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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stören bis störfahrt (Bd. 19, Sp. 405 bis 414)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stören, verb. , entsprechend oben stör, f., 'auf kundenarbeit gehen, handwerkerliche arbeit im hause eines kunden verrichten'; unser wort spiegelt besonders die gilderechtliche seite des vorganges, im gegensatz zu hudeln (th. 4, 2 sp. 1863 unter 1, b 'liederliche arbeit leisten' zu hudel, m.

[Bd. 19, Sp. 406]


'lappen, lumpen') und pfuschen (th. 7 sp. 1814, wahrscheinlich eine falsche verhochdeutschung von md. puschen zu pusch, nhd. busch, th. 2 sp. 1556, vgl. Müller - Fraureuth 1, 172b, also 'heimlich im busch arbeiten' wie die kesselflicker und andere verachtete gewerbe; Schmeller2 1, 412 bringt ein obs. buschen 'verbotner weise davongehen, z. b. die schule verlassen', eigentl. 'zum spiel den busch aufsuchen und zugleich einer drohenden strafe durch dieses versteck sich vorläufig entziehen', vgl. noch ein gewisz auf das ndd. zurückgehendes schwed. verb. buskhasa, ganz entsprechend bönhasen, verb. 'als bönhase arbeiten', th. 2 sp. 237, puschbecker Elbing und Danzig für den urspr. in seinem zunftrecht beschränkten losbäcker und überhaupt hierzu C. Walther zeitschr. f. deutsche wortf. 8, 191 f.) — zu der herleitung aus stören, verb. (turbare) in dem sinne 'gegen die zunftordnung handeln' u. ä., vgl. als ganz entsprechend dem gebrauch unter 1, c die wendung: in ein handwerck stören, stuzziccare cioè guastare, strapazzare un mestiero Kramer dict. 2 (1702), 985b. — als erhellungen aus begrifflichen nachbargebieten vgl.: si wurdend ... uf den wuchenmarckten mit mengerlei nwen ufsetzen ... beschwert, ouch etwa ze ziten inen feiler kouf gar gestrt Äg. Tschudi chronic. helvetic. 1, 231;

die daʒ rehte singen stœrent,
der ist ungelîche mêre
danne die eʒ gerne hœrent
Walther 65, 9;

s. im übrigen oben stör, f. und unten 2störer, m.
a) stören, turbare officia Stieler (Rädlein 848a); 'sich gegen die zunftordnung arbeit verschaffen, durch hausieren oder herumziehen von ort zu ort' Schmeller2 2, 780, vgl. Unger - Khull steir. wb. 580b; insbesondere appenz störe 'auf der störe sein, auf die störe gehen, vom schneider, welcher auszer dem hause arbeitet' Tobler 412a;

darnach er (der handwerker) sich auf den dörfern nert,
stört und pfuscht, wo er kan,
also verdirbt der hantwerksman
Schade satiren und pasquille 1, 174.


b) auch im umkreis der medizin an stelle des gebräuchlichen storgen (s. unten): also es pfarnert und diacont sich übel, wenn er (der pfarrer) stort und ist ein arzt milte Mathesius Syrach 2, 136b.
c) (verblaszt) überhaupt 'im lande herumfahren' Schmeller2 2, 780 (verordn. v. 1572; 1615; 1687), elsäss. storen 'langsam gehen', deutlicher in herumstoren, 'herumschlendern, sich herumtreiben' Martin-Lienhart 2, 611a, vgl. im übrigen unten storgen, verb.
 
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stören, verb., (in der salzsiederei) von der soole 'verdampfen bis zur sättigung' Muspratt chemie 6, 619; wohl ursprünglich in anlehnung an eine technische verrichtung entsprechend 1stören, verb. (unter 1): etwa 'die soole durch rühren mit einer stange (störstange, einem störl) zur stärkeren verdampfung bringen'; der sich anschlieszende vorgang der weiteren krystallisation unter sogen, verb. (th. 10, 1 sp. 1406).
 
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störenfeind, m., eigentlich 'wehr dem feind' u. ä., doch im folgenden eine miszverstandene umformung des folgenden: werden sie darüber unrhüwig leut gescholten oder störnfeinde, missen sie es geschehen lassen Nigrinus papist. inquisition b 1b.
 
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störenfried, m. , 'der friedensstörer, unruhstifter' u. s. w., imperat. bildung (zu 1stören, verb. 2, a, α), in der form störfriede bei Christ. Irenäus (s. unten). als störefried noch bei Krünitz 174, 626 und Campe (doch 'gewöhnlich hört man störenfried' ebenda) und bei den Östreichern F. Bach (gedichte 3, 109 bibl. deutscher schriftst. aus Böhmen) und Bauernfeld, doch auch im norden und mittel Deutschlands:

mag störefrieden nur verboten seyn,
die freye fahrt (Hamburgs) mit drangsal zu verriegeln
Weichmann poesie der Niedersachsen 3, 77;

sie hat ihm weisz gemacht, wir alle wären froh,
wenn der verdammte mops läg in präsepio;
man wäre lange schon des knurrens, schnarchens müde
und habe keine ruh vor diesem störefriede
Kotzebue dram. w. 40, 259

(und wiederholt bei ihm; doch möglichkeit, dasz er es seiner Wiener zeit verdankt). nach Buchner anleit. z. deutsch.

