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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stöpfel bis stopfer (Bd. 19, Sp. 308 bis 329)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stöpfel, m. , zum verstopfen einer öffnung wie oben stopf, m., unten stopfer, m., und gewöhnlicher stöpsel, m. (vgl. Müller-Fraureuth 2, 568 und s. unten stöpke und stöppel).
1) in eigentlicher bedeutung: (luftlöcher,) die do thäennen stöpfel haben Ercker mineralertz (1580) 64a; stöpfel zum dintenfasz Kramer dict. 2 (1702), 984b, Rädlein (1711) 847a; stöpfel, von glas oder kork auf einer flasche, ihren hals verschlieszend, sonst auch DWB pfropf, DWB pfropfen, m. (th. 7 sp. 1796): machet lieber, dasz der stöpfel oder pfropf in dem bauche als in dem munde der bouteille sey Ludw. Tölpels baurenmoral 78;

rack (arrack) und zucker liesz der stöpfel
aus geraumem rohr
Voss gedichte 6, 7.

es darf eins gwaltigen stöpfels (firmiore spissamento opus est), wie man sagt, denn Ulisses seinen gsellen braucht hat Mich. Herr sittliche zuchtbücher 76a. — auch der pfropf in einer feuerwaffe Adelung.
2) stöpfel der saugkolben in der handspritze Adelung (s. auch unten stöpsel 2).
3) in scherzhafter übertragung:
a) vom kopf eines menschen Campe — (wohl mit besonderer anspielung darauf, dasz er nicht recht fest sitzt): wie bald verlohr Holofernes in trunckener weise seinen stöpfel V. Herberger hertzpostilla (1613) 1, 23.
b) als bezeichnung eines kleinen gedrungenen menschen, dann auch mit beziehung auf seine geistige art: stöpfel in Thüringen ein alberner mensch; s. auch unten stöppel, m., und stöpke.
 
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stopfel, f. , selten neben dem häufigeren, an ahd. stupfila, mhd. stupfel sich strenger anschlieszenden frühneuhochd. stupfel (s. unten); wie das jetzt schriftsprachliche, aus dem ndd. übernommene stoppel (s. unten) wahrscheinlich lehnwort aus spätlat. stupula für stipula 'halm, stoppel' (weitere erwägungen unter stoppel). unser wort zugleich eine vermittelnde form zwischen dem ndd. md. stoppel und oberd. stupfel.
1) entsprechend stoppel I: 'wurzelstumpf eines abgeschnittenen halmes' stopfel stipula Saurus - Melanchthon (1591) F 3b; und die frucht ... wurden verbrant ... noch do sy stnden auf den stopfeln erste deutsche bibel 4, 397 (neben stupfel, so 3, 234); in lehrhafter einkleidung: wann ob etlicher dorauf pawet auf die gruntveste golt, silber, edel gestein, holtze, hewe, stopphel: das werck eins ieglichen wirt offen 2, 67; aber das feuwer bewärt was stro, stopfel, goldt oder silber ist S. Franck paradoxa (1558) 282a; — im vergleich: du hast gesant dein zorn, der sy verwüst als die stophfeln erste deutsche bibel 3, 270. — bildlich: das los geschwetz und alles was vor und on got wird gethon oder geredt, ... das ist sünd, stro, stopfel, hew, zum feur verordnet S. Franck sprüchw. 1, 114b; diese wort gelten denen, hörstu wol, die falschen gottesdienst leren, das thut jr, welche jr neben der schrift beiwege machet, und bawet nichts denn stoppfel und hawe, das ist menschensatzungen auf den grund und eckstein Christum Nigrinus widerlegung ... der ersten centurii Johan Nasen (1570) p 2a.
2) blatt, kleiner zweig von einem baume: aus diesem feuwrigen striem ist ein sehr groszer wind worden, der ist ungefehrlich zehen pfluggewände hinder dem dorf eingefallen, hat erstlich zween grosze bäum umbgrissen, die stopfeln uber sich geworfen A. Musculus von des teuffels tyrannei (theatrum diabolorum 106a).
3) als bildliche einkleidung für den begriff 'nichts', zugleich in neutrales (?) geschlecht gerückt: er acht den Hamer als ein stopfel erste deutsche bibel 7, 235.
 
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stopfen, verb. , obturare, stipare, sarcire; farcire, refercire. form und geschichte.
a) ahd. stopfôn, stophôn Graff 6, 658. daneben in den zusammensetzungen bi-, far-, furistopfôn. mhd. stopfen. md. und vereinzelt auch oberdeutsch in unverschobener form, so schon ahd. furistoppot, furiworfan obturatus Steinmeyer-Sievers 1, 286a (Rd.; dabei die möglichkeit,

[Bd. 19, Sp. 309]


dasz hier die wanderung eines handwerkerausdrucks von norden her sich wiederspiegelt, so noch elsäss. stoppen neben stopfen Martin-Lienhart 2, 608b) und bistoppên. auf der anderen seite über stopfôn hinaus verschobenes stoffôn in dem imperat. farstoffo (Graff 6, 659). später dann das unverschobene stoppen besonders charakteristisch im mittelfränkischen Karlmeinet (Zarncke-Müller 2, 2, 658b) ganz entsprechend mndd. mndl. stoppen (engl. stop); obs. erzgeb. stoppen neben stopfen Müller-Fraureuth 2, 568a. am nächsten steht dem unter c freigelegten ausgangspunkt altniederfränk. stuppon (vgl. noch elsäss. stuppen Martin-Lienhart 2, 608a), obs. stuppen Müller-Fraureuth a. o.
b) als bemerkenswerth daneben eine umgelautete form stöpfen, eine bildung mit -j-suffix (entsprechend ags. forstoppian), so bei Luther und Dannhawer, dazu im reim auf schöpfen bei Burkh. Waldis (s. die belege unten). vgl. noch: ich ... ward anstat desz kürisses mit einem gestöpfften seidenen pantzer angethan Simplic. 451 neudr.
c) unser wort ist entlehnt aus mlat. stuppare 'mit werg verstopfen' zu lat. stuppa, stupa 'werg, hede' (als ital. stoppa, span. estopa, franz. étouppe 'werg', dazu deutlich wiedergespiegelt in mndd. stoppe 'werg', s. unter stopfe, f., 1). hierher gehört noch ital. stoppino 'docht' (s. unten stoppine, f.) und franz. étouppin 'stöpsel'. — zu unterscheiden ist ein einheimisches stopfen (s. unten 2stopfen, verb.), welches aber (besonders in der bedeutungsentwicklung der gruppe III) unser wort mannigfach beeinfluszt hat.über die sphäre, in welcher die entlehnung stattfand, läszt sich nichts bestimmtes aussagen: vermuthungsweise nur mag an die küferei gedacht werden (im zusammenhang mit dem frühen weinbau an Mosel und Rhein). bedeutung.
I) in dem sinne von verstopfen (th. 12, 1 sp. 1765): stopffen stipare Diefenbach gloss. 553a (anf. 16. jh.).
1) etwas undurchlässig, dicht machen.
a) ein loch stopfen u. ä.: in solche beinlein wird in der mitten ein loch gemacht, mit gelbem wachs gestopft Aitinger jagd- und weidbüchlein (1681) 55; in sprichwörtlicher redensart: wer alle löcher wil stopfen, der stopft so bald die zu, so nutzen als die schaden Lehmann florilegium 1, 81; bläst aus dem loch der wind! das wollen wir stopfen, Alexis Roland von Berlin 2, 43. — mit moos waren die rizen gestopft A. v. Haller Alfred (1773) 234; wie der weisze schleim, womit der wurm in der perlmuschel die öffnungen seiner schale stopfet, nach und nach zur perle reift Jean Paul 5, 10 (grönländ. prozesse 1); fest stemmten die burgleute holzschilde und leiter, den risz (in der mauer) zu stopfen Freytag 8, 196. beim schiff ein (einen) leck stopfen (bildlich): sind sie auch auf ihren schiffen sogar nach jenen südlichen ländern gekommen, wo die sonne blühender und der mond romantischer leuchtet, so können doch alle blumen dort nicht den leck ihres herzens stopfen Heine 3, 91 Elster;von sprichwörtlichem inhalt:

und wenn man hier stopft eine lücke,
macht dort sich eine andre
Rückert werke 2, 475;

als allgemeiner bildlicher ausdruck für einen schaden bessern: wo aber ein ordnung were, das sie (die knechte) musten ym gehorsam gehn, und sie niemandt aufnehm an andern orten, het man dissem ubel ein grosz loch gestopft Luther 6, 262 Weim.; sie hetten gehoffet, ein ander loch damit zu stopfen Schütz beschreibung der lande Preuszen 5, C 4b; er mag selbst zusehen, wie er das loch stopfen will! Wieland Lucian 1, 71; ein loch stopfen von einem schuldner, der bis an den hals drin sitzt, aber eine schuld bezahlt (freilich indem er neue schulden machen musz) Campe; aber ein familienstatut, ein majorat existirt nicht. was thun, um diese löcher all zu stopfen? Gutzkow ritter vom geiste 3, 112; in Deutschland leimen wir hier, leimen wir da, flicken diese spalte, stopfen jenen risz werke 10, 226 (vgl. Laube 15, 286) s. die weitere entwicklung des bildes unter 6 a; (neben verstopfen und von geringerem erfolge):

[Bd. 19, Sp. 310]


ehre darf nicht groszen ries, so bekümt sie so ein loch,
das man, wann man immer stopft, nimmer kan verstopfen doch
Logau sinnged. 388 (1866).

umsonst rief er (Heinrich IV.) seine frühen feinde, jesuiten und jacobiner zurück, um den groszen risz des hasses zu stopfen Laube 5, 80;

(du) machst zur närrin deine tochter,
und die löcher deiner seele
willst du mit der ihren stopfen!
Brentano 3, 336;

mit seinen nachtmützen und schlafrockfetzen
stopft er (der deutsche professor) die lücken des weltenbaus
Heine 1, 121 Elster.


b) als eine begriffliche erweiterung ein rinnendes fasz oder schiff stopfen stoppare, ristoppare una botte che cola (trapela), calfattare una nave che fà acqua Kramer dict. 2 (1702), 983c; vgl. der die schiff stopft, der das werck zubereyt, damit man das schiff stopft stipator Alberus (1540) Z 3a; schon 6 D cupario die fasz z stopfen quelle von 1418 bei Schmidt elsäss. wb. 341b;

aus ewren Danaischen fasz,
welchs euch heut gar ausrinnen wil,
wie sehr man auch stopf oder füll
Fischart S. Dominici leben 124;

hierher (?) eine (hölzerne?) brunnenröhre stopfen turare una doccia Kramer dict. 2 (1702), 984a. — ähnlich auch ein dach stopfen:

durchs dach der regen het nein tropft,
war hie und da mit stro gestopft
Waldis Esopus 1, 400;

entsprechend ndd. twen leydeckere de kerke to stoppen, gegewen 7 sch. Fahne Dortmund 4, 300; hierher auch zum irsten 7 m. 3 den. dem muwerer vor 49 000 minus 100 dachsteyns zu stoppen, 3 scot vor 1000 Marienburger treszlerbuch 503, als ein technischer ausdruck niederdeutscher handwerker; lymen o. pflasteren o. mit erden stoppen linere Diefenbach gloss. 331a. im folgenden unter dem einflusz des niederdeutschen handels, welcher der eigentliche salzabnehmer Halles seit hansischen zeiten war: (die wagen) zu laden und zu stoppen (mit stroh und decken bedecken und verstopfen) Hondorff saltzwerk zu Halle (1670) 88 (vgl. unten stopfer 1 b, stopferknecht, stopfermeister, stopfrute). — eine wand stopfen ihre lücken und risse ausfüllen: (bildlich:)

von liebesbriefen sind die stolzen wänd erbaut,
die man von fern sehr fest, doch nah sehr löchricht schaut;
und die man, wenn die zeit den schlechten grund verrücket,
mit memoiren stopft, und mit romanen flicket
Zachariä poet. schr. 1, 263.


c) im gebiete weiblicher handarbeit ein loch in einem zeuge, gewirke oder gestricke stopfen das loch mit kreuzweis über und durch einander gelegten fäden ausfüllen; ein loch oder risz in kleidern stopfen turare, ricucire una rottura ne' vestiti Kramer dict. 2 (1702), 983c; ein grober hanfener faden, womit sie, denk ich, die löcher in ihrem hemde hatte stopfen wollen Wieland 12, 25. — in der begriffserweiterung (entsprechend oben 1 b) die strümpfe stopfen (vgl. schwed. stoppa strumpor): das mädchen stopft sich selbst die strümpfe (jahrb. der Grillparzerges. 5, 227); einen fortschritt gemacht nach langer pause. zum ersten mal selbst strümpfe gestopft Hebbel tagebücher 2, 211; (als liebeszauber:) sie stopfte ihm seine strümpfe mit wolle, die sie aus ihren eigenen strümpfen gerewwelt hatte Löns dahinten in der haide 83; (in weiblicher klage:) wir sind ihnen (den männern) gut zur unterhaltung und ihre strümpfe zu stopfen Freytag 6, 342; und wenn man dann alt ist, ist man blosz noch dazu da, sich schimpfen und schelten zu lassen und strümpfe zu stopfen und einen knopf anzunähen Fontane I 6, 30. — spitzen stopfen riempire dentelli ò merli di Fiandra Kramer dict. 2, 984a; kanten stopfen Krünitz 174, 495. zeug, kleider stopfen ebenda; weiszzeug stopfen ebenda; säcke stopfen. — als weibliches werthurtheil hüpsch stopfen können saper l'arte di ricucire aggratiatamente Kramer dict. 2, 983c. — bei den tuchmachern stopfen die webfehler in den tuchen, nachdem sie genoppt sind, ausbessern.
2) etwas verstopfen (s. th. 12, 1 sp. 1766) und so eine flieszende bewegung u. dgl. hindern.

