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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stopfen bis stöpferlein (Bd. 19, Sp. 326 bis 329)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stopfen, verb. pungere. ahd. stophôn, stopfôn, mhd. stopfen; eine nebenform ist unten stupfen (auch in umgelauteter form stüpfen), welche in der schriftsprache jetzt ausschlieszlich geltung hat: mit den schencklen und füszen saszen sie zu stopffen zu stupffen Moscherosch gesichte 1, 168. von dem vorigen 1stopfen, verb., ist es seiner herkunft nach zu unterscheiden: ihm entspricht das mit -j-suffix gebildete ostfries. stöppen, stechen, punctiren ten

[Bd. 19, Sp. 327]


Doornkaat Koolman 3, 238b, aufgenommen als technisches wort steppen (s. oben) ins nhd. vgl. dazu mit gedehntem vocal ostfries. stpen 'stoszen, stacheln, treiben, reizen' (so hê stpt hum up reizt ihn auf ten Doornkaat Koolman 3, 327b). ndd. stippen (neben einem hochd. stipfen und mit nasaleinschub stimpfen, stinpfen s. oben), auch stapfen, verb. (th. 10, 2 sp. 864) steht wohl dazu in verwandtschaftlichem verhältnisz. im übrigen wird 1stopfen, verb., besonders in der bedeutungsentwicklung unter III von unserm wort ganz augenscheinlich beeinfluszt.
1) mit kurzem stosz (oder stich) berühren, stechen: stopfin centrare (i. punctare) Diefenbach gloss. 112c; stoppen ader eyn stappen ebenda; stopffen palpitare 408a; warn etlich so unverschempt befunden, die des maulthiers sporn begeren dorften, hbe der gt man sein fsz auf und lacht, sprechend, nimm hin einen von meinen füszen, der mein maulthier immer z stinpfet und stopfet Stephanus Vigilius de rebus memorandis (1541) 25b;

das sie in in die seyten stopfet,
mit einem finger sittlich pfropfet
Hans Sachs 9, 393 Keller;

(ich) thet also mit mein füszen klopfen
ans brunnengschirr stampfen und stopfen 9, 532 Keller;

(die verliebten gesellen) die hende sie klopfen,
sie streichen, sie stopfen,
sie wincken, sie blicken,
sie hälsen und drücken
G. Voigtländer oden und lieder (1642) 30.

mit besonderer instrumentaler angabe: Lörl (der blinde) stopfet mit seim stecken und spricht: hoscha, hoscha, sitzt Hans Wirt hinnen? nach der ausgabe von 1612 bei Schmeller2 2, 774; sie (die spukgesellen) stopfen laut mit ihren groszen stecken, daher werden sie daselbst im landt die stopfer genannt Kirchhof wendunmuth 3, 214. mit dem finger: auf ein zeit unser gesellen einer solchen fische allein mit einem finger ein wenig gestopft, und gantz plötzlichen angerürt, der hat im selbigen arm ein gantz halbes jar nicht wider z kreften kommen mögen Heyden Plinius 383;

wenn ihr eins gnug habt geschawt,
so stopft mit einem finger laut
auf den tisch, so wird der geist weichen
Hans Sachs 20, 485 Keller-Götze.

mit dem fusz: aus ungedult stopft er mit den füszen, scharret, strempfelt, klitschet mit den händen, dasz er ja seine freude in allerlei unglück zu verstehen gebe J. Rhodius neidteufel (theatrum diabolorum 2, 81b).
2) von besonderer begrifflicher stärke, im sinne von 'stechen': swen die schorpen hechent (stechen, wie der bisz der schlangen), der gewinnet grôʒen smerzen; in dunket sam man in mit nâdeln stophe arzneibuch 155 Diemer; den bratspiesz hätte sie zwei oder drei mahl genommen und damit in die erde gestopft, weil sie gedacht, das kind läge in der schachtel (aussage der köchin in einem kindesmordprocesz) Chr. Thomasius gedanken (1720) 1, 30.
3) wie sonst oben die zähne stochern (sp. 7 stochern 1 a) stürn di zen vel stopfen instigare Diefenbach gloss. 301c (vocabul. v. 1440).
4) substant.: wie sich nun Zorobabel alleine bey der wunderschönen frawen sahe, fienge er an mit ihr zu schertzen mit freuntlichem angreyfen, lieblichem stopfen, welchen die fraw alle zeit züchtig mit ihren schneeweyszen händen abweyset nachtbüchlein 336 Bolte;

in dem hört ich ein stopfen,
ein puchen und anklopfen
Hans Sachs 3, 384 Keller;

euer leffeln, hände klopfen,
hälsen, küssen, kützeln, stopfen,
schmutzerlachen, schmatzen, lecken,
ohren zupfen, schimpfen, gecken (als liebesgetändel)
G. Voigtländer oden und lieder (1642) 64.


