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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stolz bis stolzberitten (Bd. 19, Sp. 266 bis 284)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stolz, m. , späte bildung zum vorigen an stelle von mhd. stolzheit. vgl. auch den schweizer. versuch stölze, fem., unten.
1) zur allgemeinen begriffsbestimmung: der hochmuth ist vom stolz als ehrliebe, das ist sorgfalt, seiner menschen würde im vergleich mit andern nichts zu vergeben, unterschieden Kant 5, 304; der stolz ist eigentlich ein gröszeres bewusztseyn seines eigenen werthes 7, 431; stolz hat auch einen guten verstand und bedeutet das gefühl von unserm eigenen werthe Mendelssohn ges. schr. 4, 1, 115; er ist eher kalt als einladend; aber darum ist gefühl eigener würde nicht stolz bei dem mann, der sich auf der einmal erstiegenen höhe fest hält Sturz schr. 1, 69; der stolz ist zweyerley, innerlich und äuszerlich; leibes- und seelenstolz! so kann man stolz seyn auf seine nase, augen, ohren ...; allein auch auf die seele! dieser innerliche stolz, wenn er übel angebracht ist, heiszt aufgeblasenheit Hippel lebensläufe 3, 2, 565; der stoltz des menschen ist ein seltsames ding, es läszt sich nicht sogleich unterdrücken, und guckt, wenn man das loch a zugestopft hat, ehe man sichs versieht, zu einem andern loch b wieder heraus, und hält man da zu, so steht er hinter dem loch c u. s. w. Lichtenberg aphor. 1, 79, 119 (vgl. verm. schr. 1, 166); der gröszte reiz zum stolz liegt für einen braven mann in den demüthigungen, die ihm grosze herren widerfahren lassen U. Hegner ges. schr. 278; der stolz, das vorgefühl der höchsten seligkeit Fr. v. Gentz schr. 1, 90; die unterdrückung des stolzes ist allerdings lobenswerth ... der stolz, den man wirklich nicht aufgeben soll, bleibt jedem rechtlich gesinnten dennoch. diesen sollte man aber nicht stolz, sondern richtig abgewägtes selbstgefühl nennen W. v. Humboldt briefe an eine freundin 410 (5. mai 1832); man vermeidet die abwege, wohin der stolz führt, am leichtesten und sichersten, wenn man sich in allem thun recht natürlich gehen lässt, jede äuszerung des stolzes streng wegweist ebenda.verglichen mit muth: (diese festigkeit) ist meine seeligkeit, die mir ... oft einen muth giebt, der nahe an stolz zu gränzen scheint Lavater verm. schr. 2, 4; sich mit freiheit spiegelnd: die dunkle lockenlast aber war heut mit besonderem schwunge nach dem nacken zurückgeworfen, während die hierdurch zu tage tretenden lichten felder der schläfengegend dem kopfe einen ausdruck von freiheit, wo nicht von stolz verliehen Keller 3, 172. — wahre bescheidenheit ihnen für stolz und affektirte grösze (anrechnen) allgem. deutsche bibliothek 2, 1, 76 vgl. DWB warum sollte das schon stolz seyn, ... wenn ich mich fürchte, meine tugenden möchten mich stolz machen? Gellert 9, 123; stolz ist das gefühl seines bestimmten werths und durchaus lobenswürdig. wo man ihn tadelt, liegt der fehler in dem irrthum des gefühls. wenn alle nur vernünftig stolz wären, es würde in der welt nicht so niederträchtig hergehen; ... nur weggeworfene und niederträchtige können sich über den stolz anderer beschweren Seume 4, 89;

stolz und liebe heiszt das lichtgespann,
worauf geister durch den himmel fliegen —
hoffe! dulde! liebe! sei ein mann!
das geschmeisz lasz in dem staube kriechen
E. M. Arndt gedichte 312.

doch der stolz bestehet in der wirklichen erhebung über andere, welche man gegen sich selber gering schätzet Stosch versuch (1777) 1, 177; was für ein stolz, was für eine verachtung aller andern blickt nicht dem Adrast aus jeder miene? Lessing 2, 67 (freigeist 2, 1); deshalb merkliche

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eitelkeit des stolzes Jean Paul flegeljahre 2, 2; daher ist unser hasz des stolzes kein neid gegen vorzüge ebenda.
2) das persönliche gefühl als (hervorstechende) eigenschaft des charakters: ein getränke (der reichthum), das sie (die priester) berauschte, und wodurch mit der macht der stolz und die herrschsucht in ihrem herzen überhand nahm Albr. v. Haller Alfred (1773) 80; so allgemein ist der stolz Mayr päckchen satyren 98; eine leichtgläubigkeit, die desto sträflicher wird, je mehr stolz sie voraussetzt Lessing 2, 23 (Misogyn 2, 2); der stolz richtet den körper auf Schiller 1, 170; es (nämlich einen brief beantworten) nicht thun nenne ich nicht stolz, sondern unart Pückler briefwechsel 1, 280; du wusztest die freier zurückzuweisen, ohne sie zu beleidigen, ja selbst ohne in den ruf des stolzes, der koketterie zu gerathen Bauernfeld ges. schr. 2, 130;

bürdet mir stolz nicht auf, wenn ich von entweihungen rede
Klopstock oden 2, 118;

stolz! und nichts als stolz! der topf
von eisen will mit einer silbern zange
gern aus der gluth gehoben seyn, um selbst
ein topf von silber sich zu dünken
Lessing 3, 15 (Nathan 1, 2);

lasz, wenn winde dir heucheln, dich nicht vom stolze besiegen,
lasz, wenn sturm dich ergreift, nimmer dir rauben den muth
Herder 26, 56;

der stolz verjagt die triebe
der wollust und der liebe
Göthe 4, 156 Weim.;

adelstolz sitzt auf hölzernem pferde,
bauerstolz wälzt sich auf der erde,
bürgerstolz geht auf hohen hacken,
geldstolz steht auf gelben schlacken,
dichterstolz fliegt in den himmel hinein:
wo mag der stolzeste stolz wohl sein?
W. Müller gedichte (1868) 2, 161.


a) weil du denn wider mich tobest, und dein stoltz erauf fur meine ohren komen ist, wil ich dir einen ring an die nasen legen, und ein gebisz in dein maul, und wil dich des wegs wider heimfüren, des du komen bist Jesaja 37, 29; diese und häufig ähnliche stellen hat man seinem stolz zugeschrieben Herder 15, 44; jezt sagt mir mein stolz, was ich habe, ist mir gegeben, diese situation zu tragen, mich selbst zu tragen Caroline 1, 36; ihr beklagt euch so viel übern adel und über seinen stolz Lenz ges. schr. 1, 17 (hofmeister 2, 1); gattin zu werden ohne wirkliche, unwiderstehliche zuneigung, schien mir ein frevel an mir selbst, an meinem stolze Holtei erz. schr. 7, 81; der Germane übt unrecht im zorn wegen kränkungen, die sein stolz übermäszig empfindet Freytag 17, 179; seinen stolz auf die probe (stellen) Herm. Grimm Michelangelo 1, 18;

stolz, mein stolz, wohin gekommen!
Chamisso 3, 27;

und so beruhet unser stolz meistens auf unsrer unwissenheit! Lessing 1, 163 (die maus).
b) der stolz eines: der stoltz der weiber ist allweg gröszer denn der stoltz der männer G. Mayr sprüchwörter D 3a; von dem stoltze ihrer mutter, der sich auf verachtung anderer gründete, hatten sie gar nichts Nicolai Seb. Nothanker 1, 178; der stolz des bauern (des bürgers u. s. w.); (klagen) von der willkür höherer behörden und dem stolze des adels Steffens was ich erlebte 1, 114;

den trotz des bürgers würden Sie (Carlos) nicht dulden,
ich (Posa) nicht den stolz des fürsten
Schiller don Carlos 1, 9;

der stolz der ungläubigen musz beschämt werden, wenn die natur ... auf der seite der offenbarung ist Cramer nord. aufseher 1, 69; den stolz solcher stümper nicht leiden (können) Gottsched versuch einer crit. dichtkunst (1751) 4;

ich singe, wie sein muth so manchen feind bekämpft,
und wie sein siegesschwerd des stutzers stolz gedämpft
Zachariä poet. schr. 1, 4;

der stolz des bettlers (s. DWB stolz, adj., 1 c);

freund, des gelehrten stolz war immer lächerlich.
er sieht von seiner höh, und alles unter sich
Giseke poet. w. (1767) 58;

den stolz der Engländer (rechtfertigen) Archenholz England und Italien 1, 1, 27. — entsprechend stolz, adj. 5

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(sp. 239) auch von thieren stolz des pferdes (Breitinger crit. dichtk. 1, 404) u. s. w. — das stolze segel (s. oben sp. 247) spiegelt sich verblassend:

wie sich der segel stolz
zusammenzieht, und alle wellen
endlich im hafen daniederbrausen!
Herder 27, 96.


c) auch das besondere ausdrucksmittel angeschlossen durch den genitiv: der stolz des ganges, der haltung; der gebärde stolz, der adel in den zügen H. Meyer gesch. der bildenden künste 1, 284; den stolz seines bösen blickes haben Schnitzler Anatol 150. innerlich: (wenn) mylord in geschäfften seyn wird, die dem stolz seines geistes angemessen sind Laroche fräulein von Sternheim 2, 33; im stolze der leidenschaft maler Müller 1, 4; der mensch, der den stolz seiner vernunft nicht bricht O. Ludwig 2, 403; nachdem es (das menschliche herz) einmal den stolz der unbefangenen und rücksichtslosen untersuchung gekostet hat, ... Lotze mikrokosmus 1, vi;

wie dem stolze deines herzens
du die gröszten opfer brachtest!
Heine 2, 23 Elster.

