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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stör bis storaxerdbeere (Bd. 19, Sp. 361 bis 363)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stör, m., eine fieberkrankheit: er was krank und hött den stören deutsche städtechron. 4, 237, 7 (hett das fiefer 5, 97, 22), wohl in zusammenhang mit dem vorigen stör (aries) die krankheitserscheinung als thätigkeit eines dämonischen thieres aufgefaszt; vgl. die verwünschung: dasz dich der bock stosze (th. 2 sp. 202 unter 6). dazu auch fieber (th. 3 sp. 1620), vielleicht in einer für das krankheitsbild naheliegenden volksetymologischen anlehnung an 1stören, verb.
 
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stor, m., vorhang (als sonnenschutz) gewöhnlich noch in der aus dem franz. übernommenen form store, bayrisch auch mit fem. geschlecht Schmeller2 2, 779, sonst in anlehnung an mascul, wie laden (th. 6 sp. 40 unter 5), vorhang u. ä. über franz. store und ital. stora (storja) aus lat. storea 'matte'. — der plural ohne grund noch franz.: meine padrona verliesz ihren wagen weder bey tag noch bei nacht ... und liesz nur in den städten ausnahmsweise die stores nieder Gaudy 13, 46. doch schon: die bletter (der palme) geben store, so man sonsten aus gerörich oder binsen zubereitet, werden zu segeln in schiffe gebraucht oder werden darin die kauffmansgüter anstatt der blaen ballenweis eingeschlagen anmütiger weiszheit lustgarten (1621) 353. — bayr. stor, m., f. 'blahe, matte, geflecht zum schutz gegen sonne oder regen vor einer thür, einem fenster angebracht' Schmeller2 2, 779; stor, fenstervorhang, rolladen Martin-Lienhart 2, 610b (loss der stor abe, dass d sunne nimmer inenschint! ebenda); bayr. auch in der form storch Schmeller a. a. o., kärnt. storija, shtorija 'binsendecke, wetterdach am schiff oder wagen', aus vorausliegendem ital. storja, das auch für die consonantenverdoppelung im folgenden vorauszusetzen ist: spezialität in storren jeden systems für schaufenster Berner Bund 16. juli 1904.
 
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stör, f. , zu stören, verb., mhd. stœre.
1) störung des friedens, der gewohnten ordnung; verwirrung, vgl.: sîner vreuden stœre jüng. Titurel 179, 2 und so allgemein zum begriff 'last, plage und qual', so bayr. dés is e~ stèr mit den wasch'n Schmeller2 2, 779; heirət'n màg i nét, hed aənə's ganz lébm sei~ stèr ebenda; i hà àlləwál ə~ stèr mid meiné zend (leide viel an den zähnen) ebenda; gelt Lenzl, heunt hast ein harte stehr gehabt (der amtsknecht zu einem knaben, welcher unter verabfolgung von schlägen mit geweihter ruthe in einem Freisinger hexenprozesz [i. j. 1717] peinlich befragt wurde) Aretin beytr. (1805) 580.
2) arbeit eines handwerkers (auszerhalb seiner eigentlichen werkstätte) im kundenhaus, eigentlich entsprechend 1 'störung der zunft' (zu ziemen, verb.); ein handwerker, der solche arbeit übernahm, verging sich gegen die handwerksordnung, er störte sie, deshalb schon mhd. stœrære; s. unten 2stören, verb. und störer, m., dazu M. Heyne altdeutsches handwerk 162; Schmeller dachte zweifelnd an zusammenhang mit stor 'matte, vorhang' (s. oben), in unserm fall 'die matte auf dem stubenboden' (so entspräche denn der redensart auf der stör völlig der schwed. ausdruck für solche hausarbeit p bondens golf 'auf des bauern stubenboden'); ebensowenig hat die annahme eines zusammenhanges mit mhd storîe, storje 'gedränge, menge, schar' (s. darüber oben unter stö[e]r, m.) festen grund unter sich. auch an verwandtschaft mit storgen, verb. (s. unten) zu denken, legt nur die äuszerliche betrachtung des begriffs nahe;

