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stürmlich bis sturmmann (Bd. 20, Sp. 657 bis 659)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stürmlich, adj. (adv.), vom mhd. bis ins 17. jh. belegt, dann durch stürmisch verdrängt.
1) selten und nur bis ins spätmhd. reichend ist die bedeutung vom elementarischen genommen:

daz uns die sturmlîchen ünden
slahen iht ze grunde
Ulrich v. Eschenbach Alex. 14804;

und (gott) sprach uz sturmlichen winde,
daz ist: ingeformten stimmen,
di her sam uz neble swimmen,
als uf dem berge Sinai
got phlac sprechen Moysi Hiob 14038 Karsten.


2) anstürmend, kriegerisch:

die stat er sturmlich gewan Ludwigs kreuzfahrt 174;

ubergeweltigiten ... das stätlin und gewunnens, aber nicht mit stürmlicher gewalt, besunder mit geding Baumann qu. z. gesch. d. bauernkrieges 759; also versag sich Marcellus wol, sie würden am ersten nach ihr gewonheyt mit eynem geschrey und sturmblich kommen, rennen und lauffen bisz an die mawr Carbach Livius 123b.
ein vereinzelter gebrauch ist das folgende: do überobert (beim sturm auf Jerusalem) durch gottes verhengnüs und hilf der obgenant graf Eckhart sein stürmlich ort (vermutlich der ihm zugeteilte abschnitt der auszenbefestigung) wider sein gegenstreiter und mit werlicher handt kam er mit seinem panir ... an die stat ... als aber das ort an der stat gewunnen wart, da vielen die ritter gottes an den streit mit grossen scharen und wurden die porten an der stat geöffnet U. Füetrer bayr. chron. 143 Spiller.
3) erstürmbar, sturmreif: zwey, drey oder vier tage die stad mit fleis beschieszen und wo es halbicht sturmlich

[Bd. 20, Sp. 658]


gemacht wird, von stund darauff gestürmet, dieweil das volck in der erschrecknis ist D. Wintzenberger beschr. einer kriegsordnung (1588) f 4a.
4) zum stürmen (stoszen, kämpfen) tauglich: disz (ein wildes tier in Böhmen) ist wie ein wilder ochsz, mit stürmlichem gehörn S. Franck weltbuch (1534) 49a.
5) aufrührerisch, tumultuarisch: insonderheit erhub sich durch anstellung eines erbarn manns Georg Metzlern ... ein rottirung und zusammenlauffung ausz allen umbligenden ortn, sturmlichen zu hauffen, gleich wie die bienen, wann sie stoszen P. Haarer bawrenkrieg (1625) 11.
6) schon mhd. uneigentlich, 'heftig,' 'stürmisch' u. ä.; häufig mit adverbiellem gebrauch:

diu gewaltærinne Minne
diu was ouch in ir sinne
ein teil ze sturmelîche komen
Gottfried v. Straszburg Tristan 963 R.;

als in sîn muot lêrteund sîn sturmlîcher sin Ortnit 562;

alsbald nun Adolf den Albrecht ansichtig ward, was im so jach, dasz er vor der zeit und gemachter ordnung auff hertzog Albrecht so sturmlich rant, dasz sich der streit zu beden seitten im julio wol ein halben tag verzohe S. Franck Germ. chron. (1539) 204b; do ward die suw grynen und die zen weczen und stiesz den wolff stürmlich in das güssbett Stainhöwel Äsop 216 lit. ver.
 
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sturmlicht, n.:

lasz nicht ein sturmlicht den verstand
und einen fluch die kraft erscheinen
A. v. Droste-Hülshoff werke (1879) 3, 180.


 
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sturmlied, n., kriegs-, kampflied oder aufrührerisches lied: jeden bedrohenden kriegsruf, jedes mordheischende sturmlied Fouqué altsächs. bildersaal 4, 287;

sturmlieder hast du kühn gesungen
J. Kerner d. lyr. ged. (1854) 385.

lied, im sturm gesungen: wanderers sturmlied von Göthe;

ein sturmlied singen die matrosen
D. v. Liliencron sämtl. w. 7, 163.

der heutige tag, da der wind sein sturmlied singt Kircheisz weltumsegelung (1928) 3; meeres sturmlied E. Leibl zelt unterm stern (1931) 50. —
 
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stürmlingen, adv., wie jählingen neben jählings: es soll ouch ein jeder christ den blöden, die etwas wänend unrecht syn ..., das nit unrecht ist, vorgeben und nit glych stürmlingen überpochen Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 376. —
 