— es ist der stolz der armuth, der ihn fortriss Gutzkow ritter vom geist 1, 62 (W. H. Riehl deutsche arbeit 194, etwas andres aber ist der bettelstolz, der mehr wegwerfenden sinn hat, trotz Jean Paul 12, 17, s. th. 1 sp. 1732); (der Grieche) immer noch ein feinfühlender mann, der sich den stolz höherer bildung gegen die barbaren bewahrte Freytag bilder 1, 105; wer den muth und stolz entsagungsvoller arbeit nicht kennt, der taugt nicht zum arbeiter, und woher soll ein socialist diesen muth und stolz nehmen. sagt ihm doch sein dogma, dasz dieser muth nur feigheit und dieser stolz nur dummheit sey! W. H. Riehl deutsche arbeit 273; lange bekämpfte Gabriel ihren stolz der selbstbedienung vergeblich; es war als stecke der geist einer ganzen englischen commune in der frau: sein eigener herr sein heiszt sein eigener knecht sein Kürnberger novellen 3, 9; auch:

in zwei worte (ist) alles
gepreszt, was des verdienstes stolz dem stolze
des glücks entgegensetzen kann
Schiller 5, 2, 218 (don Carlos 2, 5).

sogar: wenn ich mir itzt das goldne gepränge, die trophäen, den stolz meiner kriegerischen tage zurück erkaufen könnte Gerstenberg Ugolino (4) 247 nat. lit.
d) in der bildlichkeit, so der ethischen landschaft: stoltz und hoffart ist der brunnquell aller laster Hohberg georgica 3, 133b; stolz, der zuweilen eine quelle sittlicher empfindungen wurde Freytag bilder 1, 106;

der urquell deiner sünde war der stolz
Raupach dram. w. ernster gattung 2, 41;

ich weisz, dasz ich im moor versinken werde,
wenn nicht der wolf zuvor verschlang den blinden;
auch droht des stolzes klippe mir, die jähe.
herr, gib mir, dasz ich sehe!
A. v. Droste-Hülshoff 3, 25;

als einen in stolz und hochmuth ertrunkenen Leipzig. avanturieur 1, 6;

da noch ich sang des stolzes mutge triebe
und jenen brennenden nach ruhm und liebe
Platen 1, 68;

vgl.

haben deiner treue rosen sich als dorn den stolz erlesen?
sind der liebesgöttin tauben wie der Juno pfau geworden? 1, 142,

und sonst in concreter vorstellung, so im sprichwort: mit armer leute stoltz wischt der teufel seinen arsch Kramer dict. 2 (1702), 983b. sogar: umgürte dich (an die lady) mit dem ganzen stolz deines Englands — ich verwerfe dich — ein teutscher jüngling! Schiller 3, 387 (kab. u. liebe 1, 7).
3) die genauere begriffsbestimmung von stolz wird durch die zusammenstellung mit entsprechenden begriffen erleichtert und befördert:
a) mit solchem moabitischen stoltz und hohmut Luther 30, 2, 31 Weim.; ye grösser narr, ye grösser stoltz und hochmt S. Franck sprüchw. 1, 159b; stoltz und hochmuth kompt vorm fall Lehmann florilegium politicum 1, 57; aber stolz und hochmuth kamen über ihn, in seinem hause muszte alles seiden, silbern und golden sein. brüder

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Grimm deutsche sagen 1, 81; ganz rot vor freude, stolz und hochmut Keller 5, 92;

desgleichen auch der stoltze pfaw:
sein stoltz und hoffart man anschaw!
Spangenberg ganskönig 362;

mit grosser hoffart und stoltz Xylander Polybius (1574) 73. — viel mehr stoltz und vbermut Fronsperger kriegsbuch 1, T 6; jugendlicher leichtsinn, stolz und übermuth Göthe II 6, 158 Weim.; sich durch das glück nicht zu stolz und übermut verleiten (lassen) E. Th. A. Hoffmann 14, 154;

wer sein lust setzt auf stoltz und vbermuht,
und darinnen sucht sein freud und muht, ...
der macht vber jhne ein eygen ruht,
und kompt endtlich umb seel, leib und gut volksbuch vom doctor Faust 21;

wer hat die Römer darumb bracht?
ihr vbermut, stoltz, grosze macht.
woher kommen grosz krieg und streit,
verderbung vieler land und leut?
aus groszem pracht und vbermuth,
dann stoltz, verachtung thun kein gut
Eyering proverb. copia 3, 30;

sein hoffart, stoltz und vbermuth,
soll jhm nicht in die läng thun gut
Spreng Ilias 1, 5b;

stolz, übermut und pracht währt in die länge nicht;
wenns glas am hellsten scheint, fällts auf die erd und bricht
P. Gerhardt gedichte 1, 9 Ebeling;

yhr vermessenheit und stolz Luther 34, 1, 567 Weim.; alle leichtfertigkeyt, überfls und stoltz S. Franck beschreibung der Turckey (1530) D 2a. —pracht und stolz: so leben, als woltestu gerne alles allein zu dir reissen, deinen pracht und stoltz aus zu furen Luther 32, 450 Weim.;

ehr und gut ursacht stoltz und pracht,
der stoltz und pracht hoffertig macht
Kirchhof wendunmuth 2, 19;

doch ire feind zu grunde gahn,
die sich allein verlassen han
auf iren gwalt und grosze macht,
kriegt haben aus stolz, muet und pracht
Hans Sachs 18, 96 Keller-Götze;

nur auf hoffart, auf stoltz und pracht
gibt unser welt am meisten acht.
das gantze väterliche erbgut
an schöne kleider hengen thut,
pranget darin gleich wie ein pfaw.
niemand ist der auf demuth schaw
Olorinus ethographia mundi B 5b;

ohn allen stoltz und pracht
Zinkgref auserles. ged. 10 neudr.;

(er) verwirft mit freuden und verlacht
der welt verkehrten stoltz und pracht
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 370;

stoltz, übermut und pracht währt in die länge nicht 3, 368;

auf stoltz, auf pracht,
drauf hat man acht
Heinichen generalbass X 3.

auch: mit stolz und prangen Dietr. v. d. Werder rasender Roland (1636) 134.
b) stolz, eitelkeit und selbstliebe Klinger werke 3, 58;

wer stoltz und eigenliebe nährt
Günther ged. (1735) 41;

zu strenge tugend heiszt nicht tugend mehr;
stolz, prahlsucht, nennt der kluge weltmann sie
Ayrenhoff werke 2, 317.


c) neben der leidenschaft des zornes, trotzes u. s. w.: wir hören aber ..., das auch jr hohmut, stoltz und zorn grösser ist denn jre macht Jesaja 16, 6 (Petrasch lustspiele 1, 585); als ich aufblickte, fuhr ein strahl von stolz und zorn aus seinen augen Storm 1, 154. — mundus trotz und stoltz, da mit ghets zu scheittern und verleuret got dazu Luther 27, 244 Weim.; (es gab zeiten,) wo er sich so unsinniger dinge vermasz, dann nämlich, wenn der alte stolz und trotz wieder in seinem herzen aufstiegen Aurbacher volksbüchlein 16; in dem unglücklichen weibe kämpften stolz und trotz und nagende pein W. H. Riehl nov. 2, 49; (die) leise zusammengezogenen dunklen brauen gaben dem blassen gesicht (des knaben) ... einen ausdruck von finsterem trotz und stolz Spielhagen werke 1, 6;

trotz, mutwil, frevel, list, untrew
und stoltz ist bey jhnen nicht new
Hollonius somnium vitae humanae 653;

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trotz ist es
und bitterkeit und stolz, was ihre wünsche
so wütend nach der mutter zieht
Schiller 5, 2, 181 (don Carlos 1, 5);

stolz und trotz ist eure tugend,
unsre — tragen und entsagen
Weber Dreizehnlinden 210,

bey ihrem stoltz und halsstarrigkeit Chemnitz schwedischer krieg 2 (1653), 68;

das (nämlich dasz sie einen andern liebt) machet ihr stolz und ihr eigener sinn,
weil ch ihr nicht schön und nicht reich genug bin
Mittler volkslieder 648;

vgl. noch edle empfindungen wechseln (in der arabischen poesie) mit harten gesinnungen, insonderheit des stolzes und der rache (ab) Herder 16, 13; voll tück und stolz Bürger 302 Bohtz;

du folgst nicht königen, die stoltz und wuth erhitzen
Pietsch ges. schr. (1740) 55,

tyrannen raubt sie (die liebe) stolz und wuth,
den helden lust und kraft zum streiten
Hagedorn poet. w. 3, 36;

wohl ach! weiszt du, wie ich zärtlich,
frei von jener stolz und groll,
liebte dich
Herder 25, 151.


d) neben begierden wie eigennutz, neid, geiz u. s. w.: stolz und egoismus Thibaut notwendigkeit eines allgem. bürgerl. rechts 419; eifersucht und stolz Eschenburg beispielsammlung 8, 49; aus mutwillen, stoltz und geitz Amadis 1, 51;

kann doch weder stolz noch geiz
in dein starkes herze dringen
Gottsched gedichte 1, 232 (s. bei
Göthe 16, 195 den aufzug der vier weltalter in den maskenzügen).

vgl. auch: o wie grosz ist der stoltz, so allein aus dem geitz entspringet, dasz sich niemand an dem, so gott der herr reichlich und vberflüssig bescheret hat, will ersättigen lassen Moscherosch gesichte 2, 86. — von dem neide und stolze Schwabe belustigungen 1, 415 (Grob dichter. versuchg. 30).
e) neben torheit, unwissenheit u. s. w.: usz groser dorheit und stoltzs (!) Gebweiler beschirmung des lobs Marie (1523) 9a; manchmal ist es stolz, manchmal dummheit, zuweilen verblendung, was sie abhält, gewisse namen und handlungen anzuführen Th. Abbt 6, 1, 2, denn:

torheit und stolz
wachsen auf einem holz

(die schwalbe,) ein fürbild der leichtfertigkeit und stoltzes Prätorius winterflucht (1678) 232. — mit so viel unwissenheit als stolz auftreten Scheibe crit. musicus c 1;

ihn (den ceremoniell) haben in der neuern zeit,
zum troste hirnbedürftger thoren,
die langeweile, der verdacht,
unwissenheit und stolz gebohren
J. A. Ebert episteln 57;

vgl.

da reiten sie hin! wer hemmt den lauf!
wer reitet denn? stolz und unwissenheit
Göthe 3, 241 Weim.


