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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sturmhöhe bis stürmischkeit (Bd. 20, Sp. 647 bis 652)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturmhöhe, f., sturmumbrauste höhe: durch ... den anwachs schritten im abendglühen zwei alte leute gegen die sturmhöhe hinan P. Rosegger schr. II 10, 398; eben war er aus dem finstern waldgürtel ... in die sturmhöhe emporgekommen C. Hauptmann hütten am hange (1914) 197. anders: wie still wirds jetzt unter meinen fenstern, wo den ganzen tag lang ein ununterbrochenes ausrufen von fischen, brod und polenta mit schiffergezänk die tonwellen oft zur sturmhöhe treibt E. Förster reisen in Italien 1, 120. —
 
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sturmhorn, n., alarmhorn:

da ertönte vom thurm das gellen des kreischenden sturmhorns
Kanngieszer Tataros 34.


 
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sturmhügel, m., im 17. jh. seltene bezeichnung für 'schanze': und warffen, gegen der Metulier neuauffgeworffener mauer, zween bollwercke oder vielmehr sturmhügel auf Valvasor ehre d. herzogthums Crain (1689) 4, 2, 76.
 
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sturmhut, m.
1) ursprünglich eine kopfbedeckung zum schutz im kampfe; von der 'sturmhaube' und dem 'helm' durch die hohe, spitze und breitkrempige form unterschieden; er war, mit dem brustharnisch und der lanze, vorwiegend die schutzwaffe der knechte und einfachen reiter: ein hoher spitziger teutscher sturmhut Kirchhof milit. discipl. (1602) 44;

thet ein eyszren sturmhut auff tragen,
der einen preitten umbschweiff het
H. Sachs 9, 496 lit. ver.;

neben anderen waffen genannt: brauchen nicht mehr als den sturmhut, bantzer und schild J. Boterus allg. weltbeschr. (1596) 2, 58b;

dein helm und schwerdt würff du hie nider
vnd setz jetzt auff disen sturmhut
vnd gebrauch forthin disz schwerdt gut!
J. Ayrer dramen 1036;

insonderheit müsten bey erster gelegenheit die ritter helme abschaffen und an dern stat sturmhüte tragen Bucholtz Herkuliskus (1665) 877. im 16. und 17. jh. waren dann vor allem die büchsen- und hakenschützen, die arkebusiere und musketiere mit sturmhüten ausgerüstet: es soll keiner ... eines andern ... rüstung entlehnen, stürmhüdt oder hacken Reutter v. Speir kriegsordnung (1594) 16; die beste mit sturmhüten und schönen rohren gerüste schützen Kirchhof mil. disc. (1602) 111; welche mit einer musqueten, schuszfreyem sturmhut und mit einer rondassen armirt seynd Wallhausen kriegszmanual (1616) 68; dies gilt ebenso für die freiwilligen bürgerschützen in den städten: wo aber einiger were, so des schiessens geübt oder dartzue lust hette, der soll bei einer langen birschbüxen mit schwamm und fewerschlosz sambt dartzue gehörigen

[Bd. 20, Sp. 648]


pulverflaschen ... sambt einer guten seitenwöhr und sturmhut bleiben (1544) Frankfurter zunfturkunden 1, 111.
2) wie bei der sturmhaube ist schon früh der unterschied zwischen dem eigentlichen sturmhut und dem helm verwischt, und beide werden synonym gebraucht, vgl. galea, cassis helm, sturmhut Golius (1571) 177. die prächtige ausschmückung, die dem sturmhut seit dem 15. jh. zuteil wird, stellt ihn dem ursprünglich vornehmeren helm gleich:

sin stormhod wog achthalven pund,
gesmükt med perlen unde med gold
R. v. Liliencron hist. volksl. 1, 30;

