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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stopfzu bis stoppelacker (Bd. 19, Sp. 334 bis 343)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stopfzu, m., imperativische bildung, wie oben stopfarsch als pflanzenname für 'trifolium arvense L.', seiner stopfenden wirkung wegen Hoffmann von Fallersleben handschr. mittheilung. s. auch oben stopfsloch.
 
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stopine, f., bei Adelung (Jacobsson 4, 305b; Chomel öcon.-physic. lex. 8, 1685). s. unten stoppine.
 
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stöpke, m. (im umkreis der niederen mythologie) name eines kobolds, der seinen ausgang aus niederdeutschem gebiet nimmt; ursprünglich entsprechend stöppel 2 (hochd. stöpfel) 'kleiner kurzer kerl', so noch als kosende schelte du stebje! in Berlin (mündlich von Max Verworn), vielleicht aber schon wieder verblaszt aus der mythischen figur. Jac. Grimm dachte myth. 956 zweifelnd an die herleitung vom deminut. Stephanchen, eine vermuthung, die, besonders vom patronat des heil. Stephan über die pferde aus geurtheilt, den übergang Stöpkes in die natur des wilden jägers (so im Solling) erklären würde; bemerkenswerth ist auch, dasz der heil. Stephan als patron des bisthums Halberstadt damit zugleich auch das wahrscheinliche ausgangsgebiet des Stöpke glaubens beherrscht; an den als attribut steine tragenden heiligen erinnert auch der alterthümliche fetischismus jenes müllers aus Immenrode, der Steppchen in gestalt von sieben feuersteinen in einem leinenen sack trug (zeitschr. d. ver. f. volksk. 12, 66). doch die lautlichen schwierigkeiten (Stephan entspricht ndd. Steffen) lassen nicht mehr als eine begriffliche beeinflussung vermuthen. nieders. götting.-grubenh. Stöpke und Stepke, nordthür. Steppchen (zeitschr. d. ver. f. volksk. 12, 66), so auch in der gaunersprache stepche, stepchen (myth.4 2, 838), obersächs. Stepgen, Stöpgen, in der Maingegend Stebchen, Stäbchen (ebenda). neuen sinn füllt in das verblassende wort badisch Steuble ebenda (ursprünglich wohl die sternschnuppe, wie auch nach südhannoverschem glauben beim fall einer sternschnuppe Stöpke durch den schornstein zu einer hexe ins haus fährt Schambach-Müller nieders. sag. 182 anm.; deshalb auch sein anderer name glûswanz, füerdrâke, weil er mit feurigem schweif durch die luft kommt und seinen freunden geschenke durch den schornstein zubringt 163). sonst besteht aber für unser wort kein sprachlicher zusammenhang mit staub (s. auch th. 10, 2 sp. 1069 unter I 1). schön aber paszt zur obigen zusammenstellung von Stöpke mit stöpfel (m.) die thüringische nebenform seines namens Stöpfel (myth.4 2, 838), und man wird von hier aus mit einiger wahrscheinlichkeit aus der sippe 1stopfen, verb., etwa in dem begriff 'einem etwas in den sack stopfen, ihn bereichern' weitere vertiefung für

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seinen koboldcharakter suchen dürfen; doch auch der gedanke an den stöpsel einer flasche (wie die herabfallende sternschnuppe für den beschauer einem stöpsel gleich in den schornstein eines hauses zu fahren scheint) mag daneben mit recht erwogen werden. nordthür. heiszt es von einem, der unerklärlich reich wird: dem hats Steppchen gebracht R. Reichhardt in der zeitschr. d. ver. f. volksk. 12, 66; ein theil seines kostüms erscheint ebenda in der neckerei der kinder: Steppchen mit deinem roten käppchen, was macht denn deine gans? — er nimmt dann auch züge aus anderen naturdämonischen kreisen an; so heiszt es in Denkershausen bei Northeim: dat hat Stöpke langet, wenn ein wirbelwind das heu in die höhe nimmt; in Knutbühren bei Göttingen geht Stöpke durch die felder, wenn starkes schneetreiben ist, und wird zuletzt überhaupt zu einer bezeichnung des teufels, so in der übersetzung eines norwegischen märchens vom geprellten teufel: 'in der weihnachtsnacht kommt stets der gottseibeiuns leibhaftig hier ins haus.' das hätte keine noth, meinte der reisende; ... es dauerte aber nur kurze zeit, so erbebten die mauern und Stöpke kam angeflogen κρυπταδια 1, 298. ansatz dazu liegt schon in der nordthüring. redensart den hat Steppchen auf den kopf geschlagen von einem, der sich erhängt hat R. Reichhardt a. a. o. in Wibbecke im Solling ist Stöpke der oberste hexenmeister; er hat immer mehrere frauen im dorf, welche ihm unterthan sind.
 
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stöpling, m., s. unten stöppling.
 
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stopp, stop, interjection 'halt!' zu unten stoppen, verb. stop! als zuruf auf den schiffen, um ein ablaufendes tau zu stoppen (s. dort unter 1 a) Campe. was uns mehr als alles andere nöthig wird, ist endlich stop! zu rufen und das viele neue sich gestalten und im volke einleben zu lassen G. Freytag an Stosch 255; auch in der zusammenstellung halt, stopp! 'nicht weiter!' vgl. das folgende.
 
