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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sturmhengst bis sturmhut (Bd. 20, Sp. 646 bis 647)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturmhengst, m., bildlich:

bald reitet ein weiszer sturmhengst ins land
E. Leibl zelt unterm stern (1931) 95.

[Bd. 20, Sp. 647]



 
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sturmherr, m., stürmischer herr: die schutzherren werden oft zu sturmherren v. Haller restauration d. staatswiss. 4, 421; es scheint sich um ein schwäbisches geflügeltes wort zu handeln, denn auch Fischer führt an, die württembergischen klöster klagten, dasz sich ihre schirmherren in stürmherren verkehrt hätten schwäb. wb. 5, 858. —
 
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sturmherzig, adj., kampfbeherzt: Johann des einaugers, seines sturmherzigen ahnen, blut rinnt in Wenzel H. Watzlik Phönix (1916) 101. —
 
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sturmherzog, m.: der Teutschen sturmherzog ist er (Blücher) gewesen J. Görres ges. schr. 2, 61. —
 
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sturmhimmel, m.: er blätterte fieberhaft, indes ... am wilden, zerrissenen sturmhimmel allerlei wundergestalten und erscheinungen sich zeigten E. v. Handel-Mazzetti in d. dtsch. rundschau 155, 12; bildlich: wie der harmonische contrast zweier farben neben einander dem auge wohlthut, so erquickt mirs die seele, neben dem sturmhimmel der poesie die ruhe und kristallhelle des wissenschaftlichen geistes zu schauen E. v. Niendorf aus der gegenwart (1844) 39. —
 
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sturmhistorie, f.: doch wir ... vermelden nur noch zur ergänzung dieser sturm- und sündfluthshistorie, mit wenigem, dasz auch selbige in mehreren gegenden und ländern ... observiret worden Breslauer sammlung v. natur- u. medic.-gesch. (1717) 3, 421. —
 
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sturmhöbel, m., dass. wie sturmhafen, s. Fäsch kriegslex. (1735) 242b. —
 
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sturmhöhe, f., sturmumbrauste höhe: durch ... den anwachs schritten im abendglühen zwei alte leute gegen die sturmhöhe hinan P. Rosegger schr. II 10, 398; eben war er aus dem finstern waldgürtel ... in die sturmhöhe emporgekommen C. Hauptmann hütten am hange (1914) 197. anders: wie still wirds jetzt unter meinen fenstern, wo den ganzen tag lang ein ununterbrochenes ausrufen von fischen, brod und polenta mit schiffergezänk die tonwellen oft zur sturmhöhe treibt E. Förster reisen in Italien 1, 120. —
 
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sturmhorn, n., alarmhorn:

da ertönte vom thurm das gellen des kreischenden sturmhorns
Kanngieszer Tataros 34.


 
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sturmhügel, m., im 17. jh. seltene bezeichnung für 'schanze': und warffen, gegen der Metulier neuauffgeworffener mauer, zween bollwercke oder vielmehr sturmhügel auf Valvasor ehre d. herzogthums Crain (1689) 4, 2, 76.
 
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sturmhut, m.
1) ursprünglich eine kopfbedeckung zum schutz im kampfe; von der 'sturmhaube' und dem 'helm' durch die hohe, spitze und breitkrempige form unterschieden; er war, mit dem brustharnisch und der lanze, vorwiegend die schutzwaffe der knechte und einfachen reiter: ein hoher spitziger teutscher sturmhut Kirchhof milit. discipl. (1602) 44;

thet ein eyszren sturmhut auff tragen,
der einen preitten umbschweiff het
H. Sachs 9, 496 lit. ver.;

neben anderen waffen genannt: brauchen nicht mehr als den sturmhut, bantzer und schild J. Boterus allg. weltbeschr. (1596) 2, 58b;

dein helm und schwerdt würff du hie nider
vnd setz jetzt auff disen sturmhut
vnd gebrauch forthin disz schwerdt gut!
J. Ayrer dramen 1036;

insonderheit müsten bey erster gelegenheit die ritter helme abschaffen und an dern stat sturmhüte tragen Bucholtz Herkuliskus (1665) 877. im 16. und 17. jh. waren dann vor allem die büchsen- und hakenschützen, die arkebusiere und musketiere mit sturmhüten ausgerüstet: es soll keiner ... eines andern ... rüstung entlehnen, stürmhüdt oder hacken Reutter v. Speir kriegsordnung (1594) 16; die beste mit sturmhüten und schönen rohren gerüste schützen Kirchhof mil. disc. (1602) 111; welche mit einer musqueten, schuszfreyem sturmhut und mit einer rondassen armirt seynd Wallhausen kriegszmanual (1616) 68; dies gilt ebenso für die freiwilligen bürgerschützen in den städten: wo aber einiger were, so des schiessens geübt oder dartzue lust hette, der soll bei einer langen birschbüxen mit schwamm und fewerschlosz sambt dartzue gehörigen

