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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stolzhinschiffend bis stolzig (Bd. 19, Sp. 289 bis 299)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stolzhinschiffend, adj.: man kennt den stolzhinschiffenden schwan nicht, wenn er schlummernd am ufer sitzt Hölderlin ges. dicht. 2, 111. —
 
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stolzhörend, adj.: man erinnere sich des bildes, das das stolzhörende Klopstocksche ohr von dieser art choriambischer ode hinwirft: 'mitten im fluge schwebt sie, und setzt alsdenn mit einmal wieder den flug fort' Herder 3, 335. —
 
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stolzhufig, adj.: stolzhufige rosse Varnhagen im musenalmanach auf das jahr 1806 s. 3 Berl. neudr.
 
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stolzieren, verb. , bastardbildung zu stolz, mit hülfe der fremden endung -ieren (beruhend auf der altfranzösischen infinitivendung -ier), wie sie seit dem 12. jahrh. in der höfischen sprache beliebt wurde. dabei ist nicht nöthig, einen einflusz des begrifflich nahestehenden und in mhd. zeit zahlreicher belegten hofieren, verb. (s. th. 4, 2 sp. 1681ff.) anzunehmen; die lust an derlei bildungen war grosz und

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liesz sie recht wuchern und ins kraut schieszen (vgl. das verzeichnis bei Jacob Grimm kl. schr. 1, 354 und unter den jüngeren nachbarn s. besonders unten triumphieren, verb.); so hat denn auch das rein deutsche verb. stolzen (s. oben, und von Heynatz für dieses 'abschaffenswerthe zwitterwort' empfohlen) daneben nicht recht wurzel fassen können. erzgeb. stulziern Müller-Fraureuth 2, 567b. — partic. gestolzirt (anstatt des gewöhnlichen stolzirt) braucht Luther unter 1 c.
1) stolz sein, stolz thun, sich stolz benehmen u. s. w. stolcziren arrogare Diefenbach glossar 50c; stoltzieren, stoltz seyn Hulsius (1616) 310b; neben stoltzen (s. oben) Kramer dict. 2 (1702), 983c; Frisch 2, 339c; ich stoltzier, weil mirs wol ghet efferor successu rerum Alberus (1540) JJ 2a; ich stoltzire, ich habe stolziret (und entsprechend auch bei Adelung) superbio, cristas tollo Steinbach 2, 721; denn es war eyn grob, tolpich, rauch und wild volck, es kund es niemand regiren ...; es legte denn gott selber yhm ein sollich joch und purdin auf den rucken, plaget sie mit solchen gesetzen, das sie nicht stoltzirten Luther 20, 243 Weim.; alszo sol man got loben, der die hohen schwebenden nicht lesset stolcziren 29, 467 Weim.; die adiaphoristen bekennen selbs, das sie die gottlosen durch diese hendel stercken, das sie stolzirn Flacius von waren und falschen mitteldingen (1550) P 2a; wenn man ... armer leut vergisset, und stoltzieret Mathesius Sarepta 14a; Hagar stoltzierete auch, aber sie wird aus dem hause gestoszen Syrach 65b; aller ruhm ist ihnen verdächtig, und werden darvon viel mehr beschwert und in gefahr gesetzt als gebessert, in dem sie veranlasst werden zu stoltziren Harsdörffer teutscher secretarius 1, xxx 1a; es wird euch kaum ein paar handschuh verehret, da fangt ihr an zu stoltziren, ihr reiche narren! Zendorius teutsche winternächte (1682) 655;

noch stoltziert der arm erdenklump,
der nichts ist, denn ein unrein lump
Kirchhof wendunmuth 2, 45;

was thun wir doch, wir arme leut?
warumb stoltziren wir doch heut?
morgen ist aller pracht davon,
und müssens alles ligen lahn
Ph. Wackernagel deutsches kirchenlied 4, 227;

für hoffart unser hertz bewar,
und las uns nicht stoltziren
Ringwald evangelia a 1b;

hilf, dasz wir nicht stoltzieren,
wann du giebst mildiglich,
nichts nach unsern begirden
verschwenden unnützlich
Rinckhart christl. ritter 69 neudr.;

hastu viel, du wirst stoltziren,
hastu nichts, wirst lamentiren
Olearius persian. rosenthal 107;

bhüt gott! wie thät er (der winterkönig) nun stolzieren,
ein überschwenglich hoffart führen!
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 94.

in der neueren sprache nur noch vereinzelt in dieser bedeutung: Lucifer, der lichtträger ... stolzirte, weil in ihm das licht zuerst materialisch brannte Brentano 5, 391; dies ist so der junker art von jeher gewesen, die backen voll nehmen und stolziren Gaudy 3, 117; darum nicht länger geziert und stolziert, und geben Sie ihm im augenblick Ihre hand Bauernfeld ges. schr. 1, 72;

mein bruder Douglasz lasz ihn stolzieren stolzieren,
mit harten worten mich bedräuen!
Lenz gedichte 162;

du aber hoch im glücke
stolzirender rival
Blumauer ged. 2, 165;

sein stückchen arbeit soll ein jeder thun,
doch nicht stolziren
Zach. Werner Martin Luther 103;

wo ist mein andres leben? meines floh. —
o wo ist John, mein tapfrer Talbot, wo?
dich, tod, stolzirend (triumphant death) in gefangenschaft,
muszt ich belächeln bey des sohnes kraft Shakespeare 2, 157 (Heinrich VI. 1, 4, 7).


a) hervorzuheben deutliches 'stolz sprechen, stolze reden führen' (vgl. Hans Sachs 8, 378 Keller: S. Franck chronicon 127a):

o nehmts zu herzen und zu ohren,
wie dieser fremdling hier stolziert
Kretschmann werke 1, 80.