f) gegensätzlich zur demütigen gesinnung: wo stoltz ist, da ist auch schmach, aber weisheit ist bey den demütigen spr. Salom. 11, 2; allein niederträchtige demuth ist eben so schändlich zu fliehen, als stolz und hochmuth Schiller 1, 21; in unsrem gefühl für das universum mischt sich stolz mit demuth, freudigkeit mit ergebung Strausz schr. 6, 95; fleisz und demuth sind besser als faulheit und stolz Lagarde deutsche schr. 80;

gib seine (Jesu) demut mir zum schutz,
der mich für stoltz behütet
Joh. Heermann bei
Fischer-Tümpel 1, 280;

wo giebt es noch einmal zwei dinge so entgegengesetzt und doch so nahe verwandt ... wie bescheidenheit und stolz? Ebner-Eschenbach 1, 45;

die muse, die ihn führt, hasst stoltz und niedrigkeit
Lichtwer Äsopische fabeln 89.


g) seine innere berechtigung wollen anerkennen zusammenstellungen wie: z solcher gewalt und stoltz (kommen) (vom machtzuwachs einer regierung) Sleidanus reden 93; bei einfachen nationen sind diese töne durch nationalgesänge gegeben, die mit gewissen lieblingsgegenständen des stolzes und väterruhms sich (des herzens bemächtigten)

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Herder 12, 180; stolz und würde Schiller 4, 6; stolz und heroische kraft Fr. v. Schlegel werke 2, 9; habt ihr nicht einen funken stolz und scham in eurem herzen? Novalis schr. 2, 103 Minor; stolz und ehrgefühl (Keller 2, 58): redendes zeugnisz des stolzes und selbstgefühls der arbeiter jeglicher art W. H. Riehl deutsche arbeit 152. — das feine gesichtchen strahlte ganz von stolz und anmuth Storm 1, 65; lust und stolz auf allen gesichtern Keller 6, 80.
4) ein adjectiv hilft zur weiteren charakterisierung:
a) ein edler stolz (une noble fierté Schwan dict. 2, 724a) eine steigerung, welche recht eigentlich dem 18. jahrh. aufgegangen ist: aus einem edlen stolze (herflieszen) Dusch verm. schr. (1758) 97; der edle stolz, womit der verfasser sich über den beyfall der leser erklärt Gerstenberg Hamb. neue zeitung 95 lit. denkm.; bey ausarbeitungen habe vor augen zutrauen auf dich selbst, edlen stoltz und den gedancken, dasz andere nicht besser sind als du, die deine fehler vermeiden und dafür andere begehn, die du vermieden hast Lichtenberg aphor. 2, 120, 174; einen jungen prinzen mit edlem stolze und grundsätzen wafnen Knigge roman meines lebens 1, 75; einen edlen stolz und entschlossne dreistigkeit (behaupten) Bahrdt gesch. seines lebens 1, 13; jener edle stolz des bürgers, der für eine freiheit ficht Dahlmann gesch. der französ. revolution 79. auch: ein edler stolz der gleichheit Bettine dies buch gehört dem könig 1, 132.

den edlen stolz, dasz du dir selbst nicht g'nügest,
verzeih ich dir
Göthe 10, 7 Weim. (Iphigenie);

du, der mein innres kennt, seitdem ich athme,
verlangst, dasz ich den edlen stolz verläugne,
den dieses freie herz von je bekannt?
Schiller 15, 1, 19 (Phädra 1, 1);

wohl mag in königsnähe rühmlich reiten,
wem also edler stolz den busen schwellt
Fouqué altsächs. bildersaal 1, 271;

die dichter (der alten), die sich ihrer schönen macht, unsterblichkeit zu besitzen und andern verleihen zu können, bewuszt waren, feuerten sich mit dem edelsten stolz an Herder 16, 30;

ihr fühlet,
was ihr besitzet. der edelste stolz hebt
über den nachbar, völker! euch auf
Denis lieder Sineds des barden 92.

auch: dürftigkeit spornt zu fleisz und arbeit an, bewahrt vor mancher zerstreuung und flöszt einen nicht unedlen stolz ein Jacob Grimm kl. schr. 1, 5. — hierher noch in einem allgemeineren sinne königlicher stolz (Welcker alte denkm. 1, 291).

hier zum letzten male lodere meiner
seele königlicher stolz, ich will ihn
bald als büszerin im grab versöhnen!
Platen 2, 264 (Abbassiden 4);

auch:

(göttinnen) sind eine gute art von frauen,
ihr hoher stolz sitzt in der miene nur
Wieland 10, 173;

habt ihr nicht höhern stolz, als hier
landammann oder bannerherr zu seyn
und neben diesen hirten zu regieren?
Schiller 14, 309 (Wilh. Tell 2, 1);

mit dem ruhigen stolze eines glücklichen besitzers Immermann 2, 102; gravitätischer stolz (Keller 1, 200); mit würdigem stolz Schleiermacher II 4, 48; in seinen (des erzengels) augbrauen las man einen ungezähmten muth und einen gesezten stoltz, der auf rache laurete Bodmer crit. poet. schr. 1, 36. — mit dem ton des liebenswürdigsten stolzes Mörike 3, 55;

ein holdes mädchen wird mit sprödem stolze
von einem jüngling, den sie liebt, verschmäht Shakespeare 1, 208 (sommernachtstraum 2, 1);

ein löblicher stolz Göthe 25, 60 Weim.; einen erlaubten stolz (einpflanzen) Zimmermann von dem nationalstolze v; mit bescheidnem stolz Fr. v. Schlegel werke 4, 23;

(den spanischen boden,) den ich noch nie mit so gerechtem stolze
mein vaterland genannt, als jetzt
Schiller 5, 2, 166 (don Carlos 1, 4),

heute berechtigter stolz. — die empfindung eines wahren und echten stolzes O. Jahn Mozart 4, 177; die leute unterlassen nichts, mir meinen guten goldnen stolz in die

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schlechte kupfermünze der eitelkeit umzuschlagen Levin Schücking an A. v. Droste-Hülshoff 16.
b) der natürliche stolz u. ä.: wenn uns der natürliche stolz — so nenne ich die erlaubte schäzung unsers eigenthümlichen werths — in keinem verhältnisz des bürgerlichen lebens verlassen soll, ... Schiller 3, 509; der angestammte stolz (wird) sich herrlich zeigen Immermann 2, 25; seinen angeborenen stolz vorkehren Mörike 3, 52;

denn du verlachst, o rath der götter,
den sterblichen stolz aus deinen höhn
Kretschmann werke 1, 123;

der könig, dem es auszer seinem persönlichen stolz an einem gefühl der pflicht und ehre nicht fehlte Herder 23, 44; beleidigter jungfräulicher stolz Holtei erz. schr. 3, 11 (Klopstock oden 1, 36);

jugendlicher stolz,
der eine rolle spielen möchte
Schiller 5, 2, 251 (don Carlos 2, 10);

junger stolz (Schnitzler der grüne kakadu 53).
c) unleidlicher stolz u. dgl.: aber deinen unleidlichen stoltz und unmässige hoffart können wir nicht gedulden Fischart bienenkorb (1588) 3a; ein volkshaufe ist ... im glück von unerträglichem stolz Joh. v. Müller 1, 83; ein ungemessener stolz O. Jahn Mozart 3, 166; einen unbändigen stolz (haben) Heer könig der Bernina 249; der ärgste, der schlimmste stolz; auch entsprechend in der verbindung mit höllisch (th. 4, 2 sp. 1758);

der fünfte denket allezeit, tag und nacht,
auf hohen muht, auf hellischen stoltz und pracht
Neumark fortgepfl. musik. poet. lustw. 1, 158;

ein verfluchter stolz Göthe IV 1, 124 Weim.; der aufgedunsene stolz der Asiaten Wieland Agathon 1, 261; das ausgesprengte gerücht des ausschweifenden stolzes dieser königlichen familie schien andern alle lust zu benehmen, sich ebenfalls gedemütigt zu sehn Novalis schr. 4, 80 Minor (vgl. Lessing 17, 26). farbloser ist der grosze stolz vgl. (sich) den vorwurf eines groszen stolzes zuziehen Kästner briefe (1912) 54.
d) schlagwortartig aber wirkt als gegensatz zu der ganzen eben angeführten gruppe kleiner stolz, der sich bescheiden führt, nicht übermüthig ist, und in einem allgemeineren sinne als der demüthige stolz (vgl. klein th. 5 sp. 1099 unter II 6 c δ, dann auch in dem sinne von 'kleinlich, verächtlich'): wir widerlegen immer die am liebsten, aus denen wir das meiste lernen. aus einem kleinen stolze, meine ich, dasz wir doch etwas besser wissen, als sie Lessing 10, 324; mit einem kleinen stolze (blickte Wilhelm) auf das glück, das ihn geleitet und begleitet hatte Göthe 22, 8 Weim. (s. auch den beleg IV 31, 265 unter 6 e; vgl. DWB du sprichst sehr sicher, ja allzukühn, dafür soll dein stolz so klein wie ein hündchen werden 43, 305 Weim.);

(Sylvia:) er soll sein zärtlich herz mir nur vollkommner zeigen.
(Galathee:) diesz ist ein kleiner stolz.
(Sylvia:) ein kleiner stolz ist gut;
er mehrt des schäfers leid, doch auch des schäfers
glut
Gellert 3, 320;

ich seh an diesem neid, wie mich mein liebster schätzt,
und meinem kleinen stolz wird alle qual ersetzt
Göthe 9, 7 Weim.;

auch: leute von kleinem stolze Bürger briefe 1, 260. — heute mit bescheidnem stolz Weber Dreizehnlinden 14. — dagegen tadelnd: sie hoffen auf mitleid, aber auf ein beneidendes, das wesenloseste geschöpf des kriechenden stolzes Lichtenberg aphor. 3, 215, 16.
e) die göttin (Nemesis), der jeder freche stolz gegen lebendige und todte gräuelt Herder 15, 398;

du auch, o atheist! leg ab den frechen stolz!
Triller poet. betrachtungen 2, 67;

mit dreistem stolz Lessing 8, 33; edler der kühne stolz:

so möcht ich selbst in künstlichen sonetten,
in sprachgewandter masze kühnem stolze,
das beste, was gefühl mir gäbe, reimen
Göthe 2, 255 Weim.;

mit kühnem stolze schweift ihr blick herum
A. v. Droste-Hülshoff 2, 225 (Walther 4);

doch auch: eines dummkühnen stoltzes beschuldigen discourse der mahlern 1, 3. — den anforderungen des alten

