturz des falschen Smerdis und der magier verschworen hatten Hegel w. 9, 49; Orlamünderin, zu deren sturze sie selber mitarbeiten wollen? Fontane I 2, 158; er musz wissen, dasz wir nicht an seinem sturz arbeiten, dasz wir ihm nicht feindlich sind Bismarck gedanken u. erinn. 1, 212 volksausg.; meistens ohne scharfe wahl zwischen den beiden möglichen trägern der handlung:

nein! sie begreifens nicht, und stellen
den sturz, selbst ihrer mitgesellen,
als zweck zum wohl des ganzen dar
Thümmel reise in d. mitt. prov. (1791) 3, 36.


b) im eigentlichen sinne (s. 1) nur ganz vereinzelt activisch, von den entsprechenden anwendungen des verbums ausgehend: ich vermuthe, dasz der vater ... sich mit dem furchtbaren sturz aus dem thurmhohen hause vor erwachen zu einer neuen besinnung rettete A. Ruge briefw. u. tageb. 2, 155 Nerrlich; auch giebt es gewiss keinen poetischeren selbstmord, als den sturz ins wasser aus Schleiermachers leben 1, 337; hatten die Nazarener bei der ersten ankündigung, dasz er der Messias seyn wollte, Christum nicht sogleich des sturzes vom felsen werth geachtet? Herder 19, 183 S.
B. 'stürzung, umstürzung, umstülpung', vom transitiven stürzen I A, in verschiedenen, jedoch wenig ausgebreiteten bedeutungen.
1) umpflügen des ackers nach der ernte, wie stürzen I A 3 d, im westlichen md., s. Crecelius oberhess. 824; Schmidt westerwäld. 245.
2) revision, schluszabrechnung des kassenbestandes, wobei gewissermaszen die kasse umgestürzt, ausgeschüttet wird, häufig auch kassensturz, s. Schmeller-Fr. 2, 787; Uhland tageb. 310 Hartmann; Sanders 3, 1260; im schwäb.: vom sturz und anstand (1714) Reyscher samml. d. württ. ges. 13, 997; (die pfarrbesoldung wird) zu ersparung fuhrlohns ... fürausgegeben und, als wann dieselbig um Georgii noch uf dem casten wehr, uf den sturz gelegt qu. a. d. j. 1621 bei Fischer schwäb. 5, 1935.
3) revision des gesamten bücherbestandes einer bibliothek: gestern war Gulden (der bibliotheksdiener) bei mir, um mir zu sagen, dasz jetzt die bücher zum sturze auf die bibliothek zurückzugeben seien Uhland an Meyer (1834) briefw. 3, 19; so auch heute im bibliothekswesen.
4) im getreidehandel, von stürzen I A 3 e: den stürtz berechnen frumenti ventilati rationem, numerum inire Aler (1727) 2, 1863a; soll künftig kein kornmesser dem andern in sturz fallen urk. v. 1632 bei Fischer schwäb. 5, 1935; vgl.: noch ên stört kôrn in de sak dôn ten Doornkaat-K. ostfries. 3, 330.
5) beleidigung unter verbindungsstudenten, die einer aufforderung zum waffengang gleich kommt, s. Kluge studentenspr. 129, dem sinne nach 'das hingeworfene, geschüttete, hingelegte', wie stürzen I A 4 c: rappierjunge ist ein sturz, der einen skandal mit stumpfen rappieren zur folge hat der flotte bursch (1831) 71.

[Bd. 20, Sp. 685]



6) figur beim fechten, etwa so wie 'ausfall': besucht die fechtschulen und fechtböden, da that er sein schulrecht, hub auf, gieng ein mit dusacken, darin blei gegossen war, im bogen, im geschlossenen und einfachen sturtz, legert sich in die bastei, erzeigt sich in allen ritterlichen wehren Fischart Garg. 297 ndr.,

er sprach: der kunst zu eym eingang
lehrt man öber unnd underhaw,
mittel und flügelhaw genaw,
auch geschlossen und einfachen sturtz
H. Sachs 4, 213 Keller;