dise wahr auf amazonisch gekleidet, hatt einen vergüldeten sturmhuht aufgesäzt Zesen adriat. Rosemund 51 ndr.; während er ... das behelmte, reichbeglänzte, federumwallte haupt verneigend tief herunter bog, und damit in den lichtkreis der fackeln kam, wollten einige bemerkt haben, eine juwelenstrahlende krone winde sich rings um den prächtigen sturmhut her Fouqué zauberring (1813) 3, 187.
3) nach dem dreiszigjährigen kriege entwickelte sich aus dem eisernen, der doch nicht gegen schüsse schützte und zu schwer war, ein leichterer lederner sturmhut, der hoch war, eine breite krempe hatte und innen stark gefüttert war: der sturmhut musz an form und art sein wie des rittmeisters seiner J. W. Neumair kriegsregeln (1625) 34; und ein jeder auf dem haubt einen schwartzen, mit lack überzognen sturmhut hatte Chr. Arnold wahrhaft. beschr. (1672) 446. daraus entwickelt sich, auch für den zivilisten, die bedeutung 'groszer, hoher hut', s. Fischer schwäb. wb. 5, 1933; besonders die studenten nahmen ihn in ihre renommistische tracht (s. DWB stürmer 2 e) auf: dadurch, dasz der altdeutsche kampfwart erst ein mitmann, und zuletzt ein beiständer und lebendiger schildhalter geworden; durch stichblätter wie suppenteller, durch sturmhüte, riesenstulpen, schlaghosen und stiefeln wie löscheimer ist sie (die jugend) auf den hohen schulen sehr ausgeartet Fr. L. Jahn werke 2, 8 Euler;

die feder am sturmhut, in spiel und gefahren
D. v. Liliencron sämtl. w. (1922) 2, 122.


4) infolge der modeänderung erhielt im 18. jh. der dreispitz die bezeichnung sturmhut; sie hielt sich im süddeutschen volksmund bis ins 19. jh.: ehe sie aber die werkstatt verlieszen, kaufte sich jeder noch etwas apartes, der Knöpfleschwab einen bratspiesz (degen), der Allgäuer einen sturmhut mit einer feder drauf L. Aurbacher volksbüchl. (1835) 196; eine kleine, narrige persönlichkeit, die aus mitleid den posten erhalten hatte und papiernen sturmhut und hölzernen degen führte J. Rank erinner. 77; edelmann mit langem rock und 'sturmhut' Hartmann volksschausp. in Baiern 23; daher hiesz in der alten österreichischen armee der dreispitzige federhut der generalstabsoffiziere und ärzte scherzhaft sturmhut Horn soldatenspr. (1899) 67.
5) aus 3 bildet sich, in konkurrenz mit sturm in der bedeutung 'aufstand', die verwendung von sturmhut für die militärähnliche kopfbedeckung der bürgergarden, studentenlegionen u. s. w. heraus, die besonders im vormärz in die erscheinung traten: der schläfrigste wirft seine mütze ab und setzt fluchend den sturmhut auf (bei einem volksaufstand) L. Tieck schr. 20, 378; die zeit, wo unsere jünglinge ihre lebensaufgabe erfüllt zu haben glaubten, wenn sie den deutschen sturmhut mit der kühnen feder aufgestülpt und den schleppsäbel umgeschnallt hatten, ist rascher vorübergegangen, als man erwarten durfte Hebbel w. 11, 34 W.; wo ist dein sturmhut und dein prächtiger bart, du armer junge von der legion? G. Freytag ges. w. 15, 127; weiter dann auch von den wachstuchkappen der landwehr und des landsturms: einen sturmhut hatte er auf, wie landwehrmänner zu kriegszeiten P. Rosegger schr. I 15, 151.
6) auch grosze, weibliche schirmhüte werden im 18. jh. sturmhut genannt: reifröcke ... sturmhüte allg. dtsch. bibl. 69, 600; mögen unsere schönen in ihren sturm- und schirmhüten ... über die beinah nackten amerikanischen