[Bd. 19, Sp. 311]



a) eine wunde stopfen, so dasz sie nicht mehr flieszt: (Mignon) habe seine eigenen haare, die um den kopf geflogen, genommen, um die wunde zu stopfen, habe aber bald von dem vergeblichen unternehmen abstehen müssen Göthe 22, 40 Weim.; (bildlich:) Usong machte ... die wunden ausfündig, wodurch Persien seinen lebenssaft verlohr, und wurde gewarnt, sie zu stopfen A. v. Haller Usong (1771) 116; sehen wir lieber auf unser maul, da haben wir wunde genug, auf welche uns mutter natur gewissermaszen mit der nase gestoszen, dasz wir sie stopfen sollen Brentano 5, 334;

der garten ist ja noch so reich,
ein edles blümchen darzustellen,
zu stopfen ihres (der wunde) schweiszes qwellen
Schwieger geharn. Venus 48 neudr.

der vorgang verändert: darnach soll man ... den (gebrochenen) schenckel in ein lindine lad legen, und darinn rhuen lassen, aber umb die wunden alle tag zwey oder drey mal mit reinen leinin tüchlin stopfen, dasz der eyter nicht under das beinbruchpflaster komme Gäbelkover artzneibuch (2) 295.
b) das blut stopfen, es stillen: (bildlich:) das nicht müglich ist, ein rein hertz zu uberkomen durch unser eigen ausfegen, blut und fleisch quillt an unterlas, yhe mehr man stöpfen und weren wil Luther 17, 1, 111 Weim.; sonsten aber stillet oder stopfet das taubenblut auch das nasenbluten viehbüchlein (1667) 115;

und alsofort
gosz ich in den verletzten ort
des söllmanns, um sein blut zu stopfen,
schnell heilende, balsamsche tropfen
Löwen schr. 3, 116;

mit einem: (der jude,) als ein rechter christenfeind, über den schenckel herwischte, den fusz darvon unverzüglich ablösete, das blut mit einer aufgelegten salben stopfte, den guten Faustum aber halb tod, seiner meinung nach, hinter sich verliesze Widmann Fausts leben 263.
c) eine quelle stopfen, dasz sie nicht mehr läuft (zugleich ein beliebtes bild): und wollt die bornquell nicht stopfen, da ist mühe und erbeyt verloren Luther 15, 304 Weim.; man müss die quell des grewels stopfen, sonst werden die flüss und beche nit ausztrucken 19, 444 Weim.; du trachtest vergebens zu stopfen die qwellen Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 5, 7b; damit ... die brunnquellenden adern der reinen hochteutschen sprache ... nicht wieder gestopfet und zugescharret werden mögen Neumark neuspr. teutscher palmbaum (1668) 86; die ursprünge und quellen aber lassen sich vielleicht ... mit gottes hülfe gründlich stopfen Leibniz deutsche schriften 1, 153;

doch triffst du die reine quelle
unverfälschter wahrheit an,
die dir weder tod, noch hölle,
trüben oder stopfen kann
Triller poetische betrachtungen 3, 507;

(sprichwörtlich:) wer den flüssen wehren will, der musz die brunquell stopfen Lehmann florilegium politicum 1, 25, — allgemeiner: dem rechtlosen wurde das wasser gestopft, das feuer gelöscht (aqua et igni interdictio) Jac. Grimm rechtsaltert. 1, 268. sonst: nun wollet ihr aber meine bach stopfen, und inzwischen die quelle frey loszbrechen lassen Buchholtz Herkuliskus 493; noch vielmehr aber ward Marbod verlachet, dasz er grosze kasten ... ins meer sänken liesz, in meinung damit den hafen zu stopfen Lohenstein Arminius 2, 847b; die mündung der Darsena wird gestopft. alle hoffnung zur flucht verriegelt Schiller 3, 97 (Fiesco 3, 5);

hier wirst du einst siegen,
und den benachbarten strom mit blutenden legionen
stopfen
Wieland I 1, 140;

o ihr thoren, haltet die wolken, die der ost dort in ganzen gebürgen daherführt! stopft ihre schlünde, dasz sie sich nicht auf euer dürres heu herabgieszen! der arme mann im Tockenburg 2, 151;

(Falstaff:) o gott, herrn! bringt mein bang gemahl hinaus,
denn thränen stopfen ihrer augen schleusen Shakespeare 6, 83 (Heinrich IV. 1, 2, 4);

so auch (wie von einem dammbruch): hundert ritter (senden), selbigen einbruch zu stopfen Lohenstein Arminius 2, 1098a.

[Bd. 19, Sp. 312]



d) eine strasze stopfen, so dasz der verkehr darin gehindert wird: da dort der schmauchenden verzehrten häuser graus die wüsten straszen stopft Pietsch geb. schr. (1740) 15; da man übrigens die armee des general Melas auf hundert tausend mann rechnete, so war er allerdings hinlänglich stark, die Franzosen im genuesischen zu erdrücken, und zugleich auch den übergang der Alpen zu stopfen A. H. v. Bülow der feldzug von 1800 (1801) 43; sie (die straszen) waren sämmtlich mit geputzten fuszgängern und nur langsam vorwärts rückenden wagen gestopft Gaudy 5, 67; wagen und karren wurden umgeworfen und stopften die wege Freytag 12, 16.
3) in anlehnung an den gebrauch unter 2, von der wir kung einer speise, eines medicaments u. s. w.
a) mit beziehung auf die weibliche monatserscheinung und als erfolg eines medizinischen mittels: es (das pulver vom blutstein mit wegerichsaft) stoppet den weyszen und rotten flusz der frawen Tollat v. Vachenberg margarita medic. (1516) 16b; (ein mittel,) die ungebräuchlich überflüssig reynigung der weiber zu stopfen Ryff confectbuch (1548) 15b; die weissen blumen und den blutgang der weiber zu stopfen Sebiz feldbau (1579) 442. neben stillen: dieses wassers zwey oder dreymal ... getruncken stopfet frauwenzeit, stillet die rote ruhr und andere stulgäng Lonicerus kreuterbuch 28b; s. das folgende.
b) den stuhlgang stopfen u. ä.: der bintzensamen gebraten, ... stopft den stlgang Heyden Plinius (1565) 159; (guitten) stopfen allerley bauchrur Sebiz feldbau (1579) 349; dasz die brühe von diesem kraut (elatine) getruncken, die rothe ruhr stopfe Hohberg georgica 3, 414a; wann er (der käufer) erweisen will, dasz der gaul den geklagten hauptmangel tempore contractus schon an sich gehabt, und demselben z. e. der rotz gestopft worden landgräfl. hess. verordn. v. 17. märz 1767 (ordnung zu verbesserung des justizwesens, Cassel 1767 s. 25).
c) in der begrifflichen erweiterung: (endivien) stopfen den bauch Bock kreutterbuch 98; derhalben dise milch den stlgang dester mer macht, ... da sunst die käsig milch den leyb hart stopft Gesner thierbuch 43b; spatzenfleisch stopfet den bauch, denn es ist hitziger truckener natur Heyden Plinius (1565) 464; gerstenmeel wol in butter geröschet und mit gestählter milch zu einem breilein gesotten, stopfet den flussigen bauch Tabernämontan 622; (muskatnusz) stopft den fleiszigen bauch Hohberg georgica 1, 207.
d) ohne object. etwas stopft, hat stopfende wirkung: ist aber der mensch kranck, so magst du im wol geben von eim gestossenen hn, von einer keszbrü, und ein müszlin von mandelmilch. das mach also, dasz es nit stopf Gersdorff wundarzney (1517) 20a; die frucht des cornelbaums ist gut zu allerley bauchflüssen, dann sie sehr, gleich wie nespeln und schlehen, stopfet Lonicerus (1577) 28b; desgleichen sie auch ganz fein informirt, was kalt sei, was hitzig, was trucken, was feucht, was purgir, was laxir, was öffne, was stopf Fischart podagr. trostbüchlein 93 Hauffen; so aber einer zu viel flüssig oder durchläufig were, sol man den wermuth allein oder aber mit andern stücken, die da stopfen, vermischt brauchen Tabernämontan (1588) 3; die limonien, die granatäpfel stopfen und machen hartleibich stipant, adstringunt Comenius (1644) 30; diese speisen, diese früchte stopfen Kramer dict. 2 (1702), 984a;

welche speise bläh und stopfe,
wuszt er auf ein härchen auch
Boie 347 Weinhold.


4) einem den mund stopfen, eines hunger stillen und so seinen klagen ein ende machen: madame! wenn in ihrer speiszkammer etwas übrig wäre, so könnte es dem lumpenvolck (den soldaten) das maul zu stopfen dienen Stranitzky ollapatrida 279 Wien. neudr.; das beste und einzige mittel, ... dem hungrigen den mund zu stopfen Archenholz England und Italien 1, 2, 299; laszt sie ... nicht zur seite blicken mit leerem munde, während ihr den eurigen stopft Gutzkow werke 5, 90;

der iederman wol dienen kan
und iedem stopfen wolt den mundt:
der wiszt me, den gott selber kundt
Murner schelmenzunft 73 neudr

[Bd. 19, Sp. 313]


vgl. im sprichwort: he behovet vel brodes, de malk wil den munt stoppen Tunnicius 324; man muste viel mehels haben alle mewler zw stopfen (als erläuterung zu : si semel vel bis responderis publice, sufficit, non est omnibus respondendum) Luther 29, 110 Weim.: der musz viel brey haben, der alle mäuler stopfen (oder zustopfen) will deve haver del bollito ò della polenta assai, chi vuol turare la bocca ad ogni uno Kramer dict. 2 (1702), 984c; hier gewisz schon, wie im folgenden, in der sphäre des kindes: das sudelweib, das ein (kind) strelt, wischt und wescht, dem andern schreiling mit musz wie den rappen das maul stopft und mest Gargantua (3) 66;

ich kann nit yeder mtter kindt
ziehen wol, und yeden windt
blasen, stopfen allen mundt
Murner narrenbeschwörung 2, 123 neudr.

in der sphäre des mythus, des wunders: (der gebrauch der alten,) dasz man bey der leiche anderer viele leichen machte, um dem gott des todes den mund zu stopfen Hippel lebensläufe 3, 1, 62;

der glaube stopft der grimmen löwen rachen
Lohenstein geistl. gedancken (1680) 111.