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hofes jederzeit trotzigen stolz (entgegensetzen) Eichendorff 2, 443. — niederträchtiger stolz maler Müller 3, 263; der unselige stolz erstickte jeden laut der liebe Hölderlin ges. dicht. 2, 94. — (dieser geist) des übermüthigen stolzes Herder 17, 13; seinen hochfahrenden stolz (bändigen) Freytag 14, 35.
f) leerer stolz (Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 62) u. s. w.:

schütze mich vor eitelm stolze, der sich bey dem gut erhebet,
das dem sterblichen besitzer deine milde nur geliehn
Hagedorn poet. w. 1, 4 (vgl.
Schönaich Heinrich der vogler [1757] 5);

mit einer fülle von dürftigem stolze Bodmer crit. poet. schr. (1741) 1, 61; wegen des armseligen stolzes Zimmermann über die einsamkeit 1, 74; mit eben dem tadelhaften stolze, womit der grosze gelehrte den minder belesenen zu verachten pflegt J. J. Engel schr. 1, 27. — seinen schnöden stoltz (aufdecken) discourse der mahlern 2, 127; dieser traurige stolz der eigenliebe Adelung magazin 2, 4, 4; sich durch seinen elenden stolz lächerlich (machen) Risbeck bei O. Jahn Mozart 2, 10. — träger stolz Gottschedin briefe 1, 261;

oft trotzet fauler stolz auf ein erschlichnes amt
Kästner verm. schr. 1, 108;

aus der höflichkeit wird persifflage, ... und aus der persifflage, dummer stolz Lessing 9, 360;

der groszen dummen stolz muszt du gebückt ertragen
Gottsched neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 1, 262;

schriftsteller, voll pedantischen stolzes Nicolai Seb. Nothanker 1, 131; seine güte war in schwachheit, seine thätigkeit in alfanzerey, seine grösze in abentheuerlichkeit, und in jenen närrischen stolz ausgeartet, der kaisern, königen, herzogen und fürsten nichts vorauslassen wollte Müller Siegfried von Lindenberg 1, 43; (grundsätze,) die sich nicht auf lächerlichen stolz gründen Seume 2, viii (vorr.).
g) beleidigter stolz u. s. w.: (sie) schreiben mit aller der reizbarkeit des beleidigten stoltzes, die wenigstens witzig ist, wenn ihr gründlichkeit und ernst fehlen musz Lichtenberg aphor. 3, 259, 21 (Göthe 47, 273 Weim.; Pfeffel pros. versuche 7, 51); (leute,) die aus gedemüthigtem stolz oder blinder hitze immer eine meile über oder unter der wahrheit nisten Lichtenberg aphor. 3, 289, 10; ihr gekränkter stolz, ihre zurückgedrängte eigenliebe Klinger werke 8, 104 (Lichtenberg aphor. 3, 292, 32); endlich sagte sie mit einer stimme, in welcher empörter stolz mit gern ertragener demütigung rang: ... Keller 4, 53;

empfindlichkeit — gereizter stolz — nichts weiter!
Schiller 12, 78 (Piccolomini 1, 3);

der verachtende stolz, womit die siegenden deutschen völker auf die unterworfenen Römer herabzusehen pflegten Savigny geschichte des römischen rechts 1, 126; es wechselten beleidigender stolz und knechtische unterwürfigkeit Raumer geschichte der Hohenstaufen 4, 68; (gott) belohnt sie mit berauschendem stolze für ihre mühe mit den wissenschaften Bettine frühlingskranz 77; vor dem anklagenden stolz seines blickes (zurückweichen) Ranke werke 4, 39. — der ehrbegierige stoltz der pferde Breitinger crit. dichtkunst 1, 404; von seiner in ehrfürchtigem stolze aufgelöseten schwester Holtei vierzig jahre 1, 24; Tilly verglich, als er einzog, die zerstörung von Magdeburg in schauderndem stolz mit der von Troja und Jerusalem Hebbel I 9, 116; dem eingebildeten stolz des vornehmen fräuleins die komische seite (abgewinnen) O. Jahn Mozart 1, 372; auch mit neugierigem stolze Arnim 3, 309;

der letzte könig
ward, wie ihr wiszt, durch Fortinbras von Norweg,
den eifersüchtger stolz dazu gespornt,
zum kampf gefodert Shakespeare 3, 145 (Hamlet 1, 1);

ein ungläubiger stolz Steinbach 2, 721; unhöflicher stolz (Gottl. Stephanie d. jüng. lustsp. 191, vgl. Göthe 5, 235 Weim.); weit von dem unfreundlichen stolz entfernt Laroche fräulein von Sternheim 1, 48; mit gnädigem stolz (auf einen herablächeln) E. Th. A. Hoffmann

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6, 133. — das kleine (bei den führern standhaft ausharrende) häuflein sahe sich mit traurigem stolze an Fouqué zauberring 3, 55; in freudigem stolz ... erglühend 1, 200; nicht ohne einen anflug freudigen stolzes (sich umsehen u. s. w.) Fontane I 1, 12; (ich) empfand beinahe eine art glücklichen stolzes, in einer so traurigen lage zu sein Keller 2, 76;

ich sah mit stillem stolz die andern mütter an,
weil sonst kein jüngling war, der that, was du gethan
Cronegk schriften 1, 173.


h) besonders geartet: ein geistlicher stoltz, der ergste stoltz Fr. Wilhelm sprichw. register (1577) y 2; es entstand bei frommgesinnten ... ein geistlicher stolz, der es dem natürlichen an erhebung auch wohl zuvor that Göthe 33, 210 Weim.; keine art von geistlichem stolz Schleiermacher I 5, 110; mit härte, hoffahrt und geistlichem stolz eine hierarchie aufzubauen (suchen) Ritter erdkunde 1, 220; wir glauben, dasz das gute überall in der tiefe liege, selbst beim pharisäer ... in seinem geistlichen stolze Pückler briefwechsel 1, 103; in der tiefe ihres geistlichen stolzes Ranke werke 15, 55. — mit so frommer galle, mit einem so pietistischen stolze Lessing 8, 15: der fromme stolz der mehrsten gestifteten orden J. G. Jacobi 1, 109. — priesterlicher stolz (Wieland Agathon 1, 304); in einer aus dem vorigen abgeleiteten allgemeineren verwendung: Gren in Halle hat, indem er sich unsern unschuldigen optischen beiträgen mit pfäffischem stolz und heftigkeit widersetzte, eine ... tabellarische darstellung mit buchstaben ausgearbeitet Göthe II 2, 266 Weim.in socialer wendung: fürstlicher, adliger, bürgerlicher stolz u. s. w.: den adelichen stolz in einen auf ahnen oder gar in deren verdienste zu setzen, ist ganz kindisch und dumm. denn wer hätte denn keine ahnen? Jean Paul flegeljahre 2, 119; zur besonderen charakterisierung der protzenhaftigkeit dient der bäurische stolz: die kleider solten unsere schanddeckel seyn, so sind sie nun eine materie, damit wir unsern bäurischen stoltz und satanische hoffart unverschämbt treiben Prätorius anthropodemus plutonicus 1, 276. — völkisch und staatlich gewendet: ein undeutscher stolz (Göthe 46, 96 Weim.); mein germanischer stolz Körner 1, 114. — ein ewiges denkmal des römischen stolzes Schmidt gesch. der Deutschen 1, 60; in den texten zu Piranesis kupfern ... spricht der römische stolz Justi Winckelmann 2, 1, 246; jener echt spanische stolz auf den besitz des wohlgeführten schwertes Mommsen röm. gesch. 2, 13. — republikanischer stolz Georg Kerner in Kerners bilderbuch 85; ein höchst demokratischer stolz Freytag bilder 1, 94. — mit patriotischem stolze (hervorheben, sagen) Scherer litteraturgeschichte 118 (kl. schr. 1, 8).
5) in präpositionaler fügung:
a) durch: (einen) durch den stolz schrecken J. J. Schwabe volleingeschancktes tintenfässl (1745) 27; Dagobert, durch den stolz eines herzogs ... beleidigt brüder Grimm deutsche sagen 2, 58. — in dem sinne von unten aus:

(ein freund,) der nicht ein edles blut durch stolz und einfalt schimpft
Gottsched gedichte 1, 390;

Jesus, aller welten erbe,
er verliesz des vaters schoosz,
nicht durch stolz, der gott entehret
Schubart gedichte 2, 274.

mit: (winde, welche) mit stolz ... herfür brausen Butschky Pathmos 105; lieder, die sie (die Israeliten) singen, mit stolz und freude Herder 12, 76; mit stolz auf uns herabsehn Klopstock gelehrtenrepublik 7; als Heyne der aufgebürdeten lächerlichkeit zurücknahme mit stolz weigerte Voss antisymbolik 2, 12; mit stolz (etwas zurückweisen) Arnim 15, 213; wenn er mit vielleicht partheiisch erscheinendem stolze seines erzeugers gedenkt Gaudy 13, 16; als seine majestät der kaiser vor einigen jahren im Elsasz war, erschienen alle jungen leute, die gedient hatten, ... mit der rothen dienstmütze und trugen sie mit stolz Moltke ges. schr. 7, 79 (Gottsched ged. 1, 294); mit stolz (etwas versichern) Fontane romane (1890) 7, 14; (doctoren,) die mit stolz von ihrer fünfzigjährigen erfahrung sprechen, nachdem ihnen jeder einzelne,

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wenn irgend möglich, gestorben ist I 5, 75; (einen namen) mit stolz führen W. H. Riehl deutsche arbeit 264; wie alle reformatorischen köpfe Englands ... fühlte er sich mit stolz als ein Angelsachse Treitschke hist. und pol. aufsätze 1, 7; etwas mit stolz zeigen (O. Peschel völkerkunde 331); eines gegenstandes mit stolz sich rühmen (Scherer litteraturgesch. 117);

o! ihr baut auch oft in wind!
sagt, was eure schlösser sind,
die ihr euch so hoch erbaut
und mit stolz beschaut? (
Chr. Fel. Weisse) lieder für kinder (1767) 1 (das kartenhäuschen);

vom sarg des vaters richtet das volk sich auf,
zu dir sich auf, mit trauer und stolz zugleich
Platen 1, 165 (an könig Ludwig 1825).