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stopp, stop, m., der 'einhalt', das 'haltmachen', entwickelt aus der vorigen interject.: sobald die seele Christi einen stop macht und spricht: halt, da ist was zu genieszen, zu essen, zu trinken, ein segen zu empfangen; so empfängt man ihn mit bewegung Zinzendorf kinderreden (1758) 302; auf einen, in einem stopp (stupp) auf knall und fall Kehrein nassauische volksspr. 1, 393. s. auch unten stopmachen, verb.
 
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stopparsch, m., s. oben stopfarsch.
 
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stoppe, f., zu lat. stuppa 'werg', s. oben stopfe, f.
 
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stoppel, f. geschichte und form.
a) ganz im sinne von lat. stipula und verlockend genug, das deutsche wort aus dem latein. unter voraussetzung einer vulgärlat. form stupula (wie aucipium neben aucupium, reciperare neben recuperare Diez 308) abzuleiten. es würde dann seine entstehung als urdeutsch *stuppla im römischen Germanien etwa gleichzeitig mit wörtern wie flegel (lat. flagellum s. th. 3 sp. 1747), wanne (lat. vannus s. th. 13, 1 sp. 1883) und zweifelhaft sichel (lat. secula th. 10, 1 sp. 713, doch vgl. hierzu das einheimische sech th. 9 sp. 2772 und sense sp. 604 z. b. in mndd. segede, sigde) anzusetzen sein, wobei die andeutung von Diez noch erwähnenswerth, dasz, bei auszerachtlassung des nicht belegten vulgärlat. stupula, das entlehnte stipula durch anlehnung an ein entsprechendes germ. wort umgestaltet sei (s. darüber unten). dieser german. vokalstand hat dann auch auf die bildung von ital. stoppia eingewirkt (unmittelbar aus lat. stipula dagegen franz. éteule, wie altfranz. neule aus lat. nebula). — doch daneben besteht die möglichkeit, dasz unser wort zu einer älteren einheimischen schicht von kulturwörtern des ackerbaus gehöre, vgl. DWB sech, DWB sense, DWB furche (urverwandt lat. porca) und besonders halm (urverwandt lat. culmus). es würde dann zur verwandtschaft von unten stubben, m., truncus (s. auch oben stobben, m., sp. 1) gehören, ein verwandtschaftsverhältnis, welches engl. stubble, frz. étouble (prov.estobla) wiederspiegelt. zur weiteren verwandtschaft vgl. noch slav. stĭblo 'stengel'.
b) die form stuppel nur vereinzelt zu belegen, so bei Hans Sachs (3, 23 Keller), Mathesius (neben stoppel), Joh. Nas warnungsengel (s. die belege unten) und wörterbuchmäszig stuppel, kornhalm, harkstroh stipula, calamus est frumenti Bas. Faber (1587) 799a (vgl. noch die zusammenstellung

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holcz, heu, stuppel, stro Tilo von Kulm 6165) plur. stuppeln Rollenhagen froschmeuseler (1595) Aa 5b; stupeln (neben stoppelen) bei Sebiz.bisweilen auch der singular stoppelen stipula Diefenbach gloss. 553b (im Eltviler vocab.) und als stoppeln in der gemma gemmarum von 1507 ebenda. heute noch götting.-grubenhag. dei stoppeln.
c) die weiterverschobene obd. form stupfel s. unten besonders. sie ist von der niederd.-md. und unverschobenen form aus der schriftsprache völlig verdrängt worden: die bedeutung der norddeutschen landwirthschaft besonders auf dem gebiete des halmbaus ist bei diesem vorgang in anschlag zu bringen, und Luthers eintreten gab für die wortwahl die entsprechende entscheidung.eine vermittlung zwischen ndd.-md. stoppel und oberd. stupfel in der form stopfel s. dort. bedeutung
I. stumpf eines abgeschnittenen halmes: stoppel culmus Diefenbach gloss. 161c; stopple ebenda (vocab. v. j. 1420) 553b; ein halm oder stoppel, stengel, kornstengel avena, calamus, stipula Alberus (1540) AA 1b; (neben stupfel:) stipula der unterste kornhalm, stupffel, stoppel Corvinus fons latin. (1646) 833.
1) wie er nach der ernte auf dem ackerfelde stehen bleibt: seht! wenn ein halm dem stahl des schnitters entkommen, und wie verwayst ... allein unter stoppeln da steht! Hippel lebensläufe 2, 617; ich fand feld voller stoppeln Jung-Stilling 6, 443; zwischen den breiten reihen (von rebstöcken) sahen wir bald stoppeln von türkischem waizen (mais), bald jungen winterwaizen Stolberg 6, 310; 'manche nadelhölzer werden ... mit getreide gesäet, so dasz die jungen pflänzchen durch die stoppeln noch schutz genieszen' Rossmäszler der wald 594; schon hat der boden seinen moderartigen fauligen zustand verloren, pflanzen und stoppeln haben ihre feuchtigkeit hingegeben Schwerz prakt. ackerbau 29;

so dasz im feld nichts übrig blieb,
als stoppeln und entblöszte schollen
Pfeffel poet. vers. 5, 178;

auch dann, wenn dürre stoppeln nur
die felder, wo ich einsam fuhr,
bedeckten
J. G. Jacobi 5, 73.