doch auch im gebiet des gewaltsamen: ihm mit einem tuch, mit der faust u. s. w. den mund verschlieszen, so dasz er keinen laut mehr von sich geben kann: die juden stopften ihm (dem kinde) den mund, dasz es nicht schreien konnte brüder Grimm deutsche sagen 1, 234; und so als drastische symbolische handlung: (die leute) fanden ihn noch, da er den (toten) Nicolo zwischen den knieen hielt, und ihm das dekret in den mund stopfte H. v. Kleist 3, 375. diese letztere vorstellung wird auch im folgenden zumeist zu grunde liegen, s. auch unter mund (th. 6 sp. 2678 unter 9 i) und maul (sp. 1792 unter 7 l).
a) bildlich einem den mund (und gröblicher gemalt das maul) stopfen, ihn durch wort und that zum schweigen bringen (vgl. als hier sich vordrängende begriffliche steigerung verstopfen th. 12, 1 sp. 1767 unter A 2), so besonders in der kampfsprache der reformationszeit: denn dem teufel ist nicht müglich das maul zu stopfen, er ist gleich wie der wind, der findet gar enge löcher (wie man sagt) Luther 26, 287 Weim.; denn wer kan eym narren das maul stopfen, weyl das hertz voll narheyt stickt und der mund ubergehen mus, wes das hertze vol ist 18, 385 Weim.; si hic auderent, szo stupten sie myr das maul (obturarent mihi os) 34, 2, 160 Weim.; Moses hat das maul gestopfet allen philosophis 4, 7a; vgl. DWB da aber die Phariseer höreten, das er den Saduceern das maul gestopft hatte (Vulg. quod silentium imposuisset Sadducœis), versamleten sie sich Matth. 22, 34; denn es sind viel frechen, und unnütze schwetzer und verfürer, sonderlich die aus der beschneitung, welchen man mus das maul stopfen Titus 1, 11; den ketzern das maul stopfen Mathesius Sarepta 198b:

de wyle nu godts wordt ewich blifft,
welln wy ydt bewysen mit der schrifft,
dat den gestoppet werde de mundt,
de godts wordt lestern tho aller stundt
Waldis der verlorene sohn 11 neudr.

und sonst: dem widersacher nach Pauli lehr und befelch das maul stopfen Feyerabend bei Kirchhof wendunmuth vorr. (Arnold kirchen- und ketzerhistorie 40a); dem logener kan nummant den munt stoppen Tunnicius 61; dem pfaffen ... das maul stopfen Schupp freund in der not 30 neudr.; meinen feinden und lästerern das maul stopfen Thomasius ernsth. gedancken 2, 35; den unverschämten freygeistern das maul stopfen neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 4, 346 (vgl. 7, 367); den kunstrichtern (2, 224), solchen schurken das maul stopfen theater der Deutschen 13, 524; so würde denjenigen der mund gestopft werden, die beständig etwas an dem römischen hof zu tadeln finden Schmidt gesch. der Deutschen 4, 181; ist nur gut, dasz ich das protokoll auf stempelpapier habe, um der argen bösen welt das maul zu stopfen Hippel lebensläufe 3, 2, 291; stopfe ihnen den mund, wenn sie den redlichen lästern! Knigge umgang 3, 74;

doch aber wollt ihr grob an meine thüre klopfen,
so will ich euch das maul, wie bald Verandern, stopfen
Henric ernst. und scherzh. gedichte 1, 515;

[Bd. 19, Sp. 314]


als aufforderung:

(Venus:) ich bitt euch, halts mich zurück, oder stopft der verläumderin den mund!
(Minerva:) sie haben mich aufgefordert, und so thu ichs halt ein mahl kund
Meisl theatral. quodlibet 3, 7.

stopf ihm das maul! Göthe 17, 293 (bürgergeneral 10) Weim.; stopfen sie ihm nur das maul! Gottl. Stephanie d. j. lustsp. 325.
α) im besonderen eine frage stopft einem den mund (discourse von den mahlern 2, 96) u. ä. schwätzern stopft der wein den mund Hippel lebensläufe 1, 497; die erklärung stopfte mir auf einmal den mund Thümmel reise 8, 59; diese zuvorkommende güte stopft mir den mund Lenz 1, 232;

jedoch kein wort nit darzu sprach;
dann ir das leidt stopfet den mundt
Wickram 7, 291;

o auserkornes buch, der Welschen mund zu stopfen,
so uns bishero sich beflissen aufzuropfen
mit falschem grund und fug, den unglimpf, spott und schand,
als ob wir unser witz nur hätten in der hand
Jacob Creutz bei
Zinkgref apophthegm. vorr.

sie kommen vor das volck getreten
und machen dich in Salem kund,
man dreuet ihnen strick und ketten,
nichts aber stopfet ihren mund
S. Dach 379 Österley.


β) entsprechend auch: und aller bosheit wird das maul gestopft werden psalm 107, 42; im kriege würde ... denen rechten der natur der mund gestopft Lohenstein Arminius 2, 416a; wenn man so vielen vorwürfen, als sie mir machen, ... das maul stopfen will Klopstock an Ebert (briefe 217 Lappenberg); alles dies stopfte jedem zweifel den mund Wieland 7, 207; dieses ... würde ihrer frechheit bald das maul stopfen Petrasch lustsp. 2, 484; diese urkunde und das rühmliche abschiedszeugnisz der priorin ... waren hinreichend, der tausendzüngigen verläumdung den mund zu stopfen Pfeffel prosaische versuche 7, 156; von der stund an war dem schicksal 's maul g'stopft Nestroy 12, 37.
γ) die allmähliche erstarrung des bildes erklärt die seltenheit des plurals: darumb du heiliger gott, ... beware fort an dein haus, welches wir newlich gereinigt haben, das es nicht wider verunreinigt werde, und stopfe die bösen meuler 2. Makk. 14, 36 (vgl. Dannhawer unter ε); den pfaffen die mäuler stopfen Elisabeth Charlotte 5, 292; jenen ziemlich ungeschliffenen gesellen die mäuler zu stopfen Neumark neuspr. teutscher palmbaum 37;

ach, warum willst du nicht den heyden mäuler stopfen?
Hoffmannswaldau auserles. ged. 6, 296.


δ) mit adverb. bestimmung: bald (Luther 6, 458a; Petrasch lustsp. 2, 484), geradezu (Lichtenberg nachl. 42), ein- für allemal (einmal für allemal Liscow sat. und ernsth. schr. 23 vorr.) das maul stopfen; damit wir unserm raschen critico den mund auf einmahl stopfen, wollen wir ihm nur zu betrachten geben ... Bodmer von dem wunderbaren 190 (Thümmel reise 8, 59). — womit er denen miszgünstigen, grundbösen leuten ... das maul thätlich zu stopfen verhoffete Chemnitz schwed. krieg 1, 164; (er) stopfet den lästern der wissenschaften so völlig, als lebhaft den mund neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 8, 225.
ε) das object noch weiter bestimmt durch ein adject.: alle böse mäuler stopfen Dannhawer catechismusmilch 3, 92 (vgl. Luther oben unter γ); dasz ich Lehnen dafür beim kopf kriegte und ihr auf ihr böses maul einen herzlichen kusz gab, um es zu stopfen Bettine briefe 2, 10. — das freche maul stopfen (vgl. Gottsched deutsche schaubühne 4, 224); das unnütze, boshafte, ungewaschene maul stopfen;

mit warheit kunde ich das gebrechen
und gesagen den rechten grunt,
an zwifel gestoppen den valschen munt,
usz dem das springet die bose vorgift
Liliencron volkslieder 1, 324 (
Jacob Stoszelin auf die Mainzer unruhen 1428—30);

ich will hiemit dem losen tropfn
das ungehalten maul wol stopfn
Hollonius somnium vitae humanae 561;

ach! stopfe ihren schnöden mund
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 426;

[Bd. 19, Sp. 315]


und der ausgangssphäre am nächsten:

du schweigst! und um dein gierig maul zu stopfen,
geb ich dir noch die zwanzig obenein,
die du gefordert, doch kein wort nun mehr!
Tieck 3, 146.

durch die composition: (einen) vertheidiger der unschuld bestellen, der diese lästermäuler gewisz auf ewig stopfen soll Lichtenberg verm. schr. 3, 588 (Knigge umgang 1, 213; Kotzebue dram. w. 18, 239; Stelzhamer dicht. 4, 176); (trompeter zur rede des kapuziners:)

stopft ihm keiner sein lästermaul?
Schiller 12, 38 (Wallensteins lager 8).

einem das freche lügenmaul stopfen vgl. Görres briefe 3, 488.
ζ) in der beziehung zu schweigen, verb.: dennoch werden sie nicht konnen weichen noch schweigen, denn wer kan dem teufel das maul stopfen? Luther 26, 400 Weim.; schweig, wortverdreher, eh ich dir den mund stopfe! Meissner skizzen 2, 184.
η) neben entsprechenden begriffen (im parallelismus oder in gegensätzlichkeit): so ist doch das grosze geschrei mit dieser einigen antwort bald gestillet, und ist jnen das maul bald gestopfet Justus Jonas in der Augsb. confession bei Luther 6, 458a; also kanstu yhenen das maul stopfen und schlissen 15, 493 Weim.; denn ob sie gleich yhr sache aller dinge gewunnen hetten und uns das maul gestopft, so hetten sie doch nicht mehr ausgericht und yhre sache nicht weiter bracht 26, 266 Weim.; wenn ich ... mich hette solcher wort lassen hören gegen meyne papisten, wie sollten sie gewunnen schreyen und myr das maul stopfen drei flugschriften aus dem kampf der schwärmer gegen Luther 7; da ist dann von nöten, das die pastoren und prediger der sachen helfen, den irthumb aufdecken, den widersprecheren das maul stopfen erzbischhof Hermann von Köln reformation (1545) 6b; darüber wurden die andern mönch also bösz, dasz sie ... bei der herrschaft zu Venedig zuwegen brachten, dasz sie den kreutzbrüdern das maul stopften, das handwerck niderlegten, und solches hinfort zu predigen verbotten Fischart bienenkorb (1588) 199b; warlich alle gefangene werden dir das maul stopfen können, oder lügen strafen Prätorius winterflucht (1678) 111; der wahren vernunft amt ist, die wortspalterin dialektik zu zähmen, einer schwätzerin den mund zu stopfen Herder 21, 209; man musz ihnen kurz und nachdrücklich den text lesen, man musz ihnen das maul stopfen, man musz sich bey ihnen in der ehrfurcht zu erhalten wissen, die sie uns schuldig sind Nicolai Sebaldus Nothanker 2, 79; wer kann oder mag aber den leuten das maul stopfen, die hand binden oder die presse rauben? Jacob Grimm an Dahlmann (briefw. 1, 403);

wir schrecken manche brust, und stopfen manchen mund
Hoffmannswaldau auserles. ged. 1, 211 (vgl.
Schmelzl verlorner sohn 9b).


θ) sich den mund stopfen lassen, durch bitten, bestechung (oder gewalt) sich zum schweigen bringen lassen: ich wil predigen die gerechtigkeit in der groszen gemeine, sihe, ich wil mir meinen mund nicht stopfen lassen (Vulg. ecce labia mea non prohibebo) ps. 40, 10; der teufel lesset sich das maul nicht stopfen Luther 20, 687 Weim.; das mögen diejenigen prediger wol mercken, welche die gelbe und weisze beichtpfennige sich die augen blenden und das maul stopfen lassen und deszwegen der groszen Hansen fein zu schonen wissen der gewissenhafte priester (1694) 111.
b) mit der angabe des mittels:
α) durch (im eigentlichen sinne): so stopfte er ihm den mund durch ein stück brot Schubart briefe 2, 126. — (bildlich, entsprechend a): dasz durch disz einig wort man jm das maul stopfte Fischart discours (1589) G 3a; noch weniger (will er) dem urtheil des kenners gebieten, und durch ein postulat 'so soll es seyn!' ihm den mund stopfen Herder 22, 105; ich wünsche der sache eclat, um den schreiern durch ein gründliches événement das maul zu stopfen Pückler briefw. 3, 237;

und will auch meinen mund dermassen
durch kein gefahr nie stopfen lassen
Hans Sachs 18, 172 Keller-Götze.