stärker hinweisend und erläuternd: die summa aber alles, was Antiochus aus dem tempel geraubet hat, sind achtzehen hundert centner silbers, die nam er mit sich, und zog flugs gen Antiochia, mit einem solchen stoltz und hoffart, das er gedacht, er wolt nu die erden machen, das man darauf schiffte, wie auf dem meer, und das meer, das man darauf wandelet, wie auf der erden 2. Maccab. 5, 21; eine Pulcheria, die ... mit einem stoltze spricht, der ihrer geburt anständig ist Ramler einleit. in die schönen wissenschaften 2, 269; mit dem gewöhnlichen (gewohnten) stolz sagen u. s. w. vgl. Lichtenberg briefe 2, 238; kein wunder, dasz der hofbesitzer mit besonderem stolz auf seinen misthaufen sieht Meyr erzählungen aus dem Ries 1, 71;

denn eher stürzt sich in die höle
der pest ein Curtius hinein,
als länger, mit dem stolz der seele,
was jeder andr' ist, auch zu seyn
Gökingk gedichte 23;

mit dem stolz der unschuld einen anblicken (Müllner dramat. werke 1, 131 schuld 4, 3); (ich) kehrte jedoch mit dem stolze eines verarmten Hidalgo dem hause den rücken und wanderte weiter Keller 3, 54.
aus: (der bericht genes. 11,) dasz Nemroth mit seinem folck usz seinem stoltz vermeint ein semlichen hohen thurn z buwen, uff das, ob schon got der her abermals die welt umb irer sünd willen wolt mit einem wassergusz oder sintflusz verdilcken, dasz er möcht sicher sein, und in die höhe des thurns empfliehen Gebweiler beschirmung des lobs Marie (1523) 8b, vgl. DWB aus lauter stoltz ... einen babylonischen thurn erbauen Dannhawer catechismusmilch 1, 2b; allein aus stoltz, pracht, rachgierigkeit einen ... under sich zwingen Kirchhof militaris disciplina (1602) 4; die reichen aus muth und stoltz, so das geld zu verursachen pflegt, sich miteinander nicht betragen können Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 1, C 7a; alles dieses sage ich ihnen aus wahrer aufrichtigkeit, und nicht im geringsten aus einem kritischen stolze Gellert 4, 176; es geschiehet nicht aus stolz über deine errettung sammlung von schauspielen 1, 11; es musz eine zeit kommen, wo der mensch schon auf der erde die meisten thränen abwischt, und wär es nur aus stolz! Jean Paul Siebenkäs 2, 62; aus stolz einen nicht kennen wollen; auch: die (Shakespeare, Johnson u. s. w.) er (Gottsched) hernach aus stolz auch nicht hat wollen kennen lernen Lessing 8, 43; rohe unwissenheit aus stolz Schopenhauer werke 1, 93;

disz hast leicht bisz her nit gethan,
sonder dich hochmütig gehalten
bey fraw und man, jungen und alten,
und sie gleich ausz eim stoltz veracht
Hans Sachs 14, 136 Keller-Götze;

aus stoltz wird er (Thersites) nit bald hernach
den fürsten mehr zulegen schmach
Spreng Ilias (1610) 18a;

doch was ihr andre lehrt, das thut ihr selber nicht:
ihr seydt auf unser heil meist nur aus stoltz bedacht;
und ihr verdammt euch selbst, weil ihr uns seelig macht
Chr. Warnecke poetischer versuch (1704) 222.

vor: für groszem stoltz zittern, pfausen tremare, buffare, buffare di orgoglio (boria) Kramer dict. 2, 983b; der vor stoltz aufgeblasen ist qui supercilio tumidus est Steinbach 2, 721; vor stolz zerbersten (müssen) Müllner dramat. w. 5, 264; in der redensart: dei' bruader stinkt vor stolz (d. h. er ist übermäszig stolz) Hügel Wiener dialect

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158a. —von: mit einer anwandlung von stolz Schubart leben und gesinnungen 2, 31;

nicht von stolz noch eitelkeit getrieben,
kleidt er den nackten dann
Hölderlin ges. ged. 1, 35.


b) an: (es) hat sich ein ehrlicher man an solchem stolze (dieser gelehrten) nicht zu keren Bellin rechtschreibung (1657) b 2a; die qual erlahme an meinem stolz! Schiller 2, 163 (räuber 4, 5). —in: o wie elend sind wir in diesem stolz, auf den wir so stolz sind Bettine dies buch gehört dem könig 1, 300; empfindungen eines, in seinem stolze gekränkten patrioten Ebner - Eschenbach 4, 89. —bei:

warum soll denn Germania, ...
bey fremder völker stolz, allein verschmähet sinken?
Gottsched neueste gedichte (1750) 14.

wegen: man hatte mich ersuchet, den hrn. prof. Philippi dieses frevels und stolzes wegen zu züchtigen Liscow sat. ernsth. schr. (1739) 26 (vorr.).
c) ohne stolz geht gerne auf geleugneten 'hochmuth': die erzählung des inhalts musz einfältig, deutlich, ohne pracht, ohne stolz seyn Ramler einleit. in die schönen wissenschaften 2, 110; würde ohne stolz Göthe 21, 42 Weim.; ich musz mich schämen vor Luzie, die mich demüthigte ohne stolz Fr. H. Jacobi werke 1, 78; ein redlicher dichter kann viel wagen, denn die kunst, die ohne stolz und frevel, bespricht und bändigt die wilden erdengeister, die aus der tiefe nach uns langen Eichendorff 3, 150;

die noch warmes herzens, ohne falschheit sind,
ohne stolz im purpur
Ramler lyr. gedichte (1772) 154.

dagegen ethisch geläutert: denn ich bin nicht ohne stolz auf selbstgeschaffene selbständigkeit Pückler briefw. 6, 57; nicht ohne einen gewissen stolz (etwas sagen) Fontane I 2, 78.
d) der stolz auf etwas (vgl. oben stolz adj. 9 c β sp. 255) spiegelt leicht ein berechtigtes gefühl und hält sich fern von hochmuth u. dgl.: eifersucht, gefühl der ehre, stolz auf ihr geschlecht und ihren vorzug Herder 5, 130; wie der stolz auf unsre eigne sprache, der oft noch schlummert, einmal heller wacht Jac. Grimm vorr. zum wb. xxviii; jener nicht unedle stolz des Franzosen auf seine europäische bedeutung verlor plötzlich allen halt Dahlmann französ. revolution 6; wenn stolz irgend erlaubt ist, so ist der stolz auf ein gutgeartetes kind der erlaubteste Bauernfeld ges. schr. 2, 139; der stolz auf ritterliche herkunft Freytag 18, 14; der stolz auf die armuth als die gröszte arbeitsmeisterin W. H. Riehl deutsche arbeit 119; der stolz der Latiner auf ihre herrliche ... rebe Mommsen röm. gesch. 1, 174; voll stolz auf die getroffene wahl Ebner-Eschenbach 4, 63; doch auch hier sind die grenzen leicht übersprungen: den stolz auf die geburt kennen wir ungebornen nicht Cramer Neseggab 1, 21;

es ist kein stolz so erdentoll wie der auf deines beutels last:
speis alle bettler heut, und sieh, was für das geld du morgen
hast
W. Müller ged. (1868) 2, 163.

seltener (und verblaszter) dafür über: edler stolz über seinen sohn Gerstenberg Hamb. n. zeitg. 283 lit. denkm.; (der schloszherr) führte sie (die kinder) aller orten herum, hatte seinen stolz über sie Stifter 5, 1, 353; bei allem stolze über seine unentbehrlichkeit W. H. Riehl deutsche arbeit 266; ein gewisser stolz darüber (über die nationale einigkeit der partei) Bennigsen nationalliberale partei 54.
e) gegen: groszen stolz gegen einen (gegenüber einem) zeigen; nach griechischen begriffen war der werth eines mannes, eines soldaten, eines helden auf edlen stolz gegen sich selbst, auf ehrerbietung gegen die, so ruhm verdienten, ... gebauet Herder 3, 168; (bei den Deutschen) ein ungemeines gefühl für billigkeit, stolz gegen gröszere und tiefe verehrung vor altem geschlechtsadel Freytag bilder 1, 95.
6) im gefüge verbaler wendungen:
a) den stolz annehmen (vgl. des Horaz sume superbiam!) u. s. w.: sie hatten schon durch wiederholte siege den stolz angenommen, der wiederum zu siegen führt A. v. Haller Usong (1771) 67; da ist ihnen der muth gewachsen und der stolz gestiegen Sattler 295 (Schmidt

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gesch. der Deutschen 1, 521); kindliche liebe wird meinen stolz erheben Iffland theatr. werke 1, 163; auch: den stolz erwecken (Pfeffel prosaische versuche 5, 53), erregen, lebendig machen u. s. w. das herz des guten jungen mit ungeheurem stolz über seine schlauheit ... erfüllen Raabe I 2, 160. — um seinen stolz zu befriedigen, einem (andern) ... verächtlich begegnen Gottl. Stephanie d. j. lustspiele (1771) 48. —treiben: die da hoffertig sind, ubermut, frevel und stoltz treiben Luther 16, 343 Weim.; nun wil aber der teufel, dasz wir nichts auf gott geben, sondern unserem eigenen lust und wolgefallen nachleben, in trübsalen fluchen, und zur zeit der wolfart vbermut und stoltz treiben sollen Gretter erklärung der ep. Pauli an die Römer (1566) 744;

ist sie gleich schön zarter gestalt,
dasz sie sich tugendlichen halt,
und treib darmit kein stoltz noch pracht
Hans Sachs 21, 264 Keller-Götze (als lehre für eine jungfrau);

sollichen stolz und vbermut
solt jhr mir in die läng nit treiben
Spreng Ilias (1610) 5a;

den frävel und stoltz, so sye mir in meinem aigentumb anlegen Schaidenraisser Odyssea 5b;

oft hab ich gehort, disz thue nit guet,
in meinen jungen tagen,
wan man braucht stolz und vbermueth lieder auf den winterkönig 97.