[Bd. 19, Sp. 407]


poeterei (1665) 56 ist unser wort 'fast nur bey gemeinen leuten in brauch' (ein offensichtlich auf völliger verkennung der wortstructur beruhendes urtheil). — die flexion ist stark, entsprechend der älteren weise von friede (s. th. 4, 1, 1 sp. 181): der störenfried, des störenfried(e)s Hayneccius (s. unter h) u. s. w. in ihrer erhaltung wohl durch den personalen inhalt des wortes gefördert.
a) möglich, dasz für unseren wortbegriff einiges kostüm aus höllischen kreisen entlehnt wurde, vgl. zusammenrückungen wie der neidische geist und rechte störenfried Mathesius Sarepta 235a (vgl. werke 3, 218); o weh euch, ir Judaskinder, ir störenfridt und teufelischen hetzhundt Joh. Nas antipap. eins und hundert 3, 83a; nun aber richtet der störfriede, der sathan, alles hertzleidt unter und zwischen den eheleuten, und auch sonsten an Christ. Irenäus Adam u. Eva (1570) y 7b; (es hetzt) der unruige hellische mordgeist und störfriede grosze potentaten, könige ... in und wider einander spiegel des ewigen lebens (1585) Nn 4a; weil aber ... der höllische störenfried allerley unkrautssahmen unter den christen auszustreuen gehässig (ist) Hohberg georgica 1, 37. vgl. noch wie denn dargegen die störenfriede Belials kinder sein Mathesius Syrach 2, 17a, eine neigung, die weltanschauung und kunst des reformatorischen zeitalters gleich nahe lag.
b) mannigfach 'der die ruhe, den frieden seiner mitmenschen stört', oft durch entsprechende begriffsbeiordnung weiter erläutert (so im bereich des landfriedens u. s. w.): Johannes der teufer muszte ein störenfried und aufrührer gewesen sein Joh. Prätorius calvinisch gasthausz zur narrenkapfen genant (1598) vorr. 3b; von zanksüchtigen und störenfrieden also (sagen) Nigrinus papist. inquisition 206; als dieses (die abgöttischen ceremonien) gestillet, hat der störenfried (der polnische adel) zu einstellung der neuen religion, wider den hertzogen einen auswendigen krieg erreget Rätel-Curäus chron. des herzogt. Schlesien (1607) 3; du bluthund und störenfried Rinkhart christl. ritter 54 neudr.; (Friedrich II.,) der gefürchtete störenfried, der rebell gegen kaiser und reich, erschien der nation jetzt als der weise beschirmer des rechtes Treitschke deutsche geschichte 1, 67; (heute ungewöhnlich:) gelegentlich sind auch störenfriede (in die Indianerdörfer) eingefallen K. v. d. Steinen naturvölker Zentral-Brasiliens 213 (Ratzel völkerkunde 2, 317);

da Mars, der störenfried, sich rüstete zum kriegen
Neumark neuspr. palmbaum 10;

das wunderschöne feld,
da eitel freude blühet,
kein störenfried hinsiehet
Treuer deutscher Dädalus 1, 498;

so schlaget oder schieszt mit pulver oder schrot
so einen störenfried ohn alle gnade tot
Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 4, 251;

dann erst wird in unsern tagen
Deutschland siegreich alles schlagen,
jeden störenfried und feind
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 5, 157 (
Fr. L. Jahn werke 1, 247; 2, 842);

dieser atheist und störenfried Jean Paul Siebenkäs 4, 55; wer immer in der geschichte förderlich gewesen, ist zuerst ketzer und störenfried ... gewesen Lagarde deutsche schr. 154 (Treitschke histor. u. polit. aufs. 2, 237); vgl. noch:

bistu nicht auch der störenfried?
der sich der himelsruhe genied,
mit allen schanden und schelmerein
Hayneccius Hans Pfriem 66 neudr.;

da kömmt der störenfried und will mein haus verwirren! Musäus volksmärchen 1, 130; ein solcher störenfried in meiner familie zu werden! Fr. L. Schröder dram. werke 1, 6; da habe ich mir einen schönen störenfried ... in das haus geladen Immermann w. 3, 122; sie sind der störenfried in ihrem eigenen hause Mich. Beer werke 709; sie hielten mich bisher für einen störefried, für den bösen geist Asmodi, der die ruhe der künftigen ehe in vorhinein bedroht Bauernfeld ges. schr. 3, 219.
c) verblaszt (und harmloser als das vorige), überhaupt 'der eine störung, unterbrechung verursacht' (vgl. 1stören, verb. 2, b, β): das gute mädchen, wenn sie kein störenfried sein wollte, muszte dem paar gesellschaft leisten

[Bd. 19, Sp. 408]


