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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
störer bis störfleisch (Bd. 19, Sp. 412 bis 415)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) störer, m. (zu 2stören, verb.): 'einer, der auf die stör (s. oben) geht', überhaupt 'pfuscher, der unbefugt ein handwerk treibt'; mhd. stœrære, vgl. M. Heyne altd. handwerk 162; handwörterb. der staatswissensch.2 4, 373: schon in deutlicher erkenntnisz der zugehörigkeit zu 1stören, verb. störer, turbator opificii 'einer, der gute handwerksordnung stört' Frisch 2, 340c (vgl. dazu noch unten zunft zu ziemen, verb.), so auch in der zusammensetzung: handwerksstörer, busbaccone Kramer dict. 2 (1702), 985b; s. auch unten die wohl unter dem einflusz von storch stehende form storger. — unter den begrifflichen entsprechungen vgl. noch pfuscher (th. 7 sp. 1815, als fuscher, th. 4, 1 sp. 961); und nach Kramer und Campe in der Schweiz schübler (th. 9 sp. 1821), wozu der gaunerausdruck auf schub gehen, einen hausdiebstahl begehen (sp. 1812 unter 1, g) zu vergleichen ist, doch andererseits s. gegenüber der bedeutung schübler 'fresser' die entsprechende entwicklung von schlucker bis zum armen schlucker (z. b. in einer kunst; sp. 805). — dazu die durch reim wie begriff gleicherweis verbundenen hümpler (th. 4, 2 sp. 1909 unter 2) und stümpler (s. unten). — neben bönhase (th. 2 sp. 237) als nationalökonom. terminus: wie die zunftmeister gegen störer und bönhasen, so gingen sie (die frauenhäuser) gegen den unlauteren wettbewerb der 'heimlichen' frauen vor K. Bücher frauenfrage im ma.2 57 (vgl. deutsch. buchhandel 93).
a) einzelheiten: vornehmliches hervortreten im schneiderhandwerk: ouch wo man die störer (des schneiderhandwerks) ankompt, dy sal man mit dem gewande in das gerichte antworten Breslauer urkundenb. 228, 13 (j. 1361); vgl.: du hast den hencker hiemit eine feine kappen zugeschnitten, wenn nur einer were, der sie zusammennehen wollte. aber ich bilde mir einen solchen tüglichen schneider nicht ein: von aufschneiden der störer höre ich zwar Prätorius glückstopf 80. — storer neben dem nur kaldaunen verkaufenden kuttler (th. 5 sp. 2907) Thurneisser archidoxa 11; neben hümpler (s. darüber die einl.): die hümpler und störer ahmen nach den handwerken, wollen auch kunstreiche meister sein Luther tischreden 203; tischer, zimmerleute, schmiede, töpfer, drechsler, wenn sie etwas gutes machen wollen, und gute meister werden, so müssen sie nur ein handwerk können, und demselben obliegen, sonst werden hümpler, störer, und endlich bettler draus, zumal wenn sie fünfzehn handwerke können wollen Mathesius Syrach 2, 137a; und so sonst in der vergleichsrede: wenn ein buch oder predigt nicht in der apostel bley stehet, und das bleyscheid schlegt nicht recht ein, so soll uns lerer und schreiber als ein hümpler und störer, der nicht den rechten steinmetzengrusz kann, billig verdechtig sein Sarepta 98b; damit man nicht die öfen in der hütte gottes, mit störern, hümplern ... verdorben und faulen handwerksleuten bestelle 151b. — und pfuscher: wer nie ein schüler war, der gab auch nie keinen meister, sondern bleibet ein hümpler, störer oder pfuscher, er komme in die schuele oder kirche Syrach 2, 136a; dasz das ... seelenhandwerk das stärkste sey, welches die meisten fuscher und störer hat Prätorius katzenveit G 2. — neben stümpler (s. einl.): die alten kalmäuser ... seyen nit besser als die kesselflicker, welche zu Altzey in der Churpfaltz der kupfer- und kaltschmidzunft nicht fähig wären, dieweil sie nur vor stümpler und störer gehalten würden Grimmelshausen traumgeschicht 44. — ihr herumziehen im flachen land: vielweiniger sollen die storer aufm lande, in flecken und dörfern zu arbeiten gelitten werden cod. dipl. Brandenb. I 4, 383 (privileg für d. kürschner in Neuruppin v. 1589). —

