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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sturmhaftig bis sturmheld (Bd. 20, Sp. 644 bis 646)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturmhaftig, adj.: ein tunckel und sturmhaftiges gewitter W. Schultz ostind. reise (1676) 229a. —
 
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sturmhagel, m., mit sturm vermischter hagel; vergleichend: dan dessen ich oft vil eltern warnungsweis zu erinnern pflegt, will ich auch allhie widerholet vnd versichert haben, das keyn verfluchter giftsuchterblicher art der menschen, vnd welches meher vnd ehe die jugend vndüchtige vnd wie eyn sturmhagel niderschmettere, als die zutüttler vnd orenkrauer gefunden werd Fischart 3, 310 Hauffen.
 
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sturmhaken, m. 1) artilleristisch, eine geschützart: den lesten sept. quemen to Revel 2 halve slangen, eine halve last pulver und etliche stormhaken an van Hamborch Renner livl. hist. 214 Hausmann; die 'doppel(mauer)haken' und 'sturmhaken' schossen bleikugeln im gewicht von 4 lth. — 1 pfd. H. Ziegler geschützinschriften (1886) 9. 2) starke hölzerne oder eiserne stange mit eisernen haken zum einreiszen der mauern beim ansturm oder bei einem brand: drei leitern, zwen sturmhacken, zwo gablen (1586) Frankfurter zunfturk. 1, 482; s. Aler dict. (1727) 2, 1862a; Lueger lex.2 8, 394; dann auch, um beim eisgange balken und dergleichen aus den fluten zu retten: eben hatte ich beim eisgange mit huronischer thätigkeit einem guten bekannten sein sommerhäuschen von der Mulde retten helfen und mit dem sturmhaken in der hand auf einer eisscholle am strome gestanden Seume an Gleim 197 Planer-Reiszmann. 3) eiserner haken an fenstern oder an türen, der das zuschlagen im wind verhüten soll, s. Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 358; Karmarsch-Heeren techn. wb.3 8, 655; Unger-Khull steir. wortschatz 588a.
 
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sturmhammer, m., klöppel der sturmglocke: denn der herr wird dir deine gewichte abschneiden, die dich haben gezogen, wie einen groszen sturmhammer, der das feuer ankündiget B. Bahnsen göttl. offenbahrungen (1664) 159. —
 
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sturmharfe, f.: eine sturmharfe musz losbrausen, mit orkanen aus der ganzen windrose Fr. L. Jahn briefe (1831) 335.
 
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sturmhaspel, m., ein verteidigungsmittel, etwa 'spanischer reiter', vgl. Fäsch kriegslex. (1735) 242a. dazu sturmhaspelspiesz, -spille ebda; -spitze Jacobsson 7, 492b.

[Bd. 20, Sp. 645]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sturmhaube, f. , seit dem 16. jh. verzeichnet.
1) die kopfbedeckung.
a) ursprünglich wohl eine haube aus festem stoff zum schutz des kopfes: (das wasserrosz) hat ... ein harte haut, darausz man schyltlin und sturmhauben machet v. Eppendorff Plinius (1543) 8, 61; vergönnt mir zuvor dem eigenen herzen luft zu machen, denn es wird von der liebe gepreszt wie das leder zu einer sturmhaube A. v. Kotzebue sämtl. dram. w. 25, 221; scherzhaft:

weintrichter warn ir sturmhaubn,
ir pulverflasch gebraten tauben
H. Sachs 5, 339 lit. ver.


aber schon bald wird sturmhaube gleichbedeutend mit 'helm' gebraucht, vgl. cassis sturmhauben Dentzler clavis ling. lat. (1716) 2, 281a; helm, eine sturmhaube Gottsched dtsch. sprachkunst (1748) 78; merckt ihrs ir eyerbrütling, warumb ir im helm geboren werd und warumb ihr weint, wann man euch dieselb sturmhaub abzieht? Fischart Gargantua 309 ndr.; auch wenn antiken göttern die sturmhaube beigelegt wird, ist natürlich immer der helm gemeint:

die (Pallas) hat umb die sturmhaub von öhlbaum einen kranz
Weckherlin ged. 2, 356 lit. ver.;