Meyr erzählungen aus dem Ries 1, 56; doch da wollte der zufall, dasz gleich nach ihm der doctor als störenfried eintrat, und es gab nichts als ein zerpflücktes gespräch G. Freytag 6, 221 (vgl. Immermann werke 5, 208); ein vorzügliches beispiel davon ist die satzung, dasz, wenn jemand einem öffentlich redenden ins wort fällt, dem störenfried ... ein derbes ... loch in den rock geschnitten wird Mommsen röm. geschichte 3, 285; bei feierlichen aufzügen waren sie (die reichsgrafen) in der regel die störenfriede, indem sie irgend eine streitfrage des ranges oder der reihenfolge dazwischen warfen Häusser deutsche geschichte 1, 83.
d) von einem abstracten begriff: (der gesichtspunkt des glücks) der störenfried in der wissenschaft Nietzsche w. 2, 23.
e) mit einem abhängigen gen.: nach einem siegreich durchkämpften nachttreffen wider den furchtbarsten störenfried dieser marken Fouqué jahreszeiten 4, 258; sie stellten diesen staat dar als den störenfried Europas Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 164. auch:

es würgt der aufgereizte bär
die störenfriede seines schlummers
Kretschmann w. 2, 227;

diesen störenfried meiner ruhe (verscheuchen) Fontane I 4, 85; der preussische bevollmächtigte ... erschien wie der störenfried der deutschen einigkeit Treitschke deutsche geschichte 3, 30; es war Deutschlands mission, den störenfried der ruhe Europas (Frankreich) unschädlich zu machen neue preusz. zeit. (1871) nr. 106 (1. beil.).
f) mit adject.: ein rechter störenfried Schottel teutsche haubtsprache 87; sondern vielmehr von innerlichen stöhrenfrieden Prätorius reform. astrol. 228; vgl. DWB den häuslichen störenfried Gutzkow w. 5, 206 (8, 299); wie er war zum friedlichen fürsten ... bestimmt und machte sich statt dessen zum europäischen störenfried Strausz schr. 11, 207; da sollte mir nicht irgend ein unbefugter stöhrenfried in den weg treten dürfen Fouqué altsächsischer bildersaal 2, 610; in diesen bald ränkevollen, bald rathlosen zwisten war Lubecki der beständige störenfried Gervinus gesch. d. 19. jahrh. 7, 70; der wilde störenfried Gutzkow w. 6, 239. — berührung des ausgangs unter a: mit einem leibhaftigen störenfried lässt sich fertig werden L. v. Francois letzte Reckenburgerin 1, 220.
g) im verbalen gefüge (meinungsweise): einen als störenfried betrachten, vgl. Strausz schr. 6, 261; man kommt sogar soweit, männer wie Savonarola ... als störenfriede anzusehen, die mit rohen händen in ein harmonisches gewebe packen Herman Grimm Michelangelo 2, 211; in Luther und Friedrich dem groszen ... störenfriede erblicken Treitschke hist. u. polit. aufs. 2, 237. — (thätlich:) der störenfried tritt dazwischen, ruht nicht (Arnold kirchen und ketzerhistorie 245a) u. s. w. — den störenfried entfernen Gutzkow ritter vom geiste 4, 32; den störenfried ... aus den mauern von schlosz Eichengrün jagen Holtei erz. schr. 9, 151; aus dem fenster werfen, als wunsch bei Laube ges. schr. 8, 114.
h) mehr nur 'wesen, gesinnung eines störenfriedes': wenn B. sich entweder auf seinen störenfried steift oder ihn leugnet G. Freytag 14, 192;

und ist zwar bis anher geschehn,
das man sich keines zanks versehn,
bis heut allein, da der gespan
herein ist kommen, weis von wann,
der ist des störenfrieds gefliessn,
obs schimpf oder ernst, kann ich nicht wissn
Hayneccius Hans Pfriem 38 neudr. (s. geflissen th. 4, 1, 1 sp. 2144).


 
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störenfriedisch, adj. zum vorigen: hat nicht Luther ... ein grewlichs störnfridisch schelmstuck begangen Nas antipap. eins und hundert 5, 358a.
 
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störente, f., die grosze wildente 'anas boschas fera' zu oben: 1stören, verb. 1 'stochern, wühlen', weil sie im schlamme mit dem schnabel bohrend ihre nahrung sucht, schweiz.: sy brauchend eben die speyss wie die enten, füraus die, so die unseren storenten nennend Heusslin-Gesner vogelbuch 34b; und so bei Nemnich (neben störente) wb. 577 und Oken 7, 467. — störente bei Wiederhold (1669) 328a; Chomel öcon.-physical. lexic. 8, 1680;

[Bd. 19, Sp. 409]


Campe u. a.sonst stockente (oben sp. 84); und deshalb zu erwägen, ob unser wort nicht überhaupt miszverstanden aus storrente (zu storren, m., truncus, also auch 'waldente'), s. auch unten storzente, gewöhnlich wildente (th. 14, 2 sp. 67). — eine parallelbezeichnung zu unserem wort scheint nicht luzernisch grabent Staub-Tobler 1, 354 (also nicht zu graben, verb., sondern wohl verderbt aus grâwent 'grauente') vgl. Suolahti 427.
 