gegensätzlich zur werthvollen ähre: der mann ... schnitt den haber und führte ihn auf dem wagen heim, die stoppeln liesz er stehen Jacob Grimm Reinhart Fuchs cclxxxix; der bauer geht hinter dem pflug, der vornehme aber geht hinter dem bauern und treibt ihn mit den ochsen am pflug, er nimmt das korn und läszt ihm die stoppeln G. Büchner nachgel. schr. 295;

wolleben spar dorthin: wer hier die saat verzehret,
weil sie noch ist im kraut, was ist ihm mehr bescheeret,
als stoppeln, leeres stroh, wenns zu der erndte kömpt
Olearius persian. rosenthal B 2a (vorr.);

(die lerchen) laufen immer geduckt im grase oder stoppeln fort Döbel jägerpractica 1, 59; in die stoppeln gehen colligere spicas a messoribus relictas Frisch 2, 340a; wann die hämmel in die stoppeln gehen, fangen sie an allgemach gut zu werden Hohberg 1, 125; das vieh in die stoppeln treiben Adelung; das vieh hat sich an der magern weide (auf dem anger) so müde gefressen, und alles hungert so sehr nach den stoppeln und den darunter befindlichen, oder jetzt nach entblöszetem boden aus der ruhe frisch hervorschieszenden ... kräutern Möser 3, 204 (vgl.'das brachfeld wurde bis Johanni beweidet, dann zur wintersaat umgebrochen, während die stoppeln des bisherigen sommer- und winterfeldes als weide dienten' Wimmer geschichte des deutschen bodens 59); (wir) hatten eben eine zahlreiche familie bemerkt, die weit drinnen im felde mit der gerstenernte beschäftigt war, als wir beide zu gleicher zeit über die stoppeln hinriefen L. Steub drei sommer in Tirol 2, 319;

wie man denselben (den hasen) auch sucht in dem weiten feld,
do er in stoppeln sich gemeiniglich aufhelt, ...
Angelicam so auch zu suchen sich befleist
Orlando
Dietrich v. d. Werder rasender Roland (1636) 12. ges., 47;

das damals noch in den ersten stoppeln liegende feld, d. h. zum ersten mal bestellt und abgeerntet Jacob Grimm

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kl. schr. 1, 170; noch ehe der haber in die stoppeln gegangen war Stifter 5, 1, 36, d. h. ehe man die ernte eingebracht hatte; (die felder) waren zum theile geackert, zum theile in stoppeln 2, 332;

die felder liegen öd und wüste,
die stoppeln sind schon umgestürzt
Triller poet. betrachtungen (1750) 3, 58.


a) in der herbstlichen landschaft (als poetisches mittel der schilderung): der alte weibersommer zog, von voreiligen herbstlüftchen getrieben, über die stoppeln Holtei erz. schr. 36, 113; über die stoppeln zogen die kleinen spinnen ihr silbergraues gespinnst und die thautropfen glänzten als flüssige edelsteine darauf G. Freytag 11, 237; vgl. DWB da solche faden (aus seide) auf der saat und stoppeln ... gelegen Prätorius anthropodemus plutonicus 1, 252. — woselbst sie (die lerche) dann über nacht bleibet und gerne in den stoppeln schaurig und vorm wind verwahret sitzet Göchhausen notabilia venatoris (1741) 332; wie die herbstluft so schauerlich über die stoppeln herweht Chr. v. Schmidt ges. schr. 6, 69; am liebsten flöge ich mit den fittigen des sturmes, der über die stoppeln hinjagt, allein nach dem heimathlichen herd Pückler briefw. 5, 140;

darauf sauset
der wind in stoppeln, wo nichts hauset
Immermann 13, 190 Hempel;

und durch die stoppeln singt der wind sein lied
Hoffmann von Fallersleben ges. schr. 2, 283;

vgl.

selbst Zephyr, als er (im herbst) schon nicht mehr die bluhmen
fand,
die er, von liebe warm, vorhin gewohnt zu streicheln,
fuhr kälter drüber hin mit unverliebter hand,
und wollte stoppeln nicht, wie seiner Flora schmeicheln
Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 175.

dann überhaupt die poetische zeitbestimmung für die herankunft des herbstes (wie der pflug geht zu felde für beginn des frühjahrs, vgl. Jacob Grimm rechtsalterth.4 1, 52): der wind geht über die haberstoppeln autumnus instat, aër fit frigidior messe avenae facta Frisch 2, 340a; man geht noch immer in den dünnsten westchen einher, obgleich der wind schon über die stoppeln weht Lichtenberg verm. schr. 5, 198;

bewehn die winde die stoppeln ...
dann beginnet der tag des hochzeitkranzes
Hölty gedichte 40;

was ich fröhlich sang, verklang
wie herbstwind über den stoppeln
Geibel 2, 29;