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in verdeutlichender zerlegung: hie stehe ich, hie trotz ich, hie stoltzire ich und sage: gotis wort ist myr uber alles Luther 10, 2, 256 Weim.; weil er (Lucifer) vermerckte, dasz er vberaus schön und mit gnaden erfüllt war, so vbernam er sich dessen, stoltzierte und sprach: ich wil hinauf vber die wolcken steigen und dem allerhöchsten gleich seyn Ägid. Albertinus Lucifers königreich 7. — mit stolzen, übermüthigen worten fordern: Desiderius stoltziert, der babst solt selbs kommen, und mit jm handlen S. Franck chronic. 72a. vgl. dazu: (gott) wil aber auch gefurchtet sein, das du nicht stoltzirest, sondern bittest Luther 24, 479 Weim.
b) mit einer weiteren bestimmung: und nu (sie) so hoch stoltziren, als hetten sie es aufs aller beste ausgericht Flacius Lucifers sendbrief (1550) vorrede;

wo kompt es here, das eytel ehre
so hoch stoltziert in dieser welt
Bäumker kathol. kirchenlied 2, 289;

nach dem er hochmütig stoltzieret,
mit seym hofgsind tyrannisieret
Hans Sachs 2, 114 Keller;

aber es begegnet jn eben das widerspiel, wie gemeynigklich geschicht, wann man sicher stolziert, und den feindt veracht S. Franck chronicon 11a; die keyserischen stolzierten fast 117b; er wer eben ein solcher erbarer mann, und stolziret vber alle maszen hart Ayrer processus juris 689; er stolziret über die maszen sumtuosius insolentiusque se jactat Stieler 2178; du stolzirest ziemlich nimium te effers (ebenda);

als Romulus zu Rom regirt,
auch etwas trutziclich stolzirt ...
erhueb er sich in pracht und rum
Hans Sachs 22, 310 Keller-Götze;

ein seltnes laster will als beyspiel
mächtig stolzieren und tugend heiszen
N. Götz gedichte 2, 41;

auch:

der ander brueder ist hoffart ...
von kostlich waad geklaidet sein
täglich, und wait tretten herein,
nuer immerdar stoltzieren wil
Rasch fastenlob E 4b;

auf, herr, straf unsern feind, auf dasz er (recht belohnet)
nicht länger ärgerlich stoltzier
Weckherlin ged. 1, 351;

der mensch kompt her aus schleym und stank,
was will er dann stolzieren lang
Lehmann floril. pol. 156;

Johann Weyda ... erhub sich vber alle mas und stoltzierete sehr Rätel-Curäus chronic. des herzogt. Schlesien (1607) 255;

damit niemands auf dieser erd,
zu sehr stoltzier und sicher werd
Rollenhagen froschmeuseler D 7a (I, 1, 4);

nun, nun, ey trag und führe
die nase nicht zu hoch, nur nicht zu sehr stoltzire
Diedr. v. d. Werder buszpsalmen C 3b;

als jhr (nun alte jungfer) waret jung von jahren,
da stolziertet jhr gar sehr
Voigtländer oden und lieder 85, 2;

Agar (Hagar) die wolt vil stoltzieren,
des mszt sy dienst und gnad verlieren schweiz. schauspiele 2, 128 Bächtold;

doch lasset er sein volck gänzlich niemahls verzagen;
sondern damit sein feind nicht gar zu vil stoltzier,
verkehret (mächtig) er sein jauchzen bald in klagen
Weckherlin ged. 1, 424;

zuletzt:

wo sind, die noch für wenig zeit
bey uns stoltzierten voller freud?
Joh. Heermann bei
Fischer-Tümpel 1, 264;

wenn sie sich ansahen ..., wie mechtig sie weren, ... so furen sie empor in irem sinn und stolziereten also, das sie auch iren eigenen namen der stad Rom nicht nenneten, sie griffen denn zuvor an das baret und zogen es abe Luther 16, 136 Weim.
c) entsprechenden begriffen nebengeordnet: toben, trotzen und stoltzieren Luther 19, 376 Weim.; wenn ein feind tobet, wütet und stoltzieret 16, 202 Weim.; wöllen auch ein mal stoltziern und pochen mit den eselsköpfen, und wie Paulus wider seine tollen heiligen sich rhümet, so wil ich mich auch widder diese meine esel rhümen 30, 2, 635 Weim. (vgl. 23, 695 Weim. und stolziren und buchen cum his, qui peccaverunt 34, 2, 484 Weim.); ita habetis,

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wie eyn christ sich rumen und stolcziren sol 34, 1, 297 Weim.; aber was brüsten und stoltzieren wir doch? 17, 1, 235 Weim.; darumb ists not zu thun, die verstockten zu schrecken, das sie nicht fur und fur stoltziren und mutwillen treiben 28, 591 Weim.; denn unser jungkern vom adel haben bis her gnug gebrasset, geschlemmet, gerennet, gestoltzirt, gebranget mit alzu vberflüssiger kost und kleidung 30, 2, 181 Weim.; prangen, stoltzieren, sich erheben superbire Bas. Faber (1587) 821a; (einst wird man fragen,) wo doch die fürnehmsten städte, welche itzt so sehr stoltziren und prangen, hinkommen seyn Butschky Pathmos 478;

was pralstu dann, du erdenklosz,
du lebendiges todtenmosz!
was hastu zu stoltzieren?
Dan. Wülffer bei
Fischer-Tümpel 3, 205;

stolzier und prahle nicht so sehr!
Hoffmann von Fallersleben schr. 4, 279.