bildlich: ach hette ich uberige zeit, ich wolte yhme ein sturtz (mit dem wort gottes weisen) das sie pleich wurden Carlstadt von bepstlicher heylikeit (1520) c 4b; dann ein jeglich experiment, das da befohlen wird eim unerfarnen, ungeübten artzt, ist gleich ein artzneyen, als ein ungelernten im sturtz oder im parat Paracelsus chir. (1618) 301 Huser.
II. nomina instrumentalia, vom transitiven verbum abgeleitet, im sinne von 'womit man stürzt; wo man stürzt'.
1) gefäsze, trichter, öffnungen, in die hinein oder mit denen flüssigkeit gegossen wird, meist stürze, f.: stürtze vel gosse infundibulum Diefenbach 298a; die wasser aber ausz den schächten gezogen, empfahendt die wasser gerinne oder stürtze, durch welche das wasser in die wasser seige gelassen wirdt Ph. Bech Agricolas bergw.-buch (1621) 121; 'gieszlöffel' Jacobsson 7, 493; sturz 'wasserkasten im bergwerk, in welchen wasser ausgegossen und aus welchem diese wieder ausgeschöpft werden' Veith bergwb. 482.
2) stürze, f., die starke erweiterung der blechblasinstrumente an der dem mundstück entgegengesetzten seite, s. H. Riemann musiklex. (1929) 1787: die stürtze an einer trompete J. G. Walther mus. lex. (1732) 174; auch Chomel 8, 1763.
3) stürze, f., sturzkarren bei der deicharbeit, nur im nd., s. Benzler wasserbau 2, 218; im mnd. gut bezeugt: als dieser kogh zu beteichen ist berathslaget worden, seint darzu vorordenet 400 storten bei Schiller-Lübben 4, 414.
4) sturz, stürze, brett an dem die pflugschar befestigt ist und mit dem beim pflügen die erde umgestürzt wird, anders als 3sturz 2; mundartlich, s. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 586; Martin-Lienhart 2, 615; Weber ök. lex. (1829) 587; pflugstürze Fulda id. samml. (1788) 530.
5) bergmännisch: der ort wo erz oder abraum ausgeschüttet und gelagert werden kann; neben stürze, f., jünger auch sturz, m., auch als compos. haldensturz, s. Veith bwb. 260 dem sinne nach 'ort wo gestürzt (s. DWB stürzen I A 4 a) wird', ebenso wie obersächs. milchaschstürze ort an der wand am brunnen, wo der milchasch abtrocknen soll Müller-Fraureuth 2, 586, vgl. aber auch sturz 'abfallender hang, halde' (I A 3 c), wo das umkippen und ausschütten der behälter und fuhrwerke leichter von statten geht. im mnd. seit dem 14. jh. bezeugt: alle des dat he vint in der hutten ... desses mach he alsus neten, alse vordere alse de storte wendet qu. a. d. 14. jh. bei Schiller-Lübben 4, 415; im hd. seit dem 17. jh.: stürtze 'derjenige ort, wo das erz aus den tonnen geschüttet wird' Gottfr. Junghans gräublein ertz (1680) f 1a; so auch Hertwig bergbuch (1734) 389b; Chomel öc. lex. 8, 1763; darunter wohl zu besorgen, dasz an so ungewöhnlichen zeiten und stunden die kärner für den unrechten und nahend gelegenen stürtzen, andern gewercken zu grossen schaden, ihre zwitter abführen mögen F. Span speculum iuris metallici (1698) 145; sturz, haldensturz 'der ort, dahin die berge, schlacken und dergleichen gestürzt werden' bergm. wb. (1778) 542; s. auch Krünitz 177, 508. — hierher auch stürze, f., hängebank über dem schacht, wo die gefüllten kübel ausgeschüttet werden, s. Veith bergwb. 482; Lueger 7, 576.
III. sachbezeichnungen im sinne von 'das gestürzte', immer vom transitiven verbum (I A).
A. gewölbte, hohle, nach unten offene überdeckung, meistens in der form stürze, f., auch sturze, sturz, storze, storz, daneben sehr selten ein masc. sturz, so heute im österr. (s. u. 2).

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1) in mannigfacher anwendung; dach eines turmes: si soln den turn machen mit einer bedakten steinener stürzen, daz er deheins andern daches nit bedürf qu. a. d. j. 1345 bei Lexer 2, 1282; auch wardt desselben sumers des heiligen geists kürchen gantz gedeckt. ... ausgenommen was der kupfferne huet yber den sturz kostet, weis ich nit städtechr. 15, 292. — sturtz, f., 'ein korb und dergleichen, unter welchen man hühner, tauben und dergleichen setzt' Hulsius-Ravellus (1616) 315b; ebenso: stürze Rädlein (1711) 859a; eyn honckeln stircze cletula md. qu. a. d. 15. jh. bei Diefenbach 127a; noch mundartlich: 'korbgeflecht, gitterkäfig ohne boden zur haltung von federvieh', s. Hofmann niederhess. 235; Vilmar Kurhessen 406; Ch. Schmidt Straszburg. 107; Martin-Lienh. 2, 615. — seit alters bis heute erhalten 'bedeckung des feuers in ofen und herd', auch als compos. ofenstorzen Marienburger treszlerbuch 444 Joachim: item dem kuppersmit umme dy sturczen ufs rathus zu dem ofen 11 fert. myt trangelde (1401) codex dipl. Lusatiae sup. 3, 377 Jecht; 2 m. minus 2 scot vor 13 sturzen zu dem ofen ken Gotswerdir dem huskompthur zu Danczik Marienb. treszlerb. 34 Joach.; des nachts soll ... das heerd-feuer mit einer darzu gehörigen blechenen stürtzen bedecket ... werden v. Hohberg georg. cur. 3, 84b; modern 'untere trichterförmige ausweitung des schornsteins über offenen herden, kaminen usw.' Mothes 4, 288: ich habe selbst einige camine über den sturz zuwölben, und nur mitten in dem gewölbe eine öffnung von 5 zoll ins gevierte machen lassen Sulzer theorie d. schönen künste 1, 439. — gelegentliche vereinzelte anwendungen von sturz, m.: auseinander gebogene garbe zum überdecken des getreidehaufens im felde Crecelius 824; überdeckung bei einer pumpendichtung Karmarsch-Heeren techn. wb. 1, 424. hierher wohl auch: 'haut, fell, decke' Polzer gaunerwb. (1922) 89.
2) in allgemeinerer verbreitung nur 'deckel von töpfen und ähnlichen hausgeräten', seit dem 14. jh.:

den leffil und die sturze
mochte man gepulvert schouwen (nach dem brande der burg)
Nic. v. Jeroschin 619 Strehlke;

