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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
storren bis störrischer sinn (Bd. 19, Sp. 424 bis 434)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) storren, n. , subst. infin. des vorigen.
1) als krankheitserscheinung: wenn man ain pflaster darauʒ (aus der wurzel von 'gladiolus') macht mit honig und mit öl und daʒ legt auf des milzes stat, sô benimt eʒ dem milz sein plæen und sein storren Megenberg 404, 11 (vgl. Schmeller2 2, 779).
2) wie das gewöhnlichere starren (th. 10, 2 sp. 925 unter II 4): amblyopia das storrn, wann einer die augen weit aufsperret, und sihet immer ein ding an Alberus.
 
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störren, verb., im sinne von storren, m., 6 und störrig. mit j-suffix besonders gebildet: störren, esser, mostrarsi ostinato, duro, contumace, pervicace; ostinare, perfidiare, star saldo it. esser moroso, zotico sulla sua Kramer dict. 2, 986b; hier neben einer form stürren (wie sturren neben storren); vgl. auch elsäss. styre neben sturren Martin-Lienhart 2, 611b.
 
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störren, verb., wie oben 1stören, verb. (unter 1) mit frequentat. bedeutung: vgl. appenz. storra Tobler 412b; (steinkohlenofen) ein wahre gesellschaft, weil mich das öfchen warm hält, geld kostet und ich immer etwas daran zu stirren und zu störren finde Lichtenberg briefe 1, 97.
 
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storrenesel, m., (schelte) 'eigensinniger mensch' zu storren, m., 6: elsäss. Martin-Lienhart 2, 611a.
 
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storresteif, adj., 'steif wie ein storren', hessisch als (stock-) sturresteif (s. oben sp. 127).
 
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störrheit, f., zu 1störren, verb., in dem sinne des gewöhnl. störrigkeit: so viel eigensinn, so viel störrheit gehört dazu Lose schattenrisse 2, 47.
 
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störrhirnig, adj., in dem begrifflichen umkreis von störriger kopf, storrkopf: ein alten ... grob und sterrhirnigen esel Guarinonius grewel der verwüstung 1293, vgl. auch oben storrenesel.
 
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störrig, störricht, adj. , zu storren, m. (truncus, s. oben). — die umlautlose form storrig (Kehrein Nassau 1, 394 und (?) hierher bayr. storig Schmeller2 2, 779) benutzt im wechsel mit der umgelauteten Luther; vereinzelte verwendung auch noch in der neueren sprache: so schöpft Fontane aus seiner märkischen mundart die form ohne umlaut für die eigentliche (körperliche) bedeutung des wortes (s. unter 1), störrig dagegen kommt ihm aus der schriftsprache und beschränkt sich auf den übertragenen gebrauch (z. b. I 1, 258); auch die umlautlose form bei Eichendorff (neben der umgelauteten): sie sei das storrigste und trotzigste weib von der welt graf Lucanor 157. — ein seltenes stürrig bei Luther und Paracelsus (s. unten). die hauptbedeutung unseres wortes liegt auf dem übertragenen gebiet, worauf sich unten die form störrisch dann überhaupt beschränkt: 'der wie ein storren (truncus) und unbehauen (th. 11, 3 sp. 292) und ungehobelt (sp. 710) ist', alles übertragungen, die sich auf dem grunde der altdeutschen holztechnik bewegen; einen urzeitlichen hintergrund zieht herauf R. Much wört. u. sach. 1, 42. vgl. die im übrigen miszverstandene erläuterung: impolitus, unschurlich, nit sturrig in dem auch sonst fehlerreichen Frankf. gloss. von 1476 (Diefenbach nov. gloss. 211b), vgl. daneben noch entsprechende bildungen mit ähnlichem begriffsinhalt, wie stockig (oben sp. 105 unter 3) zu stock (sp. 38) und besonders knorrig (th. 5 sp. 1491 unter 4) zu knorre (sp. 1489). — störrig wird für stockig empfohlen allgem. deutsche bibl. 6, 2, 217. — s. im übrigen unter störrisch.
1) eigentlich und körperlich genommen:
a) steif, hart, emporstarrend (Kehrein a. o.): störrige, wilde, dürre zweige J. Böhme schr. 6, 317; (der schneidemüller) fegte mit einem kurzen, storrigen besen den schnee ... fort Fontane I 6, 371; man pferdehackt einen zähen, storrigen boden nicht wie, noch wann man will Schwerz prakt. ackerbau 481;

schroffe, störrge bergesriesen ...
neigen, unbeugsame wächter, ihr gefurchtes haupt herab
Gaudy 7, 152;

vgl. der schlappernde langstörrige degen quelle bei Müller-Fraureuth 2, 569b; ein wüster langstörriger sangfasan ebenda.

[Bd. 19, Sp. 425]



b) vom schielenden auge: störrige augen hatte er (Thersites), ein todte farb Alberus fabeln 9 neudr.; strabo, qui oculos habet distortos, flerraugen, störrige augen Alberus (1540) T 2b.
c) von der körperlichen beschaffenheit einer person: der storrige hausknecht ... drängte sich an Bamme, um ihm beim aufsteigen behilflich zu sein Fontane I 2, 195. vgl.sahe er (der teufel) einen unter dem haufen stehen, störrig und knörrig wie einen bawm Luther 8, 158a.
2) moralisch - geistig 'halsstarrig, starrsinnig, widerspenstig, eigensinnig, unlenksam, widerstrebend' u. s. w.: störrig praefractus Alberus (1540) i 1b; störricht, rauh, austerus Saurus-Melanchthon (1591) H 8a; neben störrisch Kramer dict. 2, 986b. unser wort bei Luther, dem es ausgang und verbreitung dankt; im Basler neuen testament von 1523 durch widerspennig, streittig erklärt. nach Campe 'von einer finstern und menschenfeindlichen gemüthsart' (wodurch es sich von wörtern wie hartnäckig, halsstarrig, starrsinnig, eigensinnig unterscheide).
a) Luther läszt den bildlichen grund der übertragung gern hervorscheinen: das sie fein vernunftige weiber sind, nicht storrige klotz 25, 45 Weim.; ideo regendum, qui sterrig kletz und steck sunt, terrendi minis 28, 689 Weim.; welche storrig, klötze, stein, stöcke und sewtröge sind ebenda.in der verbindung: dann wo wir diese gerechtigkeit lernen, do ... faren sie dawider mit irer gerechtigkeit, ... die der vernunft gemes ist, darauf stehen sie so storrig und knorrig, das inen nicht kann eingehen, was man inen sagt oder singet 6, 130a; hic wil nit hindurch storrig und knorrig mit dem kopf 17, 1, 145 Weim. — dagegen die gottlosen so störrig, stöckisch, unbeweglich und hart sind 28, 689 Weim.; die yhr doch sonst ynn aller veter spruche so storrig, klug und unbeweglich seyt 23, 132 Weim. (so die hds.; die drucke haben mit starrig nicht das bessere). — neben steif: aber weil sie so störrig und steif sind, wil ich auch yhres schirmschlags (fechterhieb, in die luft geführt) brauchen 26, 475 Weim.
b) rein sinnlich ist auch noch die anschauung in dem gegensatz störrig und krumm, wie sonst schlecht (gerade gewachsen) und krumm von bäumen und menschen (th. 5 sp. 2443 ff. unter II, 1, a, α und β, dazu 2, a);

beug was störrig ist und krumm
Wackernagel kirchenlied 4, 330.