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störer, m. , zu 1stören, verb., mhd. stœrære, stœrer. — ostfries. als störder (neben störer) Doornkaat Koolman 3, 329a, eine auswucherung, die unten in storger ein nicht ganz entsprechendes hat.über den nicht ernstlich zu bezweifelnden zusammenhang von 2störer, m., mit unserem wort s. d.s. noch unten verstörer (th. 12, 1 sp. 1777) und zerstörer.
1) eine person, welche stört; turbator Frisch 2, 340c.
a) gewöhnlich durch einen genit. erläutert: einen stôrâre dises rîches specul. eccles. 61; Lucifer, an di gnad gotes storer der heiligen christenheit, guter siten und dugenden Schade satiren und pasquille 2, 99; welcher auch diesse artickel eynen adir mehir obirtreten wurde, ... der sol als eyn störer gemeynes notczes gehalten (werden) lehnsurkunden u. besitzurk. Schlesiens 1, 35 (j. 1490); (die) störer seiner brutbauten Jean Paul 40, 37 Hempel;

bald mehr vollkommenheit in thieren zu entdecken,
der vögel feind zu seyn und störer aller hecken
Lessing 1, 245;

der gedanke vom frieden(s)störer (th. 4, 1, 1 sp. 193), welcher sich hier vordrängt und in dem imperativ störenfried (s. oben) seine besondere ausprägung erfahren hat: als ein brecher und stöhrer des landfriedens Buchholz Herkuliskus 999; die stöhrer des friedens M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 1, 437 (Laube 10, 40); da die hohenstaufischen brüder nicht darauf (auf die verordnung) achteten, so erklärte er (Lothar) sie zu störern des öffentlichen friedens, und liesz einen reichskrieg gegen sie beschlieszen Schiller 9, 242; störer des weltfriedens, eroberer, tyrannen Grabbe werke 3, 132; auch: gegen jeden störer seines friedens mit unerschrockenem muth beseelt W. v. Humboldt 1, 118. — demnächst der ruhestörer (th. 8 sp. 1435): (sie) stellten ihn für ein gerichte, das ihn als einen aufwiegler und störer der gemeinen ruh zum feuer verdammte Lohenstein Arminius 1, 988b; (das medische reich,) welches ihren könig als einen störer der allgemeinen ruh verfluchte 1, 228a; (der kaiser) befahl den mönchen ..., die stadt in drey tagen zu verlassen, oder zu erwarten, dasz man sie als störer der öffentlichen ruhe ... bestrafe Zimmermann über die einsamkeit 2, 447 (Forster schr. 3, 219); Napoleon als störer der öffentlichen ruhe Fr. v. Gentz schr. 2, 394 (Klinger werke 1, 321). — in diesem auf das allgemeine gewendeten sinne: die schnellgalgen mit stricken bespannt, damit die störer der ruhe sogleich geschaukelt werden können Archenholz England u. Italien 2, 330; man bestimme die gesetze gegen die übertreter der sittlichkeit, gegen die störer der ruhe nach den bedürfnissen des augenblicks Göthe jahrbuch 19, 22; ob man den seltnen mann nicht für einen störer der ruhe halten würde? (von einem, der eine kunst erfindet, um die menschen tugendhaft zu machen) Klinger werke 12, 25. — mehr im persönlichen mikrokosmus des einzelnen: die störer eurer ruh Pfeffel poet. versuche 9, 198 (Cronegk schr. 1, 62; Gerstenberg Ugolino 222 nat. lit.); bin ich endlich ... dieser störer meiner ruhe entlediget? theater der Deutschen 7, 296 (Denis lieder Sineds des barden 151);

zu diesem hüpft das herz, mit innrer wallung zu
und flieht, voll scheuer furcht, die störer seiner ruh
Wieland natur der dinge 2, 476;

dich treff ich hier, verruchter,
verhaszter mörder, störer meiner ruh
Heine 2, 343 Elster;

sie trägt ihre klage über die stöhrer ihrer ruhe mit solchem eifer vor, dasz man ihren ernstlichen hasz gegen diese lasterhafte mit vergnügen wahrnehmen kann die vernünft. tadlerinnen 2, 322 (Gottschedin briefe 1, 128 Runkel); gegen einen solchen ungestümen stöhrer unserer ruhe insel Felsenburg 1, 61; (er) nahm durch grosze versprechungen mich ein, und ward hernach einer

[Bd. 19, Sp. 410]


der schändlichsten störer meiner ruhe Bahrdt gesch. s. lebens 3, 88; auch: stöhrer deiner eignen ruh E. v. Kleist werke 1, 71 Sauer; du selbst bist störer deiner ruh Mildheim. liederb. 92; (von einem) störer seiner gewissensruhe bedroht Holtei erz. schr. 20, 114;

wenn ehrgeiz, furcht und eigenwille
die störer meiner ruhe sind
Schwabe belustigungen 1, 312;

als freudenstörer (th. 4, 1, 1 sp. 156); disen ... störer der freuden Schaidenraisser Odyssea 74b; ich will kein störer eurer freuden sein Tieck 4, 279; in mir nur den störer ihrer unschuldigen freuden sehen Deinhardstein dram. werke 1, 27;

nun fahr hin, mordbringend leiden,
furcht, bekümmern, zweifelzagen weichet!
hin! ihr störer meiner freuden! geharnschte Venus 105 neudr.;

winter, störer solcher freuden,
die der warme sommer kennt
Knittel poet. sinnenfrüchte 20;