s. auch Lexer mhd. wb. 2, 1281; heute mundartlich weit verbreitet, s. ten Doornkaat-K. 3, 330 (stört); Frischbier 2, 370 (stert); Meyer richt. Berl. (1925) 175; Bauer-Collitz waldeck. 101a; Hentrich Eichsfeld 82; Vilmar Kurhessen 406; im ostmd., s. Hertel Thür. 240; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 586; Weinhold schles. 96; Stauf v. d. March nordmähr. 90; auch obd., s. Fischer schwäb. 5, 1936; Ruckert unterfränk. 176; im österreich. als masc. sturz, s. Castelli Österr. u. d. Enns 239; Unger-Khull 588; Schöpf 726; Jacob Wiener 188; vgl. auch Kretschmer wortgeogr. 169; 604.
a) entsprechend 1, 'tiefere, hohlere schale zum überdecken': tu in einen hafen fenchel, essig und wein, ... leg darauff ein ... teller, beschwers mit einem ... kiszlingstein, und decks mit einer strtzen zu, dasz es nicht verrche Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 106; beschweret dieselben (krebse) mit einer stürtzen, dasz sie nit uber sich steigen oder kriechen können Joh. Wittich halilogia (1594) 19a; des nachts werden sie vor dem reif und frost mit stürtzen, so aus frauen- und Marienglasz gemachet, bedecket Olearius pers. reisebeschr. (1696) 78; satzten ihm einen groszen käfer auf den nabel, deckten eine stürtze drüber, dasz sich der käfer durch den leib beiszen muste Chr. Weise drey klügsten leute (1675) 256; ein schön venedisch glas, ... in welches 6 maasz, in dem deckel oder stürtze aber 2 maasz wein gehen Marperger küch- u. keller dict. 1319a.
b) schlechthin im sinne von 'topfdeckel': operculum, hafendeckel, stürze Th. Golius onomast. (1582) 324; sturtz pantrum obd. voc. d. 15. jh. bei Diefenbach nov. gl. 279a; stürtze operimentum Corvinus (1660) 1039; ollar ebda 962; legs in einen neuwen hafen der gut sey und ein sturtz oder deckel darüber L. Thurneysser magna alchym. (1583) 60; verdecke den topf wol mit einer stürtzen Zechendorfer von gebrechen der rosz (1571) 2, 49; und

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los das öl im topf und thu ein stortze dor uff Pfolspeunt bündt-ertznei 87 Haes.-Midd.; als sie im kloster bauwen wolten, und das fundament gruben, funden sie zwölff töpffe mit sturtzen zugedeckt, und darin beinlein der jungen kindlein Nigrinus widerleg. d. andern centurie (1571) t 2b; vermache den topff wohl mit einer stürtze die in der mitten ein löchlein habe Ettner med. maulaffe (1719) 191; man musz aber (um das bier zu erhalten) fleiszig fällen und die fässer nicht wahn stehen lassen, auch hernach verzeichnete deckel oder stürtze über die spünt machen v. Hohberg georg. cur. 2, 86; so gar die irdenen stürzen, so sie (die urnen) bedecketen, waren nicht abgefallen Gottsched anmuth. gelehrs. 5, 225; über das casseroll deckt sie eine stürze G. Hauptmann biberpelz (1893) 24.
c) redensarten, auf dem bild von topf und deckel als dem zueinander passenden beruhend: wie die hafen, so die stürtzen Nürnbg. wb. (1713) 14; und gehrt alweg auf ein solichen hafen ein soliche stürtz, und widerumb ein soliche stürtz begert eins solichen rechten hafen Seb. Franck chron., zeytb. (1531) 236b; auf eine silberne flasche gehöret eine silberne schraube; auf einen tönernen krug eine tönerne stürtze Butschky Pathmos (1677) 513; kleiner topf, kleine stürze v. Hippel lebensläufe (1778) 1, 319; wie der prophet ist, so ist auch der, von dem er geprophezeit hat, ein ertzketzer von ertzketzer! warlich, der topff hat seyne rechte störtze! Luther 30, 3, 437 W.; also war Messalina einem solchen keiser eine rechte stürtze auf seinen krug oder auf sein töpfflein W. Bütner epitome hist. (1596) 233b; es ist kein so schmutziges krüglein, das nicht seine stürtze finde P. Winckler 2000 gute gedancken (1685) d 4;

da sprach der richter zu beiden in kürze:
ich seh, ihr paszt zusammen wie topf und stürze
Rückert 11, 473;