b) (viel) stolz besitzen (Lichtenberg briefe 1, 123); den stolz und die energie eines Händel besitzen (O. Jahn Mozart 1, 210); hätte Schubart so viel stolz besessen, als er eitelkeit besasz Strausz ges. schr. 1, 7. — alle leute sagen, er (Campe) habe einen stolz, eine prahlsucht, die unleidlich sein sollen Forster schr. 7, 88; er hat solchen stolz als hausbesitzer Seidel Leberecht Hühnchen 42, deshalb als ein lob keinen stolz haben nicht stolz sein: gar keinen stolz hat er, das ist schön Meisl theatr. quodlibet 1, 112 (vgl. Tieck schr. 1, 179). doch der keim zum sittlichen mangel liegt im kerne beschlossen (vgl. zur sache die entsprechende entwicklung von gemein 4 g über 6 zu 8 — th. 4, 1, 2 sp. 3193 ff.): du hast nur zwei gedanken: angst und vorteil, und hast keinen stolz und keine ehre Fontane I 6, 5; deshalb seinen stolz haben als ein inneres aristokratisches gefühl, welches moralisches rückgrat verleiht.
c) den stoltz ablegen metter giù la superbia Kramer dict. 2, 983b;

sie tritt in die zelle von rosenholz,
und nimmt das braunseidene klausnerröckchen,
legt an die demuth, legt ab den stolz
Brentano 2, 139;

(sie haben) iren stoltz und übermt gegen mir etzwas nidergelassen Hutten 1, 448; den stolz fahren lassen arrogantiam remittere Steinbach 2, 721; den stolz meiden superbiam fugere (ebenda); des stolzes sich entkleiden Mildheim. liederbuch 1; man wird sehr klein und verliert allen stolz auf den geist seiner zeit, wenn man unter diesen antiken, wie in einer götterversammlung wandelt Schubart leben 1, 201; seinen stolz überwinden;

held, vor dessen macht erd und himmel zittern
und das wilde meer seinen stoltz legt ein
Zesen vermehrter Helikon 2, 76;

(Christi kreuz wird angeredet:)

ehrgeitzig holtz,
lasz deinen stoltz!
Schmidt gestrieg. rockenphilosophie 1, 140;

eh es mädchen wagen,
und ihrem zwang und stolz entsagen
Lessing 7, 24.


d) seine sonstige schmälerung und bekämpfung in mannigfacher wendung: das ich ewrn stoltz und halsstarrigkeit breche 3. Mos. 26, 19; in widerwertigkeit wird uns der stoltz gebrochen Fr. Wilhelm sprichw. register y 2;

dein feinde, die dir widersprechen;
den kanst ir stoltz und hochmut brechen
Hans Sachs 1, 337 Keller;

nun ist euer stolz gebrochen!
Gottsched gedichte 1, 310;

ich wil dir den stoltz legen retundam tibi tumorem Alberus (1540) JJ 2b (Micrälius altes Pommerland 1, 51); jemandes stolz niederschlagen vgl. Weigand synonymen2 1, 331;

[Bd. 19, Sp. 278]


noch weis ich mittel, die den stolz eines einbildischen starrkopfs so hübsch niederbeugen können — kloster und mauren! Schiller 2, 111 (räuber 3, 1) vgl. Ramler lyr. gedichte 196; miszlich ist für den sieger, den besiegten rivalen zu schonen, denn der stolz desselben ist gebeugt, nicht gebrochen, seinem kühnen muth steht es wohl an, wieder nach freiheit und herrschaft zu streben Freytag bilder 1, 179. — sein stolz war geknickt, sein muth gebrochen Alexis hosen 1, 198;

und wolt ir auch mit kirschenholtz
vertreiben disen poch und stoltz
Hans Sachs 17, 153 Keller-Götze;

gehts wol, treibt man so lang mutwillen,
bis unfall kompt, den stolz zu stillen
Fischart podagr. trostbüchlein 44;

zu lande war die stadt vorlängst schon eingeklemmt
so ihre zufuhr zwar, nicht ihren stoltz gehemmt
Besser schr. 1, 52;

hartnäckig, grimmig war der kampf, bis endlich
Macheth mit unbezwinglich tapferm arm
des Normanns stolz gedämpft
Schiller 13, 10 (Macbeth 1, 3);

schöner Daphnis, deine schwüre
muszten meinen stolz bezwingen
Rückert werke 3, 19;

den stolz des Benvenuto ... demüthigen Göthe 43, 169 Weim.; auch der kaiser wollte von keiner aussöhnung hören, ehe nicht der stolz des herzogs gedemüthigt worden Ranke werke 1, 68; die hochmüthige gönnermiene des czaren beleidigte ihren stolz Treitschke deutsche geschichte 4, 535 (Thümmel reise 8, 121);

dem soll wir lob und ehr drumb sagen,
dasz gott nit thu unsern stoltz plagen
Hans Sachs 18, 443 Keller-Götze;

die verachtung seiner person hatte früh seinen stolz verwundet Schiller 4, 65; ja, ich musz dir sagen, dasz es meinen stolz kränkt, dasz ich so alles von dir fordern soll Schubart briefe 2, 148 (Arnim 7, 9). — (im spiel mit der bedeutung unter 8:) Diogenes gieng in einem schmutzigen aufzug über die prächtigen fuszdecken in den zimmern des Plato. ich trette, sagte er, den stoltz des Plato mit füszen; ja, erwiederte Plato, aber nur durch eine andere art von stoltz Lichtenberg aphor. 2, 26, 113. — hierher noch: ja wahrhaftig, der gedanke ist auch so schmeichelnd erhaben, dasz er selbst den stolz eines weibes betäubt Schiller 2, 111 (räuber 3, 1); den stolz eines schonen vgl. Freytag bilder 1, 123.
e) in einem abhängigen satze wird grund oder absicht weiter erläutert: er habe ... allezeit einen stolz darein gesetzt, sie für die gereinigte lehre gewonnen zu haben Fontane I 6, 404 (Tieck 17, 10; darin Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 137);

ich suche darin meinen gröszten stolz,
treu meiner freunde immer zu gedenken
Tieck 3, 223;

ich hatte den stolz, den knoten ... künstlich lösen zu wollen Hippel lebensläufe 1, 99; der bearbeitende müszte den stolz haben, mit Cooper zu wetteifern Göthe 41, 2, 296 Weim.; so müszte der höchste stolz des kathederlehrers sein, die begriffe so vieler manifestationen in seinen schülern dergestalt zum leben zu bringen, dasz sie für alles gute, schöne, ... empfänglich würden 48, 180 Weim.; eine andre leidenschaft ... war der stolz, für eine bedeutende einfluszreiche person gehalten zu werden 25, 1, 52 Weim.; sein gröszter stolz sei, diese verrichtung gut auszuführen Tieck 2, 26; ich überlasse das ... den geistigen nihilisten, deren ganzer stolz darin besteht, eine sache mehr abgemacht und aus der welt geschafft zu haben, während der geringste handwerker sich freut, ein sichtbares produkt von seiner hände arbeit in die welt setzen zu können Immermann epigonen 1, 1, 6; Calvin lebte in beschränkten verhältnissen von einem unbegreiflich geringen gehalte, jedoch mit dem stolze, niemals eine unterstützung annehmen zu wollen Ranke werke 8, 127;

bewunderung ist mein beruf;
oder nenn es auch stolz, was erhabnes und göttlichs zu singen
Dusch verm. werke (1754) 6;

du kennst die christen nicht, willst sie nicht kennen.
ihr stolz ist: christen seyn; nicht menschen
Lessing 3, 43 (Nathan 1, 2);

[Bd. 19, Sp. 279]


sich dem groszen könig darzustellen ... war sein stolz Göthe 46, 67 Weim.; auf gothischen grund und boden alle vorzüge fremder nationen zu verpflanzen, sollte unser höchster stolz seyn Lenz ges. schr. 2, 322;

wie du zu lieben und zu trinken,
das soll mein stolz, mein leben sein
Göthe 6, 39 Weim.

— der naiv hervorbrechende stolz, einer bevorzugten gesellschaftsschicht anzugehören Meinecke generalfeldm. von Boyen 1, 12; ich hatte solchen stolz, dich zu sehn, dasz ich nicht einmal eifersüchtig wurde Fontane I 5, 154; der stolz, zahllose coupons allmonatlich abschneiden zu können, steht ihnen über aller arbeitsehre W. H. Riehl deutsche arbeit 21;

sie (die pferde) brüsten sich erfreut vor deinem ehrenwagen,
aus stolz, die schönste last der ganzen welt zu tragen
v. König gedichte 29;

ach wenn du dann auch einen beglückteren
als mich geliebt hast, lasz den stolz mir,
einen beglückteren, doch nicht edlern!
Klopstock oden 1, 64;

mit folgendem dasz: der kleine stolz, dasz sie (meine schwiegertochter) ihren freundinnen mit etwas auszerordentlichem (nämlich echtem arabischen kaffee) dienen kann, erhöht den eignen genusz Göthe IV 31, 265 Weim.; da war mein stolz, dasz die kuhwirtschaft in jedem jahr höhern ertrag gab Freytag verlor. handschr. 2, 11; bis jetzt, gott sei dank, ist es mein stolz, dasz noch niemand aus einer verbindung mit mir irgend einen nachtheil gehabt Bismarck gedanken 1, 239. — in parenthese: aber — nenn es nun stolz oder blindheit — ich schreibe nicht blosz, schreibe nicht sowohl für mein zeitalter ... Lavater physiogn. fragmente 1 (vorr.).
f) mit folgeerscheinung: von seiner seite war es stolz, dasz er sich dieses übereinkommen gefallen liesz Langbein schr. 31, 70. — als hinderung: dasz der mann von einer gewissen würde im charakter zu viel stolz hat, sein ganzes wesen ... umzuformen, (ist natürlich) Knigge umgang mit menschen (1796) 4; der stolz hindert mich, etwas zu thun.
7) der stolz als ein beherrschendes gefühl des menschen, mehr und mehr in personificierende sphäre gerückt:
a) aber der lossen evangelischen (also genant) schwirmer gotlossigkeit und stoltz erligt nit Eberlin von Günzburg 3, 164 neudr.; und stillete sich damit etlicher maszen ihr stolz und hochmut Anton Ulrich von Braunschweig Octavia 1, 706;

also will auch ihr stoltz und ihr torrechte raach
dein wort und recht vernichten
Weckherlin ged. 1, 352;

wer weit will, fellt oft aus den wegen,
und wird von seinem stoltz verführt
Opitz teutsche poemata 131 neudr.;

du bist dem glücke fürchterlich,
sein stoltz musz deine grösze scheuen
Hagedorn vers. einig. gedichte 17 (an Peter II von Ruszland);

weh ihm, wann ihn (den fürsten) sein stolz verwöhnet!
A. v. Haller ged. 14;

sein stolz zielt immer gen himmel.
bald schilt er die vorsicht, die ihn im purpur und reichthum
verabsäumt;
bald dünkt er sich selber zu schwach und tadelt die weisheit
der schöpfung
E. v. Kleist 1, 235 Sauer;

es hören meinen stolz Belt, Donau, Wolga, Rhone,
und weichen hinter mich!
Ramler lyr. ged. (1772) 44;

doch wagte mein stolz den ocean
der gottheit zu ergründen
Pfeffel poet. vers. 8, 197;

mein stolz hat ihm das herz gebrochen
Göthe 11, 297 Weim.;

zwar mein stolz
der glaubt es, dasz so tief zu mir herab
sich götter niederlieszen IV 1, 45 Weim.;