c) von personen.
α) der grundzug des feindlichen, unfreundlichen, besonders in der älteren sprache deutlich: die selbigen storrigen, unsanfte menschen Luther 10, 3, 405 Weim.; unheuszlich, knorrich, storrich, unfreundtlich, verwegen und alles, was widder gott ist und heyszt, ist, meyn ich, auch bösz S. Franck (1541) sprüchw. 2, 199b; die grewlichen zeiten ... seind schon albereit ... vorhanden, in deme, das man gar sehr viel menschen findet, die ... gottes kraft in ihnen verleugnen, sintemal sie seind ... störrige (menschen) Ringwald lauter wahrheit A 2a; der störrige und boszhaftige Saturnus hat mit seiner erhöhung gegen mitternacht den gütigen und freundlichen Jupiter nidergetruckt Stephan Rat die weissagung Johannis Lichtenbergers C 2b; noch seyn wir lutherische so störrige kerle, verachten und vernichten die papisten mit ihren heiligen theatr. diabol. 85a; mainet aber einer, das Absolon allein ein sölcher storriger und unartiger mensch gewesen? Gretter ep. Pauli an die Römer (1566) 713; ferner auch genugsam wider etlicher frefeler, strriger, unversuchter leut mainung, die sie für bös und schädlich verschraiten, ire unschult ... an den tag gepracht Fischart podagr. trostbüchl. 63 Hauffen; die unterlassung des segens derjenigen sauertöpfe und störrigen maulfrancken, die für ihrem nächsten fürüber gehen Dannhawer catechismusmilch 1, 438. — meister Floh erfuhr, was er längst hätte wissen sollen, nämlich dasz mit dem störrigsten menschen etwas anzufangen ist, nur nicht mit einem verliebten E. Th. A. Hoffmann 12, 58; der störrige, stolze mann Willibald Alexis Roland von Berlin 1, 125; dasz Ignatz, störriger und unbrauchbarer als je, nun wirklich seines dienstes entlassen (sei) Holtei erz. schr. 1, 59.

[Bd. 19, Sp. 426]



β) besonders im familienhaften verhältnisz, vgl. DWB störrig, 'die keine natürliche liebe haben gegen ihr fleisch und blut' Prätorius reform. astrol. 237. — störrige eltern Luther tischreden 321a; denn man findet viel störrige, wunderliche eheleute, die einander feind sind, raufen und schlagen 306a; vgl.: der ander, der ein weib dem alter vergleichet, der wird vieleicht ein bose weib gehabt haben, oder ist ein so storriger stoicus gewest, das er niemand umb sich hat leiden können Johan Freder ein dialogus dem ehestand zu ehren geschrieben (1545) C 4a; dan was für armselige ehe und haushaltungen weren dise, daraus gebannet weren zucht ..., wann keyns dem anderen nachgebe, keyns sich nach dem andern mäsigte, sondern weren wild, störrig, widerspänstig ... ungezämt irer begirden und zorns? Fischart ehzuchtbüchl. 238 Hauffen; man findet aber underweilen manchen storrischen vatter Agricola sprichw. (1534) H 1a; allwo ihr mehr guts geschahe als von ihrer störrigen schwiegermutter geschehen können polit. colica 340; es ist mein sohn, es ist mein verwandter; aber es ist ein störriger mensch, ein bösewicht oder ein narr Bode Montaigne 2, 9; hier mein pflegesohn ist ... ein störriger bursch Rückert werke 11, 449;

saht ihr ein kind so störrig je, als dies?
H. v. Kleist 2, 196 (Käthchen 1, 2).

in der anrede:

drum sprach er einsmals ernst und wohlbedächtlich
zu ihr die strengen worte: störrig kind!
Schiller 13, 350 (Turandot 1, 1), vgl.
O. Ludwig 4, 319.


γ) in der gelehrsamkeit und weltweisheit: Aristoteles, der stürrige mann Paracelsus opera 1, 122; (vgl. DWB hart und störrig Bode Montaigne 1, 388); bei gott! so ist doch nichts störriger als ein philosoph Göthe 45, 42 Weim.
δ) sonst: (wenn) durch einen schiedsmann kein vergleich kan getroffen werden ... so soll man dem störrigen und widerspenstigen theil eine gewisse geldstrafe auferlegen Hohberg georgica 3, 41b; er scheint ein störriger wunderlicher mann zu seyn, aber nicht grob Göthe IV 1, 10 Weim.; den kleinen hader schlichten zwischen dem störrigen Mermeros und dem sanften geliebten Klinger werke 2, 250; aber unzufriedne, störrige, hadernde geister wie Byron, kämpfen mit der welt, geben oder empfangen wunden Börne 10, 223; (die nuntien) litten nicht, dasz ... ungehorsame und störrige mitglieder, die man anderwärts los sein wollte, nach Polen geschickt würden Ranke w. 38, 260; die störrige alte dame Laube 2, 179; an ihrer spitze der ehrenwerte, aber störrige und kurzsichtige consul Octavius Mommsen röm. geschichte 2, 311 (vgl. 3, 200); darum hast du auch dein ränzlein immer geschnürt wie ein störriger geselle, der den wanderstecken nicht aus der hand legt, weil die leute sich mit ihm nicht vertragen können Brunner erzählungen u. schriften 1, 260; ich bin der verwilderte, störrige landstreicher, der mann ohne heimat, ohne ehre W. Raabe Abu Telfan 2, 155;

und heimlich, mit ächzend gedämpfter stimme,
wie'n störriger griesgram, der gut gelaunt wird,
schwatzt er (der nordwind) ins wasser hinein
Heine 1, 166 Elster;

hier (auf diesem bilde) eine Latona in den sümpfen Lyciens, noch in bittender stellung, indess ihr gegenüber die störrigen, feindseligen wilden ... schon halb verwandelt da stehen G. Forster schr. 3, 63: wolltest du jetzt an meinem busen dich wiegen, pochte ein störriger vasalle an dein reich Schiller 3, 132 (Fiesko 4, 14);

jedoch nicht lange zögern kann die kunde,
getödtet sey der störrige barbar
Gries Bojardo (verl. Roland) 1, 215;

der allgewaltige diener des störrigen herrn Iffland theatr. w. 10, 159 (vgl. Immermann 1, 203);

es klirrten die becher, es jauchzten die knecht;
so klang es dem störrigen könige recht
Heine 1, 46 Elster.