und es paszt wie die stürze zum topfe Zelter briefw. 5, 451 Riemer.
3) auch als bezeichnung selbständig benutzter gefäsze von flacher form, vgl. 2 a: 'metallbecken der türkischen musik' Fischer schwäb. 5, 1936; gieng er balde hin zu holen in einer stürz brinnend kolen qu. a. d. 16. jh. bei Fischer 5, 1936; und legt in (eine gabel) in den tegel oder in den kessel oder in den hafen oder in die sturtze erste dtsche bibel 5, 15 (1. Sam. 2, 14); stürtze vel dortenpfanne Diefenbach gl. 581c; stürze breites gefäsz zur aufnahme des geschmolzenen bleis Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 750; eine felderdecke ... von der an einem bande mit schleifen eine runde stürze mit henkeln und einem geöffneten deckel herabhängt Gottsched anmuth. gelehrs. (1751ff.) 9, 265.
B. 'kopfbedeckung', meist sturz, m., aber auch stürz, m.: umb einen stürcz; umb zwene stürcze Elsen von Holzhusen inventar (Frankf. arch. 1410); stürz flammeum obd. voc. a. d. 15. jh. bei Diefenbach nov. gl. 176b, und stürze, f., s. Müller-Mothes 894a; Br. Bucher kunstgew. 390b: solle ... die stürtz ... abgethan sein qu. a. d. j. 1678 bei Fischer schwäb. 5, 1936; stortsn, f., Hentrich Eichsfeld 36; entrundet: item, liebe frau, send der maid ein stercz, 2 eln und ein fiertail (d. h. von länge) Steinhausen privatbr. d. ma. 2, 34; seit dem 15. jh., besonders häufig im älter mhd., in obd. maa. bis in jüngere zeit bewahrt, jetzt veraltet, s. Seiler Basler ma. 284; Alemannia 15, 222; Ch. Schmidt elsäss. 347; Birlinger schwäb.-augsburg. 415; Schmid schwäb. 518; Schmeller-Fromman 2, 787; Unger-Khull 588; auch hess., s. Crecelius 824.
1) in der bedeutung schwankend zwischen einer weiblichen bloszen kopfbedeckung und einem vom kopf herabfallenden gröszeren schleier, von anderen arten schleier jedoch unterschieden:

das houbt das dt man bald entdecken,
es mag gar licht eyn wynd har fegen,
es dt den frowen die sturz ab wegen
Seb. Brant narrensch. 112 Zarncke;

haben wir (nonnen) uns allwegen mit den stürtzen und weil so tüeff verhengt, dass man uns weder mund noch

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nasen hat kennen sehen qu. a. d. 17. jh. in Alemannia 10, 209; und der sturz so breit, als er sich ufrecht enthalten mag, und so wysz er syn mag Zwingli deutsche schr. (1828ff.) 2, 381;

die man sint narren nit allein,
sunder findt man ouch närrin vil
den ich die schleyer, sturtz und wile
mit narrenkappen hie bedeck
Seb. Brant narrensch. 4 Zarncke;

wie er dann einsmals den soldaten befohlen, wann die leut wider in die stadt herein giengen, den männern die mäntel, den weibern die stürtz und schleier, schaupen oder kutten abzunemmen N. Schwelin württ. kl. chron. (1660) 455;

(die braut) die uf den teller legt ir beyn,
do sie sich buckt nach dem sturtz,
entfr ir ob dem disch eyn furz
Seb. Brant narrensch. 110 Zarncke;

in verschiedenen glossierungen: sturcz peplum Diefenbach 424a; suparum nov. gl. 355b; schleier, sturcz, mantel, kapp velamen mulieris gloss. 609a; stauch oder schleyer, sturtz, stülp calyptra Alberus (1540) 35a; als charakteristischer putz:

was künnen ytz die undern frawen?
gar schon sich jn den spigel schawen.
so sie umb drew sein aüff gestanden,
spricht sie 'schaw meid ist nichts vorhanden?
der halpgwachs hat ein solches fasz,
so stet mir den der sturcz dest pas'. kl. mhd. erz. 48 Euling;

ward der herzogin ... angesagt, das zeit were zu kirchen zu geen. ... also liesz ir die herzogin den sturz fürziehen zimm. chron. 1, 531 Barack; frage auch einen spieler, welcher sein gantze substantz und seines weibs kleinoter, ring, gurt und sturtz verspielt Albertinus hirnschleiffer (1664) 390; mit ... uberflusziger ... gezierd der kleyder ... mit mantelen, röcken, ... hauben, kauppen, schlegeren, sturtzen, flechten, gurtelen Luther 10, 2, 336 W. als zeichen der ehrbarkeit: es soll ouch ir (der dirnen) dehein kein rolle tragen oder keinen langen sturtz; aber sie mögent wol tragen gezwangete umbwindelinge und kurtz stürze Brucker Straszburger zunft- u. polizeiverordn. 459; die segel der ersamen klaidung, stürtz, kappen und mentel Keisersberg schiff d. penitenz (1512) 37. besonders bei trauer, auch klagsturz, s. teil 5, 933: sturtz, schleyer, welchen die trawrigen weiber aufsetzen Hulsius-Ravellus (1616) 315b; sturtz, darin die weiber klagen Aler (1727) 2, 1862b; andere wetteten mit einander, welcher der schleyer, sturtz, flur, traur, besser anstehen solte Moscherosch gesichte 1 (1650) 138; do waren zugegen ... auch sonst vil weiber in stürzen, als in ainer cleglichen handlung zimm. chron. 4, 310 Barack; man sol kind nit weinen, man tregt kein sturtz darumb Keisersberg evangelia (1517) 62; es sol och kain witwe gedenken, daz sie ierem man geng gethan habe damit, daz sie in wainet und ain schwarczes klaid und braiten sturcz tregt Stainhöwel de claris mulier. 153 lit. ver.;

(des todes diener) machens manchem man so kurtz,
dass bald sein ehweib tregt ein sturtz
Scheit frölich heimfart e 1a;

so lasz ichs gschen, schwindt jm der huf,
ich setzen ouch kein sturtz drumb uf schweiz. schausp. des 16. jhs. 1, 236 Bächt.