der wilde krieg ... ist den wissenschaften hold, und ich glaube, dasz die wissenschaftsgöttin Minerva um deswillen eine sturmhaube, lanze und andere kriegsrüstung trage, auf dasz man erkenne, wie wol die wissenschaft und der degen zusammen stehen Lindenborn Diogenes (1742) 1, 63; wann ich erst Alexander dem Groszen seine sturmhaube mit füssen tretten werde Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 425; auch sonst geht aus dem zusammenhang vielfach hervor, dasz unter sturmhaube direct ein helm zu verstehen ist: wenn man die rüstung fieret, soll ein jeder ruckhen und krebs, schurz und ermel, auch kragen und plechhandschuch, auch alle einspennige, junckhern und knecht ire sturmhauben füeren (16. jh.) pfälz. hofordnung 2, 191 Kern; da sahen sie von der lincken seiten her vier reuter mit panzern und sturmhauben herzunahen Bucholtz Herkuliskus (1665) 110; ihre groszen schilde, ihre schweren harnische ... und das gewicht ihrer sturmhauben hindert sie von allen seiten zu fechten M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 2, 79; besonders aus der beschreibung: auf dem kopf hatte er eine von messing gegossene sturmhaube J. Chr. Beer Asia (1681) 1, 205b; bedeckt euer haupt mit der drohenden sturmhaube, ergreift das breite gute schwert! E. T. A. Hoffmann sämtl. w. 11, 39 Grisebach; die krieger muszten glühende ... flocken von ... den reichbefiederten sturmhauben losschütteln Fouqué jahreszeiten (1812) 2, 47.
im 19. jh. ist dann auch die soldatische kopfbedeckung ebenfalls noch sturmhaube genannt worden; zunächst ironisch von der preuszischen 1843 neueingeführten pickelhaube: tragen sie ... casketts von glänzendem wachsleinen, oder haben sie auch die preuszische sturmhaube schon über sich kommen lassen, ich weisz es nicht K. Gutzkow ges. w. 4, 404; nach Bächtold nennt der Schweizer soldat heute sein käppi sturmhube aus leben u. spr. d. Schweizer soldaten (1916) 60. vgl. auch sturmhube helm der 'feuerläufer' Staub-Tobler 2, 954; von hier übertragen: demokratische sturmhaube 'heiszsporn' ebda.
b) gelegentlich wird aus der ähnlichkeit heraus auch eine frauenkopfbedeckung als sturmhaube bezeichnet, vgl. auch DWB sturm III 2: sturmhube frauenhaube mit sog. 'stürmen' (17. jh.) Staub-Tobler 2, 954; den bürgerfrauen muszte es oft untersagt werden, nicht mit ... sturmhauben einherzustolziren Becker weltgesch. 5, 217.
c) aus demselben grunde findet man dieallerdings selteneverwendung von sturmhaube als 'maske' im 18. jh.: statt der masque, deren sich Nestan im zweeten aufzug bedient, musz sturmhaube gesetzt werden Löwen schr. (1765) 4, b 7a; ich habe sie schon gesehen ... diese komödienspieler ..., die den kopf in ... sturmhauben stecken hatten Wieland Lucian v. Samosata (1788) 4, 349. vielleicht hiesz auch so im 18. jh. eine art strafmaske für

[Bd. 20, Sp. 646]


verbrecher: damit auch vor allen dingen hierbey die heylsame justiz in acht genommen werde, ist noch hierzu unentbehrlich ein jagdlandknecht oder jagdvoigt, welcher ... die verbrecher oder rebellische bauern schlieszen und feste machen, und einem verbrecher die sturmhaube gewöhnlich auffsetzen kan H. v. Fleming vollk. jäger (1719) 1, 276.
d) ebenso hatten die männer im 18. jh. eine art hohen hutes, den sie sturmhaube nannten (vgl. DWB stürmer 2 e): ich ... verlor auf dem alten neumarkte meine sturmhaube vom kopfe der Leipziger avanturieur (1756) 1, 196;

ach Phyllis! um gleich jenen knaben
in sturmhaub und perrück und stern
so froh die fluren zu durchtraben
Lenz ged. 113 Weinhold;

wir sind beyde zu gutmüthig, um nicht jedem seine sturmhaube ... zu gönnen Thümmel reisen 4, 261; im 19. jh. bestand zwar noch das hutformat, aber der alte name nur noch vergleichsweise: er hatte nicht unterlassen ..., einen hut aufzusetzen, der mit hoch emporragender krempe einer sonderbaren sturmhaube glich E. T. A. Hoffmann sämtl. w. 11, 52 Grisebach.
2) aus gründen der ähnlichkeit finden mehrfach übertragungen in wissenschaftlicher nomenclatur statt.
a) cassis, der helm, die sturmhaube oder haube das obere und gröszere, helm- oder mützenförmige kelchblatt bei aconitum Bischoff wb. d. beschr. botanik 32.
b) sturmhaube wolfswortel, munnikskapjes Kramer-Moerbeek (1768) 333c.
c) eine schneckenart: buccina cassidea Nemnich 583; s. auch Zappe mineral. handlex. 1, 235; Ritter erdk. 1, 832.
d) ein schmetterling: phalaena libatrix Nemnich 583.
e) medicinisch: 'eine besondere art eines heftigen kopfschmerzes, der ringsum den kopf wie ein breites band oder wie eine sturmhaube einschlieszt', neuralgia (18. jh.) bei Höfler krankheitsnamen 221.
 