ε) von sammelbegriffen: ein storrig und halsstarriges volk Prätorius winterflucht (1678) 220; den fenstern des statthalters drohte ein steinregen, sein ansehen wurde

[Bd. 19, Sp. 427]


verkannt, und man sah sich genöthigt, dem störrigen volke zu betheuern, dasz seine mitbürger auszer den mauern von Mainz nicht dienen sollten G. Forster schr. 6, 372; es sind Deutsche, ein störriges und widerbelliges volk, weil sie sich rühmen, von den vätern her freie leute zu sein G. Freytag 11, 122 (Börne 2, 176):

denn, wenn der könig fern ist, thun die wächter
den störrigen provinzen doppelt noth!
Hebbel I 2, 270;

(in anspruch genommen) von der würde, die er nun angesichts der störrigen menschheit zu behaupten den muth nie sinken lassen wird Bettine dies buch gehört dem könig 1, 106; das störrige Paris Laube schr. 5, 62.
ζ) ungezogene oder gar böswillige verweigerung von rede und antwort in der zusammenstellung störrig und stumm: Blifil war anfangs störrig und stumm, und erwog in seinen gedanken, ob er nicht noch alles läugnen sollte Bode Thomas Jones 6, 455; nun kam es auch, dasz der vater begann, ihr ermahnungen über ihr störriges und stummes wesen zu geben. dann, wenn sie auch eben redete, hörte sie plötzlich auf, wurde noch stummer und noch störriger Stifter 3, 227.
η) störrig sein u. s. w.: merck ich, das sie storrig sind, so mach ich mich von yhn Luther 15, 615 Weim.; quale exemplum dedi de principe Friderico nostro, qui nicht polter, storrig sey 25, 43 Weim.: er (Luther) war nicht störrig, fuhr niemand mürrisch an J. Schütz sacramentteufel (theatr. diabol. 2, 254b); mit dem manne werden wir nicht fertig, er ist boshaft und störrig und verbissen G. Freytag 6, 128; wenn er störrig sein sollte, wird der aufenthalt in Gotha am besten dazu dienen, ihn zu bestimmen an herzog Ernst 54;

lasz sie durch ein gesetz von ihrer pflicht belehren,
und wenn sie störrig sind, durch flamm und schwert bekehren
Göthe 16, 22 Weim.;

denn wer im wasser steckt bis an die kehle,
musz störrig seyn, wenn er nicht hülfe schreit
Gries Ariost (rasender Roland) 1, 21;

und auch den vortritt werde ich nur einmal
verlangen, wenn du nicht zu störrig bist,
nur heut, nur hier am dom, und niemals mehr
Hebbel I 4, 104 (Nibel. II 3, 6);

aber vil schälcke under ihnen seind also störrig, filtzig, ungehorsam, halsstarrig, aufsetzig, untrew, betrüglich, und gotlose buben, die von hertzen geneigt, die frommen alle zu verführen Lorichius instruction und bericht (1618) 304; diese menschen sind so störrig und lügenhaft, dasz sie stets nur damit umgehen, mich und alle zu täuschen, mit denen sie irgend etwas zu thun haben Eichendorff graf Lucanor 148;

'und immer nur vom alten recht?
wie du so störrig bist!'
ich bin des alten treuer knecht,
weil es ein gutes ist.
Uhland ged. 1, 72;

nichts desto weniger aber weren die drei menner drüber erbittert und so störrig worden, für das, dasz sie der stenden decret mit gehorsam bestätigen, und irer empter rechenschaft geben solten Jean de Serres frantzös. histori (1574) 124a; aus einem geschmeidigen, freundlichen, aufgeweckten manne, wird er verdrieszlich, rauh, und störrig neuestes aus der anmuth. gelehrsamkeit 1, 604; betrachtet nur, wie störrig, widerhaarig und trotzig ein volk wird, das blosz vom ackerbau lebt Ad. Müller verm. schr. 1, 129. — die düringische baurn habe ich selbst erfaren, das, yhe mehr man sie vermanet und leret, yhe storriger, stoltzer, toller sie wurden Luther 18, 391 Weim.; je mehr du bei ihnen erläuterst und belehrst, je störriger werden sie Grabbe 3, 526. — wie die sünde den menschen storrig, unempfindlich, schlecht, gantz tod macht Luther 3, 206; das feuchte klima ... macht sie phlegmatisch, gleichgültig, ungesellig, störrig G. Forster schr. 3, 90; diesen aber hatte der zwiespalt mit seinem gefährten und der nicht zu ende gesprochene streit nur störriger gemacht Fouqué zauberring 1, 140. — störrig bleiben vgl. G. Freytag 2, 258. —

hier steh ich, götter, und bekenne,
bekenne, was man mich beschuldigt, und noch mehr:
verdien ich noch, dasz man mich störrig nenne?
Wieland 5, 194.

[Bd. 19, Sp. 428]



θ) störrig gegen (wider) einen: es hilft nichts wider gottes anschläge; vergebens ist man wider sie störrig Chr. Starke synopsis (1735) 2, 129; dasz meine kinder ... sie immer weniger liebten und ... immer kälter und störriger gegen sie wurden Bahrdt gesch. seines lebens 4, 91; störrig gegen den schulzwang geht er (Byron) ... umher Laube 8, 359;

doch störrig war auch dieses volk
gegen des treibers streichelnde hand
Schubart ged. 1, 331.


d) von einem menschlichen theilbegriff, besonders vom kopf, wie sonst starrkopf (th. 10, 2 sp. 928) vgl. Wallhausen kriegsmanual (1616) B 3; auf dasz aber euer liebden der jungen grafen eigenschaft etlicher maszen erkennen: so hat der ältere einen etwas störrigen kopf; den wollen eure liebden so viel mildern, als möglich Bauernfeld ges. schr. 5, 59;

auch die nicht ist ein sawer topf,
hat kein störrichten wilden kopf
Mathesius werke 2, 299.


α) dann wieder für den ganzen menschen, wie starrkopf 2 und kurzerhand bayr. kopf, der trotzkopf (th. 5 sp. 1767): es werden eitel storrig, knorrig kopf Luther 25, 484 Weim.; je mher ich mit der storrigen knorrigen kopfen ago 29, 489 Weim.; umb etlicher seltzamer, eigensinnigen, storrigen kopfe willen 32, 377 Weim.; die storrigen kopfe nihil curant 34, 1, 309 Weim.; (gott straft nur,) das er dadurch dem bösen wehre, und mus damit die storrigen, knörrigen köpfe, so gar on schew rauben, stelen ... ein wenig schrecken, umb der seinen willen 6, 48a; aber weil sie (die geistlichen) Bonifacio in allen seinen newrungen ... nicht recht geben wollen, hat er ihnen auch hinwider hart zugesetzt, sie falsche lehrer, stoltze, ehrgeitzige geister, störrige friedhessige köpfe gescholten C. Spangenberg Bonifacius (1603) 28a; wann aber solche störrige umbilliche saturnusköpfe mit keiner bewegnis zu erkäntnus ihres unrechts zu bringen (sind) Hohberg georgica 1, 33; vgl. noch du störriger krauskopf Arnim 20, 133.
β) sonst noch im umkreise des menschlichen mikrokosmus zu erwähnen:
αα) ein storrig hertz Luther 10, 3, 164 Weim.; und Mose habe solch gesetz yhm nach gelassen umb yhres harten storrigen hertzen willen 30, 3, 214 Weim.; zu sterckung der störrigen und ungehorsamen hertzen Mathesius Sarepta 160a;

warum soll ich mit zwang ein störrig herz erfreun?
Gottsched deutsche schaubühne 4, 226;