[Bd. 19, Sp. 316]



β) mit (eigentlich): meine felder tragen so viel korn, dasz ich mit dem daraus gebackenen brote alle bösen mäuler in Teschulumbo stopfen kann Gutzkow werke 6, 318 (Raupach dram. w. ernster gattung 11, 194); es war gut, dasz die glocke zum abendessen rief, da wurden die losen mäuler mit klöszen gestopft Rosegger schr. 12, 61;

so muszt ich dem bellenden hund
ja stopfen mit seim prei den mund,
und jne zalen mit der münz,
mit der er andern zalt die zins
Fischart glückh. schiff 58 neudr.;

stopfe den schendlichen lesterrachen mit einem kuchen, von mancherley kreutern ... zugericht Agricola musica instrumentalis 282; ein churfürst sagt, ich heisz Daniel, sitze in der löwengruben, wann ich den löwen das maul stopfe mit jhrer gebühr, brüllt keiner gegen mich Lehmann florilegium politic. 1, 85. — entsprechend a: sihe, mit diszem spruch gottis stopfet man das maul allen, die uber die ehe klagen und schelten Luther 10, 2, 294 Weim.; da er aber solches zu jnen saget, fiengen an die schriftgelerten und phariseer hart auf jn zu dringen, und jm mit mancherley fragen den mund zu stopfen (Vulg. os eius opprimere de multis) Luc. 11, 53; solten die abgöttischen heyden dieser jungfrauschaft Maria in zweifel ziehen, so stopfen wir ihnen das maul mit ihren hirnsüchtigen fabeln Treuer Dädalus 1, 289; einer unzeitigen kunstkritik möchte ich mit den worten, welche Shakespear dem Theseus in den mund legt, das maul stopfen Stolberg 6, 136; wenn ich (der meister Grünebaum) im rothen bock (einem wirthshaus) den mund aufthue, so klappt das weiteste maul zu, ohne dasz ich es mit latein stopfe Raabe hungerpastor 1, 104;

o, Eulenspiegel, hettst disz gethon
nur zu Parisz in der Sorbon,
sie hetten dir gemacht sehr bang,
nit geben audientz so lang,
sonder mit zischen und mit klopfen
hetten sie dirs maul können stopfen
Fischart Eulenspiegel 150 Hauffen.

auch: drum stopf ich ihme gern mit höflichkeit das maul Lindenborn Diogenes 2, 322;

mit spot solt du mein mund nit stopfen
Hans Sachs 4, 10 Keller.

zur bestechung: diesem menschen ist das maul mit etlichen ducaten gestopfet Micraelius altes Pommerland 3, 394; ich will mich mit meinem geheimnisse so furchtbar machen, dasz ich das maul ... offen halten will, wenn mir es M. nicht mit gelde stopft theater der Deutschen 8, 178;

ist ihnen mit geld der mund zu stopfen,
mein letztes geb ich her
Göthe 13, 2, 39 Weim.;

dem siegreichen feinde stopfe ich mit einer provinz den mund Häusser deutsche geschichte 2, 105; vgl. DWB deshalb halten es jene vornehmen diebe, die England plündern, nicht einmal für nötig, dem knurrenden Cobbett einen brocken zuzuwerfen und ihm damit das maul zu stopfen Heine 3, 471 Elster.mit gewalt: Delphina ... einen stock ergreift, ihr mit schlägen das maul zu stopfen Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 8, 238;

wenn Thraso ungescheut von seinen thaten redt, ...
wie er mit schlägen dem das maul gestopft, und diesen
gezwungen, vor der faust das leben zu erbitten
Chr. Warnecke poet. versuch (1704) 77;

dem armen mann ... das maul mit fewer und schwerdt stopfen Moscherosch insomnis cura parentum 38 neudr.; wie oft waren solche Luthers früher aufgestanden und — untergegangen: der mund ihnen mit rauch und flammen gestopft Herder 5, 532;

auf das jm (dem verleumder) mit des richters schwerd
sein unnütz maul gestopfet werd
Ringwald lauter warheit 135.


γ) besonders herauszuheben ist noch die wendung einem das maul mit erde stopfen (der arme mann im Tockenburg 1, 99), ihn für immer schweigen machen, ihn unter die erde bringen, zum sterben: der sich verheuraten soll, wird des weibergeschwätzes noch gar genug und zu viel hören müssen, bis ihr oder ihm der tod das maul mit erden stopfet Harsdörffer teutscher secretarius 2, 557; freilich ja, wenn ich selbige (ärztliche hilfe)

[Bd. 19, Sp. 317]


versucht hätte, so wäre mir jetzt das maul mit erde gestopfet Lindenborn Diogenes 1, 14;

krancken führen über ärtzte leichtlich nicht beschwerden;
jenen können diese stopfen fein das maul mit erden
Logau 435 (182);

wem er was zu leide thut, dem stopft er (der arzt) auch das maul mit erde
Stoppe Parnasz (1735) 265;

also fragen wir beständig,
bis man uns mit einer handvoll
erde endlich stopft die mäuler
Heine 2, 92 Elster.


c) seltener einem die kehle stopfen: meint ihr, dasz ihnen das die kehlen stopfen wird? Alexis Roland von Berlin 1, 114;

der grosze Nimrod gibt befehl:
Actäon, das ist der von Oppen,
soll Niclas Peuckern seine kehl
mit einem wilden schweine stoppen
Friedrich Wilhelm, der grosze kurfürst, in einem gereimten decret an den kämmerer Peucker zu Potsdam (vgl. tägl. rundschau, unterhaltungsbeilage 25. juli 1914).

den rachen:

hund, jetzt, verfluchter, schweig,
soll hier die faust den rachen dir nicht stopfen!
H. v. Kleist 1, 367 (zerbr. krug 7) Schmidt.

den kropf:

dem solcher zott (das ins gesicht husten) nicht wol gefellt,
und sich darüber zornig stellt,
dem stopf das maul und seinen kropf
Scheidt Grobianus 329.

die stimme (und neben verhindern): do Demetrius dise wort redet, begundten jm die threne den athem und die stymm stopfen und verhindern Carbach Livius 428.
5) ein sinnesorgan stopfen, es gegen wirkungen der auszenwelt verschlieszen.
a) die (seine) ohren stopfen, zunächst um sie gegen zugluft, staub u. s. w. zu schützen; vgl. dy ern (aures) czu stuppen obturare Diefenbach gloss. 391a. dann aber besonders, um nicht hören zu müssen; den bitten, vorstellungen, rathschlägen eines sich verschlieszen: konnen sie nicht mehr (uns verfolgen), so stopfen sie die ohren und segnen sich dafur (vor den evangelien) als fur den ergsten teufel Luther 28, 133 Weim.; aber ich bedinge, dasz man andere ohren, die vielleicht von andern zeserlein gemacht sind, hinwiederum gönne sich zu stopfen, wenn ein solcher thon in sie fällt discourse der mahlern 2, 52;

das (empfangen von weissagungen) hat ir alle woil erfaren;
doch stoppet er uwer oren
und wollet em nit bi bestan Alsfelder passionsspiel 153;

(das land,) wo baumwoll an den bäumen wächst,
zu stopfen in die ohren
Rückert werke 3, 52;

viel reichen stopfen ir ohren,
sie geben nit ein gt wordt
Ph. Wackernagel kirchenlied 5, 688;

allein der kühne Wulff liesz keine bothen vor,
und stopfte freventlich sein und der bürger ohr
Besser schr. 1 (1732), 55.

auch sonst auszerhalb der eigenen activität, 'einem andern':

nun welt ist welt, hett ich jr gelt,
so liesz ich solches unvermeldt,
dann es blendt und stopft mund und ohren
Fischart Eulenspiegel 455 Hauffen;

vgl.dat en yslik synes perdes hovet vordeckede unde sine oren stoppede Korner bei Schiller-Lübben 4, 414b; einem gegenüber einem:

aber was hilft es, das ohr den ermüdenden klagen zu stopfen,
und der täuschungen flor sich um das auge zu ziehn?
Knebel literar. nachlasz 1, 31;

ich stopfte ihren bitten nicht mein ohr,
schob die gesuche nicht bey seit mit zögern Shakespeare 8, 322 (Heinrich VI. 3, 4, 8).

gewöhnlich und sinnfälliger vor einem, wie man thor und thür vor ihm verschlieszt:

wer syn or vor dem armen stopft,
den hört got nit, so er ouch klopft
S. Brant narrenschiff 20;

weil sie (Klytämnestra) denselben (den spielmann) hett verloren
der jhr vor bösem stopft die ohren,
fült die mit reinem klang und gsang,
das arg red kein zgang erlang
Fischart lob der lauten 368 Hauffen;

[Bd. 19, Sp. 318]



sie stopfen furchtsam ihre breiten ohren
vor jedem ruf des lebens aus der tiefe
Keller 9, 138 (lebendig begraben 5).

wie die schlange vor der zaubermusik des beschwörers (s. DWB schlange th. 9 sp. 443 unter 2):

wer kan darfür, dasz jr es hassen,
und vor der warheit stopft die ohren
gleich wie ein schlang, so wirdt beschworen?
Fischart nachtrab 17 Kurz;

vgl.

du natterzucht stopfst dein grausames ohr
vor diesem flehn, als zauberischen worten
Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 370;

warum doch, Exabol, spricht man den tauben zu?
die schlange stopft ihr ohr
A. Gryphius trauersp. 28 Palm;

neben dem herzen als einem mehr innerlichen:

was geb ich an? was wend ich vor,
ich, der vor ihm (gott) stopft hertz und ohr? 500.


b) die nase, um ekles nicht riechen zu müssen: denn Christus nicht eytel beyn, sondern auch fleysch ist, ja er hat auch blattern und geschwere und sunde, des schemet er sich nichts, ob gleich die groszen heiligen die nasen dafur stopfen Luther 17, 1, 436 Weim.
6) bildlich als ausdruck für den begriff 'hemmen, hindern, ein ende bereiten' u. ä. in deutlicher anlehnung an oben 1 und besonders 2:
a) besonders von der abstellung seelischer, körperlicher, wirthschaftlicher u. ä. nöthe: mit 1100 reichsthalern kann ich alle die unkosten stopfen, die mein unterhalt erfordert Heynatz bei Campe; etwa mit zugrundelegung des bildes von einer wassersnoth, welche durch einen deich immer wieder ihren weg ins angebaute land sucht (mit deutlichem ausgangspunkt von dem gebrauch unter 1 a und vgl. dazu westf. dàmet kann hä wîer en lok stoppen eine alte schuld bezahlen Woeste 256b);

es were wol wert eins malder hoppen,
der solich not ane schaden hete konnen alle gestoppen
Liliencron histor. volkslieder 1, 217 (bruchstück um 1400);

dem (sohn) het sein vatter gelt gesandt,
wol hundert gülden auf ein mol,
damit sein schult bezalen sol,
und stopfen sonst sein not damit
B. Waldis Esopus 2, 80.

kummer: mit dem selven gelde stoppete he sinen kummer deutsche städtechron. 13, 577;

hett ich desselben (wassers) einen tropfen,
so wolt ich all mein kummer stopfen
B. Waldis Esopus 2, 104,

verleszt also die lebend quellen,
das wasser und den brun des lebens ...
daraus er alzeit trost solt schöpfen,
damit er möcht sein kommer stöpfen streitgedichte gegen herzog Heinrich d. j. 27 neudr.;

das von sinen (Luthers) predigen ... sülche und derglichen ergernüssen, ungaistlichkaiten und scandala gestopft und aus der menschen hertzen ja zum tail gerissen werden H. Schurf 9. märz 1522 (in der Weimar. Lutherausgabe 10, 3 vorr. li);

nein! sprach Amyntas, mit den tropfen
habt ihr noch nicht genung gethan,
und meine schmertzen gantz zu stopfen,
so müssen wir noch besser dran
Henrici ernst-scherzh. und sat. gedichte 4, 284.

mit anderm ausgangspunkt: gleich als solten wir uns kegen ihm nicht verantwort haben, unsere munder und die warheit gottis stoppen lassen der rath von Orla münde an herzog Johann von Sachsen (12. sept. 1524).
b) auch sonst; so die vernunft stopfen, gegen gute rathschläge unzugänglich machen (und so die eigne überlegung hindern, vgl. dazu besonders das ohr stopfen oben 5 a): aber hie regirt der teufel selbs und stopfet die vernunft Luther 34, 2, 395 Weim.;

denn, wenn ihm hitz und angst vernunft und sinne stopfen,
prest jene kalten schweisz, und diese thränen tropfen
Hoffmannswaldau auserl. ged. 1, 271;

man (die obrigkeit) muste ja den pracht eynzihen und das ausgeben stopfen, das eyn arm man auch was behalten kunde Luther 18, 299 Weim.; so gewis die warheit Christi in mir ist, so sol mir dieser rhum in den lendern Achaia nicht gestopft werden (Vulg.: quoniam haec gloriatio

