Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sturmläuter bis sturmlos (Bd. 20, Sp. 656 bis 658)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturmläuter, m., 'qui campanarum sono incolas excitat' Frisch 2, 353; ein sturmluder (a. d. j. 1470) ebda; die zwei oder drei sturmläuter ... erlebten die freude nicht, einen pöbelauflauf zu bewürken J. G. Müller familie Benning (1808) 1, 503.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sturmleiter, f.
1) leiter, die beim sturm zum ersteigen von wall und mauer dient; seit dem 14. jh. belegt: 200 grosser sturmlaittren (1388) bei Lexer 2, 1279; ain wagen mit sturmleitern (1490) bei Fischer schwäb. 1, 1934;

[Bd. 20, Sp. 657]


das gantz heer laufft an mit gewalt
mit sturmlaittern und gwerter handt
H. Sachs 11, 331 lit. ver.;

derhalben solten wir mit standthafften hertzen die sturmleitern anwerffen N. Höniger saracen. gesch. (1580) 89; bereiteten sturmleitern, umb mitternacht die stadt zu ersteigen Binhardus thüring. chron. (1613) 259; wo die brücken und sturmleutern zu legen wären Lohenstein Arminius (1689) 2, 848; den werfe ich über die sturmleiter herunter, dasz er hals und kragen bricht samml. v. schauspielen (1764) 10, 36; das erklettern der brustwehr miszlang ..., weil es an sturmleitern fehlte v. Alten handb. f. heer u. flotte 4, 301; scherzhaft:

im garten bei nacht — das lusthaus ohne wacht —
sturmleitern daran — Cupido führt an
Eichendorff (1864) 3, 417;

gelegentlich im sinne von 'feuerleiter' gebraucht: feuerinstrumenten, als sturmleitern und feuerhacken Hondorff saltzwerk zu Halle (1670) 56; bildlicher gebrauch ist nicht selten: es ist keine einzige seite, kein einziger, noch so verdeckter winkel (der christlichen religion), dem er seine sturmleitern nicht angeworfen Lessing 13, 22 L.-M.; wohl hat Jean Paul die sturmleiter an die mysterien der dichtkunst gestellt B. Goltz ein jugendleben (1852) 1, 117; (sie) legte auch bald die sturmleiter an, um in die bresche, die sie in das herz der zuhörer gesungen, einzudringen Börne (1829) 4, 10.
2) eine strickleiter über der reeling zum besteigen oder verlassen des schiffes, vgl. Bobrik naut. wb. 676; Kluge seemannsspr. 768: er verrichtete mechanisch sein werk und enterte auf der ihm zugeworfenen sturmleiter wieder zu deck Smidt meeresstille (1861) 292; langsam fangen sie an, die sturmleitern, die von seiner (des dampfers) hohen, regenglänzenden eisernen wand herabhängen, hinaufzuklettern Frenssen Klaus Baas (1909) 147.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
stürmler, m., dass. wie stürmer 1 a: im wütenden handgemenge und handgranatenkampf, in welchem unsere stürmler meister sind, wird die sich zäh wehrende grabenbesatzung niedergemacht gesch. d. ehem. schützenregiments nr. 6 (1932) 325.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sturmleute, pl., die anstürmenden: traffe Cordoanum dermassen wolgerüst an, das die sturmleuth von pfeiln ... grossen schaden namen Tib. Dreifelder historie des hauses Est (1580) 10a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
stürmlich, adj. (adv.), vom mhd. bis ins 17. jh. belegt, dann durch stürmisch verdrängt.
1) selten und nur bis ins spätmhd. reichend ist die bedeutung vom elementarischen genommen:

daz uns die sturmlîchen ünden
slahen iht ze grunde
Ulrich v. Eschenbach Alex. 14804;

und (gott) sprach uz sturmlichen winde,
daz ist: ingeformten stimmen,
di her sam uz neble swimmen,
als uf dem berge Sinai
got phlac sprechen Moysi Hiob 14038 Karsten.


2) anstürmend, kriegerisch:

die stat er sturmlich gewan Ludwigs kreuzfahrt 174;

ubergeweltigiten ... das stätlin und gewunnens, aber nicht mit stürmlicher gewalt, besunder mit geding Baumann qu. z. gesch. d. bauernkrieges 759; also versag sich Marcellus wol, sie würden am ersten nach ihr gewonheyt mit eynem geschrey und sturmblich kommen, rennen und lauffen bisz an die mawr Carbach Livius 123b.
ein vereinzelter gebrauch ist das folgende: do überobert (beim sturm auf Jerusalem) durch gottes verhengnüs und hilf der obgenant graf Eckhart sein stürmlich ort (vermutlich der ihm zugeteilte abschnitt der auszenbefestigung) wider sein gegenstreiter und mit werlicher handt kam er mit seinem panir ... an die stat ... als aber das ort an der stat gewunnen wart, da vielen die ritter gottes an den streit mit grossen scharen und wurden die porten an der stat geöffnet U. Füetrer bayr. chron. 143 Spiller.
3) erstürmbar, sturmreif: zwey, drey oder vier tage die stad mit fleis beschieszen und wo es halbicht sturmlich