ein störriger sinn Kramer dict. 2, 986c (Buchholz Herkuliskus 1129); (einsehen,) warum sich mein störriger sinn der philosophie der schulen so starr widersetzt hatte Tieck 6, vorber. xix; dein störriger sinn ... ist eine unart und verwöhnung deines geistes 17, 121; 'fürwahr', sprach der alte herr Hugh weiter, 'lieber Walther, ihr seid mir recht nöthig ... o kommt doch nur öfter herein, ihr lächelnder gottesbote mit eurer liedergabe, und sänftigt mir den störrigen sinn' Fouqué zauberring 2, 18; aber sein störriger sinn findet sich gekränkt Arnim 2, 21;

obwohl ich nicht begreife, wie mein sprödes,
mein störriges gemüth sich einem menschen
anschlieszen konnte in so kurzer zeit ...
wie hat ihr umgang mich so ganz geändert!
Bauernfeld ges. schr. 4, 134;

vgl.: dem bürgermeister hergegen sollte alles verschwiegen bleiben, davon seiner störrigen gemüthsart ... einiger skandal ... zu besorgen war Arnim kronenwächter 1, 104; — (die menschen zuletzt) ein störrige, grimmsüchtige, hartneckige natur bekommen Heyden Plinius (1565) 31; feindseliges, störriges, finsteres, unleidliches wesen lernen J. Müller w. 4, 70; ein sonderbarer, störriger charakter! H. Beck verirrung ohne laster (1793) 130 (5, 1). —

mein störrigs angesicht betraf nicht jederman
Anton Ulrich von Braunschweig Octavia 1, 897;

(wenn man) all traurigkeit und störriges sähen ablegen und vergessen will Kirchhof wendunmuth 1, 4; sein frostiges, störriges aussehen, womit er die freundlichsten blicke erwiederte Laroche frl. von Sternheim 1, 243.

[Bd. 19, Sp. 429]



ββ) laufen, wie wol sie niemandt verfolget, allein vor iren storrigen wan Luther 10, 3, 164 Weim.; wie viel mehr sollt yhr das toben und storrige tyranney lassen 18, 297 Weim.; verflucht sey ir zorn, das er so heftig ist, und ir grim, das er so störrig ist 1. Mos. 49, 7; eines störrigen verschweigens (beschuldigen) J. A. Scheibe crit. musicus 282 anm. (vgl. dazu oben 2, b); ihre störrige unverträglichkeit öffentlich zu tage legen Wieland 7, 277; störriger eigensinn Schleiermacher I 5, 600; nie des weichen sinnes, noch minder störriger parteisucht werk, immer der freiheit reinste that monologe 52; Anna erschwerte ihm diese aufgabe durch eine eigne störrige laune Arnim kronenwächter 1, 420; mit störrigem trotz Moltke schr. 2, 56. — auch: eine störrige antwort Adelung.
γγ) personific.: von einem demüthigen retter läszt sich auch das störrige laster am liebsten retten Gellert werke 7, 70; die störrige vernunft liesz sich durch geschickte auslegung befriedigen J. H. Voss antisymbolik 2, 426; vgl.: falschheit und freche selbstsucht, bejammernswerthe schwäche, störrige dummheit und frömmelnde hoffahrt ... auf allen seiten W. Raabe hungerpastor 243;
e) von thieren, welche sich dem menschlichen willen nicht fügen wollen: (als er) den versuch machte, am prallstein abzusteigen, war das thier störrig Willibald Alexis hosen des herrn von Bredow 1, 127; (die) thiere sind störriger, denn du denkst Chamisso werke 3, 316 (G. Regis Bojardos verliebter Roland 111); von seinem störrigen pferde Laube 15, 117; es war eigentlich viel poesie in diesen amphibischen fuhrleuten, die in beständigem kampfe mit stromschnellen, untiefen und störrigen gäulen den tag (verbrachten) Steub drei sommer in Tirol 1, 30;

bald spornt dein zorn mich, dasz gleich störrigen (der druck hat störigen) rossen
der witz sich bäumt in keckem sprung und bogen
Rückert werke 1, 290;

das ist also ein gewitter, ... wobei thauwind herrscht und acht tage lang beständig umspringend die wolken hin und hertreibt, als wäre der 'wetterleichende' Loki an die störrigen wolkengeiszen gebunden Laistner nebelsagen 289; vgl.: deshalb hake ich mich in meinem stalle fest wie eine störrige geis A. v. Droste-Hülshoff an Luise Schücking 285;

jetzt — kannst du mir sagen,
wie es die liebe macht, der flügelknabe,
wenn sie den störrgen leun in fesseln schlägt?
H. v. Kleist 2, 104 (Penthesil. 15) E. Schmidt.


α) in der scheltensprache: da nue Eva dem Adam von gott zugefret und vertrawet wird, lauft Adam nicht wie ein strriger, grober, eheloser bapstesel oder morrischer unholt frm weibe Chr. Irenäus Adam und Eva (1570) G 6a; kein bericht wird je darüber sprechen, ob ein minister mit so und so viel mühe eine störrige mähre von fürsten zurecht geritten hat Lagarde deutsche schr. 447.
β) aus einem theilbegriff schöpft die redensart: andere haben niemand ohn einen jungen witman, der die störrigen hörner schon abgelaufen, freyen wollen Reinicke Fuchs (1650) 374, vgl. DWB horn (th. 4, 2 sp. 1816 unter 5, d).
f) adverb.: das also s. Paulus mit zungen reden nicht so störrig verbeut Luther 18, 125 Weim.; dann der kompt eigenes ubeles umb, der das lauter, umb sonst angebotene heyl storrig verwirft Michael Rink paraphrasis Erasmi uber das evangelium Joannes (1524) F 2a; welches (weib) zur unzeit, wann der man vileicht kurzweil suchet, ganz überzwerch sawr und störrig zur sachen pflegt zu sehen. und hinwiderumb, wann der man ernsthafte sachen vorhat, kurzweilen, lachen und mutwill treiben will Fischart ehzuchtbüchlein 137 Hauffen; störrig sprechen vgl. neuestes aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 4, 289; man siehet, wie seine freunde ihn (Spinoza) lieben, wie alle, die ihn kennen, ihn schätzen, und wie er sich dessen nie überhebt, keinen aber störrig abweiset Herder 16, 423; was sie mir über die gröszer werdende gleichgültigkeit der Engländer gegen Shakespeare schreiben, musz also zweifel nähren, dasz dies volk, was ihm im groszen gelingt, im einzelnen störrig von sich weise Jacob Grimm im briefw. mit Gervinus (u. Dahlmann) 2, 112;

