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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sturmwetter bis sturmwüste (Bd. 20, Sp. 674 bis 677)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturmwetter, n., seit dem mhd. bräuchlich für 'unwetter', vgl. sturmwetir tempestas Konrad v. Heinrichau vocab. 395b Gusinde; sturmweter flustrum (1482) Diefenbach 240c:

dô hûb sich von den winden
ein stormwetir vreissam
Eilhart v. Oberg 1494;

won nach dem sturmwetter kumet gern dú haisse sonne st. Georgener prediger 73 Rieder; mit aller krafft kummen sy und stoszen im auff das schiff mit groszem sturmwetter Tauler sermones (1508) 111c; man hats genennt das Schwartze Meer ... wegen der urplützlichen, unfletigen sturmbwetter H. Lewenklaw chron. türck. nation (1590) 281; ein grausames, ungewöhnliches sturmwetter ... mit blitzen und groszem donner Binhardus thüring. chron. (1613) 132; wiewohl sie (die felsen) von den vielen sturmwettern ... schon ziemlich zerschmettert waren B. Schmolcke Schneekoppe (1736) 40;

sie hielten aus in kampf und sturmeswetter deutsches museum 2, 251 Fr. Schlegel;

ein fürchterliches sturmwetter zerstörte Karls neue flotte J. v. Müller (1810) 3, 70; gern im bilde: allezeit und auch mitten unter den sturmwettern pfleget sich die glücks- und freudensonne ... zu zeigen J. Riemer polit. hasenkopff (1689) 448; enger von einer häuslichen szene:

denn nimbt süszholtz ins maul der mon,
was das weib zürn, fluch oder prumt,
bis das sturmwetter uber kumb
Hans Sachs 9, 305 lit. ver.;

mit einem genetivobject: schwer sturmwetter der durchechtung wirt die werld wider sie erwecken, drumb dasz meine lere nicht ubereintregt mit den lüsten dieszer werld M. Risch paraphr. Erasmi über d. ev. Joh. (1524) P p 1a; mancherley ungewitter und sturmwetter der widerwertigkeit J. Nas antipap. eins u. hundert 4, 184; hier durch schnee und frost eine blume. wie durch das eis und sturmwetter des lebens meine liebe Göthe IV 3, 36 W.; ganz verinnerlicht: aber der nidig mentsch, swaz der gter dinge siht an andren lúten, da von wirt zehant ain sturmwetter in sim hertzen st. Georgener prediger 179 Rieder; nicht selten sind auch concrete übertragungen: disz grosze ungestüm und sturmwetter der bengel und prügel Bastel v. d. Sohle junker Harnisch (1648) 153; Sancho kroch hinter seinen esel und verbarg sich dort vor dem sturmwetter von steinen, das auf sie beide herabstürzte Tieck don Quichotte (1799) 1, 324; vgl.: e sturmewetter in de hose han in einem fort furzen Follmann lothr. 511; concretisiert: holz, das der wind gefällt und gebrochen hat, kommt unter folgenden namen vor: gefäll, wintfall ... wetterschlag, sturmwetter rechtsalterthümer 2, 25.

[Bd. 20, Sp. 675]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturmwidder, m., dass. wie sturmbock: sturmwidder, sonst aries genant ... etliche haben starcke bäum vornen mit eysen spitzig beschuchet und seind mit solchen 8, 10 oder 12 starcker männer an ein maur oder eysene thür ... geloffen ... etlich seind noch grösser und mit rossen oder ochsen angeführt (16. jh.) zeitschr. f. dtsch. altert. 43, 100; die esinen köpff der sturmwider W. Xylander Polybius (1574) 39;

ein starcke mawer feld nicht nider
mit einem stos von eim sturmwider
A. Lobwasser calumnia f 2;

viel räderleitern, thürme gabs bei ihnen,
sturmwidder auch
Gries Bojardos verl. Roland (1835) 4, 345;

er ... hatte ..., den kopf als sturmwidder ansetzend, den bauern an bein und hüfte unterfaszt W. Alexis Isegrim (1854) 1, 81.
 
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sturmwillig, adj.: waren alle streitbare, umlaufende, sturmwillige kerle Schottel horrendum bellum grammaticale (1673) 57.
 