der mond ging auf, der störer unsrer freuden,
der Amorn oft die zeit zu lange macht:
uns kam er stets zu früh — er kam, um uns zu scheiden!
Wieland 10, 124;

o stehet uns abermal dieser störer unserer glückseligkeit, der leib, im wege, und bietet uns seine schatten, statt der wahrheit, an Mendelssohn ges. schr. 2, 116 (neue schauspiele 12, 1, 96); ich steche ... den störer meines ganzen glückes nieder Ayrenhoff werke 4, 300 (J. A. Schlegel verm. ged. 2, 176); er ist der störer seines ruhigen glücks, störer der ursprünglichen ... seligkeit Schelling werke 2/4, 260; jeden anderen störer dieser heiligen abendfeierstunde würde der neue gutsherr hart angelassen ... haben Holtei erz. schr. 12, 191;

die narren haben sich verschworen,
die störer unsrer lust zu seyn
J. A. Ebert episteln 270;

der gewaltige störer der liebe, der tod Hermes Sophiens reise 5, 407;

wo sind doch die verruchten lehrer,
der lautern freundschaftstriebe störer? neuestes aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 2, 831;

als ordnungsstörer (th. 7 sp. 1337): wenn ichs dachte — wenn ichs im mark der seele fühlte, welch ein störer der ordnung ich war! Schubart leben und gesinnungen 2, 107; (man) liefert alles, was eine meinung hat, ... an den nächsten wachtposten als störer der öffentlichen ordnung aus Gutzkow werke 7, 445 (Gaudy 13, 44); all die störer der friedlichen ordnung Mommsen röm. geschichte 3, 135. — einzelne bösewichter und störer der öffentlichen sicherheit G. Forster schr. 2, 138; als stöhrer der allgemeinen sicherheit Laukhard leben u. schicksale 3, 236. —

dich selbst nöthigt die wuth der störer deiner gesetze,
wenn sie das zögern der strafe zu neuen empörungen anreizt,
oftmals von der entheiligten erde dein antlitz zu wenden
Wieland 26, 375;

ein störer des glaubens vgl. Frankfurter reichscorrespondenz hrsg. v. J. Janssen 1, 240 (j. 1411); die mich einen valschen störer der heiligen schrift kundent erste deutsche bibel 2, 411; weder falschheit noch liebe zur abwechselnden veränderung musz ein stöhrer unserer selbstgelassenheit werden Leipziger avanturieur 1, 255; ich fliehe die fremden, da die mehresten gecken und narren sind, als störer meiner zeit und räuber meiner ruhe Winckelmann werke 10, 484; wenn doch Thanatos diesen stöhrer unsrer wünsche wegräumen wollte Ayrenhoff werke 4, 367; leider ist auch hier das leidige spiel, der störer der guten gesellschaft, eingerissen Klinger werke 1, 122; jeder andersdenkende als ein störer des ruhigen ... fortschreitens Schleiermacher reden über die religion 97; (einen) als einen störer ihres geschäfts (verwünschen) Hebbel tagebücher 2, 412; die störer ihrer abgöttischen feier (strafen) G. Freytag 9, 133. — entsprechend 1stören 2, a, γ:

das wird der frieden lösen,
der gutesbringer der,
der störer alles bösen
Treuer deutscher Dädalus 1, 579;

[Bd. 19, Sp. 411]


vgl. noch:

dann Jesus ist dem todt ein gall,
der hellen störer überall
Christoph Schwommann bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 2, 352;

als übergang zum folgenden (interpellator, s. unter 1, b, β): sey nicht der störer unsrer letzten rede Platen dramat. nachl. 21, 116 lit.-denkm.;

aber horch! was rauschet herauf im schwarzen gebüsche?
bleibe ferne! störer des sängers!
Hölderlin 1, 45 Litzmann.


b) seltener ohne solche bestimmung:
α) im stärkeren sinne: der störer, turbator Frisch 2, 340c; vgl. ostfries. störder (neben störer), person, die etwas stört od. beunruhigt, hemmt und hindert Doornkaat Koolman 3, 329a. — von hier ausgegangen, doch durch die sonderentwickelung seiner bedeutung weiter abgezweigt: 2 störer, m. (s. unten). — immer neue stöhrer, die die pläne verderben müssen, an denen wir so mühsam arbeiten L. A. Hoffmann Wertherfieber 61; der künstler stand zürnend von seiner arbeit auf, und schritt mit geschwungenem, glührothem hammer dem stöhrer entgegen Fouqué zauberring 2, 46; wird der besitzer ... im besitz gestört, so kann er von dem störer die beseitigung der störung verlangen bürgerl. gesetzbuch § 862. — für ruhestörer (th. 8 sp. 1435):

ein beiszend scharfer spott wird seines meisters pein,
und ist so strafenswerth, als stöhrer auf den gassen
Schwabe belustigungen 3, 4;

noch steht mein (der eintracht) sitz in Hamburg unverrückt;
die tapferkeit wird noch nicht müde,
dasz sie ihr schwerdt auf meine störer zückt
Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 96;

wie wenig fürsten sind, die, so wie du auf erden,
der ehen schutzherrn sind, nicht ihre störer werden!
Gottsched deutsche schaubühne 5, 14;

er kömt und nahet sich, wie du, in stillen wettern
dich fluchbeladnen städten nahst,
den tausenden, die wider ihn der störer
ins feld des krieges rief
Herder 12, 281;

vgl. die räuber, störer, aufwiegler und verwüster aller welt zu werden 18, 223. — im übergang zum folgenden:

wo keusche lieb ihr nestchen bauet,
und sich dem schatten anvertrauet;
wo nicht ein störer uns erschauet,
vor welchem meiner seele grauet!
Stolberg 2, 17.