neben regieren:

alles ist
trug und list
in der welt,
da nur geld,
eitelkeit,
hasz und neid,
da regirt
und stoltzirt
Schottel 871;

vgl.

will jederman zumal regiern,
thut eigens willens sehr stoltziern
Spreng Ilias 7a;

(es) kan der esel die ehr nit leiden, fahet an zu gumpen (tanzen, springen, hüpfen) und stoltziern S. Franck sprüchw. 2, 94a. stolzieren und lachen:

der gottlos hat gut fried und ruh, ...
jhn vberfellt kein todes fahr,
lacht und stoltziret jmmerdar
Ringwald handbüchlin B 3a.

jauchze, stolzier itzt,
der zwillinge mutter!
maler Müller 2, 220;

(ständisch aufgelöst):

der hoh stolziert, der kleine lacht,
so hats ein jeder wohlgemacht
Göthe 16, 5 Weim.

gegensätzlich: dasz ich nicht verzage noch stoltzire Luther 32, 193 Weim.; (gott) wil aber auch gefurchtet sein, das du nicht stoltzirest, sondern bittest 24, 479 Weim.;

man musz sich nur in die zeiten schicken,
so kann es nicht anders, es musz uns glücken.
einmal stolziren, und dreimal sich bücken,
das glauben sie mir, so wie nun die welt ist,
ist jetzt zumal das rechte verhältnisz
Tieck 13, 317.


d) entsprechend stolz (adj., 9 d, und stolz, m., 5 d) stolzieren auf etwas oder auf einem darauf stolz sein, thun: das thun sie nicht, die mit wercken umbgehen, sie ... stoltzieren darauf Luther 32, 93 Weim. (29, 676; 34, 1, 569 Weim.); aber weil sie oft auf solch recht stoltzierten und trotzten 24, 440 Weim.; aber den lawen, der auf den gulden ducaten stoltzieret, ... den will ich nit fast forchten Carlstadt von bepstlicher heylickeit (1520) B 7a; (die wir) aufs euangelium stoltzieren Nas antipap. eins und hundert 3, 194a; kein gabe noch vberflusz, darauf er stoltzire theatr. diabolorum (1569) 169a; neben pochen: für allen dingen hüt er sich, ... und lasz gold und gelt nit sein trost und freude sein, stoltzier und poche nit drauf Mathesius Sarepta 50b; stoltziere auf die gelben haar nicht so sehr, sie werden dir wol graw werden Corvinus (1646) 145;

wenn ihr in Franckreich euch habt exerciret,
(wie man es nennt) darauf jhr denn stoltziret
Voigtländer oden und lieder (1642) 104.

in neuerer sprache als wenig gebräuchlich von Adelung aufgeführt: ein wink des Hains hat mir noch zu einigen neuen strophen anlasz gegeben, auf die ich nicht wenig stolzire Bürger briefe 1, 120 (an die grafen von Stolberg); worauf stolzirt denn der edelmann? Jean Paul 27, 119 (flegeljahre 2); (das bürgermilitär) jetzt auf seine uniform, aber nicht auf seine thaten stolzirt Hegel 19, 1, 235; na — wie theuer ist denn hier zu land eine antwort? oder thut der herr auf selbs stolzire, weil er ein schiffsschreiber ist? — es haben in Nordlinge schon andere herrn mit mir geschwätzet

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als der herr ist Meisl theatr. quodlibet 3, 228; die zuversicht, auf der mein blinder glaube stolziert Nestroy 4, 211;

würge (o katze) dann auch den plaudernden spötter (den papagei),
und streu im triumphe
seine federn, worauf er stolziert, in alle vier winde!
Zachariä poet. schr. 2, 134.

über: sie stolziren über ihre boxkünste und entrüsten sich von stiergefechten zu hören Göthe 41, 2, 230 Weim.; die Pariser stoltzieren gewaltig über das wunderbare glück der französischen waffen J. Morre 2, 81; anders: nichts deste weniger schlug er funfzig tausent und siebentzig man zu Bethsemes, das sie die laden sahen, villeicht, das sie sich wirdig dauchten und vber der philister schande stoltzireten Luther 15, 111 Weim.ob, darob:

drumb soll wir grosz lob verjehen
den göttern und nit drob stoltzirn
Ayrer dramen 1, 76 (erbauung Roms);

disz alles aber kont ihr frommes hertz nicht zwingen,
dasz es stoltzieren solt ob solchen hohen dingen
Rist Parnasz 732.