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sturmwind, m. , schon im ahd. belegtes wort: sturmwint nimpha ahd. gl. 1, 69, 4 Steinmeyer-Sievers; nimphus 1, 213, 33; 2, 316, 47; turbo 1, 261, 6; gelegentlich finden sich formen mit compositions-e: stormewint Lüb. chron. bei Schiller-Lübben 4, 415; sturmewind Hans Sachs 2, 255; 3, 157; 19, 381 lit. ver.; eine bildung vom verb aus: stürmwind R. v. Liliencron hist. volksl. 3, 3: als die marnern, dye nach hertten sturmwinden in ein gert porten lenden und keren Hartlieb d. buch Ovidii v. d. liebe (1482) 5b; von einem grausamen sturmwint angesprungen wurden Arigo decameron 650 lit. ver.; grosz sturmwindt wurfen vil gebeuw nider Seb. Franck chron. Germ. (1538) 132b; ein schiffspatron, ... der ungestümen, harten sturmwinde wol gewonet v. Chemnitz schwed. krieg 2, vorr. 2; warum zerstiebten die sturmwinde den spreu nicht? Gerstenberg Ugolino 240 nat. lit.; der sturmwind zauste in unserm haare J. Rank erinnerungen (1896) 134; oft der pfingstliche sturmwind:

kam der hailig gaist in das haus
als ain sturmwind mit aim gepraus
Fischart 3, 150 Kurz;

da eines sturmwindes stimm erscholl,
da wurden sie, gott, deiner voll
Klopstock geistl. lieder (1773) 1, 124;

sturmwind unter biblischem einflusz als anzeichen, bote oder diener des herrn: wan ir habt euch nicht genachent ... zu der turmlung und zu der tunkel und zu dem sturmwind und zu dem done des horns und zu der stimm der wort codex Teplensis 2, 106 Huttler; wie wenet ir, das es denen geen werd an der zeyt, so die groszen sturmwind komen rauschen Tauler sermones (1508) l 2a; dampf und sturmwind richten sein wort aus, sie sind ihm gehorsam Dannhawer catechismusmilch 1, 268; der sturmwind heult, ihn (gott) anzusagen Karsch in schlesw. litbr. 93 lit. denkm.; geradezu der sturmwind gottes:

wird die zertrümmerten gedanken
dein sturmwind, gott, verwehn?
Schubart sämtl. ged. (1825) 1, 5;

wo dir gottes sonne zuerst schien ... und seine sturmwinde dir mit heiligem schrecken durch die seele brauseten E. M. Arndt schriften für u. an s. l. Dtsch. 1, 271; vgl. noch Schiller 1, 182 G.; Schenkendorf ged. (1815) 44; der sturmwind wird verlebendigt:

der sturmwind taucht dabei ins meer
die flügel
E. v. Kleist 1, 117 Sauer;

auf dem sturmwind reitet er um die kirche W. Hauff (1890) 3, 18; 'den winden brot geben' ... heiszt ursprünglich, die hungrigen sturmwinde füttern und besänftigen J. Grimm kl. schr. 2, 109; häufiger vergleich führt zur schon stereotypen wendung wie ein sturmwind: wie ein sturmwind war er auch von St. Germain hinweg gesprengt Laube (1875) 15, 98; wie ein sturmwind fuhr der teufel hinterdrein br. Grimm deutsche sagen 1, 138.
reichlich ist bildlicher gebrauch, der häufig in den uneigentlichen hinübertritt: wie wol aber ich weysz, das

[Bd. 20, Sp. 676]


meyn Satan nichttz gutis gegen myr furnympt, der auch sollch sturmwind myr tzu lieb erhebt, szo weysz ich doch auch widderumb, das Christus noch lebt und regiert Luther 6, 78 W.; da onderdesz die königin mit iren räthen gantz Franckreych regierte und es mit wunderbarlichem sturmwind umbtrieb Stumpf Schweizerchron. (1606) 272b; kompt einmal glück, es kommen fünff sturmwind hernach Petri d. Teutschen weish. 2, L l 8b; also wer ... den zweck erlangen sol, darf sich durch die sturmwinde ... nicht verhindern lassen Chr. Weise polit. redner (1677) 150; mit genetivobject: der tod befreiet den menschen von allem unrath und sturmwinden des elenden glücks A. Hondorff hist.- u. exempelbuch (1572) 403a; sturmwind ('widrigkeit') der zeiten Schottel haubtspr. 29; man glaubt vor den aufgeschlagenen ungeheuren büchern des schicksals zu stehen, in denen der sturmwind des bewegtesten lebens saust Göthe 21, 309 W.; der sturmwind des krieges E. M. Arndt 5, 110 R.-M.; sturmwind der menschenrechte W. Schäfer lebenstag (1917) 247.
personen werden bildhaft als sturmwind bezeichnet: Urbanus ..., ein rechter Turbanus, turbator orbis, das ist, der die welt voll unruh macht; oder vielmehr turbo et procella urbium, das ist ein windsbraut, ungewitter und sturmwindt, ein verwirrer und zerstörer der städte Zach. Müntzer bapstl. geschicht (1566) 312;

ein man soll nicht ein sturmwind sein
Fischart 3, 135 Hauffen;

