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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
störfischer bis storgerbühne (Bd. 19, Sp. 415 bis 417)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) störfischer, m., welcher sich mit dem fang des störs abgiebt H. Quantz störfischerei (1903) 7. — dazu störfischerei, f.: an der fluszmündung eine starke störfischerei, an die handelsleute von Astrakhan verpachtet Ritter erdkunde 8, 648 (allg. deutsche bibl. 83, 193); am groszartigsten wurde die störfischerei von jeher in Russland betrieben Brehm 8, 430 Pechuel-Lösche (s. auch oben störfang und unten störjagd). —
 
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störfleisch, n., fleisch vom stör (erst in neuerer händlersprache, vgl. den gegensatz von fisch und fleisch th. 3 sp. 1680 und störfisch 2): Cicero macht es den schwelgern zum vorwurf, dasz sie störfleisch äszen Oken 6, 69; pastete von störfleisch Krünitz 174, 549; (die untere Donau, die) Österreich mit störfleisch ... versorgte Brehm 8, 430 Pechuel- Lösche (vgl. auch oben 1stör, m., 5). —
 
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störgang, m., angang des störs: und der stiergang wil gewartet sein Grunau preusz. chron. 2, 411 (zur form s. einl. stör, m.). —
 
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störgarn, n.: groszes netz zum fang des störs, von starken bindfäden gefertigt Frischbier 2, 376a.
 
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storge, f., zweifelhafter herkunft (? zu storch, vgl. dort seine sprichwörtliche liebe zu seinen jungen unter 4): der eltern liebe gegen den kindern, die genant ist storge Melanchthon corpus doctrinae christ. 470; item wie die eltern grosze unaussprechliche natürliche liebe gegen ihren kindern haben, welche einen besondern namen hat, storge 497.
 
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storge, f., 'geschichte, erzählung', auch 'begebenheit', wohl über ital. storia (kaum engl. story) aus lat. historia: erzehlete ihm allerhand storgen, die ich hin und wieder auf meinen weiten reisen gesehen, gehöret und erfahren zu haben vorgab Simplic. 527 neudr.; und sage allein dieses anstatt einer storgen, die ich auch erzelen solte ratstübel Plutonis (1672) 103. als bayr. stori Schmeller2 2, 779: du wirst a stori sehgn! droht Hans seinem weib für den fall der untreue (Lindermayr ebenda), vgl. dazu eichsfeld. plur. šterjn, štorjn 'rederei, geschwätz' Hentrich 57 und das deminut. stippstörtje Frommann zs. 5, 296. — ein anderer weg der erklärung von mhd. storje, storîe (aus mlat. storium [afranz. estoire] für stolium, gr. στόλιον, noch ital. stuolo 'mannschaft, begleitung, gefolge'). dann 'kampfgedränge':

ir hânt selden mê vernomen
wurme, heiden schrîen:
ich bin dem ze handen komen
in sturmen und storîen Virginal 396, 10,

ich hôrte in storîen
von risen und von wurmen schrei,
daʒʒ mir durch di oren dôʒ 825, 10.

auf diesem grunde 'kampfabenteuer' u. s. w.:

ich wn nieman besunder
sîn storigin alle möht gezalen,
beid in velden und auf walen,
die er frt durch wîbes lôn
Liliencron histor. volksl. 1, 12, 7 (schlacht bei Göllheim 1298).

zuletzt storge auch über das abenteuerliche hinweg 'unnütze grille, sonderbarer einfall': er hat rechte storgen, wahre storgen Frischbier 2, 376a.
 
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storgel, f.? ein lärmgeräth der kinder, etwa eine klapper (und dann zu storch), doch vgl. auch unten störgen 'polternd schelten':

schnitzle dir ein hölzelein,
mache dir ein pfeifelein,
es geht wie eine orgel,
es geht wie eine storgel:
tik tak federsack kinderreim bei
Peter Schlesien 1, 30.


 
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storgen, störgen, verb. , aus *storjan mit dem übergang des j in g nach r (wie in ferge th. 3 sp. 1332 u. 1529;

[Bd. 19, Sp. 416]