[Bd. 19, Sp. 362]


die entsprechenden gebrauchsweisen unter 1stören, verb. und störer, m., rücken unser wort ganz deutlich davon ab. die form stahr in der histori Peter Lewen bringt nichts zur erklärung.
a) zufrühest mit der präposition auf, worin sich vielleicht der umstand widerspiegelt, dasz solche von den zunftgesetzen verbotene arbeit sich im hause auf dem boden unter dem dach oder auf der bühne ihr versteck suchen muszte (deshalb ein solcher handwerker auch bönhase, der wie ein hase sich auf die bühne flüchten muszte, th. 2 sp. 237): bei den untertonen hin und wider auf der stör zu arbaiten österr. weist. 10, 21 (v. j. 1568); arbeit der wollarbeiter für private rechnung, das arbeiten im lohnwerk und auf der stör ward verboten Doren Florentiner wolltuchindustrie 172 (E. H. Meyer deutsche volkskunde 196);

ich wurd zu eim meister einbracht,
der sonst noch ein gesellen het,
mit dem auf der stör arbeitn thet
Hans Sachs 9, 514 Keller.

einfach auf der stör sein (auf dem lande von näherinnen, schneidern, schuhmachern, sattlern und dgl. stubenarbeitern gebraucht, wenn sie in der wohnung eines kunden gegen kost und tagelohn ihr handwerk treiben Schmeller2 2, 779), operam impendere extra domesticam Dentzler 277b; da sitzt sie wieder ... und näht drauf los, wie eine nahderin (näherin) auf der stör Pocci lust. komödienbüchlein 4, 102; scherzhaft auch von einem gelehrten arbeitsbetrieb unter entsprechender bedingung: so beriefen sie (die Rosenheimer, um die geschichte ihrer stadt schreiben zu lassen) denn mit ehrenvoller einladung einen jungen geschichtschreiber aus der hauptstadt, ... und als dieser bereitwillig erschienen war ('ein historiker auf der stör' könnte man nach bayerischer mundart sagen) so schlossen sie ihm alle ihre schriftenschätze und urkunden auf und ermunterten ihn zum werk L. Steub wanderungen im bayrischen gebirge 7. — auf die stör gehen, praestare operam extra domesticam Frisch 2, 340c (Schmeller2 2, 779): wann er mit oa' kameraden af d' stöhr geht und wocha wegbleibt ... da g'schiecht mer freilich hart und wird mer bang Anzengruber 8, 146; vgl. dazu die sociale spiegelung dieser arbeit im sprichwort:

heut herr,
morgen auf die stehr
A. Sutor latinum chaos (1716) 273;

auch der weber fart auf die stör aus (Ober-Isar) Schmeller2 2, 779; immer der versuch, das mehr abstracte arbeitsverhältnisz durch die syntaktische herauskehrung der ordnungstörenden localität zu einer concreten anschauung zu bringen; local anders orientiert in der stör sein, in die stör gên Schmeller2 2, 779; auch einen in der stör haben, ihn zu solcher arbeit ins haus nehmen (J. Messmer in der biblioth. deutsch. schriftst. aus Böhmen 7, 294). wohl mit anlehnung an winkel u. dgl. vgl.: sondern musz mich also nur nebenzu in der stör, und in winckeln behelfen hist. von Isaac Winckelfelder 7; doch noch auf der stör haben Schmeller2 a. a. o.
b) ohne locales gefüge stör eines handwerckmanns, opera extra domesticam Dentzler 277b, und so heute als nationalökonom. begriff, vgl. handwörterbuch d. staatswissensch.2 4, 370: eine geübte kleidermacherin wünscht noch einige steeren anzunehmen inserat in der Münchner landbötin (1843) 134 (Schmeller2 a. a. o.); handwerker unterbrechen mit ihrer stör das gewöhnliche leben (des bauernhofes) E. H. Meyer deutsche volkskunde 35;

wenn der kriegsleut alter brauch ist,
so sie einmal in krieg ziehen,
darnach sie all arbeit fliehen,
betteln hin und her auf der gart,
wie ein schneider seiner stahr wart
und liegen den bawern vor der thür histori Peter Lewen v. 274 Bobertag,

wo die geringe ehre dieser arbeit hervorscheint; vgl. dazu auch oben Sutor und das folgende.
c) in scherzhafter übertragung bayr. auf der stör herumlaufen, rennen 'zur erreichung irgend eines zweckes von einem zum andern kommen' Schmeller2 2, 779; einen auf die stör laden 'ihm eine äuszerst schnöde zumuthung machen' ebenda; weibliche personen haben alle