[Bd. 20, Sp. 649]


mädchen die nase rümpfen: die natur ... weisz zuletzt doch am schönsten zu kleiden Zschokke ausgew. schr. 3, 313.
7) im gebirge ist der sturmhut ein hut, der vor dem wettersturm schützt, mit ohren- und backenschutz: er brach einen zweig und steckte denselben auf seinen sturmhut Zschokke ausgew. schr. 32, 327; die skelette wissens, die irgendwo im ewigen schnee, fern von den augen der menschen sitzen, noch mit sturmhut und joppe und bergschuhen angethan Stratz der weisze tod 182.
8) wegen der ähnlichkeit der blüten werden botanisch mehrere gattungen von aconitum sturmhut genannt: aconitum neomontanum Schlechtendal 2, 108; ac. anthora ebda 9, 242; ac. napellus Pritzel-Jessen 9; ac. lycoctonum Holl 82a; auch geranium aconitifolium Schlechtendal 21, 139.
9) zoologisch, eine wanzenart: (zu Stolls abbildungen und beschreibungen der cikaden und wanzen) wir führen hier nur diejenigen an, welche noch nicht beschrieben und abgebildet zu seyn scheinen; der sturmhut aus Surinam ... allg. dtsche bibl. 70, 155.
 
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stürmicht, adj., auch stürmigt, selten neben stürmig und stürmisch, veraltet; elementarisch: wann der neue jahrstag auf einen sonntag fällt, so wird ein stiller und ruhiger winter, stürmigter frühling v. Hohberg georg. cur. aucta (1715) 3, 95a; weil aber keiner ohne permission hinaus kommen darff, durffte derselben bei dem seither einigen tagen gewesenen und noch stark anhaltenden stürmigten und mit regen vermischten wetter die zeit etwas lang fallen (1714) Berliner geschriebene zeitungen 248; nachdem zuvor ... das wasser mit einem südwestlichen stürmichten winde eine stärckere ebbe oder ausflusz gemacht hatte Breslauer samml. von natur- u. medic.-geschichten (1717) 3, 413;

des oceans stürmicht gestade
E. v. Kleist werke 1, 240 Sauer;

mit übertragung: wenn ... tieger ... die augen von deinen stürmichten locken drehen maler Müller werke (1811) 1, 175.
 
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stürmig, adj. , neben stürmisch, heute veraltet.
1) kriegerisch; 'dem sturm dienend':

daz er wolde sturmic werc
stiftin wider Kungisberc
Nic. v. Jeroschin 11783;

meist im sinne von 'angriffs-, sturmtüchtig': impetuose stürmig (15. jh.) Diefenbach 289a;

sind sie gewaffnet gleich, so will ich dennoch gehn,
gewaffnet nu mit zorn und stürmig an sie lauffen
Opitz opera, geistl. u. welt. ged. 1, 231;

auch der stürmige Ares legt
nieder den scharfen spitzigen spiesz
Herder 22, 159 S.

bildlich: wenn der teuffel ... auff unser hertz stürmig keme zugerennet, so musz er doch mit schauder abgleiten oder gar umbwerffen V. Herberger traurbinden (1611) 1, 45.
2) elementarisch, wind, wetter, wasser u. s. w.: wan die gedult ein so starker segel ist, das in falsche bose und sturmige winde nicht zureizzen mugen Joh. v. Neumarkt Hieronymus 44 Benedict; der (wind) hat so hart und plotz stürmig gewehet, dasz er hat viel heuser, beum und kirchturmspitzen eingerissen S. Hüttel chron. d. stadt Trautenau 68;

es war schon um die zeit, wenn kalt und stürmig wettert
der strenge Boreas
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 240;

die stürmgen winde haben sich gelegt
Herder 11, 300 S.;

der wagte sich hin zu im in daz trüb stürmig wasser Seuse dtsche schr. 81 Bihlmeyer;

mein schiff zu retten auf stürmiger see
Herder 25, 474 S.;

allein desz harten und stürmigen wetters halben konte er daselbst nicht anlegen M. Krämer leben u. tapffere

[Bd. 20, Sp. 650]


thaten (1681) 30; faule und stürmige jahrszeiten Herder 14, 557 S.; am fusz der säule des himmels, des stürmigen Ätna Heinse sämtl. w. 4, 387 Sch.; mit sinnlicher übertragung: nach seinem tode wart ... auf dem kirchhove ein so sturmiger grausamer don Joh. v. Neumarkt Hieronymus 196 Benedict;

bis ihm des athems stürmge züge stocken
Rückert werke 2, 299.