β) abgeschwächt, entsprechend 1stören, verb. 2, b, γ; vgl. DWB störer, interpellator Frisch 2, 340c. — unzufrieden über ... den störer Fouqué jahreszeiten 1, 102; (er) rief dem störer lustig zu: 'immer herein, herr inspizient!' H. Schmid geschichten aus Bayern 78. — da (beim wiedersehen mit frau und kind) kann man keine störer brauchen G. Keller 8, 14; er (Samuel Freudenstein) wollte keinen zeugen, keinen störer haben, als er seine geheimen kasten und fächer ... öffnete W. Raabe hungerpastor 1, 173; wenn jemand das wort an ihn richten wollte, winkte er den störer unwillig mit der hand hinweg Is. Kurz lebensfluten 117 (Holtei erz. schr. 24, 268; Immermann w. 6, 73);

ich lasse sie allein.
ihr Lewson suchet sie; ich will kein stöhrer seyn sammlung v. schauspielen 8, 53;


γ) entsprechend 1stören, verb. 2, a, η: stifter und störer, der das verfügungsrecht über ein lehen hat u. s. w., belehnen und das lehen wieder entziehen kann (stiftungsbuch des klosters st. Bernhard, hrsg. v. Zeibig 198, 99); daʒ der erber man her Fridreich, hern Wolfgers sun von Awe, und sein hausvrow vrow Elspet mit guetem willen und gunst aller irer erben, und mit gesampter hant ze den zeiten, do si eʒ wol getuen mochten, und mit meiner hant verchauft habent iren weingarten ze Utelnhof, der do leit an dem perige, ... des ich rechter stifter und storer pin urkb. des stiftes Klosterneuburg 144 (z. j. 1312) Zeibig; des wir alles rechter purchherre sein, stifter und störer 214 (z. j. 1325); des vorgenanten lehens und weingarten stifter und storer und rechte lenherren urkb. der benedictinerabtei z. hl. Lambert in Altenburg 226 (z. j. 1347) Burger.

[Bd. 19, Sp. 412]



2) als geräthname:
a) dasselbe wie unten störstange, f., lange stange, von den fischern benutzt, um die fische ins netz zu scheuchen: der störer, damit man die fische in hamen jaget Luther tischreden 330b, sonst auch plümperstange (th. 7 sp. 1943), plumpstange (sp. 1944).
b) 'schmale lange eiserne haue zum auslangen der kohlen aus den abgebrannten kohlenmeilern' Schmeller2 2, 780.
c) wie oben stocher (sp. 7 unter 2), geräth zum reinigen der zähne, s. auch unten zahnstörer, dentiscalpium Frisius 389b.
 