bildlich:

der sonnen widerkunft, verkürtzend der nachtstunden,
hat schon der erden hertz erwaichend überwunden; ...
ihr trawrkleyd, weisser sturtz und schlör war abgelöget,
die hügel ihrer brust seind schon durch lieb bewöget
Weckherlin ged. 2, 371 lit. ver.;

so in jüngerer zeit noch mundartlich, s. Serz teutsche id. 150a; Birlinger schwäb.-augsb. 415; Fischer schwäb. 5, 1936: die nächstverwandten frauen trauerten wie gebührlich in 'sturz und stuche', das hiesz: ein nonnenhaft weiszgefältetes tuch verhüllte die häupter und liesz nur eben das antlitz frei in der dt. rundschau 159, 363. in engem bereich als 'regenhut, regenschutz': sturtz vulgariter regenschlaher, nimbus est genus pepuli voc. primo pomens (1515) b 3 Hüpfuff; nimbus regenschlaer vel sturtz Diefenbach

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380 c; eine häuptdeck der weiber, ein stürtz, regenhut, calyptra Corvinus (1660) 1421; regensturcz anabolagium Diefenbach nov. gl. 22.
2) vereinzelt, wohl ohne continuität mit 1, im sinne von 'schutzvorrichtung, überdachung, schirm am helm', s. auch A 1: die meisten mit helmen und einem sturz vor Alexis Roland (1840) 3, 388; den helm mit dem sturz wollte er nicht Alexis hosen (1846) 1, 186; hierher wohl auch: 'mützenschirm' luxemburg. ma. 433.
C. überdeckung tür- und fensterartiger öffnungen, 'oberschwelle', s. Schönermark-Stüber hochbaulex. 805; Wolff mathem. lex. (1747) 1283; auch fenstersturz, türsturz; mundartlich verbreitet, s. Sass sprache des nd. zimmermanns xiv; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 585; luxemburg. ma. 433; Martin-Lienhart 2, 616; Seiler Basler ma. 284; schon alt bezeugt: fur ein sturtzen, die sechs schuch lanck, ein schuch dick, zwen schuch preit ist, dreissig pfenning (lohn) Endres Tucher baumeisterb. 83 lit. ver.; denn das thor hätte nicht enger als zehen fusz in lichten, und also nicht niedriger als zwantzig fusz werden dörffen, da wären zwischen diesem sturtz und den fenstern des zweiten geschosses nicht mehr als höchstens fünff fusz geblieben L. Chr. Sturm vollständige anweisung (1718) 31; eine tür mit starkem sturze in der mitte der vorderen zellenwand, führt aus der vorhalle in ein finsteres vestibül Ritter erdkunde 1, 634; der thürstock besteht aus der schwelle, den ... ständern und dem sturz Karmarsch-Heeren techn. wb. 39, 455.
D. 'blech'.
1) eine art quantitätsbezeichnung, 'dünnes eisen, eisenscheibe', mit 'lamina' glossiert: stortten v. d. Schueren Teuth. 380 Verdam; sturtz Dentzler (1716) 281a; sturtz, blech lamina, lamella ferrea Aler (1727) 2, 1862; heute im ndl.: sturte de Bo westvl. 974; die bezeichnung beruht darauf, dasz diese blechplatten im walzwerk umgeschlagen, also 'umgestürzt, aufeinander gestürzt' werden: sturz, ein zu blech ausgegleichtes und zweifach zusammengeschlagenes kölbel (stück eisen) bergmänn. wb. (1778) 542; wenn das kölbel rausgeleicht, und zwiefach zusammen geschlagen wird, heisset dieses ein sturtz Hertwig bergbuch (1734) 389b; alt bezeugt: item der stürz, der zwene aneinander sint, der sol man 30 für ein schock rechnen (1450) Eheberg Straszburg 1, 274; iterum 92 stürcz blech per asp. 9, facit flor. 29 asp. 35 (1538) qu. z. gesch. d. stadt Cronstadt 2, 542; in der modernen technik 'schmiedeeisen, dünneisen, das zu blech verarbeitet werden soll', s. Mothes 4, 288; Muspratt chemie 2, 1414; Karmarsch-Heeren 8, 656.
2) aus 1 entwickelt als qualitätsbezeichnung, 'eisenblech, weiszblech', heute mundartlich, s. Fischer schwäb. 5, 1936; Friedli Bärndütsch 3, 377; 309; Hunziker Aarg. 264; Seiler Basler ma. 284; Martin-Lienhart 2, 615; Hönig Kölner ma. 176 (stooz); een dak van sturte de Bo westvl. 974; seit dem 15. jh. bezeugt: sie pflegen ... kleine halbe mon, welche sie irem abgott dem mon zu ehren von mesz, kupfer, sturtz oder plech machen, an ohren, naszen und lefftzen zu henckhen qu. a. d. 16. jh. in Alem. 6, 106; eysene röhrlin ... von gutem, starckem sturss oder eysene blech Fronsperger bei Fischer schwäb. 5, 1935; ain tzinen flaschen und tzwo alte, zerprochen flaschen aus stürtzen gemacht (a. 1472) Zingerle invent. 67; (sie sollen) etliche zaichen von ainem blechin verzünten sturtz lassen machen, mit der stat zaichen gestempfft Reyscher samml. d. württemberg. ges. 12, 48; 1 ysinscheer, damit man bley oder stürtz schneit bei Fischer schwäb. 5, 1935; sturz, m., weiszblech Spreng Basler wb. d. 18. jh. in Alem. 15, 222; bei manchen darren findet man die darrfläche aus ... eisenplatten von sturz oder blech hergestellt Muspratt chemie 1, 1311.
E. maszbezeichnung, etwa 'so viel wie hingestürzt, d. h. geschüttet ist', vgl. auch schütte, f.: 7 stürtz ridl geben 91 ridl, 1 sturtz weinlatten = 93 weinlatten qu. a. d. j. 1613 bei Schmeller-Fr. 2, 787; von ainschichtiger schneidwaar