e) mit einem, damit stolz thun, sich brüsten, rühmen (Kramer dict. 2, 983c; der mit anderer leuten dingen stoltzieret Dentzler 277a): der bapst sol nit stoltzieren mit seiner gotheit Carlstadt von bepstlicher heylickeit D 1a; hoffertig seyndt diejenige junckfrawen, welche mit jhrer leiblichen junckfrawenschaft und schöne ... stoltzieren Ägid. Albertinus zeitkürtzer (1603) 109; nicht mit edelgesteinen oder perlen stoltzieren Zinkgref apophthegm. 40; wie die wiesen mit dem thaw und den blumen stoltzieren 30; dasz ich also mit meiner wenigen habe ... stolzieren wolte Jac. Böhme schr. 6, 9; wer sein mäsziges leben, heyligkeit und weiszheit nicht in der stille für sich gebrauchen, sondern damit sich sehen lassen, stoltzieren, und gleichsahm den leuten verkaufen will; ist eben wie einer, der einen groszen vorrath korn eingesamblet hat, und hernach im feuer aufgehen lässet Olearius persian. rosenthal 8, 8; mit ihrer äuszerlichen schönen gestalt stoltzieren P. F. Procopius patrociniale (1674) 400; der königliche printz Absalon mit seinen haaren stoltzierte Abrah. a S. Clara etwas für alle 1, 447; gleichwie mancher mit seiner kretzen nicht ... prangen darf, also thut die erden mit derlei miszgewächsen (nämlich den pilzen) nicht viel stoltzieren 2, 297;

das wir uns düncken besser sein,
als andre, die lebn wie die schwein,
und dürfen wol damit stoltzieren,
der teufel kön uns nicht verführn
Melchior Liebig von gottes weisheit (1589) B 4b;

gib das wir als getrewe knecht
mit deinem gut haushalten recht,
und nicht damit stoltziren
Ringwald evangelia c 3b;

Granada mag stoltzieren
mit ihren gahrten, die den preisz der schönheit führen
durch gantz Europa schier
Rist Parnasz 65;

ein neugeschmücktes haus mit bildern ausgezieret,
nicht aber dergestalt, dasz es damit stoltzieret,
wie wol es schön genug 310;

wenn jhr (jungfern) mit pracht und hoffart so stoltzieret
Voigtländer oden und lieder (1642) 31;

der poet musz sich selber vergessen, nicht mit seinem witze stolziren Gottsched crit. dichtkunst 503; (eine menge gelehrter männer,) mit denen Deutschland in allen classen der gelehrsamkeit stolzieren kann neuestes aus der anmuth. gelehrsamkeit 1, 119; das XV. jahrhundert stolzierte mit mehr als einem Cicero 9, 739; wer durch sittlichkeit, fleisz, bescheidenheit, züchtigkeit und kenntnisse nicht ausgezeichnet ist, der darf damit nicht stolzieren, dasz er ein geschickter ringer, fechter und turner ist Arndt für und an seine lieben Deutschen 3, 254; in einer zeit, wo man mit peinigenden mängeln überzufrieden stolzirt Bettine Brentanos frühlingskranz 452; wie rüstig turnieren sie (die stricknadeln) eine gegen die andere im ringelrennen, bis die siegerin eine ganze reihe von siegen aufzuweisen hat, mit denen sie stolzirt Holtei erz. schr. 9, 14; (die Deutschen) stolziren mit ihrem etwas mehr von preszfreiheit jahrbuch der Grillparzergesellsch. 5, 120;

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warum, erwiederte der weise Grieche (Sokrates),
stolzierst du denn mit gaben eines steins!
(als ein jüngling seine schönheit der des marmornen
Phöbus gleichstellt)
N. Götz gedichte 3, 88;

das kleine Griechenland stolzirt mit sieben weisen,
und sahe Scythen selbst nach ihrer tugend reisen
Lessing 1, 266;

errötst du (Agnes)?
so schämt natur sich ihrer nackten schöne,
weil bildung, überputzt, stolziert
mit ihrer häszlichkeit
O. Ludwig 4, 156


α) in gelehrter sphäre mit namen stolzieren (Hebbel I 8, 105) seinen stolz darein setzen, viel gelehrte citate anzubringen. vgl. noch aber mit dem bchstaben stoltzirt er frech S. Franck chron. 342a.
β) den übergang zu 2 stellt schon dar: er stolziret mit seinen kleidern Kramer dict. 2 (1702), 983c; mit fremden federn stolzieren Lessing 8, 274; einst hatte das müllerthier den wolfspelz seines herrn umgenommen, und stolzierte damit durch wald und trift Kretschmann werke 6, 135;

viel pfawenfedern er (der rabe) do fund,
die lasz er auf, wo er nur kund,
sein schwartzes raubkleid (!) mit thet zirn,
gantz prechtig darmit thet stoltziern
Eyering proverbiorum copia 1, 75,

wo unten gewöhnlich in verwendet wird.
f) ungewöhnlich die ursache mit der präpos. von: wie er über alle mas davon stoltziret Luther 8, 217b; (anders:) er ein heimlichen schatz musz haben, wovon er so prächtig stoltziret engl. comedien und tragedien (1624) N 2a. —aus: aus disem sig stoltzierten die Longobarder, und behertzt faszten sye ein mt, bis an das sicilisch mr z ziehen S. Franck chronica (1531) 161a; dann sie forchten, sie möchten die statt nit erretten, und wann sie dann das am ersten grimmen des streits verschten, möchte der feind aus hoffnung des sigs stoltzieren, solchs nit nachgeben Pinicianus (1561) 198a. —um: darümb dürfen die jüden nicht stoltzieren, das sie gott werde widerbringen Luther 28, 580 Weim.; (wie) auch nicht darumb ist zu stoltzieren Kirchhof militaris disciplina 3;

glückseelig seit jhr zwar, händschuh, denen vergönnet,
dass jhr der liebsten händt so ofte küssen könnet,
stoltziert drumb aber nicht, die ehr, so jhr empfangt,
von jhr allein und nicht von euch an euch gelangt
Zinkgref auserles. ged. 59 neudr.