ich will dich vielmehr mit unserer hochzeit überraschen, wann künftigen frühling der wind über die stoppeln weht Raupach dram. werke kom. gattung 1, 289, das soll doch heiszen: wenn der kommende frühling wieder das fahle kleid des herbstes angezogen hat, es kann sich also bis zum künftigen herbst hinziehen (?) vgl. noch wenn ich weizen säen sehe, so denke ich schon an die stoppeln und den erndtetanz Claudius 1, 10.
b) vereinzelt die lose stoppel, allerlei strohabfall: lasse auch nicht untergehn die stupeln und was abgeht von den bonen, erbsen Sebiz feldbau (1579) 63; (etwas) mit stroh, oder mit leinin stoppelen zudecken 269; die graben ... mit strohe, stoppeln, hew und dergleichen zufüllen Schütz histor. rer. prussic. (1592) 2, M 1b; der mühesamen zerstreuung der kinder Israel, da sie stoppeln samlen musten, (ist) zu gedenken Dannhawer catechismusmilch 1, 526; (sie) stoppeln samleten, und ziegel branten Schupp 362; (Rahab habe) die 2 männer unter dem dach schon verborgen, und mit vielen stoppeln und flachs zugedeckt Abraham a S. Clara etwas für alle 2, 236; unförmliche linien, die fast eben so wunderlich aussehen, als wenn die hühner im sande gescharret haben; oder spreu und kleingehackte stoppeln über einen tisch gestreuet sind die vernünft. tadlerinnen 1, 357; (die würmer,) die ihre haare, oder zernagte blätter, oder zerkieftes holz, gesammletes stroh, stoppeln ... in ihr gewebe mit hinein flechten Reimarus wahrheiten der nat. religion 334; vgl. nassauisch stoppel ausgerupftes kartoffelkraut Kehrein Nassau 1, 393. — der wind verweht sie (neben spreu th. 10, 2

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sp. 57): sprew und stoppeln wird vom winde verweht Mathesius Sarepta 50b; und so im beliebten vergleich:

wie blätter, stoppeln, spreu und sand
vor keinem wirbel bleiben
Günther ged. 48;

nachdem es (das gras) grün war und blühte, wird es zu stoppeln, die der wind wegweht Klinger werke 7, 182; du wirst sie verwehen, wie der wind stoppeln verweht E. M. Arndt für und an seine lieben Deutschen 1, 286; wie sturm die stoppel jagt Freiligrath 4, 112;

wie stoppeln für dem winde
hastu, herr, deine feind gemacht
Opel-Cohn dreiszigj. krieg 256;

so wie ein wirbelwind, wenn er ein wetter bringet, ...
die stoppeln in die luft aus ihrem acker hebt
Henrici ernst-scherzh. und sat. gedichte 1, 219;

gott! wie wirbel mache sie,
wie stoppeln vor dem winde
M. Mendelssohn ges. schr. 6, 252.

hierher auch:

ich habe land und reich der Irren eingenommen,
und ihre starke macht den stoppeln gleich zerstreut
Hoffmannswaldau auserles. ged. 3, 112.


c) die stoppeln verbrennen Adelung, s. auch unten stoppelfeuer, zunächst auf dem felde, als früher empfohlenes mittel der düngung (man liesz die asche liegen, bis es regnete, und pflügte sie dann unter Krünitz 174, 503), anstatt sie (wirtschaftlich nutzbringender) unterzupflügen: die stoppeln auf dem felde angezündet, halb abgebrandt Neumark neuspross. teutsch. palmbaum 231; sind unkraut und stoppeln vom feuer erst gefressen, dann sproszt fröhlich auf die junge saat Görres ges. schr. 1, 247; sind die stoppeln aufgezehrt, dann wird auch ... die flamme verlodern 5, 425; ackerfelder, deren stoppeln im sommer durch feuerbrände auflodern Ritter erdkunde 2, 725; wenn dieses trockenkorn ... eingebracht ist, verbrennt man die stoppeln des feldes 6, 787;

vielleicht, dasz einem dünkt der mühe wert,
die stoppeln zu verbrennen nach der ernte,
und kommt zurück und tötet, was noch übrig
Grillparzer 9, 204.

vergleichsweise: und zur zeit, wenn gott drein sehen wird, werden sie (die seelen der gerechten) helle scheinen, und daher faren, wie flammen uber den stoppeln bibel 5, 24 Bindseil; ist also dieser mächtige bund in wenig tagen ... mehrenteils zernichtet, und gleich einem in den stoppeln lodernden fewr, in eine grosze flamme aufgeschlagen, aber urplötzlich wieder erloschen Chemnitz schwedischer krieg 1, 183; gleich einem schnellen feur in stoppeln angestecket, des glut stets weiter geht Treuer deutscher Dädalus 1, 454;

und wie ein brand durch dürre stoppeln fährt,
macht sie sich weite bahn mit ihrem schwerdt
Gries Bojardo (verliebter Roland) 2, 98.

neben den auf gleiche weise der vernichtung preisgegebenen dornen:

darumb mus gottes glibter sohn
für uns allhie das beste thon,
damit der grewlich schrecklich zorn
uns nicht verzehrt wie stopl und dorn
Melchior Liebig christliche tröstliche gedancken A 7b.