latwerge th. 6 sp. 281; scherge th. 8 sp. 2584), doch zweifelhaft ob zu stören, verb.auch weiter angeglichen an storch in der form storchen, storcken.
1) storgen, im lande herumfahren Adelung; Nürnberg Schmeller2 2, 781, ursprünglich vom 2störer, besonders dem quacksalber.harmloser und deutlicher an storck (storch) gelehnt: von mitten der gassen der brunst, hin und wider storckend zugesehen Guarinonius grewel der verwüstung 604 (d. h. wie ein storch in der wiese).
2) storgen, plaudern, schwatzen, austragen; unnütze reden führen Vilmar kurhess. idiot. 402; Crecelius 813; stôrjen, stôrgen (auch sturrjen)' mit anderen zusammenstehen und schwatzen', besonders in heimlichkeit Kehrein Nassau 1, 394 (unter dem einflusz von storge, f.?). der ausgangspunkt der entwicklung aber liegt wohl bei dem seine kunst anpreisenden, ja ausschreienden quacksalber (s. unten storger), deshalb noch götting.-grubenhag.: storjen, störjen, überlaut reden, laut rufen, schreien, besonders im zwiegespräch mit einem schwerhörigen Schambach 212b; storgen ungestüm anklopfen, lärm verursachen Frischbier 2, 376a.
3) mit einem object.
a) durch quacksalberei herausholen, herauslocken: wie man den leuten das geld ohne rauberei aus dem beutel storgen oder betrügen könte Harsdörffer schauplatz 2, 140.
b) götting.-grubenh. storjen; störjen (z. b. ein kind), es schelten, ausschelten, vgl. Schambach a. a. o.
 
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storger, störger, m. , 'landfahrer, hausierer, quacksalber, umherreisender zahnarzt', zu storgen, verb.die umlautlose form: agyrta, circulator aut circumforaneus, ein quacksalber, storger, marktschreyer, un charlatan Blancard med. wb. (1710) 16; storger und als erläuterung dazu quacksalber, landfahrer, landbetler, landstreicher, wurstreuter, ciarlatano, calcante, vagabondo, scorritore, birbone, barone, cavagliere errante, charletan, vagabond, coureur du païs, brigand, juif errant Rädlein (1711) 848a; charlatan, ein storger, marckschreier, quacksalber Sperander (1727) 110a. nach Adelung 'nur in den gemeinen sprecharten Oberdeutschlands', vgl. Schmeller2 2, 781, doch Bauer-Collitz waldeck. wb. 175. — mit umlaut die störger oder landstreicher, circumforanei seu circuitores Comenius (1644) janua 146; ein störger, ciancione, charlatan, abuseur Hulsius (1616) 103; Kramer dict. 2 (1702), 986c; in den sonstigen belegen halten sich beide formen die wage.besonders zu werthen vereinzelte angleichung an oben storch (ciconia): storcher, so auch bei Göthe (39, 241 Weim.) in der umgelauteten form; störcher, agyrta neben störger Frisch 2, 340b; Campe, ohne dasz wir die dahinter sich verbergende beziehung noch ganz erkennen können, veranlaszt vielleicht durch den vergleich mit dem plappernden storch (vgl.: und ob er schon ein doctor ist, so singt er sein gesang wie der storck Paracelsus opera 2, 229, d. h. 'leistet er nicht mehr wie ein quacksalber'; s. auch unten die belege unter c) oder sein landfahrendes wesen (vgl.: alle mannsleute in Pieve treiben handel mit bildern, landkarten, ... usw. bis nach Tobolsk — sie kommen wie die storken ins land, d. h. man weisz nicht, woher sie kommen Hebel 1, 271 Grote). — im übrigen besteht für unser wort nächster zusammenhang mit oben 2storge, f. (vgl. auch storgen, verb., 2): das erzählen wunderbarer, auch aufschneiderischer geschichten als werbendes mittel dieser weitherumgekommenen landstreicher (vgl. auch Gombert bemerkungen [1878] 4).
a) eine salbe von einem störger kaufen, comprar' un unguento da qualche ciarlatano Kramer dict. 2 (1702), 986c; doctores, storger, apotheker, materialisten Moscherosch gesichte 1, 641; es hinderschleichen aber die leichtfertigen diebe, die storger den armen patienten mit versprechungen güldner berge, da sie doch nichts erlehrnet, nichts erfahren, vil weniger studirt hätten als mit mercurius und antimonium die arme leute dergestalt hinzurichten 1, 642; ich werde meine patienten alten und erfahrnen ärzten zuweisen, sie vor storchern, universalisten, balsamkrämern ... warnen briefe die neueste litt. betreffend 16, 83; dasselbe publikum, das man vor unwissenden storchern warnet allgem. deutsche bibl. (anhang) 1—12, 601.

[Bd. 19, Sp. 417]


geradezu die übersetzung von charlatan: Christophorus Gordi, genand der blinde, von Forli, ein bekanter italianischer storger Boccalini relationes (1644) 352; vor ungefehr zwey jahren trat in Lycia ein storcher auf medic. maulaffe 277. — neben quacksalber (th. 7 sp. 2293) und dem landfahrenden zahnarzt, dem zahnbrecher: so wenig etwann ein storger, zahnbrecher oder quacksalber ... die arztneykunst beschimpfen ... kann Harsdörffer poet. trichter 3, a 3b; dreyerley leute ... betrügen einen am meisten um die zeit; als: die comödianten, possenreiszer und storger oder zahnbrecher Butschky Pathmos 416; zahnbrecher und storger Boccalini relationes 352; die medici, ... hurenwirth, auch die storger und zahnbrecher behelfen sie sich nit mit lüge? Agyrtas grillenvertreiber (1670) 85, vgl.:

ein storger erst gewesen bin,
aber zu klein wolt seyn der gwin,
ich kundte nicht liegen genug:
die bawren waren mir zu klug;
mein wurmsam wolt nicht operiern,
dasz er die kinder mächt hoffiern,
wolt ich den weibern zähn ausbrechen,
oder ihn den staren stechen:
hetten sies lieber gsetzet ein,
wolten auch so nicht gstochen seyn
Mangold marckschiff E 4;

von den pilgern, umziehenden spenglern, schleifern, storgern oder quacksalbern Simplic. (1648) 3, 137 und unten.neben dem theriakkrämer (th. 11 sp. 367): an eim volgenden jahrmarkt kam noch ein ander frembder, wie man sie nennet störger und tyriacksmann, der rühmet grosz von seinem tyriack Kirchhof wendunmuth 2, 166; vgl. auch Fries spiegel der artznei (1518) 164b (Schmidt elsäss. wb. 314b). — neben dem segensprecher (th. 10, 1 sp. 114): einer aber, den solcher schimpf sehr verdrosz, und der vor diesem auf erden für einen berühmten storger und segensprecher gehalten worden, stunde auf Moscherosch gesichte 1, 480.
b) als betrügerischer landfahrer (th. 6 sp. 114 unter 3): solches (ob das weib einen sohn gebären würde) versprach ihm ein storger oder landfahrer zu sagen Harsdörffer schauplatz 2, 148; Simplex ein storger und landfahrer ist Simpl. 1 (4, 8), 377; wie er ein landfahrender storger und leutebetrüger worden 312 neudr.;

ewer aber so viel schälk hrin seidt:
jüden, spitzbuben, brillenreiszer,
gaugler, storger, landbescheiszer
Mangold marckschiff A 2.


c) ihr marktschreierisches wesen erklärt die entwicklung von storgen, verb., 2: ich habe dis eben nicht von denen herren medicis und doctoren, sondern von storchern, quacksalbern, markschreiern gesaget J. Riemer der trunkene träumer (1614) 242; ihr herren, ich bin kein schreyer, kein storger, kein quacksalber, kein artzt, sonder ein künstler Simpl. 2, 50 Keller; herr Fresenius handelt wie ein ordentlicher artzt, die Herrnhuter aber wie storger und marcktschreier der umgestimte nachklang (1748) 53; dieses kaufmännische erziehungsgewerbe hat eine lehrartenanpreisung, ein abrichtungsausbieten veranlaszt; glücksritter und marktschreierische storcher posaunen von ihren wunderthaten, um kinder zu bekommen F. L. Jahn werke 1, 192, s. auch den beleg unter marktschreier th. 6 sp. 1655. — die zunge ist ihm wohl gelöset, und solte er sich treflich zum storger oder zungendriescher schicken kunst über alle künste 44, 13.
d) in ihrer begleitung (zum heranlocken der kunden) wilde thiere: das hatte eben ein ansehen, als wan ein marckschreyer oder storger mit seinem affen auf eine kirchmesse geritten wäre Simpl. 500 neudr.; da kam von ungefähr auch dahin ein umziehender markschreier, quacksalber oder störger mit einem sehr groszen zahmen löwen Happel relationes curiosae 2, 740.
 
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storgerbude, störgerbude, f., jahrmarktsbude des vorigen: storgerbude Stieler 105; störgerbude, störgerbüne stanza, it. palco, palchetto da ciarlatano ò salt' imbanco Kramer dict. 2, 986c; die storcherbuden erschallen ... von warnungen wider die charlatans allg. deutsche bibl. 33, 42; ein marktschreier will eine storcherbude anlegen Timme luftbaumeister (1785) 630 (Müller-Fraureuth 2, 569b). —
 
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storgerbühne, f., brettergerüst (selbständig

[Bd. 19, Sp. 418]


oder vor der storgerbude), auf welchem der storger seine künste anpreist Kramer u. dem vorigen: der dorfbarbier hatte sein talent auf der storcherbühne eines zahnbrechers geübt, dessen famulus und lockvogel er war Langbein bei Müller-Fraureuth 2, 569b;

man waget den versuch, und baut im nächsten orte
zwo grosze storgerbühnen auf,
Apollo hat als arzt viel herrliches zu kauf
Hagedorn poet. w. 2, 128.

bildliche einkleidung für die schaumschlägerei des litterarisch-ästhetischen schreiers: jeder hanswurst der eine kunstrichterbude aufgeschlagen, verlappt seine storgerbühne mit allerweltsflicken F. L. Jahn werke 2, 397; durch die schichtung der hochschüler hat der streitschriftler den nötigen baustoff bekommen, um seine storgerbühne zur ahnenprobe der weiber zu werken 2, 824.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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