wegen: (ein kaufmann,) der wegen seines käufigen guts nit wenig stoltzierte Abraham a S. Clara Judas 1, 47. — auch: darumb ein jeder, so wenig oder viel besitzet, stolzire nicht deshalben Pape bettel- und garteteuffel H 2b. — mit bloszem genitiv:

das er sich gut
daucht, rhümet sich des in hochmuth,
in ihm selber des hoch stoltzieret
Hans Sachs 9, 218 Keller-Götze.

hierher wohl auch: damit sich ... der mann dessen nicht vbernemmen oder stoltzieren solte Ägid. Albertinus hirnschleiffer 28. — der grund im nachfolgenden infinitiv:

du aber nahmst ihn auf, stolziertest ihn zu haben,
und weintest brüderlich
Kretschmann werke 1, 306.


g) wider, gegen einen stolzieren sich stolz, hochmüthig, übermüthig gegen ihn benehmen: lieber, was habt jr, darauf jhr wolt pochen? oder wider wen wolt ihr stoltzieren? Luther 6, 220b; wir verwerfen und verdammen auch die sich erheben und stoltzieren wider die schrift und der kirchen richtschnur, und new gebot einfüren Nigrinus papistische inquisition 104;

dein feinde trutzen zorniglich,
mit wüten und mit toben,
stoltziern und bochen wider dich
Waldis psalter (83) 147a;

wann ein weib alles an jr hett, das ein ehrenfromm weib haben solt, ... und aber alleyn hochmütig gegen jrem man stolzirte, ..., so wer sie keyn fromme frau Fischart ehzuchtbüchl. 249.
h) in sich stolzieren (mit hervorhebung des im innern wohnenden gefühls): so facht der reych esel an in im

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stoltzieren Luthen 15, 773 Weim. s. auch den beleg bei Hans Sachs oben unter f.
2) besonders in neuerer sprache 'sich anspruchsvoll darstellen, bewegen, mit stolz umhergehen' zumeist unter aufwendung von prunk, wie der kern der entwicklung in seinen kleidern stolzieren unter a deutlich nahebringt; eine entwicklung, die mit charakteristischer stärke im 18. jahrh. einsetzt.
a) ausgangspunkt dieser entwicklung (s. auch ansätze dazu oben unter 1 e β): in kleidern stolziren vestium splendore et apparatu superbire Stieler 2178; und nun stolziert Hertzberg ... in dem aus brandenburgischer seide gearbeiteten kleid Joh. v. Müller 2, 114; (leute,) die sich auf ein saubres kleid viel einbilden und darinn stolziren Miller predigten fürs landvolk 1, 23; diese in gold und seide stolzierende zuhörerschaft Wackenroder herzensergieszungen 258; sie (die geliebten der beiden platzmeister) stolzirten in absonderlichem putz und trugen zur auszeichnung vor den übrigen ... die radförmige spitzenhaube Meyr erzähl. aus dem Ries 1, 314; (wir gingen,) von Aramöke, der in seinem roten halstuch stolzierte, geleitet, nach dem lager v. d. Steinen unter den naturvölkern Zentral-Brasiliens 91;

ein burger arm, doch ehrlich war,
zu seinem weib ein weib kam dar,
die war aufs aller schönst geziert,
mit kleidern, drinnen sie stoltziert
Sandrub hist. poet. kurzweil 114 (104, 4) neudr.

wenn sie in solcher zier
der neuen tollen tracht stoltzieren und so prangen
Prätorius anthropodemus plutonicus 3, 307;

allein, du wirst auch nicht mehr sehn,
dasz sich der tugendhafte quält,
sich seiner blösze schämt und darbt
und seine lebenszeit verweint,
indessen dasz in seid und gold
der bösewicht stolziert und lacht
E. v. Kleist 1, 114;

der kartenkönig, taub und blind,
ist karte, wie die andern sind,
stolzieret nur in solcher pracht,
weil ihn der mahler bunt gemacht
J. G. Jacobi 3, 168;

die üppgen Genter, die in sammt und seide
stolzieren
Schiller 13, 181 (jungfrau von Orleans, prol. 3);

die braunen mäntel hat, im frechen taumel,
der pöbel sammt den hüten weggeworfen,
den bart gestutzt, die polnsche mütze aufgestülpt,
in rothen kleidern nun stolzierend
Kotzebue dram. w. 22, 121;

ein poet stolziert in waffen, ist des Helikons bestürmer,
aber manche kriechen aufwärts wie gekrümmte regenwürmer
Platen 2, 311 (verhängn. gabel 3);

es lebe, was auf erden
stolzirt in grüner tracht,
die wälder und die felder,
die jäger und die jagd!
W. Müller gedichte 127.