entsprechend b: diese kleine tenne fegen, und heu, stroh und stoppeln verbrennen Jung-Stilling 6, 265; s. auch den beleg aus den Göttinger statuten unter e; (vergleichsweise:) wie gott die schwindsucht unter solche güter schickt, die sie verzehret wie das feur die stoppeln Pape bettel- und garteteuffel (1586) H 8; wie der rauch vor der vollen flamme entsteht: so musz der anfang eines gedichts sein; nicht aber wie stoppeln, die gleich lichterloh brennen Gottsched versuch einer crit. dichtk. 26;

geleich, als ob man leschen thu
ein grosz, gewältig brennent fewer
mit holtz, stro, stuppel oder sprewer
Hans Sachs 16, 442 Keller-Götze;

(gottes heiszes zorngericht) wie die wilden flammen pflegen,
in einer ungezäumten wuth,
holz, stoppeln, kalk und stein verzehret
Triller poet. betracht. 1, 292.

(bildlich:) und da er (der Italiener Ruccini) ein groszer kenner und lebhafter empfinder der dichterischen schönheiten

[Bd. 19, Sp. 339]


und der kunst der alten und neuen ist, so nähret er sein feuer nicht mit stoppeln, wie so viele seiner landsleute, sondern mit wohlriechendem cedernholz Stolberg 7, 93.
d) collective verwendung des singulars stoppel, etwa in anlehnung an begriffe wie mist (th. 6 sp. 2263; stoppel und mist Thaer beschreibung der ackergeräthe 1, 16) und besonders spreu (th. 10, 2 sp. 52), zunächst gewisz unter voraussetzung der bedeutung unter b; neben schebe, dem abfall des flachses (th. 8 sp. 2380): ok alse vele lude scheve unde manstoppel bernen in oren husen, dar schade unde eventur af komen mchte Göttinger statuten 130, 5 (z. j. 1427); neben staub (th. 10, 2 sp. 1069): sie sind zu stoppel und staub worden Luther 3, 366b; neben gras, geströh (th. 4, 1, 2 sp. 4258 stroh): das mit und neben dem guten samen wächst, ja das zu geströ, grasz und stuppel wird Joh. Nas der warnungsengel 112. sprichwörtlich: denkt der herr nicht, dasz man pfleget zu sagen: der teufel sei geschwindlistig, das fleisch schwach, und stoppel bei dem feuer verursache gefahr A. Gryphius lustsp. 454 Palm.
α) selten in der bedeutung von oben 1 a und dann als übergang zu unten II: die winterstoppel, sommerstoppel, stoppeln von winter-, von sommergetreide Adelung; wir sehen ... in der stoppel die befruchtung für die neue saat L. v. François die letzte Reckenburgerin 2, 30.
β) im vergleich zur hervorhebung des begriffes 'nichts': das recept zu einem schlechten recensenten, dem jedes organ für die verehrung des vortrefflichen mangelt, und der über eine tüchtige natur und einen groszen charakter hingeht als wäre es spreu und stoppel Göthe gespräche 6, 80 Biedermann;

gott, mach sie wie ein wirbel schwind,
wie stoppel vor eim sturmewind
Hans Sachs 18, 327 Keller-Götze;

wenn gottlose durch den wind
wie spreu verstreut, versengt wie stoppel werden
Lohenstein geistliche gedancken 89;

gold in der grube wird wie leere stoppel geachtet
Herder 26, 431.

auch bildlich s. oben bei Luther.
e) mit adject. bestimmung: eine niedere stoppel, wenn der halm dicht über der erde abgeschnitten wird, im gegensatz zur hohen stoppel; rothe stoppel, wenn das korn durch die wärme das sommers zu ganz besonderer reife gebracht ist; gewöhnlich aber gelbe stoppel: dasz der alte mensch dem jungen so nahe war, das kind des grabes dem kinde der wiege, die gelben stoppeln dem heitern maienblümchen Jean Paul flegeljahre 3, 73; die hügel, die von den lichten stoppeln der ernte glänzten Stifter 5, 1, 268. sonst noch: wie herbstwinde durch die dürren stoppeln ... hinpfeifen E. M. Arndt werke 1, 76 (vgl. oben J. G. Jacobi); leere stoppel (Herder s. oben);

so fällt die reife saat in welke haufen nieder,
wenn durch sie hin der schnitter rauscht,
und hinter ihm, der herbst, mit kalen stoppeln,
die gegend öde macht gedicht von 1758 bei
Herder 12, 282;

über kahle stoppeln,
wenn der herbstwind wehet
Gaudy 4, 10.


f) der vergleich hat gern aus unserm begriff geschöpft; für die stoppel vor dem winde und die stoppel im feuer sind oben unter a, b und c belege gebracht worden; eines ist wie stoppel (und spreu) als höchstes masz aller irdischen nichtigkeit s. unter d; hierher auch: (was kehrt sich der satan an abergläubische mittel,) da er eisen wie stoppeln, und ertz wie faul holtz achtet? Schmidt gestriegelte rockenphilosophie 1, 61;

hör, hoffertige Venus du!
vil leichter denn der schwartze rauch,
unnützer denn die stuppel auch
Hans Sachs 3, 22 Keller.