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störer, m. (zu 2stören, verb.): 'einer, der auf die stör (s. oben) geht', überhaupt 'pfuscher, der unbefugt ein handwerk treibt'; mhd. stœrære, vgl. M. Heyne altd. handwerk 162; handwörterb. der staatswissensch.2 4, 373: schon in deutlicher erkenntnisz der zugehörigkeit zu 1stören, verb. störer, turbator opificii 'einer, der gute handwerksordnung stört' Frisch 2, 340c (vgl. dazu noch unten zunft zu ziemen, verb.), so auch in der zusammensetzung: handwerksstörer, busbaccone Kramer dict. 2 (1702), 985b; s. auch unten die wohl unter dem einflusz von storch stehende form storger. — unter den begrifflichen entsprechungen vgl. noch pfuscher (th. 7 sp. 1815, als fuscher, th. 4, 1 sp. 961); und nach Kramer und Campe in der Schweiz schübler (th. 9 sp. 1821), wozu der gaunerausdruck auf schub gehen, einen hausdiebstahl begehen (sp. 1812 unter 1, g) zu vergleichen ist, doch andererseits s. gegenüber der bedeutung schübler 'fresser' die entsprechende entwicklung von schlucker bis zum armen schlucker (z. b. in einer kunst; sp. 805). — dazu die durch reim wie begriff gleicherweis verbundenen hümpler (th. 4, 2 sp. 1909 unter 2) und stümpler (s. unten). — neben bönhase (th. 2 sp. 237) als nationalökonom. terminus: wie die zunftmeister gegen störer und bönhasen, so gingen sie (die frauenhäuser) gegen den unlauteren wettbewerb der 'heimlichen' frauen vor K. Bücher frauenfrage im ma.2 57 (vgl. deutsch. buchhandel 93).
a) einzelheiten: vornehmliches hervortreten im schneiderhandwerk: ouch wo man die störer (des schneiderhandwerks) ankompt, dy sal man mit dem gewande in das gerichte antworten Breslauer urkundenb. 228, 13 (j. 1361); vgl.: du hast den hencker hiemit eine feine kappen zugeschnitten, wenn nur einer were, der sie zusammennehen wollte. aber ich bilde mir einen solchen tüglichen schneider nicht ein: von aufschneiden der störer höre ich zwar Prätorius glückstopf 80. — storer neben dem nur kaldaunen verkaufenden kuttler (th. 5 sp. 2907) Thurneisser archidoxa 11; neben hümpler (s. darüber die einl.): die hümpler und störer ahmen nach den handwerken, wollen auch kunstreiche meister sein Luther tischreden 203; tischer, zimmerleute, schmiede, töpfer, drechsler, wenn sie etwas gutes machen wollen, und gute meister werden, so müssen sie nur ein handwerk können, und demselben obliegen, sonst werden hümpler, störer, und endlich bettler draus, zumal wenn sie fünfzehn handwerke können wollen Mathesius Syrach 2, 137a; und so sonst in der vergleichsrede: wenn ein buch oder predigt nicht in der apostel bley stehet, und das bleyscheid schlegt nicht recht ein, so soll uns lerer und schreiber als ein hümpler und störer, der nicht den rechten steinmetzengrusz kann, billig verdechtig sein Sarepta 98b; damit man nicht die öfen in der hütte gottes, mit störern, hümplern ... verdorben und faulen handwerksleuten bestelle 151b. — und pfuscher: wer nie ein schüler war, der gab auch nie keinen meister, sondern bleibet ein hümpler, störer oder pfuscher, er komme in die schuele oder kirche Syrach 2, 136a; dasz das ... seelenhandwerk das stärkste sey, welches die meisten fuscher und störer hat Prätorius katzenveit G 2. — neben stümpler (s. einl.): die alten kalmäuser ... seyen nit besser als die kesselflicker, welche zu Altzey in der Churpfaltz der kupfer- und kaltschmidzunft nicht fähig wären, dieweil sie nur vor stümpler und störer gehalten würden Grimmelshausen traumgeschicht 44. — ihr herumziehen im flachen land: vielweiniger sollen die storer aufm lande, in flecken und dörfern zu arbeiten gelitten werden cod. dipl. Brandenb. I 4, 383 (privileg für d. kürschner in Neuruppin v. 1589). —

[Bd. 19, Sp. 413]


sie haben am orte kein meisterrecht: es sol auch den störern so flickwerck treyben und haussässig sind, obgleich derselben ainer im handwerck nit zugelassen wär, dannach gestatt werden, den armen leuten und inwonern des lands ire klayder, sättl, commet, und anders zu pessern und zu flicken landpot in Ober- und Nider-Bayern (1516) 52b; sie (die frau) setzt keinen stöhrer auf ihres mannes werkstatt Lehmann 173, zumeist handwerksgeselle ohne meisterstück, und nur zunftrechtlich kann der fremde meister (wie im folgenden) ihm gleichgestellt werden: das sich die unterthanen im purkfridt und urbar frembter maister und störer in allen handwerchern bei obgesetzter straff enthalten niederösterr. weist. 3, 798, 22; deshalb wegwerfend: er ist nur ein störer, egli non è che busbaccone Kramer dict. 2, 985b.
b) im bereich der anspruchsvollen kauf- und bescheidneren kramergilde 'der im lande herumziehende hausierer' ('der von haus zu haus zieht', s. hausierer th. 4, 2 sp. 674 unter 3): hausirer, landstreicher und stöhrer, werden insgemein diejenigen crähmer und auswärtigen kaufleute genennet, welche allerhand fremde waaren von hause zu hause tragen und verkaufen allgem. haushalt. lexic. 2, 511a; (so mit begrifflichem einschlusz von a:)

städter hassen stöhrer heftig, die im lande rumher streifen
Logau 411, 15.

übernommen in den bereich der medicin 'der quacksalber, salbenkrämer, pfuscher' (auch hier die wirthschaftliche schädigung der zünftigen, ortsangesessenen ärzte von unserem wort in den vordergrund gestellt): dorftrumpeln, störer, schlagfluszmacher Fischart groszmutter 94; und such ten immer new heylstett und unterschleif, bis sie endlich mit schanden, wie die störer, auf und ausgetriben Mathesius werke 3, 268; denn wie kann ein gemeiner mann, oder sonsten ein störer die artzneien nicht gebrauchen, wenn er weder der krankheit oder der artzneien natur und eigenschaft weis J. Knobloch kurtzer bericht von dem podagra (1606) 82; also ist machina mundi in ihrer wirkung, die dann der artzt wissen soll, er sey dann ein arszkratzer oder dergleichen störer Paracelsus opera 1, 1063; von fuschern und störrern seitenüberschrift über dem gedicht 'von der löblichen chirurgie' bei Gg. Schober reimbuch 314 (um 1690; landesbibl. Kassel, ms. poet. fol. 17);

darüber klagn die medici,
wie andr störer sich unterstehn,
das sie wolln zum kranken gehn
Herlicius musicomastix D 7;

neben stationierer, dem bettelmönch, welcher mit reliquien zum zweck der wunderheilung im lande herumzieht (s. th. 10, 2 sp. 944): farende schüler, landsknechte, störer, stationierer, starke mönch und pfaffen S. Franck sprichw. (1541) 2, 76b. — im 18. jahrh. schon unverstanden, noch einmal hervorgesucht: allgem. haushalt. lexic. 2, 598b f.
c) störer (als volkswitz) der einem ehemann ins gehege kommt (ins handwerk pfuscht) Schmeller2 2, 780.
 