[Bd. 20, Sp. 690]


(holz) ab jedem sturz 1 kr. 2 du. ländgeld qu. a. d. j. 1762 ebda; im md. 'haufen von garben, heu u. dergl.', s. Hertel Thür. 240; Crecelius oberhess. 824; Kehrein Nassau 1, 394; zusammengefaltete masse tuches, wie stürzen I A 3 a, s. auch o. D 1:

einen loden von drizec stürzen ...
den gap er an den hengest
Wernher meier Helmbrecht 390 Panzer;

vgl. dazu, ebenfalls zu stürzen I A 3 a: seidine waaren sind nicht nach dem end sunder nach dem sturz auszumessen Schöpf tirol. 727; sturz linie, nach welcher tücher gelegt oder gefaltet werden Unger-Khull 588.
F. stürze, f., der nach der ernte umgepflügte acker, wie stürzen I A 3 d: auch haben andere im brauch, dasz sie lassen die stürtze bald ackern schles. wirtsch.-buch (1712) 118;

im merz
fährt man den pflug auf die stürz,
darnach kommt der april,
der hält ihn wieder still für Gieszen mündlich bezeugt.

im sinne von 'umgepflügte erde': wo gestern abend noch eine dunkelgrüne kornsaat geprangt hatte, lag jetzt braune stürtze W. v. Polenz Büttnerbauer 3, 302; im westl. nd.: 'oberste erde, die vom pfluge gestürzt wird' Schmidt-Petersen 129; Molema Gron. 409; bezeichnung einer besonderen art erde, s. Schütze holst. 4, 206; de Bo westvl. 974.
 
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sturz, m. , truncus, auch sturze, m., stürze, f., daneben storz, starz (s. teil 10, 3, 444), gleichen stammes wie sturzel. mundartlich, besonders im südwesten, in der bedeutung 'strunk, stumpf', s. Stalder schweiz. 2, 401; Friedli Bärnd. 1, 64; schweizerd. gramm. 15, 82; Bacher Lusern 396; Martin-Lienhart 2, 615; Follmann lothr. 511; Schön Saarbrück. 206; Kehrein Nassau 1, 394; Crecelius oberhess. 824; Anton Oberlaus. 13, 8; Schmeller cimbr. 176; Kramer Bistr. 127.
1) schriftsprachlich selten als 'baumstumpf', auch baumsturz Göthe I 49, 1, 371 W.: Emilie sitzt auf dem sturz eines abgehauenen baumes Chr. F. Weisze kinderfreund 11, 125; die einsiedeley ... besteht aus alten sturzen C. C. L. Hirschfeld gartenkunst (1779) 3, 106;

wer ist der andre der sich nieder
an einen sturz des alten baumes lehnt
Göthe I 2, 143 W.;

bald rechts bald links vom steine hier, vom sturze da die räder wegzulenken Göthe 8, 220 W. (Egmont). ähnlich vom stumpf einer säule:

lehnt der befreundete seher des alten ja selbst an der säule
sturz wehmüthig, und tritt ernst auf zertrümmert gebälk
A. W. Schlegel Athenäum (1798) 2, 183;

(auf einer alten münze) Felicitas Publica, auf einen sturz von einer säule mit dem rechten arm sich lehnend Lessing 15, 275 L.-M.; schon älter bezeugt: sturz, sturtzen, stürtzel Harsdörfer poet. trichter (1647) 2, 174.
2) sonst, älter und mundartlich, in verschiedenen speciellen anwendungen: woselbst dem armen sünder die eine hand abgehauen und an den sturtz eine aufgeschnittene henne wegen hemmung des verblutens angesteckt wurde Ettner unwürd. doctor (1697) 948; wann man einen zur staupen schlägt, und wann die ruten abgeschlagen sind, jhm die sturtzen in rücken stösset Corvinus fons lat. (1646) 672; stürze 'beym wasserbau, das untere ende des busches, woselbst er gehauen' Benzler deichbau (1792) 2, 217; er stach ihn mit dem sturtz der feder in ein ohr qu. a. d. 17. jh. bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 585; 'ende der zaunlatten': wo nun der zaungarten köpfe oder stürzen hinweisen, auch auf welcher seiten die nagel an einer scheidewand oder bleichen stadtrechte von Eisenach usw. 149 Strenze; niemant soll die stürzen an zaun auf den andern, noch in gemaine wege kern österr. weisth. 2, 248. das untere ende des getreidehalmes, stoppel, auch das untere schnittende der ganzen korngarbe, s. Schambach Götting. 213; Block Eilsdorf 95; Deiter Hastenbeck

[Bd. 20, Sp. 691]


nachtr. 63; Schmidt westerwäld. 245; Kehrein Nassau 1, 399; Tschinkel Gottschee 317: und in die scheune ... eine schicht auf die ander gealtert, dasz die ähren allweges mitten inne altern, und die stürtzen aufwärts an die wände kommen schles. wirtsch.-buch (1712) 161; dabei kamen die ähren aufwärts, die stürze nach unten J. Blau Böhmerw. hausind. 1, 395; ähnlich: stürzen auf den wiesen silicimenta Stieler 2122; denn wenn nur ein wenig die stürtzen herausz gestochen, hat man uns haar und bart alszbald geschoren Fr. Seidel türk. gefängnusz (1629) f 4a; hierher wohl im sinne von 'bis auf den stumpf':

dan uf di letzt zum sturtz nidergefelt
wird mans im schnips als wisengras abmeen,
unt waern hinfaln wi grunes kraut am feld
Schede psalmen 136 ndr.