[Bd. 19, Sp. 319]


non infringetur) 2. Korinth. 11, 10; unsre gesellschaftliche artigkeit (mag) die volle äuszerung der leidenschaften so sehr gestopft haben, als man will: so wird noch immer der heftigste augenblick der empfindung ... durch unmittelbare accente der fühlbarkeit reden Herder 5, 150; um die erinnerungen zu stopfen und sich gleichsam über die versorgung seiner kinder zu freuen, trinkt er wol heute einen schoppen mehr Gutzkow zauberer von Rom 1, 11.
c) neben entsprechendem begriff: den verdrach stoppen edder hindern Renner brem. chron. 2, 184; (der teufel) leget sich ... wider das liebe euangelium, wil es aufhalten und stopfen Luther 16, 9 Weim.; lasz dir deinen glauben, bekenntnisz und christlich leben nicht nehmen noch stopfen 12, 1634 Walch; vgl. noch und off dair enboeven iemantz durch bevell eyns raitz verwanten syn recht gestopt, gestolt oder van synen angefangen rechten gedrongen ... dat derselbe ... sulcher syner gaffell gesellschafft ... kundt doin mach Kölner stadtr. (15. jh.) bei Diefenbach-Wülcker 866. — (neben stillen verb.:) nur damit er seine lust und begierde stopfen und stillen mge Reinicke Fuchs (1650) 126.
7) als fester technischer begriff (eine verwendung, die besonders an niederdeutsches und so auch in entsprechender form von der schriftsprache aufgenommenes stoppen anknüpft, s. daselbst unten).
a) als jägerischer ausdruck die hunde oder die meute stopfen besonders bei der parforcejagd, die hunde (im lauf) anhalten, wenn sie z. b. auf falscher fährte jagen Hartig 503, vgl. Behlen 6, 206, und zwar durch zuruf oder mit der peitsche Krünitz 174, 496. auch 'in währendem jagen werden die hunde mit zurufen angefrischet und so sie nun eine ecke wieder so fort gejaget, so stopfet man selbige, damit der schwantz (der meute) auch nach kommet' Chomel 7, 429, vgl. Döbel jägerpract. 6, 101; begrifflich liegt hier wie im folgenden voraus den lauf stopfen vgl.

der du allgnädig sunst, sey doch auch gnädig mir!
stopf meines lebens lauf ja nu nit in der mitten!
Weckherlin ged. 2, 146.


b) ein rad stopfen, es in seiner bewegung anhalten, zum stillstand bringen; eine winde stopfen Helfft landbaukunst 349; auch das davon ablaufende tau stopfen, sein ablaufen aufhalten Campe, Krünitz 174, 497. — in Altona ein schiff stopfen es wegen eines streitfalles an der abfahrt hindern Campe; s. im übrigen hier besonders stoppen, verb. (unter 1 a).
c) militärisch stopfen, das schützenfeuer unterbrechen oder überhaupt einstellen; als kommando stopfen! 'das schieszen wird sofort eingestellt, jede ladebewegung hört auf, der im anschlag befindliche mann setzt ab' exercierreglement für die infantrie 50; die bei solcher unterbrechung des feuers eingetretene erstarrung der schützenlinie wird durch kommandos wie weiter feuern! (oder durchladen!) wieder gelöst 197. substant.: doch unser capitain liesz sogleich zum stopfen das signal geben, wir hätten unsere munition nur unnütz vergeudet W. von Rahden wanderungen 1, 102; zur entwicklung vgl. noch

weil noch der aschen 's füncklein deckt,
da löschts ein wassertropfen,
fleugts aus, es manches mensch erschreckt,
niembts dempfen kan noch stopfen
Hock schönes blumenfeld 82 neudr.,

wo ein besonderer grund dafür klargelegt wird: ein im hausinnern beginnendes schadenfeuer durch verstopfen aller luftzugänge zum erlöschen bringen.
II. farcire, refercire: fullen o. stopffen opplere Diefenbach gloss. 338a (gemma gemmarum), ndd. villen o. stoppen ebenda (anf. 16. jh.), besonders in voll stopfen; eine entwicklung, die unter I besonders in der wendung in den mund stopfen (4) vorbereitet liegt.
1) etwas voll stopfen, es durch stopfen (I) füllen: zwackte ich hier und dar beydes gebratens und gebackens von dem tisch hinweg und stopfte meinen magen als den rantzen so voll darvon, dasz ... Simpl. 2, 397 Keller (vgl. anm.); der kapellan lehrte ihn ein wenig lesen, stopfte ihm das gehirn voll legenden und zaubergeschichten Klinger werke 3, 153; wenn das falsche glück dir den bauch voll der schönsten blumen stopft Bettine die Günderode 1,

[Bd. 19, Sp. 320]


37; (einem) die backen voll kuchen stopfen (vgl. O. Ludwig 2, 415);

dein nasen vol strohälmer stopf
Hans Sachs 17, 323 Keller-Götze;

dann diese (die bratwürste) sind voll grütze gestopfet Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 457; alle käfige (waren) dicht voll stroh gestopft Holtei erz. schr. 10, 255. — mit der versteinerten form voller: diese stopften insgemein ihre sachen auf gut Lohensteinisch, ja noch weit ärger, voller gelehrsamkeit Gottsched crit. dichtkunst (1751) 138. — mit einem: völliger an wuchs bist du (buch); das sieht man dir an, zumal in den zwei ersten bänden: so voll gestopft bist du mit nahrung aus Ägypten, Indien, Persien, Syrien ... Voss antisymbolik 22;

stopft ihr das lästermaul mit trocknen schwämmen voll
Lohenstein Ibrahim Sultan 69.

vgl. ich bin so satt gestopft mit politik Caroline 2, 63 (10. april 1801); nachdem das haus durch die erbschaft der gräfin mit geräth so dicht vollgestopft war Arnim kronenwächter 1, 180. — das schiff war sehr voll geladen, und alle winckel voll gestopfet Olearius reisebeschr. (1696) 102; um sechs uhr ins schauspielhaus; ... das haus voll gestopft Varnhagen tagebücher 2, 60. —gestopft voll ganz voll (vgl.gestoppte voll Müller-Fraureuth 2, 568a): die kirche war gestopft voll Bahrdt geschichte seines lebens 1, 248; er fand die kirche wider vermuthen so gestopft voll Nicolai Seb. Nothanker 2, 31 (sogar adverb. gestopftvoll füllen stipare, stuare Kramer dict. 2, 984a) als elipse von: das ganze kirschenwäldchen war gestopft voll zuhörer Bettine dies buch gehört dem könig 1, 139;

die lieb ist das gesetz ...
so spricht der liebe herr. und ist doch selber wohl
von grimm und bittren hasz gestopft, gepfropfet voll
Rachel satyr. ged. 103 neudr.

daneben besonders norddeutsch und md. stopfend voll: der sack stopfend voll mehl u. s. w. (ndd. stoppende vull).
2) hauswirthschaftlich; vgl. neben schopfen (th. 9 sp. 1565ff.): schüttelt den sack, so steht er strack, stopft und schopft, plotzt und klopft, nemt die ballenhöltzer, die wollsackstangen, die windbengel, und was zu austhänung helfen mag Gargantua 59 (3) neudr.
a) einen gegenstand mit stroh, heu, federn u. a. gänzlich füllen: einen sack stopfen; ein sack mit stroh gestopft, war das bett und die bettstatt zusammen Moscherosch gesichte 2, 62; seine (des wirthes) madrazzen sind alle mit stroh gestopft Stranitzky ollapatrida 77 Wien. neudr.; mit geschlossenen augen lag er auf dem von maisstroh gestopften pfühl Gaudy 13, 16;

wenn ich dich schon sehe todt da hencken,
dein haut und har gar abgeropft,
dein fell mit heu und stroh gestopft
B. Waldis Esopus 1, 345 (mäuslein zur sich totstellenden katze);

dann wann wir (mönche) im chor sitzen, unsere metten und jarbegegenussen fortzuhudeln, so mach ich darzwischen armbrostwinden, ... flecht körblin, nähe und stopf ballen (fangbälle für kinder) Gargantua (43) 392 neudr.;

sie stellten ihm, um auszuruhn,
den stuhl, gestopft mit heu
Kind ged. 2, 122;

der hund hatte nemlich ein ganz halb dutzend neue grüne tuchstühle inzwey gescharret, und die haare, womit sie gestopft gewesen, herausgekratzet Leipziger avanturieur 1, 116; das lager war eine harte matraze, mit pferdehaaren gestopft J. J. Engel schr. 1, 361; ein nadelkissen mit sägespähnen gestopft, gab keinen klang (beim fall auf die erde) Gutzkow ritter vom geiste 5, 198; mit dem flaum der groszen gänseherden wurden weiche pfühle gestopft Freytag 17, 67; weiszt du denn, dasz sie jetzt betten damit (mit weidenkätzchen) stopfen, ganz wie mit federn? und sie nennen es waldwolle Fontane I 5, 174; die betten müszten wieder mal gestopft werden, aber womit? sind nicht die letzten federn längst verstopft? Sohnrey im grünen klee 86; (er) schlug mit der peitsche ... auf das deckbett, dasz die hühnerfedern, mit denen es gestopft war, aus dem verlumpten überzug herausflogen Viebig das schlafende heer 1, 186.

[Bd. 19, Sp. 321]



α) von hieraus verwendet, um den begriff auszerordentlicher fülle auszudrücken: der habersack, mit brodt und andrer fourage gestopft der arme mann im Tockenburg 1, 141; als das weib alle räume gestopft, für die küche weit hinaus gesorgt und neben dem stadel überdies einen gewaltigen thurm von habergarben sah, ... M. Meyr erz. aus dem Ries 3, 143;

und wär der weg gestopft von wölfen,
so frommen kindern thun sie nichts
Thümmel reise 2, 29.

(so in der ausgabe von 1791, anstatt des späteren:

und wimmelte der weg von wölfen,
so wackern jungfern thun sie nichts);

vgl.

lobsingt, ihr steppen, menschenblutgerötet!
ihr, die gedrängte feindesleichen stopfen
Rückert gedichte 1, 28.


β) auch ein kleidungsstück füttern, auspolstern: man ... seidin gewandt bereyt, mit weiszer baumwollen stopf oder füttere Ryff spiegel der gesundtheyt (1544) 11b; und wann er auf den arsz ful, so schads im nichts am kopf. das macht die kinderpauschen waren wol gestopft Gargantua (11) 183 neudr.; vgl. ich zwar ward anstat des kürisses mit einem gestöpften seidenen pantzer angethan, welcher einen jeden pfeil aufhielt Simplic. 451 neudr. und bedeutungsvermischungen oben unter steppen verb.
b) wurst stopfen, därme mit gehacktem fleisch u. a. füllen: bratwurst stopfen Krünitz 174, 495; als aufforderung an den schlachter stopfen sie mir eine wurst! ebenda; im pastorat war ein schwein geschlachtet, es wurde wurst gestopft Moltke ges. schr. 6, 170;

da begab sichs, dasz man wirkte,
hackte, kochte, stopfte wurst
Tieck 5, 591.


c) ein stück federvieh mit mehlnudeln, welche ihm gewaltsam und unter vielen qualen in den schlund geschoben werden, mästen: sonst nudeln (s. th. 7 sp. 977 unter 2) und mehr landschaftlich (obd.) schoppen, schopfen (th. 9 sp. 1567 unter 3); mit welgern aus meel gemacht, oder mit nudeln stoppen und füllen, wie man die gänse und kaphähne mit stoppt farcire, farre implere Corvinus (1646) 324; gänse stopfen, damit sie grosze lebern bekommen (Martin-Lienhart 2, 608a; Müller-Fraureuth 2, 568a); auch stopft man gänse mit nudeln Fichte zurückforderung der denkfreiheit 42; er mag auch ... die alten gänse nudeln und stopfen Tieck 17, 261;

doch gänse kann man stopfen
im ställchen auf feuchtem stroh
Grillparzer 2, 175;

kapaune, truthühner stopfen Krünitz 174, 496; vgl.

