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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stolzierteufel bis stolzlich (Bd. 19, Sp. 299 bis 300)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stolzierteufel, m., teufel des stolzes und hochmuths; hier in geistlicher sphäre: dadurch zerrüttung seiner lieben kirchen, und unterdrückung seines heiligen worts, der schand stoltzierteufel, unter dem langen mantel verborgen, bei uns und unsern nachkommen anzurichten sich unterstehet Andreas Rosa practica (1571) C 1a.
 
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stolzierung, f., superbia, arrogantia, tumescentia, nimia aestimatio sui Stieler 2178 (Kramer dict. 2, 983c); (die hausfrau soll) keinen überflusz, pracht noch stoltzirung in den kleidern treiben Hohberg georgica 1, 189; armer leute stolzirung ostentatio falsa et inepta Stieler 2178 (vgl. DWB bettelstolz th. 1 sp. 1732 und stolz, adj. 1 c). auch in der zusammensetzung wortstolzirung gloriatio, jactatio, venditatio (ebenda).
 
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stolzig, adj. zu stolz. im folgenden wohl in anlehnung an zornig und unter dem zwang des rhythmus:

hänge ich kränze auf an ihrer vorhalle fenster,
tritt sie zornig mit stolzigen füszen darauf
Arndt 6, 103.


 
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stolzigkeit, f., wie oben das gewöhnlichere stolzheit; bei Stieler 2178 als seltenes wort; stolzikait arrogantia Diefenbach gloss. 50c; vgl. mndl. stoutigheyd (neben stoutheyd) audacia Kilian, nndl. stouticheit. — als stolczkeit vanitas Diefenbach gloss. 606b (vocab. v. 1482); hochmt, stoltzkeit Riederer spiegel der waren rhetoric f 3b; usz barer hochfart, ungerechtikait, stolzkait und vermessenheit J. von Watt 1, 471;

was soll die stoltzkeit und der bracht? schweiz. schausp. des 16. jahrhs. 2, 29 Bächtold.


 
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stolziglich, adv., auf stolze art, weise; erst frühneuhochdeutsch, und nicht nothwendig zu vorausliegendem stolzig (s. oben) gebildet: weil sie jtzt beide, gottes wort und zeichen, so sicher und stoltziglich verachtet haben Luther 34, 2, 473 Weim. (sonst bei ihm mit umlaut, s. unten); (die juden,) welche stoltzigklich fürgaben, sie weren Abrahams samen Mathesius werke 3, 342; wie Staphilus stoltziglich und vbermütig aus Cicero her pralet Syrach 2, 104a; (der pabst) wieder den keiser, dem er auch gantz stoltziglich schreib, und in strafte als einen ungehorsamen sohn Nigrinus papist. inquisition 429; ein hirsch ... erfreut sich stoltziglich über seine starcke geweich Harsdörffer frauenzimmergesprechsp. 2, 68 (vgl. teutsch. secretarius 2, A 2b); stolziglich reden sublatius dicere, praedicatione sese efferre Stieler 2179; stolziglich schelten ferociter increpare (ebenda);

diselbige (fremden völker) lange zeit haben mit unserer kunste
alleyn sehr stoltziglich gepranget unpilliglich Gargantua (2) 54 neudr. (vgl.
Lessing 8, 47);

er lestert, fluchet, schilt, er raset, wütt und schreyt,
und fordert stoltziglich den Roland in den streit
Diedr. v. d. Werder rasender Roland (1636) 96.

bei Hans Sachs im reim:

ich möcht sonst, wo ich würd zu reich,
verleugnen und sprechen stoltzigleich:
wer ist der herr? 19, 362 Keller-Götze;

[Bd. 19, Sp. 300]



er hat gehandelt stoltzigleich,
verachtet unser beider raht
und seinem kopf gefolget hat 13, 501 Keller-Götze.

mit umlaut: alle menschen auf erden stöltziglich und hochmütiglich verachten Luther 8, 58b; wenn wir sehen, wie gar sicher und stöltziglich die gottlosen gottes wort verachten bibel 7, 336 Bindseil; meine feinde versencken mich teglich, denn viel streiten wider mich stöltziglich psalm 56, 3; sie würden trotzig und stöltziglich sagen Melanchthon-Jonas von rechter vergleichung in der religion sachen f 6; und fuhre ihm Benedictus Caietanus stöltziglich uber das maul Nigrinus papist. inquisition 498; die wellenberge mögen ihre ufer nicht überfahren, und die anreinende thäler der erden stöltziglich durchrauschen Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 5, 111.
 