 
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stopfen, m. , wie oben stopf, stöpfel und unten stöpsel, m.
1) bei einem fasz als verschlusz, so den stopfen ein- ò zuschlagen, aufschlagen Kramer 2 (1702), 984b (auch in der zusammensetzung faszstopfen ebenda) und sonst: der dampf, der sich erhebt, hat keine luft, und nachdem ich gewartet, bis ich glauben kann, dasz alles wasser in dampf aufgelöszt ist, nehme ich den stopfen weg Frankfurter gel. anzeigen (vom jahre 1772) 137 lit.-denkm.; stopfen

[Bd. 19, Sp. 328]


mit einer gummiklappe Karmarsch-Heeren3 10, 587; als verschlusz eines destillierkolbens Muspratt chemie 3, 155; auch: da kamen steine an die reihe, aber nur wenig mauersteine, sondern façon-, kanal- und pfannensteine, ausgüsse, durchläufe und stopfen erinnerungen eines arbeiters 249 Göhre.
2) übertragen, entsprechend oben stöpsel, m., 3: siebenbürg- stàppen ein kleiner (auch schwacher) mensch Frommann zs. 5, 31, 8.
 
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stopfenverschlusz, m., verschlusz, der mit einem stopfen (unter 1) bewirkt wird: mittelst stopfenverschlusz eine zinkstange in die flüssigkeit (einer galvanischen batterie) hängen Muspratt chemie 3, 809.
 
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stopfenwurz, f., wohl weil sie stopfende wirkung hat (s. 1stopfen, verb., I 3) oder, ganz sinnlich vorgestellt, die dienste eines stopfen (s. oben das masc.) thut: stopffenwurtz uva carbina Diefenbach gloss. 632a (anf. 16. jh.).
 
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stopfenzieher, m., korkzieher, flaschenöffner Autenrieth 137; luxemburger mundart 427. s. auch unten stöpselzieher.
 
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stopfer, m. , einer der stopft, s. auch oben stopf, m., stopfen, m. (dann auch stopfel, m., stöpsel, m.); selten mit umlaut: stöpfer, stopfer stoppatore, turatore Kramer dict. 2 (1702), 984a, elsäss. stöpfer (stèpfer) neben stopfer Martin-Lienhart 2, 608b und ndd. stöpper unter 1 bei Hondorf.
1) von personen; allgemein entsprechend 1stopfen, verb., I: stopffer stipator Diefenbach gloss. 553a (anf. 16. jh.)
a) (zu 1stopfen, verb., I 1 b) der dachdecker, stopffer saratecta, sarcitectus 512a (gemma gemmarum anf. 16 jh.) ndd. stopper ebenda (ausgabe von 1507). — der stopfer, welcher die lecke eines schiffes ausbessert (verstopft), der kalfaterer; in der zusammensetzung schiffstopfer (th. 9 sp. 102) schon bei Kramer dict. 2 (1702), 984a. — ein berufsmäsziger ausbesserer von tüchern, weiszzeug, kanten u. s. w. (entsprechend 1stopfen, verb., I 1 c) Krünitz 174, 498.
b) im übergang zu 1stopfen, verb., II: die stöpper seynd diejenigen, welche die, mit saltz beladene wagen, auf der seiten mit stroh, oben aber mit einem zugespeilten tuche ... verwahren Hondorf saltzwerck zu Halle (1670) 85; bei Adelung als stopfer 'packer'; vgl. auch DWB stöpferknecht, DWB stöpfermeister und DWB stopfgeld n.zu 1stopfen verb., II 2 b (und c): stopfer der geselle des schlachters, welcher sich hauptsächlich mit dem wurstmachen beschäftigt, die wurst stopft (s. 1stopfen verb. II 2 b) Krünitz 174, 498; auch berufsmäsziger mäster von federvieh (ebenda).
2) als gerät:
a) entsprechend 1stopfen, verb., I wie stöpfel, stöpsel und stopfen, m., 1 ein verschlusz, pfropfen: stopffer Rädlein 847b; etliche lassen auf den glaszhütten solche gläsine zapfen oder stopfer machen Lonicerus kreuterbuch (1593) 12b; memento mori, alter moralist, bis der stopfer aus der bouteille springt maler Müller 2, 177; der stopfer des glases wird (gelüftet) Liebig handbuch der chemie (1843) 541; Muspratt chemie 5, 247. — der propfen beim gewehr Martin-Lienhart 2, 608b; in niederd. form stopper des pulverhorns Stahl gewehrgerecht. jäger (1762) 164.
b) zum hineinstopfen dienlich (entsprechend 1stopfen verb., II) wie pfeifenstopfer (th. 7 sp. 1652 pfeifenstopfer stoppatore di pippe à tabacca Kramer dict. 2 [1702], 984a) und tabackstopfer (th. 11 sp. 5): soll einen ieden gesellschafter frei stehen, nach seinen gefallen lange oder kurtze tobackspfeifen zu führen, und soll dabei ein wollzubereitetes höltzlein haben, welches er sowoll zum stopfer gebrauchen, als auch ... Michael Kautzsch politische und lustige tobacksbrüder (1684) 84; tabakspfeifenräumer und stopfer Naumann vögel 9, 275;

wie oft geschieht's nicht bei dem rauchen,
dasz, wenn der stopfer nicht zur hand,
man pflegt die finger zu gebrauchen
Böhme volksthüml. lieder der Deutschen im 18. u. 19. jh. 482.