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sturmhauch, m., auch sturmeshauch:

doch weckte vom eisernen schlaf ihn
nicht das steigen und sinken des wiegenden nachens, kein sturmhauch
Lavater verm. schr. 1, 282;

die luft tönte von sturmeshauch und meeresrauschen Storm 4, 207; die hundertjährigen stämme brachen ... blos von dem drucke des sturmhauches P. Rosegger schr. I 12, 322; der sturmeshauch gottes hat sie (die Armada) zerstreut! Ranke s. w. 14, 320. —
 
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sturmhaufe, m., auch sturmeshaufe, militärische bezeichnung für die zum stürmen angesetzten einzelnen infanteriescharen:

auf stadt Leipzig rückten wir gleich mit sturmeshaufen
v. Ditfurth 100 hist. volksl. 97;

der herzog beschlosz die erstürmung der anhöhe von Valmy. schon drangen drey seiner sturmhaufen heran Dahlmann frz. revol. (1845) 457; die französischen sturmhaufen in der gegend des dorfes Braye dtsch. heeresbericht vom 21. april 1917; bildlich: damit sie auch desto sicher giengen, solte ihnen der tumultmachende sturmhauffe der vorwörter ge, zum vor- und nachzuge mitgegeben werden Schottel horr. bellum grammat. (1673) 72. —
 
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sturmhaus, n., im 16. jh. für sturmdach, bei belagerungen: und machten sturmheüser mit bleiden wol zu und wolten sturmen Grunau preusz. chron. 2, 14; derohalben ... führten die Langobarden schiltdächer und sturmheuser an, die mauren zu undergraben Wurstisen Pauli Aemilii historien (1572) 1, 193. —
 
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sturmheld, m., kampfheld:

jetzt, ihr männer, ist unser der sieg! frohlockte der sturmheld
Baggesen poet. w. (1836) 1, 73.

 

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21) sturmgesträubt
 ... sturmgesträubt , adj. : ein sturmgesträubter tann R. Dehmel ges. w. 2, 248 .
 
22) tann
 ... tann , s. tanne .
 
23) tann
 ... tann , m. ein weiter wald ( vgl.
 ... die jeger jagten in dem tann. Rebmann 186 ;
 ... das kriegend hölden - volk, dasz in dem tann gewohnt, hat in abgötterei seins bluts auch nicht
 ... eingeführt: wer suchen will im wilden tann, manch waffenstück noch finden kann. Uhland
 ... im felde oder im tiefen tann. Simrock volksb. 1, 211 ; der
 ... volksb. 1, 211 ; der hauste im dunkeln tann Scheffel Ekkeh. 324 ;
 ... 324 ; selbst wenn den höchsten tann zersplittert der wetterstrahl in meinem schosz
 
24) tann
 ... tann , m. spätmhd. und frühnhd. tan, boden
 
25) tannast
 ... tannast , m. tannenast schweiz. idiot. 1, 575, tann - , tannenast Wander sprichw. 4,
 
26) tännchen
 ... tännchen , n. dim. zu tann und tanne, vgl. tännlein.
 
27) tanne
 ... f. abies, eigentlich der waldbaum ( s. tann und tannbaum 1), ahd.
 ... roth - , schwarztanne u. a.: abies haiʒt ain tann und ist ze latein vil gesprochen sam ain aufgängel,
 ... dem gemainen namen abies; aber sie sprechent, daʒ diu reht tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât daʒ
 ... diu hât daʒ allerweiʒist und daʒ allerlüftigst holz. 314, 12; tann ist ein groszer baum; ... sie werden nit gearbeitet und
 ... 7 § 1. 5) tannenwald ( s. tann): ich pflege meinen gang nach der tanne zu haben, weisz
 ... 6) die zusammensetzungen bilden sich eigentlich mit tann - , tanne - , uneigentlich mit tannen -
 
28) tannenbaum
 ... plattd. dannebôm. 1) waldbaum ( s. tann): ein eichen, ein tennen tanpaum Tucher baumeisterb.
 
29) tännlein
 ... tännlein , n. , demin. zu tann und tanne, vgl. tännchen : da
 
30) tannmark
 ... tannmark , n. , schweiz. tann - , tannenmark, valeriana offic. Campe. Pritzel
 
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