[Bd. 20, Sp. 658]


gemacht wird, von stund darauff gestürmet, dieweil das volck in der erschrecknis ist D. Wintzenberger beschr. einer kriegsordnung (1588) f 4a.
4) zum stürmen (stoszen, kämpfen) tauglich: disz (ein wildes tier in Böhmen) ist wie ein wilder ochsz, mit stürmlichem gehörn S. Franck weltbuch (1534) 49a.
5) aufrührerisch, tumultuarisch: insonderheit erhub sich durch anstellung eines erbarn manns Georg Metzlern ... ein rottirung und zusammenlauffung ausz allen umbligenden ortn, sturmlichen zu hauffen, gleich wie die bienen, wann sie stoszen P. Haarer bawrenkrieg (1625) 11.
6) schon mhd. uneigentlich, 'heftig,' 'stürmisch' u. ä.; häufig mit adverbiellem gebrauch:

diu gewaltærinne Minne
diu was ouch in ir sinne
ein teil ze sturmelîche komen
Gottfried v. Straszburg Tristan 963 R.;

als in sîn muot lêrteund sîn sturmlîcher sin Ortnit 562;

alsbald nun Adolf den Albrecht ansichtig ward, was im so jach, dasz er vor der zeit und gemachter ordnung auff hertzog Albrecht so sturmlich rant, dasz sich der streit zu beden seitten im julio wol ein halben tag verzohe S. Franck Germ. chron. (1539) 204b; do ward die suw grynen und die zen weczen und stiesz den wolff stürmlich in das güssbett Stainhöwel Äsop 216 lit. ver.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sturmlicht, n.:

lasz nicht ein sturmlicht den verstand
und einen fluch die kraft erscheinen
A. v. Droste-Hülshoff werke (1879) 3, 180.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sturmlied, n., kriegs-, kampflied oder aufrührerisches lied: jeden bedrohenden kriegsruf, jedes mordheischende sturmlied Fouqué altsächs. bildersaal 4, 287;

sturmlieder hast du kühn gesungen
J. Kerner d. lyr. ged. (1854) 385.

lied, im sturm gesungen: wanderers sturmlied von Göthe;

ein sturmlied singen die matrosen
D. v. Liliencron sämtl. w. 7, 163.

der heutige tag, da der wind sein sturmlied singt Kircheisz weltumsegelung (1928) 3; meeres sturmlied E. Leibl zelt unterm stern (1931) 50. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
stürmlingen, adv., wie jählingen neben jählings: es soll ouch ein jeder christ den blöden, die etwas wänend unrecht syn ..., das nit unrecht ist, vorgeben und nit glych stürmlingen überpochen Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 376. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sturmlinie, f. atmosphärisch: aus dem nordwesten hinter dem vorgebirge zogen sturmwolken hervor und unter ihnen zog sich die tiefblaue sturmlinie quer über das meer J. F. Fries Julius u. Evagoras (1822) 2, 388. linie der anstürmenden truppen: indessen folgte der ersten sturmlinie beinahe auf dem fusz eine zweite Schaffner dechant v. Gottesbüren (1917) 142. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sturmloch, n., gleich bresche; im 16. u. 17. jh. gebräuchlich; später wird dafür sturmlücke (s. d.) häufiger: fellet in die maure wol auf 24 schch breit von oben herab z einem grossen sturmloch Baumann qu. z. gesch. d. bauernkriegs 769; banckarmbrust, darausz man grosse stein wirfft und sturmlöcher Bech Agricolas bergwerksb. (1621) 9; man sol die festung der stadt bis in das stehende wasser auslegen, damit der feind ... verhindert werde, aus seinen schiffen stiller weise die stadt zu bestürmen, wan er etwan ein stormloch durch einige heimliche springhöhle gemacht Zesen kriegsarbeit (1672) 1, 121; weil aber die belägerten des ... Rhetegones kinder in dem sturmloche an die spitze stellten, liesz Fabius ... vom sturme abblasen Lohenstein Arminius (1689) 1, 892b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sturmlos, adj., ruhig, ohne sturm; bildlich: und stürzt mich in die tiefe der bekümmernisz, da ich meine, den sturmlosen trosthafen schon ergriffen zu haben? Buchholtz Herkules (1666) 1, 843;

fällt dann spät und sturmlos einst dir müden,
sanft verbleicht, des lebens blüthe ab
H. Grünig ged. (1836) 78;

[Bd. 20, Sp. 659]


aufruhrlos, gestillt: herzlich freute mich das unternehmen an sich und dies unternehmen von dir! in dieser zeit! — in diesem so sanften, sturmlosen ton Herder 12, 354 S.; die glanzvollen und sturmlosen götter E. M. Arndt 1, 138; eine sturmlose zeit Fr. L. Jahn (1884) 1, 409.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 21 bis 30 von 41 Nächste Treffer Vorherige Treffer
21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
Artikel 21 bis 30 von 41 Nächste Treffer Vorherige Treffer