[Bd. 20, Sp. 648]


pulverflaschen ... sambt einer guten seitenwöhr und sturmhut bleiben (1544) Frankfurter zunfturkunden 1, 111.
2) wie bei der sturmhaube ist schon früh der unterschied zwischen dem eigentlichen sturmhut und dem helm verwischt, und beide werden synonym gebraucht, vgl. galea, cassis helm, sturmhut Golius (1571) 177. die prächtige ausschmückung, die dem sturmhut seit dem 15. jh. zuteil wird, stellt ihn dem ursprünglich vornehmeren helm gleich:

sin stormhod wog achthalven pund,
gesmükt med perlen unde med gold
R. v. Liliencron hist. volksl. 1, 30;

dise wahr auf amazonisch gekleidet, hatt einen vergüldeten sturmhuht aufgesäzt Zesen adriat. Rosemund 51 ndr.; während er ... das behelmte, reichbeglänzte, federumwallte haupt verneigend tief herunter bog, und damit in den lichtkreis der fackeln kam, wollten einige bemerkt haben, eine juwelenstrahlende krone winde sich rings um den prächtigen sturmhut her Fouqué zauberring (1813) 3, 187.
3) nach dem dreiszigjährigen kriege entwickelte sich aus dem eisernen, der doch nicht gegen schüsse schützte und zu schwer war, ein leichterer lederner sturmhut, der hoch war, eine breite krempe hatte und innen stark gefüttert war: der sturmhut musz an form und art sein wie des rittmeisters seiner J. W. Neumair kriegsregeln (1625) 34; und ein jeder auf dem haubt einen schwartzen, mit lack überzognen sturmhut hatte Chr. Arnold wahrhaft. beschr. (1672) 446. daraus entwickelt sich, auch für den zivilisten, die bedeutung 'groszer, hoher hut', s. Fischer schwäb. wb. 5, 1933; besonders die studenten nahmen ihn in ihre renommistische tracht (s. DWB stürmer 2 e) auf: dadurch, dasz der altdeutsche kampfwart erst ein mitmann, und zuletzt ein beiständer und lebendiger schildhalter geworden; durch stichblätter wie suppenteller, durch sturmhüte, riesenstulpen, schlaghosen und stiefeln wie löscheimer ist sie (die jugend) auf den hohen schulen sehr ausgeartet Fr. L. Jahn werke 2, 8 Euler;

die feder am sturmhut, in spiel und gefahren
D. v. Liliencron sämtl. w. (1922) 2, 122.


4) infolge der modeänderung erhielt im 18. jh. der dreispitz die bezeichnung sturmhut; sie hielt sich im süddeutschen volksmund bis ins 19. jh.: ehe sie aber die werkstatt verlieszen, kaufte sich jeder noch etwas apartes, der Knöpfleschwab einen bratspiesz (degen), der Allgäuer einen sturmhut mit einer feder drauf L. Aurbacher volksbüchl. (1835) 196; eine kleine, narrige persönlichkeit, die aus mitleid den posten erhalten hatte und papiernen sturmhut und hölzernen degen führte J. Rank erinner. 77; edelmann mit langem rock und 'sturmhut' Hartmann volksschausp. in Baiern 23; daher hiesz in der alten österreichischen armee der dreispitzige federhut der generalstabsoffiziere und ärzte scherzhaft sturmhut Horn soldatenspr. (1899) 67.
5) aus 3 bildet sich, in konkurrenz mit sturm in der bedeutung 'aufstand', die verwendung von sturmhut für die militärähnliche kopfbedeckung der bürgergarden, studentenlegionen u. s. w. heraus, die besonders im vormärz in die erscheinung traten: der schläfrigste wirft seine mütze ab und setzt fluchend den sturmhut auf (bei einem volksaufstand) L. Tieck schr. 20, 378; die zeit, wo unsere jünglinge ihre lebensaufgabe erfüllt zu haben glaubten, wenn sie den deutschen sturmhut mit der kühnen feder aufgestülpt und den schleppsäbel umgeschnallt hatten, ist rascher vorübergegangen, als man erwarten durfte Hebbel w. 11, 34 W.; wo ist dein sturmhut und dein prächtiger bart, du armer junge von der legion? G. Freytag ges. w. 15, 127; weiter dann auch von den wachstuchkappen der landwehr und des landsturms: einen sturmhut hatte er auf, wie landwehrmänner zu kriegszeiten P. Rosegger schr. I 15, 151.
6) auch grosze, weibliche schirmhüte werden im 18. jh. sturmhut genannt: reifröcke ... sturmhüte allg. dtsch. bibl. 69, 600; mögen unsere schönen in ihren sturm- und schirmhüten ... über die beinah nackten amerikanischen

[Bd. 20, Sp. 649]


mädchen die nase rümpfen: die natur ... weisz zuletzt doch am schönsten zu kleiden Zschokke ausgew. schr. 3, 313.
7) im gebirge ist der sturmhut ein hut, der vor dem wettersturm schützt, mit ohren- und backenschutz: er brach einen zweig und steckte denselben auf seinen sturmhut Zschokke ausgew. schr. 32, 327; die skelette wissens, die irgendwo im ewigen schnee, fern von den augen der menschen sitzen, noch mit sturmhut und joppe und bergschuhen angethan Stratz der weisze tod 182.
8) wegen der ähnlichkeit der blüten werden botanisch mehrere gattungen von aconitum sturmhut genannt: aconitum neomontanum Schlechtendal 2, 108; ac. anthora ebda 9, 242; ac. napellus Pritzel-Jessen 9; ac. lycoctonum Holl 82a; auch geranium aconitifolium Schlechtendal 21, 139.
9) zoologisch, eine wanzenart: (zu Stolls abbildungen und beschreibungen der cikaden und wanzen) wir führen hier nur diejenigen an, welche noch nicht beschrieben und abgebildet zu seyn scheinen; der sturmhut aus Surinam ... allg. dtsche bibl. 70, 155.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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