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störerei, f. betragen, handlung, werk eines störers.
1) entsprechend 1störer, m., störerey, turbatio Frisch 2, 340c, wie oben 1stören, subst. (unter dem verb. 12, b) und unten störung, f.
2) insbesondere entsprechend 2störer, m., im kreise des zunftrechts störerey, belegt für das 16. und den anf. des 17. jahrhs. Schmeller2 2, 780; busbaccheria Kramer dict. 2 (1702), 985b; turbatio opificum Haym jur. 1185. — (fürsten sollten) den störern und bönhasen wehren, dasz sie ihre störerey bleiben lassen Stieler zeitungslust 37; störerey treiben, mit störerey sich behelfen busbaccare, far' strapazza mestiere Kramer a. a. o.
 
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störerin, f. , zu oben störer: turbatrix Frisch 2, 340c.
1) eigentlich (entsprechend 1stören, verb. 2, b), von weiblichen personen: der erste zorn über eine unerwartete störerinn, oder einen unbehaglichen zerstörer ihrer süszen unterredungen Zimmermann über die einsamkeit 4, 176; störerin der allgemeinen ruhe Hippel lebensläufe 2, 434; so beratschlagte sie, wie sie sich an dieser störerinn ihres ehefriedens rächen möchte Bürger 269b Bohtz; sich mit diesen stöhrerinnen ihre glückseligkeit nicht (befreunden) theater der Deutschen 7, 5; sobald Dorel ...

[Bd. 19, Sp. 414]


in dir eine störerin jener heimlichkeiten entdeckt, die du bisher begünstiget, so streift sie auch die letzte rücksicht, wodurch sie sich noch gebunden hielt, leidenschaftlich ab Holtei erz. schr. 14, 126; die störerin unschuldiger freuden 24, 162; der junge buchhalter hörte ..., dasz sie die störerin des allgemeinen friedens, eine gefährliche ... kokette wäre Gutzkow zauberer v. Rom 1, 52 (Holtei erz. schr. 19, 203); der reizenden störerin ein halblautes, schmachtendes: 'ha! meine Emmeline!' (zuhauchen) Gaudy 8, 114;

so leb denn wohl, tyrannin meiner tage,
du störerin noch nie gestörter ruh!
Gökingk ged. 1, 106 (
Henrici ernst.-scherz. u. sat. ged. 1, 105).

entsprechend 1störer, m. 1, b, γ im lehnrecht (im folgenden das recht, ein afterlehen auszutheilen): und suln auch wir, die geistlichen frawen dacz der Himelporten ze Wienn, des egenanten gruntrechts alle selber stifterinn und storerinn sein, wenn des durft geschicht und sol uns ein iglich abt des closters dacz den Schotten ze Wienn daran dhain irrung nicht tun weder umb vil noch umb wenig urkb. der benedict. abtei unserer lieben frau zu den Schotten in Wien 253 (z. j. 1355) Hauswirth.
2) bildlich: die schauspiele ... quellen der tugenden und störerinnen der laster Gottsched beyträge zu crit. historie 8, 297; vernunft, die störerin des vergnügens? Herder 8, 110 (Mendelssohn ges. schr. 1, 112); eine bange sorge um dich war oft die störerin meines vergnügens Schleiermacher leben 1, 90; machten sich die menschen nur näher bekannt mit ihr (der sittenstrenge), so würden sie bald finden, dasz sie keine störerin wahrer vergnügen ist J. G. Schaffner mein leben (1821) 427. — o eitelkeit! störerinn alles wahren lebensgenusses! allg. deutsche bibl. 40, 131; seine übermacht bei Deutschlands unmacht ist die ewige störerin des gleichgewichts Fr. L. Jahn werke 2, 586; die politik störerin der häuslichen ordnung? Gutzkow ritter vom geiste 1, 244 (vgl. Wieland Agathon 2, 75);

also in summa summarum
so ist lieb leydens anefanck ..
ein blendung der vernunft und sinn,
ehlicher keuscheyt störerin
Hans Sachs 3, 415 Keller;

du groszer könig, keine sorge sei
des festes störerinn, das dich, o haupt,
du schutz der völker, feirt
Stolberg 4, 87;

auch: o welche eine grosze störerin ist nicht die zügellosigkeit im urtheilen! Bode Montaigne 4, 169. — die that, als störerin, miszfällt. die grösze der that bestimmt die grösze des miszfallens Herbart werke 8, 57.
 
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störfahrt, f., 'besuchfahrt' im spiel mit 2stören, verb. 'auf die stör fahren' (?): ich bin unterdessen zu hause und betheilige mich erst an den festlichkeiten, als die störfahrt nach der Amönenhöhe beginnt. die sechs fahrzeuge werden von pferden gezogen, uns scheint es bequemer und angenehmer nebenher zu wandern Hoffmann v. Fallersleben leben 4, 254.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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