α) die alte grundlage (unter 1) liegt frei in älteren belegen: das keiner in sein eigen erwehleten kleidern gerechtigkeit suche oder stoltziere, und sich besser duncken lasse, dann ein anderer in gemeinen kleidern Nigrinus papistische inquisition (1589) 104; vgl. dazu in rein geistiger wendung: wie das er in seiner meinung stoltziret und offentlich die gotlos yrthumb ausspreytet Hedio chronic. german. 111b; do er aber den propheten nimmer hören und in seinem sinne stoltzieren ... wolte Mathesius Sarepta 112a. (mystisch:) wann ihr das liecht der äussern natur zerbricht, darinnen sie hat eine zeitlang in der ichheit stolzieret Jac. Böhme schr. 4, 178.
β) in anderer sphäre befördern wendungen mit auf die neue entwicklung: auf einem triumphwagen stolzieren Herder 20, 82; auf dem wagen stolzierte eine ... siegergestalt des todes Wackenroder herzensergieszungen 148; auch: (er) stolzirt auf rossen Leipziger aventurieur 1, 76.
γ) der übergang zum folgenden wird vollzogen: Polyhymnia soll nun freylich nicht im flitterstaate einher stolziren Schubart aesthetik der tonkunst 225; (er) stolzirte in königlichem schmuck ... einher Becker weltgeschichte 6, 410; er stolzirte im neuen kleide voran Arnim 2, 270; (der schneider) schneiderte sich selbst kappen und mäntel und hosen, wie rathleute und junker;

[Bd. 19, Sp. 296]


so oft ihn auch der rath darum strafte, er stolzirte darin um Alexis die hosen des herrn v. B. 1, 146.
b) eine weitere locale bestimmung macht den neuen sinn des wortes deutlich: (wo er) durch das dorf in den garten stolzirte Jean Paul 1, 355; auf (diesen) terrassen stolzirte einst Nebuchadnezar in seinem hochmuth Ritter erdkunde 11, 916; ärgerlich ist es für einen kriegsmann, wenn ein müsziger schreiber im hofe stolzirt Freytag 10, 9; sogar ein zwerg im gefolge könig Rudolfs und des bischofs von Basel wurde mit dem schwertgurt geschmückt und stolzirte als ritter Konrad im gesinde 18, 42;

er (Luther) raufte jhm (dem papst) die feddern aus,
damit er sich gezieret,
und stiesz jhn aus dem gotteshaus,
darin er lang stolziret
Joh. Walther bei
Ph. Wackernagel kirchenl. 3, 194;

auf, auf, mein fürst! der feind stolzirt im feld Shakespeare 9, 204 (Richard III. 5, 3);

(Pieps) stolzierte auf die gasse und betrachtete in seiner weise die stadt Freytag 12, 76;

(Soubise,) stolzierest ja mit prangen, wie Pharao ins feld
Ditfurth hist. volksl. des preuszischen heeres (1869) 19;

durchlauchtigster! es nahet sich
ein bäuerlein demüthiglich,
da ihr mit euerm rosz und heer
zum schlosse thut stolziren sehr
Göthe 4, 205 Weim.

deutlich machen den begriff auch auf und nieder, auf und ab stolzieren: wann wirs also von andern creaturen haben genommen, so stoltzieren wir auf und nider Harsdörffer frauenzimmergesprechsp. 1, F 6a. — voran-, voraus-, einherstolzieren: sie stolzierten um einen ganzen kopf gestreckter als zuvor vor ihren mädchen einher O. Ludwig 2, 283; s. dazu auch die belege unter 2 a γ. — auch:

da kommt ein fäntchen zu mir her stolzirt,
die pfauenfeder am baret
Bauernfeld ges. schr. 1, 160;

als er noch krause locken trug,
war alles ihm zu dumm,
stolzirt daher und trank und schlug
sich mit den leuten herum
W. Busch kritik des herzens 71;

Friedrich stolzirte umher wie ein hahn, im neuen himmelblauen rock A. v. Droste-Hülshoff 2, 293 (Schleiermacher Platon 6, 426) vgl. obs. rumstolzieren mit steifen schritten, wichtigtuend umherschreiten Müller-Fraureuth 2, 567b; els. herumstolzieren Martin - Lienhart 2, 594b; daher (elsäss. derher stolzieren wie ne baron ebenda); hin und her (bildlich: vermahnungen un versprekungen, in hoge würd un grote redensorten upgeputzt, stolzierten vör de ollen daglöhners ehre ogen unverständlich hen un her Reuter 2, 264, 9 stromtid 2, 16). — hinab, hinauf stolziren (z. b. die treppe) Fouqué altsächs. bildersaal 1, 350. hinein (obs. na nu will ich neinstolzieren hineinspazieren Müller-Fraureuth a. o.).
c) der neue begriff völlig entwickelt; entsprechend spazieren gehen (th. 10, 1 sp. 2015 unter II 1):

und will der kopf sich wie ein pfau
ausspreitzen, auf die füsz nur schau,
und wollen die stolziren gehn,
dann darfst du auf ein kreuz nur sehn
Brentano 1, 546.

neben spazieren führen (sp. 2018 unter II 6): die ehelich erzeugten kirchenkinder werden einmal in erster communion spazieren und stolzieren geführt, dann laufen sie ihrer wege 9, 33. —zu fusze stolzieren u. s. w.: ich wollte mein mädchen doch lieber mit einem gescheuten mann in einer bürgerlichen equipage fahren sehen, als dasz sie am arm eines gecken, mit ahnenprobe in der tasche, zu fusze stolzierte Gotter ged. 364 (nachl.); vorn (im zuge) die bauernbursche langsam stolzierend zu pferde deutsche erzähler des 18. jhs. 158 lit.-denkm.einfach: o es gibt schauspieler, die ... weder den ton noch den gang von christen, heiden oder menschen hatten, und so stolzierten und blökten, dasz ich glaubte, irgend ein handlanger der natur hätte menschen gemacht, und sie wären ihm nicht geraten Shakespeare 4, 192 (Hamlet 3, 2); da (auf dem jungfernstieg in Hamburg) stolzierten die schönen kaufmannstöchter, mit deren liebe man auch so viel bares geld bekömmt Heine 4, 103;