(prinzessin:) bis jetzt
war es mein stolz, der meine tugend schützte
Schiller 5, 2, 236 (don Carlos 2, 8);

zu viele könige schon
hab ich zu feinden, die dein stolz verschmähte 13, 351 (Turandot 1, 1);

[Bd. 19, Sp. 280]


mögen tausend herzen brechen,
was kümmert sie's, wenn sich ihr stolz nur weidet 5, 2, 391;

dasz nicht eur stolz sich überhebt
Rückert werke 1, 169;

mein stolz empörte sich Klinger neues theater 1, 136 (Schiller 5, 25) vgl.

wie freudig zög ich nun an dem erboszten Phrat,
wo sich der Parther stolz aufs neu empöret hat
Ayrenhoff werke 1, 66;

den mord allein, die heimlich blutge that,
verbietet mir mein stolz und mein gewissen
Schiller 12, 439 (Maria Stuart 1, 7);

ich musz es in jedem fall ablehnen, einen unschuldsbeweis anzutreten. das duldet mein stolz nicht G. Hauptmann einsame menschen 90 (3); auch:

du bist noch stolz; ich geh.
ich geh — du lachst noch nicht — wenn ich dich wieder seh,
so wisse, dasz ich dich und deinen stolz verhöhne:
geh, such allein dein glück, leb wohl, du spröde schöne!
Cronegk schr. 1, 18;

ihr, die ihr euch auch ohne gott
die welt getrauet zu regieren,
und seine zügel selbst zu führen,
ihr, die ihr euch, doch eurem stoltz zu spott,
weit über seinen thron erhebet
Pyra-Lange Thirsis und Damon (1749) 92.


b) der ersatz des possessivpronomens durch den bestimmten artikel will seine selbständigkeit noch mehr hervorheben; er tritt fast ganz an die stelle der vom stolz geplagten person (wie man denn in den meisten hier aufgeführten fällen an seine stelle wendungen wie der stolze mensch u. s. w. setzen kann): so demüthigend auch das geständnisz für den stolz ... seyn mag, ... Thümmel reise 1, 7;

wenn dort kein säulengang zu stolzen zimmern leitet,
wo gold an wänden strahlt, der fusz auf marmor gleitet,
das üppig weiche bett mit purpurdecken prangt,
und keine zierde fehlt, die feiner stolz verlangt
Uz 2, 9

der stolz begnügte sich, ihm huldreich zuzunicken
Pfeffel poet. versuche 8, 31;

geist, den der stoltz von gott abfällig gemachet hat Bodmer von dem wunderbaren (1740) 75; allein man lebt mitten unter den auszchweifungen des stolzes, der üppigkeit, ... und ist gleichgültig gegen so viele unordnungen Cramer nordischer aufseher 45;

heiliger balsam, der die wunden
des schwingenerzeugenden stolzes heilt
Lenz ged. 229.

(ohne artikel:) auch stolz verachtet die verstellung O. Ludwig 5, 444.
c) wie ein dämonisches wesen nimmt er vom menschen besitz und beeinfluszt sein thun und handeln: ... als auf einmal der stolz in seine seele bliesz: 'ho! ho!' sagte dieser: 'auf eine so auszeichnende art zum edelmann geprägt zu werden!' Klinger werke 3, 76; plötzlich aber überkommt den narren ein stolz Immermann epigonen 3, 8, 5; — nur urtheile mir keiner, in dessen brust gekränckter stolz ... tobt Lichtenberg aphor. 3, 292, 32;

wie kompts dasz jhr nicht zfrieden seydt?
die hoffart, stoltz, ein jeden reit
Gilhusius grammatica 4 (8), 128

da fuhr der stolz ihm in den leib Mildheim. liederbuch 88;

schütze mich vor stolz, der thoren blendet
Seume 5, 14 (vgl.
Arnim 19, 5);

der stolz schwellte nach und nach sein herz so auf, dasz ... Klinger werke 3, 144; eigentlicher (entsprechend schwellen th. 9 sp. 2507 unter 3) vom 'vater Rhein':

sehet euern vater heute,
wie der stolz ihn schwellet
Rückert werke 1 125

zorn und stolz reden aus ihm Petrasch lustspiele 1, 585; ob dich ein gerechter ehrgeiz und stolz nicht höher treiben könte! Caroline 1, 64. — der zorn wünschet dem menschengeschlecht einen einzigen hals, die liebe ein einziges herz ... und der stolz zwei gebogne knie! Jean Paul Siebenkäs 2, 64.
d) als eine allegorische personification (vgl. seine darstellung in vignetten des 18. jahrhunderts z. b. als ein

[Bd. 19, Sp. 281]


blinder jüngling in prächtiger kleidung, den einen fusz auf eine kugel gestellt, und in der hand eine schreibtafel oder einen spiegel haltend):

die blasse schmeicheley, der stolz, der voll vergnügen
im malerischen glas den reiz von seinen zügen
in höherm glanz beschaut, die wilde lüsternheit
und gürtelloser scherz stehn neben ihr (der wollust) gereiht
Wieland I 1, 46;

der stolz im stralenden gewand,
des schwelgers tisch, vom süszen gifte schwer,
lockt mich nicht mehr
Schubart gedichte 1, 83;

in solchem costüm wohl auch der stolz (neben der sorge und dem geiz) als begleiter des ehernen alters in Göthes maskenzügen (16, 195 Weim.). — mannigfach im sprichwort: der stolz geht vor dem fall (vgl. dazu je näher dem untergange, desto mehr scheint das unrecht, der stolz ... zu siegen Herder 19, 105); der stolz ist des untergangs (des falls) vorreiter Wander 4, 876. anders: der stolz reitet zu pferde aus und kommt zu fusz nach haus ebenda; der stolz frühstückt mit dem überflusz, speist zu mittag mit der armuth und iszt zu abend mit der schande Simrock 9923, ähnlich: der stolz iszt zu mittag mit der pracht und zu abend mit der verachtung Frischbier preusz. sprichwörter 3647. — leicht wie im folgenden für der stolze mensch: die juden urtheilen doch Christum, warumb nicht der stoltz den armen Lehmann florileg. politicum 1, 51; der stoltz mag wol in einer schlechten jopen, als einem seydenen kleide sein Friedr. Wilhelm sprichw. register h 2; der stolz breitet sich aus wie ein pfaw oder welscher han Lehmann bei Wander 4, 876; der stolz meint, seine würfel würfen allzeit achtzehn Simrock 9927; der stolz meint, was er denke, das schlage an alle glocken an Wander 4, 876.
8) der den stolz erregende gegenstand (weiter entwickelt aus dem gebrauch unter 5 d und 6 e).
a) eines ist mein stolz; von personen: der bub ist mein stolz, er geräth mir nach Bäuerle kom. theater 1, 19 (vgl. maler Müller 1, 356);

wie konntest du dich aber so vergessen!
du, unser stolz, des meisters freund und liebling!
Zach. Werner söhne des thales (1803) 1, 143;

pfui, schäm dich! —
du warst mein stolz! — Martin Luther (1807) 203.

sonst: nur kurze frist blieb der sorgsamen hausfrau, ihren stolz, die feinste weizenwaare, zum frühstück aus dem backofen zu fördern Holtei erz. schr. 26, 247; tabellen waren mein stolz vierzig jahre 1, 166; denn reinlichkeit ist die zierde der hausfrau; aber ihr stolz ist die klugheit W. Busch Eduards traum 29;

eine kannt ich, sie war wie die lilie schlank, und ihr stolz war
unschuld; herrlicher hat Salomo keine gesehn
Göthe 1, 345 Weim.;

doch eben diesen jammer, meinen stolz,
will ich nicht missen
Fouqué held des nordens 2, 23.

euer gehorsam war eure leidenschaft, euer stolz — meine gnade! Schiller 3, 472 (kabale und liebe 4, 9; lady zur dienerschaft).
b) er ist der stolz jemandes: sohn, der stolz der keuschen mutter vgl. Ramler lyr. gedichte 276; sie zeichnete mit schwarzer kreide so fein, so gefällig für das auge, dasz sie der stolz ihres zeichenlehrers war Hauff 3, 62; auch: er ist nämlich der teure sohn, der stolz meines alters Tieck 19, 17;

du bist derselbe held,
der in der letzten schlacht Artanders stolz gefällt!
Cronegk schr. 1, 175;

der freye ..., anstatt durch statuen und lieder verherrlicht der stolz der seinigen zu seyn, ward ehrlos Niebuhr röm. gesch. 1, 219; (er) war einst der stolz seiner landsleute Justi Winckelmann 2, 1, 84; sie (die groszmutter) hatte den 'stolz der familie' (ihren enkel) gelobt Kürnberger nov. 3, 11;

er lehnte seine feuchten wangen
ans grüne holz,
jüngst eine nymphe, sein verlangen,
der nymphen stolz!
Hölty gedichte 4 (Apoll und Daphne. vgl.
Matthisson schr. 1, 78);