in ndd. form stopper: ist auch taback drinne (in der rauchtabacksdose) und der stopper? Lessing 2, 541 (schlaftrunk 1, 9).
c) ein geräth zum unterstopfen (feststopfen) von erde

[Bd. 19, Sp. 329]


und kies unter eisenbahnschwellen Mothes 4, 276; Hoyer-Kreuter 1, 736.
d) stopfer ein rundes holz, welches, in den beschädigten strumpf geschoben, die stopfarbeit erleichtert (zu 1stopfen, verb., I 1 c); sonst in länglicher form auch stopfei, n.
e) nur als übertragung von dem gebrauch unter 2 a: stopfer in der pfeifenfabrication das werkzeug, welches die ursprünglich massiv geformten pfeifenköpfe aushöhlt, ein eiserner kegel an einem holzgriff Krünitz 174, 498 (Muspratt chemie 8, 1042).
f) obsc. der stopfer penis (elsässisch) anthropophyt. 2, 263.
3) stopfer ein ableger von blumen (wie sonst steckling (th. 10, 2 sp. 1365) entsprechend 1stopfen, verb., III 5 (sp. 324) hessisch Campe.
4) seemännisch stopfer plur.; niederd. stoppers kurze tauenden, welche zum flicken zerrissener schiffstaue benützt werden Adelung.
5) als bildung zu 1stopfen, verb., II 2 c (vgl. unten stopfnudel): der stopfer, eine mehlspeise der holzarbeiter im gebirge, dann überhaupt jede dick gekochte speise wie suppe, brei u. s. w. Schmeller2 2, 774; jede dicke speise, in welcher der löffel aufrecht stehen bleibt, besonders in Oberschwaben eine aus teigknollen und milch bereitete schlechte fastenspeise, welche arme leute essen Birlinger wb. zum volksthümlichen aus Schwaben 86, deshalb auch bettelmann genannt. vgl. noch als eine völlige entsprechung stampf (th. 10, 2 sp. 676 unter 5 c), nicht nur ein durch stampfen hergerichteter brei.
6) ein festtag, an welchem tüchtig geschmaust wird, wo die gäste von dem wirth sich stopfen lassen müssen (s. unter III 3); stopper taufschmaus Petters stoffsammlung 17. in der Oberpfalz auf den stopfer gên eine hochzeit erst am zweiten tag besuchen Schmeller2 2, 774, d. h. um sich an den sehr reichlichen resten des mahles zu sättigen (s. 1stopfen, verb., IV 3); allgemein auch von kindern, welche bei solcher gelegenheit ihre zu gaste geladenen eltern aufsuchen (wobei denn der begriff durch 1stopfen, verb., II c besonders unter β seine eigene färbung erhält), wie sonst auf die geibe gehen (th. 4, 1, 2 sp. 2558 unter geiben, verb.).
 
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stopfer, m., oben zu 2stopfen, verb.: sie (die spukgesellen) stopfen laut mit ihren groszen stecken, daher werden sie ... im landt die stopfer genannt Kirchhof wendunmuth 3, 214.
 
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stopferei, f. , nach Campe beides in verächtlichem sinne:
1) handlung des stopfens.
2) eine gestopfte arbeit, so von einem schlecht gestopften strumpf (nach 1stopfen, verb., I 1 c).
 
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stopferin, f.
1) entsprechend stopfer, m., 1 (besonders zu 1stopfen, verb., I 1 c).
2) entsprechend 1stopfen, verb., II 2 c eine frau, welche gewerbsmäszig das stopfen der gänse betreibt: herzensergieszungen einer gänsestopferin gedicht von Daniel Hirtz (elsäss. gänsstopferen Martin-Lienhart 2, 608b).
 
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stöpferknecht, m., im Hallischen salzhandelbetrieb in ndd. formung stöpperknecht der knecht des stöppers (s. 1stopfer, m., unter 1 b): ein stöpperknecht krieget vor jeden wagen sechs pfennige Hondorf (1670) 87; der älteste stöpperknecht 88.
 
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stöpferlein, n. deminut., elsäss. stöpferle Martin-Lienhart 2, 608b.
1) zu stopfer 2 a petschirter flaschenwein: do langen keine drissig liter, do muss stöpferle hëre ebenda; auch in der zusammensetzung stöpferlewein.
2) wohl als bildliche übertragung des vorigen 'hieb mit worten' ebenda (oder zu der wendung einem das maul stopfen unter stopfen verb. I 4 a [sp. 313]).

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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