g) bildlich, so für den irrthum in menschensatzung, lehre und meinung: hab ich nu aus unwissenheyt auf disen grund hew oder stoppeln gebauhet, so hab ichs aus unverstandt gethan Karistadt bei Luther 18, 462 Weim.; wehr aber yemand durch solchs hew, holtz odder stoppeln betrogen, der solte sich, und nicht mich, be schüldigen. erstlich, das ich nyemand gebotten odder

[Bd. 19, Sp. 340]


genöttigt hab, meyn lere anzunhemen derselbe ebenda; also stehet unser fels und dürrer heller text noch fest: 'das ist mein leib', und hat sich lassen mit stoppeln und sprew getrost stürmen, welche doch von eim kleinen wind zustoben und zuflogen sind Luther 23, 167 Weim.; das gold ist das wort und predigampt, hew und stuppeln sind menschenlere Mathesius Sarepta 223b; ist aber etwa stoppeln oder stroh in der predigt, so saugt er (der gottlose) daraus die eitelkeit Jac. Böhme (1620) 4, 132; und da einige wirklich in gewissen irrthümern ... gestecket, ob nicht solch feuer der trübsalen diese stoppeln gründlich ausgebrant Arnold kirchen- und ketzerhistorie (1699) 12a; alle weisen ..., sie mögen Christum kennen oder nicht, bauen auf diesen grund, jeder nach seiner art, gold, silber, stroh und stoppeln Herder 19, 248; bauet jemand stoppeln, ... so macht es der tag klar allgem. deutsche bibl. 70, 403. auch: die aus allen christlichen partheien gesammelte, von allem heu, stroh und stoppeln gereinigte, treue gemeinde des herrn Jung-Stilling 3, 525;

mir, bruder, stehts nicht zu, des bruders ruhm erheben,
es wären stoppeln nur, des neides gaukelspiel
Lohenstein Arminius 1, e 3;

vom irdischen lohn:

lasz die welt mit undanck lohnen,
ist doch Jesus mein gewinnst,
hier musz man Egypten frohnen,
stoppeln heiszen der verdienst
Schmolcke trost- und geistr. schr. 1, 794 (mit anlehnung an die bibelstelle da zustrewet sich das volck ins gantze land Egypten, das es stoppeln samlet, damit sie stro hetten 1, 128, 12 Bindseil).

vgl. auch: das ende wird stoppeln und marmor schon unterscheiden Joh. v. Müller werke 6, 49;

möcht er gern die linden
blauen blüthen winden,
und du lässest ihn nur stoppeln finden
Rückert werke 2, 338.

im bilde menschlicher vergänglichkeit: ein mensch, dessen stoppeln der tod vollends umstürzt und einackert Jean Paul 11-14, 365 Hempel; ich bin jetzt auch ein greis, der über die stoppeln der irdischen vergänglichkeit nur noch so hinwankt E. M. Arndt für und an seine lieben Deutschen 3, 386.
2) übertragen:
a) stoppel im gesicht, kurzes, borstig emporstehendes barthaar: warum hat die alte hure dan so viel stoppeln ums maul? Simpl. 53 neudr.; (es seien) neue haar, nachdem die alten stoppeln vom barbier ausgezogen worden, gewachsen Hohberg georgica 1, 264; am kinn ... die stoppeln Schönaich im neuesten aus der anmuthigen gelehrsamk. 2, 697; eine fahle blässe überzog unter den stoppeln des grauen bartes sein gesicht Storm 2, 296; ein braun runzlig altweibergesicht, mit stoppeln um das kinn und die mundwinkel W. Raabe schüdderump 1, 123;

die aufgehängten becken hier
verkünden euch den herrn barbier,
dem, wo er irgend stoppeln sieht,
das messer untern händen glüht
Göthe 16, 47 Weim. (das neueste von Plundersweilern).

vom eigentlichen kopfhaar: und nun musz Sophie die scheere nehmen und dem entnervten Simson ... die stoppeln auf dem kopfe reinigen Gutzkow werke 5, 258; bei älteren leuten zumal fand sich die tonsur oft mit stoppeln überwachsen K. v. d. Steinen unter den naturvölkern Zentralbrasiliens 174;

angst und zittern kommt mich an, und die stoppeln meiner haare
stehn mir schon bestürzt zu berge
Hoffmannswaldau auserles. ged. 7, 232.

mit adject.: die grauen stoppeln unseres bartes W. Raabe I 6, 143;

bald soll Morgenschein,
der abgelebte mann, durchaus mein bräutgam seyn,
bald Huldreich, welcher noch die dünnen stoppeln zählet,
die er am barte hat
Gottsched deutsche schaubühne 6, 476.

collectiv (vgl. oben 1 d) und masc. geschlechts, vielleicht in anlehnung an stoppelbart, doch eher noch in unserm fall ein scherzhaftes gedankenspiel mit unten II: ich würde