[Bd. 19, Sp. 430]


dann braucht man wieder
so manchen freund, den man erst störrig wegstiesz!
Zach. Werner söhne des thales 2, 10;

sich den obern zu widersetzen, einem sieger störrig und widerspenstig zu begegnen Göthe gespräche 2, 111; in der gefangenschaft betragen sich diese vögel (die wachholderdrosseln) anfangs wild und störrig Naumann vögel 2, 1, 304;

und wenn sie noch so schön mit allen schertzen kan,
stellt sie sich doch bei dir mehr als zu störrig an
C. Abel Boileau 86;

störrig trittst du nun einher Heyse w. 3, 109;

warum du unsre heilge mutter kirche
so störrig niedertrittst und Stephan Langton,
erwählten erzbischof von Canterbury,
gewaltsam abhältst von dem heilgen stuhl? Shakespeare 1, 47 (könig Johann 3, 1);

entsprechend 2, e: er streichelte und koste den nacken, der gegen ihn störrig zurück schlug. ich will euch die zackigte sporen ins fleisch hauen und die scharfe geisze versuchen Schiller 2, 77 (räuber 2, 2);

störrig knirscht in den zügel das sonnenrosz 1, 302.


g) subst.: also soll man handlen mit den storigen und wider die halsstarcken Luther 10, 3, lxi Weim.; man wis wol, wie man des bans sich geprauchen sol, nicht zu verdammen, sunder die stürrigen und widerspenstigen zu bezwingen und schamrot zu machen, dadurch yhre sünde bekennen und leid darüber tragen 23, 459 Weim.; die störrigen und unwissenden G. Keller nachl. 274;

der störrige fällt ins interdikt
Platen 2, 28.


3) die adverb. form (unter 2, f) als erstes glied einer zu sammensetzung: störrigkalt, adj., 'sehr kalt, knitterkalt', wie sonst starrkalt (th. 10, 2 sp. 928):

jedoch kan man dein thun den (holdseligen) worten kaum gleich finden,
sunst würdest du, hertzlieb, des winters härtigkeit
und störrigkalten frost erwaichen und entzünden
Weckherlin gedichte 2, 397. —

störriglos, adj. 'unbotmäszig und sittlich ungebunden' (?eine anlehnung an starrig th. 10, 2 sp. 927):

mit strafen, die gott der herr gesätzt
der stärriglosen rott, die sein gebott verletzt
Rompler von Löwenhalt 148. —

störrigträge, adj.: der grosze zuchtmeister der welt ... sucht seine störrigträgen schüler mit unsäglichen leiden heim Dahlmann franz. revolution 476.
 
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störrigkeit, f. , zum vorigen; an stelle von stockigkeit (sp. 107) empfohlen allg. deutsche bibliothek 6, 2, 217.
1) im eigentlichen sinne: das obertheil der ohren, welche spitz sein sollten, ist durch die haare bedecket, die auch nicht die gewöhnliche störrigkeit haben, sondern sich in lieblichen krümmungen legen Winckelmann 4, 95; und so im bildlichen gebrauch: einseitigkeit des geschmacks und störrigkeit sich anzuschmiegen an den geist seines volks Schubart ästhetik der tonkunst 269.
2) übertragenbildlich im sinne von störrig 2: bey seiner störrigkeit bleiben, rimanersi, restarsi contumace, perfidiare sulla sua opinione Kramer dict. 2, 986c; solche unfreundlichkeit, störrigkeit (eines weibes) macht den man zu allen dingen verdrossen Mathesius Syrach 171b;

bringt unsre (der frauen) störrigkeit den buhlern ungeduld,
so sind sie selbst an ihrem schicksal schuld
Weichmann poesie der Niedersachsen 5, 349;

und für den mann das höchste gut,
wenn seine frau mit sanftem mut
die klugheit ihres mannes fassen
und sich von ihr mag lenken lassen,
dagegen störrigkeit mir auch
zuwider ist wie knobelauch
O. Ludwig 3, 649;

(die marquisin,) die ihrer tochter allerley heilsame lehren giebt: welche diese mit jähnen und störrigkeit anhöret neuestes aus d. anmuth. gelehrsamkeit 1, 58; es ist mir lieb, dasz sie nichts von der schweizerischen störrigkeit angenommen Winckelmann 11, 208 (Dahlmann gesch. v. Dännemark 3, 161); (selbsttäuschung,) indem er der natur durchaus keinen antheil an seiner störrigkeit geben will, die immer nur die behandlung der menschen und die

[Bd. 19, Sp. 431]


verhältnisse in ihm gebildet haben sollen Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 5, 157; Ilse sah mit betrübnisz, wie heftig ihr gatte unter der störrigkeit seines kollegen litt, die er als unreinliches wesen verurteilte G. Freytag 6, 267 (verl. handschr.); in der weinstube sagte der director: 'der mensch ist unterthan des grafen und wird dort durch die karbatsche von seiner störrigkeit geheilt werden' 13, 11; die störrigkeit der alten mehr gemacht als natürlich Kürnberger nov. 1, 89;

weiszt du nicht, dasz störrigkeit den herrn beleidigt
Rückert werke 11, 469;

und wer, vermessner sklave, giebt dir ein,
an eure störrigkeit mich zu erinnern?
Immermann 16, 364 Hempel.

von einem thier entsprechend störrig 2, e: störrigkeit des schweines Schwerz prakt. ackerbau 662 (Brehm 1, 187 Pechuel-Lösche). — sogar: das buch ist eins von denen, welche die störrigkeit der zeit, die sie einengt, nur langsam wie eine wurzel den felsen, sprengen können H. v. Kleist 5, 418 E. Schmidt.
a) im nebeneinander mit entsprechendem begriff: und dasz anstatt bey anderen höfen die öbersten staatsminister an ihrem stoltz und ihrer storrigkeit erkannt werden müssen: dieser von allen des hofes an seiner gelassenen, freundlichen und gütigen weise zu erkennen sey Besser schr. 1, 165; die störrigkeit und die tücke Cramer nordischer aufseher 1, 552; diese sorgfalt machte den capitän bei seiner sonstigen störrigkeit und oft unfreundlichem wesen bey den leuten sehr beliebt Lichtenberg verm. schr. 4, 77; nehmen sie mir nicht übel, wenn ich ihnen als einfacher mann sage, dasz mir diese bildung ebenso wenig gefällt, als die unwissenheit und störrigkeit, welche sie an unsern landleuten in erstaunen setzt G. Freytag 6, 69 (verl. handschrift);

durch anmuth lassen wir auch die vernunft bestechen,
wenn jener (der schönheit) storrigkeit und zorn die stirne beut
Hoffmannswaldau auserl. ged. 3, 16.


b) mit adject. bestimmung: trotz aller seiner unbiegsamen störrigkeit hat er mit mir selbst noch nie händel gemacht J. G. Müller Siegfried von Lindenberg 2, 35; rohe störrigkeit Fouqué altsächs. bildersaal 1, 166; für geld und gute worte liesz sich der wirt mit düsterer störrigkeit endlich herbei, sein pferd vom markte holen zu lassen Rosegger alpensommer 340.
c) aus störrigkeit: das man so trewlich warnet für falschen propheten und wolfen, ... das geschicht warlich nicht aus störrigkeit oder unruigkeit, oder aus lust und liebe zu zancken, kiffeln und hadern Chr. Irenäus warnung und ursachen (1569) C 2b (Hermes Sophiens reise 4, 111);

durch foltern wird von ihm (dem frevler) erquälet,
was er aus störrigkeit verhehlet
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 191.


d) eine theilbestimmung im genit.: sie wollten mich dressiren mit schlägen und schimpfen, allein umsonst mit aller störrigkeit meines charakters hielt ich ihnen entgegen, ... Gotthelf schr. 1, 132;

warum ein zaum in deiner linken? — damit
des herzens störrigkeit zu bändigen
Schubart ged. 2, 325.


e) weiter bestimmt durch einen abhängigen satz: das hastige bauen des greises, die störrigkeit, auf seine satzungen zu halten, ... sind doch nur der dunkle, ermattende trieb des alten herzens, das so süsze leben noch über das grab hinaus zu verlängern Stifter 2, 130.
 