'ja geselle, werde munter!'
spricht zum hohne dann Apone,
'beug den schnabel zu dem futter;
wartest du, dasz ich dich stopfe?'
Brentano 3, 110.


α) ein junges stopfen, ihm künstlich nahrung in den schnabel bringen: am besten gelang die zähmung (der hohltaube) mit solchen jungen, die man aus dem neste nahm und so lange stopfte, bis sie selbst fressen lernten Naumann vögel 6, 225; von früh bis spät sind die alten (meisen) tätig, um die zehn kleinen nimmersatte zu stopfen Löns aus forst und flur 226; ähnlich auch von kindern: kindern den vorher wohl zerkäuten brei in den mund drücken, nennt man in den provinzen, wo es noch geschieht, stopfen Fichte zurückforderung der denkfreiheit 42. in anlehnung daran
β) übertragen überhaupt auf menschen 'zu übermäszigem speisegenusz veranlassen': ach, da schrien wieder alle eilf (kinder); wenn ich nicht immer die bälge stopfe und nudle, so haben sie keine ruhe schaubühne 1, 23; als ein ausdruck für die übertriebene pflege des leiblichen wohls:

Venus war zwar von ziemlicher grösze,
gemästet, gestopfet, die garstige humml
vergleichte sich einer gespanneten trumml
Harsdörfer frauenzimmergesprechsp. 5, 7b;

es glaube keiner nicht, dasz sie so wenig essen;
ich wolte mich fürwar recht hoch und tief vermessen,
sie sind zuvor gestopft, sie nehmen so viel ein,
und will das erste nicht das letzte lassen ein
Rachel satyr. ged. 137 neudr.;

[Bd. 19, Sp. 322]



mein weibchen machte nicht viel wesen,
sie stopft ihn nicht bis an das kinn
Gökingk ged. 1, 275.

vgl. mit ausgelassenem object vom esser selbst stopfen, 'tüchtig essen': der knecht stoppt feste Müller-Fraureuth 2, 568a; er stoppt wie ne häuselskuh, ebenda; als mahnung an einen schnellesser stopf nicht so! zur objectergänzung

füll den wanst und stopf den magen!
Wickram 4, 54;

vgl. auch entsprechende ergänzungen unter III 2. mit angabe des mittels: das geliebte söhnchen seiner mutter, die sorge trug, dasz er täglich wohl mit speisen gestopfet würde Nicolai Seb. Nothanker 2, 223; schöne junge mädchen, die mich mit süszigkeiten stopften Kügelgen jugenderinnerungen 27;

ist es aber unter dessen
recht und wol von euch gethan,
dasz ihr euch mit früchten stopfet,
derer stamm ihr nie gepropfet
Rist poet. lustgarte E 1;

seinen gefräszigen leib mit bettelbrote zu stopfen
Voss Odyssee (316) 227;

und dann der richter,
in rundem bauche, mit kapaun gestopft (with good capon lined),
mit strengem blick und regelrechtem bart Shakespeare 4, 215 (wie es euch gefällt 2, 7).

bildlich: ich esse luft, ich werde mit versprechungen gestopft: man kann kapaunen nicht besser mästen 3, 245 (Hamlet 3, 2).
γ) in der küche einen braten stopfen, ihm verschiedenartiges füllsel von teig; äpfeln, rosinen, zucker u. dergl. geben: puter und fette gänse mit äpfeln gestopft Eichendorf 3, 34; beim taubenbraten insbesondere den kropf stopfen Krünitz 174, 496; vgl. daneben als älteren, schon mhd. zu belegenden küchenausdruck für diese verrichtung füllen (th. 4, 1, 1 sp. 501 unter 1, d).
3) eine pfeife mit tabak stopfen zum genusz des rauchens (s. auch pfeife [th. 7 sp. 1644 unter 3 c] und tabakpfeife [th. 11 sp. 4]; schwed. stoppa en pipa; dän. stoppe en pibe): eine tabackpfeife stopfen Kramer dict. 2 (1702), 984a. — sich eine pfeife stopfen als behagliches geschäft des rauchers: ich stopfte ihm und mir eine pfeife, und wir tranken coffee Miller briefwechsel (1778) 1, 285 (Lenz ges. schr. 1, 45 hofmeister 3, 4; Castelli werke 10, 33; Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 57; Laube ges. schr. 1, 1);

eiferig liest der papa, und vergasz, sich die pfeife zu stopfen
Voss ged. 1, 111;

endlich stopft er sich zum schwarzen
kaffee seine meerschaumpfeife
Mörike 1, 223.

auch: der sachwalter stopfte seine pfeife Langbein schr. 31, 119 (Ritter erdkunde 2, 96; Chr. v. Schmidt ges. schr. 3, 60); er stopfte sein pfeifchen und blinzelte gar vergnügt und friedlich im kreis umher G. Keller 6, 330;

wenn nun die dämmrung kommt, so greift er nach der weife,
zehlt strähn und zaspeln ab, stopft endlich seine pfeife
Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 1 (1727), 417.


a) einem andern die pfeife stopfen als freundlicher liebesdienst (Nicolai Seb. Nothanker 1, 171; Miller Siegwart 1, 108; W. Raabe Abu Telfan 2, 128) oder als bedientenpflicht (Iffland theatr. w. 10, 226 vormund 3, 8; die pflicht, pfeifen zu stopfen Holtei erz. schr. 1, 111); — er liesz sich ein pfeifchen stopfen Jung-Stilling schr. 1, 67.
b) als sich wiederholendes geschäft sich ein frisches pfeifchen stopfen (Lichtenberg erklärung der Hogarthischen kupfer 4, 272): die sklaven ... stopften die pfeifen ihrer herren frisch und brachten glühende kohlen zum anzünden Hauff 4, 14; auch: um sich eine warme pfeife zu stopfen (sie also nicht kalt werden lassen) Fontane I 1, 303;

pfeifchen, brennst du mir dann aus,
so stopf ich dich freudig wieder
Böhme volksth. lieder im 18. und 19. jh. 481;

so will ich mit dem essen noch eine halbe stunde warten und mir indessen noch eine pfeife stopfen samml. von schauspielen 4, 67; mein oncle Toby stopfte sich die

[Bd. 19, Sp. 323]


zweyte pfeife Bode Tristram Schandi 6, 27 (A. G. Kästner verm. schr. 1, 74); ich warte alle tage, stopfe eine pfeife nach der andern, und denke bey jeder, es soll die letzte seyn Claudius 4, 33; (ein ehemann setzt nach und nach durch,) dasz seine frau trotz ihrer ursprünglichen abneigung ihm nicht nur gestattete, bei ihr zu qualmen, sondern ihm endlich aus eigenem antriebe eine pfeife um die andere selbst stopfte und darreichte Holtei erz. schr. 7, 142.
c) deutlicher stopfen mit: sie stopften ihre pfeifen mit stinkendem tabak Steffens was ich erlebte 4, 26 (Gottl. Stephanie d. j. lustspiele 300);

nein, ich will, um meine rast
zu befördern, erst die pfeifen
mit toback gestopft ergreifen
Canitz ged. (1727) 79.

das 'woher' wird geschildert: als Hühnchen aus seinem fast geleerten tabakskasten seine pfeife stopfen wollte Seidel Leberecht Hühnchen 123 (vgl. G. Freytag 13, 21); er stopfte sich eine neue pfeife aus dem ledernen tabaksbeutel Löns dahinten in der haide 2; vgl. 'eine pfeife taback, bruder!' — 'da hast den beutel, stopf dir eine' der arme mann im Tockenburg 2, 117;

nimm den beutel, und stopf; ihn gab mir Lenore zu weihnacht
Voss ged. 2, 43.

unser wort malt interjectionsartig die situation aus:

aber Moritz aus der tasche
zieht die flintenpulverflasche,
und geschwinde, stopf, stopf, stopf!
pulver in den pfeifenkopf
W. Busch Max und Moritz 25.


III. etwas in etwas (hinein) stopfen:
1) es zur ausfüllung benützen: werk (werg) in ein loch, in einen ritz stopfen Adelung; ich ... mein nastüchel zerrisse und in die wunde stopfete Simpl. 4, 677 Keller; der dritte hielt die hinterbeine, und, um alle luft im leibe zu verschlieszen, stopfte er dem schweine ein büschel gras in den hintern G. Forster schr. 2, 110. — federn in das küssen stopfen Adelung; die federn in die betten stopfen Campe; (die sitte,) dasz sie den gänsen die federn ausrupfeten, in einen sack stopften, und damit ihren leib (des nachts) zudeckten Willib. Alexis hosen 1, 293;

und die federchen ins bett
sind bereits gestopfet
Rückert werke 2, 25.

auch stroh in den strohsack stopfen Krünitz 174, 495; pferde- und kälberhaare, auch seegras in den (heute das) sopha, in die sophakissen stopfen ebenda; werg, wolle oder kälberhaare in den puppenbalg stopfen ebenda.hierher noch grosze plöcher auf halben wägen ..., die inwendig hol gewesen, in dieselbe hätte man zwibelsamen samt einer eisernen weiszen rüben ... gestopft Simplic. 100 neudr.; im kindischen spiel: (er) stopft sand in meine winzigen kochtöpfe G. Freytag 1, 30.
2) entsprechend I 4 etwas in den mund stopfen; den übergang zum vorigen bildet: (das kind) hatte mit beiden kleinen fäusten sich das betttuch in den mund gestopft Storm 5, 186; ich lachte niemals über seine gedichte, wie die andern mädchen, die sich zuweilen die taschentücher in den mund stopfen muszten, wenn er vorlas Seidel vorstadtgesch. 53 (Holtei erz. schr. 21, 66);

Rinald, der auf sein haupt so wütend klopft,
hätt ihm das hirn wohl in den mund gestopft
Gries Bojardo (verl. Roland) 2, 231.

die speise in den mund stopfen Campe; (ein priester) in dem behaglichen stündchen, da ihm nach landessitte ein paar schöne kinder wechselsweise die edle brotfrucht, den süszen pisang und den köstlichen schweinsbraten bei händen voll in den mund stopften G. Forster schr. 4, 342; denk dir so ein halbes dutzend flachsköpfe um uns herum, wie ein jeder seinen fladen in der hand hält, und du dem jüngsten brey ins maul stopfst Kotzebue dram. w. 2, 109.
a) dafür noch gröber auch fleisch in den magen stopfen vgl. Gries Ariost (rasender Roland) 3, 7; 'weiche hinaus du elender,' rief der graf zornig, 'mich reut's, dasz ich so manches kalb und rind in deinen magen gestopft habe' G. Freytag 9, 199.