3) in der kunstgeschichtlichen terminologie zu beginn des 19. jh. im sinne von 'torso einer statue', in moderner sprache nicht erhalten: wer sollte glauben, dasz man noch zu unseren zeiten aus dem sturze einer statue, von welcher der kopf vorhanden ist, zwo andere figuren gemachet? Winckelmann werke 3, xiv Fernow, statt dessen trunk xiii; wie an dem wunderbar schönen sturze aines Herkules im Belvedere, oder dem sogenannten torso des Michel Angelo geschehen sein würde Winckelmann sämtl. w. 2, 214 Eiselein; besonders ... fesselte uns (in dem museum) der sturz eines Jupiters, dessen abgusz ich schon aus Tischbeins werkstatt kannte Göthe I 31, 186 W.; zu marmornen köpfen und extremitäten fügte man (im altertum) porphyrne gewänder, so wie man bunte kalksinter zum sturze der brustbilder nahm Göthe II 1, 341 W.; die schlange, die am sturz liegt, ist nichts als ein nebenwerk, Apollos bekanntes sinnbild Herder w. 8, 455; ein lehrreiches beispiel gibt die Pallas, deren ganzer sturz, erhabene haltung und grandiose draperie durchaus nicht mit dem gleichfalls antiken ... schon weniger strengen kopf übereinstimmt C. A. Böttiger kl. schr. (1837) 2, 28.
 
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sturz, m. , aus dem gleichbedeutenden, allein echten sterz 'schwanz' (s. d.) umgebildet, auch stürze, f.
1) sturz, m., in der jägersprache 'schwanz von tieren', s. Behlen forst- u. jagdk. 5, 733.
a) schwanz der raubvögel, s. Kehrein waidmannspr. 289: der sturz der heerschnepfe ist zwölffederig und spitz zugerundet v. Train waidmanns pract. 219 Thüngen.
b) der kurze schwanz des hirsches, auch ende: bey dem rothwildpret heiszets (der schwanz): die blume, der sturz C. v. Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 205; auch Nemnich wb. d. naturgesch. 583; im unterschied zu a mindestens teilweise auf 2sturz 'stummel' beruhend, so sicher zu diesem: da stunden wohl zweihundert solche thiere, welche ... gespaltene füsse, wie ein hirsch und rennthier, ohne schwanz, nur einn sturz hatten Joh. Dietz 143 Consentius.
c) schon älter bezeugt in anderer anwendung:

zeuch dich fein ausz, das hat wol fg, ...
dasz man seh, wo das fnlin hangt,
wo dir (Grobianus) der sturtz zum gsesz nausz brangt,
Scheit Grobianus 1591 ndr.


2) handhabe, hinteres ende am pfluge, aus eigentlichem sterz, sterze umgebildet, s. DWB pflugsterz, teil 7, 1784, wo auch pflugstürze: stürtze eines pflugs oder sterze la stiva dell aratro Rädlein 1 (1711) 859b; so Jacobsson 7, 466b; die handhaben, womit der pflug vom führer gehalten und gelenket wird, heiszen die stürzen oder sterzen, auch wohl schwänze A. Thaer beschr. d. ackergeräthe (1803) 1, 3; ähnlich: ersterer (arbeiter) führt in der rechten hand den sturz oder die handhabe (des sturzkarrens beim erdfahren) Benzler deichbaulex. (1792) 1, 285.
 
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sturz, m., 'dicker, steifer brei', auch erdbirnsturz 'kartoffelbrei', mundartlich, s. Anton Oberlaus. 13, 12; Sanders 3, 1260b; aus gleichbedeutendem sterz, s. auch störz (teil 10, 3, 444) umgebildet, wohl unter der vorstellung, dasz der zubereitete brei auf einen teller gestürzt (stürzen I A 4 a) wird.

[Bd. 20, Sp. 692]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturzachse, f., bergmännisch, 'in der fördertonne angebrachter bolzen, um welchen sich die tonne beim ausstürzen dreht' Veith bergwb. 482.
 
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sturzacker, m., der nach einbringen der ernte gewendete, nur roh umgepflügte (wie stürzen I A 3 d) acker, besonders in der herbstlichen und winterlichen landschaft, s. Zincke öc. lex. (1744) 2849; Jacobsson 4, 348; seit dem 16. jh. bezeugt: indem wir nun bei einer guten halben stund gegen denen stortzäckern ritten Jan Rebhu weltkucker 72; auf dem ackerfelde predigen neben den ausgrünenden wintersaaten die schwarzen winterstoppeln und sturzäcker vergänglichkeit und tod B. Goltz jugendleben 1, 309; ein hartes, aber trockenes und gegen wind und wetter geschütztes lager, meine herren, ist eine unglaubliche wohlthat gegen ein biwak auf dem schnee oder auf einem nassen sturzacker Moltke ges. schr. u. denkw. 7, 71; quer über den verschneiten sturzacker hin auf die grosze strasze zuschreiten Fontane I 1, 251; von fernher war jetzt ein rollen gekommen, ein dröhnen über holprigen sturzacker Viebig d. schlafende heer 1, 130; und rollte eine solche menge runzeln auf seiner stirn zusammen, dasz diese ordentlich das aussehen eines sturzackers bekam Gaudy s. w. 2, 147; gern im bereiche der jagd: ist keine steingrube alda, so suche sie (die hasen) umb die schölligen oder sturzacker haushaltung in vorw. 216 Ermisch-Wuttke; die alten (hasen) sitzen in sturtzäckern v. Fleming jäger (1719) 367; im spätherbste suchen sie ... sturzäcker auf Brehm thierleben 5, 542.
 