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störrisch, adj. , wie oben störrig, doch beschränkt auf den übertragenen gebrauch unter 2, wohl (entsprechend der vorwiegenden eigenart des suffixes) unter stärkerer hervorhebung des moralischen mangels.in der älteren sprache noch vereinzelt ohne umlaut, so bei Luther (der im übrigen oben störrig, storrig vorzieht) u. s.: grausam, grimmig, storrisch, fraiszlich, crudelis Schöpper syn. b 6d. — die form stürrisch (so neben störrisch [und störrig] bei Kramer dict. 2, 986b) auch ohne umlaut (neben störrisch im persian. rosenthal), besonders in der zusammenstellung stürrisch und mürrisch (und unter dem einflusz des letzteren?) vgl. noch stiersch, štiir Müller-Fraureuth 2, 564b; 569b.

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a) von personen: störrisch, mürrisch, unfreundlich, sauersehend, streng Rädlein (1711) 848a; omnibus resistens, non flexibilis, contumax Frisch 2, 340c; die storrischen und knorrischen ... menschen Luther 9, 149 Weim.; (der) stürmerische ..., stürrische, ungezwungene (Äolus) Treuer deutscher Dädalus 1, 61; o, über die störrischen männer! theater der Deutschen 17, 187 (maler Müller 3, 97); (frau Berta soll) mit Johann von Lichtenstein, einem bösen, störrischen mann, vermählt gewesen sein brüder Grimm deutsche sagen 1, 183 (Klinger werke 2, 87);

du aber bist ein störrisch man,
der nicht erkent seine missethat,
hat nie gebeten gott umb gnad
Hayneccius Hans Pfriem 67 neudr.;

darnach gieng hin der störrisch man,
fiel seiner mitknecht einen an
N. Herman sonntagsevang. 159;

ein störrischer wirt un hoste brusco, zotico, fastidioso, saturnino Kramer (1702) 2, 1364b; deinen störrischen freund zu retten! wie dein herz dich antreibt! Klinger neues theater 1, 215; die dringendsten bitten des landgrafen vermochten nichts über den störrischen meister E. Th. A. Hoffmann 7, 57 (vgl. auch 11, 12); das störrische weiblein Rosegger schr. 3, 74. — (entsprechend störrig 2, c, β) eine traurige, ernsthafte, störrische, fürchterliche jugend Gottsched beyträge z. crit. historie 8, 603; dem störrischen kinde sagte er, warum folget die doch einer mutter, die so ist wie die deinige Pestalozzi Lienhard u. Gertrud 2, 226; einen störrischen, ungerathenen sohn (haben) M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 1, 365; Rudolf, der überhaupt ein störrischer und groszmäuliger bengel Fontane I 5, 131; rohe und störrische kinder Justi Winckelmann 1, 179. — (entsprechend störrig 2 c, γ) eines störrischen subtilen schreibers lehr und gedicht Paracelsus opera 1, 67a; der wenigen kurzsichtigen, störrischen männer willen, die wir noch immer unter uns haben, und die wir nicht nur dulden, sondern mit groszer schonung dulden müssen, weil wir ihnen beyspiele schuldig sind Klopstock gelehrtenrepublik 312; wie hier ... der störrische anmerker widerspricht: so erscheint dagegen billigkeit ... Joh. H. Voss krit. blätter 8, 279; aber der störrische dichter will, dasz dies geschehe, und je lebendiger die person des stücks in ihm aufgegangen, desto unzufriedener wird er mit der geringsten abweichung sein, die er in der gestaltung, in dem spiel des schauspielers findet E. Th. A. Hoffmann 8, 134; die heidenbekehrer, strengfromm, enthaltsam, ... störrisch und in knechtischer abhängigkeit von dem entlegnen Rom, musten das nationalgefühl vielfach verletzen Jac. Grimm mythol. 1, 4 (vgl.Sebaldus, DWB so sehr er eine dürre dogmatik und eine störrische polemik haszte, so sehr war er ein freund herzlicher andacht Nicolai Seb. Nothanker 2, 18). — im unterthanenverhältnisz u. s. w.: (städte,) die immer unbeständig, aufrührisch und störrisch, sich nie recht in die oberherrschaft der kirche schicken wollten M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 3, 446 (Rätel-Curäus chron. des herzogt. Schlesien 284); wär ich im lande gewesen, niemals hätten mir meine störrischen kameraden ohne euren befehl, erlauchter herr, ihre posten verlassen C. F. Meyer Jürg Jenatsch 218. — (entsprechend störrig 2, c, ε) (die Juden,) ein unbesonnenes, närrisches, ... störrisches ... volk J. Ayrer processus juris 525; leben sie fröhlich, ... wenn es möglich ist, unter einem verkehrten, störrischen volk Justi Winckelmann 2, 2, 35;

kein störrisch volk
empfing verachtend die erhabnen gaben
Mich. Beer werke 408.


α) in der nebeneinanderstellung mit entsprechenden begriffen; besonders erwähnenswerth störrisch und mürrisch (th. 6 sp. 2727) mit späterhin deutlich hervortretender formaler wechselwirkung: erga impios dominos, die do murrisch und storrisch syndt Luther 34, 1, 354 Weim.;

herzog Moritz von Sachsen haisz ich,
den namen mit der that hab ich,
murrisch und störrisch bin ich,
argköpfisch, hochfertig, tirannisch bleib ich
R. v. Liliencron histor. volksl. 4, 495;

[Bd. 19, Sp. 433]



aufs letzt, besetzt ist mit list zwar
störrisch, mürrisch, der hof sehr gar,
narrn han mehr platz denn weisen
Kirchhof wendunmuth 1, 75;

hiemit zihet der autor dahin, dasz man gerne solle herbergen, nicht sturrisch und murrisch dieselbige versagen Reinicke Fuchs (1650) 291; sich gegen denselben rebellisch, widersinnig, ... störrisch und mörrisch (erzeigen) Hohberg georgica 3, 131a;

was sonsten sich stürrisch und mürrisch erwiesen,
das lieget fohr liebe gefährlichkrank
Zesen vermehrter Helikon 2, 132;