[Bd. 19, Sp. 341]


mich aus ungeduld rasiren, wenn ich einen spiegel hätte, in dessen ermangelung aber werde ich meine gönnerin Tata mit dem gestrigen stoppel begrüszen Bismarck an seine braut 437.
b) beim geflügel die jungen, eben aus der haut hervorschieszenden federkiele: stoppeln plur. sanguineae caules pennae extra cutem emminentes Frisch 2, 340a. s. auch unten stoppelfeder: die stoppeln oder wurtzelfedern Fleming teutscher jäger (1719) 162 (Illiger thier- und pflanzenreich 170); die stoppeln im aufkeimen erstickter federn am schnabel der saatkrähe Naumann vögel 2, 79. als gänsestoppel (th. 4, 1, 1 sp. 1278), wie sie beim rupfen auf der haut stehen bleibt.
II. begriffliche erweiterungen.
1) das stoppelfeld (s. die zusammensetzung unten).
a) zunächst noch im plural, in anlehnung etwa an den gebrauch unter I 1 a (wobei es unentschieden bleiben musz, ob vereinzelt nicht schon dort unser erweiterter gebrauch in frage kommt): wann die schaf die stoppeln belaufen, so werden sie recht fett und gut viehbüchlein (1667) 54; von diesen (den genossen) hängt es ab, ob sie die stoppeln vor oder nach Bartholomäi, gehütet oder ungehütet betreiben wollen Möser 6, 18. — die ewigen stoppeln machten Fritzen langeweile Göthe IV 5, 196 Weim.; in Thüringen stand alles zum schönsten, im Fuldischen fanden wir die mandeln auf dem felde, und zwischen Hanau und Frankfurt nur noch die stoppeln IV 12, 212 Weim., d. h. die leeren felder;besonders deutlich mit der präposition auf: bisz man sie (die jungen gänslein) auf die stoppeln jaget; da nehmen sie hübsch zu viehbüchlein (1667) 106; die gemeine hat das recht, zusammen tausend schafe zu halten, ... sie werden auf stoppeln und brache getrieben Göthe III 2, 94 Weim.; auf die stoppeln entweichen Fr. L. Jahn 1, 134, d. h. querfeldein laufen, wie unten über stoppel und stein; aber da sollt es dir geschwinde auf deine stoppeln regnen der arme mann im Tockenburg 2, 274;

auf stoppeln treibt man itzt das vieh, darauf zu weiden
Brockes 2, 482;

des nachts sitzen ... (sie) gemeiniglich im felde, auf der saat, auf den stoppeln, wiesen Aitinger jagd- und weidbüchlein (1681) 13; des tages weiden sie sich ... auf stoppeln Fleming teutscher jäger (1719) 148; die stadtheerde hat ... das privilegium, auf Rummelsburger stoppeln zu weiden Kotzebue dram. w. 18, 60 (kleinstädter 3, 6); der grosze schnitter krieg mäht uns tapfer voran, ... wir geringen leut haben die nachlese auf den stoppeln Eichendorff 3, 402; er ist müde von der jagd, hat sich mit auf den stoppeln ... umhergetrieben Holtei erz. schr. 20, 158; die felder in Thüringen waren geleert, die viehherden weideten auf den stoppeln und die jäger zogen mit ihren hunden in den bergwald G. Freytag 9, 214;

o seht dort auf den stoppeln schafe
Schwabe belustigungen 3, 515.

durch:

in silberhellem grün, mit reger hunde koppeln,
trabst du zur Martinsjagd, durch auen, feld und stoppeln
Vosz gedichte 6, 17;

und ist das feld einst abgemäht,
die armuth durch die stoppeln geht,
sucht ähren, die geblieben
Brentano 1, 365;

wenn wir durch die stoppeln ziehn
und die ähren lesen 4, 73;

vgl.

er (Cunz) eilt, sie (Adelheid) männlich anzugreifen;
er trinkt auf jeden tanz ein glas
und scheinet stoppeln, heid und gras
mit ihr fast fliegend durchzustreifen
Hagedorn 3, 185 (tanz bei der weinlese);

der kalte nord mag immerfort die öden stoppeln durchblasen! Mildheim. liederbuch 43;

zwischen: Heinrich ging langsam ... durch die fuszpfade zwischen den stoppeln Jean Paul Siebenkäs 1, 69. über (wie denn auch von den unter I 1 a angeführten belegen einzelne schon hierher weisen):

als lerchen über stoppeln strichen
E. M. Arndt 3, 179.

in: rüben in die stoppeln säen (Oken 3, 2, 1406). hinter: am stillen abend, wenn du hinter abgeheimsten

[Bd. 19, Sp. 342]


stoppeln die sonne sinken siehst Storm 4, 34, d. h. hinter abgeernteten feldern.
b) im singular gewöhnlich zur bezeichnung der gesammtheit aller stoppelfelder in einer flur, die ja bei der alten felderwirthschaft alle zusammen lagen, gleichsam ein einziges feld bildeten: in die stoppel treiben; vgl. id enschal ok nemant driven in yennich stoppel, dat sy myt koygen, swynen, perden, hemelen, schapen, ghensen eder yergen anders mede, der stad herde en hebbe dar vor gedrewen Göttinger statuten 98, 3 (vor 1413); schon trappste er ... in die stoppel Viebig das schlafende heer 1, 7. auch: die weideberechtigungen meist auf waldboden und in der stoppel geübt Stüve wesen und verfassung der landgemeinden 171:

(sie) treiben uns (vögel) fort in der stoppel mit schreckenrauschenden
seilen
bis zu den netzen
Klopstock oden 2, 119;

du (Ovid) kennst den steckenpferdemarkt,
wohin den könig, der ein land regieret,
so wie den bettler, der zusammenharkt,
was in der stoppel sich verlieret,
der wunsch, bequem zu reiten, führet
Gökingk gedichte 1, 126.

aus:

durch kluge hunde treibt man die fasanen
mit blindem lärm aus dorn und stoppel fort
Gries Ariost (rasender Roland) 1, 179.

durch:

laut klifft und klafft es, frei vom koppel,
durch korn und dorn, durch heid und stoppel
Bürger 69b Bohtz;

siehst du den schwarzen hund durch saat und stoppel streifen?
Göthe 14, 58 Weim. (Faust I).