[Bd. 19, Sp. 324]



b) bildlich 'einem etwas recht nahe bringen, recht leicht machen': alles gesinde ... wäre träge und faul, und man müszte den leuten alles, was sie thun sollten, ins maul stopfen Möser 2, 261; wie sonst einem etwas ins maul schmieren (s. schmieren th. 9 sp. 1085 unter 4 e).
3) zu erwähnen noch entsprechend II 3:
a) den tobak in die pfeife stopfen Adelung (O. Ludwig 2, 13); beim tabakschnupfen: (er) stopfte einen solchen garstigen, unanständigen tabak in seine weiche kraftlose nase Laube 8, 44. — auch: der herr haushälter kam, stroh und steinkohlen in den ofen zu stopfen Holtei erz. schr. 38, 51. — entsprechend II 2 b: gehacktes fleisch in därme stopfen zur wurst Krünitz 174, 495. — entsprechend II 2 c: äpfel in die gans stopfen als füllung des bratens (ebenda).
b) bildlich in anlehnung an das vorige: die dichter ... kommen mir dann vor, wie eine art wurstmacher, die in den sechsfüszigen darm des hexameters oder trimeters ihre wort- und sylbenfülle stopfen Göthe gespr. 2, 113 Biedermann; auch freier: viel material in eine gelehrte arbeit, viel belege in ein wörterbuch stopfen; aber mehr ungereimtheit kann nicht in weniger worte gestopft werden Cramer nordischer aufseher 1, 164.
4) zur bloszen aufbewahrung u. s. w., wodurch der begriff von 'hineinstecken' noch mehr herausgelöst wird: die betten in den bettsack stopfen Campe; wolle in säcke stopfen Krünitz 174, 495; alles in die mantelsäcke stopfen (lassen) Chamisso 5, 209; ein mädchen geht in den wald mit ihrem lamm, dem ein wolf nachstrebt, ein riese fängt wolf und lamm und stopft beide in einen sack, dann begegnet er dem mädchen und auch in den sack und so des wegs weiter Jacob Grimm an Wilhelm am 1. nov. 1814 (jugendbr. 372); kein raub war ihm (dem knappen) zu klein, ... er nahm mantel und rock, auch was ein anderer liegen liesz, stopfte er alles in seinen sack G. Freytag 18, 58; (ein langer sack), in welchen es (Vrenchen) sein plunder und habseliges gestopft G. Keller 4, 133. bildlich: jedermann stopfte gern seinen beitrag in den sack voll guter wünsche, welchen er auf diesen gängen (den abschiedsbesuchen) mit sich trug Raabe hungerpastor 1, 187. — etwas in den ranzen stopfen (brüder Grimm kinder- und hausmärchen 2, 142); gewänder in eine kiste stopfen Holtei erz. schr. 19, 205; (er) stopfte die coupons in seine alte, schmutzige brieftasche Ebner-Eschenbach 4, 361 (Spielhagen 1, 463); (sie) geht zu der cigarettenschachtel ... und stopft sich eine handvoll cigaretten in die tasche Schnitzler Anatol 140. — auch zur unterbringung von personen: gern nähme der liebe mann auch tausend auf, wenn es möglich wäre, sie in das zimmer zu stopfen Knigge roman meines lebens 4, 163.
5) bloszes 'hineinstecken', wobei das ausfüllen nur noch mehr oder weniger durchschillert: als sie ... wuszten, wer geblasen hatte, stopften die männer die fäuste in die taschen (d. h. sie blieben unthätig) E. Zahn Albin Indergand 154; dann stopfte er die hände in die taschen Lucas Hochstraszer 143. — den stöpsel fest in eine flasche stopfen Campe ( Adelung); die altvordern vermaszen sich nicht, ... den witz in den wetzstein zu knüpfen und die eiche in ein ei zu stopfen Fr. L. Jahn 2, 745; die (stangen) mach m'r glühend und stoppen se a fabrikanten ina rachen G. Hauptmann die weber 109 (5). — (früher) bei der schuszwaffe: die eine (pistole) muste er mir mit groszen haasenschroten und die andere mit kleiner dunst füllen, und 2 kugeln drauf stopfen Reuter Schelmuffsky 25 neudr.im garten pflanzen stopfen junge gemüsepflanzen zu weiterem wachsthum auf die gemüsebeete auspflanzen:

merket, wie der gartner propfet,
saamen streuet, kräuter stopfet
Rist Parnasz B 7b;

in Hanau (Hessen) auch kartoffeln stopfen, pflanzen, wie sonst kartoffeln (bohnen u. s. w.) stecken (th. 10, 2 sp. 1309 unter 6f; anschlieszend unter α auch pflanzen stecken) und allgemeiner setzen (th. 10, 1 sp. 658 unter II A a γ αα).
6) mit verschiedenen richtungsbestimmungen:

die fedren von dem gouch geropfet
und zwischen beyde brüst gestopfet
Murner gäuchmatt 54;

[Bd. 19, Sp. 325]


also nur alles wild durch einander gestopft und geschoben wie die schollen beim eisgange Immermann 1, 47; unendliche rumpeleien waren hier mit wahrhaft genialer geschicklichkeit neben-, unter-, über-, vor- und zwischeneinander gedrängt, gehängt, gestellt, gestopft und geworfen W. Raabe I 1, 182. — einem kranken ein kissen hinter den rücken stopfen, dafür auch einfach: sie stemmte die hand aufs bett und schob sich höher hinauf, und als Lene ihr noch ein kissen ins kreuz gestopft hatte, ... Fontane I 5, 260;

verfluchtes dumpfes mauerloch, ...
mit instrumenten vollgepfropft,
urväter hausrath drein gestopft.
Göthe 13, 21 (Faust I);

seinen widerwillen zwischen die zähne nehmen, seinen ekel hinunter stopfen Nietzsche werke 5, 316; vgl. noch die ra. der mechte 's 'n hintennein stoppen er spendet überreich Müller-Fraureuth 2, 568a (auch ebenda dem mechte mersch hintennein stoppen er läszt sich gar zu gern spenden).
IV. reflexiv:
1) eine ritze, ein loch stopft sich, hört auf, flüssigkeiten durchzulassen (vgl.dat stopt sük ten Doornkaat Koolman 3, 328b); auch ein fasz stopft sich, wird wieder undurchlässig (vgl. dazu oben I 1).
a) entsprechend I 2: das wasser stopft sich Campe; das blut stopft sich, hört auf zu flieszen;

Helena haut Buas gurgel von einander, und das blut
stopfet sich in schlund und halse, und erstickt die tolle wuth
Schönaich Heinrich der vogler 127.

ähnlich: so viel, dasz es sich stopfet, und den harn verhebt Paracelsus opera 1, 768; weil solche adern sich hart mehr stopfen lassen Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 1055: (die schöne,) deren adern sich von selbst gestopfet hatten Anton Ulrich von Braunschweig Octavia 1, 142.
b) bildlich: ein bedürfnis, eine noth stopft sich, besteht nicht mehr; auch: später, wenn es sich etwas gestopft hat (d. h. wenn für die erdarbeiten genug arbeiter vorhanden sind), da nehmen die schachtmeister auch noch manchen an, aber nicht jeden denkwürdigkeiten eines arbeiters 131 Göhre; der hunger stopft sich, man ist nicht mehr hungrig.
2) eine volksmenge stopft sich, der menschenstrom kommt ins stocken u. ähnl. gebrauchsweisen, geschöpft aus I 2 (besonders unter c und d): an den thoren stopfte sich die menge Campe; es konnte nicht ausbleiben, dasz sich die menge stopfte, zumal vor der wache Spielhagen problem. naturen 2, 425. — hier stopften sich die fuhrwerke W. Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 34; bei der rückfahrt aber stopften sich die Karthagischen schiffe so sehr in und vor der hafenmündung, dasz der dadurch entstandene schaden einer niederlage gleichkam Mommsen röm. geschichte 2, 35. auch: das treibeis, das flöszholz stopft sich an der brücke Campe; die gefahr liegt darin, dasz die schollen sich stopfen, einen damm bilden, und den strom davor aufstauen Bismarck briefe an seine braut 45.
3) sich stopfen (von menschen) sich übermäszig nähren, sich mästen (entsprechend oben II 2 c): elsäss. der stopft sich dieser iszt! Martin-Lienhart 2, 608a;

neben verdorrenden eichen und buchen fliegt er (vogel Amor) vorüber,
sezt sich auf aprikosenbäumchen, und stopft sich und ruht nicht,
eh er die niedliche frucht bis zu dem kerne verderbt hat.
alles picket er an
J. N. Götz verm. ged. 1, 74;

wenn andre leut ins wirthshaus gehn,
der künstler schleicht nach haus,
und statt nach brateln umzusehn,
stopft er sich mit applaus
Meisl theatral. quodlibet 1, 29.

vgl. mit ergänzendem voll:

du wirst nicht voll dich stopfen,
wie du bey mir gethan Shakespeare 4, 52 (kaufm. v. Venedig 2, 5).


4) entsprechend III 4 scherzhaft und ungewöhnlich sich in etwas stopfen sich hineinbegeben, hineinsetzen (wie sonst sich stecken th. 10, 2 sp. 1310 unter 8 b): Gustav und Fenk hatten sich in den beichtstuhl gestopft Jean Paul unsichtbare loge 2, 147.

[Bd. 19, Sp. 326]



V. adject.
1) stopfend (entsprechend oben I 3): stopfende artzneyen medicine astringenti, cose stittiche Kramer dict. 2 (1702), 984a; wäre es nicht thöricht, wenn ein arzt zugleich eine stopfende, und zugleich eine abführende arzney geben wollte? Gottsched neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 3, 215;

es ist ein trefflich ding um stopfende latwergen
Triller poet. betrachtungen 4, 635;

dann darvor (vor erbsenspeise) und vor allen stopfenden dingen, soll er (der mit frischem bruch behaftete) sich hüten Gäbelkover artzneybuch 1 (1595), 368; stopfende, und allzu truckne speisen (essen) Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 927. auch: einer medicin, einer speise stopfende kraft, i. e. kraft zu stopfen, virtù, facoltà stittica Kramer dict. 2 (1702), 984a.
2) gestopft.
a) entsprechend I 1: ein gestopftes loch foro, buco stoppato, turato Kramer dict. 2 (1702), 984a; gestopfte strümpfe: das kind geht stets mit gestopften strümpfen; ein rest gestopftes leinenes tuch Petrasch lustsp. 1, 701. — wie sonst verstopft (th. 12, 1 sp. 1769 unter C 3 b) entsprechend I 5 a: (die liebkosenden hoffreunde) lassen ... mit gestopften ohren und verstummten munde die unlöblichen thaten für gut vorbeyschleichen Butschky Pathmos (1677) 5.
b) entsprechend III wie sonst und deutlicher vollgestopft:

brütend liegt der tod auf dumpfen lüften,
häuft sich schätze in gestopften grüften,
pestilenz sein jubelfest
Schiller 1, 299;

rede lieber von einerley mit vielen gleichgültigen worten, sollten auch aus dem, was du in wenig seiten sagen könntest, vier gestopfte bogen gleich voll werden Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 323. — entsprechend II 2 (gastronomisch) gestopfte kalbsbrust u. a.entsprechend II 3:

kommt, freunde, setzt euch beym kamin,
laszt die gestopften pfeifen glühn
Triller poet. betrachtungen 2, 206.


c) entsprechend oben III für hineingestopft: eine hammelmauspastete mit gestopften dürren eichenblättern vom Blocksberg Göthe 39, 239 Weim. (vgl. dazu ein fälschliches gestopft für gestobt, gestoft 'durch dämpfen zur speise zubereitet' oben sp. 1 unter stoben, verb.)
VI. substant.: (ein nebenbegriff) des druckes, stopfens W. v. Humboldt ges. schr. 4, 95; entsprechend oben I 1 das stopfen der strümpfe; im stopfen ging ihr keine frau vor Möser 1, 206; (mit) stopfen und nähen beschäftigt Fontane I 1, 334; zum stopfen verwendet man eine besondere art nadeln Dillmont weibl. handarb. 1. — entsprechend I 3 (das) stopffen der artzney ihre stopfende wirkung Ryff spiegel und regiment der gesundtheyt (1544) 157b. — entsprechend I 4 u. 5 (wie maulstopfung th. 6 sp. 1809): mit dem nasen und maul stopfen ... gnug zù thun (haben) Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 516. — entsprechend I 7: es erfolgt das stopfen des schützenfeuers. s. sonst hierzu unten die aus dem ndd. aufgenommene form stoppen. — entsprechend II 2: die benutzung der gänsefedern, das stopfen der betten Raumer gesch. d. Hohenstaufen 3, 555; das stopfen der wurst, der gänse: es geht ihnen ... wie einer guten hausfrau, der unter dem stopfen eine fette gans erstickt Th. Abbt verm. w. 6, 3, 231; auch: der mensch kann auf keinerlei weise das pfropfen, stopfen und nudeln verdauen Fr. L. Jahn werke 1, 233. — entsprechend II 3: beide trugen grosze breite ringe am daumen, ... zum stopfen der tabakspfeifen Ritter erdkunde 3, 674. — entsprechend III 5: das stopfen (die bepflanzung eines beim wegebau entstandenen freien platzes) darf nicht in der weise erfolgen, dasz der blick ganz gehemmt wird Salisch forstästhetik 236.
 