sonst: die da in strafung ihrer kinder sich also erzürnen, so unleutselig und störrisch sein Barth weiberspiegel d 7b; ein gehorsam, fromb weib kan auch also einen störrischen und tyrannischen mann biegen theatr. diab. 349a; du bist nicht stoltz und mürrisch, nicht voppend und störrisch, sondern gesitsam V. Herberger magnalia (1607) 356; störrisch und unfreundlich Winckelmann 5, 219; wissen sie, ... dasz ich eine wohlgesittete person mehr ästimiere, als einen braven comicum, der beynebst störrisch und von wildem humeur ist samml. v. schauspielen 5, 70; (die bemerkung), dasz wir menschen ... nicht stolz und störrisch, sondern lieber hübsch bescheiden und demüthig seyn sollten Claudius 3, 49; störrisch und widersinnisch Jung-Stilling 6, 91; der mönch Savonarola, undankbar, störrisch, fürchterlich entgegen Göthe 44, 347, 23 Weim.; ihr Wolfgang war einseitig, störrisch, ehern, ohne phantasie Jean Paul 30, 25 Hempel; sie (die leute) wären trotzig, störrisch und lieszen sich gar nichts gefallen Chr. Fr. Schulz reise eines Livländers (1795) 5, 103; störrisch, widerborstig, ... unzugänglich Hegel 10, 2, 205; er war schön, wild, witzig, keck und dabei störrisch und menschenscheu Eichendorff 2, 50; störrisch und rechthaberisch Willibald Alexis Roland v. Berlin 1, 42; (jene göttliche sehnsucht,) welche in weichen gemüthern die religion und poesie, und in harten, störrischen die lange weile erzeugt Laube 8, 110; von dem störrischen und trotzigen jungen manne Gutzkow ritter vom geiste 2, 97; er war der jüngste von allen, wild und störrisch, aber der begabteste 3, 405; störrisch und eigensinnig Fontane I 2, 479; störrisch und eigenwillig Spielhagen 1, 321; da habt ihrs, bürgermeister, störrisch bis zum letzten, wider alle und wider alles, ganz ungefüg für die menschliche gemeine Anzengruber 3, 199. — gegensätzlich: nicht störrisch, sondern nachgebend Kant 10, 318; schalkhaft und bieder, störrisch und beugsam Musäus volksmärchen 1, 6;

die töchter kalt, die sonst so feurig waren —
die ältern, einst so störrisch, jetzt so zahm
Gaudy 1, 123.


β) störrisch sein u. s. w.: bey einem menschen, der zwar offenherzig, aber etwas störrisch ist Th. Abbt verm. w. 6, 4, 43;

ihr seid ein würdger mann; allein zu störrisch —
so macht man nicht sein glück!
Zach. Werner die söhne des thales 2, 10;

die desertion risz unter den truppen ein, die französischweimarschen soldaten waren lässig und störrisch Hebbel I 9, 199 (Olearius pers. rosenthal 76); es könnte sich nämlich ereignen, dasz er störrisch wäre und sie nicht wollte G. Keller 2, 202. — im notfalle, sagte sie, will ich dem garstigen manne einen kusz geben, wenn er störrisch werden sollte Pfeffel pros. vers. 1, 81; darf man diesem nicht sehr ehrenhaften manne glauben, so hatte er (König) mit dem eitlen, neidischen und im alter störrisch gewordenen Besser schwere geduldproben zu bestehen Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 3, 486. — störrisch bleiben vgl. Brentano chron. 187; störrisch machen Laube 3, 122.
γ) störrisch in einem: jedoch war sie in ihren sitten nicht rauh und störrisch Besser schr. 2, 354;

man macht durch solches lob das liebe frauenzimmer
in dem gefaszten wahn nur störrischer und schlimmer
Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 4, 251.


im folgenden mit dem beisinn 'ohne neigung, ohne lust dazu': (so) verlor sie die geduld und wurde zuweilen störrisch in den lobpreisungen G. Keller 6, 188.

[Bd. 19, Sp. 434]



b) entsprechend störrig 2, d von einem theilbegriff: ein störrischer kopf Kramer (1702) 2, 986c; ich will nur sagen, dasz das eine priesterplage sey, wenn eine pfarrfrau einen eigensinnigen, störrischen kopf und bösen sinn hat der wohlgeplagte priester 149. — von der person selbst: ich wäre ein störrischer kopf, wenn ich ihnen die unschuldige freude miszgönnen wollte discourse der Mahlern 2, 52.
α) zum unterschied von störrigem haar, welches borstig emporsteht, störrisch, welches sich der frisur nicht fügen will: beständig liefen ein paar störrische haare von den schläfen herein Wassermann Renate Fuchs 20.
β) vom blick und gesichtsausdruck: sie sehen niemand an, es sey dann mit einem sturrischen oder übermüthigen auge Olearius persian. rosenthal 88b; sie sahe mich mit einem störrischen gesichte an die vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 53; vgl.:

verdrieszlicher april ...
dein störrisches gesicht
gefällt der liebe nicht
Weichmann poesie der Niedersachsen 6, 161;

er sagte mit störrischem gesichte quelle bei Müller-Fraureuth 2, 569b;

sprach einer noch ein wort; geschah es mit einem störrischen gesicht
Brockes irdisches vergnügen 8, 341;

die menschen mahlten sie, entblöszt von glanz und lichte,
als feindin aller lust, mit störrischem gesichte
Drollinger gedichte 289;

Gertrud, mit einer störrischen miene J. G. Jacobi werke 4, 168.
γ) sonst: mit einer so strengen diät muszte euer Diogenes wohl keine störrischen organe besitzen? Göthe 45, 152 Weim.störrischer sinn animus minax, arrogans, fastosus Stieler; sie hat viel zu einen störrischen sinn engl. comedien u. tragedien (1624) y 5b;

sie west sein störrischen sinn,
und wie er dobet für und hin
Hans Sachs 21, 207 Keller-Götze;

mit eurer störrischen gemüthsart begabet Löwen schr. 4, 145; beweise eines störrischen, undankbaren gemüths Klinger werke 8, 82; sey sein (des mannes) herz so hart und störrisch, als es immer wolte, in kranken tagen preszt gewisz eines weibes sanfte milde ihm das geständnisz ab ... Kotzebue dram. w. 2, 126;

ist dir alle macht gegeben,
herr, ich fleh, so knechte doch
auch mein irr und störrisch leben
deinem milden, süszen joch!
Brentano 1, 318;

weil ich ... keine selbständigkeit erworben hatte, so fiel ich gleich, da ich wieder allein war, in mein wirriges, störrisches wesen zurück Göthe 27, 145 Weim. (Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 4, 458); (der lama nahm die gesandtschaft) freundlich auf, und suchte das störrische wesen des khans (der ihr schlechten empfang bereitet hatte) zu vermitteln Ritter erdkunde 2, 1071. — (ersuchen,) den heftigen, stolzen, störrischen charakter zu bezähmen Göthe 41, 1, 201 Weim.; fürsten nicht von ... störrischer natur Heine 5, 110 Elster; sie kannte seine störrische natur A. v. Droste-Hülshoff 2, 271.
δ) in personaler erweiterung: denn ein freundliches herz gewinnt selbst die feinde, aber ein störrischer sinn säet zwietracht aus E. M. Arndt für u. an s. lieben Deutschen 1, 267;

bei störrischen gemüthern
sind mild und nachsicht nie an ihrer stelle
Raupach dram. werke ernst. gatt. 5, 65;

die ärmste war von einem tyrannen erlöst, der sie ... grausam gequält hatte, wie ein halbwahnsinniger; ein wüstes, störrisches ... herz bis zum letzten augenblicke des hinscheidens Holtei erz. schr. 28, 204; der tod des herzogs von Orleans hat seinem vater die störrischsten herzen wieder gewonnen Heine 6, 326 Elster.
c) von thieren (vgl. störrig 2, e): sein störrisches pferd bäumt und sträubt sich Eichendorff 3, 351; ob ihm gestern mit seinem störrischen thiere keine unannehmlichkeit widerfahren wäre? Gutzkow ritter vom geiste 1, 430; (der rinder) glatthaariger, zähmbarer theil geduldig, doch