[Bd. 19, Sp. 297]


stolzier, prachtier und dreh dich nur!
Mörike 1, 158;

vgl.(um geographisch ganz auseinanderliegendes zu wählen) wienerisch stolzirn aufgebläht herumgehen, in der meinung, dadurch bewundert zu werden Hügel 158a, elsäss. stolzieren Martin-Lienhart 2, 594b und mecklenb. stolziren stolz einherschreiten Mi 87a.
d) von thieren: wo der goldfasan und der pfau zwischen den rucksenden haustauben einher stolzieren Bettine tagebuch 127 (Treuer deutscher Dädalus 1, 461);

seht hin! wie brüstet der pfau sich dort am farbichten beete!
voll eifersucht über die kleidung der fröhlichen blumen, stolziert
er,
kreist rauschend den grünlichen schweif voll regenbögen und wendet
den farbenwechselnden hals
E. v. Kleist 1, 186;

ein hahn, ein schönes tier, ... stolzierte den schuppen entlang Fontane I 6, 38; eine schwarze henne ... stolzierte gravitätisch auf einen wassersteg zu I 5, 188;

auf einem edelhof, auf dem ein ganzer chor
von pfauen wohnhaft war, stolzierte
einst eine kräh
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 388;

Hudhud (der wiedehopf) lief einher
die krone entfaltend;
stolzirte, neckischer art,
über das todte scherzend
der lebendge
Göthe 6, 59 Weim.;

der storch stolzirt von bein zu bein
Eichendorff 1, 287;

auch von einem schwebenden geier: nun seht ihn nur recht an, wie er sich langsam dreht und wendet, und wie er stolziret Stifter 1, 266. — von pferden: ich ward entzückt, das pferd unter mir sich bäumen und stolzieren zu sehn Bahrdt gesch. seines lebens 1, 162 (Löwen schr. 3, 67);

sein action mit ruhm bravirte,
als ob der erd
schön unter ihm daher stolzirte
das edle pferd
Sigm. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 374;

vom einzelnen körperteil:

ihr haupt steht hoch, vom zügel angezogen
stolzirt ihr hals in einem kühnen bogen,
die nase dampft
Brentano 6, 294.


e) im übertragenen sinne, so von blumen:

wolan, magst nun stoltziren
du gartensternelein (blume),
muszt endlich doch verlieren
all dein gefärbten schein
Spee trutznachtigal 77;

wo blumen jetzt stolzierten, tobt
in wasserwogen das verderben jetzt
E. v. Kleist 1, 264;

spröde tulpen, die nicht duften,
aber prangen und stolzieren
Herder 25, 520;

wie die blume stolziert, und ihr seidenes kleid
in vergoldeten purpur taucht!
Hölty gedichte 66;

primeln stolziren
so naseweis
Göthe 3, 38 Weim.

auch im garten der poesie: einige gedichte, die sich vor vielen neuen gedichten, die in unsern musenalmanachen stolzieren, rühmlich auszeichnen Schubart briefe 2, 251.
f) bildlich, vom gebrauch der sprache: (den sänger nicht berechtigen,) in prosa nun eben so zu stolzieren, als es in versen bisweilen wohl kleiden mag Bürger 326b; einige jünglinge wollten stolzieren, hielten zu stark an; der gang (der sprache) wurde holpricht briefe, die neueste litteratur betreffend 15, 58.
3) adject. (zu 1): unfläthige, auf ihr bischen körperkraft stolzirende flegel Holtei erz. schr. 15, 34; herr Henkel nahm den Lear beim ersten auftreten zu sehr als einen stolzirenden könig Grabbe 4, 237;

du aber hoch im glücke
stolzierender rival,
der mir durch list und tücke
Neärens liebe stahl
Blumauer gedichte (1782) 56.

(zu 2:) sie (die vergleiche) sind muthigen pferden ähnlich, den stolzierenden reiter zu gottes erdboden werfen

[Bd. 19, Sp. 298]


Hippel kreuz- und querzüge 1, 372; eine stolzirende bürgerliche demoiselle quelle von 1788 bei O. Jahn Mozart 4, 48;

sogar die stolzirenden dorfmädchen
zierten sich wie jungfern in kleinen städchen
Kortum Jobsiade 3, 21.

ein stolzierender pfau (Herder 30, 76); stolzierendes pferd:

drauszen wiehert ihr rosz, stolzirend in purpur und golde
Bürger 246;

das thier hat einen stolzierenden gang; auch:

immer leiser, immer matter
tönt vom vogelsang der hain,
mit stolzirendem geflatter
krächzt der rab am wiesenrain
Uhland gedichte 2, 241;

das ist die üppige sommerzeit,
wo alles so schweigend blüht und glüht,
des juli stolzierende herrlichkeit
langsam das schimmernde land durchzieht
Keller 9, 51,

vgl.jene im grünenden gewand stolzierenden wiesen leiden der jungen Wertherin 21. — entsprechend 2 f: eine blühmigte und stoltzierende sprache Nicolai literaturbriefe 7, 13; diese stolzierende kunstwörter müssen ... manche kritische armseligkeit aufstutzen allg. deutsche bibliothek 8, 121.
adverb. (zu 1): (wikinge,) die sich Inselbärte, und als sie durch seeraub reich geworden, stolzirend Goldbeine ... nannten Dahlmann gesch. von Dänemark 2, 164. (zu 2:) (ein mensch,) der die nase hochtragend ... wie ein truthahn stolzierend, dahergeht Görres 3, 82;

doch indem ich so behaglich,
aufgeschmückt stolzirend wandle
Göthe 2, 105 Weim.;

auf einem breiten felsen hebt
ein haus ...
sein hölzern haupt stolzirend in die höhe
Blumauer ged. 2, 109;

der edle schreiber trägt stolzirend dich (das veilchen) am hut
Brentano 2, 566;

brechend aus der linie zug,
ein leichter trupp stolzirend sprengt
A. v. Droste-Hülshoff 2, 173.