3) die letzten belege deuten schon den weg zu abstracter anwendung an, die stark entfaltet ist und in den modernen mundarten zu ganz speciellen bedeutungen führt, vgl. stormig vehemens (15. jh.) Diefenbach 608c; insolens ebda 301b: er was von dem himelschen vater in eime lieplîchen umbevange mit stürmiger kraft unwizzende in einem ûfkapfenden geiste meister Eckhart bei Pfeiffer mystiker 2, 50; das ir rede nicht störrisch oder stürmig ... sey Mathesius Sarepta (1571) 132b;

Christus de heylandt, vnsze here,
hefft lange geslapen up dussem mere:
nu ys he wedder op gewaket,
vnsze stormige herte still gemaket
B. Waldis verlor. sohn 10 ndr.;

sie ward von wilden leidenschaften der menschen, die in verbindung mit andern noch stürmiger wurden, oft gestört Herder 14, 247 S.; von den menschen unmittelbar: Esau facit timentes, ungeduldige, sturmige geyste Luther 9, 397 W.; Cornelius nennet disz volck frantzösisch und einer sturmigen art Seb. Franck chron. Germ. (1538) 206a; dis gebot gielt den stürmigen und schelligen köpffen Mathesius Syrach (1586) 70b; ein fürnemer herr ... suchet und hub unfrieden an gegen männiglich, war sturmig, ungeberdig Kirchhof wendunmuth 2, 353 lit. ver.; dieser bösewicht und störer der gemeinen ruhe ... machte den hertzog, welcher vorhin schon würmig, aufs neue stürmig E. Francisci schau- u. ehrenplatz (1684) 24; ihr werdet alsdenn erfahren, was dieser liquor vor trefliche krafft habe, und wie so gar wenig euer, sonst stürmiger mann, rumoren werde v. Hohberg georgica curiosa aucta (1715) 3, 80a.
4) ganz speciell, cimbrisch und tirolisch: sturnig störrisch; dumm, aberwitzig; betäubt, schwindelig Schöpf 726; storneg benebelt Schmeller cimbr. 176; vgl. hiezu: sehen sie mit den augen sturmig und grasz die leuth an, ... ist ein zeichen der taubsucht Paracelsus chir. (1618) 12 Huser; vielleicht auch 'störrische, bösartige schlange': der moltwurm oder sturrnig schlang (1475) bei Fischer schwäb. 5, 1935.
 
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sturmigel, m., verteidigungswerkzeug; runder, mit eisernen stacheln besetzter balken, den man auf die anstürmenden feinde herabfallen liesz, s. Eggers 2, 1055; Jacobsson technol. wb. 4, 347b.
 
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stürmiglich, adv. und adj., im mhd. gebildete verstärkung zu stürmig, die nach dem 16. jh. nicht mehr belegt ist. im kampf vom stürmischen anlaufen:

sie lief in under ougen sturmeglichen an Wolfdietrich 737, 1;

und kumen mit irem geschütze stormiglichen über die Sachsen Wigand Gerstenberg chron. 29 Diemar; sie drangen aber so stürmiglich hinein, dasz viel auff der seiten hinab in den graben fielen G. Forberger warhafftige beschreibungen (1570) 38; vom vogelflug: ain rapp ... flouge stürmglich mit geschutten synes gefiders ungestüm uff ainen wider (vehementi cum strepitu ac stridore) Stainhöwel Äsop 243 Ö.; uneigentlich: wölcher ist söllicher sachen oder der stürmklichen gericht so begirig, der von den worten Bernhardi nicht beweget oder auch erschrocken werd (für lat.: judicialis strepitus) Stainhöwel spiegel menschl. lebens (1479) 54b.
 
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sturminstrument, n., belagerungsgerät: grosze kugeln und allerlei sturminstrumenten E. Francisci lufftkreis (1680) 868; dieses ungeheure sturminstrument Abr. a s. Clara etwas für alle 2, 412.
 