[Bd. 19, Sp. 435]


auch störrisch und stöszig ist Vischer ästhetik 2, 146; auf einem störrischen esel eröffnete der mummereienmeister den träumerischen zug, und hinter ihm tanzten die bunten narren G. Keller 2, 186; das tier ist ... folgsam oder störrisch Brehm 1, 21 Pechuel-Lösche;

wer reitet beherzt und wacker,
wer zwingt das störrische pferd?
Strachwitz gedichte 32.


im vergleich: aber störrisch ist er wie ein junger geier G. Freytag 9, 83;

die armee,
die du versammelst, ist ein störrscher gaul
Grabbe 3, 293;

was empört ...
sich trotzig wider seine göttlichkeit,
und bäumt zurück vor seinem liebesjoch
gleich wie ein störrisch rosz?
Geibel 5, 4.


hierher noch: wer solte denn wohl sein, der ... wo ihm nicht gar ein störrisches bockgehirn gewachsen, (alles für nichts achten wollte?) Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 10 (zuschrift); vgl. Schottel haubtsprache 18.
d) von ganzen zeitaltern: das jahrhundert ist störrisch. es stellt sich nicht auf drei oder vier stichwörter, die sein wesen ausdrücken sollen Gutzkow werke 9, 436; zu so einer bewegten, störrischen zeit Rosegger Höllbart 27.
e) von gewohnheiten, eigenschaften u. s. w.; vgl.: alle seine (Horazens) nachahmer bewegen, uns die natur nur auf ihrer störrischen seite zu weisen, und alle grazien aus ihren liedern zu verbannen Lessing 4, 18. — mein hausfrauw ihre böse störrische gewohnheit mit lieblichkeit verwandelt hat Kirchhof wendunmuth 328a; verbesserung seiner rauhen und störrischen sitten Bodmer crit. poet. schr. 2, 34; die Arkadier waren durch die ältesten gesetze verbunden, alle die musik zu lernen ... um die gemüther und sitten, welche wegen des rauhen himmels in ihrem gebirgigen lande störrisch und wild gewesen sein würden, sanft und liebreich zu machen Winckelmann werke 3, 136. — noch mehr ist er (Molière) deswegen zu tadeln, dasz er oft das laster gar zu angenehm, die tugend aber gar zu störrisch, unartig und lächerlich gemacht hat Gottsched crit. dichtkunst 641; personen, welche auch heiter sind, keine schwarze, störrische, sondern eine sanfte, himmelblaue und rosenrothe tugend verehren G. Forster schr. 7, 110; diese mädchen mit der störrischen leidenschaft Kotzebue dram. w. 4, 19. — zärtlichkeit und hochachtung werden bey vernünftigen personen jene gleichstimmung leicht bewürken, wenn nicht störrischer eigensinn ... die trennung unterhält Knigge umgang 2, 52 (Kretschmann w. 3, 102); so sehr ich mich abmühte, den dichterischen geist heranzulocken, doch blieb er in störrischem eigensinn davon E. Th. A. Hoffmann 10, 91; keine störrische begierde Schwabe belustigungen 2, 422; die störrische, unbiegsame tapferkeit des Korsen ... litt kein gegenwort Jean Paul 15/18, 495 Hempel; störrische gleichgültigkeit gegen die sache oder gegen den mann Siebenkäs 3, 7; er hat störrische keckheit Auerbach schr. 6, 32; geblieben war den Belgiern ein störrisches misztrauen gegen jede regierung Treitschke deutsche geschichte 4, 33; damals widersetzte sich der Königsberger landtag in störrischem trotze seinem kurfürsten 1, 277 (Justi Winckelmann 1, 41).
in rede und antwort: das ir rede nicht störrisch oder stürmig ... sey Mathesius Sarepta 132b; als der Flaminio diese storrische abfertigung erhalten gespenst 222; seine etwas störrische frage Hippel lebensläufe 2, 149; mit einem, oft sogar störrischen nein J. G. Scheffner mein leben (1821) 344.
f) adverb (vgl. stierschen 'aufgebracht, wütend' Müller-Fraureuth 2, 565a): (er hat) sich gegen meine familie und hausgenossen äuszerst rauh, störrisch, grob und auffahrend ... betragen Göthe IV 19, 168 Weim.; der kleine pfalzgraf, der sich ... vorher so störrisch bewiesen hatte Arnim 19, 68; diese (strolche wollten) sich zuerst störrisch zeigen G. Keller 7, 171;

ich find in eurem blick die freundlichkeit,
die liebe nicht, an die ihr mich gewöhnt.
zu störrisch und zu fremd begegnet ihr
dem freunde, der euch liebt Shakespeare 2, 14 (Julius Cäsar 1, 2);

[Bd. 19, Sp. 436]


(ich) derhalben so störrisch für mich hin gieng engl. comedien u. tragedien (1624) H 2a; Danzig ... stand noch lange störrisch dem staate gegenüber Treitschke deutsche gesch. 2, 251; er blieb ... störrisch bei dem alten misztrauen gegen die preuszische habsucht hist. u. polit. aufsätze 1, 156;

sein (des dichters) seelenloses haupt zerrinnt im augenblick;
allein die rechte hand zieht störrisch sich zurück
Zachariä poet. schr. 1, 245;

nicht störrisch darf sich leidenschaft erkühnen
Göthe 16, 257 (maskenzug) Weim.;

ihr tadelt mich, dasz ich oft störrisch schweige,
der glatten welt die düstre stirne zeige
Moltke schr. 4, 241;

durch alle haine weht die trauerkunde,
und störrisch klagt der trüben welle gang:
das ist des holden frühlings todesstunde
Lenau 34 Barthel;

aber ist das herz ein zages,
wenn die brust die woge trinkt,
starrt es ab des klippenschlages
störrisch, müszig — und versinkt 119;

hinter einer satyrmaske
hielt er störrisch sich verborgen,
und durch ihre leeren augen
schabte rübchen er den leuten
G. Keller 10, 229.


g) substant.: jetzt hör, störrischer! R. Wagner schr. 5, 224;

geistvolle anmuth sittgen lebens,
der grazien weihe, die vergebens
dem störrischen die schule lehrt
Gaudy 4, 35;

(Heinrich) sperrte sich mit hand und füszen,
strampelte mit beiden beinen, ...
'ruhig, ruhig!' sprach der alte ...
und den störrischen berührte
er mit seiner silberrute;
sieh, da huscht er still und willig
in die funkelnde behausung.
G. Keller 10, 234.


neutr.:

ist es sein liebstes, das nie seinem band entweicht?
ist es das störrische? beides zugleich vielleicht
Rückert werke 8, 311.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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