4) substant. das stolziren superbia, arrogantia, tumescentia, nimia aestimatio sui Stieler 2178 in dem werthe von oben stolz, m., stölze, f., stolzheit, f.: aber wenn wir draus ein stoltziren machen, so lesset gott den teufel eintreten Luther 16, 112 Weim.; da (bei gottes heimsuchung) höret auf stoltzirn, rhümen und aller ubermut 19, 423 Weim.; oho! sprach Eckarth, vor der zeit stoltzieren ist eine der gröszesten thorheit(!) mediz. maulaffe (1719) 362; des ewigen rühmens und stolzirens überhoben Gaudy 14, 65; trotz seines stolzirens mit tugend und sittlichkeit Hebbel tageb. 3, 60;

der bauernnarr tritt auch daher,
als wann er gar was vornehms wär;
mit fressen, saufen und stolzieren
thut er den adel selbst braviren
S. Brant narrenschiff 79;

wie schwind wirstu examiniert,
und wirdt dir dein stoltziern vergolten
Alberus fabeln (25) 122 neudr.;

unüberwindlich rühmet sie
ihr titul, torheit und stoltzieren
Weckherlin gedichte 1, 497;

hoffärtiges weibsbild, was führst du im sinn?
meinst denn, dein stolzieren bringt dir ein gewinn? der verschmähte liebhaber bei
Arnim 21, 178.

entsprechend der entwicklung unter 2: (studenten,) welche die thewre zeit so liederlich verschertzen ... mit buhlen und stoltziren Moscherosch gesichte 1, 432; das hofiren und stolziren hat dir groszen schaden gethan Göthe 13, 2, 280 Weim. (lesart zum Götz v. B.);

hofeleute halten viel vom stoltziren, prangen, pralen
Logau sinngedichte 333 (29);

kein schwelgen, spiel, kein jagen und stolzieren
Gottsched neueste gedichte 70.

als eigenschaft der geformten sprache (entsprechend oben 2 f): denn auch in der rede giebt es ... ein stolzieren, das an ihr kein geringes gebrechen ist briefe, die neueste litteratur betreffend 20 (1764), 37.
 
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stolzierer, m., einer der stolziert (entspr. 1:) stoltzirer, rühmer vantatore, glorioso Hulsius (1618) 241a; aus

[Bd. 19, Sp. 299]


fürsten werden tyrannen und landbeschwerer und stoltzierer Nas antipap. eins und hundert 4, 276b;

stolzierer, trinker und nahtgengel,
des tiufels diener und sîn engel,
werdent ofte galgenswengel renner 7025 Ehrismann.

entsprechend 2 zusammensetzungen wie gassenstolzierer (th. 4, 1, 1 sp. 1453), kleiderstolzirer vestium pompa superbiens Stieler 2178 (Kramer dict. 2, 983c).
 
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stolziererei, f., sitte, gewohnheit, neigung zu stolzieren, thätigkeit des stolzierens: in romanen gefällt uns fremde liebe und stolziererei und empfindelei; — aber drüber hinaus schlecht Jean Paul 27, 3 (flegeljahre 2). vgl. auch stolzieren, subst. (bei dem verb. unter 4).
 
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stolzierig, adj., zum stolzieren geneigt u. ä.: stolziricht wie unten stolziglich und oben stolzhaft Stieler 2179.
 
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stolzierschritt, m., beim militär: also zum avanciren wäre der geschwindschritt am brauchbarsten, und statt des lächerlichen stolzierschrittes 76 in einer minute einzuführen A. H. von Bülow der feldzug von 1800 (1801) 467, ähnlich, doch nicht gleich unserm paradeschritt.
 
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stolzierteufel, m., teufel des stolzes und hochmuths; hier in geistlicher sphäre: dadurch zerrüttung seiner lieben kirchen, und unterdrückung seines heiligen worts, der schand stoltzierteufel, unter dem langen mantel verborgen, bei uns und unsern nachkommen anzurichten sich unterstehet Andreas Rosa practica (1571) C 1a.
 
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stolzierung, f., superbia, arrogantia, tumescentia, nimia aestimatio sui Stieler 2178 (Kramer dict. 2, 983c); (die hausfrau soll) keinen überflusz, pracht noch stoltzirung in den kleidern treiben Hohberg georgica 1, 189; armer leute stolzirung ostentatio falsa et inepta Stieler 2178 (vgl. DWB bettelstolz th. 1 sp. 1732 und stolz, adj. 1 c). auch in der zusammensetzung wortstolzirung gloriatio, jactatio, venditatio (ebenda).
 
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stolzig, adj. zu stolz. im folgenden wohl in anlehnung an zornig und unter dem zwang des rhythmus:

hänge ich kränze auf an ihrer vorhalle fenster,
tritt sie zornig mit stolzigen füszen darauf
Arndt 6, 103.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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