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stolzist, m., wohl unter dem einflusz des vorhergehenden sophist von einem, der anspruchsvoll sich über religiöse fragen äuszert: ein ausdruck, der alle möglichkeit schlagwortartiger verwendung (vgl. die diese sphäre schildernden belege unter stolziglich) in sich barg, aber doch über nur vereinzelten gebrauch nicht hinausgekommen ist: der pfarrer meyster Hans Rotbart, ein alter Tübingischer sophist und stoltzist, ist dem prediger nit hold gewesen Eberlin von Günzburg 3, 168 neudr., vgl. auch oben den geistlichen stolz (4 h sp. 274).
 
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stolzjungfräulich, adj. (vgl. DWB stolz, adj., 2 b): war ihr stolzjungfräuliches herz ... doch endlich überwunden worden? Goltz jugendleben 1, 189.
 
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stolzköpfig, adj., (neben halsstarrig:) aber den rhum hab ich: also stoltzkopfisch und halstarrig bin ich (so die hds., der druck hat stoltzköpffig) Luther 33, 528, 35 Weim.
 
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stolzkraut, n., bezeichnung für eine pflanze aus der familie der flachsseidengewächse, cuscutaceae; nach Nemnich wb. 577 von cuscuta europaea L., sonst gemeine fadenseide oder (in mythische beziehungen gebracht) hexenzwirn oder teufelszwirn (th. 11 sp. 293). — nach Holl (1833) 105a cuscuta epithymum (und schon im haushaltlexicon von 1749 [1, 67a] neben thimmseide, s. th. 11 sp. 479, bei Kinderling 172 als thymseide epithymum), sonst riechendes filzkraut (th. 3 sp. 1637), kleine flachsseide (vgl. th. 3 sp. 1704, auch mit rücksicht auf die gelben blüthen flachsdotter sp. 1702), welche sich fadenförmig an andern pflanzen emporwindet und mit hilfe von saugwarzen auf ihnen schmarotzt; von dieser letzteren eigenschaft leitet wohl unsere bezeichnung ihren grund her und spiegelt so die volksthümliche anschauung vom wahren wesen des stolzes (doch vgl. auch mit rücksicht auf seine emporwindende eigenschaft die ra. eines will hoch hinaus th. 4, 2 sp. 1604 unter III 2 e).
 
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stölzler, m., der gern stölzelt (s. oben); spöttisch: aestimator sui et impotens Stieler 2179; dazu stölzlerin, fem., spiritu regio turgens (ebenda).
 
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stolzlich, stölzlich, adverb. (s. auch oben stolziglich, adv.) ndd. stoltlik (vgl. stoltlich, stoltlichen procaciter Diefenbach gloss. 461a gemma gemmarum, besonders in der von Köln 1507).
1) als adject. nur vereinzelt mhd. zu belegen und in dem edlen sinne von 'stattlich, ansehnlich, ritterlich' (so als lesart von A):

in diende von ir landenvil stolziu rîterschaft
mit stolzlîchen êren Nibel. 6, 3.

in der gleichen bedeutung auch das adverb. mhd. stolzlîche (so auch mndl. stoutelick [jetzt stoutelike] audacter, audenter, intrepide, animose Kilian):

diu küneginne rîche
kom stolzlîch für sînen tisch Parzival 33, 3;

(im turnier):

ir heten die von Rînevil stolzlîch erbiten Nibel. 1816, 2;

und so in dem schönen niederrhein. fragment auf die Böhmenschlacht am 26. august 1278:

wei wi stolzelîche dar
die vlogel erswanc der adelar
indgain des lewen clain hie
Liliencron histor. volksl. 1, 6, 71;

[Bd. 19, Sp. 301]


vgl. noch stoltzlich, kecklich audacter Diefenbach gloss. 60a. — mit umlaut: sich stölzlich, ritterlich, menlich und brechtlich (halten) Wilwolt von Schaumburg 55;

die sehste kam dar schiere
mit schonheit und mit ziere:
Geomatria heiszet sie.
stöltzlich sie dort her gie
Heinrich von Neustadt gottes zukunft 866 Singer.