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stopfen, verb. pungere. ahd. stophôn, stopfôn, mhd. stopfen; eine nebenform ist unten stupfen (auch in umgelauteter form stüpfen), welche in der schriftsprache jetzt ausschlieszlich geltung hat: mit den schencklen und füszen saszen sie zu stopffen zu stupffen Moscherosch gesichte 1, 168. von dem vorigen 1stopfen, verb., ist es seiner herkunft nach zu unterscheiden: ihm entspricht das mit -j-suffix gebildete ostfries. stöppen, stechen, punctiren ten

[Bd. 19, Sp. 327]


Doornkaat Koolman 3, 238b, aufgenommen als technisches wort steppen (s. oben) ins nhd. vgl. dazu mit gedehntem vocal ostfries. stpen 'stoszen, stacheln, treiben, reizen' (so hê stpt hum up reizt ihn auf ten Doornkaat Koolman 3, 327b). ndd. stippen (neben einem hochd. stipfen und mit nasaleinschub stimpfen, stinpfen s. oben), auch stapfen, verb. (th. 10, 2 sp. 864) steht wohl dazu in verwandtschaftlichem verhältnisz. im übrigen wird 1stopfen, verb., besonders in der bedeutungsentwicklung unter III von unserm wort ganz augenscheinlich beeinfluszt.
1) mit kurzem stosz (oder stich) berühren, stechen: stopfin centrare (i. punctare) Diefenbach gloss. 112c; stoppen ader eyn stappen ebenda; stopffen palpitare 408a; warn etlich so unverschempt befunden, die des maulthiers sporn begeren dorften, hbe der gt man sein fsz auf und lacht, sprechend, nimm hin einen von meinen füszen, der mein maulthier immer z stinpfet und stopfet Stephanus Vigilius de rebus memorandis (1541) 25b;

das sie in in die seyten stopfet,
mit einem finger sittlich pfropfet
Hans Sachs 9, 393 Keller;

(ich) thet also mit mein füszen klopfen
ans brunnengschirr stampfen und stopfen 9, 532 Keller;

(die verliebten gesellen) die hende sie klopfen,
sie streichen, sie stopfen,
sie wincken, sie blicken,
sie hälsen und drücken
G. Voigtländer oden und lieder (1642) 30.

mit besonderer instrumentaler angabe: Lörl (der blinde) stopfet mit seim stecken und spricht: hoscha, hoscha, sitzt Hans Wirt hinnen? nach der ausgabe von 1612 bei Schmeller2 2, 774; sie (die spukgesellen) stopfen laut mit ihren groszen stecken, daher werden sie daselbst im landt die stopfer genannt Kirchhof wendunmuth 3, 214. mit dem finger: auf ein zeit unser gesellen einer solchen fische allein mit einem finger ein wenig gestopft, und gantz plötzlichen angerürt, der hat im selbigen arm ein gantz halbes jar nicht wider z kreften kommen mögen Heyden Plinius 383;

wenn ihr eins gnug habt geschawt,
so stopft mit einem finger laut
auf den tisch, so wird der geist weichen
Hans Sachs 20, 485 Keller-Götze.

mit dem fusz: aus ungedult stopft er mit den füszen, scharret, strempfelt, klitschet mit den händen, dasz er ja seine freude in allerlei unglück zu verstehen gebe J. Rhodius neidteufel (theatrum diabolorum 2, 81b).
2) von besonderer begrifflicher stärke, im sinne von 'stechen': swen die schorpen hechent (stechen, wie der bisz der schlangen), der gewinnet grôʒen smerzen; in dunket sam man in mit nâdeln stophe arzneibuch 155 Diemer; den bratspiesz hätte sie zwei oder drei mahl genommen und damit in die erde gestopft, weil sie gedacht, das kind läge in der schachtel (aussage der köchin in einem kindesmordprocesz) Chr. Thomasius gedanken (1720) 1, 30.
3) wie sonst oben die zähne stochern (sp. 7 stochern 1 a) stürn di zen vel stopfen instigare Diefenbach gloss. 301c (vocabul. v. 1440).
4) substant.: wie sich nun Zorobabel alleine bey der wunderschönen frawen sahe, fienge er an mit ihr zu schertzen mit freuntlichem angreyfen, lieblichem stopfen, welchen die fraw alle zeit züchtig mit ihren schneeweyszen händen abweyset nachtbüchlein 336 Bolte;

in dem hört ich ein stopfen,
ein puchen und anklopfen
Hans Sachs 3, 384 Keller;

euer leffeln, hände klopfen,
hälsen, küssen, kützeln, stopfen,
schmutzerlachen, schmatzen, lecken,
ohren zupfen, schimpfen, gecken (als liebesgetändel)
G. Voigtländer oden und lieder (1642) 64.


 
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stopfen, m. , wie oben stopf, stöpfel und unten stöpsel, m.
1) bei einem fasz als verschlusz, so den stopfen ein- ò zuschlagen, aufschlagen Kramer 2 (1702), 984b (auch in der zusammensetzung faszstopfen ebenda) und sonst: der dampf, der sich erhebt, hat keine luft, und nachdem ich gewartet, bis ich glauben kann, dasz alles wasser in dampf aufgelöszt ist, nehme ich den stopfen weg Frankfurter gel. anzeigen (vom jahre 1772) 137 lit.-denkm.; stopfen

[Bd. 19, Sp. 328]


mit einer gummiklappe Karmarsch-Heeren3 10, 587; als verschlusz eines destillierkolbens Muspratt chemie 3, 155; auch: da kamen steine an die reihe, aber nur wenig mauersteine, sondern façon-, kanal- und pfannensteine, ausgüsse, durchläufe und stopfen erinnerungen eines arbeiters 249 Göhre.
2) übertragen, entsprechend oben stöpsel, m., 3: siebenbürg- stàppen ein kleiner (auch schwacher) mensch Frommann zs. 5, 31, 8.
 
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stopfenverschlusz, m., verschlusz, der mit einem stopfen (unter 1) bewirkt wird: mittelst stopfenverschlusz eine zinkstange in die flüssigkeit (einer galvanischen batterie) hängen Muspratt chemie 3, 809.
 
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stopfenwurz, f., wohl weil sie stopfende wirkung hat (s. 1stopfen, verb., I 3) oder, ganz sinnlich vorgestellt, die dienste eines stopfen (s. oben das masc.) thut: stopffenwurtz uva carbina Diefenbach gloss. 632a (anf. 16. jh.).
 
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stopfenzieher, m., korkzieher, flaschenöffner Autenrieth 137; luxemburger mundart 427. s. auch unten stöpselzieher.
 
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stopfer, m. , einer der stopft, s. auch oben stopf, m., stopfen, m. (dann auch stopfel, m., stöpsel, m.); selten mit umlaut: stöpfer, stopfer stoppatore, turatore Kramer dict. 2 (1702), 984a, elsäss. stöpfer (stèpfer) neben stopfer Martin-Lienhart 2, 608b und ndd. stöpper unter 1 bei Hondorf.
1) von personen; allgemein entsprechend 1stopfen, verb., I: stopffer stipator Diefenbach gloss. 553a (anf. 16. jh.)
a) (zu 1stopfen, verb., I 1 b) der dachdecker, stopffer saratecta, sarcitectus 512a (gemma gemmarum anf. 16 jh.) ndd. stopper ebenda (ausgabe von 1507). — der stopfer, welcher die lecke eines schiffes ausbessert (verstopft), der kalfaterer; in der zusammensetzung schiffstopfer (th. 9 sp. 102) schon bei Kramer dict. 2 (1702), 984a. — ein berufsmäsziger ausbesserer von tüchern, weiszzeug, kanten u. s. w. (entsprechend 1stopfen, verb., I 1 c) Krünitz 174, 498.
b) im übergang zu 1stopfen, verb., II: die stöpper seynd diejenigen, welche die, mit saltz beladene wagen, auf der seiten mit stroh, oben aber mit einem zugespeilten tuche ... verwahren Hondorf saltzwerck zu Halle (1670) 85; bei Adelung als stopfer 'packer'; vgl. auch DWB stöpferknecht, DWB stöpfermeister und DWB stopfgeld n.zu 1stopfen verb., II 2 b (und c): stopfer der geselle des schlachters, welcher sich hauptsächlich mit dem wurstmachen beschäftigt, die wurst stopft (s. 1stopfen verb. II 2 b) Krünitz 174, 498; auch berufsmäsziger mäster von federvieh (ebenda).
2) als gerät:
a) entsprechend 1stopfen, verb., I wie stöpfel, stöpsel und stopfen, m., 1 ein verschlusz, pfropfen: stopffer Rädlein 847b; etliche lassen auf den glaszhütten solche gläsine zapfen oder stopfer machen Lonicerus kreuterbuch (1593) 12b; memento mori, alter moralist, bis der stopfer aus der bouteille springt maler Müller 2, 177; der stopfer des glases wird (gelüftet) Liebig handbuch der chemie (1843) 541; Muspratt chemie 5, 247. — der propfen beim gewehr Martin-Lienhart 2, 608b; in niederd. form stopper des pulverhorns Stahl gewehrgerecht. jäger (1762) 164.
b) zum hineinstopfen dienlich (entsprechend 1stopfen verb., II) wie pfeifenstopfer (th. 7 sp. 1652 pfeifenstopfer stoppatore di pippe à tabacca Kramer dict. 2 [1702], 984a) und tabackstopfer (th. 11 sp. 5): soll einen ieden gesellschafter frei stehen, nach seinen gefallen lange oder kurtze tobackspfeifen zu führen, und soll dabei ein wollzubereitetes höltzlein haben, welches er sowoll zum stopfer gebrauchen, als auch ... Michael Kautzsch politische und lustige tobacksbrüder (1684) 84; tabakspfeifenräumer und stopfer Naumann vögel 9, 275;

wie oft geschieht's nicht bei dem rauchen,
dasz, wenn der stopfer nicht zur hand,
man pflegt die finger zu gebrauchen
Böhme volksthüml. lieder der Deutschen im 18. u. 19. jh. 482.

in ndd. form stopper: ist auch taback drinne (in der rauchtabacksdose) und der stopper? Lessing 2, 541 (schlaftrunk 1, 9).
c) ein geräth zum unterstopfen (feststopfen) von erde

[Bd. 19, Sp. 329]


und kies unter eisenbahnschwellen Mothes 4, 276; Hoyer-Kreuter 1, 736.
d) stopfer ein rundes holz, welches, in den beschädigten strumpf geschoben, die stopfarbeit erleichtert (zu 1stopfen, verb., I 1 c); sonst in länglicher form auch stopfei, n.
e) nur als übertragung von dem gebrauch unter 2 a: stopfer in der pfeifenfabrication das werkzeug, welches die ursprünglich massiv geformten pfeifenköpfe aushöhlt, ein eiserner kegel an einem holzgriff Krünitz 174, 498 (Muspratt chemie 8, 1042).
f) obsc. der stopfer penis (elsässisch) anthropophyt. 2, 263.
3) stopfer ein ableger von blumen (wie sonst steckling (th. 10, 2 sp. 1365) entsprechend 1stopfen, verb., III 5 (sp. 324) hessisch Campe.
4) seemännisch stopfer plur.; niederd. stoppers kurze tauenden, welche zum flicken zerrissener schiffstaue benützt werden Adelung.
5) als bildung zu 1stopfen, verb., II 2 c (vgl. unten stopfnudel): der stopfer, eine mehlspeise der holzarbeiter im gebirge, dann überhaupt jede dick gekochte speise wie suppe, brei u. s. w. Schmeller2 2, 774; jede dicke speise, in welcher der löffel aufrecht stehen bleibt, besonders in Oberschwaben eine aus teigknollen und milch bereitete schlechte fastenspeise, welche arme leute essen Birlinger wb. zum volksthümlichen aus Schwaben 86, deshalb auch bettelmann genannt. vgl. noch als eine völlige entsprechung stampf (th. 10, 2 sp. 676 unter 5 c), nicht nur ein durch stampfen hergerichteter brei.
6) ein festtag, an welchem tüchtig geschmaust wird, wo die gäste von dem wirth sich stopfen lassen müssen (s. unter III 3); stopper taufschmaus Petters stoffsammlung 17. in der Oberpfalz auf den stopfer gên eine hochzeit erst am zweiten tag besuchen Schmeller2 2, 774, d. h. um sich an den sehr reichlichen resten des mahles zu sättigen (s. 1stopfen, verb., IV 3); allgemein auch von kindern, welche bei solcher gelegenheit ihre zu gaste geladenen eltern aufsuchen (wobei denn der begriff durch 1stopfen, verb., II c besonders unter β seine eigene färbung erhält), wie sonst auf die geibe gehen (th. 4, 1, 2 sp. 2558 unter geiben, verb.).
 
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stopfer, m., oben zu 2stopfen, verb.: sie (die spukgesellen) stopfen laut mit ihren groszen stecken, daher werden sie ... im landt die stopfer genannt Kirchhof wendunmuth 3, 214.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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