[Bd. 19, Sp. 282]



wir wollen feyren heut den tag,
der uns in Carln
den fürsten! und den vater!
den kenner jeder kunst!
den stolz der Deutschen gab!
Schubart gedichte 2, 18;

der stolz des alterthums, Timanth
Pfeffel poet. vers. 1, 191;

auch:

er, die bewundrung seiner zeitgenossen,
und später nachwelt stolz
Gotter 1, 372;

er ist der stolz seines vaterlandes (il fait la gloire de sa patrie) Chr. Schwan dict. 2, 724a; mein vaterland verlohr den seltnen groszen mann, der ... der stolz Lusatiens ward A. G. Meiszner Alcibiades 1, 3 (widm.); (musiker,) welche der stolz Deutschlands und der neid des auslandes sind Schubart ästhetik der tonkunst 97;

er selber ist dahin, doch lebt sein geist
in einem tapfern heldenpaare fort
glorreicher söhne, dieses landes stolz
Schiller 14, 16 (braut von Messina 1, 1);

der stolz des dorfes; ein hoch auf die frau Knollin ..., die brave mutter, die edle wirthin, den stolz von Alpbach Steub drei sommer in Tirol 1, 117; er nannte mich den stolz des klosters E. Th. A. Hoffmann 2, 28; (ein reitknecht,) der stolz des marstalls Gutzkow werke 1, 27;

ein reicher, fleizsger, ein solider mann,
der stolz von Cyperns kaufmannschaft
Bauernfeld ges. schr. 3, 14;

von tieren: (der vorwurf, dasz ein Römer) einer murene, dem stolz seines fischteiches, bei ihrem tode thränen nachgeweint habe Mommsen röm. gesch. 2, 404; der freundliche hof, der den stolz des gutes Wlastowitz, die elite der negrettiherde, beherbergte Ebner-Eschenbach 4, 9. — in der landschaft: dieser berg ist auch der stolz des dorfes, als hätten sie ihn selber gemacht Stifter 5, 1, 202; ein baum der stolz des waldes:

ihr schaut die eiche dort; sie war der stolz
der wälder rings: ihr seht es an den resten
Freiligrath dicht. 5, 12.

von menschlicher leistung: sein gemälde, der stolz seiner zeit Meiszner skizzen 1, 25;

zum kleinen pult von nussbaumholz,
eines alten schreinermeisters stolz
Mörike 1, 163;

vgl. auch die eigentliche würde der mathematik, dieses stolzes der menschlichen vernunft Kant 3, 323; in der discussion des staatsraths, diesem stolze der französischen administration Savigny beruf unserer zeit für gesetzgebung und recht 59. von tugenden: einst war der kindersegen der stolz des weibes Mommsen röm. gesch. 3, 594; zur zeit, als die keuschheit ihrer töchter noch der stolz der häuptlinge war Ratzel völkerkunde 2, 183.
c) sehr charakteristisch dient diesem gebrauch die präposition bei zum ausdruck einer weiteren richtungsbestimmung: Leibnitz, unser stolz bey den Franzosen Heinse 3, 576; dieser sohn ist ihr stolz bei allen leuten d. h. die leute sind auch innerlich gezwungen, anzuerkennen, dasz man mit recht auf ihn stolz ist.
d) entsprechende begriffe werden ihm nebengeordnet: mich unterhielte da die edelste gesellschaft, der stolz und die ehr eines jeden jahrhunderts S. Gessner schr. 1, 136;

wenn Joseph, Teutschlands stolz und ehre,
nicht ohne marmor göttlich wäre,
würd ers durch eure (der künstler) züge seyn?
Schiller 1, 51;

er, der die ehre und den stolz der neuern kunst, die italienische malerei, so gern meisterte Justi Winckelmann 2, 2, 215; auch ahnenbilder kaufte er (der trödler) gern ... der stolz und die verehrung manches geschlechtes wurden in der Kröppelstrasze auf das schnödeste mit dem gesicht gegen die wand gelehnt W. Raabe hungerpastor 1, 91. — ein glück, das sonst euer stolz und euer triumph war Th. Abbt verm. w. 6, 2, 85;

was mir mein freund geschenkt, war sein,
ist itzt mein stolz, mein schmuck, mein ruhm,
und wird dereinst mein nachruhm seyn
Gerstenberg ged. eines skalden 363 lit. denkm.;

heil uns! du bist geworden
des volkes eigenthum,
bist seine lust und freude
und bleibst sein stolz und ruhm
Hoffmann von Fallersleben schr. 6, 290;

[Bd. 19, Sp. 283]


ja meine krone und mein stolz war dieser Friz, und nun liegt er im dunkeln hause, aus dem noch keiner wiedergekert ist Görres briefe 3, 500; der Gringel selbst oder die ganze reihe häuser, deren stolz und krone er ist O. Ludwig 2, 41. — der grosze hanseatische bund, die zierde und der stolz Deutschlands in dem mittleren zeitalter Schmidt geschichte der Deutschen 3, 113; der letzte demagog ist uns für keinen preis feil, er wird einst der stolz unseres naturalienkabinetts und die zierde unserer stadt Heine 3, 222;

edler schmuck und stolz des frühlings,
strahlenreiche nelcken, schimmert!
Götz verm. ged. 2, 140 (der garten);

o! meine tochter,
o! du, mein stolz, mein kleinod, meine freude!
Wieland 3, 164;

ich hoffe eure augenweide
noch spät und euer stolz zu sein
Mörike 1, 172;

sie war ihres vaters glück und stolz und seine nagende sorge Ebner-Eschenbach 4, 234 (Holtei erz. schr. 5, 10, auch gegensätzlich: denn die junge frau war fast noch mehr sein stolz als sein glück Fontane I 3, 5). — dasz ich dich wieder habe! dich, meine hoffnung, meinen stolz, mein alles! Kotzebue dram. w. 18, 254; in Frankreich ist die armee der liebling der nation, ihr stolz und ihre hoffnung Moltke ges. schr. 7, 123; (sie ist) selbst von denen, die noch ihr letzter trost und stolz sind, verrathen A. v. Droste-Hülshoff an L. Schücking 114 (vgl. der stoltz seines ruhmvollen lebens, die ruhe seiner nächte, und der trost in seinem tod Lichtenberg aphor. 4, 88, 473). — sie ruhte beglückt am herzen des mannes, der ihres lebens stolz und freude war Immermann epigonen 1, 2, 1. —

Carthago hält den Regulus gefangen, ...
der euer stolz und eure liebe war
Collin Regulus 20 (1, 2);

die weingärten, die der stolz und der reichthum der insel sind Chamisso 1, 60. — vereint war es (das heer) einst des czaaren stolz und stütze Babo schauspiele 222; der stolz und die stütze Preuszens, das heer C. O. Hoffmann revolution und contrerevolution (1849) 32. — (ein volk,) dessen stolz und studium zeichendeuterey ... war Niebuhr röm. gesch. 1, 93; Julius Cäsar, der stolz und das muster seiner familie Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 61.
e) beliebte weitere bestimmungen in diesem gebrauchskreise: eines ist mein besonderer stolz, mein ganzer stolz; die marine war Dänemarks eigentlicher stolz H. Steffens was ich erlebte 1, 178; so war der letzte und einzige stolz der preuszischen politik, die neutralität Norddeutschlands in frage gestellt Treitschke deutsche gesch. 1, 213;

sein höchster stolz und seine wärmste liebe,
sein tod, sein himmel ist das vaterland
Hölderlin dicht. 1, 113;

nach griechischem vorbild (mit bezug auf die königl. brüder Agamemnon und Menelaos):

wie einst den zwiethronigen stolz der Achäer (Ἀχαιῶν δίθρονον
κράτος), hellenischer jugend
einige feldherrn,
fort mit speer und mit rächendem arme die thurstigen aare
sandten gen Troja
Droysen Aischylos3 9.


f) zum verbalen zusammenschlusz neben dem gewöhnlichen sein bisweilen bilden (etwas bildet den stolz eines u. ä.) und (aus)machen: gedörrte fische und mehlvorräthe aus eigenem landbau machten den stolz der wirthschaft Dahlmann gesch. von Dänemark 2, 114.
 
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stolz-zusammensetzungen, besonders adject., sind zahlreich möglich; sie werden im folgenden nur in einer auswahl dargeboten.
 
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stolzart, f., besondere art des stolzes: giebt es nicht eine gewisse aufgeblasenheit der worte, die man bauernstolz nennen könnte, welcher ... die unerträglichste aller stolzarten ist? Hippel kreuz- und querzüge 1, 355. —
 
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stolzathmend, adj.: vgl. Stolberg 13, 48. —
 
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stolzaufblühend, adj.: der stolzaufblühende jüngling Jean Paul 15-18, 7 Hempel.
 
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stolzaufgerichtet, adj., von der menschlichen gestalt Alexis Roland von Berlin 1, 86. —
 
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stolzaufstrebend,

[Bd. 19, Sp. 284]


adj., von einer burg, einem turm u. s. w. Rosegger III 5, 360.
 
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stolzbaum, m., bei Fischart wohl für stelzbaum (s. oben), welcher zum unterstelzen (vgl. Schmeller2 2, 754), unterstützen bei bauten u. s. w. dient: welche (geschütze) samptlich mit aller darzu gehöriger munitionzeug wol versehen waren, als mit ... fürsetzzeug, eselzeug, stoltzbeum, straubhöltzer, (die ausgabe von 1575 fügt noch pruckthilen hinzu) Gargantua 317 (29) neudr.
 
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stolzbehaglich, adj.: der ehmann ... kann versichert sein, dasz der mörder seines glücks und seiner ehre einen stolzbehaglichen seelentriumph feiert Nestroy 11, 155. —
 
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stolzbekleidet, adj., mit stolzem, prächtigem, üppigem kleid (s. oben stolz adj. 7 d): ein schönes und stoltzbekleidtes weibsbild Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 6, 278. —
 
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stolzberitten, adj.: eine so prächtige wachparade mit ... stolzberittenen husaren Gutzkow zauberer von Rom 1, 3. —

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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