[Bd. 19, Sp. 413]


sie haben am orte kein meisterrecht: es sol auch den störern so flickwerck treyben und haussässig sind, obgleich derselben ainer im handwerck nit zugelassen wär, dannach gestatt werden, den armen leuten und inwonern des lands ire klayder, sättl, commet, und anders zu pessern und zu flicken landpot in Ober- und Nider-Bayern (1516) 52b; sie (die frau) setzt keinen stöhrer auf ihres mannes werkstatt Lehmann 173, zumeist handwerksgeselle ohne meisterstück, und nur zunftrechtlich kann der fremde meister (wie im folgenden) ihm gleichgestellt werden: das sich die unterthanen im purkfridt und urbar frembter maister und störer in allen handwerchern bei obgesetzter straff enthalten niederösterr. weist. 3, 798, 22; deshalb wegwerfend: er ist nur ein störer, egli non è che busbaccone Kramer dict. 2, 985b.
b) im bereich der anspruchsvollen kauf- und bescheidneren kramergilde 'der im lande herumziehende hausierer' ('der von haus zu haus zieht', s. hausierer th. 4, 2 sp. 674 unter 3): hausirer, landstreicher und stöhrer, werden insgemein diejenigen crähmer und auswärtigen kaufleute genennet, welche allerhand fremde waaren von hause zu hause tragen und verkaufen allgem. haushalt. lexic. 2, 511a; (so mit begrifflichem einschlusz von a:)

städter hassen stöhrer heftig, die im lande rumher streifen
Logau 411, 15.

übernommen in den bereich der medicin 'der quacksalber, salbenkrämer, pfuscher' (auch hier die wirthschaftliche schädigung der zünftigen, ortsangesessenen ärzte von unserem wort in den vordergrund gestellt): dorftrumpeln, störer, schlagfluszmacher Fischart groszmutter 94; und such ten immer new heylstett und unterschleif, bis sie endlich mit schanden, wie die störer, auf und ausgetriben Mathesius werke 3, 268; denn wie kann ein gemeiner mann, oder sonsten ein störer die artzneien nicht gebrauchen, wenn er weder der krankheit oder der artzneien natur und eigenschaft weis J. Knobloch kurtzer bericht von dem podagra (1606) 82; also ist machina mundi in ihrer wirkung, die dann der artzt wissen soll, er sey dann ein arszkratzer oder dergleichen störer Paracelsus opera 1, 1063; von fuschern und störrern seitenüberschrift über dem gedicht 'von der löblichen chirurgie' bei Gg. Schober reimbuch 314 (um 1690; landesbibl. Kassel, ms. poet. fol. 17);

darüber klagn die medici,
wie andr störer sich unterstehn,
das sie wolln zum kranken gehn
Herlicius musicomastix D 7;

neben stationierer, dem bettelmönch, welcher mit reliquien zum zweck der wunderheilung im lande herumzieht (s. th. 10, 2 sp. 944): farende schüler, landsknechte, störer, stationierer, starke mönch und pfaffen S. Franck sprichw. (1541) 2, 76b. — im 18. jahrh. schon unverstanden, noch einmal hervorgesucht: allgem. haushalt. lexic. 2, 598b f.
c) störer (als volkswitz) der einem ehemann ins gehege kommt (ins handwerk pfuscht) Schmeller2 2, 780.
 