2) nhd. allein als adverb. zu belegen und beschränkt auf die bedeutung 'übermüthig, anmaszend, hochfahrend' u. ä. (s. auch oben stolziglich, adverb.) hochfertigk- vel stoltzlich, uppiglichen pompose Diefenbach gloss. 446c; mit stoltzlich übersetzt Frisius arroganter (121b), (neben stöltzlich) contumeliose (326b), jactanter (640a), insolenter (709b), proterve (1083b). — hochmutiglichen oder stoltzlichen, kecker arroganter in der gemma gemmarum von 1508 C 1a; stoltzlichen (neben stöltzlich) contumeliose Maaler 389d; stoltzlich, ein wenig vermässenlich ebenda; vgl. noch etwas vermässenlich, ein wenig stoltzlich, zimlich stoltz subarroganter Calepinus 1395b. — nu ge wir stolzliche und mit homte, mit den besten cleidirn, die wir haben mgen, und mit itiln wortin Schönbach predigten 1, 98, 39; stoltzlich und prachtlich bitt hören superbius preces alicuius accipere Frisius 18a; einen stoltzlich anreden superbius aliquem appellare (ebenda); unverholen und stoltzlich sagen Stainhöwel de clar. mulier. 259 (Terenz von 1499, 73b in der glosse); was nympt dein hertz für? was sihest du so stoltzlich? Schwarzenberg beschwerung der alten teufelischen schlangen (1525) i 1b; halt euch gegen den gtten gesellen ... mit worten und geperden nit stoltzlich, sonder auf das aller freundtlichst vom zutrinken 21 neudr.; verspotten jr mich so stoltzlich geng? Boltz Terenz (1539) 159b; dieweil sie so stoltzlich mit jm handlen, so wölle er jnen auch nichts nachlassen Achatius chronica Sleidani (1557) 37a; da die menschen die heiligen gaaben gottes mtwilligklich und stoltzlich miszbrauchen Stumpf Schwytzerchron. 56b;

zu dem eylften schem dich, abwertz
dein augen stoltzlich abzuwenden
von dem armen, ringen, ellenden
Hans Sachs 6, 362 Keller;

die löwen stoltzlich tobeten
und jhre stärck sehr lobeten lieder auf den winterkönig 98.

im reimzwang:

wil könig Saul entgegen gehn,
der nechtn kam gen Carmel stoltzleichen,
het jm aufgericht ein siegzeichen
Hans Sachs 15, 35 Keller-Götze.

mit umlaut: stöltzlich, brächtiglich arroganter, insolenter, iactanter, superbiter Alberus (1540) JJ 2b; ferociter, contumaciter, superbe, neben stoltzlich (s. oben) Maaler 389c; Stieler 2179; Kramer dict. 2 (1702) 983b; alle menschen stöltzlich und hohmütlich verachten Luther 8, 53b (vgl. 4, 334b); unser liebe und wolmeynen nicht undanckbarlich noch stöltzlich verachten, sondern sich williglich, on zwanck, nach der liebe art solcher visitation unterwerfen 26, 200 Weim.; (ein jeder,) der stöltzlich uber die schwellen jnnher tritt Hutten 2, 128; Clinia kombt stöltzlich, in federn und gülden ketten Hans Sachs 12, 437 Keller-Götze; der stöltzlich redt superbiloquens, superbiloquus Alberus (1540) JJ 2a; wie ein gelerter mann sich stöltzlich vernemen liesz Mathesius werke 3, 393; fürsten, welche das concilium nit allein stöltzlich mit ungebreuchlichem hochmt verachteten, sonder auch mit schmachreden und scheltworten antasten Achatius chronica Sleidani 255b;

sprechen: was soll got achten,
was man auf erden tht?
er hat wol mehr zu trachten,
damit sie stöltzlich prachten
Waldis psalter 19b (ps. 14):

dann sie reden gar lesterlich,
gar stöltzlich sich erheben
wider dein wort und wider dich 250b (ps. 139).

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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