[Bd. 19, Sp. 363]


monate den schuester auf der stör ebenda, wie sonst den kirchtag (th. 5 sp. 827 unter 1 e), d. h. sie müssen sich schonen wie an einem festtag, worin sich der schonsame charakter, den diese form der arbeit leicht annehmen kann, nun widerspiegelt; der schuster spielt hier im übrigen wohl seine rolle mit rücksicht auf die redensart ein d' schuehh kemen Schmeller2 2, 391, weil die landmädchen in diesem zustande vermeiden, barfusz zu gehen, vgl. DWB schuh (th. 9 sp. 1846 unter 1, e, β, ββ).
3) aus dem vorigen entwickelt stör 'abgabe an die hausgesessenen kaufleute' quelle von 1576 bei Unger-Khull steir. wb. 580b.
4) vereinzelt steir. 'kohlstatt': das noch nicht ausgekühlte kohl auf der stöhr aufladen quelle v. 1793 ebenda, vgl. dazu 1stören, verb.
 
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störangel, f., angel zum fang des störs (s. 1stör, m.) Krünitz 22, 447; 174, 550.
 
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störarbeit, f., wie stör, f., 2: die stör- oder heimarbeit Doren florent. wolltuchindustrie; störarbeiten im bauernhause Bücher arbeit und rhytmus2 109.
 
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störart, f., zu 1stör, m., art von acipenser sturio L. allgem. deutsche biblioth. 94, 36; charakteristik der störarten Krünitz 174, 540; verwüstung in der brut der störarten K. E. v. Bär reden und aufsätze 1, 216; das fleisch aller störarten ist wohlschmeckend Brehm 8, 429 Pechuel-Lösche.dazu störartig, adj.: störartige fische Oken 6, 46.
 
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storax, m. , entlehnt aus lat. storax (neben styrax), aus griech. στύραξ, womit wir seiner syrischen heimat nahe rücken, vgl. Hehn kulturpflanzen8 428; dieses vielleicht wieder aus hebr. ṣŏrī 'harz des mastixbaumes'.
1) der baumartige strauch 'styrax officinalis L.', mit rücksicht auf seine ähnlichkeit mit dem quittenbaum griech. auch ἡ ἀγρία κυδωνηά Hehn8 431, deshalb quittenblattstorax Holl 365b.
2) gewöhnlich 'harzartiger balsam', welcher vom vorigen durch einschnitte in die rinde oder sonst gewonnen wird: (schon ahd. storn, storr) in verschiedenen arten, so der beste storax in körnern, storax granulata Campe, storax in granis Krünitz 174, 553, minderwerthiger storax in stücken (storax calamita, weil er in rohrpfeifenartigen stäben in den handel gebracht wird) ebenda, oder gemeiner storax Campe; ein wolriechend gummi eines baums auch styrax genannt, welches den namen storax, wie es die apoteker nennen, behaltet Wirsung artzneybuch (1588) reg. (Schmidt gesch. der Deutschen 1, 524; Immermann 1, 44). deshalb storax zu parfümerien Karmarsch - Heeren3 1, 285; von seinem duft bei der verbrennung auch judenweihrauch Holl 365b; Krünitz 174, 552. — nicht hierher gehört begrifflich der aus Amerika stammende flüssige storax, storax ambra liquida, auch liquidamber ebenda, styrax liquida Campe, deshalb 'styrax officinalis L.' ächter storax Holl a. a. o.
3) in scherzhafter übertragung:
a) elsäss. storax 'prügel' Martin-Lienhart 2, 610b; er kriegt storax ebenda. im steir. 'starker rausch' Unger-Khull 580b.
b) als schelte storax 'unlenksamer, starrköpfiger mensch' Schmeller2 2, 779, wohl in anlehnung an unten störrig, adj.; in der bedeutung 'dummkopf' Stelzhamer ausgew. dicht. 1, 252, so auch mehr harmlos in Tirol beim spiel der jungen mädchen o du storax! oder im deminut. du storaxl! (Vogel).
4) in weiterer zusammensetzung storaxauflösung, f. Krünitz 174, 554. —
 
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storaxbaum, m., wie oben unter 1 echter storaxbaum Campe; Holl 365b. —
 
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storaxblättrig, adj. Dietrich 4, 552. —
 
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storaxblüte, f., blüthe von 'storax officinalis L.' die weiszgelblichen storaxblüthen Ritter erdkunde 15, 397. —
 
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storaxerdbeere, f., als benennung einer orchisart 'satyrium nigrum L.' (orchis nigra All.; nigritella angustifolia Rich.) Holl 270a, sonst auch blutkraut (th. 2 sp. 186), braunelle, schweiszblümel (th. 9 sp. 2462). —

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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