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störerei, f. betragen, handlung, werk eines störers.
1) entsprechend 1störer, m., störerey, turbatio Frisch 2, 340c, wie oben 1stören, subst. (unter dem verb. 12, b) und unten störung, f.
2) insbesondere entsprechend 2störer, m., im kreise des zunftrechts störerey, belegt für das 16. und den anf. des 17. jahrhs. Schmeller2 2, 780; busbaccheria Kramer dict. 2 (1702), 985b; turbatio opificum Haym jur. 1185. — (fürsten sollten) den störern und bönhasen wehren, dasz sie ihre störerey bleiben lassen Stieler zeitungslust 37; störerey treiben, mit störerey sich behelfen busbaccare, far' strapazza mestiere Kramer a. a. o.
 
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störerin, f. , zu oben störer: turbatrix Frisch 2, 340c.
1) eigentlich (entsprechend 1stören, verb. 2, b), von weiblichen personen: der erste zorn über eine unerwartete störerinn, oder einen unbehaglichen zerstörer ihrer süszen unterredungen Zimmermann über die einsamkeit 4, 176; störerin der allgemeinen ruhe Hippel lebensläufe 2, 434; so beratschlagte sie, wie sie sich an dieser störerinn ihres ehefriedens rächen möchte Bürger 269b Bohtz; sich mit diesen stöhrerinnen ihre glückseligkeit nicht (befreunden) theater der Deutschen 7, 5; sobald Dorel ...

[Bd. 19, Sp. 414]


in dir eine störerin jener heimlichkeiten entdeckt, die du bisher begünstiget, so streift sie auch die letzte rücksicht, wodurch sie sich noch gebunden hielt, leidenschaftlich ab Holtei erz. schr. 14, 126; die störerin unschuldiger freuden 24, 162; der junge buchhalter hörte ..., dasz sie die störerin des allgemeinen friedens, eine gefährliche ... kokette wäre Gutzkow zauberer v. Rom 1, 52 (Holtei erz. schr. 19, 203); der reizenden störerin ein halblautes, schmachtendes: 'ha! meine Emmeline!' (zuhauchen) Gaudy 8, 114;

so leb denn wohl, tyrannin meiner tage,
du störerin noch nie gestörter ruh!
Gökingk ged. 1, 106 (
Henrici ernst.-scherz. u. sat. ged. 1, 105).

entsprechend 1störer, m. 1, b, γ im lehnrecht (im folgenden das recht, ein afterlehen auszutheilen): und suln auch wir, die geistlichen frawen dacz der Himelporten ze Wienn, des egenanten gruntrechts alle selber stifterinn und storerinn sein, wenn des durft geschicht und sol uns ein iglich abt des closters dacz den Schotten ze Wienn daran dhain irrung nicht tun weder umb vil noch umb wenig urkb. der benedict. abtei unserer lieben frau zu den Schotten in Wien 253 (z. j. 1355) Hauswirth.
2) bildlich: die schauspiele ... quellen der tugenden und störerinnen der laster Gottsched beyträge zu crit. historie 8, 297; vernunft, die störerin des vergnügens? Herder 8, 110 (Mendelssohn ges. schr. 1, 112); eine bange sorge um dich war oft die störerin meines vergnügens Schleiermacher leben 1, 90; machten sich die menschen nur näher bekannt mit ihr (der sittenstrenge), so würden sie bald finden, dasz sie keine störerin wahrer vergnügen ist J. G. Schaffner mein leben (1821) 427. — o eitelkeit! störerinn alles wahren lebensgenusses! allg. deutsche bibl. 40, 131; seine übermacht bei Deutschlands unmacht ist die ewige störerin des gleichgewichts Fr. L. Jahn werke 2, 586; die politik störerin der häuslichen ordnung? Gutzkow ritter vom geiste 1, 244 (vgl. Wieland Agathon 2, 75);

also in summa summarum
so ist lieb leydens anefanck ..
ein blendung der vernunft und sinn,
ehlicher keuscheyt störerin
Hans Sachs 3, 415 Keller;

du groszer könig, keine sorge sei
des festes störerinn, das dich, o haupt,
du schutz der völker, feirt
Stolberg 4, 87;

auch: o welche eine grosze störerin ist nicht die zügellosigkeit im urtheilen! Bode Montaigne 4, 169. — die that, als störerin, miszfällt. die grösze der that bestimmt die grösze des miszfallens Herbart werke 8, 57.
 