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sturzbach, m., über felsen und berge mit starkem gefälle herabstürzender bach: rausch-, sturz- oder staubbach Mothes baulex. 1, 213; rechts und links behielt ich schroffe felsen und finstern wald, und ein paar sturzbäche lieszen sich rauschend neben mir vernehmen Chr. Fr. Schulz reise e. Livländers (1795) 4, 227;

denn schneller springt vom fels herab
der sturzbach wie zum grusz
und steht, als weisze säule zitternd
sehnsüchtig da
Nietzsche 8, 327;

als sei sein gemüt von dem unband des vorlenzes hingerissen, der den schnee zu sturzbach und lawine treibt Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 245; auf der mühle beim sturzbach werd ich euch erwarten H. v. Kleist 2, 250 Schmidt; häufig im vergleich:

thränen überströmten plötzlich
wie ein sturzbach seine wangen
Heine 1, 361 Elster;

hatte statt der sandbüchse das tintenfasz ergriffen und den reichlichen inhalt ... in einem schwarzen sturzbach auf den schosz ihres gelbseidenen kleides geschüttet Spielhagen 2, 277; wenn sie ... einmal hineinkam (ins sprechen), konnte sie auch nicht wieder aufhören; das kollerte und rauschte ... wie ein sturzbach Auerbach schr. 1, 196; sie wuszten manchen anzuwärmen, um dann plötzlich ihren spott wie einen eiskalten sturzbach über ihn zu gieszen Rosegger schr. (1895) I 7, 365; Chabot de Brion ... kam ihm so plötzlich und so heftig wie ein sturzbach über den hals Laube ges. schr. 2, 137.
 
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sturzbad, n., eine art douchebad, s. Mothes 4, 288; Lueger 1, 676: zudem glaub ich nicht recht an seine liebe zu der Sorrentinerin, weshalb mir solche stellen wie die, wo er nach einem sturzbad ruft, um sich abzukühlen, ... sehr gemacht vorkommen v. Lepel vierzig jahre 252 v. Arnim; wenn ich ein sogenannter schwärmer wäre, ... so könnte sich das bald geben nach einigen kalten tropf- und sturzbädern K. Munding V. A. Huber (1894) 30;

kübelweis stürzt es herunter!
Jason ward gewisz auf Kolchis
nicht durchnäszt von solchem sturzbad
Heine 2, 402 Elster;

zu lange musz man sich solchen eindrücken nicht hingeben, sondern sie nur schnell und kräftig auf das gemüth einwirken lassen, wie sturzbäder auf den körper Pückler briefw. u. tageb. 2, 294. meistens übertragen: auf diesen enthusiasmus gosz eine oper und obenein eine Glucksche, mythologische, ein abkühlendes sturzbad Gutzkow

[Bd. 20, Sp. 693]


ges. w. (1872) 1, 162; überschüttete ihn mit einem kalten stürzbade der wunderbarsten geschichten A. v. Arnim 8, 45 Grimm; ein sturzbad von bürgerblut durch des erbfeindes aderlasserheere Fr. L. Jahn 2, 750 Euler; da ihm gerichtliche freisprechung versagt blieb, so überschüttete er ... die preuszische willkür mit einem sturzbade sittlicher entrüstung Treitschke deutsche gesch. im 19. jh. 3, 437; Kleist hat sich daher andere aufgaben gestellt; er wuszte, und mogte es mit schmerz an sich selbst erfahren haben, dasz der vernichtungsprocesz des lebens keine wasserflut, sondern ein sturzbad ist Hebbel werke 9, 58 Werner.
 
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sturzbalken, m., quer über pfosten gelegter balken, s. Mothes 1, 230; Karmarsch-Heeren 8, 656, ebenso 'oberschwelle der tür', ds. wie 1sturz III C: die tür war schmal und der sturzbalken so niedrig Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 216. —
 
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sturzbaum, m., purzelbaum, zur worterklärung vgl. s. v. burzelbaum (teil 2, 554): da sie dann tausendterlei seltzame sprünge, sturtzbäume, und andere händel ... machen P. della Valle reisebeschr. (1674) 1, 127; wie aber, wann einer (dachdecker) bey so liederlicher arbeit einen sturtzbaum über das dach herab thut? Abr. a s. Clara etwas f. alle (1711) 2, 184; einen sturtzbaum thun mit dem pferde Kramer 2 (1702) 1029b; sturtz, sturtzbaum, burtzelbaum Rädlein 1 (1711) 859b; kobold, ... ein stürzbaum, purzelbaum Kinderling reinigkeit (1795) 135; s. Schmeller-Frommann 2, 787. mundartlich auch sturzelbaum, s. Fischer schwäb. 5, 1937; Autenrieth pfälz. 137; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 586. —

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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