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stürmisch, adj. , seit dem mhd. belegt (s. mhd. wb. 2, 2, 717), doch vor dem 16. jh. äuszerst karg. diese bildung

[Bd. 20, Sp. 651]


hat sich im nhd. gegenüber ähnlichen (s. stürmerisch, stürmig, stürmlich) allein durchgesetzt. entgegen sturm liegt der hauptanwendungsbereich des wortes heute im uneigentlichen (s. u. 5).
1) an den kriegerischen sturm knüpft die bedeutung in wenigen frühen belegen an: ich bin dazu geboren, das ich mit den roten und teuffeln mus kriegen und zu felde ligen, darumb meiner bücher viel stürmisch und kriegisch sind Luther 30, 2, 68 W.; selten in junger sprache: als er endlich sie (die schlacht) lieferte, überwand er seinen stürmischen gegner Mommsen röm. gesch. 2, 236. hierher auch stürmischer angriff: sie (die maurischen reiter) meinen es selten mit diesen stürmischen angriffen ernsthaft Tieck (1828) 19, 384; dasz die groszen leiber der germanischen krieger nur zum stürmischen angriff tüchtig gewesen seien Fouqué gefühle, bilder 1, 204.
2) 'aufrührerisch': so ich doch nichts denn seynem rottischem, sturmischem und schwermischem geyste widder stehe Luther 18, 68 W.; wie nun der Zwingel von Carlstadt diese grille auffgefangen, hat er zugleich auch etwas von seinem stormischen geist empfangen G. Nigrinus anticalvinismus (1595) 453; äuszerlicher in jungen belegen: Wladislaw II. war kein mann, um den stürmischen adel in zaun zu halten Ranke s. w. 2, 285.
3) 'aufbrausend, schroff, heftig, ungestüm':

da ist sie nicht ruhmorisch,
gegen kind und gsind nicht stürmisch
Nic. Schmidt zehen teufel (1557) f 1b;

hette sie (die tochter) meinen stürmischen schedel nicht so wol gewust, ich weisz, sie hette ihn die stunde noch nicht für ihren gümpel angenommen Schoch studentenleben (1657) d 3b; ir gesicht und wesen ist sauer, unfreundlich, stürmisch Dapper Africa (1671) 463b; ein weib solle nicht rauh und stürmisch, sondern freundlich und leutselig von sitten seyn v. Hohberg georg. curiosa 3, 79b; da ist der unerzogene, stürmische mann gleich davon gelaufen Gottsched dtsche schaubühne 4, 280; ein stürmischer, genialischer jüngling E. M. Arndt (1892) 1, 33; heftig, aufbrausend, stürmisch, ein zelot Ranke 37, 114; besonders oft stürmischer liebhaber: ist dieser schmeichelnde, stürmische liebhaber der kalte Tellheim? Lessing 2, 255 L.-M.; stürmischen verehrern Costenoble tagebücher 1, 8; vgl. mundartlich: stürmisch aufgeregt Martin-Lienhart 2, 614.
vereinzelt bleibt die übertragung auf ein starkes, hitziges getränk:

ein stürmisch bier, das im gehirne tobet
J. E. Schlegel (1761) 4, 131.


4) stürmisch von den bewegungen der elemente. allgemein: hierauf war es immer kälter und stürmischer geworden Göthe IV 21, 319 W.; je stürmischer um lichtmesz, je sicherer ein schön frühjahr Körte sprichwörter 151.
stürmischer wind: der nortwind ... ist der aller stürmiste wind Barth weiberspiegel (1565) 78b;

und halte (herbst) die stürmischen winde zurück
Giseke poet. werke (1767) 110.

stürmisches meer, stürmische see, wogen u. s. w.: das (meer) welches so stürmisch und von vilen schiffbrüchen übel berichtiget Butschky Pathmos (1677) 601; (völker) die blosz das stürmische meer ernährt Haller Usong (1771) 53; von dem stürmischen meer des hoflebens Gleim briefw. 1, 421 Körte; nach einer beschwerlichen fahrt bei stürmischer see Heilmann pelop. krieg (1760) 316; in einem kahn allein auf die stürmische see O. Jahn Mozart 4, 165; das land der wahrheit, umgeben von einem weiten und stürmischen oceane Kant 3, 202 akad. ausg.; die stürmische woge Fr. Schlegel (1846) 4, 125. stürmischer himmel, stürmische witterung u. s. f.:

der himmel will sich selbst bey meiner fürstin reisen
in reinster heiterkeit, nicht länger stürmisch weisen
B. Neukirch bei Hoffmannswaldau u. a. D. ged. 7, 214;

die witterung des himmels war damals ungemein kalt und stürmisch Leipz. avanturieur (1756) 2, 102; nachmittags