wer eine frau nimmt, führt den sturmwind wohl in sein haus ein E. M. Arndt 6, 126 R.-M.; ich sehe, wie dieser sturmwind in weibskleidern (frau v. Staël) durch unser ruhiges Deutschland fegte Heine 6, 25 Elster.
vereinzelt: (Katzenveit) liesz ihm ein solchen starcken knipperdollichten sturmwind (furz) unter das angesicht lauffen Prätorius Katzenveit (1665) l 7a. zusammensetzungen. sturmwindartig Grässe jägerbrevier 2, 266; sturmwindsbraus Rückert (1867) 1, 315; -eile v. Schubert erzählungen (1843) 1, 105; -fittig G. O. Marbach ged. 84; -flug Deinhardstein (1848) 4, 160; -flügel Schubart 9, 259 Strausz; Hebbel briefe (1904) 2, 299; -pfeifen M. Schneckenburger dtsche lieder (1870) 66.
 
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sturmwindicht, sturmwindig, adj.: verticosus, procellosus, nimbosus sturmwindicht E. Alberus nov. dict. genus (1540) 59b; θυελλήεις procellosus sturmwindig Frischlin nomencl. (1586) 8b; dieser sturmwindige und dabei heitere tiefblaue himmel Jean Paul 11-14, 481 Hempel.
 
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sturmwirbel, m., auch sturmeswirbel; drehsturm: gewaltige, grawsame windtsbraut und sturmwirbel C. Dieterich weisheit Salomos (1627) 1, 552; das rauschen des regens, welches donnerschlägen und sturmwirbeln melodisch nachklang H. v. Chézy unvergessenes (1859) 1, 180; und sie wandte sich, alsbald in den aufwallenden sturmwirbeln der wüste verschwindend Fouqué jahreszeiten 2, 78; von sturmeswirbeln umkreiset, erbebt das jägerhaus K. Gutzkow ges. w. 1, 288; im vergleich: über äcker und wiesen, über haideland und bäche trieb ihn die furcht, wie ein sturmwirbel Veit Weber holzschnitte (1793) 48; der getroffene held aber, wie vor einem sturmeswirbel, seitwärts taumelte Fouqué altsächs. bildersaal 4, 355. —
 
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sturmwitterung, f.: die sturmwitterung komt gemeiniglich aus dem südosten O. Dapper Africa (1670) 347a. —
 
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sturmwoge, f., auch sturmeswoge; vom sturm aufgepeitschte wasserwoge: (das kap der guten hoffnung,) das den sturmwogen eines zerstörenden südstromes in den zeiten der sündfluth mit seiner südlichsten, hohen felsenstirn trotz bot Ritter erdkunde 5, 651; hinter ihnen, so weit das auge reicht, der ozean, der seine sturmeswogen unaufhaltsam heranwälzt Spielhagen 3, 96; bildlich: um dem meere nahe zu sein, welches mit wunderbarer gewalt in mir windstille und sturmwogen schafft Immermann 7, 236 Boxberger; du bist das öl auf den sturmwogen deiner familie Ricarda Huch d. letzte sommer (1910) 81.

[Bd. 20, Sp. 677]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturmwolke, f., sturmbringende wolke: die fernen sturmwolcken Lohenstein Arminius (1689) 1, 140b;

trüb an dem fernen Olymp
sammeln sich sturmwolken
Klopstock oden (1889) 1, 154;

in den jagenden sturmwolken sahen die Germanen ... seelen vorüberziehen Laistner nebelsagen (1879) 118; im vergleich: einer sturmwolke ähnlich hatten sie sich auf den feind geworfen L. Häuszer dtsche gesch. 4, 374; sein blauer domino ihn wie eine sturmwolke umflatterte Heine werke 3, 334 Elster; übertragen: die bogenschützen aus morgenland warfen sturmwolken schwirrender pfeile über sie hin W. Schäfer 13 bücher d. deutschen seele (1923) 49; bildlich:

der waffen donnerklang, die sturmwolck ist gewichen
A. Gryphius trauersp. 198 Palm;

die sturmwolken verzogen, aufthat sich der freudenhimmel Fr. L. Jahn werke 2, 465; da die sturmwolken also über den himmel flogen, versammelte sich die auszerordentliche tagsatzung, dasz sie das drohende unwetter beschwöre J. Görres ges. schr. 6, 263. —
 
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sturmwort, n., stürmisches wort: und nach stammeln und sammeln wagte er einen unverdeckten angriff mit folgenden sturmworten gaben der milde (1818) 4, 138 W. Gubitz;

sturmesworte hör ich sausen
F. Raimund werke (1881) 2, 73.


 
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sturmwüste, f.: als der morgen kam, sahen wir nichts als ... schnee und finstere sturmwüste Brehm tierleben 3, 243 Pechuel-Lösche; o, die vielen sturmwüsten, die hundert eisströme, ... die gewesen sind zwischen uns und dem vaterland P. Rosegger schr. I 10, 42. —

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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