über: beim gehen über die stoppel scheuchte ich einen hasen auf Brehm tierleben 5, 166 Pechuel-Lösche;

hu, hu! wie kömmt der wind so kalt
schon über die stoppel gelaufen!
Gökingk gedichte 3, 141;

fort über stoppel und wälder und wiesen!
Mörike 1, 63.

gegensätzlich: gleichwohl ist die leere stoppel hier behandelt worden, wie ein reiches ährenfeld allgem. deutsche bibl. 100, 225;

die hexen zu dem Brocken ziehn,
die stoppel ist gelb, die saat ist grün
Göthe 14, 199 Weim. (Faust I).


α) stoppelweide: weder stoppel noch herbstweide allgem. deutsche bibl. 54, 299; dem vieh sollte stoppel ... zur hütung offen gestellt werden handwörterb. der staatswissensch.2 3, 1117;

rings noch freut sich der stoppel ein schwarm glattleibiger rinder
Vosz gedichte 2, 47.


β) besonders zu erwähnen über stoppel und stein an stelle des gewöhnlichen über stock und stein (oben sp. 13 stock 1 b δ):

da rennen s' um d' bastei wie toll,
fort über stein und stoppel
Raimund werke 3, 426.

im plural: ein bild, auf welchem der alte general mit den drei söhnen und der ältesten tochter ... über stein und stoppeln dahinjagt G. Keller 6, 161.
c) in der sprichwörtlichen redensart: kompst wie der hagel ynn die stoppel Luther sprichw. 214, d. h. zu spät kommen und so wenig ausrichten; ich merke beiläufig, du seiest die alte Courage, du wirst zwar wohl kommen, wie der hagel in die stoppeln, aber gleichwohl schiere dich herunter (steige ab), damit wir hören mögen, was du guts neues anzubringen hast Simpl. 3 (1699), 143.
d) mit geschlechtswandel, so neutral (wohl in anlehnung an stoppelfeld): waldeck. štopel, n., stoppelfeld: in t štopel dreiwen Bauer-Collitz 99b. mit masc. geschlecht, vielleicht in anlehnung an acker: das vieh auf den stoppel treiben Steinbach; in des kömpt Reinke, der kluge held, ubren stoppel eins daher ... getrollt Werner chronik von Magdeburg 166; spielend zogen die starken pferde die leeren (ernte)wagen, querfeldein über den stoppel, dasz burschen und mädchen, die darin saszen, sich an den stricken festhalten muszten Polenz Grabenhäger 1, 17.
2) stoppeln niederes buschwerk zur bekleidung der äuszeren dossierung eines deiches Benzler beym deichbau vorkommende

[Bd. 19, Sp. 343]


kunstwörter (1795) 2, 195; doch eine nur dichterische licenz ist:

mit seines jagdzugs tollen koppeln
den ganzen wald zertrat zu stoppeln
Rückert werke 1, 111.


 
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stoppel, stöppel, m. , ursprüngl. niederd. form zu oben stöpfel (s. auch unten stöpsel).
1) pfropf zum verschlusz; s. auch oben stopf, stopfer: stöppel Rädlein (1711) 847; zum glück fiel der stoppel von dem eau-sans-pareille-fläschel, welches ich im busen stecken hatte, herab Hafner lustspiele 1, 42; 'habe ich nicht den hahn eines revolvers knacken gehört?' fragte er. 'der stoppel dieser feldflasche hat gepafft', antwortete ich Rosegger schr. 3, 227. bildlich: in mir gären schon die pläne, die hoffnung mussiert, der stoppel der unternehmung kracht Nestroy 2, 216 (vgl. Kretschmer wortgeographie 370).
2) entsprechend stöpfel 3: stöppel Göttingisch 'kleiner kerl'; liebkosend lüttcher stöppel; eichsfeldisch štepl dicker, kleiner mensch Hentrich 8; niederhess. štēpl 'untersetzter mensch' (Edw. Schröder). hierher der familienname Stöpel. s. auch oben Stöpke.
 
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stoppelacker, m., abgeernteter acker, welcher in den stoppeln steht (s. auch stoppel, f., II 1), an stelle des häufigeren stoppelfeld (s. auch unten stupfelacker): auf ein triesch, hude, rasenplatz oder auch wohl auf einen gelegenen stoppelacker Aitinger jagd- und weidbüchl. (1681) 277 (haushalt.-lex. 3, 83; Campe); auf stoppeläckern Naumann vögel 4, 153. im vergleich: ich ziehe durch die vergangenheit, wie ein ährenleser über die stoppeläcker Hölderlin 2, 74 Litzmann.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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