[Bd. 20, Sp. 652]


bin ich der frau cammerherrin bei sehr stürmischem wetter entgegen gereiset Zinzendorf tageb. in zs. f. brudergesch. 1, 140. von den zeiten:

(frühling) der immer beblühmet und grünend verbleibt,
dieweil ihn kein stürmischer winter vertreibt
Triller poet. betracht. (1750) 1, 497;

der stürmische herbst Lenz 16 Weinhold; dieser unbeständige und stürmische aprill Lohenstein Arminius 2, 1511b; an einem stürmischen herbstabend E. T. A. Hoffmann 10, 90 Gr.; besonders häufig und läufig die stürmische nacht:

schwarz und stürmisch war die nacht
Göthe 1, 181 W.;

stürmischer als eine decembernacht J. M. Miller briefw. dreier ak. freunde (1778) 1, 101; eine rauhe stürmische winternacht A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 265; stürmische novembernacht W. v. Polenz Grabenhäger 1, 250. von sturmumbrausten örtlichkeiten: auf dem stürmischen hügel Göthe 37, 67 W.; der fürst der stürmischen inseln Bürger 283 B.; der mensch verwildert in wilden, stürmischen zonen Schiller 1, 166 G.
5) vornehmlich von 3 und 4 her entwickelt, tritt stürmisch seit dem 17. jh. in zunehmendem, zuletzt unbegrenztem masze als attribut neben die verschiedensten abstracta. hier nur einige beispiele:

und kehrt euch nichts an ihr geschrey,
ob es schon noch so stürmisch sey
Moscherosch gesichte (1650) 2, 789;

stürmisches geseufz Shakespeare 3, 153; stürmische und zärtliche gesänge Gleim briefw. 1, 220 Körte; stürmische angst Lessing 2, 347 L.-M.; von stürmischer freude Adelung lehrgeb. 2, 565; stürmischer jubel Ruge briefw. u. tageb. 2, 13; meiner stürmischen wünsche Heinse 4, 368 Sch.; zu dem stürmischen auftritt im park Mörike 3, 149; von einem stürmischen gefühl Caroline 2, 48 Waitz; stürmisches denken Auerbach (1892) 3, 7; stürmische entwicklung unsrer politik Bismarck ged. u. erinn. 2, 184; besonders oft von zeit und leben: möchten doch die jetzigen stürmischen zeiten durch einen baldigen frieden wieder ruhig werden Gottschedin briefe 1, 111 Runkel; in den stürmischen zeiten des 14. und 15. jahrhunderts Eichhorn dtsche staats- u. rechtsgesch. (1822) 3, 219; o des stürmischen lebens maler Müller (1811) 1, 353;

möchte dir mein leben gleichen,
das oft trüb und stürmisch ist
Becker mildh. liederb. 15.


6) zusammensetzungen. stürmischbewegt Hölderlin 1, 220 Litzmann; -grimm Ahlwardt Ossian 1, 136; -heiter Novalis 2, 95 Minor; -kalt Gottsched ged. (1828) 2, 199; -rasch J. Nordmann ged. 249; -regnerisch Göthe 35, 100 W.; -trüb Kerner lyr. ged. (1854) 15; -wogend Schiller 6, 399 G.
 
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stürmischkeit, f.; vom wetter: die auf sehr niederen mittlern luftdrucke beruhende stürmischkeit der atmosphäre Ratzel völkerkunde 2, 668; uneigentlich: die schrift war zuweilen schwierig zu lesen, sie änderte sich von der stelle agrarischen idylls bis zur unberechenbaren stürmischkeit, aber immer war sie geistvoll und schön A. Ulitz narrenkarosse (1917) 171.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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