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störfahrt, f., 'besuchfahrt' im spiel mit 2stören, verb. 'auf die stör fahren' (?): ich bin unterdessen zu hause und betheilige mich erst an den festlichkeiten, als die störfahrt nach der Amönenhöhe beginnt. die sechs fahrzeuge werden von pferden gezogen, uns scheint es bequemer und angenehmer nebenher zu wandern Hoffmann v. Fallersleben leben 4, 254.
 
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störfalle, f., fischfalle zum fang des störs (acipenser sturio, s. oben) Krünitz 174, 550. —
 
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störfang, m., wie unten störfischerei (Krünitz 174, 531); in den formen: und 4 scot den knechten of dem sthurfange geschankt Marienb. tresslerbuch 113 Joachim; so war zu der zeit wenig geniesz des stierfangs, damit er mit aller nott kom sein eingesalzten visch auf Marienburg kunte geben S. Grunau preusz. chr. 2, 410. — auch gehet jetzt (im april) der störfang an Hohberg georgica 1, 117 (haushalt. lexic. 1, b 4a); der störfang bei Pillau allg. deutsche bibl. 64, 130; der störfang wird besonders im frühjahr betrieben Ritter erdkunde 2, 640; der störfang, welcher oft riesenhafte tiere und einen kaviar liefert, der dem russischen wenig nachgibt Allmers marschenbuch 1/2, 123. — dazu störfangplatz, m., welcher störfang besonders begünstigt H. Quantz störfischerei 7. —
 
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störfäszchen, n., zur aufnahme von pökelfleisch des störs Krünitz 174, 537.
 
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storfen, m., spielform zu unten storren 'truncus'. wer ain zaun machet pei dem gemain geweg, der schol stozen die storfen von den gerten auf seinen tail österreich. weist. 4, 1, 309.

[Bd. 19, Sp. 415]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) störfisch, m.
1) ungewöhnlich wie oben stör (acipenser sturio), so bei Kramer dict. 2 (1702), 984c (neben stör).
2) fleisch vom stör (vgl. fisch th. 3 sp. 1680 unter 5): Cicero schreibet, dasz man z denen sage, die die wollust nicht fast achten, sie essen lieber moene (cyprinus cephalus, th. 6 sp. 2470) denn störfisch Heyden Plinius (1565) 360 (neben stör 339); beyde (fangplätze) sind so ergiebig, dasz man ... vom störfisch die oka für sechs kreuzer (haben kann) allgem. deutsche bibl. 51, 343. —
 
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störfischer, m., welcher sich mit dem fang des störs abgiebt H. Quantz störfischerei (1903) 7. — dazu störfischerei, f.: an der fluszmündung eine starke störfischerei, an die handelsleute von Astrakhan verpachtet Ritter erdkunde 8, 648 (allg. deutsche bibl. 83, 193); am groszartigsten wurde die störfischerei von jeher in Russland betrieben Brehm 8, 430 Pechuel-Lösche (s. auch oben störfang und unten störjagd). —
 
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störfleisch, n., fleisch vom stör (erst in neuerer händlersprache, vgl. den gegensatz von fisch und fleisch th. 3 sp. 1680 und störfisch 2): Cicero macht es den schwelgern zum vorwurf, dasz sie störfleisch äszen Oken 6, 69; pastete von störfleisch Krünitz 174, 549; (die untere Donau, die) Österreich mit störfleisch ... versorgte Brehm 8, 430 Pechuel- Lösche (vgl. auch oben 1stör, m., 5). —

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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