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sturmlinie, f. atmosphärisch: aus dem nordwesten hinter dem vorgebirge zogen sturmwolken hervor und unter ihnen zog sich die tiefblaue sturmlinie quer über das meer J. F. Fries Julius u. Evagoras (1822) 2, 388. linie der anstürmenden truppen: indessen folgte der ersten sturmlinie beinahe auf dem fusz eine zweite Schaffner dechant v. Gottesbüren (1917) 142. —
 
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sturmloch, n., gleich bresche; im 16. u. 17. jh. gebräuchlich; später wird dafür sturmlücke (s. d.) häufiger: fellet in die maure wol auf 24 schch breit von oben herab z einem grossen sturmloch Baumann qu. z. gesch. d. bauernkriegs 769; banckarmbrust, darausz man grosse stein wirfft und sturmlöcher Bech Agricolas bergwerksb. (1621) 9; man sol die festung der stadt bis in das stehende wasser auslegen, damit der feind ... verhindert werde, aus seinen schiffen stiller weise die stadt zu bestürmen, wan er etwan ein stormloch durch einige heimliche springhöhle gemacht Zesen kriegsarbeit (1672) 1, 121; weil aber die belägerten des ... Rhetegones kinder in dem sturmloche an die spitze stellten, liesz Fabius ... vom sturme abblasen Lohenstein Arminius (1689) 1, 892b. —
 
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sturmlos, adj., ruhig, ohne sturm; bildlich: und stürzt mich in die tiefe der bekümmernisz, da ich meine, den sturmlosen trosthafen schon ergriffen zu haben? Buchholtz Herkules (1666) 1, 843;

fällt dann spät und sturmlos einst dir müden,
sanft verbleicht, des lebens blüthe ab
H. Grünig ged. (1836) 78;

[Bd. 20, Sp. 659]


aufruhrlos, gestillt: herzlich freute mich das unternehmen an sich und dies unternehmen von dir! in dieser zeit! — in diesem so sanften, sturmlosen ton Herder 12, 354 S.; die glanzvollen und sturmlosen götter E. M. Arndt 1, 138; eine sturmlose zeit Fr. L. Jahn (1884) 1, 409.
 
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sturmlücke, f., bresche (s. auch sturmloch): wie man in ein statt, die man zum sturm beschossen und in deren vil sturmlucken sind, hineinlauft (1582) Staub-Tobler 3, 1256; die statt beschossen, dermossen ein brätschen oder sturmlucken gemacht (1591) ebda; die verdeutscher greifen das wort auf: man könnte mauerbruch (für 'bresche') sagen, wenn man nicht schon das ganz bequeme wort sturmlücke oder sturmlucke hätte Kinderling reinigkeit (1795) 118; ähnlich Heynatz, Campe; bildlich: der allgemeine wahn, Stilling habe noch einigen hang zur schwärmerei ..., schien bei den kabalisten die schwache seite zu seyn, wohin sie ihre kanonen richten und sturmlücken schieszen müszten Jung-Stilling sämtl. schr. (1835) 1, 379; der protestantismus war ... die erste sturmlücke, welche in die nationale selbstständigkeit dieses volkes geschossen wurde Th. Mundt völkerschau auf reisen (1839) 262; weiter: die verhandlungen und verträge ... haben es so geordnet und gestellt, dasz die grosze französische vertheidigungslinie von Valenciennes bis Bitsch durchbrochen und eine sturmlücke von fünfundvierzig meilen in ihr geöffnet ist Görres ges. schriften 3, 294. —
 
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sturmluft, f., wie 'sturmwind': ein sturmluft den gloggenturn abgeworfen (1674) Staub-Tobler 3, 1160. neuerdings 'sturmbewegte luft': ich schlürfe mit vollen zügen die sturmluft Hailbronner morgenland u. abendland (1841) 3, 63; wie sie (die geschosse) sich polternd durch die gequälte sturmluft drängen! G. Frenssen die brüder (1920) 375; bildlich: die stärkende sturmluft des wettbewerbes um die politische macht R. Sieghart d. letzt. jahrz. einer groszmacht (1932) 85. —
 
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sturmlustig, adj.: sturmlustige möve P. Cornelius lit. werke 1, 88; anders:

ich denke hoher ehren,
sturmlustger jugendzeit
Geibel werke (1888) 3, 90.


 
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sturmmann, m.: zum wehr- und sturmmann wird der mensch selten zu alt und zu kalt Fr. L. Jahn 2, 448; neuerdings ist sturmmann ein dienstgrad in der nationalsozialistischen S.A. (sturmabteilung). —

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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